It's Your Day

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„Gut. Wenn das geklärt wäre, können sie gehen. Ihre Erziehungsberechtigten werden in Näheres erklären." Mr. Banner machte einen Schritt nach hinten und drehte sich schließlich um. Dann verließ er den Schulhof und ich konnte nicht anders, als ihm einfach hinterher zu starren. Was sollte das?

Das war doch nicht deren ernst, dass wir die nächste Woche in der Wildnis verbringen sollten. Zudem hatten sie uns noch nicht einmal richtig erklärt, was wir dort machten und so weiter, doch im Nachhinein konnte ich sie verstehen. Sowohl Mr. Banner, wie auch die anderen Lehrer. Keiner hätte ihnen auch nur ein Wort zugehört, was uns auch nicht weitergebracht hätte. Die Eltern würden das schon eher schaffen.

Wir gingen zusammen vom Schulhof. Alice und ich nahmen ihren Porsche. Ich war froh, dass Edward nicht mit uns mitkam; ich hätte seine Gegenwart nicht ausgehalten.

„Was denkst du, wo wir genau hinfahren?", schnatterte Alice auch schon los, als wir uns im Auto befanden und sie mit ziemlich hoher Geschwindigkeit das Schulgelände verließ.

Sie klang etwas besorgt. Scheinbar machte sie sich auch noch Sorgen, was wir denn anziehen sollten. Jessica würde einen Anfall bekommen, wenn ihre pinke Kleidung dreckig werden würde, was mir eigentlich egal war. Jessica war eine der Schulzicken, die nichts anderes im Sinn hatten außer Sex, Alkohol, Kleidung und Jungs.

Es war echt schrecklich mit ihr in eine Stufe zu gehen, was bei den meisten anderen Mädchen nicht anders war.

Angela war mit unter das einzige noch normale Mädchen, auch wenn sie viel mit Jessica zusammenrumhing. Ich kam mit ihr allerdings gut klar, denn sie war keine Intelligenzbestie, aber dennoch schlau genug nicht jeden Scheiß mitzumachen; ehrlich gesagt hatte ich sie noch nie irgendwo mitmachen gesehen, was die Leute schon so alles angestellt hatten.

„Ich weiß nicht", gab ich auf Alice Frage zu und starrte auf die Straße vor uns. Es war nass, wie immer, doch spiegelte sich die Sonne auf dem Asphalt. Normalerweise war die Wolkendecke am Himmel dick und normalerweise kam kein einziger Schimmer der Sonnenstrahlen hindurch, aber heute war ja sowieso schon ein unnormaler Tag, wieso sollte dann nicht auch noch das Wetter verrückt spielen?

„Aber ich bin mir sicher, dass es nicht allzu weite weg ist, aber dennoch so weit, dass man nicht so leicht abhauen kann", murmelte ich nachdenklich und kniff die Augen zu, als mir ein Sonnenstrahl ins Gesicht schien.

„Denkst du wirklich, dass Mike oder Tyler sich trauen würde abzuhauen? Jessica und Ashley erst recht nicht. Die haben viel zu viel Schiss vor den ganzen Tieren. Allein vor einer Ameise würden sie schreiend davon laufen." Alice hatte recht. Warum auch immer, aber sie hatten tierische Angst vor jeglichen Tieren und dazu zählten auch Insekten und andere Kleintiere.

Vor zwei Jahren hatte sich Jessica das Bein gebrochen, als sie im Zoo von Seattle einen Delphin gesehen hatte. Zumindest wurde es mir so erzählt. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch in Phoenix und genoss die Sonne.

„Du hast recht." Ich nickte zustimmend und atmete einmal tief durch. Auch wenn ich jetzt bereits ein Jahr in Forks war, fühlte ich mich teilweise nicht wohl. Nur durch Alice, Rose, Emmett und Jasper wurde dies etwas gelockert. Durch sie schwand wenigstens ein Teil meiner Unbehaglichkeit und füllte es mit Geborgenheit. Allein Edward schaffte es immer wieder es zu zerstören. Mike. Tyler. Jessica.

All sie waren daran Schuld. Nein. Ich gab ihnen nicht wirklich die Schuld daran, aber… Ich wusste nicht recht, wie man das hätte beschrieben können, also ließ ich es.

„Lass es bei einer Überraschung!", sagte sie und grinste mich an. Ich schüttelte den Kopf und grummelt: „Ich hasse Überraschungen!"

Alice glockenhelles Lachen übertönte die sanfte Klaviermusik, die sie eingelegt hatte.

„Eben. Deshalb will ich ja, dass es eine Überraschung wird!" Ich runzelte die Stirn.

„Du willst also, dass ich mich aufrege!", fragte ich sie gespielt böse und verzog das Gesicht. Alice lachte nur noch lauter und hielt plötzlich abrupt an.

„Bella? Wir sind da!", zog sie unser Gespräch auf ein anderes Thema und schaute an mir vorbei aus dem Fenster.

„Oh." Wir hatten wirklich nicht lange gebraucht. Vielleicht fünf Minuten, was aber sicher an Alice schrecklicher Fahrweise lag. Sie jagte mir damit immer wieder einen Schrecken ein, worüber sie sich auch immer wieder amüsierte.

