In dir verlaufen
Disclaimer: Alle Personen und Orte des Harry Potter – Universums gehören J.K. Rowling. Ich verfolge keine kommerziellen Absichten mit dieser Fanfiction.
Summary: Drei Jahre nach Voldemorts Ende geschehen immer noch Angriffe und die Zaubererwelt wird von Zeit zu Zeit nur allzu schmerzhaft daran erinnert, dass der Kampf gegen die dunklen Mächte nie enden wird. Als Hermine bei einem Angriff zu Schaden kommt, gibt es nur einen, der ihr vielleicht noch helfen kann.
Kapitel 7: Für nichts garantieren
Schlag es aus oder schlag ein
Schau was dein Blitzeinschlag schafft
In Hermine Grangers Krankenzimmer waren vier Personen versammelt, die zwar in gedämpften Ton, aber nichts desto trotz heftig diskutierten.
„Das ist Wahnsinn, wir wissen nicht, wie solcherlei Tränke auf eine Patientin in ihrem Zustand wirken, das wissen Sie doch, Misses Cole", sagte schließlich eine große, schlanke Frau, die Ähnlichkeit mit Professor McGonagall hatte, abgesehen davon, dass ihr kurzes blondes Haar sich in kleinen Welle um ihr Gesicht schmiegte und sie keine Brille trug. Sie war die Chefin des St. Mungo Hospitals und schien grundsätzlich allem kritisch gegenüber zu stehen, besonders aber einem ehemaligen Tränkemeister von Hogwarts.
Neben ihr stand ein rundlicher Mann, der knapp einen Kopf kleiner war als sie und sich als Leiter der Abteilung für neuro-magische Erkrankungen und Fluchschäden vorgestellt hatte. Er schien für Snapes Ideen empfänglicher zu sein.
„Ein Aufheiterungstrank könnte durchaus eine heilende Wirkung auf Miss Grangers Geist haben, sofern Mister Snapes Theorie stimmt."
„Das wissen wir aber nicht, wir haben keine Beweise dafür dass Miss Grangers Zustand nicht doch durch etwas ausgelöst worden ist, was in der Winkelgasse geschehen ist. Sollte ihr Zustand nicht durch einen Missbrauch von Heilungstränken verursacht sein, wissen wir nicht, was passieren wird", gab die Hospitalleiterin zu bedenken.
„Aufmunterungstränke haben keine Nebenwirkung, alles was sie tun ist Menschen...aufzumuntern", mischte sich Martha nun ein.
„Also schön, angenommen wir geben ihr einen Aufheiterungstrank, auf welche Weise würde sich das möglicherweise auf ihren Zustand auswirken, Mister Maxfield?"
Der Angesprochene überlegte einen Moment.
„Nun ja, genau können wir das nicht sagen. Wenn ich Professor Snapes Theorie richtig verstanden habe und ihr Geist durch ein unerträgliches Schmerzpensum dazu gezwungen wurde sich abzuschotten, dann würde der Trank wohl ihrem Geist dabei helfen die bereits körperlich geheilten Wunden auch psychisch zu verarbeiten. Wenn ihr Zustand durch etwas anderes ausgelöst wurde, könnte es passieren, dass sie aufwacht und wenn die Wirkung des Tranks nachlässt, dann könnte es sein, dass das was auch immer ihren Geist angegriffen hat einen neuerlichen Schock verursacht, weil es ihr gar nicht möglich ist ,es zu verarbeiten. Aber das ist rein spekulativ."
Snape ließ den Kopf hängen, er glaubte kaum, dass sich die Chefin so überzeugen ließ.
„Miss Granger hat in Ihrem Leben so einiges gesehen und erlebt, ich halte es für wahrscheinlicher, dass irgendetwas ein neuerliches psychisches Trauma ausgelöst hat, als dass Professor Snapes wilde Foltertheorien auch nur annähernd der Wahrheit entsprechen."
