~The last normal Day

Als ich aufwachte, war es draußen dunkel. Die Nacht über musste es geregnet haben, denn als ich aus dem Fenster sah, konnte man die Pfützen auf der Straße erkennen.

Sie waren nicht besonders groß, aber doch leicht erkennbar.

Müde rieb ich mir die Augen und setzte mich zurück aufs Bett, um mich noch einmal nach hinten fallen zu lassen. Einschlafen würde ich jetzt wahrscheinlich nicht mehr können. Mein Blick zum Wecker verriet mir, dass es 6:34 Uhr war. Ich seufzte und stellte fest, dass ich noch die Anziehsachen vom Vortag anhatte. Sogar die Schuhe hatte ich angelassen.

Nachdem ich meine Schuhe ausgezogen hatte, fing ich an meine Füße zu massieren. Es schien mir, als wären sie zu Eisklumpen geworden und wollten einfach nicht mehr auftauen.

Ich hätte gestern wirklich noch die Zeit aufbringen sollen mir wenigstens eine Decke überzuziehen, aber natürlich hatte ich dies nicht gemacht.

Dann hätte ich jetzt nicht so eisige Füße und müsste zitternd meine Füße massieren. Es half nicht wirklich, denn meine Hände waren genauso kalt.

Wackelig stand ich auf und machte mich auf den Weg nach unten.

Die Treppe war wohl die schwerste Hürde, denn mit meinen wackligen Beinen musste ich mich an das Holz klammern, als wäre ich ein Ertrinkender. Langsam schritt ich stufe für stufe hinab. Das Licht hatte ich ausgelassen, da ich mir nicht sicher war, ob Charlie schon wach war, oder ob er noch schlief. Ich wollte ihn auf keinen Fall wecken und da sein Zimmer ziemlich nah an der Lampe vom Flur lag, konnte dies sehr schnell geschehen. Sie war eigentlich viel zu hell, aber weder Charlie noch ich hatten vor, dass zu ändern.

Ich rutschte etwas ab, doch konnte ich mich im letzen Moment noch fangen. Ich wollte mir erst gar nicht ausmalen, wie es war die Treppe runterzufallen. Eigentlich hätte ich es, meiner Tollpatschigkeit wegen, schon öfters erleben müssen, doch bisher war ich komischerweise dagegen verschont geblieben. Zum Glück.

Mit unsicheren Schritten tapste ich in die Küche und holte mir eine Tasse aus dem Wandschrank. Ich fluchte, als ich mit der Hand an dem Holz lang schrabbte. Ich zog die Hand zurück und betrachtete mit gerunzelter Stirn die Schramme.
Sie war nicht gerade groß und es brannte auch nicht. Seufzend machte ich mich daran einen Kaffee zu machen. Vorher schaltete ich allerding s noch das Licht an, denn ich wollte auf keinen Fall noch weiter Unfälle erleben, auch wenn sie noch so leicht waren.

Der Kaffee schmeckte zwar ekelhaft, aber es half mir wach zu werden. Heute war wahrscheinlich nicht ganz so mein Tag, dass merkte ich schon jetzt. Ansonsten schmeckte mir der Kaffe immer, aber manchmal war mir entweder nicht danach oder er misslang mir einfach. Was allerdings eher selten war, denn Kaffee machen war so leicht, dass sogar Charlie es schaffte.

Ich setzte mich auf die Couch und schlürfte an meiner Tasse. Mit leicht zitternden Händen nahm ich mir eine dicke Wolldecke, die verstaubt hinter dem Sofa quetschte und legte sie mir über. Sofort wurde mir wärmer und ich genoss das Gefühl.
Das Zittern hörte auf und ich schoss die Augen. Einschlafen konnte ich trotzdem nicht. Es war genau das Gegenteil wie gestern.
Gestern war ich zu spät aufgewacht und heute viel zu früh. Nie konnte es perfekt sein…

„Bella?", hörte ich oben einen schon fast aufgelösten Charlie fragen. Er musste sich in meinem Zimmer befinden und auf mein leeres Bett starren, denn seine Stimme kam nur gedämpft an.
„Ja?", fragte ich und setzte mich auf. Meine Haare mussten schrecklich aussehen, denn sie vielen mir wie wild ins Gesicht.
Charlies Schritte trampelten die Treppe hinunter und ich rieb mir etwas die Augen. Es war etwas heller geworden uns ich musste ein paar Mal blinzeln, ehe ich mich daran gewöhnt hatte.

