In dir verlaufen

Disclaimer: Alle Personen und Orte des Harry Potter – Universums gehören J.K. Rowling. Ich verfolge keine kommerziellen Absichten mit dieser Fanfiction.

Summary: Drei Jahre nach Voldemorts Ende geschehen immer noch Angriffe und die Zaubererwelt wird von Zeit zu Zeit nur allzu schmerzhaft daran erinnert, dass der Kampf gegen die dunklen Mächte nie enden wird. Als Hermine bei einem Angriff zu Schaden kommt, gibt es nur einen, der ihr vielleicht noch helfen kann.

Anmerkung: Geschafft! Kein sehr spektakuläres Ende, aber ich mag es. Ich hoffe ihr auch. Vielen Dank für die tollen Reviews, die ich bekommen habe. Vielen Dank dafür, dass ihr die Story auf eure Favourite-List gesetzt habt.

Ich möchte euch noch eine kleine Information zu Martha geben, die es nicht in die Story geschafft hat: Martha ist Witwe, wie man möglicherweise bereits erraten haben könnte. Ihr Mann starb bei einem Autounfall. Ich hab es deshalb nicht in die Story eingebunden, weil es hier um Snape und Hermine geht und nicht um meine kleine „Mary-Sue". Ich wollte es aber auch nicht unter den Tisch fallen lassen, also wisst ihr es jetzt.

So, jetzt viel Spaß beim letzten Kapitel. Und bevor ihr fragt, ich habe keine Fortsetzung geplant :-)

Kapitel 16: Endlich ein Grund

Endlich ein Zuhause
für all die dunklen Gründe
Endlich ein Grund - Los, komm!
Wir schmieden neue Bünde

Martha Cole hatte erreicht, das Hermine noch eine Weile zur Beobachtung im Sankt Mungos blieb. Solange Severus Snape noch nicht frei gesprochen war, war dies auch die einzige Möglichkeit ihm und Hermine Zeit und Raum zu geben miteinander zu reden. Es war nicht gerade einfach gewesen, die Chefin des Sankt Mungos davon zu überzeugen, dass ein weiterer Aufenthalt Hermines nötig war, obwohl diese keinerlei medi-magische Behandlung mehr erfuhr. Noch schwieriger war es gewesen, Snapes ständige Präsenz zu rechtfertigen. Martha hatte all ihre Kraft und Überzeugungskunst gebraucht, aber es hatte funktioniert und so hatte sie erreicht, das alle weiteren Entscheidungen bis zum letzten Verhandlungstag von Snape aufgeschoben wurden waren. Was danach geschehen sollte, würde Martha nicht mehr beeinflussen können. Ob Snape nach einem Freispruch überhaupt weiter für Hermine da sein wollte, wusste Martha nicht, sie hoffte es nur. Sie hatte ihren ehemaligen Lehrer nie als einen mitfühlenden, sich sorgenden Menschen gesehen oder erlebt, aber sein Umgang mit Hermine war so einfühlsam und vorsichtig, dass man fast glauben konnte, er hatte sein Leben lang nichts anderes getan. Wie er mit ihr sprach, ihr Halt gab, sie weinen und reden ließ war so voller Hingabe, dass es Martha fast selbst zu Tränen rührte. Aber all dies fand in einem Krankenzimmer statt, abgeschottet von der Außenwelt. Was würde außerhalb dieser vier Wände passieren? Wie würden Hermine und Snape miteinander umgehen können, wenn beide zurück in ihren Alltag kamen? Würde es für sie je wieder einen Alltag geben? Hier in diesem Zimmer mussten sie sich niemandem erklären. Sie mussten keine Fragen beantworten, keine Einkaufslisten schreiben oder Freunde zum Essen einladen. Sie mussten nicht so tun, als ob alles in Ordnung wäre, als ob die Welt sich nicht geändert hätte. Hier mussten sie sich nicht zusammenreißen oder verteidigen. Martha wusste, was auf Hermine wartete, wenn sie zurück in ihr so genanntes Leben kam. Aber sie wusste auch, dass wenn Hermine Glück hatte, sie jemanden an ihrer Seite haben würde, auch wenn dieser jemand selbst mit sich und der Welt zu kämpfen haben würde.

