In dir verlaufen
Disclaimer: Alle Personen und Orte des Harry Potter – Universums gehören J.K. Rowling. Ich verfolge keine kommerziellen Absichten mit dieser Fanfiction.
Summary: Drei Jahre nach Voldemorts Ende geschehen immer noch Angriffe und die Zaubererwelt wird von Zeit zu Zeit nur allzu schmerzhaft daran erinnert, dass der Kampf gegen die dunklen Mächte nie enden wird. Als Hermine bei einem Angriff zu Schaden kommt, gibt es nur einen, der ihr vielleicht noch helfen kann.
Anmerkung: Nein, das ist noch nicht das letzte Kapitel, eins kommt noch. Ich bin wirklich sehr nervös, weil mir diese FF sehr viel bedeuted und ich hoffe, dass ihr dieses Kapitel und auch das Ende mögen werdet. Für die vielen lieben Reviews, die ich bis jetzt bekommen habe, kann ich mich nur noch einmal bedanken. Es ist schön zu sehen, dass auch andere Leute, Freude an dieser Geschichte haben.
Kapitel 15: Ich werde riesengroß für dich
Ich weiß deine Monster sind genau wie meine
und mit denen bleibt man besser nicht alleine.
Und ich weiß, ich weiß, ich weiß und frage nicht,
halt dich bei mir fest, steig auf, ich trage dich.
Als Martha Cole und Severus Snape zurück ins Zimmer kamen, hatte Hermine sich bereits überwinden können, etwas zu essen. Es hatte sie davon abgelenkt, darüber nachzudenken, was mit ihr los war. Als Martha vorsichtig versucht hatte, sie dazu zu überreden sich in psychologische Betreuung zu begeben, hatte sie sich so kraftlos und winzig gefühlt und hatte nur noch verschwinden wollen. Und dann war alles dunkel geworden. Als sie jetzt sah, wie Snape wieder ins Zimmer kam, als sie sah, wie er sie mit einem ihr unbekannten Ausdruck musterte, stellten sich die kleinen Häärchen auf ihrem Unterarm auf. Etwas an seiner Anwesenheit beruhigte sie und ließ sie gleichzeitig vor Anspannung zittern.
„Wissen Sie, was mit mir los ist?", wollte Hermine schließlich wissen. In ihrer Stimme fehlte jede Spur dieser allumfassenden Wissbegier, die Snape früher in den Wahnsinn getrieben hatte.
Martha Cole zwang sich zu einem kleinen Lächeln, doch bevor sie antworten konnte, hatte Snape bereits das Wort ergriffen.
„Das wissen Sie doch selbst, Miss Granger", sagte er, so sanft wie es ihm nur möglich war.
Martha starrte ihn an, wusste aber nicht was sie sagen oder tun sollte und beschloss, erst einmal abzuwarten.
Hermines Augen schienen größer zu werden, als sie ihren ehemaligen Lehrer anstarrte. Er hatte sich neben ihrem Bett auf einen Stuhl niedergelassen und Hermine betrachtete sein Gesicht. Es war immer noch von schwarzem Haar umrahmt, das noch ungepflegter schien als je zuvor. Seine Haut war blass und spannte sich über sein schmales Gesicht. Man sah ihm die Zeit an, die er in Haft verbracht hatte, aber gleichzeitig hatte Hermine ihn noch nie so entspannt gesehen.
„Ich verstehe nicht, Professor."
„Doch das tust du, Hermine. Du weißt, was nicht mit dir stimmt, du kennst den Grund, warum du in Ohnmacht gefallen bist, warum du keine Kraft mehr hast."
Hermine schluckte und versuchte gegen die Tränen anzukämpfen.
Martha versuchte sich unsichtbar zu machen und zwar ohne Magie. Sie hielt sogar kurz die Luft an. Hermine beachtete sie nicht, sondern fixierte Snape, der weiterhin mit beruhigender Stimme sprach.
„Hör auf so zu tun, als wäre nichts geschehen, Hermine. Du musst nicht stark sein."
Hermine begann hektischer zu atmen.
„Ich...ich kann nicht...wenn ich es ausspreche, dann ist es real."
Snape berührte vorsichtig ihre Hand, sie ließ es zu.
„Du musst nicht darüber sprechen, Hermine, aber hör auf es zu verdrängen."
Seine andere Hand legte sich sacht auf ihre Schulter.
„So viele..." Hermines Stimme zitterte „so viele sind tot... Ron und...", sie schluchzte „und es hört nicht auf... und ich..."
Martha sah die ersten Tränen über Hermines Gesicht laufen und rührte sich nicht. Auch Snape tat nichts, wartete nur ab.
„Ich...ich kann nicht mehr...", sagte Hermine schließlich schwach.
„Ich weiß", antwortete Snape und nahm ihre Hand nun fest in seine. Er drang vorsichtig in ihren Geist ein, tat dort aber nichts, außer präsent zu sein, wie ein Rettungsring. Er versuchte nicht ihre Gedanken zu beeinflussen, sondern nur die Ruhe, die er – wusste Merlin woher – in sich gefunden hatte, auf das vor unterdrückten Tränen zitternde Wesen zu übertragen. Hermine drehte sich ein wenig, so dass ihr Kopf an seiner Schulter lag und dann weinte sie und weinte und weinte.
Ooo
Als Hermine sich in den Schlaf geweint hatte, wagte es Martha Cole sich wieder zu bewegen. Sie ging auf Snape zu, der noch immer an Hermines Bett saß.
