Hey Ihr :D

Ich habe leider sehr lange gebraucht um dieses*** Chap zusammen zubringen und ich bin auch überhaupt nicht zufrieden (vorallem was das ende betrifft), aber nun ja...

Danke an die Reviewer :)

Das freut einen doch immer wieder :-*

Einen guten Rutsch ins neue Jahr,

Viele Grüße

Fussi

5. The End Of The First Day

Die nächste Stunde verbrachten wir damit das Gepäck auf die Boote zu laden.
Edward und ich machten dies mit zusammengebissenen Zähnen und schauten uns dabei immer wieder finster an.
Alice hatte darüber schon öfters gelacht. Immer wieder knuffte ich ihr in die Seite, doch sie wollte einfach nicht aufhören zu kichern.
Edward und ich hatten ein gelbes Boot. Es war etwas größer als die anderen, sodass wir zu meinem Unglück auch noch mehr Gepäck mitnehmen konnten.
Wir bekamen ein Zelt drauf und noch etliche Lebensmittel. Eine Rolle kam quer oben drauf, sodass eine kleine Wand zwischen mir und Edward entstand. Darüber war ich ganz froh.
Wir hatten uns dazu entschieden, dass ich vorne sitzen sollte.
Eher hatte Alice das so eingefädelt, doch ich war auch ziemlich froh darüber. Zwar war es ein etwas unbehagliches Gefühl seinen Blick im Rücken zu haben, doch musste ich dadurch nicht steuern. Außerdem hatte ich keine Lust nie etwas sehen zu können. Schließlich war Edward nicht gerade klein.

Alles ging drunter und drüber denn Mr. Banner fragte immer wieder nach Mike und Jessica. Die Beiden waren noch immer nicht aufgetaucht. Ich machte mir darüber keine Sorgen und auch den anderen schien das schlichtweg egal zu sein.
Die anderen Kajaks wurden ebenfalls beladen. Allerdings nur das von Rose und Emmett so voll wie unseres. Dies wunderte mich aber auch nicht stark. Mit Emmett hatte Rose wahrscheinlich nicht so viel zu tun. Wahrscheinlich würden sie allen wegfahren.
„Da Mr. Newton und Miss Stanley noch immer nicht aufgetaucht zu sein scheinen, werden wir wohl ohne sie losfahren müssen. Allerdings werden sie eine hohe Strafe dafür einbüßen müssen", verkündete Mr. Banner in die große Runde und befestigte einen blauen Sack fester auf dem Kajak. Er hatte eins alleine. Genauso wie Sue, die bereits fertig neben Angela kniete und ihr dabei half den Deckel einer Luke zu schließen. Das war gar nicht so einfach, denn zuerst musste man eine Neoprendecke darüber spannen. Immer wieder zappte sie zurück. Schließlich schafften die Beiden es zu zweit.

„Aber Mr. Banner", hörte ich eine mir nur allzu schrecklich bekannte Stimme aus etwas weiterer Entfernung rufen. Mike. Mein Hals schnürte sich zu. Und wäre das noch nicht genug rief auch nun Jessica.

„Mr. Banner, wir sind doch da!" Ihre Stimme war einerseits ruhig, doch anderseits viel zu hoch und war mit den tönen von Delphinen vergleichbar.

Ich hörte Alice in meiner Nähe leise aufstöhnen und auch Emmett, Jasper, Edward und Rose sahen bei dem Anblick der Zweien nicht gerade glücklich aus.

Mir schauderte bei dem Gedanken an Jessicas vorprogrammiertem Chaos und an ihre Schminkutensilien, die sie immer bei sich haben musste und allesamt in meinem Pinkton waren, der verboten werden sollte.

Ich schaute etwas angewidert weg, wie auch Alice und Rose es taten. Emmett, Edward und Jasper versuchten wenigstens ein etwas freundliches Gesicht zu machen, doch es misslang ein kleines bisschen. Eigentlich nicht nur ein kleines bisschen, sondern ziemlich viel. Ich musste mir ein Lachen verkneifen, als ich Jaspers Grimasse sah. Erschrocken und mit offenem Mund starrte er Jessica und Mike an, die hohen Hauptes über die Wiese stolzierten. Sie stolzierten nicht wirklich, denn Jessica fluchte darüber wie matschig denn die wiese sie.

