Disclaimer: Nichts gehört mir, leider…..

Kapitel 3

Er lag auf seiner Pritsche und starrte an die Decke. Er hatte einen Fehler begangen. Vielleicht den größten in seinem Leben, obwohl er sich dessen nicht sicher war. Einige große Fehler gingen bereits auf sein Konto.

Woher war bloß plötzlich wieder dieser Stolz gekommen? Seit Jahren hatte er nichts davon mehr aufbringen können.

Er hatte den Himmel durch das winzige Fenster beobachtet. Seit die Tore von Azkaban sich hinter ihm geschlossen hatten, hatte er den Himmel nicht mehr gesehen. Es war kein klarer, blauer Himmel gewesen. Dunkle Wolken hatten sich über einem blendend grauen Himmel gejagt. Die Wolken hatten unterschiedliche Schattierungen von leichtem hellgrau zu bedrohlichem Anthrazit.

Er war wunderschön. Die Bewegung der Wolken war hypnotisierend. Er hatte sich vorgestellt, wie der Wind sich auf seinem Gesicht anfühlen würde. Wie es sein würde, wenn die ersten Regentropfen seine Haut berühren würden.

Dann hatte er die Stimme gehört. Er war immer noch in den Anblick des Himmels vertieft gewesen als er angefangen hatte zu sprechen. Dann waren die Worte in sein Gehirn gedrungen und sofort waren Erinnerungen geweckt worden. Diese kalte, hochnäsige Stimme – sie hatte ihn niemals Mister genannt. Er hatte die Hexe mit den Vogelnesthaaren sofort vor Augen. Von allen Menschen auf Erden, warum musste sie es sein? Vom ersten Moment an hatte sie ihn genervt. Im Unterricht hatte sie immer ihre Hand oben, immer die richtige Antwort parat. Kleine Schleimerin, Liebling aller Lehrer und immer so brav. Als er hörte, sie sei ein Schlammblut, hatte er sie gehasst. Oder zumindest hatte er das gedacht.

Als er sich umdrehte sah er sie direkt vor sich. Sie sah älter aus, natürlich. Sie hatte eine sehr strenge Robe an und ihr Haar in einem Knoten. Sehr erfolgreich, aber was hätte man sonst erwartet? Und dann hatte er in ihre Augen gesehen. Und dort hatte er Mitleid gesehen. Irgendwo in seinem Hirn hatte es klick gemacht. Er war kein gebrochener Mann, nicht ihr gegenüber. Er hörte auf zu denken und handelte aus purem Instinkt. Er musste aus dem Raum hinaus. Er hielt es nicht mit ihr zusammen in der Kammer aus.

Er hatte gedacht, er hätte alle Erniedrigungen hinter sich. Azkaban war voll davon.

Nach dem Krieg hatte man die Dementoren nicht mehr einsetzen wollen. Man hatte die Zellen durch einen neuen Zauber geschützt. Der Zauber nährte sich von der Kraft des Gefangenen. Je stärker der Gefangene war, desto stärker war das Schild um die Zelle. So würde der Gefangene sich selber gefangen halten bis er starb. Und das immer in der richtigen Dosierung. Als positiven Nebeneffekt, wurde durch die Verwendung der Magie des Gefangenen vermieden, dass es zu spontanen magischen Handlungen kam. Der Zauber war so pervers, dass er vom Dunklen Lord persönlich hätte stammen können.

Er musste sein Verlies selber säubern. Als er sich weigerte, hatten sie ihn dazu gezwungen.

Viele der Wachen hatten sich nach dem Krieg freiwillig gemeldet. Sie hatten Verwandte verloren und viele waren Schlammblüter oder andere Halbblüter. Man hatte ihnen erlaubt, wenn es die Situation erforderte eine Abwandlung des Imperius-Fluchs zu verwenden. Der Körper des Gefangenen wurde damit beherrscht, aber nicht sein Geist.

Sie hatten ihn die Zelle mit einer Zahnbürste schrubben lassen. Dabei war er scih der Situation vollauf bewusst. Seine Knie waren nach stundenlangem Schrubben auf dem felsigen Boden rohes Fleisch gewesen. Er hatte sich weiterhin geweigert. Nach dem vierten Mal war er zusammengebrochen und hatte stundenlang geweint. Danach hatte er stumm jede Woche seine Zelle gereinigt.

Die Zeit hier ließ sich leicht einteilen. Einmal die Woche musste er die Zelle reinigen, einmal im Monat erhielt er Post.

Es war ihm nicht erlaubt die Briefe länger als einen Tag zu behalten. Die Wachen verbrannten die Briefe vor seinen Augen. Er lernte sie auswendig, seit dem ersten Mal. Er würde sich später daran erinnern, bis ein neuer Brief kam. An einige besonders schöne erinnerte er sich noch nach Jahren.