„Oh. Hier bist du. Ich dachte schon du wärst plötzlich verschwunden." Er lachte kurz auf, doch ich erkannte seinen nervösen Unterton und lächelte leicht.
Er machte sich tatsächlich sorgen, als wäre er meine Mutter.
„Gut geschlafen?", fragte ich und stand auf. Ich richtete meine Kleidung etwas, die ich immer noch nicht ausgezogen hatte.
„Ja. Und du?" Ich nickte nur und nahm meine Tasse, die ich auf den Tisch gestellt hatte. Sie war leer. Mit wackeligen Schritten brachte ich sie in die Küche.

„Ich… äh… gehen nach oben. Duschen." Charlie nickte verträumte, während er an der Kaffeemaschine rumhantierte, was mir schon zu bedenken gab. Ich runzelte die Stirn und ging nach oben, um mir frische Sachen raus zulegen.

Als ich fertig war legte ich mich aufs Bett. Meine Haare waren nass und ließen damit auch das Bett nicht trocken. Sie rochen nach dem Erdbeer-Shampoo, welches ich so liebte.
Ich hatte ein paar Sache angezogen, die Alice mir kürzlich gegeben hatte. Zwar hatte ich sie verweigert, doch dann hatte sie sie einfach Charlie gegeben.
In meinen Händen lag Sturmhöhe und ich las meine Lieblingsstellen.

Irgendwann hörte ich auf damit. Zwar fand ich das Buch wunderschön, aber ich hatte die letzten Wochen wenn nicht sogar Monate kaum noch etwas anderes gelesen. Vielleicht sollte ich doch einmal einen Buchladen aufsuchen und etwas Neues kaufen. War ja mal langsam nötig.
Es war noch längst nicht Zeit dazu loszufahren oder heute, dass Alice mich abholte, also legte ich eine CD in meinen schäbigen CD-Player und lauschte der Gitarrenmusik.

Mit geschlossenen Augen lag ich auf dem Bett und ließ mich einfach treiben. Es war einfach schön einmal Ort und Zeit zu vergessen.
Charlie brachte mich wieder zurück in die Wirklichkeit.
„Ich bin weg, Bella", rief er von unten und ich hörte, wie die Tür ins Schloss fiel.
Schwankend stand ich auf und rief ein „Okay". Mein Fuß war eingeschlafen und kribbelte nun. Wie eine bekloppte hüpfte ich darauf durch das Zimmer und hoffte, dass es bald aufhören würde.
Das tat es dann auch. Nach einer halben Ewigkeit, wie es mir schien.

Mit schnellen Schritten hastete ich nach unten, als mein Blick auf die Uhr fiel. Alice müsste bald kommen und bis jetzt war sie immer pünktlich gewesen. Wieso sollte sie es ausgerechnet heute nicht sein?
Sie enttäuschte mich nicht. Gerade als ich vor der Tür stand und sie abschloss vernahm ich hinter mir ein lautstarkes Hupen. Unwillkürlich hielt ich mir die Ohren zu.
Ich hörte Alice schallendes Lachen und grinste.

Ich erspähte Emmett, Jasper und Rose auf der Rückbank. Rose sah nicht ganz so glücklich aus, denn allein Emmett nahm die Hälfte der Reihe ein. Trotzdem grinste sie mich an.

Ich setzte mich hin-Emmett lachte über meine Tollpatschigkeit, als ich mich ungeschickt niederließ-und nahm meine Tasche auf den Schoß. Alice beugte sich u mir rüber, um mich zu umarmen, was sie dann auch stürmisch tat. Ich zuckte etwas zurück, denn das war selbst für Alice ungewöhnlich.

