Titel: Maggie
Teil: 9/?
Autor: Neko (Ne-chan)
E-mail: Harry Potter
Raiting: PG-14
Warnung: darkfic, OOC
Pairing: Ron x Severus
Disclaimer: Alles nicht meins, alles J.K. Rowling. Geld bekomm ich auch nicht! sich das Ganze noch mal überleg Mist --
Maggie
Erinnere dich an die schönen Zeiten
Ron blickte sich verwirrt um. Wo war er? Alles, was er sah, war Dunkelheit. Gleichzeitig hatte er jedoch das Gefühl, es wäre viel zu hell an diesem Ort, dass man ihn viel zu gut sehen konnte und sein Innerstes sträubte sich gegen diese Erkenntnis. Er wusste, er durfte nicht gefunden werden! Warum? Die Frage dümpelte nur in seinem Hinterkopf träge vor sich hin, zu leise und unwichtig, als das er ihr mehr als einen kurzen Gedanken schenkte. Warum war egal, es war einfach so. Niemand sollte hier in der Lage sein ihn zu sehen. Da war er sich sicher. Und doch fühlte er sich wie auf einem Seziertisch, der Öffentlichkeit ausgeliefert. Kaltes Grauen erfasste ihn und er schüttelte sich. Vielleicht musste er nur ein Stück weiter laufen und er wäre in Sicherheit? Zögerlich stolperte er ein paar Schritte in das Dunkel vor ihm, die Hände suchend, tastend vor sich gestreckt. Sie stießen auf eine Wand und Ron runzelte verwirrt die Stirn. Wand schien ein falsches Wort in dieser Welt zu sein. Aber vor ihm war etwas Massives. Etwas, das ihn nicht weiter gehen ließ. Eine Barriere.
Hier dürfte es keine Barrieren gäben. Nicht hier, überall sonst, aber nicht hier! Zittrig tastete er sich an der Wand entlang und lief und lief. Dieses Etwas schien kein Ende zu haben. Erschöpft lehnte er sich an den Widerstand und rutschte daran hinunter, bis er nur noch wie ein Häufchen Elend am Boden saß. Er hoffte jedenfalls, dass es der Boden war. Unter ihm war es nämlich genauso schwarz, wie seine Umgebung, wie sein Himmel… oder Decke? Er konnte nicht sagen, ob er sich in einem Raum befand oder nicht. Er konnte nicht sagen, ob es wichtig war oder nicht. Seufzend vergrub er sein Gesicht in den Händen. Er sollte so was wissen, nicht wahr? Es war wichtig, dass er sich hier auskannte. Aber sein Kopf war so schwer und müde. Jeder Gedanke schien sofort von ihm fort zu fließen, wie Sand durch seine Hände zu rieseln.
Das war nicht in Ordnung! Er wollte hier raus! Alles würde wieder gut werden, wenn er hier raus kam! Mühevoll erhob er sich und begann wieder zu laufen. Es musste hier irgendwo einen Ausgang geben.
Severus Gedanken und Gefühle verknoteten sich gerade in seinem Kopf und verursachten ein heilloses Durcheinander. Sie hatten eine Lösung! Nein, besser. Sie hatten DIE Lösung! Euphorisch packte er den jungen Percy und drehte sich mit ihm im Kreis. Der Weasley lachte nur. Sie hatten eine Lösung, alles würde wieder gut werden. Ron musste nur die letzte Strophe des Erlkönigs sagen, vielleicht auch nur denken oder sich erinnern… oder musste er sie aufschreiben? Musste er sie ebenfalls in eine Zauberformel einbauen? Abrupt blieb Severus stehen und starrte jetzt wieder düster und besorgt geradeaus. Percys Lachen erstarb und ohrenbetäubende Ruhe legte sich wieder über den Raum. Eine Ruhe, die schwer auf dem Herzen lag und die beiden Männer fast betäubte.
„Es wird nicht so einfach werden, wie es sich anhört, oder Professor?" Die leise Stimme des Rotschopfs ließ die Blase aus Stille wie Glas zerbrechen und riss Severus aus seinen erdrückenden Gedanken. Nein, einfach werden würde es nicht. „Wir dürfen keine Fehler machen, Mr. Weasley. Jeder Fehler könnte tödlich enden. Und was wissen wir schon? Eine grobe Richtung, aber keinen genauen Weg." Erschöpft strich er sich die Haare aus dem Gesicht und griff noch einmal nach dem Buch, welches so einen Freudentaumel ausgelöst hatte. „Kommen Sie. Suchen wir uns einen Weg."
