In dir verlaufen

Disclaimer: Alle Personen und Orte des Harry Potter – Universums gehören J.K. Rowling. Ich verfolge keine kommerziellen Absichten mit dieser Fanfiction.

Summary: Drei Jahre nach Voldemorts Ende geschehen immer noch Angriffe und die Zaubererwelt wird von Zeit zu Zeit nur allzu schmerzhaft daran erinnert, dass der Kampf gegen die dunklen Mächte nie enden wird. Als Hermine bei einem Angriff zu Schaden kommt, gibt es nur einen, der ihr vielleicht noch helfen kann.

Anmerkung: Vielen Dank für die tollen Reviews, ich hoffe ihr mögt auch dieses Kapitel. Ich kann euch nicht nicht genau sagen, wieviele es noch geben wird, ich hatte so an 15 gedacht, will mich da aber nicht festlegen.

Kapitel 13: Stiller

Ich bin nicht stiller - nur die Worte fehlen
Ich bin nicht stiller - nur die Worte verfehlen ihr Ziel
Ich bin nicht stiller - Ich will so gerne schweigen
und still, viel stiller auf alles nur zeigen und still
still und schillernd
zeigte sich mir -

Sie hätte wütend sein müssen, sie hätte traurig oder verstört sein müssen. Sie hätte in Tränen oder hysterisches Gelächter ausbrechen müssen, dann hätte er etwas gehabt, woran er hätte arbeiten können, etwas was man erklären und behandeln hätte können. Aber sie tat nichts dergleichen. Sie war normal, nur ein wenig schweigsam. Und das beunruhigte Severus Snape so sehr, dass er sich die ganze Nacht auf seiner Pritsche wälzte.

Martha Cole hatte Snape mitgeteilt, dass Harry Potter damit beschäftigt war, das Verfahren gegen ihn so schnell wie möglich vom Tisch zu bekommen und ihn zu rehabilitieren. Es war ihm egal. All seine Gedanken drehten sich um eine junge Frau, die etliche Stockwerke höher noch immer im St. Mungos betreut wurde.

Ooo

Martha wusste, dass Hermine nach spätestens drei Tagen entlassen werden würde, solange keine Anzeichen für einen Folgeschaden bestanden. Hermine hatte einen neuerlichen Besuch von Harry zugelassen, sie hatte sich auf ein Gespräch eingelassen und ein normales soziales Verhalten gezeigt. Jeder hätte gesagt, dass sie vielleicht ein wenig nachdenklich, aber doch normal wirkte. Martha Cole hatte ein ungutes Gefühl. Sie konnte es nicht genau deuten und versuchte irgendeine Unregelmäßigkeit in Hermines Handeln zu finden. Irgendetwas, das es ihr ermöglicht hätte, sie weiter da zu behalten. Ihr kam es vor, als würde noch immer ein Stachel irgendwo unter Hermines Haut stecken, den sie noch nicht entdeckt hatten. Oder als ob Hermine noch ein Teil fehlte, damit sie wirklich wieder sie selbst sein konnte.

Martha bemerkte, dass sie schon zum dritten Mal die gleiche Zeile in der Krankenakte eines Patienten las. Sie schlug die Akte zu, stützte sich mit den Ellenbogen auf ihrem Schreibtisch ab und legte den Kopf in die Hände. Sie brauchte Snape, er war der Einzige, der eine Chance hatte, irgendetwas in Hermine auszulösen.

Ooo

Eigentlich hatte es einen großen Prozess geben sollen. Etwas wirklich Spektakuläres und Aufregendes, das vor allem medienwirksam sein sollte. Aber Harry Potter hatte darauf bestanden, dass das Verfahren gegen Severus Snape hinter verschlossenen Türen statt finden sollte. Die Anklage lautete zwar noch immer Mord, ein großes Tribunal, wie bei den anderen Todessern würde es aber nicht geben. Nur eine Richterin, einen Kläger und einen Strafverteidiger. Harry Potter wollte, dass die Sache so schnell wie möglich vorbei war. Und so war niemand anwesend, als Severus Snape zu den Vorfälle auf dem Astronomieturm vor mehr als vier Jahren seine Aussage machte.

Ooo

Hermine wusste nichts mit sich anzufangen. Harry hatte ihr Bücher mitgebracht, damit sie sich die Zeit vertreiben konnte, aber zum ersten Mal in ihrem Leben wollte sie kein Buch lesen. Sie wollte sich mit gar nichts beschäftigten, sie wollte übers Wetter reden oder über irgendwelche Geschichten, die sich alltäglich im Krankenhaus abspielten. Sie wollte nicht zurück in ihren Alltag, ihre Wirklichkeit. Sie wollte ihre Zeit verschwenden und aufhören nachzudenken. Und sie wollte mit der unmöglichsten Person auf diesem Planet reden, die man sich vorstellen konnte: Severus Snape.