Sie hatte eindeutig die falschen Schuhe angezogen. Seit wann waren rote High-Heels für eine Bootstour geeignet? Man musste ihr doch gesagt haben, wo es hin ging…

„Dann ist ja gut", hörte ich Mr. Banner etwa zehn Meter von mir entfernt murmeln. Dabei klang er nur begrenzt fröhlich, was hieß, dass auch er nur schauspielerte.

Ihm gefielen Jessica und Mike genauso wenig wie wir sie mochten. Allein dadurch war mir Mr. Banner von Anfang an sympathisch vorgekommen.

Und er war es ja schließlich letzendlich auch.

Ich hatte keine wirkliche Lust auf die bevorstehende Fahrt in den wackligen Dingern, die sich Boote nannten, doch zeigte ich dieß nicht, denn Mr. Banner war auch so schon zu sehr am Boden, dass er auch noch mehr Leute brauchen konnte, die keine Lust verspürten.

Mit Alice zusammen halfen wir Jessica und Mike ihr Boot startklar zu machen. Dabei versuchte ich meine Gesichtszüge möglichst gut unter Kontrolle zu halten, denn ansonsten hätte sie diese Tatsache nur noch mehr gereizt und wären wohl noch mehr ausgerastet, als sie jetzt schon aussahen.

Ich seufzte leise, als Mike in den sumpfartigen Matsch fiel und fluchend wieder aufstand. ‚er hatte weiße Schuhe an, die jetzt völligst mit brauner erde eingeseift waren. Alice kicherte leise und auch ich konnte mir ein kleines Grinsen nicht verkneifen.

Man musste schon selten doof sein, um weiße Schuhe anzuziehen. Dies bewies allerdings auch, dass Mike und Jessica perfekt zusammen passten.

Ich schüttelte den Kopf und machte schnellstmöglich damit weiter einen Sack auf das Kajak zu bekommen. Vergebens.

Jessica schaute mir derweil dabei zu und verdrehte genervt die Augen. Sie hätte es viel besser selber machen sollen, aber stattdessen sah sie mir nur dabei zu. Schließlich packte ich ihn kurzerhand in die Mitte und schnallte ihn dort fest.

„Aber dann sehe ich doch nichts mehr", quengelte Mike, als wäre er ein Kleinkind.

Wütend riss ich den Sack runter.

„Dann mach es gefälligst alleine!", giftete ich ihn mit zusammengekniffenen Augen und zusammengebissenen Zähnen an. Er schrak ein kleines Bisschen, dann schaute er mich aber völlig ausdruckslos an.

Diese Tatsache machte mich nur noch wütender und plötzlich konnte ich sie nicht mehr zügeln. Mit einem schallenden Klatschen landete meine flache Hand auf seiner rechten Wange und hinterließ dort einen roten Handabdruck.

Nun wurde auch Mike wütend und stand auf.

Ich schreckte etwas zurück.

Wie konnte ich nur so ein Idiot sein?

Es war klar, dass Mike sich rächen und alles geben würde, damit ich kein einfaches Leben hätte. Und jetzt hatte ich ihn auch noch provoziert.

Ich Idiot, Idiot, Idiot…

Immer wieder hallte das Wort in meinem Kopf wieder. Doch bevor Mike mich erreichen konnte, kam ihm ein starker Arm dazwischen.

Emmett. Wer sonst? Sein starker Arm schob Mike ruckartig nach Hinten. Mike stöhnte auf und Jessica quietschte. Reflexartig hielt ich mir die Ohren zu. Angriffslustig stand Emmett mit dem Rücken zu mir zwischen Mike und mir. Seine Schultern hebten und senkten sich, während er seine Hände zu Fäusten geballt vor dem Bauch hielt.

Ich zuckte zusammen, als ich den stechenden Geruch von Blut wahrnahm. Er musste von Mike kommen.

Angewidert rümpfte ich die Nase. Währenddessen sprang ich zwei ungeschickte Schritte zurück. Dafür musste ich mich etwas aufrichten, wodurch meine Hände im Matsch versanken. Das war Mike nicht wert.

Seinetwegen hatte mich die gesamte Schule ausgelacht und seinetwegen wurde ich bloßgestellt. Plötzlich wollte die gesamte angestaute Wut des letzten Jahres aus mir raus.

