Castle hatte sich so klein wie möglich gemacht.
Er stand zwar dank Beckett nicht in der Schusslinie, aber wenn ein Gewehrknall ertönt, treibt das dennoch jedes mal den Puls in die Höhe. Kate kauerte neben ihn und drückte den Autor gen Boden. „Bist du in Ordnung?" Fragte sie und zuckte ihre Dienstwaffe. Castle befühlte sich. „Ich denke schon. Und du?" Sie visierte die Tür an, in der ein Faust großes Loch klaffte. „Alles bestens, bleib in Deckung." Castle widersprach nicht.
„Hier spricht das NYPD! Werfen Sie die Waffe weg und kommen Sie mit erhobenen Händen heraus!" Forderte Kate. Sekunden lang passierte nichts, dann ertönte erneut das mechanische Geräusch des Repetierer und ein weiterer lauter Knall ertönte. Ein zweites Loch wurden von dem 12mm Schrot in die Tür gelocht. „Verpisst euch! Glaubt ihr, ich falle auf so einen Trick rein! John Verona lässt sich nicht so leicht töten!" Zur Bestätigung schoss der Mann ein drittes mal.
„Verona! Das ist meine letzte Warnung! Legen Sie die Waffe weg. Sonst springt hier in fünf Minuten ein S.W.A.T Team herum. Ich bin vom NYPD, 12te Revier, Detektiv Kate Beckett."
Kurzes schweigen.
„Und der Typ?" Wollte John wissen.
„Äh... das ist Richard Castle. Autor." Musste Kate zugeben.
„Da haben wir es! Ihr blöden Arschlöcher müsst euch schon etwas besseres einfallen lassen. Richtet Rico aus, das ich mit der ganzen Sache nichts Zutun hatte! Das war Mikes Sache, nicht meine!" Beckett seufzte. „So wird das nichts." Gestand sie. „Dann frag Ihn gleich hier." Schlug Rick vor. „Hören Sie Verona, warum wurde ihr Freund ermordet? War er in irgendwelche Sachen verwickelt?" John lachte auf. „Warum fragst du mich das? Ihr habt ihn doch umgeniedet! Ich denke es ging Rico gegen die Strich das Mike mit seiner alten rum gemacht hatte."
Rick beugte sich zu Kate vor.
„Ah, das klassische Motive. Mord aus Liebe!" Beckett sah ihn grinsend an. „Das würde dir gefallen, oder?" Castle zuckte mit der Schulter. „Ist das nicht perfekt? Welche Frau würde es nicht schmeicheln, das man bereit wäre für Sie zu töten? Es wurden schon Kriege um Frauen ausgefochten!" Kate schüttelte den Kopf. „Ich würde das nicht von dir verlangen."
„Nein?"
„Nein, wenn dann mach ich das schon selber. So romantisch das auch klingen mag, ich glaube nicht daran das es nur um Eifersucht ging." Meinte Kate. „Oftmals sind die einfachsten Erklärungen die richtigen." Hielt der Autor dagegen. „Wir werden sehen."
„Hey! Was macht ihr? Keine Bock auf Schrot oder?" Rief Verona aus der Wohnung. Aus der ferne waren Sirenen zuhören. Anwohner mussten die Polizei informiert haben. „Hören Sie das? Gleich sind die Bullen da!" Freute sich John.
„Ja, in der Tat." Entgegnete Kate und wartete ab. Nach zwei Minuten trafen drei Streifen ein, die Kollegen stiegen mit gezogen Waffen aus ihren Autos. Kate gab sich zu erkennen und erklärte den Sachverhalt. John war zuerst unschlüssig, ergab sich letztendlich aber und ließ sich von der Streife festnehmen.
Als Kate in den Verhörraum trat, sah John etwas fertig und nervös aus.
Das geschah ihm auch ganz recht, wie sich Kate im stillen dachte. Immerhin hätte der Typ sie und Rick fast erschossen. Der Gedanke, ihm könnte etwas passieren ließ Kate erschaudern und zeigte ihr wieder zu deutlich auf, wie gefährlich es auf den Straßen sein konnte. Der Autor folgte Kate, aber im Gegensatz zu ihr wirkte er nicht verärgert. Im Gegenteil, er wirkte erheitert.
Die zwei nahmen Platz, Kate legte besonders langsam die Fallakte ab und faltete ihre Hände. Sie musterte John, versuchte ihm etwas druck zu machen. Rick grinste vor sich hin. „Also Mr. Verona. Illegaler Waffenbesitz, versuchte Tötung einer Beamtin, Beleidigung. Da kommt einiges auf Sie zu."
Stellte Kate fest. John leckte sich nervös die Lippe.