„Gut. Dann-äh… Bis Morgen", murmelte ich etwas verstört, als ich ausstieg und stolperte dabei beinahe über meine eigenen Füße.

„Bella, Bella", hörte ich Alice hinter mir lachend sagen. „Du schaffst es wirklich an keinem Tag mal nicht hinzufallen und natürlich werde ich dich heute noch anrufen."

Ich nickte nur und schlug die Autotür zu. Alice fuhr in einem rasenden Tempo davon.

Ich nahm meine Tasche auf den Rücken und schlenderte zur Haustür. Ob Charlie schon da war?

Ich schaute mich um und konnte kein Polizeiauto erkennen. Er war also noch nicht da, was mich auch nicht weiter wunderte, denn er war selten schon zur Mittagszeit nach Hause gekommen. Ich öffnete die Haustür und zog mir meine Jacke und meine Schuhe aus. Im Haus war es kalt, doch das störte mich nicht weiter. Ich hatte mich daran gewöhnt, auch wenn es mich schrecklich nervte. Ich ging die Treppe hoch in mein Zimmer und nahm den Rucksack mit.

Dann setzte ich mich an den Schreibtisch und erledigte einen großen Teil meiner Hausaufgaben. Es waren nicht viele, denn es war sowieso unnötig, weil es kaum jemand machte. Und diese zu diesen kaum jemanden gehörte ich, Alice, Rose, Jasper, Emmett und wie ich heute festgestellt hatte, Edward. Außerdem machte Angela ab und zu ihre Hausaufgaben.

Ansonsten hingen die anderen Schüler entweder vor der Glotze oder suchten Aufmerksamkeit, indem sie ihre berüchtigten Streiche spielten, die einem langsam zum Hals raushingen.

Nach einer halben Stunde war ich bereits fertig und ging nach unten, um mir etwas zu Essen zu bereiten. Ich fand eine noch kaum angerührte Lasagne und stellte sie in die Mikrowelle. Irgendwann musste es sowieso gegessen werden und da mir nicht nach kochen war, verschlang ich sie regelrecht.

Nachdem ich gegessen hatte ging ich nach oben und nahm Sturmhöhe vom Nachttisch.

Damit legte ich mich aufs Bett und fing an zu lesen.

1801.-Ich bin soeben von einem Besuch bei meinem Hauswirt zurückgekehrt-dem einsiedlerischen Nachbarn, mit dem ich mich nun abgeben muß. Wirklich, dieß ist ein prächtiges Land! In ganz England, glaube ich, hätte keine andere Gegend…

Weiter kam ich schon nicht. Ich hörte, wie Charlies Schlüssel im Schloss knackte und sprang auf. Er war früher zurück als erwartet, was mir eigentlich egal war. Ich trappelte die Treppe nach unten.

Mein Vater war gerade dabei sein Gewehr an die Wand zu hängen.

„Hallo, Dad", begrüßte ich ihn und ging geradewegs an ihm vorbei in die Küche. Er folgte mir.

„Hey, Bella. Und wie war dein Tag?" Er nahm an dem kleinen Küchentisch Platz und schaute mir dabei zu, wie ich mir ein Glas Wasser einschenkte.

Ich beantwortete seine Frage nicht, sondern wendete mich anderen Dingen zu.

„Willst du etwas essen? Wir haben noch Lasagne", fragte ich ihn und drehte mich mit dem Glas in der Hand um.

„Äh. Ja." Lächelnd sah er mich an und ich erwiderte es. Dann bereitete ich ihm die Lasagne zu, was eigentlich nur daraus bestand ein Stück in die Mikrowelle zu stellen, doch weil mein Vater begabt darin war Essen anbrennen zu lassen machte ich es, denn er hatte es schon so vieles geschafft, an das ich nicht im Traum gedacht hätte.

„Wie war denn nun dein Tag?", fragte er, als ich mich ihm gegenüber setzte.

„Ganz okay. Mr. Banner hat uns das mit der nächsten Woche erzählt", sagte ich und es klang wie runter geleierte Worte.

„Oh. Dann wisst ihr es also endlich. Wie viel hat er euch gesagt?", fragte er und klang interessiert. Ich stand auf, da die Mikrowelle piepste und holte die fertige Lasagne raus.

Dann stellte ich sie vor Charlie und reichte ihm eine Gabel, die ich vorher aus der Schublade genommen hatte.

„Ach. Nicht viel. Nur, dass wir mit der Stufe in die Wildnis fahren", sagte ich zuckte mit den Schultern. Dabei runzelte ich die Stirn und trank einen Schluck Wasser.

„Erzählst du mir mehr?", fragte ich ihn nach ein paar Minuten des Schweigens.

„Nun gut. Ihr wisst wirklich nicht mehr? Dann lass uns erst einmal ins Wohnzimmer setzen,. Da ist es doch wesentlich bequemer…"

Ich nickte und folgte ihm ins Wohnzimmer, wo er sich auf der Sofa fallen ließ. Die Lasagne hatte er bereits aufgegessen.

Ich nahm neben ihm Platz und schlug die Beine übereinander.

Ausnahmsweise lief der Fernseher mal nicht, wenn wir im Wohnzimmer saßen. Charlie war berüchtigt dafür Football spiele zu verfolgen, aber auch Baseball schaute er sich manchmal an. Männer.

