In dir verlaufen
Disclaimer: Alle Personen und Orte des Harry Potter – Universums gehören J.K. Rowling. Ich verfolge keine kommerziellen Absichten mit dieser Fanfiction.
Summary: Drei Jahre nach Voldemorts Ende geschehen immer noch Angriffe und die Zaubererwelt wird von Zeit zu Zeit nur allzu schmerzhaft daran erinnert, dass der Kampf gegen die dunklen Mächte nie enden wird. Als Hermine bei einem Angriff zu Schaden kommt, gibt es nur einen, der ihr vielleicht noch helfen kann.
Kapitel 6: Du musst nicht tanzen, aber beweg dein Herz
Die Verletzten sollen die Ärzte sein
Die Letzten sollen die Ersten sein.
Als Severus Snape wieder vollständig bei Bewusst sein war, schäumte er vor Wut.
„Sind Sie wahnsinnig, einfach so in meine Geist einzudringen?"
Marhta Cole blieb erstaunlich ruhig.
„Ich musste es tun, Sie hatten die Kontrolle verloren."
„Woher wollen Sie das wissen? Sie hätten Miss Granger umbringen können und mich auch."
„Es ist wahrscheinlicher, dass Sie den Verstand verloren hätten und dann hätte sich ihr Zustand nicht sehr von Miss Grangers unterschieden."
Snape ahnte, dass seine Wut Martha Cole nicht sehr einschüchterte.
„Und jetzt könnten Sie mir mitteilen, was genau passiert ist", verlangte sie.
„Miss Granger hat Okklumentik angewandt."
„Das ist unmöglich, dazu müsste sie bei Bewusstsein sein."
„Nicht unbedingt, es ist eine automatische Reaktion, bedingt durch ihren Zustand. Ihr Geist schottet sich kontinuierlich ab und wenn man auf ihn zugreifen will, beschleunigt sich das Ganze."
„Dann kommen wir mit Legilimentik also nicht weiter?"
„Jedenfalls nicht, wenn wir ihren Geist dazu zwingen wollen uns zu verraten, was geschehen ist."
Eine kurze Stille trat ein. Martha wusste nicht, was sie darauf antworten sollte.
„Miss Cole?" Snapes Stimme war verändert, jemand der ihn gut kannte, hätte eine Spur Unsicherheit herausgehört, aber Martha kannte ihn nicht gut.
„Ja, Professor?"
„Woher wussten Sie, dass etwas schief lief?"
Martha zögerte einen Augenblick.
„Sie haben angefangen zu weinen."
ooo
Snape saß in seinem Zimmer. Es unterschied sich nicht großartig von den anderen Zimmern im St. Mungos, was hieß, dass es sehr an ein Krankenzimmer erinnerte. Er hatte furchtbare Kopfschmerzen. Miss Cole hatte den Anstand gehabt, ihn nach dem Zwischenfall eine Ruhepause anzubieten, so hatte er nicht darum bitten müssen.
Hermine hatte ihn in einen gefährlichen Strudel gezogen. Ihr Schmerz hatte sich mit seinem vermischt und er hätte sich letztendlich ergeben müssen, das war ihm bewusst. Ihm war auch bewusst, dass es nun unmöglich war, ihren Geist nocheinmal dazu zu bringen, ihm irgendetwas zu zeigen. Die Schmerzen hinter seinen Schläfen wurden schlimmer. Verdammt nochmal.
Es klopfte an der Tür und wenig später stand Martha Cole mit einer Phiole in der Hand im Zimmer.
„Trinken Sie das", befahl sie im Ton einer Oberschwester.
„Was ist das?"
„Etwas gegen Ihre Kopfschmerzen."
„Ich dachte, sie dürfen Häftlingen keine Medikamente geben?"
„Jetzt trinken Sie schon."
Snape nahm widerwillig die Phiole und kippte deren Inhalt herunter. Ein Standardgebräu, dass in etwa einer Aspirintablette gleich kam, nur dass die Wirkung schneller einsetze.
„Danke", sagte er knapp, ohne einer Spur echter Dankbarkeit in der Stimme und gab die leere Phiole zurück. Seine Kopfschmerzen ebbten gerade ab, als ihm ein Einfall kam.
„Heiltränke"
„Entschuldigung?" Martha Cole sah ihn mehr als nur fragend an.
„Miss Grangers Zustand, was wenn das eine Nebenwirkung von Heiltränkemissbrauch ist?"
„Wir haben ihr nichts gegeben, wovon zum Teufel reden Sie?"
„Welche Fluchschädigungen haben die anderen Opfer des Anschlags gehabt?"
„Na ja, die meisten hatten mit dem Crutiatusfluch zu tun, ein paar haben üble Schockzauber abbekommen, die Lähmungen verursacht habe. Ein oder zwei hatten abgetrennte Gliedmaßen."
„Aber keiner liegt im Koma, oder?"
„Nein, Miss Granger scheint eine besondere Mischung abbekommen zu haben."
„Aber sie zeigt keinerlei Fluchschäden."
„Ja, aber worauf wollen Sie hinaus?"
„Wann wurde Sie zuletzt gesehen, vor der Sache in der Winkelgasse?"
„Keine Ahnung, was spielt das für eine Rolle?"
„Was auch immer diesen Zustand ausgelöst hat, ist nicht in der Winkelgasse passiert."
Martha versuchte ihre Gedanken zu sortieren. Sie ergaben kein vollständiges Bild, also entschloss Sie sich, die ganze Sache neu aufzurollen.