„Hören Sie, ich konnte ja nicht ahnen, das Sie ne echte Polizistin sind!" Versuchte sich der junge Mann zu erklären. „Immerhin wurde heute mein bester Freund platt gemacht! Ich hatte Angst, als sie an meiner Tür geklingelt hatten, hab ich durchgedreht!"
„Warum wurde Ihr Freund umgebracht, wegen dieser Frau von der Sie vorhin gesprochen haben?"
Linkte sich Castle in das Gespräch ein. „Warum sonst? Rico hatte ihm das angedroht, sollte er nicht die Finger von ihr lassen."
Kate öffnete die Akte und überflog sie kurz. „Wir konnten kein Bandenmitglied finden, das Rico heißt, ist das womöglich ein Nickname?" John stutze. „Warum sollte Rico einer Bande angehören?"
Kate wirkte irritiert.
„Weil das Muster der Tat auf einen Bandangriff schließen lässt. Was wissen Sie genau über den Tathergang?" John überlegte kurz.
„Nicht viel, nur das er getötet wurde. Habs in den Nachrichten gehört." Kate sah zu Rick hinüber. Die Polizei hatte keine Namen über den Nachrichtendienst heraus gegeben. „Wo haben Sie das gehört?" Hakte Beckett nach.
„Auf Kanal9, so ein neuer Sender." Castle schnippte mit den Fingern. „Diese Reporterin. Sie muss irgend wie an Details unserer Ermittlung gelangt sein. Am Tatort hat keiner den Namen des Opfers genannt."
Kate runzelte ihre Stirn.
„Darum kümmern wir uns später. Also, sie haben gehört das es Mike war, der erschossen wurde und gingen davon aus, das es dieser Rico war?" Fasste sie noch einmal zusammen. John nickte.
„Haben Sie für uns seinen ganzen Namen? Und wenn er keiner Gang angehört, warum haben Sie so eine Angst vor ihm?" Verona schluckte. „Weil der Typ ein Psycho ist. Wir gingen alle zusammen auf die selbe Schule. Er war früher gefürchtet, hat sich ständig geprügelt und uns um unser Geld erleichtert. Sein ganzer Name lautet Enrico Valez."
John konnte nach dem Verhör gehen, Kate wies ihn aber darauf hin nicht die Stadt zu verlassen.
Sie ging in die Küche und machte sich einen Kaffee. Richard folgte ihr und lehnte sich an die Wand.
„Willst du diesen Rico noch zum Verhör schleifen?" Fragte er müde. Kate sah auf die Uhr über der Tür. „Nein, es ist spät und ich bin müde. Ich werde ihn Morgen befragen, ich glaube nicht das er unser Mann ist. Das riecht für mich immer noch nach Bandenkrieg."
Der Kaffeeautomat zischte vor sich hin, als er das braune Gold in die Tasse laufen ließ. „Ich sehe es ähnlich." Er beobachtete Kate und lächelte die ganze Zeit. Sie sah ihn belustigt an. „Was ist?"
Castle stieß sich von der Wand ab und umkreiste sie. „Habe ich dir schon mal gesagt das du super Sexy wirkst wenn du dir an meiner Maschine einen Kaffee machst?" Kate wischte sich verlegen eine Strähne aus dem Gesicht. „Rede kein Unsinn." Kate schlenderte mit ihrer Tasse zu ihrem Schreibtisch. Esposito und Ryan hatte bereits Feierabend. Abgesehen von der Nachtschicht war keiner mehr im Büro. Sie setzte sich und seufzte, als sie den ganzen Papierkram sah. Rick hockte sich auf seinen Stuhl, der neben ihrem Tisch stand.
„Ich dachte, du wolltest Feierabend machen?"
Kate nahm einen großen Schluck und stellte die Tasse auf einen freien Platz ab.
„Gleich, ich schreibe nur noch das Verhörprotokoll. Dann geht's heim." Beckett zögerte und sah Castle in die Augen. „Ich... ich wollte Fragen ob ich heute bei dir schlafen kann. Ich habe keine Lust alleine zu sein." Castle grinste über beide Ohren.
„Aber natürlich." Kate lachte. „Komm aber auf keine dummen Gedanken!"
Castle deutete auf sich.
„Ich? Ich bin doch die Seriosität in Person!" Entrüstete er sich. Kate, die wieder am Kaffee nippte, verschluckte sich und stellte den Cafe wieder ab. „Du bist alles, aber nicht seriös." Kate sah Rick lange und verliebt in die Augen, dann beugte sie sich zu ihm vor, packte ihn am Kragen und zog ihn zu sich heran. „Aber ich vertraue dir." Flüsterte sie. „Und ich weiß das du nie etwas gegen meinen Willen machen würdest." Sie gab ihm einen Kuss, den er erwiderte. „Wie auch, du würdest mich totschlagen." Entgegnete der Autor. Kate lächelte. „Ganz genau."
