In dir verlaufen

Disclaimer: Alle Personen und Orte des Harry Potter – Universums gehören J.K. Rowling. Ich verfolge keine kommerziellen Absichten mit dieser Fanfiction.

Summary: Drei Jahre nach Voldemorts Ende geschehen immer noch Angriffe und die Zaubererwelt wird von Zeit zu Zeit nur allzu schmerzhaft daran erinnert, dass der Kampf gegen die dunklen Mächte nie enden wird. Als Hermine bei einem Angriff zu Schaden kommt, gibt es nur einen, der ihr vielleicht noch helfen kann.

Anmerkung: Vielen Dank für die lieben Revies, vor allem an Sepsis! Ich hoffe euch gefällt auch dieses Kapitel. Noch hab ich 1 1/2 Kapitel Vorsprung, also dürft ihr euch noch auf ein paar schnelle Updates freuen.

Kapitel 8: Es tut weh, so zu sein, wie du denkst, dass du solltest

Sag, magst du was du siehst
Oder siehst du, was du möchtest?
Siehst du, was du möchtest
Hält nicht still, es dreht sich,

Martha hätte nicht gedacht, dass Professor Severus Snape ein Mensch war, der lachte. Sie ließ sich für einen Augenblick von diesem Gedanken ablenken, bis ihr wieder einfiel, dass sie es war über die er sich amüsierte.

„Professor?"

Snape fand seine Fassung wieder und blickte Martha jetzt mit einem sarkastischen Funkeln in den Augen an.

„Miss Cole, glauben Sie ernsthaft ich bin der Typ, der positives Denken fördert? Ich meine, was machen Sie, wenn Sie einen Patienten mit magischen Verbrennungswunden behandeln müssen? Setzen Sie ihn dann einen Drachen vor die Nase?"

„Das letzte Mal, als ich nachgesehen habe, waren Sie ein Mensch und Miss Granger frei von jeglichen Verbrennungswunden."

„Na schön, wie haben Sie sich das nun wieder gedacht, Miss Cole. Ich brenne vor Neugier."

Martha warf ihm einen angewiderten Blick zu.

„Na ja, alles was wir bisher versucht haben, beinhaltete eine Manipulation ihres Geistes, wir wollten ihr entweder Information entlocken oder ihr etwas suggerieren. Jedes Mal hat sich ihr Geist dagegen gewehrt."

„Ich bin ein weiteres Mal davon fasziniert, wie trefflich Sie Situationen zusammenfassen können." Snapes Stimme hatte einen Klang angenommen, der Martha das Gefühl gab, wieder in Hogwarts zu sein. Sie schüttelte dieses Gefühl so gut es ging ab und versuchte sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren.

„Danke. Was ich sagen will ist, dass ich nicht glaube, dass wir Miss Grangers Geist aktiv beeinflussen können. Wir müssen darauf vertrauen, dass sie sich selbst da raus holen kann...wir müssen ihr nur Starthilfe geben. Und Sie sind der Einzige mit einem Überbrückungskabel."

„Kennen Sie Arthur Weasley?"

„Nein, warum?"

„Der wäre fasziniert von dieser Muggel-Metapher."

„Es geht hier nicht um Metaphern. Verstehen Sie was ich meine?"

Snape warf ihr einen verächtlichen Blick zu, darauf würde er bestimmt nicht antworten. Dann veränderte sich sein Ausdruck erneut.

„Miss Cole, soweit ich mich recht erinnere, waren Ihre beiden Eltern Zauberer. Woher kennen Sie Überbrückungskabel?"

Martha war für einen Moment sprachlos, dann musste sie sich zusammenreißen, damit sie nicht los keifte.

„Miss Granger braucht dringend Ihre Hilfe und Sie wollen mit mir über meine Eltern reden? Vielleicht hätten wir Sie tatsächlich zurück in Ihre Zelle bringen sollen."

„Tja, dann könnte ich aber nicht als Überbrückungskabel dienen." In Snapes Gesicht machte sich ein amüsiertes Schmunzeln breit, was Martha die Zornesröte ins Gesicht stiegen ließ.

„Ich weiß zwar nicht, was sie das angeht, aber mein Mann war ein Muggel und ein Autonarr."

Das Schmunzeln verzog sich aus Snapes Gesicht und machte einer gleichgültigen Miene Platz, die Martha noch wütender machte.