„Miss Granger hat wirklich schon viel erlebt und sie hat alles irgendwie verarbeiten können, sie ist nicht kaputter als andere", bemerkte Snape mit seiner gewohnt durchdringenden Stimme, fast so als wolle er sich selbst und nicht Hermine verteidigen.
„Ich denke, Sie haben Ihre Meinung schon deutlich genug gemacht, Professor Snape", entgegnete die Hospitalleiterin kühl „Sie sind uns keine Hilfe mehr, ich werde veranlassen, dass Sie zurück ins Ministerium gebracht werden."
„Entschuldigen Sie, Ma'am, aber ich glaube nicht, dass wir auf Professor Snapes Fähigkeiten als Legilimentiker verzichten können." Martha wusste, dass sie sich weit vorgewagt hatte, aber sie hatte ein ungutes Gefühl dabei, Snape einfach so wieder fortzuschicken.
„Und wie, Misses Cole, sollte uns Professor Snape noch weiter helfen können."
„Nun ja, bis jetzt haben wir immer versucht Miss Grangers Geist dazu zu bringen uns das zu zeigen, was ihren Zustand ausgelöst hat. Vielleicht sollten wir stattdessen versuchen Miss Grangers Geist dazu zu bringen die Außenwelt wieder wahr zu nehmen, sie gewissermaßen abzulenken."
Martha sah sich drei ungläubigen Gesichtern gegenüber.
„Wovon in Merlins Name sprechen Sie, Cole?", fragte die Hospitalleiterin.
„Professor Snape hat vielleicht die Chance ihrem Geist etwas als wahr vorzumachen, was nicht real ist. Er könnte ihr bestimmte Bilder suggerieren, die im Falle eines tatsächlichen psychisch verursachten Traumas dazu führen, dass sie möglicherweise, na ja wieder Hoffnung schöpft."
„Sie wollen ihr etwas vorgaukeln, damit sie vergisst was passiert ist?", mischte sich der Stationsleiter ein. „Das ist absurd, wie wollen Sie das anstellen?"
„Anstatt zu versuchen ihr etwas zu entreißen, geben wir ihr etwas. Wir holen Sie aus der Isolation, indem wir ihr ... Liebe und Wärme geben." Martha Cole wusste selbst, dass sich das skurril anhörte, aber was für eine Wahl hatten sie schon?
„Na schön", sagte die Hospitalleiterin „Heilen wir sie mit Sonnenschein und Regenbögen."
ooo
Zwanzig Minuten später war das Krankenzimmer von Hermine Granger leer. Snape und Martha waren in Snapes Zimmer und der Zaubertrankexperte funkelte die junge Hexe bedrohlich an.
„Was zum Teufel haben Sie sich denn dabei gedacht? Ihr Geist hat mich ausgeschlossen, wie soll ich ihr denn vormachen, dass die Welt ein fröhlicher Spielplatz ist? Hätten Sie nicht irgendwas erfinden können, damit sie diesen verdammten Trank bekommt?"
„Nein, hätte ich nicht. Ich fand die Einwände von Maxfield logisch. Vielleicht haben Sie recht und das alles wurde durch extreme Schmerzen ausgelöst, aber vielleicht hat man sie auch psychisch gequält, das ist doch wahrscheinlich."
„Na schön, aber wie stellen Sie sich das vor, dass ich bunte Bildchen in ihrem Kopf auftauchen lasse?"
„Na ja, so in etwa."
Snape schnaufte, das konnte doch alles nicht wahr sein. Er war es gewohnt Menschen einen Trank zu brauen und nicht ihnen vor zu machen, dass es sich lohnt zu leben.
„Hören Sie, die Idee ist ja ganz nett, aber ich bin wirklich nicht der Richtige dafür."