„Na ja. Wir Eltern wissen es bereits seit einem Monat." Meine Kinnlade klappte nach unten. So lange wussten sie es schon? Und niemand hatte auch nur ein Sterbenswörtchen fallen gelassen? Das war absurd! Regelrecht unmöglich.

Ich schloss meinen Mund wieder und schüttelte mit dem Kopf.

„Später hätten sie es uns auch nicht sagen dürfen, denn wir mussten schließlich noch ein paar Sachen erledigen." Er runzelte mit der Stirn und sah auf seine Hände.

„Wann geht es los?", fragte ich ihn etwas ängstlich. Wie viele Tage hatten wir noch, um Forks zu genießen, ehe wir eine wahrscheinlich grausame Zeit mit den Leuten aus meiner Stufe in der Wildnis verbringen würden. Die anderen würde wohl eher das Gegenteil stören. Sie verstanden sich alle super, was auch unsere Stufe so unheimlich machte, und hatten immer vor den normalsten Dingen angst. Drogen, Alkohol… Das machte ihnen nichts aus, aber wenn es um die kleinsten und liebsten Lebewesen der Welt besaßen sie nicht den Hauch von Mut. Das war einfach lächerlich.

„Eigentlich sollte es morgen losgehen, aber das ihr es erst heute erfahren habt wohl erst im Laufe dieser Woche. Genaueres wurde uns darüber auch nicht gesagt." Er zuckte mit den Schultern. „Die Eltern der anderen waren nicht gerade erfreut über diese Nachricht und mich wundert es, dass niemand der Eltern etwas ausgepludert hat. Es sind doch alles Quatschtanten hier." Jetzt klang er etwas aufgebracht. Seit dem er mir erklärt hatte, dass es eigentlich morgen losgehen sollte, starrte ich ihn an. Wenn es morgen losgehen sollte, brauchte ich noch eine Menge an Sachen. Ich hatte schließlich keine Kleidung, die für die Wildnis bestimmt war, schließlich ging Alice mit mir shoppen. Das hieß schon einmal, dass alles perfekt aussehen musste.

„Ja. Es ist wirklich etwas sehr kurzfristig, aber was macht man nicht alles, um die Jungend zu erziehen? Meiner Meinung nach sind alle etwas durchgedreht in dieser Stadt und damit meine ich nicht nur die Kinder. Von wem wurden sie denn erzogen? Von ihren Eltern. Mit den Kindern kann man eigentlich nur Mitleid haben, dass sich nicht vernünftig um sie gekümmert wird. Dich, die Cullens und die Hales nehm ich da jetzt mal raus. Ebenfalls Angela, die ja einen ziemlich normalen Eindruck macht."

Wieder stand mein Mund offen. Es war selten, dass Charlie so viel auf einmal sprach. Er schien wirklich aufgebracht darüber zu sein und im Grunde konnte ich ihm nur zustimmen.

„Ihr werdet mit Kajaks in der Nähe von Port Angeles starten. So wie ich weiß an der Brücke, die dem Pazifik am nächsten ist. Ich glaube die Straße heißt Elwha River Road. Ihr fahrt den Elwha River nach Süden hinab. Zwischendurch müsste der Lake Aldwell kommen. Wie lange ihr für die gesamte Strecke braucht, weiß man nicht deshalb wird euch geraten, dass ihr möglichst zügig voran kommt, denn dann seit ihr auch schon eher zu Hause." Ich nickte, auch wenn mir die ganze Sache immer noch etwas Misstrauen bereitete. Was würde uns dort alles erwarten?

Wir müssten also Kajak fahren. Das war wahrscheinlich nicht so schlimm wie wandern, denn ich war begabt darin hinzufallen. Hoffentlich hatten wir nicht jeder allein ein Kajak, denn das würde mir schon Angst bereiten, vor allem weil ich in Sportarten ziemlich mies war, doch Charlies nächste Aussage stillte meine Angst.

„Ihr werdet euch immer zu zweit ein Kajak teilen. Außerdem wird jeder eine Karte bekommen und ein Zelt, dass ihr euch jeweils zu dritt teilen müsst. Auf die Boote könnt ihr ziemlich viel Gepäck mitnehmen, aber trotzdem müsst ihr mit Bedacht auswählen, was ihr mitnehmt. Also kein Tonne Pullis, nur weil euch kalt werden könnte." Er grinste mich an.

Ich muss schaudern, als ich daran dachte, wie wir alle erfrierend am Waldesrand saßen, unsere Lippen schon ganz blau von der Kälte waren und man sich nicht einmal mehr zum wärmen bewegen konnte. So schlimm würde es nicht werden. Die Olympic-Halbinsel war zwar bekannt für deine Kälte und en vielen regen, doch wir befanden uns nicht in der Antarktis.

„Mhm… Ich denke, ich rede erst einmal mit Alice." Charlie nicke und ich stand auf, um nach dem Telefon zu suchen, welches ich auf dem kleinen Couchtisch direkt neben dem Sofa vorfand.

Ich wählte ihre Nummer und ging nach oben in mein Zimmer. Ich hörte, wie Charlie den Fernseher anschaltete. Ein Footballspiel. Ich rollte mit den Augen und setzte mich auf das Bett.