Am Tag nachdem er Post erhielt war es ihm erlaubt Antworten zu schreiben. Sie gaben ihm nicht Pergament und Federkiel. Er musste rechteckige Seiten verwenden – Muggel Papier. Und er musste einen merkwürdigen Schreibstock verwenden. Die Wachen nannten ihn einen Kugelschreiber. Er musste alles wie ein Muggel verrichten. Sie hatten ihn zu einem Muggel reduziert – nein, einen Squibb.

Er bekam nur Briefe von seiner Mutter. Bis vor drei Jahren der erste Brief seiner Tante eintraf. Das war merkwürdig. Ihr erster Brief war voller Vorwürfe. Ihr Mann und ihre Tochter waren während des Krieges ums Leben gekommen. Er erfuhr dass seine Cousine mit Remus Lupin, dem Werwolf-Lehrer verheiratet gewesen war. Was für eine schreckliche Vorstellung! Aber auch er war getötet worden. Nun kümmerte sich seine Tante um das Kind der Metamorph-Hexe und des Werwolfs. Was für eine Missgeburt das Kind sein musste!

Seine ersten Antworten hatten aus oberflächlichen Höflichkeiten bestanden. Er hatte nicht die leiseste Ahnung, was er ihr hätte schreiben sollen. Nach einigen Briefen gingen ihm ihre Anschuldigungen gehörig auf die Nerven und er begann in ähnlichem Ton zu antworten. Es war schließlich nicht seine Schuld, dass sie ein Schlammblut geheiratet hatte und dass alle in diesem verdammten Krieg getötet worden waren. Er hatte selber unter dem Krieg und seinen Nachwehen gelitten. Hatte er nicht seine Kindheit und Jugend verloren? Er hatte seine Zukunft verloren und alles, was man Leben nennen konnte. Er existierte nur noch, war lebendig begraben.

Eigentlich hatte er nicht damit gerechnet weiterhin Briefe von ihr zu erhalten. Aber sie antwortete. Ihre Briefe wurden persönlicher und er schrieb ihr Dinge, die er so nie jemanden gesagt hatte oder gewagt hatte auch nur zu denken. Wenn er die Briefe schrieb, floss alles aus ihm heraus.

Er konzentrierte sich wieder auf die Ereignisse des Tages. Seine Gefühle waren so durcheinander. Es war so schön gewesen eine andere Stimme zu hören und mit jemand zu sprechen, der tatsächlich auch auf das Gesagte reagierte. Ihre Augen hatten eine Wärme ausgestrahlt. Und Mitleid! Aber er konnte es ihr auch nicht vorwerfen. Er hatte jahrelang in Selbstmitleid gebadet, bis er alle Hoffnungen endgültig begraben hatte und nicht mehr über vergossene Milch weinte.

Aber heute hatte er die Möglichkeit vor der Nase gehabt und er hatte sie nicht ergriffen. Noch schlimmer, hatte er die Tür zu einem neuen Leben mit aller Macht zugeschlagen.

Er schloss seine Augen. Tränen flossen in seinen Bart.

-o-

"Hermine? Kann ich reinkommen?!"

Hermine sah von ihrem Pergament auf. Andromeda Tonks stand in der Tür. Hermine war überrascht sie zu sehen. Sie hatte nicht erwartete, dass Andromeda nach dem gestrigen Debakel wieder zu ihr kommen würde. Aber sie war sehr erleichtert die ältere Frau zu sehen. Sie vergötterten Teddy und besuchten ihn so oft sie Zeit hatten. Dabei hatten sie alle auch Andromeda in ihr Herz geschlossen. Hermine hatte befürchtet die Freundschaft zu ihr verloren zu haben, nachdem sie sich geweigert hatte, den Fall weiter zu bearbeiten.

Mit einem herzlichen Lächeln nickte sie daher. „Bitte, setz' dich doch! Möchtest du eine Tasse Tee?" Nachdem Andromeda sich auf den Sessel vor Hermines Schreibtisch gesetzt hatte, lächelte sie zurück. „Nein, danke! Ich wollte dir nur das hier geben." damit stellte sie eine kleine hölzerne Schatulle auf den Tisch.

Hermine lehnte sich neugierig über den Tisch. „Was ist das?"

"Briefe von Draco." Hermine zuckte zurück und starrte Andromeda stumman.

„Er schreibt mir seit drei Jahren. Du hast gestern gesagt, du würdest nur dann weiter an dem Fall arbeiten, wenn Draco dich anflehen würde. Ich denke, diese Briefe werden das für ihn tun."

Hermine starrte gedankenverloren auf die Schatulle.

„Hermine, wirst du sie lesen? Ich weiß, dass ich kein Recht habe, dich um etwas zu bitten, aber es würde mich sehr glücklich machen, wenn du sie liest."

Sehr langsam nickte Hermine.