In dir verlaufen
Disclaimer: Alle Personen und Orte des Harry Potter – Universums gehören J.K. Rowling. Ich verfolge keine kommerziellen Absichten mit dieser Fanfiction.
Summary: Drei Jahre nach Voldemorts Ende geschehen immer noch Angriffe und die Zaubererwelt wird von Zeit zu Zeit nur allzu schmerzhaft daran erinnert, dass der Kampf gegen die dunklen Mächte nie enden wird. Als Hermine bei einem Angriff zu Schaden kommt, gibt es nur einen, der ihr vielleicht noch helfen kann.
Anmerkung: Ihr seid so lieb, vielen Dank für die Reviews. Ich hoffem ihr mögt das nächste Kapitel. Hermines Geist ist „gesund", aber das heißt ja nicht, dass sie auch einfach so weitermachen kann.
Kapitel 11: Wenn du die Scherben aufhebst, zieh dir Handschuhe an
So viel kaputt - aber so vieles nicht
Jede der
Scherben spiegelt das Licht
So viel kaputt - aber zwischen der
Glut
zwischen Asche und Trümmern
war irgendwas gut
Eine Stunde später saß Severus Snape wieder einige Stockwerke tiefer in seiner Untersuchungshaftzelle im Ministerium. Trotz heftiger Proteste von Martha Cole, hatte man seine Anwesenheit in Hermine Grangers Krankenzimmer nicht weiter für nötig befunden. Da ihr Zustand stabil war und ihr Geist wieder normal arbeitete, hielt man eine weitere Mitarbeit Snapes an diesem Fall nicht weiter für relevant. Snape hoffte inständig, dass diese Entscheidung die richtige war. Er wusste nicht, ob er es ertragen konnte, sollte Hermine mit Depressionen oder schlimmeren erwachen.
Das war lächerlich, er hatte in seinem Leben mehr als einmal bewiesen, dass er mehr ertragen konnte, als die meisten anderen Menschen. Eine depressive Hermine sollte definitiv dazu gehören. Und doch versetzte ihm der Gedanke an sie einen solchen Stich, dass er begann mit den Zähnen zu knirschen.
„Das ist nur eine Folge der Legilimentik", murmelte er vor sich hin. Ein so intensiver Kontakt über einen so langen Zeitraum hinweg musste Spuren hinterlassen.
Und doch, konnte er nicht verleugnen, dass er sich nie so gut gefühlt hatte, wie in dem Moment als sie aufgewacht war und er ihr ganzes Vertrauen auf sich gerichtet gespürt hatte. Er hatte es in ihrem Geist und in ihren Augen lesen können. Sie hatte ihm vertraut. Sie war gesprungen, weil sie wusste, dass er sie auffangen würde, ohne zu ahnen, wer er wirklich war. Und er war nicht fortgegangen, obwohl er erst in diesem Moment verstanden hatte, wer sie war. Den sich bewegenden Geist von Hermine Granger zu sehen, ihr Selbst zu spüren, war so einmalig gewesen, dass er keinen Vergleich dafür fand. Und Ihr Geist hatte den seinen als Freund und nicht als Feind erkannt und tief in sich konnte Snape den Wunsch spüren, dass nicht nur ihr Geist es tun würde.
Ooo
Martha Cole war furchtbar müde. Sie hatte die ganze Nacht bei Hermine gesessen und nicht gewusst, was sie sich wünschen sollte. Auf der einen Seite wollte sie, dass Hermine schlief, um sich wirklich auszuruhen und Kraft zu sammeln, aber auf der anderen Seite wünschte sie sich nichts mehr, als das sie aufwachen und sagen würde, dass es ihr gut ginge.
