Disclaimer: Nichts gehört mir, leider…..
Kapitel 2
Als sie die Kammer betrat, stand er mit dem Rücken zu ihr und sah aus dem kleinen vergitterten Fenster unter der Decke des hohen Raumes. Sie verharrte vor dem hölzernen Tisch in der Mitte des Raumes. Mit keiner Regung ließ er erkennen, dass er ihre Gegenwart bemerkt hatte.
Sie starrte auf seinen Rücken. Er schien sehr dürr zu sein, Knochen stachen unter den viel zu großen Kleidern hervor. Sein Haar war auch nicht mehr silbrig. Es hatte nun einen grünlichen Ton, wie schimmliges Heu. Die Kleidung war schmutzig und abgetragen. Das war bei allen Gefangenen so.
Die Minuten zogen sich dahin, ohne dass er sich regte. Sie wurde langsam nervös.
-Er macht das absichtlich. Der Kerl hat sich kein bisschen geändert! -
"Mr. Malfoy? Können wir anfangen?" Er drehte sich nicht um. Mit einer sehr dünnen, rostigen Stimme, fragte er „Weißt du, wann ich das letzte Mal den Himmel gesehen habe?"
Aus Erfahrung wusste sie, dass es für manche Gefangene schwer war, wieder zum normalen Leben zurück zu kehren. Sich wieder normal zu benehmen – soziales Verhalten zu zeigen. Alle Verliese waren weit unter der Erde, in Tiefen zu denen nie ein Sonnenstrahl gelangte. Auch wenn man keine Dementoren mehr zur Bewachung nutzte, waren die Wände immer noch von deren langjährigem Aufenthalt getränkt mit Verzweiflung, Trostlosigkeit und tiefer Trauer. Die Gefangenen verließen nie ihre Zellen. Einmal im Monat würden Briefe ausgeteilt und zwei Mal im Jahr waren Besucher erlaubt. Die meisten Gefangenen erhielten nie Besuch und selten Post. Keiner wollte mit den Todessern in Verbindung gebracht werden.
Schließlich drehte der Mann vor ihr sich doch noch um. Er war sogar blasser als sie ihn in Erinnerung hatte. Schwarze Ringe unter seinen Augen waren Zeugen von endlosen Alpträumen. Ein langer dreckiger Bart verdeckte fast sein ganzes Gesicht. Seine stahlgrauen Augen stachen unnatürlich stechend hervor. Sie hatten aber ihre Arroganz verloren. Seine Erscheinung sprach Bände von der Hoffnungslosigkeit seines Daseins.
Sein Blick schweifte über ihren Körper und blieb dann an ihrem Gesicht hängen. Ein unverschämtes Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Das Schlammblut! Was für eine Überraschung! Hast du mich vermisst? Hat dich das Wiesel enttäuscht und nun möchtest du einen echten Mann sehen?"
-So viel zum Thema "Gebrochener Mann"! –
"Mr. Malfoy, Ich bin hier zum ersten einer Reihe von Gesprächen, die zu einer fairen Gerichtsverhandlung führen sollen."
Seine Augen wurden schmal, dann begann er zu lachen. Es klang wie brechendes Glas. „Was soll das heißen: eine faire Gerichtsverhandlung? Ihr habt mich vor 5 verdammten Jahren hier begraben und nun kümmert sich jemand darum? Was zum Teufel erwartest du, Granger? Soll ich deinen Arsch dafür küssen, weil du mir zu einer fairen Gerichtsverhandlung verhilfst?" Sein Gesicht war voller Hass.
"Mr. Malfoy, wir versuchen einen Fall nach dem anderen zu verhandeln. Es tut mir leid, dass es so lange gedauert hat. Abgesehen davon sollten sie die Füße ihrer Mutter küssen. Sie hat mich darum gebeten mich ihres Falles anzunehmen.
- Wow, das war richtig professionell. Was machst du als nächstes? Ihm den Stuhl über den Kopf ziehen? -
Sie räusperte sich und deutete auf den Tisch. „Wollen wir uns nicht setzen? Dann kann ich Ihnen die Formalitäten und die offizielle Prozedur erklären."
„Schieb' dir deine offizielle Prozedur sonst wohin!" Er lief an ihr vorbei zu Tür und begann mit der Faust auf sie einzuhämmern. „Hey, bringt mich zurück in meine Zelle. Ich rede nicht mit Schlammblütern!"