Emmett klopfte auf meine Schulter und er lachte, als ich sie mir rieb; er hatte nicht gerade leicht geschlagen.

„Morgen", sagte ich und lächelte in die Runde.

„Wollte Edward nicht mitkommen?", fragte ich, nachdem mich alle begrüßt hatten.

Alice runzelte darüber kurz die Stirn und startete den Motor. „Seit wann interessierst du dich darüber?", fragte sie und starrte nach vorne. Es klang eher so, als würde sie es zu sich selber sagen, als zu irgendjemand Anderen.

„Äh… Ich interessiere mich nicht dafür, aber es ist einfach ungewöhnlich." Alice nickte leicht, doch sie schien nicht ganz überzeugt. Wieso sollte ich es interessant finden? Er war sicher wegen mir nicht mitgekommen… Das war auch irgendwie klar.

„Er wollte nicht mitkommen. Also sind wir alle in einem Auto gefahren." Er zuckte desinteressiert mit den Schultern. Ich nickte nur und beließ es dabei.

Ich klammerte mich an den Sitz, als Alice durch die Straßen von Forks fuhr. Zwar hatte ich den gestrigen Tag gut überlebt, trotz ihrer Fahrweise, aber man wusste ja nie.

Emmett kicherte hinter mir, wofür er einen bösen Blick von mir einstecken musste, doch er nahm es wie immer gelassen.

An der Schule stiegen wir aus und mein Blick fiel auf eine Gruppe von Leuten, die am Rande des Waldes standen. Allesamt hatten sie Zigaretten in der Hand und qualmten wie das Zeug ging. Ich verzog angewidert das Gesicht.

Alice neben mir hatte sich versteinert. Sie starrte ganz allein eine Person an. Edward Cullen.

Lässig stand er da und merkte uns noch nicht einmal. Emmett zog scharf die Luft an und Jasper und Rose schnaubten gleichzeitig und wandten sich demonstrativ von ihm ab. Dann gingen sie in die entgegen gesetzte Richtung.

Alice machte genau das Gegenteil. Wutentbrannt stampfte sie auf ihn zu. Verdattert starrte ich sie an. Bis jetzt hatte sie so etwas noch nie gemacht. Und zu allem Überfluss nahm sie dem versteinerten Edward jetzt die Zigarette aus der Hand und warf sie auf den Boden.

Dann stampfte sie wie wild darauf rum.

Die anderen Jungs fingen an zu lachen, was Alice nur noch wütender machte. Mit wutverzerrten Gesicht schrie sie Edward an.

„Was fällt dir ein? Hast du sie noch alle? Ich dachte immer, dass du vernünftig bist, aber scheinbar hatte ich mich getäuscht." Es knallte und Edward stellte entsetzt fest, dass Alice ihm eine Ohrfeige geben hatte. Diese stolzierte gerade an mir vorbei und nahm mich an der Hand, während er sich die rote Wange hielt. Scheinbar konnte er es immer noch nicht fassen, denn seine Augen waren weit geöffnet.

„Alice warte!", rief er und wollte uns hinterherrennen, doch irgendetwas musste ihn an seinem Vorhaben daran gehindert haben. Ich hörte nur noch seine flehende Stimme die leise im Hintergrund nach Alice rief, doch diese rannte einfach weiter.

Ich verstand sie nur zu gut. Wer wäre nicht sauer auf seinen Bruder, wenn er plötzlich mit den geistig benachteiligten zusammenhing, die nicht gerade aus den besten Bereichen kamen und deren Eltern schon teilweise angezeigt waren, weil sie Drogenhandel getrieben oder Kinder schon fast totgeschlagen hatten.

Alice Gesicht war puterrot und der ein oder andere Schüler starrte sie belustigt an, doch sie ignorierte es einfach.

„Wieso macht er so einen Scheiß?", fragte sie wütend und drehte sich abrupt zu mir um, was mich zusammenzucken ließ. Ihre Augen waren glasig, was ihr Gesicht noch wütender aussehen ließ.

