In dir verlaufen

Disclaimer: Alle Personen und Orte des Harry Potter – Universums gehören J.K. Rowling. Ich verfolge keine kommerziellen Absichten mit dieser Fanfiction.

Summary: Drei Jahre nach Voldemorts Ende geschehen immer noch Angriffe und die Zaubererwelt wird von Zeit zu Zeit nur allzu schmerzhaft daran erinnert, dass der Kampf gegen die dunklen Mächte nie enden wird. Als Hermine bei einem Angriff zu Schaden kommt, gibt es nur einen, der ihr vielleicht noch helfen kann.

Anmerkung: Die Idee Legilimentik während eines Verhörs einzusetzen wurde maßgeblich von attack09s Fanfiction „Sie nannten ihn Hexer" beeinflusst. Auch wenn es hier ein wenig anders ist, hat sie mir geholfen ein kleines Problem zu lösen. Also vielen Dank, attack!

Vielen Dank auch an alle lieben Reviewer, ihr seid so toll!!!

Kapitel 9: So wie du warst, so wie du bist

Aber nichts davon bestimmt dich, weißt du
nichts davon verglimmt nicht mit der Zeit
nur du bestimmt nicht, weißt du
nichts davon ist wirklich

Die Tür zu Hermines Krankenzimmer wurde mit einem schnellen Ruck aufgerissen und ein ziemlich gehetzt wirkender Ministeriumsmitarbeiter stürmte herein.

„Misses Cole, man hat einen der Angreifer aus der Winkelgasse festnehmen können. Er wird derzeit vernommen, wenn wir seine Aussage aufgenommen haben, gehört er Ihnen."

Snape war, durch das plötzliche Geräusch aufgeschreckt, wieder aus Hermines Geist aufgetaucht. Er rührte sich nicht, atmete aber erleichtert aus. Dann hörte er Martha Cole sprechen.

„Ich werde umgehend ins Ministerium kommen, Professor Snape wird mich begleiten", sagte sie an den Ministeriumsmitarbeiter gewandt, der sie verdattert ansah.

„Sehen Sie mich nicht so an, ich brauche Professor Snape, um eine gesicherte Aussage zu bekommen, die für die Diagnose von Miss Grangers bedeutsam ist. Er ist mit dem Fall vertraut und beherrscht exzellente Legilimentik, um den Wahrheitsgehalt der Aussage zu prüfen und gegebenenfalls weiterführende Informationen zu sichern."

Snape war ein wenig erstaunt über Martha Coles sicheres Auftreten, aber das hätte er ihr nie gesagt.

„Aber Misses Cole, Legilimentik darf bei Verhören nicht angewandt werden. So gewonnene Informationen dürfen im Verfahren nicht als Beweismaterial aufgeführt werden. Und schon gar nicht, wenn sie von jemandem stammen, der selbst noch Häftling ist."

„Ich habe nicht vor, ein Verfahren zu leiten, ich habe vor, Miss Granger zu heilen und zu diesem Zweck ist Legilimentik durchaus legitim. Und im Augenblick ist Professor Snape vor allen Dingen mein Mitarbeiter und weniger ein Gefangener. Und wenn Sie noch weiter mit mir diskutieren wollen, dann können wir das gern im Beisein ihres Vorgesetzten oder der Angehörigen von Miss Granger, denen Sie dann erklären können, warum lebensrettende Maßnahmen nicht ergriffen wurden."

Martha blickte sich kurz um, nickte Snape zu und gab ihm zu verstehen, ihr zu folgen. Dann stolzierte sie regelrecht an dem Ministeriumsmitarbeiter vorbei, der pikiert drein blickte, aber doch nichts unternahm. Wohl wissend, dass sie sich auf dünnem Eis bewegte, hatte Martha auf ihre, in der Aurorenausbildung antrainierte autoritäre Ausstrahlung vertraut und hoffte nun, dass niemand Einspruch erheben würde.

Im Gehen wandte sie sich an Snape.

„Ich werde diesem Kerl ein paar Fragen bezüglich Miss Granger stellen und ich will, dass sie in seinen Geist eindringen und herausfinden, ob er die Wahrheit sagt oder uns etwas verschweigt."

„Gibt es im Ministerium keine Legilimentiker mehr?"

„Keine, die mir zur Verfügung gestellt würden, sie haben den netten Kollegen ja gehört. Außerdem wissen Sie, wonach Sie suchen müssen."

Ooo

Kurze Zeit später saß sie in einem Verhörraum des Ministeriums und ihr gegenüber hockte ein übellauniger, unrasierter Widerling von Zauberer, der nicht den Anschein machte, als ob er irgendetwas bereute. Auch Severus Snape befand sich im Raum, jedoch verborgen hinter einer Art Spiegelwand. Er hatte den Verdächtigen sofort erkannt. Ein Sprössling aus dem McNair-Klan, das hätte er sich ja auch denken können. Der Idiot grinste Martha Cole jetzt schleimig an.

„Weiß gar nicht was du von mir willst, Schnecke, hab denen doch schon gesagt, dass ich nichts mit der Sache zu tun hab."

„Was Sie den Kollegen erzählt haben, interessiert mich nicht. Was können Sie mir über die Folterung von Hermine Granger sagen."

McNair gefror das Grinsen im Gesicht.

„Hab keine Ahnung wovon Sie reden", brachte er schließlich raus.