Ich wollte ihm zeigen, wozu ich fähig war und wie Unrecht er damit hatte, ich wie zu nichts nütze und man könne mit mir machen, was man wolle.

Emmett versuchte die Ruhe zu bewahren, doch ich spürte, dass er nicht mehr lange brauchen würde, ehe er auch Mike losgehen würde.

Doch ich stoppte ihn nicht.

Mir war es egal, was er mit Mike antat. Auch wenn diese Einstellung nicht gerade sorglos war, kümmerte es mich nicht. Mike hatte eine Strafe verdient. Er sollte spüren, was er mir angetan hatte. Er sollte wissen, wie es war verletzt zu werden.

Dies bezog sich zwar nicht auf das körperliche Verletzen, doch in meinem Inneren tobte eine Wut, die nicht mehr zu bändigen war und in diesem Moment war es mir egal, wie er verletzt würde.

Es sollte einfach geschehen.

Von der unmessbaren Wut angetrieben sprang ich gänzlich auf und schubste Emmett zur Seite. Dies hätte nie geschehen können, wenn er nicht so sehr darauf achtete, dass Mike eine falsche Bewegung machte und sich selber kontrollieren wollte. Er wollte es sicherlich nicht, doch er war viel zu nett und lieb um einer Person oder jeglichem anderen Lebewesen etwas anzutun.

Sein Körper entsprach etwas ganz anderem, doch Emmett war genau das Gegenteil, was man von seinem Aussehen hielt.

Emmett keuchte auf, als er auf den Boden fiel. Dabei hielt er sich die Seite, als hätte ich ihm genau zwischen die Rippen geboxt. Für einen Moment tat es mir Leid, doch dann nahm ich wieder den stechenden Geruch Mikes Blut wahr und wandte mich mit einem gehässigen Blick zu ihm. Er schaute etwas geschockt, verwirrt, ängstlich, überrascht und etwas abschätzend an. Es waren so viele Gefühle, die ich alle gar nicht richtig erkennen konnte.

Doch ich war mir sicher, dass Jasper es gekonnt hätte und wenn ich seine außergewöhnliche Gabe gehabt hätte, Gefühle anderer einschätzen und kontrollieren können, wäre das nächste wahrscheinlich anders verlaufen.

Der feste Griff einer weiblichen Person ließ mich zurückschrecken. Dass sie weilblich war, merkte ich dadurch, dass sich lange Fingernägel in die Haut meines Nackens bohrten.

Ich schreckte zusammen und ein kleiner, spitzer Schrei wich über meine Lippen.

Jessica.

Mir hätte klar sein müssen, dass sie ihren Freund beschützen würden. Zwar führten die Beiden eine sehr seltsame Beziehung, doch konnte man sie nicht trennen. Auch wenn sie mit anderen rummachten, fand man Jessica und Mike danach zusammen in einer Ecke auf.

Ich verkrampfte mich unter dem starken Griff Jessicas. Langsam-zu langsam-lösten sich ihre Nägel aus meiner Haut. Auch nachdem sie einen Schritt nach hinten gegangen war und mich kein bisschen mehr berührte, doch ihr Griff war so hart gewesen, dass er immer noch in meinem, Nacken zu sein schien.

Ich konnte nicht mehr. Mit einem Stöhnen wurde alles schwarz.

„Geht es Ihnen gut?", hörte ich die besorgte Stimme von Mr. Banner.

Mir brummte der Schädel. Ich wollte die Augen öffnen, doch als ich die Muskeln dazu fand, schaffte ich es nur einen kleinen Spalt. Dadurch sah ich Sterne.

Alles war so hell.

So grell.

So unnatürlich.

Schnell schloss ich sie wieder und hob stattdessen meinen Arm, um ihn mir an den schmerzenden Nacken zu halten.

„Isabella?", hörte ich Sue unweit von Mr. Banners Stimme fragen. Ihre Stimme war ebenfalls besorgt. Wieso?

Was war passiert?

Ich konnte mich an kaum noch etwas erinnern. Einzelne Momentaufnahmen der scheinbar letzten schossen mir durch den Kopf, doch ich konnte nichts damit anfangen. Sie waren so nutzlos für mich, wie für einen Blinden Stummkino.

Meine Augen gewöhnten sich langsam an das grelle Licht. Das erste, was ich erkannte, waren die grauen Wolken, die am Himmel hingen. Ein paar Regentropfen liefen mir über die Wange meinen Hals hinunter.