Percy blätterte müde eine weitere Seite um und gähnte. Sie hatten begonnen, allen Buchverweisen, die in Die Kunst des Körpertauschs und die Geheimnisse der Interaktion in einem (fremden) Körper angegeben waren, nachzugehen, aber es war spät und die Augen wurden immer schwerer. Kaffee half da schon lange nichts mehr und Aufputschtränke waren mit Vorsicht zu genießen. Schließlich ließen sie einen später müder und ausgezehrter zurück, als man vor dem Trank gewesen war.
Die Buchstaben verschwammen vor seinen Augen und entnervt lehnte er sich auf seinem Stuhl zurück. Merlin, ihm tat alles weh. Selbst Muskeln, wo er nicht mal gewusst hatte, dass sie existieren, schmerzten. Erschöpft starrte er an die Decke der Bibliothek und seufzte. Es gefiel ihm nicht, aber irgendwann – und innerlich wusste er bereits, dass diese Zeit jetzt gekommen war – mussten sie schlafen. Träge ließ er seinen Kopf zur Seite kippen, um Professor Snape anzusehen. Auch er sah elend aus. Das Haar war noch wirrer als sonst, der Oberkörper unbequem über das Buch gekrümmt. Der Kopf war auf eine Hand gestützt und die müden schwarzen Augen huschten eher langsam über die Buchseite. Eine Pause war wohl angesagt.
„Professor, wir sollten eine Pause machen. Auch wenn wir jetzt was finden würden, könnten wir es gar nicht verarbeiten, so fertig, wie wir sind. Und wer weiß, wie viel wir in diesem Zustand übersehen." Ein Schnauben war die Antwort darauf, dann ließ sich aber auch der Zaubertränkemeister langsam nach hinten fallen. „Sie wollen eine Pause machen, Mr. Weasley, während ihr Bruder ununterbrochen gegen etwas kämpft, was er nicht besiegen kann?" Percy schluckte. Seinen Bruder gegen ihn zu verwenden war ein Tiefschlag, aber er wusste, dass Enttäuschung aus dem älteren Mann sprach. Trotzdem traf die Spitze ins Herz und wie ein verwundetes Tier schlug er mit der Kraft des Verzweifelten zurück.
„Sie sorgen sich also mehr um meinen Bruder als ich, ja? Dann retten sie ihn doch, verdammt noch mal! Holen Sie ihn endlich aus diesem Sumpf raus in den Maggie ihn gefangen hält. Sie sind doch der große Legiliment!" Snapes Augen funkelten gefährlich und der Stuhl scharrte laut über den Steinboden, als er sich erhob. „Werfen Sie mir gerade vor ein Heuchler zu sein, Mr. Weasley?", kam es gefährlich leise von dem düsteren Lehrer. Percy erhob sich ebenfalls. „Ich weiß nicht, was ich Ihnen vorwerfen kann, Professor! Alles, was ich weiß, ist, dass mein Bruder Ihnen vertraut. Seit er mit Ihnen auf diesem verdammten Turm war, sieht er Sie mit einem Blick an, der mehr als Freundschaft bedeutet. Ja, ich wage sogar zu behaupten, dass Maggie nicht mehr die einzige Weasley ist, die Ihnen voll und ganz verfallen ist!"
Severus konnte die Verblüffung und Unsicherheit nicht ganz aus seinem Gesicht verbannen, also wandte er sich etwas zu ruckartig von Percy ab. Das zwischen Ron und ihm ging niemand anderen etwas an. Außerdem war ja noch gar nicht klar, ob jemals irgendetwas passieren würde. Nach dieser Geschichte könnte Ron auch wieder zu Sinnen kommen und Severus erneut als bösen Zaubertränkelehrer betrachten. Die Geschehnisse auf dem Turm waren in Maggies Schatten geschehen. Und einen Kuss sollte man auch nicht überbewerten.