Tut. Tut. Tut.

„Edward Cullen?", hörte ich die Stimme am anderen Ende sagen. Innerlich stöhnte ich auf. Das hatte mir gerade noch gefehlt. Edward Cullen höchst persönlich am Telefon. Das war mir schon einige Male passiert, doch nie hatte es mich so sehr gestört, wie in diesem Moment.

„Gibst du mir bitte Alice?", fragte ich zwischen gepressten Lippen hervor. Starr blickte ich an die Zimmerwand. Er stöhnte auf.

„Hallo Isabella", sagte er mit einer piepsigen Stimme, die wohl mich darstellen sollte. Ich lachte höhnisch darüber. „Cullen. Wenn du deine ach so tolle Schauspielerische Kunst einsetzen willst, dann mach das bei Jessica. Die Stimme würde eher zu ihr passen." Ich grinste in mich hinein.

„Oh. Wirklich?", sagte er und klang kein bisschen nach dem, wonach sich der Satz anhörte.

„Meiner Meinung nach hört es sich ziemlich stark nach dir an. Wer hat denn heute aufgeschrien, als Mike in der Nähe war? Jessica bestimmt nicht…" Das war ja wohl das Höchste. Jetzt beschützte er sie auch noch.

„Oh. Das tut mir aber gar nicht Leid, dass ich deine Freundin"-ich betonte es auf die Art und Weise, wie er es genauso bei mir gemacht; nur mit Mike-„beleidigt hab."

„Edward? Mir wem sprichst du?", fragte eine misstrauische Stimme hinter ihm. Ich lachte auf. „Alice! Hörst du mich? Sag diesem Arsch er soll dir das Telefon geben." Ich schrie es schon fast.

„Gib her", hörte ich Alice nur sagen, doch bevor ich mich mit ihr unterhalten konnte hörte ich Edward noch so etwas wie „wir reden später darüber", zischen, worüber ich nur lachte.

„Tut mir Leid, Bella", murmelte Alice und ich konnte hören, wie sie die Tür zuknallte.

„Ist schon okay", erwiderte ich. Sie machte sich Sorgen darüber, dass ihr Bruder es immer schlimmer machte, aber ich brachte ihr das immer wieder vom Gewissen. Sie konnte schließlich nichts dafür, dass ich ein so leichtes Opfer war.

„Wirklich?", hakte sie nach.

„Ja-a."

„Gut. Weißt du schon alles? Mein Vater hat irgendwoher einen Zettel bekommen, wo alles noch einmal draufsteht mit der Fahrt und so weiter. Willst du zu uns kommen? Dann können wir darüber reden… Und ich glaub wir müssen noch shoppen gehen. Oh Gott. Ich weiß gar nicht was ich alles mitnehmen soll." Ich unterbrach ihren Redeschwall, indem ich auf ihre Frage antwortete.

„Ok. Ich komme." Dann legte ich auf, ohne auf ihre Antwort darauf zu warten.

Ich lief nach unten und zog mir im gehen die Jacke an, die ich über den Stuhl gelegt hatte. Meine stiefel hatte ich bereits an.

Mit einem „Tschüss, Dad. Ich bin bei Alice", verließ ich das Haus und rannte zu meinem Transporter. Das Rennen war mal wieder ein Fehler, denn kaum war ich ein paar Schritte gelaufen, stolperte ich über meine eigenen Füße und konnte mich gerade noch mit meinen Händen auffangen. Mit gerunzelter Stirn betrachtete ich die Schürfwunden und rappelte mich wieder auf. Es brannte etwas an der Hand, doch es war nicht weiter von Belang.

Im Auto holte ich meinen Schlüssel raus und steckte ihn in das leicht verrostete Schloss.

Es knackte ein paar Mal. Mit einem leichten quietschen öffnete ich die Autotür und stieg hinein.

Es roch so wie immer. Zigaretten, die jemand vor Jahren hier drin geraucht haben muss, und Pfefferminzbonbons, die Billy so gern aß. Billy war der Vater von Jake, der wiederum ein sehr guter Freund von mir war. Allerdings hatten wir uns schon seit Wochen nicht mehr gesehen, weil er in La Push wohnte. Das liegt etwa eine halbe Stunde entfernt von Forks am Meer.

Ich war schon lange nicht mehr dort und beschloss nun, dort bald mal wieder hinzufahren.

Als ich das Haus der Cullens ansteuerte wurde mir etwas mulmig zu Mute. Was, wenn Edward da war? Würde er mich runtermachen?

Das war wirklich das letzte, was ich jetzt wollte…

Wie konnte ein Junge jemanden nur so erniedrigen? Ich parkte direkt vor der Garage.

Wie immer kam ich mir seltsam klein vor, als ich zu dem übergroßen Haus hinauf sah. Wie konnte man nur so viel Geld besitzen?

Mit dem Schlüssel in der Hand stieg ich die Stufen der Treppe empor und befand mich kurz darauf in dem Wohnzimmer der Cullens wieder. Die Tür war offen gewesen, wie es bei ihnen nun mal üblich war, oder eher gesagt in ganz Forks. Niemand klaute etwas, auch wenn noch so bekloppte Leute hier wohnten. Man vertraute einander.