„I-Ich weiß nicht", sagte ich einfach, da es so aussah, als erwartete sie eine Antwort von mir.

„Arg. Ich hasse ihn!" Sie schrie es schon fast und die Schüler-wir waren mittlerweile im Flur von Haus 2-lachten sie leicht aus.

„Alice", sagte ich beschwichtigend und beruhigend zugleich, „Zerbrich dir darüber nicht den Kopf. Wenn er so etwas macht, ist er selbst schuld…"

„Nein", fuhr Alice dazwischen. „Wenn er so etwas macht, versaut er mein Leben, weil ich mir bis zu meinem Tod überlegen werde, wieso er das gemacht hat."

Sie hatte recht. Wenn er erst einmal zu den anderen gehörte würde er da so schnell auch nicht wieder raus kommen. Mitleidig sah ich sie an. Ich verstand sie einerseits, aber anderseits auch wieder nicht. Ich mochte diesen Typen einfach nicht.

„Mach dir darüber keinen Kopf", versuchte ich sie aufzuheitern, auch wenn ich selber wusste, dass mein gesagtes nicht stimmte.

„Bella. Du weißt selber, dass da nicht geht!" Entsetzt stellte ich fest, dass ihr eine Träne die Wange runter lief.

„Oh, Alice", murmelte ich. Was hatte dieses Arschloch nur gemacht? Meine Wut gegen ihn wuchs sekündlich. Ich konnte sie kaum noch stoppen.

Alice krallte sich an mich und ließ den Tränen ihren Lauf.

Die schrille Schulklingel klingelte, doch ich und Alice achteten nicht darauf. Es war uns egal, ob wir zu spät kamen. Ich wollte einfach nur, dass Alice ihre Wut raus ließ. Sie wollte es nicht verstecken und da war es mir auch egal, was die anderen dachten. Das war mir generell egal und Alice dachte darüber nicht anders.

„Komm. Lass uns rein gehen", sagte sie schniefend und wischte sich die letzten Tränen weg.

„Meinst du wirklich?", fragte ich sie leise, doch sie nickte nur eifrig und ließ sich davon auch nicht abbringen. Ich seufzte und ließ mich von ihr mitziehen.

In der Klasse war es plötzlich ganz still, als wir sie betraten. Ohne ein Wort darüber zu verlieren, wo wir waren und was wir gemacht hatten, gingen wir auf unsere Plätze und ich stellte mit einem Schrecken fest, dass Edward hinter mir saß. Alice beachtete ihn nicht weiter und auch er sah nicht auf, sondern kritzelte weiter auf sein verunstaltetes Heft.

„Gut. Wenn Ms Swan und Ms Cullen nun auch anwesend sind, können wir ja nun mit dem Unterricht beginnen." Mr. Mason wand sich zur Tafel und kritzelte ein paar undeutliche Worte daran.

Alice und ich sagten nichts, sondern holten einfach unsere Sachen raus. Niemand fragte uns, was passiert war. Die meisten wussten es wahrscheinlich sowieso.

Viele kicherten darüber, was uns aber nicht weiter beeindruckte. Wir senkten unsere Blicke und starrten auf unsere Hefte.

Edward hinter mir schien sich ebenfalls nicht zu bewegen, denn kein Ton war aus seiner Richtung zu hören.

Es klingelte wieder. Einerseits schien es mir, als wäre eine halbe Ewigkeit vergangen. Dieses Gefühl, dass er hinter mir saß und mich so unbehaglich machen ließ, wollte nicht verschwinden. Anderseits hatte ich fast die gesamte Stunde darüber nachgegrübelt, was wohl in dieses Arschloch gefahren war. Am Ende hatte ich es einfach aufgeben.

War es wirklich nur aus dem Grund cool zu sein?

Wollte er einfach nur angeben, dass er das Gleiche wie die anderen konnte?

Ich wusste, dass er seine Familie zu sehr liebte, als das er sich von ihnen ausschloss.