„Bei Merlin, was ist auf diesem Turm geschehen!" Überrascht über diesen Ausbruch drehte er sich wieder zu Percy um. Erst jetzt viel ihm auf, dass er nie die Anschuldigung, dass etwas passiert war, zurückgewiesen hatte. Und sein Schweigen und Abwenden hatten sicherlich einen falschen Eindruck vermittelt. Weasleys waren für ihr aufbrausendes Temperament bekannt und Severus hatte das Gefühl, dass er bald mit gerade diesem Bekanntschaft machen würde, wenn er die Sache nicht schnell aufklärte.
„Percy, Sie ziehen vorschnelle Schlüsse! Es ist nichts geschehen, was Ihren Bruder, ihre Familie und den Ruf dergleichen schaden wird. Tatsächlich glaube ich, war es eher Maggies Einfluss, der die Situation etwas außer Kontrolle geraten ließ. Der Blick, den Sie gesehen haben möchten, könnte genauso gut Maggie gewesen sein." Doch der Rotschopf schüttelte den Kopf. „Ich kenne meinen Bruder, Professor. Und wenn Sie glauben, Sie können nach der ganzen Sache Ron einfach abservieren, werde ich Ihnen persönlich die Hölle heiß machen. Verlassen Sie sich darauf. Und jetzt möchte ich genau wissen, wie unkontrolliert diese Situation war." Die braunen Augen des jungen Mannes brannten in einem Feuer, dass seinem kleinen Bruder nicht ganz unähnlich war. Tief, leidenschaftlich und wütend. Eine Mixtur, die scheinbar in allen Weasleys zu finden war. Severus schluckte trocken
„Ein Kuss, mehr nicht!" Er erwartete jetzt einen Ausbruch des emotionalen Vulkans, doch zu seiner Überraschung atmete Percy nur erleichtert durch und nickte. Moment mal, was hatte dieser kleine Perversling eigentlich erwartet? „Halten Sie wirklich so wenig von mir, Weasley? Ich würde niemals…" Doch Percy winkte ab. „Das weiß ich, Professor. Aber ich bin ein großer Bruder. Am Anfang ist jeder verdächtig. Und ich kann nicht in Ihren Kopf rein schauen." Severus stutzte. In den Kopf rein schauen?
„Aber natürlich! Das ist es!"
Percy trat einen Schritt zurück, als Snape hastig seine Bücher zur Seite schob und ein vollkommen fremdes Werk auf dem Tisch ausbreitete. Dieser Mann war ein Genie, aber wirklich! Wieso mussten Genies immer so unberechenbar sein? Percy war eher ein Mensch mit Gewohnheiten und festen Verhaltensmustern. Severus Snape zeigte sich eher als sprunghafter und von Energieschüben gesteuerter Mann. Diesen Geistesblitzen ausgesetzt zu sein, machte ihn nervös und unruhig. Und das in einer Zeit, wo gerade Percy seine volle Konzentration brauchte. Tief durch atmend trat er wieder neben Snape, um nicht ganz den Faden des Geschehens zu verlieren. Überrascht zog er seine Augenbrauen nach oben, als er erkannte, dass es sich bei dem Buch um ein ganz normales Lehrbuch für die 1. Klasse handelte.
„Ich dachte, diese Bücher können wir ausschließen?" Snape nickte. „Für den Körpertausch war es nicht zu gebrauchen, aber jetzt wollen wir ja nichts über den Tausch wissen. Wir wollen wissen, wie wir es anstellen müssen, damit Maggie verschwindet. Aber es steht in keiner der spezifischen Fachliteratur. Und warum nicht?" Snape warf Percy einen durchdringenden Blick zu und schon hatte der Rotschopf wieder das Gefühl in der ersten Reihe im Klassenzimmer zu sitzen und Fragen beantworten zu müssen, die für ihn keinen Sinn ergaben, aber für den Lehrer das leichteste der Welt zu sein schienen. Aber er war kein Schüler mehr! Er musste sich diesem Stress nicht mehr aussetzen.
„Es ist fünf Uhr morgens, Professor! Wir haben nicht eine Minute geschlafen und nur über alte staubige Bücher gehangen, immer besorgt darüber, ob Ron noch so lange durch hält. Es tut mir Leid, aber ich kann Ihnen nicht folgen. Erklären Sie es einfach." Snapes Augen blitzten kurz amüsiert, wurden dann aber wieder ernst. „Mr. Weasley... Percy... es stand in keinem dieser Bücher drin, weil" - und hier machte er doch tatsächlich noch eine dramatische Pause - „weil es jeder Zauberer, jede Hexe schon im ersten Schuljahr beigebracht bekommen hat. Es ist Grundwissen! Fachliteratur hält sich nicht mit Grundwissen auf!" Mit einem triumphirischen Aufschrei hielt der Zaubertränkelehrer Percy das aufgeschlagene Buch unter die Nase. Tatsächlich war die Antwort schon fast zu einfach.