„Nun, vielleicht könnte ein wenig Veritaserum ihrem Gedächtnis auf die Sprünge helfen?"

„Das darfst du gar nicht einsetzen, Schnecke."

„Wie schön, dass Sie so gut über die Gesetze informiert sind. Nun, ich bin als Medihexe hier und Veritaserum wird momentan auf seine Wirkung bei Patienten mit partiellem Gedächtnisschwund getestet. Also, wollen Sie Eingang in unsere Studie finden oder sagen Sie mir, was Sie mit Miss Granger getan haben?"

„Ich muss Ihnen gar nichts sagen, Schnecke. Sie können mich mal."

„Wie schade, nun ja, da kann man wohl nichts machen. Meine Kollegen werden sich jetzt um Sie kümmern. Ich kann Ihnen aber nicht versprechen, dass die so nett sind wie ich, Mister McNair."

Martha hatte nicht erwartet, dass sie irgendeine Aussage bekommen würde, aber sie war sich ziemlich sicher, dass Snape ein paar Antworten hatte.

Ooo

Snape hatte sich sehr zusammenreißen müssen, um diesem Schwein nicht eine reinzuhauen, das war zwar sonst nicht seine Art, aber Martha Cole hatte es so geschickt eingefädelt, dass Snape fast alle Details im Geist des anderen hatte sehen können. Details, die er lieber nicht hatte sehen wollen. Seine Theorie war vollkommen richtig gewesen. McNair und ein paar seiner Freunde, allesamt Sprösslinge ehemaliger Todesser, hatten sich Hermine als Opfer ausgesucht, um sich dafür zu rächen, dass ihre Familien nach dem Krieg nicht nur ihr Ansehen, sondern oftmals auch ihr Vermögen verloren hatten. Auch die Methodik, mit der sie vorgegangen waren, entsprach dem, was Snape erwartet hatte. Sie hatten Hermine mehrfach mit verschiedenen Zaubern gequält, sie geschlagen, getreten und missbraucht, ihr dann Heilungstränke verabreicht, nur um die frisch verheilten Wunden wieder aufbrechen zu lassen. Er hatte Hermines zartes Gesicht sich vor Schmerz und Angst verzerren sehen und hatte gleichzeitig gefühlt, wie sehr es dem, der ihr das angetan hatte gefallen hatte. Auch wenn er es nur als verzerrte Erinnerung gesehen hatte, konnte er sich das Ausmaß dieses Exzesses nur allzu deutlich ausmalen. Zu oft hatte er es selbst mit angesehen.

Er wusste nicht, ob er Matha Cole wirklich alle Einzelheiten wiedergeben sollte, die er im Geist des anderen gefunden hatte, aber er wusste, dass er Hermine jetzt wahrscheinlich helfen konnte. Und er verspürte einen lange nicht mehr gekannten Drang in sich, genau das zu tun.

Ooo

Wieder zurück in Hermines Zimmer ahnte Martha, dass Snape ihr nicht alles erzählte, aber sie hatte genug in der Aurorenausbildung gelernt und gesehen, um sich ein recht gutes Bild von dem zu machen, was man Hermine Granger angetan hatte.

„Also hatten Sie recht, mit Ihrer Theorie, Professor", sagte sie schließlich. Snape wäre es lieber gewesen, er hätte sich getäuscht und Hermine wäre etwas widerfahren, was weniger grausam gewesen wäre.

„Das heißt nicht, dass meine Lösung gut gewesen wäre", räumte er leise ein.

Marthas Augen weiteten sich, hatte Snape gerade wirklich so etwas wie einen Fehler eingeräumt?

„Schauen Sie mich nicht so an, Cole. Ein einfacher Aufheiterungstrank hätte ihr tatsächlich nur für eine gewisse Zeit geholfen."

Martha nickte.

„Professor, bevor wir vorhin unterbrochen wurden..." Marhta wusste nicht so recht, wie sie es ausdrücken sollte.

„Spucken Sie es schon aus, Cole!"

„Ich glaube, die Sache mit dem Überbrückungskabel funktioniert. Hermine hat eine körperliche Reaktion gezeigt.

Snape starrte Martha an. Zwar war da immer noch die Fassade der Gleichgültigkeit in seinem Gesicht, doch dahinter begann ein kleiner Sturm der Freude heraufzuziehen.

„Dann sollten wir es nocheinmal versuchen." Mehr sagte er nicht. Er drehte sich zu Hermines Bett um, setzte sich neben sie auf einen Stuhl und schaute sie für einen Augenblick an. Es war so lange her, dass er sich um jemanden wirklich gesorgt hatte. Wieder stieg Lilys Bild in ihm auf. Hermine war so anders als Lily. Diese war temperamentvoll und energisch gewesen, Hermine jedoch war analytisch und ein bisschen stur. Sie vertraute auf Bücher und Wissen, Lily hatte auf Menschen und ihre Intuition vertraut. Das hatte Snape immer an Lily fasziniert, dieser unermüdliche Glaube an das Gute. Snape hatte ihn sehr früh verloren und vielleicht hatte er Lily auch deswegen so geliebt, weil sie ihm das wiedergegeben hatte, was er nicht mehr in sich hatte finden können. Und jetzt musste er all das, was Lily ihm gegeben hatte auf Hermine übertragen. Er musste ihr Urvertrauen wieder aufbauen. Er zögerte einen Augenblick, nahm dann aber doch Hermines Hand und schlüpfte ganz vorsichtig wieder in ihren Geist.