„Oh, Bella", quietschte Alice auf, als sie mich durch das Wohnzimmer schleichen hörte. Na ja. Schleichen konnte man es nicht nennen, denn meine Schritte waren so laut, wie die eines Trampeltiers…

Sie umarmte mich und zusammen gingen wir nach oben in ihr Zimmer. Wie immer war es aufgeräumt und ich konnte keinen einzigen Fleck voll Staub sehen. Alles sah so ordentlich aus, dass ich mich mit meiner schäbigen Kleidung gleich fehl am Platz fühlte.

„Gut. Das habe ich von meinem Vater", sagte sie und überreicht mir einen Zettel. Es stand recht viel drauf, also setzte ich mich auf ihre Bett und sie ließ sich neben mir nieder.

Liebe Eltern, Liebe Lehrer, Liebe Schüler,

Wie Ihnen vielleicht schon mitgeteilt wurde, wird die vorletzte stufe der Forks-High-School eine Stufenfahrt machen. Dabei geht es darum, dass die SchülerInnen lernen in der Wildnis zu leben und Erfahrungen darüber sammeln.

Mr. Banner wird die Schüler dabei beaufsichtigen und ebenfalls Ms Clearwater.

Starten wird diese Fahrt am . und endet ca. am .

Jeder muss für eigene Verpflegung und Kleidung sorgen. Empfohlen werden dicke Jacken. Außerdem sollte man zu dritt ein Zelt aufbringen.

Die Kajaks werden von dem Laden Newtons's Olympic Outfitters zur Verfügung gestellt. Dort können Sportartikel gekauft oder geliehen werden, die man möglicherweise gebrauchen könnte.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Mr. Banner.

Mit freundlichen Grüßen

Banner

Mehr stand da nicht. Etwas entgeistert starrte ich auf das Blatt. Wir bekamen noch nicht einmal eine Liste von Dingen, die wir mitnehmen sollten…

„Nicht gerade viel, oder?", fragte Alice und nahm mir den Zettel aus der Hand, um ihn selber noch einmal zu überfliegen. Ich schüttelte mit dem Kopf.

„Nein. Ich weiß nicht, was die alles von uns erwarten. Auch wenn der Laden Mikes Eltern gehört, wird er es wohl kaum schaffen, dass alles zusammenzubringen."

Ich nickte. Er würde es wahrscheinlich wirklich nicht hinkriegen. Und seine Eltern hatten sicher auch besseres zu tun, als ihrem Sohn dabei zu helfen Anziehsachen für eine Fahrt rauszusuchen.

„Dann können wir auch deinen Geburtstag feiern!", sagte Alice und es klang schon fast wie ein Quietschen. Sie deutete auf die 6 Zeile auf dem Blatt.

„Oh", sagte ich tonlos. Eigentlich war es mir völlig egal, wo wir meinen Geburtstag feierten, denn ich mochte es nicht besonders. Der Geburtstag war der Tag im Jahr, an dem man die meisten Geschenke und Überraschungen bekam. Ich mochte es nicht. Ich verabscheute Geschenke und Überraschungen und Geschenke regelrecht. Charlie würde es wahrscheinlich auch ich allzu viel ausmachen. Wir waren erwachsen und konnten daher machen, was wir wollten.

„Ja. Das ist super. Mal sehen, wo wir da sind. Das einzige Problem, dass wir haben ist, dass keine passablen Anziehsachen haben."

„Mhm-mhm." In meinen Gedanken war ich wo ganz anders. Wie es wohl war in der Wildnis Geburtstag zu feiern? Eigentlich wollte ich gar nicht feiern, aber das Alice mitfuhr kam ich wohl nicht drum herum. Diese Erfahrung hatte ich schon letztes Jahr gemacht, auch wenn wir uns damals gerade einmal einen Monat kannten. Alice hatte wirklich alles organisiert und scheinbar sehr viel Spaß dabei gehabt.

„Bella? Kommst du?", fragte mich Alice und riss ich aus den Gedanken, in dem sie an mir rüttelte.

„Hm? Was?", fragte ich, denn sie stand auf und zog mich mit.

„Mensch Bella. Hör doch mal zu. Wir gehen shoppen." Ich stöhnte, was Alice natürlich nicht verborgen blieb und mich deshalb finster anstarrte.

„Willst du nackte gehen?", fragte Alice und ging hochnäsig an mir vorbei aus der Tür.

„Wenn's sein muss", nuschelte ich und trottete ihr entmutigt hinterher. War es nicht immer das gleiche? Alice hatte meines Wissens noch nie verloren. Immer konnte sie sich durchsetzen, aber nur wenn ich nicht gerade meine stur köpfigen Momente hatte, was in letzter Zeit immer öfters passiert war.

„Ach komm schon Bella", sagte Alice unter einem Lachen. „du weißt genauso gut wie ich, dass du niemals nackt in die Wildnis fahren würdest." Ich zuckte zusammen und sah mich um. Alice hatte es bestimmt so laut gesagt, dass Edward s hätte hören müssen. Er hätte es auf jeden Fall gehört, wenn er diesem Moment nicht gerade im Bad stand und duschte.

Widerwillig folgte ich Bella durchs Wohnzimmer, wo Rose, Emmett und Jasper saßen.