Es würde ihr nicht gut gehen, Martha wusste das. Die Medihexe in ihr, wusste, dass es für Hermine Granger nie wieder so sein würde, wie vorher. Es waren nicht nur die furchtbaren Dinge, die sie erlitten hatte, die sie von nun an verfolgen würden, sondern auch das Wissen, dass ausgerechnet Severus Snape ihr Innerstes gesehen hatte. Martha hatte versucht sich vorzustellen, wie es für sie wäre, wenn sie wüsste, dass ihr ehemaliger Zaubertranklehrer mehr als nur ihre Gedanken gelesen hatte. Sie hatte wieder angefangen Okklumentik zu trainieren, weil ihr der Gedanke daran solche Schauer über den Rücken gejagt hatte, dass sie sich unweigerlich hatte schütteln müssen. Sie respektierte Snape, aber er war nicht unbedingt eine Person, mit der sie über ihre tiefsten Geheimnisse und Abgründe sprechen wollte. Aber Hermine... sie hatte auf Snape reagiert, ihm vertraut. Martha war sich sicher, dass sie nicht gewusst hatte, was passierte oder wer sie zurückgeholt hatte. Auf diese Weise in Severus Snapes Schuld zu stehen, musste sich alles andere als angenehm anfühlen.
Ooo
Das Erste, was Hermine Granger nach dem Aufwachen spürte, war ein drückender Kopfschmerz. Dann bemerkte sie den Durst. Sie ächzte und schlug die Augen auf, nur um sie dann wieder zuzukneifen. Eine Hand legte sich sanft auf ihre Schulter und sie musste kurz an Severus Snape denken, bis ihr bewusst wurde, dass diese Hand zu klein für die eines Mannes war.
„Miss Granger," sagte eine Stimme, die sie nicht erkannte, die in ihren Ohren aber auch nicht völlig fremd klang „Ihre Augen müssen sich erst wieder an Licht gewöhnen, versuchen Sie sie ganz langsam zu öffnen, dann gebe ich Ihnen ein Glas Wasser."
Ooo
Nachdem Harry benachrichtigt wurden war, dass Hermine aufgewacht war, hatte es keine zehn Minuten gedauert, bis er an ihrem Bett stand.
Sie war sehr blass, was Harry verunsicherte. Ihre Augen hatten nicht ihren gewöhnlichen Glanz, aber sie waren offen. Ihre Haare hingen ihr strähnig ins Gesicht und sie blickte ihn seltsam abwesend an.
„Hallo Hermine, wie geht es dir", fragte er und ärgerte sich im nächsten Moment über seine törichte Frage. Wie sollte es ihr schon gehen?
Sie versuchte zu lächeln, antwortete aber nicht.
„Ich bin so froh, dass du wieder wach bist, wir haben dich sehr vermisst." Er versuchte all seine Freude in ein einziges Lächeln zu legen.
„Danke Harry, das ist sehr lieb von dir", antwortete Hermine mit belegter Stimme. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie wollte, dass er ging und fühlte sich deswegen schlecht. Sie konnte nicht mit seiner Anwesenheit umgehen, aber sie wollte auch nicht allein sein. Als er versuchte ihre Hand zu nehmen, schreckte sie zurück.
Martha erkannte die Situation und beschloss Hermine einen Gefallen zu tun.
„Mister Potter, ich denke Miss Granger sollte sich noch ein wenig ausruhen. Das alles hat sie sehr erschöpft und sie hatte noch gar keine Gelegenheit, sich alles begreiflich zu machen. Ich denke, es ist besser, wenn Sie morgen wiederkommen." Sie hoffe sehr, dass er den Köder schlucken würde.
„Natürlich, Sie haben Recht, Mrs Cole. Ruh dich aus Hermine."
Harry verließ den Raum mit gesenktem Blick und gedämpfter Stimmung.
Martha blickte Hermine an. Sie versuchte mitfühlend auszusehen, bis sie merkte, dass ihr das nie gelingen konnte, weil sie nicht nachfühlen konnte, was in Hermine vorging, sie konnte es bestenfalls erraten.