Nach zwei Minuten war der Raum leer. Sogar Edward war weg. Mit gesenktem Kopf war an uns vorbei aus dem Raum gegangen. Alice hatte nur geschnauft und ich hatte eine kleine Träne in ihrem Augenwinkel gesehen.

Edward war einfach weiter gegangen. Wahrscheinlich wusste er selber, dass es keinen Sinn hatte sich zu entschuldigen.

„Ist etwas mit ihrem Bruder?", fragte Mr. Mason Alice, deren Mundwinkel so weit nach unten hingen, dass man denken könnte sie würden den Boden berühren.

„Nein!", sagte Alice schnell und lächelte etwas zaghaft. Es sah ziemlich gequält aus, weshalb ich mir schnell eine Ausrede einfallen ließ, die wenigstens etwas glaubwürdig war.

„Wir-Wir müssen noch zu Mr. Banner. Weil wir nächste Woche wahrscheinlich einen sonderplan haben." Es war noch nicht einmal wirklich gelogen. Nur wusste ich nicht, ob wir wirklich zu ihm mussten.

„Achso. Ok." Mr. Mason klang etwas enttäuscht. Alice sah mich erleichtert und dankbar an und zusammen gingen wir aus dem Haus.

„Danke", flüsterte sie leise und ein leichtes Lächeln bildete sich auf ihren Lippen, was wenigstens etwas echt aussah.

Als wir draußen waren zuckte Alice zusammen. Ihr Blick war starr auf eine an der Wand lehnende Person gerichtet. Edward. Wer konnte es auch anders sein?

Wer würde Alice jetzt auch so viel Angst einjagen?

Na ja. Eigentlich nicht Angst, aber in einer Gewisser Weise war es wirklich so. Wie sollte sie nur mit ihm weiterhin in einem Haus leben, wenn er sich so verhielt, wie er es heute gezeigt hatte. Mir schauderte.

„Alice. Bitte versteh mich", murmelte er. Am Ende des Satzes blickte er auf und sah seine Schwester hoffnungsvoll an.

„Edward!", knurrte ich, als Alice schmerzverzerrtes Gesicht noch schlimmer aussah. Nicht, dass es hässlich war, aber es machte mir sorgen sie so niedergeschlagen zu sehen.

„Bitte", flehte er und würdigte mir keinen Blick. Seine Augen schauten Alice so schuldig an, dass sie es nicht länger aushielt. Fast erwartete ich, dass sie aufgab und sie ihm verzieh, doch da hatte ich mich getäuscht.

„Edward. So etwas kann ich dir nicht so schnell wieder verzeihen. Vielleicht später einmal, aber nicht jetzt." Sie starrte auf den Boden, als gäbe es dort etwas besonders interessantes wie Schuhe oder als wäre das Muster es Asphalts nicht grau sondern in bunten Farben.

Edward seufzte und schluckte zugleich.

„I-Ich…", wollte er sagen, doch auch dies verstand man nicht einmal richtig. Er schien den Tränen nahe.

„Edward. Ich hab gesagt ich brauche Zeit. Und du musst nur zeigen, dass du deine Entschuldigung auch so meinst, wie du es sagst!" Edward nickte.

„Gut. Komm, Bella." Mit diesen Worten zog sie mich über den Schulhof.

„Dieses Arschloch", fluchte sie und einmal konnte ich ihr da recht geben. Ansonsten war sie immer diejenige gewesen, die ihn beschützt hatte, aber scheinbar hatte sie heute auf meine Seite gewechselt, worüber ich ganz froh war, denn Verstärkung konnte man immer gut brauchen.

„Ja. Du hast recht", sagte ich und konnte mir ein kleines Lachen einfach nicht verkneifen.

Heute früh hätte sie mich noch für verrückt gehalten, wenn ich gesagt hätte, dass sie sich heute noch gegen ihren Bruder wenden würde…

„Aber Bella", beschwichtigte sie mich. „Irgendwann muss ich ihm verzeihen. Ich kann nicht mein ganzes restliches Leben damit verbringen und zu hassen oder wenigstens zu ignorieren."