Ooo

Hermine legte sorgfältig ihre Sachen zusammen. In einer halben Stunde würde Harry sie abholen und in ihre Wohnung bringen. Zurück in ihr Leben. Sie wusste noch nicht, wie sie damit klar kommen würde. Noch immer waren so viele Gefühle in ihr, die sie nicht zuordnen konnte. Angst, Trauer, Wut, Verzweiflung, Scham. Alles kam ihr auf eine grausame Weise klarer und ungesüßter vor. Sie hatte nach Rons Tod in der Illusion gelebt, dass alles einen Sinn ergeben würde, das alles aus einem bestimmten Grund geschah und kein Opfer unnütz gebracht wurde. Jetzt glaubte sie nicht mehr daran, konnte nicht mehr daran glauben. Aber sie konnte auch nicht aufgeben. Das wusste sie jetzt. Sie war zurückgekommen, letztendlich hatte sie sich für das Leben entschieden, sich an einen dünnen Strohhalm geklammert, an eine Stimme in ihrem Kopf. Ihr Puls erhöhte sich, als sie an Severus dachte. Von all den Menschen, die ihr in ihrem Leben begegnet waren, war er wohl der letzte gewesen, von dem sie gewollte hatte, dass er in ihren Geist eintauchte. Aber im Nachhinein war es gar nicht mehr so abwegig, dass er es war, der ihr Kraft gab. Auch er zweifelte, auch er sah die Welt ohne Zuckerguss, wusste was leiden bedeutet und lebte doch noch. Sie hatte ihn gefragt – irgendwann mitten in der Nacht – ob er einmal darüber nachgedacht hatte nicht einfach einen seiner Tränke zu schlucken und dem Ganzen ein Ende zu setzen. Und er hatte gelacht. Erst hatte sie gedacht, dass er sie ausgelacht hatte, doch dann sah sie diese Wärme in seinem Blick und wusste, dass er sie nie auslachen könnte. Nicht mehr. Er hatte sie in den Arm genommen und dann hatte auch sie schmunzeln müssen. Sie wussten beiden nicht, wie es weitergehen sollte, aber vielleicht würde es einfacher sein, wenn sie zusammen waren.

Ooo

Severus Snape wartete in seiner Zelle. Er würde gleich abgeholt werden und dann würde sich entscheiden, was nun mit ihm geschehen sollte. Noch vor ein paar Wochen war es ihm egal gewesen, ob man ihn frei sprach oder lebenslänglich nach Askaban steckte. Doch jetzt dachte er an Hermine. Sie hatte ihm wieder eine Aufgabe in seinem Leben gegeben. Mehr als das. Sie brauchte ihn. Aber nicht so, wie Albus Dumbledore oder Voldemort ihn gebraucht hatten. Sie brauchte nicht seine Rolle, nicht seine Fähigkeiten, seine Intelligenz oder Schauspielkunst. Sie brauchte ihn, Severus Snape. Seine Stärke, aber auch seine Schwäche. Und er hatte festgestellt, dass auch er sie brauchte. Er hatte es nicht gewusste, nicht einmal ahnen können, aber sie war es, die ihn die ganze Zeit am Leben gehalten hatte. Denn tief in sich war er immer da gewesen, der Wunsch nach dem einen Menschen für den es sich lohnte weiter zu machen. Natürlich war dieser Wunsch nie mit dem Gesicht von Hermine Granger verbunden gewesen und vielleicht würde er das auch nicht immer sein. Vor langer Zeit war Lily dieser Mensch gewesen und dann – so hatte er sich das immer eingeredet – war es Harry gewesen, aber auf eine ganz andere Art. Nach dem Krieg war da niemand mehr und alles war ihm egal gewesen. Aber jetzt... ja, er hatte wieder einen Grund zu kämpfen.