Ein Zauber hat immer die größte Kraft und damit auch die größte Hoffnung auf Erfolg, wenn die Formel nicht nur verbal, sondern auch aus dem tiefsten Innersten, mit der ganzen Seele gesprochen wird. Deshalb sind Nonverbale Zauber, auch Stille Zauber genannt, immer die kraftvollsten.
„Sie wollen also was tun?" Lächelnd tippte Snape ihm an die Stirn. „Ich werde da rein gehen und Ron dazu bringen, die letzte Strophe des Erlkönigs als Stillen Zauber auszusprechen."
Severus konnte nicht glaube, wie blind er gewesen war. Dabei war es so logisch! Ein Stiller Zauber war immer die machtvollste Art einen Zauber zu sprechen, das wusste jeder Erstklässler. So etwas zu vergessen war wohl das Peinlichste, was ihm je widerfahren war. Dummkopf! Idiot! Eigentlich müsste er sich selbst zum Nachsitzen verdonnern. Aber dafür hatten sie jetzt keine Zeit.
Ungeduldig schob er sich an den noch immer sprachlosen Percy vorbei und eilte aus der Bibliothek. Er musste in Rons Gedanken eindringen und den Jungen irgendwie dazu bringen, diese eine Strophe mit all seiner magischen Energie, die ihm noch verblieben war, gedanklich, seelisch zu sprechen. Es gab keinen anderen Weg.
Kräftig stieß er die Tür zum Krankenflügel auf und erschreckte Poppy fast zu Tode, da die schwere Eichentür eine unsanfte Bekanntschaft mit der Wand machte. „Severus, bist du wahnsinnig, hier so einen Lärm zu veranstalten?" Doch Severus ignorierte sie einfach und lief weiter, bis zum letzten Bett auf der linken Reihe. Noch immer lag Ron blass und regungslos in den weichen Kissen und machte einen kranken und abgekämpften Eindruck. Sofort wurden Severus Gesichtszüge etwas weicher, sein ganzes Gebaren etwas ruhiger, seine Schritte, als er an Rons Seite trat, leiser und vorsichtiger. Als ob er die Hand einer Porzellanpuppe ergreifen würde, schloss er Rons Finger in seine ein und für einen kurzen Augenblick hielt er die Luft an. Aber Ron wachte nicht auf, rührte sich nicht. Abwesend begann er mit dem Daumen über den Handrücken der zarten Hand zu streicheln und leise zu summen. Wach doch auf, rothaariges Kind, wach doch auf. Doch es blieb ergebnislos.
Bedächtig ließ sich der Zaubertränkelehrer auf die Bettkante nieder und beugte sich über die leblose Gestalt. Sanft öffnete er die Augen des Jungen und starrte hinein. Dann hörte man nur noch ein gehauchtes „Legilimentis."
Poppy konnte es einfach nicht fassen. Noch nie hat sie jemand einfach so stehen lassen. Nicht mal Dumbledore hatte es gewagt sie zu ignorieren und jetzt kam ein dahergelaufener Severus Snape – Severus-ich habe mir schon jeden Knochen im Körper gebrochen-Snape – und ließ sie einfach stehen! Wutentbrannt stürmte sie dem düsteren Mann hinterher und wollte schon zu einer Tirade übelster Beschimpfungen ansetzten, da sah sie, wie er die Hand des Jungen ergriff. Auf einmal war ihr Zorn verraucht und ein kleiner Seufzer wollte sich durch ihre Kehle stehlen, aber sie zwang sich, still zu bleiben. Severus war kein Mann, der oft Gefühle zeigte. Sie wollte ihn nicht durch ihre Anwesenheit verschrecken. Leise zog sie sich in ihr Büro zurück.