Sie ließen mich etwas frösteln.

Mit zusammengekniffenen Augen schaute ich meine Umgebung an.

Ich lag auf einer kleinen Decke. Die Wiese um mich herum war grasgrün und matschig.

Alice saß neben mir und strich mir über den Arm. Ihre Stirn zierte eine Falte. Sie grübelte nach.

„Das sind einfach nur Arschlöcher", flüsterte sie kaum verständlich. Dann seufzte sie und richtete sich etwas auf.

Ich wusste nicht recht, wovon sie sprach. Wen meinte sie?

Verwirrt starrte ich sie an. Meine Augen suchten irgendein Zeichen, dass sie weitererzählte, doch stattdessen tauschte sie einen Blick mit Sue und Mr. Banner aus.

„Was werden Sie mit Mike und Jessica machen?", fragte sie und ich hörte den leicht gehässigen ton raus.

Mike?

Jessica?

Was war passiert?

Die Tatsache, dass ich mich nicht erinnern konnte, brachte mich zum Verzweifeln.

„Wir werden sie trotzdem mitnehmen müssen. Auch wenn sie mit Ms Swan nicht gerade sorgsam umgegangen sind. Wenn wir sie hier lassen, wird es sich in Zukunft auch nicht besser, was ich mit jedem Mittel vermeiden möchte. Die Beiden sollen selber erfahren, wie es ist in freier Natur zu leben. Gerade für Mr. Newton und Ms Stanley ist es wichtig zu erfahren, dass sie im Moment ein außerordentlich schlechtes Verhalten zeigen."

Alice nickte und strich mir weiter beruhigend über den Arm.

„Kann ich sie untersuchen?", hörte ich Carlisle fragen. Ich schaute zu ihm hoch. In seiner rechten Hand hielt er einen weißen Arztkoffer, der mich allein bei seinem Anblick erschaudern ließ. Womit hatte ich das verdient?

Carlisle lachte leicht über meinen Gesichtsausdruck und ließ die Tasche neben mir nieder.

Jetzt bemerkte ich auch die anderen, die sich hinter meinem Kopf versammelt hatten und aus etwas weiterer Entfernung zuschauten.

Darunter befanden sich auch Rose, Emmett, Jasper, Esme und Edward, der mir aber kaum Beachtung schenkte. Im Endeffekt hatte das für mich aber auch keinerlei Bedeutung.

Während Carlisle mich gründlich untersuchte und dabei nach einem bestimmten System vorzugehen schien, hörte ich Sue und Mr. Banner mit Jessica und Mike reden.

„Wie können Sie Ms Swan nur solch einen Schaden zufügen?", fragte Mr. Banner gerade und runzelte dabei leicht genervt die Stirn.

Jessica und Mike hatten mir also schon mal etwas angetan. Damit kam ich der ganzen Sache ein kleines Stück näher.

Noch immer erinnerte ich mich nicht an die letzten Minuten und es schien sich auch fürs erste nicht zu ändern. Mein Kopf war wie leer gefegt und meine Gedanken beinhalteten so gut wie keinen Sinn.

„Wir haben ihr doch gar nicht getan! Dann soll diese Schlampe nicht auf uns los gehen! dann passiert ihr auch nix!" Mikes Stimme war so wütend und aufgebracht, dass ich schreckhaft zusammenzuckte. Was war passiert?

Ich hielt diese Frage kaum noch aus, doch wollte ich es niemanden fragen, denn ansonsten könnte ich wahrscheinlich nicht mit fahren. Zwar wäre das nicht allzu schlimm gewesen, aber eine Woche allein in Forks wäre auch nicht so der Hit. Alle wären weg und ich dürfte mich damit vergnügen die Zeit im Bett oder wenigstens zu Hause zu verbringen. Dazu hatte ich definitiv keine Lust.

„Mr. Newton, Ms Stanley! Erstens ist Ms Swan nicht auf sie losgegangen, Zweitens hätten Sie trotzdem nicht angreifen müssen und Drittens…" Mr. Banner machte eine Pause, in der er leicht schnaubte. „…benutzen Sie nie wieder das Wort Schlampe in meiner Gegenwart und erst recht nicht gegenüber einer Person."

Aufgebracht verzerrten sich seine Gesichtszüge.