Ooo

Martha Cole hetzte durch die Gänge des Sankt Mungos. Sie hatte zu der Verhandlung gehen wollen, aber dann war so viel los gewesen. Als hätten sich alle Zauberer und Hexen gleichzeitig entschlossen krank oder von einem Fluch getroffen zu werden. Die Notaufnahme war so voll gewesen, wie in den Tagen des Krieges und zu guter Letzt hatte ihr auch noch ein kleiner Junge eine Ladung Schnecken auf den Kittel gespuckt. Jetzt rannte sie, so schnell sie konnte, um wenigstens noch vor dem Urteilsspruch im Ministerium zu sein. Sie sah auf ihre Uhr und seufzte.

Sie kam keuchend vor dem Verhandlungssaal an. Ein Mitarbeiter des Ministerims stand vor der Tür und betrachtete sie misstrauisch.

„Können Sie sich ausweisen?", fragte er knurrig. Martha zeigte ihm den Ausweis, des sie sowohl als Mitarbeiterin von Sankt Mungos, als auch als ehemalige Aurorin auswies. Er nickte knapp und ließ sie hinein. Der Saal war bis auf ein paar Leute fast leer und Martha musste sich auch nicht mehr die Mühe machen, sich einen Platz zu suchen. Das Urteil wurde bereits verlesen und alle Anwesenden standen.

„...werden Sie von allen Anklagepunkten freigesprochen", sagte die Richterin gerade. „Somit erhalten sie sofortigen Zugriff auf ihren Besitz und ihr Haus in Spinner's End. Sie erhalten außerdem wieder die Erlaubnis zu unterrichten, sollte das ihr Wunsch sein." Die Richterin setzte sich wieder und alle anderen taten es ihr gleich. Dann richtete sie sich persönlich an Snape.

„Professor Snape, ich möchte Ihnen persönlich danken für Ihren Einsatz und Ihren Mut. Ich hoffe sehr, dass Sie von nun an ein angenehmeres Leben führen können. Die Verhandlung ist geschlossen."

Ein Gemurmel erhob sich und langsam verließen die wenigen Anwesenden den Verhandlungsraum. Snape erhob sich langsam und ließ sich Zeit, bis er sich in Richtung Ausgang in Bewegung setze. Martha wartete, ein Lächeln auf den Lippen.

„Gratuliere, Professor", sagte sie mit ehrlicher Freude.

„Danke, Miss Cole."

„Ich habe ein Angebot für Sie."

Snape schaute sie fragend an.

„Man hat mir die Leitung einer kleinen Forschungsgruppe übertragen. Es geht um die Diagnose und Behandlung von Fluchschädigungen, die ein temporäres oder langfristiges Koma verursachen."

Snape grinste. „Und sie wollen, das ich in die Köpfe all diese Menschen gucke?", spottete er.

„Nein, wir haben einen Legiligmentikspezialisten aus Frankreich dafür gewinnen können, aber wir bräuchten noch jemanden fürs Labor und na ja, ich dachte..."

„So so, sie dachten also." Snapes Grinsen wurde breiter.

„Hören Sie, ich möchte jemanden der Ahnung hat von Zaubertränken und ... na ja, Erfahrung."

„Das ist ein sehr verlockendes Angebot, aber ich muss darüber nachdenken."

Martha nickte. Sie hatte nicht erwartet, dass er ihr dankbar um den Hals fallen würde.

„Gut, denken Sie darüber nach." Sie reichte ihm die Hand. Er starrte sie einen Moment an, ergriff sie dann aber .

„Einen schönen Tag noch, Professor", sagte Martha Cole.

„Ihnen auch", antwortete Snape schlicht und ging davon. Er hatte noch immer den gleichen scharfen Schritt, den Martha aus Hogwarts kannte, aber jetzt bauschte sich keine schwarze Robe bedrohlich auf. Er war nicht mehr die Fledermaus aus den Kerkern, nicht mehr der grausame Todesser, für den ihn viele gehalten hatten. Martha lachte.

„Ich seh sie am Montag um neun, Professor. Seien Sie pünktlich", rief sie ihm hinterher und er hob im Gehen den linken Arm, als wolle er winken. Martha drehte sich um und ging ebenso schnellen Schrittes wie Snape in die entgegengesetzte Richtung davon.

ENDE