Als ich an ihnen vorbei kam, steckte Emmett mir einen kleinen Zettel in die Hand, den ich mit gerunzelter Stirn an mich nahm. Was sollte das? Er zwinkerte mir zu.

Alice zog mich durch die Haustür ins Freie. Mein Transporter sah ziemlich verschrottet neben dem schönen gelben Porsche aus, den Jasper wohl schon herausgefahren zu haben schien.

Zusammen stiegen wir hinein und Alice rauschte mit einem Affentempo davon. Ich umklammerte die Sitze.

Auf der Highway kam mir den Zettel wieder in den Sinn und ich holte ihn vorsichtig aus meiner Hosentasche, wo ich ihn hingesteckt hatte, nachdem Emmett ihn mir gegeben hatte. Möglichst unauffällig versuchte ich ihn zu öffnen, was mir auch ziemlich gut gelang.

„Ws hast du da?", fragte Alice plötzlich, als ich ihn fast ganz geöffnet hatte. Schnell umklammerte ich wieder die Sitze.

„Ach. Äh. Nichts, nichts besonders." Arg. Hätte ich nicht einfach das besonderes weglassen können? Das war völlig unnötig… Zu meinem Glück ließ Alice es dabei.

„Achso."

Ich öffnete ihn ganz und las Emmett gekritzelte Buchstaben. Es war schon ein Kunststück sie zu entziffern, aber schließlich bekam ich es doch hin.

Herzliches Beileid!

Ich brach in schalendem Gelächter aus. Das war doch nicht sein ernst, oder? Deshalb hatte er mir den Zettel zugesteckt? Für diese zwei Worte?

Ich schüttelte mit dem Kopf.

„Was ist so lustig?", fragte Alice und sah mich an.

„Schau auf dich Straße!", wies ich sie panisch an. Mein Herz raste.

„Ist ja gut", murmelte Alice, doch wenn ich dachte, dass sie nun locker ließ, hatte ich mich getäuscht. „Nun sag schon. Wieso hast du gelacht? Und was ist das für ein Zettel in der Hand."

Unsicher sah ich sie an. „Bella! Entweder sagst du es mir sofort oder ich werde dafür sorgen!" Ich seufzte ergeben. Wahrscheinlich würde sie mich durch doppelt so viele Läden scheuchen, als wir sowieso schon mussten. Wie ich solche Erpressungsmethoden hasste.

„Emmett hat mir den Zettel gegeben", nuschelte ich in meinen nicht vorhandenen Bart.

„Wie bitte?", fragte sie und schaute mich an. „Könntest du bitte etwas deutlicher sprechen?"

Ich schaute auf meine Hände und sprach die Worte langsam und deutlich aus, als wäre es eine große Sünde. „Emmett hat mir den Zettel zugesteckt." Ich zeigte ihr die geschriebenen Worte und mehr als seufzen tat sie nicht. Dies überraschte mich. Ich hätte gedacht, dass sie wenigstens etwas unfreundlicher oder wenigstens ein bisschen bösartig wurde, doch sattdessen blieb sie ganz ruhig.

„Ihr versteht halt alle einfach nichts von Kleidung", war das einzige, was sie dazu sagte und schaute angestrengt auf die fast leere Fahrbahn.

„Äh, ich ruf mal eben meinen Vater an. Er weiß ja gar nicht, dass ich mit dir wegfahre." Alice nickte, doch ich war mir nicht sicher, ob sie mich überhaupt gehört hatte.

Ich nahm ihr Handy aus der Tasche und wählte Charlies Nummer. Hoffentlich war er nicht zu tief in sein footballspiel versunken, dass er meinen Anruf nicht mitbekam.

Tut. Tut. Tut.

Es schien gar nicht aufzuhören. Ich kniff die Augen zusammen und sah aus dem Fenster, während Charlie einfach nicht ans Telefon gehen wollte.

„Charlie Swan?", hörte ich plötzlich eine Stimme am anderen Ende sagen und schreckte zusammen. Er klang angestrengt, als wäre er zum Telefon gerannt.

„Äh, Hey Dad."

„Bella? Ist etwas passiert?" Ich seufzte. Mein Vater war manchmal wirklich wie meine Mutter.

„Nein. Ich wollte dir nur sagen, dass ich mit Alice auf den Weg nach Seattle bin. Wir müssen noch ein paar Sachen kaufen, meint sie." Ich seufzte wieder, worauf Alice mir einen bösen Blick zuwarf.

„Ah. Ok. Komm aber nicht zu spät zurück. Morgen müsst ihr noch einmal pünktlich in die Schule!"

„Ja, Dad", sagte ich und klang dabei etwas genervt. Ich mochte es nicht sonderlich, wenn er sich groß um mich kümmerte oder sich Sorgen machte. Ich war viel lieber frei und selbstständig und machte mein eigenes Ding.

Nach dem Gespräch herrschte wieder Schweigen im Auto.

Ich lauschte der Klaviermusik, die Alice eingelegt hatte. Fast schien es mir, als wäre direkt neben mir ein Flügel, wo die sanften Töne erklangen.

Ich schloss meine Augen und dachte an die schönsten Momente in meinem Leben. Ich musste zugeben, dass es nicht besonders viele gab, aber immerhin etwas.