Percy stand noch immer wie zu Eis erstarrt in der Bibliothek. Snape wollte in Rons Gedanken eindringen? Aber woher wollte er wissen, dass Maggie nicht auch dafür Vorkehrungen getroffen hatte? Wo war das überdenken des Plans? Wo war der scharfe Verstand geblieben? Severus Snape hatte nie so unbedacht gehandelt, aber jetzt schien er Scheuklappen vor den Augen zu haben. Er war einfach losgestürmt. Zu Ron… er war zu Ron gestürmt… er begab sich in Gefahr! Ruckartig wandte sich Percy zum Ausgang und rannte los. Dummer Snape! Sehr dummer Snape! Wer wusste denn schon, was in Rons Kopf im Moment vor sich ging? Und wenn er schon zu spät kam? Oh Merlin! Er brauchte Hilfe!
Viel zu schnell bog er um die nächste Ecke und stolperte einige Treppen hinunter. Dumbledore! Der alte Schuldirektor würde wissen, was zu tun war. Wie konnte er das auch nicht? Albus Dumbledore wusste doch immer alles! Schlitternd kam er vor dem Wasserspeier zum stehen, der die Gemächer und das Büro vom Direktor bewachten. „Bitte teile Professor Dumbledore mit, dass ich Ihn in einer dringenden Angelegenheit sprechen möchte!" Der Wasserspeier blickte etwas entnervt, wollte sich aber gerade umwenden, als Percy etwas einfiel. „Nein, warte! Sage ihm, dass er so schnell wie möglich in den Krankenflügel kommen muss!" Dann rannte er wieder los. Er durfte nicht so viel Zeit vertrödeln!
Percy rannte ohne langsamer zu werden durch die ohnehin schon offene Tür des Krankenflügels und kam atemlos am Bett seines Bruders zum stehen. Snape lag halb auf Ron, die Augen waren leer und starr, der Atem ruhig und gleichmäßig. Er kam zu spät! Ängstlich streckte er seine kalten Finger dem Professor entgegen, aber kurz bevor er ihn berühren konnte, wurde sein Handgelenk ergriffen. „Berühren Sie ihn nicht, Mr. Weasley. Wir wissen nicht, was gerade geschieht. Wir könnten alles schlimmer machen, wenn wir jetzt unbedacht handeln." Percy strich sich einige seiner widerspenstigen Locken aus dem Gesicht und schluckte schwer. „Aber was sollen wir denn tun?" Traurig lächelte Dumbledore ihn an. „Wir müssen jetzt auf Severus vertrauen."
Ron wimmerte leise, als seine Beine unter ihm nachgaben. Er lief schon so lange, aber es war keine Lücke in der Mauer zu entdecken. Wieder zeigte ihm die Welt, dass er ein Pechvogel war. Müde schloss er die Augen. Er hasste es hier! Es gab hier nichts als Schwärze, leeren Raum. Oh, er hasste es hier!
Ron! Wo bist du? Klopf gegen die Mauer, Ron! Ich kann dich sonst nicht finden!
Rons Kopf ruckte hoch und er hielt den Atem an. „Severus?" Er flüsterte den Namen nur, nicht sicher, wie es überhaupt möglich sein konnte. Doch die Stimme, die er gerade gehört hatte… diese Stimme gehörte Severus! Glücklich schluchzte er auf und begann wie wild gegen die Mauer zu hämmern. „Ich bin hier! Bitte hol mich hier raus! Severus!"
Severus war erstaunt, als er sich in Rons Gedanken umblickte. Er hatte hier seine normale Gestalt. Mit Armen, Beinen. Seine Umgebung war hell, aber ohne Kontur. Manchmal flimmerten an weißen „Wänden" Erinnerungen wie alte Filme, verschwanden aber auch schnell wieder. Insgesamt war es hier einfach zu wenig los. Hier hätte das Leben toben müssen! „Ron?" Langsam und vorsichtig wanderte er durch diese seltsame Landschaft und je weiter er ging, desto unsicherer und nervöser wurde er. Wo war Ron? Und Maggie? Sie müsste hier auch irgendwo sein!
