Kate verabschiedete sich von Lanie und ging zurück zu ihren Kollegen.
Ryan und Esposito hockten an ihren Schreibtischen. Sie gab beiden per Handzeichen zu verstehen dass sie Sie in der Küche treffen wollte. Die zwei erhoben sich sofort und kamen ihr nach.
„Was gibt es?" Fragte Javier.
„Lanie hat mir gerade etwas beunruhigendes erzählt Leute. Unser Opfer wurde von einer Uzi getötet, die es offiziell gar nicht mehr geben dürfte. Sie wurde vor zwei Jahren nach einem Überfall von der Polizei beschlagnahmt und vor sechs Monaten zerstört. Laut den Unterlagen." Esposito und Ryan sahen sich an.
„Was?" Kate kannte diese Blicke. „Erinnern Sie sich nicht mehr an den Überfall? Einer der Transporte vom 51th wurden in einen Hinterhalt gelockt. Die Täter konnten viele der Waffen erbeuten. Sie sind nie wieder aufgetaucht und man ging davon aus, sie wurden ins Ausland verkauft." Jetzt viel ihr das auch wieder ein. Ihre mögliche Theorie schien zu schwanken. Warum hatte sie daran nicht gedacht?
„Ja, aber diese eine nicht. Sie ist die Mordwaffe. Warum wurde sie dann im System als Zerstört geführt? Zufall?" Überlegte Beckett laut.
„Sie vermuten jemanden von uns dahinter?" Hakte Ryan nach. „Würde zumindest Sinn machen. Ihr zwei fahrt mal zum Zentralregister. Vielleicht könnt ihr heraus bekommen wer die Waffen damals hops genommen hatte. Und wer die Daten eingepflegt hatte. Vielleicht war es ja tatsächlich nur ein dummer Fehler." Die zwei nickten. „Und Sie?" Wollte Javier wissen. „Ich hole mir diesen Enrico, ich glaube nicht das er etwas mit dem Mord Zutun hat, aber man weiß ja nie."
Javier und Ryan nickten und machten sich auf den Weg.
Enrico Valez sahs unruhig auf seinem Stuhl.
Der Mexikaner murmelte ständig etwas auf Spanisch vor sich hin und auch wenn Kate nicht gut im Spanisch war, hörte sie zwei Worte immer deutlich. Mord und bereuen. Mit verschränken Armen beobachtete sie den Verdächtigen durch die Glasscheibe. Valez war kein unbeschriebenes Blatt wie seine Akte zeigte. Er viel durch Schlägereien auf und sahs dafür auch schon. Zudem gibt es eine Unterlassungsverfügung von seine Ex. Womöglich handelte es sich hier bei um das Mädchen von der Mikes Mutter sprach. Obgleich Valez gewalttätig war, besahs er nie Schusswaffen oder benutzte sie. Es passt also nicht in das Bild. Kate sah die Zeit gekommen, ihm selber etwas auf den Zahn zu fühlen. Sie verließ den Beobachtungsraum und ging zu Valez. Er hob ruckartig seinen Kopf, als sie eintrat. „Enrico Valez?"
„Wer will das wissen?" Zischte er und starrte sie zornig an. Auf der Straße mochte das funktionieren, aber nicht bei ihr. Unbeeindruckt setzte sich Beckett auf ihren Platz, öffnete die mitgeführte Akte und legte dem Mann ein Foto des toten Mike hin.
„Ich will das wissen. Sie kennen Mike doch, oder?" Fragte sie mit fester Stimme. „Ihm wurden gestern zwei Kugel verpasst. Und mir ist zu Ohren gekommen das Sie wütend auf Ihn waren."
Valez lächelte plötzlich, beugte sich zurück und hob abwehrend seine Hände.
„Kommen Sie schon, ja es stimmt, ich hatte Hass auf dieses weiße Arschloch, weil er meine Chika anmachte. Ich hab ihm schon zu verstehen gegeben was ich davon halte. Wir kennen uns seit der Schule, und er ist so blöd mir meine Frau auszuspannen, aber", er deutete auf das Bild, „umpusten würde ich ihn dafür nicht. Waffen sind nicht mein Ding." Kate nahm das Foto zurück. „Das Stimmt, sie klären das gerne wie ein echter Mann." Spottete sie.