„Wir sind da!", quietschte Alice nach einer Weile, die wir in ruhiger Stille verbracht hatten. Ich schreckte zusammen, denn ich befand mich schon fast im Reich der Träume. Da konnte Alice Geschwindigkeit sogar nichts gegen tun, was einerseits beruhigend auf der anderen Seite aber beängstigend war.

Ich schaute aus dem Fenster, das immer noch sauber war, obwohl es geregnet hatte.

Vor uns war das altbekannte Einkaufszentrum, welches Alice so liebte. Ich denke, dass sie lieber nach L.A. oder N.Y. geflogen wäre, aber dazu blieb uns nicht die Zeit, worüber ich sehr froh war. In einer Großstadt fand ich mich nicht so gerne wieder, denn ich hatte einen nicht allzu ausgeprägten Orientierungssinn, weshalb ich auch schon öfters verwirrt durch eine Stadt gelaufen war und wie ein Depp jeden Zweiten Passanten gefragt hatte, wo es denn jetzt lang ging. Zwar hätte ich Alice in meiner Nähe, aber das Risiko, dass ich verloren ging war trotzdem noch recht hoch.

Ich seufzte auf, als ich die vielen Menschen sah. Scheinbar wollten heute alle einkaufen gehen und das auch noch in sattle. Mir blieb auch wirklich nichts verschont.

Ich biss die Zähne zusammen und stieg aus. Meiner Meinung nach war es völlig unnötig so oft shoppen zu gehen. Wer brauchte schon so viel Kleidung? Alice war da ganz anderer Ansichten. Sie liebte es einzukaufen und ich neu einzukleiden. Sie war schon immer der Meinung gewesen, dass Kleidung eins der wichtigsten Dinge auf der Welt waren.

Ich runzelte mit der Stirn, als Alice mich wie ein verrückte (was sie ja auch eigentlich war) durch die Menschenmenge zog. Immer wieder stolperte ich über meine eigenen Füße, doch die kleine zierliche Alice brachte so viel Kraft auf mich wieder hochzuziehen, worüber ich ihr sehr dankbar war.

Mir taten schon die Füße weh, als ich nur die vielen Läden sah, durch die Alice mich alle schleppen wollte. Hoffentlich hielt ich es aus!

An de ersten Läden gingen wir einfach nur vorbei, denn sie schienen Alice alle nicht so anzusprechen. Also rauschten wir an ihnen vorbei.

„Oh. Genau das, was wir brauchen!", sagte Alice und zog mich zur Seite in einen kleinen Laden, den man durch die vielen Menschen kaum sehen konnte. Drinnen lief ein Lied, welches ich nicht kannte.

Der Laden hatte viele verschiedene Arten an Kleidung. Aber das meiste waren Sachen, die man scheinbar gut für die Wildnis brauchte. Eigentlich hatte Alice eine Vorliebe für Markenklamotten von irgendwelchen großen Geschäften, aber so wie es mir schien, kannte sie sich auch hier aus.

Ich war mir ziemlich sicher, dass wir die gesamte Kleidung und auch die Ausrüstung auch bei dem Laden der Newtons zu kaufen war, aber Alice hatte genauso eine Abneigung gegen sie, wie ich. Alice stürzte sich sofort auf einen Haufen von Regejacken und musterte sie kritisch.

„Zu hell", murmelte sie immer wieder. „Zu dünn. Zu dick. Zu undicht. Zu klein. Zu groß. " Ich schaute ihr einfach dabei zu, wie sie Jacke für Jacke aussortierte und am Ende ganze zwei stück blieben. Es waren die gleichen, nur das die eine etwas kleiner schien, als die andere. Sie waren beide Weinrot, was perfekt zu Alice Haaren passte, was sie bestimmt durchdacht hatte.

Alice hielt beide Jacken hoch.

„Schön", murmelte sie. Dann gab sie mir die größere und wir schlüpften jeweils hinein. Für eine Regenjacke sah es wirklich gut aus.

„Die nehmen wir", verkündete Alice und zog sich die Jacke wieder aus.

„Ja. Ich finde sie auch gut", stimmte ich ihr zu und lächelte. Alice traf wirklich oft meinen Geschmack.

Dann ging es weiter in die Schuhabteilung. Bei den Damen-Wanderschuhen blieb sie stehen und betrachtete ein Paar, welches ganz oben im Regal stand.

„Kann ich Ihnen helfen?", hörte ich eine Verkäuferin neben uns sagen und schreckte etwas zusammen; ich hatte sie nicht kommen hören. Alice wand noch nicht einmal den Blick von den Schuhen ab, um die Verkäuferin anzuschauen.

„Ja. Könnten Sie uns bitte diese Paar Schuhen einmal in einer 38 und einmal in einer 39 holen?" Schließlich schaute sie die braun gebrannte Verkäuferin doch an.

„Natürlich. Ich bin sofort wieder da." Sie verschwand durch eine kleine Tür und wir setzten uns auf zwei Stühle, die eigentlich zum anprobieren der Schuhe gedacht waren.

„Du hattest aber nicht vor, dass wir im Partnerlook rumrennen oder?", fragte ich sie und konnte meine Ängstlichkeit darüber nicht wirklich verstecken.