„Ich benutze Schlampe so oft ich will und lasse mir das von Ihnen nicht verbieten!", meckerte Mike auch gleich drauf los. Es war schon fast ekelerregend, wie er das stand und Mr. Banner anstarrte. Jessica neben ihm sah nicht viel besser aus.

Ich ignorierte Mikes Kommentar über mich und wie er mich genannt hatte. Sollte er doch denken, was er wollte. Mich würde es nicht weiter interessieren.

Ich spürte Jessicas Blick auf mir. Mit zusammengezogener Stirn und zu Schlitzen geformten Augen, starrte sie mich wutentbrannt an.

„Dir wird ich noch zeigen, wo es lang geht", drohte sie zischend und hatte ihre Zähne dabei aufeinander gebissen. Ein kleiner fast schon unbedeutender Schauer lief mir über den Rücken.

Ich beachtete es nicht weiter und dachte lieber weiter darüber nach, was passiert sein könnte. Nach Jessicas und Mikes Meinung hatte ich sie also angegriffen. Aus Mr. Banners Sicht hingegen war dies nicht der Fall. Stattdessen sollten die Beiden mich ohne Grund angegriffen haben?

Ich wusste nicht genau, was ich davon halten sollte, aber die letzte Vision kam mir deutlich besser vor. Weiter konnte ich darüber nicht nachdenken, denn Carlisle untersuchte meinen Kopf, auf den ich wohl aufgeschlagen ein musste, und Jessica mich weiter mit dummen Sprüchen runterzumachen versuchte.

„Tut dir irgendwas weh?", fragte Carlisle. Seine kühlen Finger strichen sanft über meine Kopfhaut. Ich schauerte leicht.

„Nein. Aber mir ist etwas schwindelig." Carlisle nickte und strich mir die Haare nach hinten.

„Gut. Nimmst du dann bitte diese Tablette?" Er kramte mit geschickten Handbewegungen in seiner Tasche und brachte eine kleine Packung zum Vorschein.

Ich nickte und nahm sie in die Hand.

Ich würde alles tun, damit ich nicht in Forks bleiben musste. Auch wenn ich dann wohl oder übel mit Jessica und Mike zusammen sein müsste.

„Geht es dir wirklich gut?", hörte ich Esme hinter mir fragen. Sie half mir mich aufzusetzen und strich mir dann mit der Hand sanft über den Rücken.

Sie war so nett-fast schon eine Ersatzmutter. Eigentlich war sie genau das. Ich konnte immer mit meinen Problemen zu ihr gehen und auch sonst war sie immer für mich da.

„Ja. Alles ok." Sie nickte mitfühlend.

„Willst du eine Decke?" Ich schüttelte mit dem Kopf. Mir war nicht kalt. Meine dicke Regenjacke bewahrte mich davor.

Auch die Regenhose hielt mich arm und fast schwitze ich schon.

Ich nahm eine Tablette und schluckte sie herunter. Dann trank ich mit dem Wasser hinterher, das Carlisle mir gab.

„Denkst du, du kannst mitfahren?", fragte sie.

„Ja", schoss es aus meinem Mund und ich wurde leicht rot. Meine Wangen wurden warm.

Esme lächelte. „Gut. Aber wenn es nicht mehr geht, ruf uns an."

Ich versprach ihr, dass ich es machen würde. Hatte ich auch eine andere Wahl?

Esme konnte man einfach keinen Wunsch abschlagen. Dafür war sie viel zu nett.

„Oh Gott, Bella. Ich dachte schon du fährst nicht mit", sagte Alice und ich konnte ihre Erleichterung spüren. Sofort lächelte ich und schaute zu ihr hoch.

„Wie kannst du nur so etwas denken!", sagte ich entrüstet doch gleichzeitig amüsiert.

„Na ja", kam Carlisle dazwischen. „du darfst heute noch nicht losfahren. Du solltest erst einmal ein en Tag warten, ehe du dich alltäglichen Dingen zuwenden kannst."

Emmett stöhnte und Alice entglitten die Gesichtszüge.

Auch ich schaute traurig auf meine Hände und spielte mit ihnen.

„Dann kann sie ja doch nicht mitkommen", sagte Alice. Ihre Stimme war erstickt-vor Trauer.

„Wartet. Ich rede mit Mr. Banner." Wir nickten, während Carlisle zu Mr. Banner ging, der übrig gebliebene Sachen in seinem Auto verstaute.