Sie hob den Kopf, als Martha Cole ins Zimmer kam. Sie war oft hier und kontrollierte, ob es Hermine gut ging. Natürlich war das völlig überflüssig, aber Hermine wollte sie auch nicht rauswerfen. Sie mochte die Anwesenheit Marthas, auch wenn sie nicht gern mit ihr redete.

„Wie fühlen Sie sich, Miss Granger?", wollte die Medihexe wissen. Hermine wich ihrem Blick aus.

„Gut", log sie. Sie hatte keine Lust zu reden und sie hätte auch gar nicht gewusst, wie sie ihre Gefühle hätte beschreiben sollen.

„Miss Granger, ich wäre sehr erleichtert, wenn Sie uns nach Ihrer Entlassung regelmäßig aufsuchen würden, wir haben hier einen sehr guten ambulanten Betreuungsdienst für die psychologische Beratung in Fällen wie Ihrem."

„Kennen Sie denn Fälle wie meinen?", wollte Hermine wissen und sah Martha nun direkt an.

Diese senkte den Blick und schwieg einen Moment.

„Ich muss gestehen, dass ich noch nichts Vergleichbars erlebt habe, aber wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht, was die Betreuung von Komapatienten angeht, die aufgewacht sind." Martha gab alles, aber sie glaubte nicht, dass sie irgendetwas erreichen würde.

„Ich schätze Ihren Eifer, aber es geht mir gut, ich brauche keinen..." Hermine brachte den Satz nicht zu Ende. Sie sackte ohnmächtig zusammen.

Martha war mit einem Satz bei ihr.

„Miss Granger?" Ihre Stimme war fest und professionell, aber Hermine reagierte nicht.

„Verdammt", murmelte Martha „Schwester!", rief sie bestimmt und wartete, bis eine Mediassistentin ins Zimmer stürmte. Sie blickte die Frau fest an.

„Bleiben Sie hier bei Miss Granger, ich muss Professor Snape holen."

Ooo

Snape hätte nicht gedacht, dass Martha Cole der Typ Frau war, der einen Sitzungssaal stürmte, aber anscheinend konnte auch ein Severus Snape sich irren. Die Richterin hatte gerade verkündet, dass die Verhandlung vertragt werden würde, als sich die große Tür öffnete und eine ziemlich gehetzt wirkende Martha Cole hereinstürmte.

Die Richterin musterte sie missbilligend.

„Wer sind Sie, Miss?", verlangte sie zu wissen.

„Entschuldigen Sie, Euer Ehren, mein Name ist Martha Cole, ich bin Mitarbeiterin des St. Mungos und auf der Suche nach Professor Severus Snape. Es handelt sich um einen medizinischen Notfall."

Snape wurde hellhörig, verzog jedoch keine Miene.

„Könnten Sie das genauer ausführen, was für ein Notfall berechtigt Sie meine Verhandlung zu stören?"

„Eine Patientin, die Professor Snape und ich behandelt haben, hat einen Rückfall erlitten und bedarf dringender Hilfe."

„Verstehe", murmelte die Richterin. „Da Mister Snape bereits bewiesen hat, dass er vertrauenswürdig genug für diese Aufgabe ist, gewähre ich ihm erneuten Freigang, um diese zu übernehmen. Diese Entscheidung gilt bis zum nächsten Verhandlungstag. Selbstverständlich hat Professor Snape ständig verfügbar zu sein." Die Richterin unterstrich ihre Worte mit einem ernsten Blick. Dann sah Sie Martha Cola an und schenkte ihr ein kleines Lächeln.

„Sie kämpfen für Ihre, Patienten. Ich hoffe Professor Snape enttäuscht Sie nicht, Mrs Cole. Und jetzt verschwinden Sie schon."

Martha atmete erleichtert aus.

„Vielen Dank", sagte Sie, dann fixierte Sie Snape. „Kommen Sie, Sie haben gehört was die Frau gesagt hat."

ooo

Snape versuchte einen klaren Gedanken zu fassen. Etwas war mit Hermine geschehen, sonst hätte es keinen Grund gegeben, ihn zu rufen. Aber was? Martha Cole hastete vor ihm durch die Gänge und gab keinen Ton von sich, bis Sie an der Tür von Hermines Zimmer angekommen waren.

Snape stürmte hinter ihr ins Zimmer und wurde von der Pflegekraft an Hermines Bett nur ungläubig angeschaut.

„Sie ist hat keine Reaktion gezeigt, Mrs Cole", sagte diese schließlich. Die Angesprochene nickte und wies der Pflegekraft an zu gehen.

Dann war Snape an Hermines Bett. Das durfte nicht wahr sein, sie konnte nicht...

„Wie sieht es in ihrem Geist aus", wollte Martha wissen. In ihrer Stimme schwang Ungeduld.

Snape blickte kurz zu ihr auf und dann wieder zurück zu Hermine und ohne noch weiter zu zögern, drang er in ihren Geist ein.