„Ich habe Ihn nicht umgebracht!" Beharrt er. Kate war neigt dazu ihm zu glauben. Anhand dieser spärlichen zusammenhänge, würde sie bei keinem Richter einen Durchsuchungsbefehl bekommen.
„Wo waren Sie gestern zwischen 09:00 und 09:30 Uhr Mr. Valez?" Fragte sie trotzdem.
„Zuhause, mit paar Kumpels. Wir haben gezockt!" Berichtete er grinsend und verschränkte seine Arme.
Nach dem Verhör ließ Kate den Mann gehen, breitbeinig und so gelassen wie nötig schlich er zum Fahrstuhl. Kate sah ihm belustigt nach. Er war alles, aber kein kaltblütiger Killer. Sie ging zur Mörderwand hinüber und heftete ein Bild von Valez an die Mörderwand. Darüber schrieb sie:
Nicht verdächtig.
Kate ging einen Schritt zurück um sich das Gesamtbild etwas genau anzusehen. Links oben pinte das Foto des Opfers. Ein Pfeil zeigte nach Rechts, wo ein Fragezeichen stand. Darunter die Bemerkung: Uzi aus zerstörter Lieferung?
Ein weiter Pfeil nach unten deutete auf mögliche Täter. Valez gehört nicht mehr dazu. Die Zeugen waren soweit befragt. Einzig dieses Mädchen blieb noch. Kate bezweifelte das sie Licht ins dunkle bringen konnte, aber sie musste nachhaken. Bisher sah es aber so aus, als wäre Mike tatsächlich das Opfer eines dummen Zufalls geworden. Warum schossen die Unbekannten also auf das Lokal? Ging es doch um Schutzgeld? Oder ging es letztlich um jemanden im Lokal? Kate wurde in ihrem Denkfluss gestört, als ihr Handy klingelte. Sie zog es aus der Tasche und ging ran ohne auf´s Display zu schauen. „Beckett."
„Hey." Meldete sich Ricks Stimme. Kates Laune besserte sich sofort. „Hey." Sie setzte sich auf die Kante eines Tisches. „Wie geht es bei deinem Verlag voran?" Castle seufzte.
„Wie immer sehr langweilig und träge. Wir machen gerade eine Pause und da dachte ich mir ich ruf dich mal an. Wie sieht es in unserem Fall aus?"
Kate setzte den Autor in kürze über das ins Bild was sie heraus gefunden hatte. Castle hörte gespannt zu. Als sie am ende ihrer Ausführung angelangt war, fragte sie:
„Was hältst du davon?"
„Ganz klar, die KFC Verschwörung. Sie haben einem korrupten Cop die Waffen abgekauft und hiesige Gangs damit beauftragt Angst und schrecken bei der Konkurrenz zu verbreiten."
Kate grinste. „Das ist nicht förderlich Castle. Ich will mir die Frau nochmal vor nehmen."
„Diese vermeintliche Flamme von Mike?" Fragte Rick nach. „Ja."
„Ich glaube nicht das Sie der Dreh- und Angelpunkt dieser Ermittlung ist." Kate nickte.
„Ich sehe es ähnlich, aber man weiß ja nie. Ich bin gespannt was Ryan und Esposito bei der Verwahrstelle in Erfahrung bringen können. Womöglich kann uns der Kollege der die Waffen verwahrt hatte Auskunft geben. Ohne einen Anhaltspunkt in dieser Richtung sehe ich schwarz die Täter zu finden. Das CIS konnte am Tatort keine weiteren Spuren sicherstellen. Wenn Mike das Opfer des Zufalls wurde bleibt die Frage im Raum warum man auf das Lokal geschossen hatte."
„Ich Frage das nur ungern, aber was ist mit der Videoüberwachung?" Kate blies ihre Backen auf und stieß sich vom Tisch ab. „Sackgasse. Die Anlage im Lokal ist nur eine Attrappe. Wenn wir verwertbare Aufnahmen hätten..." Kate stockte. „Was?" Sie ging auf die Aufnehmen vom Lokal zu, die die Spurensicherung gemacht hatte und unter dem Täterbereich an der Mörderwand angeheftet waren. „Was haben heute wirklich alle Leute?" Fragte Beckett laut.
„Du sprichst in Rätsel." Gestand der Autor. „Handys." Antworte sie. Selbst durch das Handy konnte Kate erahnen wie bei Rick der Groschen viel. „Augenzeugen, im und um das Lokal!" Stimmte er mit ein. „Warum bin ich nicht früher darauf gekommen!" Ärgerte sich die Polizistin.