"Mr. Malfoy, das könnte ihre einzige und letzte Chance sein!" Er wirbelte herum und starrte sie aus zusammengekniffenen Augen an. „Diese Chance ist mir ziemlich egal. Mein Leben ist bereits ruiniert. Das einzige was mich noch mehr erniedrigen könnte, wäre von einem Schlammblut aus Azkaban herausgeholt zu werden." Er drehte sich um als die schwere Tür sich öffnete. Ohne ein weiteres Wort, führte der Wachmann ihn ab.
Hermine stand immer noch wie angewurzelt an derselben Stelle und starrte die Tür an. Sie wusste nicht, ob sie wütend oder froh sein sollte.
-o-
"Miss Granger, bitte, lassen sie mich noch einmal mit ihm reden. Ich habe die Erlaubnis ihn nächste Woche zu besuchen. Bitte geben sie nicht auf!"
Narcissa Malfoy saß vor ihrem Schreibtisch. Andromeda hatte sie wieder begleitet und saß neben ihr.
"Mrs. Malfoy, es tut mir sehr leid, aber ihr Sohn möchte nicht Kooperieren. Er hat mich beleidigt und sich rundweg geweigert mit mir zu reden. Und ich sehe nicht, dass er auch nur im Mindesten irgendetwas bereuen würde. Er hat immer noch dieselben Vorurteile und dieselben Ansichten. Es tut mir leid, aber ich kann nicht mehr für sie tun!" Hermines Stimme war bestimmt und sehr professionell.
Verzweifelt sah Narcissa zu ihrer Schwester. „Hermine, lass sie mit Draco reden. Vielleicht wird er danach zur Zusammenarbeit bereit sein." Hermine lehnte sich zurück. Kopfschmerzen breiteten sich langsam von ihren Schläfen aus. „Andromeda – ehrlich, sollte er mit mir zusammen arbeiten, dann schauspielert er doch nur. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er jemals von seiner Reinen-Blut-Doktrine abweichen wird."
"Das heißt, nur Ihre Vorurteile gegenüber meinem Sohn halten sie davon ab ihm zu helfen!" Narcissas Stimme war schrill.
„Ich hatte sie gewarnt dass ich nicht neutral sein werde. Was erwarten Sie eigentlich? Vielleicht erinnern sie sich noch daran, dass ich vor einigen Jahren in ihrem gemütlichen Wohnzimmer von ihrer verrückten Schwester gefoltert wurde, während ihr wohlerzogener Sohn zusah. Und wenn ich mich recht entsinne, hatten sie uns auch mit ihrer Gegenwart beehrt.
Oh, ja – ich habe Vorurteile. Unabhängig von dieser einprägsamen Erinnerung, bin ich während meiner Schulzeit von ihrem Sohn so oft beleidigt und gedemütigt worden, dass ich es nicht zählen kann. Von gestern ganz zu schweigen. Die einzige Chance, dass ich noch irgendetwas im Fall ihres Sohnes tun werde, wäre, wenn er mich auf Knien darum bitten würde. Und selbst dann habe ich Zweifel, was ich tun würde."
Im Buch "Wie berate ich Klienten bei juristischen Fragen" würde sie sicher keinen Absatz finden, in dem erklärt wurde, wie man seine Klienten beleidigte. Allerdings würde sie acuh keinen Absatz finden, in dem beschreiben würde, wie man mit Klienten umgehen sollte, die man aus am eigenen Leib zuvor erlebten Foltersituationen kannte.
Sie hatte an zwei aufeinander folgenden Tagen Ihre ganze Professionalität verloren. Dieser Fall ging ihr mehr an die Substanz als sie erwartete hatte. Mittlerweile war es ja auch gar kein „Fall" mehr. Ron war überglücklich gewesen, als sie ihm gestern gesagt hatte, dass der Fall endgültig zu den Akten gehörte.
Narcissa begann zu weinen. Hermines Gewissen begann sofort mit ihrem Entschluss zu hadern. Narcissa war eine besorgte Mutter. Es musste schrecklich sein zu wissen, dass der eigene Sohn in dieser Hölle von Gefängnis für den Rest seines Lebens rotten würde. Auch wenn ihre eigene Erziehung an seiner jetzigen Lage nicht ganz unschuldig war. Oder vielleicht gerade deswegen.
Als die zwei Frauen endlich ihr Büro verließen hatte Hermine Kopfschmerzen und fühlte sich wie ein gefangenes Tier in einem zu kleinen Käfig. Zum ersten Mal seit sie ihre Stelle angetreten hatte, ging sie früher nach Hause.