Ich hörte sie leise miteinander reden. Immer wieder fielen das Wort morgen und mein Name.

Alice zuckte mit den Schultern, als ich sie fragend ansah. Sie wusste also auch nicht, was sie genau besprachen. Wie auch? Sie saß ja schließlich die ganze Zeit neben mir.

Auch die anderen waren unwissend und schauten gespannt in die Richtung der Beiden.

„Sie werden einen Weg finden, wie du mitkommen kannst", versprach mir Emmett aufrichtig und konnte mich dadurch sogar ein kleines bisschen überzeugen.

Esme nickte.

„Ja. Du wirst auf jeden Fall mitfahren."

Ich fasste neue Hoffnung und ließ mich nach hinten sinken. Ich starrte in den bewölkten Himmel und beobachtete ein paar Vögel, die dazwischen flogen.

Ich wand meinen Blick von dem nicht allzu ablenkenden Schauspiel ab, als ich zwei Paar Schritte hörte. Sie kamen aus der Richtung von Mr. Banners Auto. Sofort setzte ich mich auf. Als mir etwas schwindelig wurde, nahm Alice mich in den Arm.

„Du musst aufpassen", nuschelte sie und schaute etwas unbehaglich zu Carlisle, der leicht lächelte. Das ließ meine Hoffnungen noch ein kleines Stück wachsen.

„Wir haben eine Entscheidung getroffen", verkündete Carlisle und Mr. Banner lächelte mich an. Neugierig blickte ich zu den Zweien auf.

„Was?", platzte es Alice im selben Moment heraus.

„Ich möchte auf keinen Fall, dass Bella schon heute mitfährt. Aber es gibt eine Alternative." Gespannte starrten ich und die anderen ihn an. Sogar Edwards Blick schien für einen kurzen Moment an ihn zu haften.

„Und?" Man konnte deutlich spüren, wie Alice Ungeduld wuchs. Doch mir ging es nicht anders. Ich schien vor Neugierde fast zu platzen.

„Wir haben beschlossen, dass Bella morgen mitkommen soll."

„Und wie darf man das verstehen?" Alice runzelte die Stirn. Ihre Aufregung war gesunken, doch zappelte sie noch immer etwas neben mir.

Ich war etwas verwirrt und Emmett lachte laut los, als er mir ins Gesicht sah.

Schmollend wand ich mich an Carlisle, der es sogleich erklärte.

„Ihr werdet erst morgen fahren. Diese Nacht werdet ihr hier verbringen. Und dann morgen früh losfahren." Mir klappte der Mund auf.

So etwas sollten sie nur für mich machen? Das konnte doch nicht sein!

„D-Das geht doch nicht", brachte ich erstaunt heraus. Carlisle lachte leise über meine Reaktion.

„Natürlich geht das, Kleines." Dabei strich er mir die Haare aus dem Gesicht und sah mich lächelnd an. „Es wird nicht viel am Zeitplan ändern. Dafür könnte ihr Morgen früher losfahren."

Ich nickte nur. Alice klatschte neben mir in die Hände und fast dachte, sie würde aufspringen und im Kreis hüpfen.

„Werden wir dann heute hier zelten?", fragte ich interessiert.

„Ja."

„Juchu." Alice sprang jetzt tatsächlich auf. Jasper grinste mich kurz an, ehe er seine Freundin in die Arme nahm und sie küsste.

Sofort beruhigte sie sich und ich war froh darüber, denn ansonsten müsste ich mich wahrscheinlich wieder einmal einen Vortrag über Hyperaktive-Freundinnen ausdenken. Davon hatte ich wirklich die Schnauze voll.

„Müssen wir die Zelte jetzt aufbauen?", fragte Mike wutentrannt, der wohl den letzten Teil des Gesprächs mitbekommen haben musste.

„Allerdings." Mehr sagte Mr. Banner dazu nicht. Etwas hochnäsig, so kam es mir zumindest vor, ging er an Mike vorbei zu seinem Kajak und holte einen Sack heraus, in dem sich wohl sein Zelt befinden musste.

„Na los", forderte er uns allesamt auf und langsam bemerkten auch Taylor, Angela, Ben, und die anderen Schüler, dass es scheinbar anders lief als geplant.