„Severus?" Die Stimme war schwach, müde. Sie kam von seiner linken Seite. Neugierig ging er in die Richtung. Nach 5 Minuten laufen sah er eine Gestalt am Boden liegen. Sie war in einen braunen Umhang gehüllt, rote Haare lugten unter der Kapuze hervor. „Ron?" Der Kopf der Gestalt ruckte hoch und böse braune Augen blitzten ihn an. Die roten wilden Locken legten sich wie flüssiges Feuer um ihr Gesicht bis über die schmalen Schultern. Eine spitze Nase machte das junge Gesicht kantiger, nahm ihm das Feine, Ebenmäßige. Die hohe Stirn war gerunzelt, die Lippen gespitzt. Maggie war noch immer ein zwölfjähriges Mädchen. Ihr geistiger Körper hatte keine Entwicklung durchgemacht. Wie auch, wenn der Geist nicht reifer wurde?
„Ron ist nicht hier!", zischte sie ihn an und ihre Stimme klang sogar noch toter, kalter, als in der richtigen Welt. Severus fröstelte. „Er ist hier. Du versteckst ihn nur. Du willst nicht, dass man ihn findet. Aber ich werde ihn finden! Du kannst mich nicht aufhalten!" Maggie lachte. „Und da bist du dir sicher, Liebster? Schließlich habe ich schon so vieles gemacht." Das Mädchen kam langsam auf Severus und blieb erst stehen, als sie einen Schritt von ihm entfernt war. Neckisch lächelte sie ihn an und streckte eine Hand nach ihm aus, doch Severus packte sie am Handgelenk. „Wo ist Ron?" Ihr Lächeln erfror in ihrem Gesicht. „Wieso interessierst du dich nur für Ron? Er ist langweilig! Er war immer respektlos dir gegenüber und dumm! Nichts hat er im Unterricht auf die Reihe bekommen! Und trotzdem willst du ihn?" Wütend stieß der Zaubertränkelehrer Maggie von sich. „Er ist nicht dumm! Du hast ihn zurückgehalten, weil er dich bald überflügelt hatte. So war es doch, nicht wahr? Du konntest es nicht ertragen, dass er schlauer als du war. Du bist nichts gegen ihn. Und du weißt es!"
Maggie wurde rot vor Zorn. Sie schrie. Die Schreie echoten durch die leere Gegend und wurden dann verschluckt. „Wie kannst du es wagen! Wie kannst du es WAGEN!" Wie eine Furie stürzte sie sich auf ihn und er konnte ihre Hände nur gerade so von seinem Gesicht fernhalten. Geschickt trat er ihr die Beine unter dem Körper weg und sie stürzte schreiend, fluchend zu Boden. Schnell pinnte er ihre Hände über ihren Kopf und hielt mit seinem Gewicht ihre Beine auf den Boden. „Ich frage dich nur noch einmal: Wo. Ist. Ron." Maggie spuckte ihn an. „Du wirst ihm sowieso nicht helfen können! Er wird in der Finsternis versauern! In seinen düstersten Gedanken wird er ersticken! Geh zu ihm! GEH! Versuche doch, seinen schwächlichen Geist zu retten! In seinem tiefsten Innern ist er gefangen und du bist machtlos! Hörst du? MACHTLOS!" Severus ließ sie los und sofort sprang sie auf die Füße und rannte fort. Die roten Locken wehten hinter ihr her, ein greller Farbklecks an diesem weißen Ort.
Severus interessierte das nicht mehr. Er konnte ihr sowieso hier nicht wirklich schaden. Der Einzige, der etwas gegen Maggie tun konnte, war Ron. Und Ron wurde an einem finsteren Ort gefangen gehalten. An einem Ort, wo es nur Licht gab, musste ein dunkler Fleck doch auffallen. Er wurde in seinem tiefsten Innern festgehalten, hatte sie gesagt. Dann war dies hier nur die Oberfläche! Unsicher blickte er auf den „Boden" und stampfte probeweise auf den massiven Untergrund. Unten und oben gab es hier nicht wirklich. Diese Illusion kam aus seinem eigenen Kopf, um ihn nicht panisch im Nichts hängen zu lassen. Aber wer sagte, das sein „Boden" auch der von Ron war? Severus kniete sich wieder hin und legte sein Ohr an den festen Untergrund. Er hörte nichts. Aber das hatte nichts zu bedeuten. Die Schicht war vielleicht einfach zu dick! Aber er war hier in einer fiktiven Welt. Es müsste möglich sein, seinen eigenen Verstand mit dieser Welt zu verknüpfen und damit die Umgebung zu verändern.