„Ist Ihre Neugier jetzt gestillt, Professor? Oder soll ich Ihnen noch von unserer Hochzeit erzählen?"

Snape schwieg beharrlich. Martha hob resignierend die Arme und begann dann Hermines Puls zu fühlen, ganz offensichtlich, um sich abzulenken.

„Na schön, versuchen wir es mit Ihrer Starthilfe", sagte Snape schließlich „auch wenn ich immer noch bezweifle, dass ich der Richtige dafür bin."

Martha atmete tief durch und blickte ihren ehemaligen Lehrer schließlich mit einen für sie erstaunlich ernsten Blick an.

„Selbst in Ihnen muss irgendwo etwas Positives sitzen, sonst hätten Sie keinen Grund mehr hier zu sein."

Snape blickte sie mit unveränderter Miene an und Martha wusste, dass sie besser nicht weiter reden sollte.

„Vielleicht sollten wir für heute erst einmal Schluss machen. Wir alle brauchen ein bisschen Ruhe", sagte sie letztendlich und führte Snape zurück in sein Zimmer, froh darüber sich für ein paar Stunden nicht mit seinem verächtlichen Blick herumschlagen zu müssen.

ooo

Severus Snape lag wach und dachte nach. Das war an sich kein besonderer Umstand, nur kreisten sich seine Gedanken normalerweise nicht darum, wie er Hermine Granger oder das was von ihr übrig war dazu bringen konnte, ihm zu vertrauen. Er hatte Martha Coles Theorie sofort begriffen. Grangers Geist sollte durch seinen Geist spüren, dass es noch etwas gab, dass nicht schmerzhaft war. Snape hätte sich am liebsten selbst ausgelacht. Ausgerechnet er, der selber so voll von Schmerz war, der kaum noch erkennen konnte, warum er all die Dinge in seinem Leben auf sich genommen hatte, sollte den entscheidenden Funken überspringen lassen. Er sollte ihren Geist in ein warmes weiches Federbett des Glücks hüllen. Wo zur Hölle sollte er das in sich finden?

ooo

Was ist das? Wie ein leichter Wind.

Severus Snape hatte das getan, was er konnte. Er hatte eine Verbindung zu Hermine Grangers Geist aufgenommen. Aber was nun? Normalerweise drang er in den Geist anderer Menschen ein, um etwas damit zu tun, Informationen zu erlangen oder zu manipulieren. Aber jetzt sollte er Hermines Selbst herauslocken.

'Miss Granger?' Das war lächerlich, wenn sie auf ihn reagieren sollte, dann sollte er vielleicht zu ihrem Vornamen übergehen.

'Hermine?' Es war seltsam ihren Namen zu denken, wo er ihn doch noch nie wirklich ausgesprochen hatte.

'Ich werde Ihnen ... dir nichts tun, keiner wird Ihnen ... dir mehr etwas tun.' Das war doch lächerlich. Aber Snape musste sich zusammenreißen.

'Ich werde hier warten, Sie... du brauchst keine Angst zu haben.' Snape wusste nicht, wann er das letzte Mal soetwas zu jemandem gesagt hatte. Und dann tauchte Lilys Bild vor seinem inneren Auge auf und für einen kurzen Moment gönnte er sich den Gedanken an sie und die kleine Welle des Glücks, die damit verbunden war.

Oh, das ist schön, eine warme Brise. Wo kommt das her?

Im ersten Moment glaubte Martha, dass sie es sich nur eingebildet hatte, aber dann geschah es nochmal. Für einen unachtsamen Beobachter fast unsichtbar und für jemanden, der darauf wartete doch wie ein Paukenschlag. Hermines rechter kleiner Finger hatte gezuckt. Nicht sehr stark, aber er hatte gezuckt. Martha wagte es kaum zu atmen. Was auch immer Snape tat, es schien zu funktionieren.

Severus Snape glaubte etwas gespürt zu haben. Und das war absurd, Severus Snape glaubte nie, er wusste oder – und das nur in ganz seltenen Fällen – wusste nicht, aber 'glauben' war nichts, was Severus Snape tat. Aber jetzt konnte er keine klare Antwort geben. Er hatte keine aussagekräftigen Daten, keine Resultate, nur ein vages Gefühl. Und das war nichts, worauf sich er oder Hermine normalerweise stützten.