Sie hatte recht. Mal wieder.

„Aber ein paar Tage kann er noch schmoren oder?", fragte ich hoffnungsvoll. Ich wollte auf keinen Fall, dass Alice ihm so schnell wieder verzieh. Er hatte es einfach nicht verdient. Wieso hatte er erst angefangen mit den anderen zu reden und sich zu allem Überfluss auch noch eine Zigarette genommen.

„Ja." Sie seufzte und wischte sich eine vereinzelte Träne von der Wange.

Der Schulhof war leer und mit einem Schrecken stellten wir fest, dass es bereits geklingelt haben musste.

Schnell liefen wir zu dem Haus, in dem wir als nächstes Unterricht hatten.

Durch das Fenster, welches voller Regentropfen war, sah ich die Schüler, die auf ihren sitzen rumzappelten und einen Mr. Banner, der mit seinen Nerven scheinbar am Ende war.

Anders hatte ich es nicht erwartet. Auch Alice war nicht überrascht, als sie in das Klassenzimmer sah, doch sie machte trotzdem ein betrübtes Gesicht.

„Sie werden wohl nie vernünftig", murmelte ich, als Mike Jessica regelrecht abschleckte. Eigentlich sollte es wohl ein leidenschaftlicher Kuss sein, aber es sah so Ekelerregend aus, dass es eher ein Geschlabber war.

„Ja. Werden sie nicht."

Alice seufzte ebenfalls und zog mich in den Raum. Eigentlich hatte sie nicht mit mir Unterricht in dieser Stunde, aber sie konnte Mr. Banner davon überzeugen, dass der ihr Unterricht langweilig war.

Die nächsten Schulstunden waren nicht besser. Wir bekamen Rose, Emmett und Jasper nur selten zu Gesicht und wenn, dann sahen sie genauso aus wie Alice. Sie sagten nichts und auch in der Cafeteria blieb es an diesem Tag an unserem Tisch ruhig. Alice war nicht die Hyperaktive und Emmett speilte nicht den Starken. Jasper sah nicht ganz so gefühlvoll aus wie sonst und Rose konnte ich sogar davon abbringen, nicht mit mir shoppen zu gehen, was ansonsten immer unmöglich gewesen war.

Jeder trauerte auf seine Art und Weise Edward hinterher, der am anderen Ende der Cafeteria an allein einem Tisch saß. Ein paar Leute aus unserer stufe lachten ihn spöttisch aus, doch er schien es gar nicht richtig zu merken. Sein Blick war starr auf die weiße Tischplatte gerichtet und er bewegte sich noch nicht einmal, als die Cafeteria so gut wie leer war.

Ich betrachtete ihn einen kurzen Moment und wand dann den Blick ab, weil es mir einfach zu wider war. Er war selbst schuld, wenn es ihm jetzt schlecht ging. Ich hatte nicht ein bisschen Mitleid mit ihm.

Keiner sagte etwas, als wir gemeinsam aufstanden und zu Mr. Banner gingen, der uns zu sich gerufen hatte.

Edward stand erst auf, als wir gerade bei der Tür waren. Er hielt seinen Blick weiterhin gesenkt. Alle ignorierten ihn weitgehend und schnellen Schrittes gingen wir zum Sekretariat, wo Mr. Banner auf uns wartete.

„Hallo", begrüßte er uns mit einem Lächeln, das etwas verunsichert wurde, als er unsere betrübten Gesichter sah. Eher die betrübten Gesichter der Cullens und Hales, denn ich schaute kein bisschen traurig. Fast freute ich mich darüber, dass Edward etwas „böses" gemacht hatte.

„Guten Tag", nuschelte Emmett und hob etwas den Blick. Jasper und Rose machten es ihm gleich, nur Alice sagte gar nichts.

„Ist irgendetwas passiert?", fragte er vorsichtig und musterte allesamt stirnrunzelnd. Ich war wohl die einzige, die in der Lage war zu antworten.