„Sie sind nunmal der Einzige."
ooo
Severus Snape saß nun seit einer geschlagenen Stunde am Bett von Hermine Granger und versuchte eine Strategie zu entwickeln, ihrem fast unbeweglichen Geist, positive Gefühle oder Erinnerungen zu suggerieren. Er kannte sie doch im Grunde überhaupt nicht. Das Bild, das er mit ihrem Namen verband, war das eines empor gestreckten Arms. Für ihn war sie einfach die unverbesserliche kleine Streberin, die kein Feingefühl dafür hatte, wann man eine Frage auch einfach mal im Raum stehen lassen sollte. Woher sollte er denn wissen, was ihr ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit gab? Er musterte ihr Gesicht, als würde die Antwort vielleicht plötzlich auf ihrer Stirn auftauchen. Snape musste sich eingestehen, dass die Hermine seiner Erinnerung nicht ganz zu der jungen Frau passte, die dort lag. Verdammt, er erkannte sie kaum, wenn sie nicht gerade ihren Mund aufmachte, um eine ihrer altklugen Bemerkungen los zu werden. Was wusste er schon über sie? Sie mochte Bücher und Ron Weasley, was an sich schon eine völlig paradoxe Kombination war. Er gab ein leises Knurren von sich, was dazu führte, dass Martha Cole von ihren Akten auf sah und drang dann erneut in Hermines Geist ein.
Irgendetwas ist da. Ein Klopfen? Ich werde nicht antworten, ich bleibe hier.
Snape hatte keine Ahnung wo er anfangen sollte, er hatte Angst, dass irgendetwas wieder dazu führen konnte, dass Hermines Geist seinen angriff. Er versuchte ein positives Bild in sich aufkommen zu lassen. War Granger nicht ständig in die Bibliothek gerannt? Er versuchte sich voll und ganz auf die unendlichen Bücherregale zu konzentrieren und als er glaubte, dass er das Bild genug fixiert hatte, versuchte er es ihrem Geist einzupflanzen.
Schon wieder ein Klopfen. Wer will nur was von mir? Wollen sie mir wieder weh tun? Ich komme nicht raus.
Snape spürte, dass Hermines Geist sich nicht täuschen ließ, er bekämpfte Snape zwar nicht, aber er ließ ihn einfach abprallen. Vielleicht war das Bild nicht stark genug. Also versuchte er sich Ron Weasley wieder genau in Erinnerung zu rufen. Vielleicht reagierte Hermine ja darauf, vielleicht konnte er ihr vormachen, dass er Ron war. Auch diesmal scheiterte er und wusste nicht genau, ob es daran lag, dass Hermines Geist den Schwindel durchschaute oder dass es ihm nicht so recht gelingen wollte sich auf Ron zu konzentrieren.
Snape tauchte wieder aus Hermines Geist auf und schüttelte resignierend den Kopf.
Martha stand auf der anderen Seite des Bettes und betrachtete Hermine, als wäre diese ein kleines Kind, dass mit einer Grippe im Bett liegt.
„Sie hat keine Reaktion gezeigt, oder?", fragte sie Snape.
„Nein, ihr Geist ist schon zu sehr abgeschotten, um sich etwas vormachen zu lassen."
Martha nickte und Snape hatte das Gefühl, dass sie etwas sagen wollte, es sich aber nicht traute.
„Was ist?", wollte Snape schließlich wissen.
„Als Sie ... na ja, die Kontrolle verloren haben... was genau ist da passiert?"
Snape blickte Martha einen Moment abschätzend an, dann senkte er den Blick wieder.
„Miss Grangers Geist hat auf meinen zugegriffen und ihren Schmerz auf meine Erinnerungen übertragen."
Martha dachte eine Weile nach und Snape wollte sie schon fragen, ob sie ihre Stimme verloren hatte. Schließlich schien sie jedoch einen Gedanken gefasst zu haben.
„Ich glaube, ich verstehe, was Sie meinen. Glauben Sie ... es wäre möglich, Ihre Gefühle auf Miss Grangers Erinnerungen zu übertragen?"
Snape sah Martha für ein paar Sekunden ungläubig an, dann fing er an zu lachen.