„Mach dir nichts draus, darauf hätte ich als Autor kommen müssen!"
„Ich mach Schluss, ich muss einen Aufruf starten."
„Alles klar, wir sehen uns später. Hab dich Lieb."
Sagte Castle mit sanfter Stimme. Kate stockte und runzelte amüsiert die Stirn.
„Hab dich Lieb?"
„Ja, klingt irgend wie besser als dieses veraltete ich liebe dich. Das sagte doch wirklich jeder."
Sie lächelte. „Hab dich auch lieb."
Sie legte auf, Zeit sich an die Pressestelle zu wenden.
Kate ließ über den Pressedienst eine Mitteilung an die Presse verteilen, demnach jeder, der Bilder oder Videos vom Tatort gemacht hatte, sich bitte melden sollte. Das würde dauern und um ehrlich zu sein rechnete sie sich keinen großen Erfolg aus. Aber man wusste ja nie, was dabei alles rum kommen könnte. Die Zeit nutzte Beckett um dem Mädchen einen Besuch abzustatten. Nach zwanzig Minuten Fahrt erreichte sie in der 53th Straße Ecke West Side den Wohnblock, in dem Maria Costa wohnen sollte. Kate parkte ihren Ford in einer Seitenstraße und lief das Stück zurück. Die Straße war belebt, Kinder spielten auf dem Fußweg, diverse Geschäften boten ihre Waren feil. Ständig fuhr ein Taxi oder ein normaler Wagen an ihr vorbei. Ein Typisches Viertel New Yorks eben. Der Wohnblock war vier Etagen Hoch und aus Klinker errichtet worden, so wie viele Gebäude in dieser Gegend. Aus einigen Fenster sahen ältere Menschen dem treiben in der Straße zu. Kate erklomm die Stufen bis zum Eingang und suchte am Klingelschild den Familiennamen Costa. Nach einem kurzen Moment fand sie ihn und drückte die Klingel. Ein Zeitlang passierte nichts, dann knackte es in der alten Sprechanlage und eine blecherner Stimme Fragte: „Holla?"
Kate beugte sich zum Sprechen vor. „Holla, hier spricht Detektiv Kate Beckett, NYPD. Ich müsste mit Maria Costa sprechen, bitte." Die Stimme am anderen ende zögerte. Dann erklang der Türsummer und Kate trat ein. Die Costas wohnten im zweiten Stock, so das es Kate kaum mühe kostete die wenigen Stufen zu meistern. Doch ihre frische Narbe zwickte etwas, das tat sie schon den ganzen Tag. Kate rieb unbewusst ihre Brust und zuckte zusammen, als die Wohnungstür plötzlich ruckartig aufging. Aber nur einen Spalt. Dahinter musterte sie eine ältere Frau äußerst argwöhnisch. In dem Haus war es alles andere als ruhig. Aus der Wohnung hinter ihr drang laute Musik und eine Etage höher kreischte ein Baby. Das Klischee das man sich eben so vorstellte, wenn man sich in so einem Haus aufhielt. Beckett zuckte ihre Marke und hielt sie der Frau hin.
„Ich bin Kate Beckett, NYPD. Ich hätte einige Fragen an Maria."
Sagte sie mit ruhiger Stimme. Da klingelte wieder das Handy von Beckett. „Ein Moment!" Bat Kate und zuckte es aus ihrer Jackentasche. „Beckett?"
„Detektiv Kate Beckett vom 12th ?" Fragte ein feste Männerstimme. „Ja."
„Hier spricht Detektiv John Peterson vom 78th Revier. Kennen Sie mich noch? Wir haben damals zusammen am Walter Fall gearbeitet." Kate erinnerte sich. „Ja klar, was gibt es?"
Der Mann räusperte sich. „Ich wollte Sie über meinen neusten Fall in Kenntnis setzten, um der alten Zeiten willen und weil wir Kollegen sind. Ich Ermittle gerade in einem Mordfall hier in Upper Towne. Und, naja, Sie sind doch eine gute Freundin von Richard Castle, oder?"
Kate fragte sich worauf er hinaus wollte und bejahte. „Nun, wir haben seine Mutter fest genommen, Martha Rodgers."