„Äh, Nein. Sie sind nur etwas betrübt, weil Esme etwas krank ist, aber ansonsten ist nichts." Wirklich eine billige Ausrede. Nervös biss ich auf meine Unterlippe und hoffte, dass er mir glaubte. Er sah mich zwar etwas misstrauisch an, doch da er wusste, dass ich normalerweise nie log und er uns außerdem nicht bedrängen wollte, ließ er es dabei. Erleichtert seufzte ich innerlich auf und Jasper sah mich dankbar an.

„Wo ist denn Mr. Cullen?", fragte Mr. Banner und schaute in die Runde, als würde er ihn suchen.

„Hier", flüsterte jemand hinter uns, dessen stimme ich nur zu gut kannte.

„Ah. Mr. Cullen. Ich habe Sie schon vermisst!" Edward nickte und würdigte uns keines Blickes, was wahrscheinlich auch besser für ihn war.

„Tut mir Leid. Mr. Mason wollte mich nicht gehen lassen." Mr. Banner nickte verständnisvoll mit dem Kopf.

„Nun gut. Kommen Sie doch bitte mit", forderte er uns auf und wir folgten ihm in sein kleines Büro, wo wir alle gerade so reinpassten. Edward lehnte sich an die Wand-soweit wie möglich von uns entfernt und Emmett nahm Rose auf den Schoß während Alice es sich dem von Jasper bequem machte. Ich ließ mich auf dem dritten und letzten Stuhl nieder und schaute gespannt auf Mr. Banner, der in einem Stapel von Papierkram wühlte.

„Ah. Da haben wir es ja." Er hatte einen leicht gelben Zettel in der Hand und legte ihn vor sich auf den Ebenholzschreibtisch. Ich beäugte ihn, genauso wie die anderen, misstrauisch.

„Ich werde Ihnen die Stufenfahrt etwas erleichtern, da Sie die besten Schüler im Jahrgang sind und sich auch entsprechend verhalten. Nun gut." Mir fiel ein kleiner Stein vom Herzen. Aber was würde jetzt kommen?

„Die Kajaks werden normalerweise durch ein Los gezogen, aber ich sehe es als zu riskant, dass Mike oder Tyler sich ein Kajak mit Ihnen teilen muss. Deshalb habe ich ihre Boote bereits festgelegt." Ich verkrampfte mich etwas. Was wenn ich mit Edward zusammen kam?

Mr. Banner runzelte die Stirn.

„Ich war mir sicher, es andres eingeteilt zu haben, aber nun gut", murmelte er und wand sich danach wieder zu uns.

„Es gibt scheinbar eine kleine Planänderung. Nach diesem Plan sollen Rosalie Hale und Emmett Cullen sich ein Boot teilen. Sowie Alice Cullen und Jasper Hale und zu guter letzt Isabella Swan und Edward Cullen." Mein Herz rutschte mir augenblicklich tiefer. Das konnte doch nicht deren ernst sein! Niemals würde ich es mit Edward Cullen eine Woche in ein und demselben Kajak aushalten. Allein der Gedanke ließ mich erschaudern.

„Kann Isabella nicht mit Angela Weber in ein Boot und ich mit Ben Cheney?", fragte Edward hoffnungsvoll. Ich wusste genau, dass er vermied mir zu nahe zu kommen, worüber ich auch mehr als froh war.

„Nein. Die anderen Schüler werden in die Kajaks gelost. Keine Widerrede. Und Sie machen das bitte so, wie ich Ihnen gesagt habe."

Ich nickte leicht, biss aber die Zähne zusammen. Das würde ein reiner Alptraum werden. Edward und ich in einem Boot. Wahrscheinlich würden wir uns die ganze Zeit nur streiten, was am Ende auch nicht weiterhelfen würde.

Alice sah mich etwas mitleidig an, doch es sah nicht wirklich aufrichtig aus. Eher schien sie ein Lachen unterdrücken zu müssen.

Jasper runzelte darüber nur die Stirn, doch scheinbar war ebenfalls glücklich. Glücklich darüber sich mit Alice ein Boot teilen zu müssen.