Tief durch atmend schloss er die Augen und konzentrierte sich. Was lag unter ihm? Als er die Augen wieder öffnete, verschlug es ihm den Atem. Ein Loch war unter ihm entstanden, durch das er in die tiefste Dunkelheit blickte. Aber er fiel nicht hindurch! Bei Merlin, er war froh darüber! Niemals wollte er in so einer Welt gefangen werden. Verzweifelt suchte er nach roten Haaren, aber er sah keinen einzigen Fleck, der auf Farbe hinwies. Dann kam ihm ein Gedanke. Genauso, wie er dieses Loch erschaffen hatte, konnte er vielleicht dafür sorgen, dass man ihn hörte. „Ron! Wo bist du? Klopf gegen die Mauer, Ron! Ich kann dich sonst nicht finden!" Dann hielt er die Luft an und lauschte.
DA! Da war ein Geräusch! Aufgeregt krabbelte Severus über den Boden, immer dem Klang des hämmerns hinterher, bis er direkt über im hockte. Angestrengt starrte er auf die Erde und zwang sie, ihm wieder die Schwärze zu zeigen. Doch statt Dunkelheit starrte er direkt in große, angsterfüllte Augen. Rons Augen! Ohne zu zögern stieß er seine Hände durch die unsichtbare Fläche unter ihm und ergriff der Jungen an den Schultern. Dann zog er ihn zu sich.
Ron konnte es nicht glauben! Severus schwarze Augen sahen auf ihn runter, obwohl er doch vor ihm stand. Aber es wirkte eher, als ob er über ihm stehen würde. Doch bevor er sich noch mehr Gedanken dazu machen konnte, hatten ihn schon die starken Hände des anderen Mannes gepackt und zogen ihn durch die Mauer. Die Welt kippte auf einmal und er stieg aufwärts! Schwindlig und desorientiert fand er sich nach ein paar Augenblicken in Severus Armen wieder und er schluchzte auf. „Severus? Oh, Severus! Endlich bist du gekommen! Endlich bist du gekommen!" Severus Finger strichen durch sein Haar, sein schwarzer Umhang umfing ihn wie eine schützende Rüstung. Als er die zarten Küsse auf seinem Haar spürte, seufzte er auf. Er war in Sicherheit!
Severus und Ron saßen noch eine ganze Weile so im weißen Nichts. Sie bemerkten noch nicht einmal die Veränderung, die sich langsam aber kontinuierlich vollzog. Die einzelnen unscharfen und wackligen Bilder, die die weißen Wände geziert hatten, wurden schärfer und klarer. Es wurden immer mehr, Tonfetzen erklangen. Das Leben war zurückgekehrt.
Severus fiel das erst auf, als vor seinen Augen ein Bild tanzte. Er sah, wie sich ein Text über den Boden zog, wie eine Muggel-Werbereklame, grell bunt. Unbewusst las er mit:
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.
Wie vom Blitz getroffen, gefroren alle seinen Bewegungen und er keuchte auf. Rons Erinnerungen waren zurückgekehrt! Der Erlkönig! Ron musste die letzte Strophe lesen! Er musste sie laut vorlesen. Ruckartig drehte er den Jungen in seinen Armen um. „Ron! Lies die letzte Strophe! Lies sie laut, mit deinem ganzen Herzen. Konzentrier dich ganz darauf und lese sie! Dann bist du gerettet!"
Verwirrt starrte Ron auf den Boden vor sich. Was sollte das jetzt? Seine Augen flogen über die bekannten Zeilen des Erlkönigs und versuchte, irgendeinen Sinn in Severus Worten zu finden. Dann kam er zur letzten Strophe. Er wusste nicht warum, aber sein Herz schien schneller zu schlagen, als seine Augen die ersten Worte aufnahmen. Wie von selbst begann er laut zu lesen an:
„Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind"
„Oh nein, das wirst du nicht!"
Auf einmal wurde er aus seiner sitzenden Haltung gerissen und von Severus weggezerrt. Dann spürte er Fingernägel in seinem Gesicht! Sie kratzten seine Wangen entlang, bis sie sich endlich um seinem Hals legten und zudrückten. Panik erfasste ihn. Verzweifelt versuchte er das Etwas von sich wegzuziehen, das ihn so fest gepackt hielt und er verfing sich in einer Mähne roten Haares. Ein Schrei zerfetzte fast sein Trommelfell. Dann wurde dieses Biest von ihm weggezogen und er japste nach Luft. Er blickte sich nach seinem Angreifer um.