Manche interessierte es nicht besonders, doch andere schienen wirklich aufgebracht zu sein. Schuldgefühle stiegen in mir auf, da ich an alldem Schuld war.

Mike verstärkte dies mit seinen Blicken nur; sie waren hasserfüllt.

„Das wird schon", flüsterte mir Sue leise zu, als ich mit ihr zusammen ihr Zelt aufbaute. Ich wusste, dass sie die Blicke bemerkt hatte, die teilweise nicht allzu freundlich auf mir lagen.

Nicht gerade aufgebaut nickte ich. Ich war ihr dankbar, dass sie es wenigstens versuchte mich auf irgendeine Weise glücklich zu machen oder wenigstens ein bisschen Fröhlichkeit heraus zu zaubern. Vergebens.

***

Am Mittag aßen wir gemeinsam Tütensuppe aus unserem Vorrat für die Fahrt. Ich konnte noch immer nicht glauben, dass sie wirklich nur für mich noch eine Nacht hier blieben.

Die Jungs hatten so gut wie keine Manieren, weshalb man sie beim Essen schlürfen hörte, was mich schließlich so anwiderte, dass ich mich mit Alice und Rose auf eine der Steine ans Ufer setzte.

Es war kühl, doch keinesfalls kalt. Sie Suppenbecher halfen uns dabei die Hände warm zu halten. Am Ufer war es ruhig und man hörte die Stimmen von unseren Mitschülern kaum. Ich genoss die Ruhe und ließ mich nach hinten auf die zwar nasse Wiese sinken, doch da ich völlig in Regensachen eingepackt war, machte mir das nichts aus.

Ich betrachtete den grauen Himmel und die Wolken, wie sie sich bewegten.

Sie formten verschiedene Figuren, die wiederrum ein ganzes Bildergaben. Und auf einmal kam mir der Himmel gar nicht mehr so grau vor. Ich erkannt Alice, die durch eine Wolke mit einem schlanken Gesicht und kurzen Haaren dargestellt wurde. Auch Rose Locken waren nicht schwer zu finden. Zu meinem Bedauern fand ich sogar Edward mit seinen wilden Haaren.

„Bella?", hörte ich eine Stimme von weit her gerufen und schreckte zusammen. „Bella? Es ist spät. Wir müssen uns fertig machen, wenn du nicht willst, dass Mike oder Tyler mit dir ein Zelt teilen." Allein bei den Beiden Jungennamen war ich hellwach und stand etwas verwirrt auf.

„Was?" Meine Augen waren nicht an das dunkle Licht gewöhnt, weshalb ich ein paar mal blinzeln musste, ehe ich die Umrisse eines kleinen Zwerges vor mir erkannte, der mich recht ernst ansah.

„Bella! Verdammt. Wir müssen die Zelte aufbauen." Etwas verstört nickte ich und ließ mich widerwillig von dem schwarzhaarigen Mädchen hinterher ziehen. Meine Beine fühlten sich unecht an. Als würden sie nicht zu meinem Körper gehören, weshalb ich wohl etwas unbeholfen aussah.

Als wir die anderen erreichten, waren sie bereits dabei in Gruppen die Zelte zu bauen. Meine Augen hatten sich langsam an die Dunkelheit gewöhnt, sodass ich nun auch feinere Konturen erkennen konnte.

Insgesamt gab es elf Zelte. Ich würde mir eins mit Rose und Alice teilen, worüber ich mehr als erfreut war. Keine fünf Minuten würde ich es in einem Schlafsack neben Lauren oder Jessica aushalten. Allein ihr unausstehliches Parfüm veranlasste mich immer wieder in ihrer Nähe zu flüchten. Wahrscheinlich war es ganz gut, dass wir irgendwo hinfuhren, wo es viel frische Luft gab; sie würde mir das Atmen zwischen meinen vielen vollgequalmten und vollparfümierten Mitmenschen um einiges leichter machen.

Zusammen bauten wir ein grünes Zelt auf. Ich muss verdrießlich feststellen, dass Mike dabei war sich an mich ran zu machen. Keine Chance, Junge, dachte ich.

Die letzten Tage hatte er sich mir gegenüber äußerst seltsam verhalten. Früher, oder eher vor ein paar Tagen, hatte er mich immer wieder mit irgendwelchen Liebesschwüren zugetextet. Seine jetzige Reaktion auf mich war auch nicht viel besser, denn wer wollte schon Schlampe oder Hure genannte werden?