Ich und Edward waren „Die Armen". Niemand der Cullens oder Hales beachtete uns und wandten sich alle nur zu ihren Partnern um ihnen etwas ins Ohr zu flüstern, worüber Edward schnaufte. Ihm gefiel genauso wenig wie mir, dass wir eine Woche die meiste Zeit in einem Boot verbringen mussten. Allein bei dem Gedanken an eine Bootsfahrt wurde mir schlecht, aber das ganze noch mit Edward Cullen? Das war gewissermaßen unmöglich. Zumindest würde ich da nicht wieder lebend rauskommen.

„Da Sie das wissen, können sie nun nach Hause gehen. Sie müssen nichts Weiteres wissen. Die anderen Schüler erfahren in dieser Stunde das gleiche. Außerdem werden für sie die Kajaks gelost, was bei ihnen ja gewissermaßen schon geschehen ist. Wir sehen uns morgen auf dem Schulhof. Ach. Miss Swan. Ich habe hier noch einen Zettel für sie. Und auch für Sie Mr. Hale und Miss Hale." Wir wollten gerade aufstehen, als er Jasper, Rose und mir jeweils noch einen weißen leicht zerknickten Zettel.

„Sie haben ihn schon bekomm, oder Mr. Cullen?", fragte er Emmett. Da Emmett davon scheinbar nichts wusste antwortete Alice.

„Ja. Unser Vater ihn uns schon geben."

Mr. Banner nickte, während er sich aufrichtete. „Gut. Dann sind Sie für heute entlassen."

Schnell huschten wir aus dem Raum. Edward folgte uns mit ein paar Metern Abstand.

„Oh. Das ist toll, Jasper", sagte Alice fröhlich. Mein und Edwards Gesicht schien sie gar nicht zu bemerken. Sauer trat er auf dem Schulhof gegen eine rumliegende Coladose und ich hatte sehr wahrscheinlich einen roten Kopf voller Wut.

Immer wieder schaute Edward mich an und als ich ihn einem nicht allzu freundlichen Blick antwortete, senkte er entweder seinen Blick oder schaute mich wütend an.

„Kommst du, Bell?", fragte Alice mich und zog mich in die andere Richtung zu ihrem Auto. Ich hatte gar nicht gemerkt, wie ich wütend in eine andere Richtung gegangen war.

„Ja", nuschelte ich und stieg ein.

Emmett, Jasper und Rose hatten schon hinten Platz genommen, während Edward zu seinem Wagen stampfte. Er stampfte wirklich. Ich lachte leise darüber, denn es sah einfach lächerlich aus.

„Wieso muss ich nur mit diesem Arschloch ein Kajak teilen?", fragte ich nuschelnd und meine Hände formten sich zu Fäusten.

„Ach, Bella", sagte Alice voller Schadenfreude. Jetzt freute sie sich auch noch darüber, dass ich mit ihrem bekloppten Bruder ein Boot teilen durfte. Meine Finger gruben sich in meine Haut und meine Knöchel traten weiß hervor. Waren jetzt alle gegen mich? Schien niemand zu verstehen, dass ich das niemals überleben würde?

„Du must zugeben, dass er so schlimm gar nicht ist." Sie betonte das „so" stark und zwinkerte mir zu.

„Was soll das denn jetzt heißen?", fragte ich gereizt und schaute aus dem Fenster. Emmett hinter mir fing an zu lachen und auch Rose und Jasper konnten sich ein Kichern nicht verkneifen.

Ich hatte recht. Alle waren gegen mich. Niemand wollte wissen, wie schrecklich es für mich war eine ganze Woche in nächster Nähe mit Edward zu verbringen.

Wie sollte ich das bloß aushalten?

+++Hey. Es kann sein, dass ich manchmal etwas länger nicht poste, was größenteils daran liegt, dass ich hier kaum on bin. Vielen Dank aber, dass ihr es trotzdem lest^^ Freue mich über jeden Leser, auch wenn ich im Moment der Meinung bin, dass diese Story gerade nicht so gut gelingt. +++