„Das war doch nicht schlecht für den Anfang", sagte sie leise. Snape schaute zu ihr auf.
„Es wird ewig dauern, bis sie wieder einigermaßen ohne Angst leben kann, bis sie nicht ständig gegen die aufkommenden Bilder kämpfen muss. Sie wird nie wieder so werden, wie sie war, sie wird nie wieder einfach Vertrauen fassen können oder ohne die Angst vor Alpträumen alleine einschlafen können..." Snape verstummte, er wusste nicht mehr, warum er sich jemals darauf eingelassen hatte, Hermine zu helfen, warum er sie zurück geholt hatte, wo nun die Angst und die Zweifel auf sie warteten.
„Sie vertraut Ihnen, Professor."
Snape ächzte und verzog sein Gesicht zu einem schiefen Grinsen.
„Ja, das ist doch wirklich absurd. Sie vertraut ausgerechnet einem der Männer, der Schuld an der ganzen Misere ist..."
Martha lächelte „Lassen Sie das ja nicht die nette Richterin hören."
„Das ist nicht komisch", knurrte Snape.
„Nein, das ist es nicht, sie müssen nämlich unbedingt frei gesprochen werden. Hermine kann ja schlecht zum Einschlafen nach Askaban apparieren."
Snape zog die Augenbrauen zusammen und blickte Martha Cole fragend an.
„Sie sind der Einzige, mit dem sie reden wird und der Einzige, in dessen Nähe sie genug Ruhe findet, um mit allem irgendwie...klar zu kommen."
„Irgendwie...", wiederholte Snape und nickte dann, völlig in Gedanken darüber verloren, wie um Himmels Willen er jetzt weitermachen sollte.
Ooo
Harry Potter hatte eigentlich überhaupt keine Zeit für private Angelegenheiten, so sehr war er in den Prozess gegen Severus Snape involviert. Trotzdem hatte er Martha Cole gebeten, ihn auf den neusten Stand zu bringen. Er wollte wissen, ob es sich lohnte, dafür zu sorgen, dass Snape einer Haftstrafe in Askaban entkam.
„Guten Morgen, Mister Potter", begrüßte die Medihexe ihn freundlich und bat ihn sich zu setzen.
„Guten Morgen, Mrs Cole, ich hoffe, ich störe Sie nicht. Wie geht es Hermine?"
Martha Cole seufzte, setzte dann aber wieder ihr Lächeln auf.
„Mister Potter, ich möchte Sie nicht belügen. Miss Granger macht eine sehr schwere Zeit durch. Sehen Sie, wir konnten ihren Geist wieder reaktivieren, er hat keine Folgeschäden durch das temporäre Abschotten erlitten..."
„Aber?", wollte Harry wissen.
„Aber das heißt nicht, dass Miss Granger je wieder so wird, wie vorher. Das was sie erlebt hat, hat sie geprägt und ihr Wunden zugefügt, die kein Zaubertrank und kein Heilspruch je wirklich wird heilen können. Das Abschotten konnten wir durch den Missbrauch von Magie erklären und auch mit Magie heilen. Aber es sind nicht die Folgen des Magiemissbrauchs, die sie belasten."
Harry nickte. Er wusste, dass es schlimmeres gab, als dunkle oder zu dunklen Absichten genutzte Magie.
„Und Snape? Hat er was erreicht? Hat es überhaupt etwas gebracht, ihn einzusetzen?", fragte Harry, die Antwort bereits ahnend.
„Ohne Professor Snape, wäre es unmöglich gewesen, Hermines Geist je aus seiner Abschottung zu holen. Durch die Legilimentik hat Hermines Geist unbewusst ein sehr starkes Vertrauensverhältnis zu ihm aufgebaut. Ich denke, er ist ihr Schlüssel zur Außenwelt."
Harry nickte erneut. Es fiel ihm schwer zu akzeptieren, dass ausgerechnet Snape derjenige war, den Hermine jetzt an ihrer Seite brauchte.
„Was kann ich jetzt noch für Hermine tun?", fragte er Martha Cole.
„Seien Sie da, Mister Potter und unterstützen Sie Professor Snape. Mehr können Sie nicht tun. Wenn Hermine sich Ihnen mitteilen will, wird Sie es tun, aber drängen Sie sie nicht. Versuchen Sie ihr einfach das Gefühl zu geben, präsent zu sein, aber nicht aufdringlich. Ich weiß, es ist schwer, aber irgendwann wird sie wieder auf Sie zukommen. Aber bis dahin müssen Sie auf Professor Snape vertrauen."
Harry fühlte die vertraute Welle der Erschöpfung und Hilflosigkeit über sich hinwegschwappen. Abwarten und auf Snape vertrauen. Das würde ihm nicht leicht fallen.
„Vielen Dank, Mrs Cole", sagte er schließlich, erhob sich und reichte ihr die Hand.
„Gern geschehen, Mister Potter." Martha schüttelte seine Hand und Harry wand sich zum Gehen.
Als er schon fast aus der Tür war, drehte er sich nocheinmal um.
„Ich nehme an, sie plädieren auf Freispruch?", fragte er mit einem Anflug von Amüsement in den Augen.
„Ich bin Medihexe, keine Richterin. Ich weiß nur, dass es einfacher für Miss Granger wird, wenn ihre Vertrauensperson nicht in Askaban landet. Also lassen Sie sich etwas einfallen, Mister Potter."
Harry lachte und schloss die Tür hinter sich, eine lächelnde Martha Cole in ihrem Büro zurück lassend.