Ich hasste es regelrecht, wenn jemand genau so aussah, wie ich. Zumindest von der Kleidung her. Zwar war ich nicht so ein Mode-Freak wie Alice, aber im Partnerlook musste auch ich nicht rumlaufen.

Alice lachte. „Nein, nein. Keine Angst. Bei der Jacke können wir noch nach einer anderen Farbe fragen und bei den Schuhen sollten wir auch noch einmal schauen. Erleichtert nickte ich.

„Was ist eigentlich mit Rose?", fragte ich, als mir einfiel, dass sie ja auch mitfuhr. „Ich meine, sie braucht doch auch Kleidung, oder?" Alice schüttelte mit dem Kopf.

„Nein. Sie hat noch alles von der letzten Wanderung. Ich war nicht dabei und deshalb hab ich damals auch keine neues Kleidung zum wandern bekommen." Ich erinnerte mich.

„Ach. Das war das Wochenende, an dem wir Sturmfrei hatten, oder?" Sie nicke.

„Jap."

Die Verkäuferin kam wieder und hatte in der Hand ein paar Schuhe.

„So. Die 39 ist leider ausverkauft. Aber es gibt noch ein ähnliches Model. Wer von euch hat die kleineren Füße?", fragte sie.

„Ich", meldete Alice sich und war bereits dabei ihre Schuhe auszuziehen. „Gut", murmelte die Verkäuferin und richtete den Schuh etwas, damit Alice hineinschlüpfen konnte.

„Die passen perfekt", sagte Alice, nachdem sie ein paar Runen im Kreis gelaufen war.

„Dann gehen Sie doch bitte mal über den kleinen Berg", sagte die Verkäuferin und zeigte auf einen kleinen Hügel, der dafür gedacht war, dass man hinüber ging, um zu prüfen, ob die Schuhe auch fürs Bergsteigen geeignet waren.

Alice nickte und tat wie geheißen.

„Passen!", stellte sie fest, nachdem sie ein bisschen umhergesprungen war. Die Schuhe sahen wirklich gut aus.

„Die nehm ich." Die Verkäuferin nickte und wand sich dann mir zu.

„Nun zu Ihnen. Wir haben die gleichen Schuhe noch in braun, statt schwarz. Vielleicht wollen Sie die mal anprobieren?" Ich nickte.

Nachdem ich sie anprobiert hatte gingen wir an die Kasse. Alice wollte noch unbedingt in vier andere Läden und dort schauen.

Widerwillig ließ ich sie die gesamte Rechnung zahlen. Doch sie meinte, dass sie mich hierher geschleppt hatte, also müsse sie jetzt auch zahlen. Ich war da etwas anderer Meinung, aber Alice schaffte es mal wieder mich zu überreden.

Zusammen streiften wir weiter und schon nach dem nächsten Laden taten mir sie Füße weh. Wie hielt sie das nur aus? Wahrscheinlich lag das in der Familie, sonst wären sie ja nicht alle so sportlich…

„Wie findest du das?", fragte Alice und hielt einen Rucksack hoch. Ich nickte müde.

„Gut." Meine Stimme war schon ganz schwach und dünn.

„Sollen wir nach Hause fahren?", fragte Alice besorgt. Sie war zwar shoppingsüchtig, aber dennoch verstand sie es, wenn ich es nicht mehr aushielt.

Ich nickte nur und stand auf.

Alice kaufte den Rucksack noch, ehe wir uns wieder durch die Menschenmenge nach draußen quetschen. Dort atmete ich erst einmal die Luft ein, die mir, obwohl wir in einer Stadt waren, frisch und rein vor. Im Kaufhaus war sehr viel stickigere Luft gewesen.

Wir liefen zu Alice Auto und fast dachte ich, dass meine Füße unter mir nachgeben würden. Sie taten es nicht, aber ich war mir ziemlich sicher, dass ich einen weiteren Laden bereits nicht mehr ausgehalten hätte.

Die Fahrt nach Hause war kürzer. So kam es mir zumindest vor, denn ich schlief tatsächlich ein, was durch das Klavierstück, welches Alice schon wieder eingelegt hatte, noch verstärkt wurde.

Alice ließ mich an Charlies Haus raus, worüber ich sehr froh war.

„Ich hole dich morgen ab", sagte sie. „Nach der Schule kannst du zu uns kommen, um deinen Transporter abzuholen." Ich nickte.

„Ja. Das ist wohl das Beste." Dann schlug ich die Autotür zu und ging zum Haus.

Charlie saß vor dem Fernseher, so wie ich es erwartet hatte. Alice hatte meine Sachen zu sich mitgenommen. Ich konnte sie schließlich morgen abholen.

„Und? Wie war's?", fragte er, als ich an ihm vorbeischlurfte. Ich hob leicht den Kopf.

„Gut", murmelte ich und hatte dabei die Augen schon halb geschlossen. Wie hielt Alice das nur aus? Vielleicht war aber auch der ganze Tag anstrengend gewesen und es lag gar nicht nur am shoppen. Doch darüber konnte ich gar nicht mehr groß denken. Ich ging hoch in mein Zimmer und legte mich noch völlig angezogen aufs Bett.

Heute ist der 7 September. In zwei Tagen geht es los.

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf schlief ich ein und verbrachte eine traumlose Nacht.