„Ich werde die Augenzeugenberichte noch einmal durchgehen und versuchen, rauszukriegen wann Miss Granger das letzte Mal gesehen wurde. Sie bleiben hier und ruhen sich aus. Das ist eine ärztliche Anordnung."
Als Martha Cole das Zimmer verlassen hatte, erlaubte sich Severus Snape ein kleines Lächeln, sein Verstand funktionierte also noch und Cole war schlau genug das zu tun, was nötig war.
ooo
Martha hatte die letzten drei Stunden damit verbracht sich alle Zeugenaussagen nocheinmal genau durchzulesen, aber es war nichts brauchbares dabei herausgekommen. Miss Grangers Name tauchte nur in den Berichten der Medimagier auf, die kurz nach dem Angriff vor Ort waren und die gaben auch keine neue Auskunft. An ihrer Bürotür klopfte es und ein Mann mittleren Alters trat in das kleine Zimmer.
„Hallo Martha, stör ich?"
„Nein, kommen Sie ruhig rein Adrian. Haben Sie etwas über Miss Granger in Erfahrung gebracht?"
„Sie wurde zuletzt von einigen Ministeriumsmitarbeitern gesehen, als sie am Vorabend des Angriffs ihr Büro verlassen hat. Danach hat sie keiner mehr gesehen. Keine Passanten, keine Nachbarn und ihre Freunde haben sie auch nicht gesehen. Aber das ist nicht ungewöhnlich, sie lebt allein."
Martha nickte und zwang sich zu einem Lächeln.
„Danke Adrian, Sie haben mir sehr geholfen."
ooo
Snape zeigte keine Reaktion, als Martha ihm die spärlichen Erkenntnisse mitteilte, die sie über Miss Grangers Verbleib vor dem Angriff in Erfahrung gebracht hatte.
„Das Einzige, das wir wissen, ist dass sie Freitagabend gegen sechs ihr Büro verlassen hat und am Folgetag mit Mister Potter verabredet war. Der Angriff fand gegen acht Uhr dreißig statt. Das macht ungefähr 14 Stunden, von denen wir nicht wissen, wo sie sich aufgehalten hat. Und jetzt wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir Ihre Theorie genauer erklären könnten." Aus Marthas Stimme war die Erschöpfung und die Ratlosigkeit herauszuhören, aber Snape ging nicht darauf ein.
„Miss Granger kam nicht bei dem Angriff zu Schaden, Sie wurde vorher angegriffen, wahrscheinlich entführt und gefoltert."
„Aber wenn sie gefoltert worden wäre, hätten wir Spuren davon gefunden."
„Nicht wenn jemand sie vorher geheilt hätte."
„Das ist absurd, wer heilt denn jemanden, den er quält?"
Snape atmete hörbar aus und zeigte ein angewidertes Grinsen.
„Seien Sie froh, dass Sie nie mit solchen Leuten zu tun hatten. Jemand hat sie gequält und dann die Wunden geheilt, wahrscheinlich mit einem Wundheilungstrank, nur um sie dann wieder zu quälen."
„Ich verstehe nicht ganz, warum ist sie dann in diesem Zustand."
„Jemand hat ihrem Körper immer wieder vorgegaukelt gesund zu sein, ihrem Geist aber keine Ruhe gegeben. In den meisten Heilungstränken sind beruhigende Substanzen verabeitet, die bei einer zu hohen Dosierung aber die Nerven angreifen können."
„Man hat sie also nicht nur gequält, sondern auch noch vergiftet?"
„Nun ich glaube nicht, dass man sie bewusst vergiftet hat, aber ja. Ihr Geist hat schließlich die Reißleine gezogen."
„Das ist furchtbar." Marthas Gesicht war jetzt vor Entsetzen ganz blass.
„Aber wie ist sie dann in die Winkelgasse gekommen?"
„Es gibt zwei Möglichkeiten, entweder man hatte keine Lust mehr mit ihr zu spielen, weil sie keine Reaktion mehr zeigte und wollte sie deswegen in der Winkelgasse loswerden und das Ganze ist ein riesiger mysteriöser Zufall oder..."
„...Oder jemand hat das ganz genau geplant und zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen."
Snape nickte, Cole war also doch zurecht in Ravenclaw gewesen.
„Okay, mal angenommen, Ihre hochdramatische Theorie stimmt, wie können wir Miss Granger dann noch helfen?"
Snape schaute sie abschätzig an.
„Sie sind doch die Medimagierin."
Martha legte den Kopf schief und begann auf ihrer Unterlippe zu kauen, was ihr ein sehr schulmädchenhaftes Aussehen verlieh.
„Ihr Körper wurde gefoltert, was gleichzeitig auch ihren Geist geschädigt hat. Dann hat man ihren Körper geheilt, aber ihren Geist nicht und die ganze Sache wiederholt. Ihr Geist war also noch verletzlicher. Ihr Körper konnte die gleiche Dosis Schmerz ertragen, aber ihr Geist nicht, also hat er sich abgeschottet."
„Das ist eine sehr treffliche Zusammenfassung."
Martha achtete nicht auf Snape und begann im Zimmer auf und ab zu gehen.
„Ihr Geist hat sich gegen Schmerzen gewehrt, die körperlich gar nicht mehr da waren. Er ist sozusagen heiß gelaufen. Wenn man äußere Wunden heilt muss man dem Patienten trotzdem Zeit geben um sich zu erholen. Aber wie können wir ihren Geist heilen und zwar so schnell, dass ihr Körper nicht vorher schlapp macht?"
„Ich hab Ihnen doch gesagt, dass sie einen Aufheiterungstrank braucht", warf Snape plötzlich ein.