„Danke", sagte Hermine schwach.
„Keine Ursache."
„Wird das jetzt immer so sein?", Hermines Stimme klang vollkommen ruhig, fast analytisch.
„Was meinen Sie?", wollte Martha wissen.
„Werde ich meine Freunde irgendwann wieder in meiner Nähe haben möchten?"
Martha öffnete den Mund, wusste aber nicht, was sie sagen sollte. Hermine nickte und senkte den Blick.
„Wann kann ich Professor Snape sprechen?"
Ooo
Als Severus Snape in einen Raum geführt wurde, indem für gewöhnlich Besuche abgestattet wurden, ließ er sich für einen kurzen Moment von dem Gedanken mitreißen, Hermine Granger würde kommen, um sich zu bedanken. Dann riss er sich wieder zusammen und ging die realistischen Varianten durch. Die Liste derjenigen, die ihn gerne sehen würden, war recht kurz, also kamen nur Potter oder Cole in Frage. Die zweite Variante bewahrheitete sich. Martha Cole trat durch eine zweite Tür in den Raum, der durch eine unsichtbare magische Barriere in zwei Bereiche geteilt war. Auf Snapes Seite stand ein Wachmann, der offenbar darauf achten sollte, was hier besprochen wurde.
„Nun, Miss Cole, ich hätte nicht gedachte, dass Sie so schnell Sehnsucht bekommen." Snape wusste nicht, was er zur Begrüßung sagen sollte, also übersprang er diesen Teil einfach.
„Ich wünsche Ihnen auch einen guten Tag, Professor, setzen Sie sich doch." Sie deutete auf einen Tisch und zwei Stühle, die in der Mitte des Raums standen. Mitten durch den Tisch verlief die magische Barriere.
„Was verschafft mir die Ehre?", wollte Snape nun wissen.
„Ich wollte Ihnen nocheinmal für Ihre Hilfe danken."
„Ach kommen Sie, deswegen steigen Sie doch nicht hier runter."
„Miss Granger hat nach Ihnen gefragt."
Snape blieb eine weitere bissige Bemerkung im Hals stecken.
„Ich habe beantragt, Sie wieder an dem Fall zu beteiligen, aber das Ministerium sieht keine Notwendigkeit und meine Chefin ist auch nicht bereit, ihren Kopf hinzuhalten."
„Nun, ich kann dem Ministerium nur zustimmen, es gibt nichts mehr für mich zu tun", antwortete Snape so kalt und abweisend wie möglich.
Martha ließ die Schultern hängen, legte den Kopf in den Nacken und atmete tief durch, sie hatte keine Kraft mehr. Sie konnte nicht mehr diskutieren, nicht mehr kämpfen.
„Miss Cole?", Snape mochte es nicht, wenn seine Gegenüber ihn nicht beachteten.
„Was? Was wollen Sie, Professor?"
„Ich will gar nichts, Sie sind es doch, die irgendetwas will, sonst wären Sie doch kaum hier."
Nocheinmal holte Martha tief Luft. Sie zog kurz in Betracht, ihn anzuschreien, überlegte es sich dann aber doch anders.
„Miss Grangers körperlicher Zustand ist tadellos. Ihr Gehirn weist keine Schädigungen auf, sie zeigt keine Anzeichen für neuro-magische Problem, wie Sprachstörungen oder Koordinationsschwierigkeiten Des Weiteren zeigt sie kein übermäßig auffälliges Verhalten, wie Wutausbrüche, Trauer oder Abschottung. Sie ist sehr in sich gekehrt und zurückhaltend gegenüber ihren Freunden aber sie zeigt keine starke Wesensveränderung. Und Sie verfügt über vollen Zugriff zu ihrem Gedächtnis."
Snape senkte kurz den Blick, bevor er antwortete.
„Dann ist es schlimmer, als ich gefürchtet hatte", sagte er schließlich leise.