Severus Finger hatten sich fest in Maggies Nacken gekrallt, als er sie immer weiter von Ron wegzog. Dieses kleine Miststück! Fast wäre es vorbei gewesen! „Ließ die Strophe, Ron! Schnell!" Es musste jetzt endlich beendet werden! Doch auf einmal entwandt sich Maggie aus seinem Griff und bohrte ihren Ellbogen in seinen Magen. Vor Schmerz keuchend packte er sie an ihren roten Locken. Sie zischte wütend. Dann schien die Zeit anzuhalten und er sah mit Entsetzen, wie aus dem Nichts ein Messer in ihrer Hand erschien. Kalt lächelnd stieß sie zu. Severus konnte noch nicht einmal schreien, nur ungläubig auf die Klinge in seinem Arm starren. Dann entglitten ihm auch noch die Haarsträhnen, die er noch fest umklammert hatte und sank in die Knie. Ein neues Messer erschien in ihrer Hand und er schloss die Augen. Das war also sein Ende.
NEIN! Merlin, nein! Ron rannte auf Maggie zu. Sie durfte ihn nicht töten! Nicht Severus! Oh Merlin, das ließ er nicht zu! Ohne zu zögern umschlang er mit seinem Arm ihren Hals und zerrte sie von Severus weg. Vor Schreck ließ sie das Messer fallen und es verschwand, bevor es mit dem Boden in Berührung kam. Mit wildem Blick schrie er ihr ins Ohr:
„Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot."
Ein Ruck ging durch Maggies Leib. „Nein!" Der Schrei des Mädchen war noch zu hören, als ihr Körper schon längst zu Staub zerfallen war.
Percy saß steif und starr auf seinem Stuhl und wendete nicht eine Sekunde seinen Blick von den beiden Gestalten auf dem Krankenbett. Seine Muskeln schmerzten, er war müde und erschöpft. Aber das war egal! Ron und Snape hatten sich nicht ein Mal bewegt, also würde auch er sich nicht bewegen. Es waren schon Stunden vergangen und es war keine Veränderung eingetreten. Wie lange wollten sie noch warten, bevor sie etwas unternahmen? Snape könnte jetzt schon genauso unter Maggies Kontrolle gefallen sein, wie Ron! -Bitte, Professor! Bringen Sie mir meinen kleinen Bruder wieder!-
Plötzlich zuckte die Hand des Zaubertränkelehrers. Sofort war Percy an seiner Seite. „Professor?" Der ältere Mann stöhnte leise, dann schlug er blinzelnd die Augen auf. „Professor! Endlich sind Sie wieder bei uns!" Percy wollte nach dem Arm des Professors greifen, doch Snape setzte sich auf einmal ruckartig auf. „Was ist passiert?" Snape schüttelte verwirrt seinen Kopf. „Sie wollte mich umbringen! Wieso bin ich hier? Ron?" Percy Kopf ruckte zu seinem Bruder und spürte, wie seine Beine unter ihm nachgaben. Ron starrte sie großen Augen an, dann trafen sich seine Blicke mit dem des Professors. Im nächsten Moment lagen sie sich in den Armen, tasteten ungläubig über Haare und Gesicht, als könnten sie nicht glauben, dass sie es leibhaftig waren. Dann folgten zarte Küsse und Percy wandte sich knallrot ab. Murmelnd entschuldigte er sich, um den Direktor zu holen, doch er bezweifelte, dass die Beiden ihn überhaupt gehört hatten. Schmunzelnd schlich er sich davon. Scheinbar hatten sie jetzt wirklich eine Weasley verloren, aber er war sich sicher, dass sie einen Snape dazugewonnen hatten.
Ende
Mein kleiner Extra-Kommentar:
Es ist geschafft! Maggie hat ein Ende gefunden! müde sich am Kopf kratz Verdammt, ich wollte es eigentlich spektakulärer machen! Jetzt wirkt es irgendwie gewöhnlich. Und das Ende ist seltsam. Aber alle meine Enden sind seltsam... Aber mal sehen, was ihr dazu sagt! Schön Kommentare schreiben!
Eure Ne-chan