Nach ein paar Minuten stand das Zelt eiwandfrei. Auch das von Emmett, Jasper und Edward stand fest auf dem Boden.

Die anderen hingegen hatten teilweise recht große Probleme. Bei Jessicas Gruppe (in der sich noch Lauren Mike und Tyler befanden) war die Plane, die sie unter das Zelt legen sollten, vom Wind davon getragen worden, sodass sie auf ihren Absatzschuhen hinterher stöckeln musste und dabei im Matsch landete.

Alice, Rose und ich konnte darüber nur lachen. Soviel zum Thema Intelligenz.

Aus einem der Säcke zog ich unsere Schlafsäcke heraus und warf sie in die Zeltöffnung.

Ich schlüpfte in die Hülle aus Stoff, die perfekt zu dem grünen Gras passte. Drinnen war es nicht besonders warm-ich hatte es auch nicht erwartet-, stattdessen wurde ich von Kälte empfangen, die meinen Körper erzittern ließ.

Bibbernd ließ ich mich auf den bereits ausgerollten Isomatten nieder und zog einen Schlafsack zu mir herüber. Ich bedeckte meinen gesamten Körper bis zum Hals damit, sodass die Gefahr zum Erfrieren geringer war.

„Ganz schön kalt", stellte Alice fest.

„Blitzmerker", schoss es sogleich aus meinem Mund, bevor ich es stoppen konnte. Alice lachte leise darüber und ich drehte mich zur Seite, sodass sie merken konnte, dass ich schmollte.

Grinsend setzten sich Rose und Alice neben mich. Auch sie nahmen ihre Schlafsäcke und schlüpften hinein.

„Hey, Bella. Heute wird kein Trübsal geblasen", fing die kleine Schwarzhaarige auch schon an, ehe sie nach hinten griff und eine kleine Schachtel zum Vorschein kam. Die Farbe konnte ich wegen der Dunkelheit nicht genau erkennen, doch musste sie ebenfalls dunkel sein.

„Das wird dich aufheitern", murmelte sie vor sich hin und griff in die Schachtel. Dann schaute sie mit einem strengen Blick zu mir hoch.

„Augen zu!" Sofort befolgte ich ihrem Befehl, auch wenn mir unbehaglich dabei war, meine Augen zu schließen.

„Mund auf!"

Sobald ich meinen Mund geöffnet hatte, spürte ich etwas Süßes darauf. Ich leckte meine Lippen ab und genoss es, wie die Schokolade meine Kehle herunter kroch. Der Geschmack war intensiv und füllte meine Träumereien aus. Genussvoll seufzte ich.

Ein Keuchen brachte mich zurück in die Realität. Es kam vom Zelteingang. Genauso wie Alice, die gerade dabei war sich ein Lachen zu verkneifen, und Rose, der es nicht andres ging, starrte ich dorthin, wo ich einen schmalen Umriss einer nahezu perfekten Figur erkennen konnte.

„Edward! Was machst du hier? Verschwinde sofort in dein eigenes Zelt!" Alice Worte waren lautstark. Erst als ich das Gebrummel der Person vernahm, wurden die Konturen klarer und zum Vorschein kam … Edward. Verdammt. Was machte dieser… hier?

„I-Ich…. Entschuldigung", hörte ich ihn nuscheln, ehe er wieder verschwand. Schnaubend wand ich mich an Rose.

„Was war das?" Rose zuckte mit den Achseln.

„Frag ihn doch", neckte sie mich, nachdem ich sie einige Sekunden intensiv angeschaut hatte, denn mein Gefühl sagte mir, dass sie es wusste. Dass sie wusste, weshalb Edward so ein verdammt unnormales Verhalten führte.

„Pf. Dafür bin ich viel zu stolz." Mein Blick wanderte zu Alice, in deren Hand eine Taschenlampe lag, und musterte sie.

„Bella. Mach dir darüber keine Gedanken. Früher oder später wirst du es sowieso erfahren." Ich gab auf. Auch wenn ich sonst-und das musste ich selber zugeben-sonst ein sehr sickköpfiger Mensch war, schaffte ich es jetzt nicht Alice' durchdringenden Blick zu widersprechen.

Noch während des gesamten Abends ließ mich diese Frage nicht ruhen, doch wagte ich es nicht noch einmal danach zu fragen.