Disclaimer: Nichts gehört mir, leider…..

Kapitel 4

"Hermine? Schatz, wir müssen in einer halben Stunde im Fuchsbau sein."

Ron trat in ihr Büro. Nach einem Schritt blieb er erstaunt stehen. Hermine saß im Dunkeln in ihrem Lieblingssessel, Papiere auf ihrem Schoß und starrte vor sich hin. Mit einer knappen Bewegung seines Zauberstabs entzündete er einige Kerzen.

Hermines Gesicht war sehr blass. Er hatte sie nicht mehr in einem solchen Zustand gesehen seit der Schlacht. Mit einigen großen Schritten war er bei ihr und kniete sich vor sie. Er berührte ihre Schulter und sah ihr eindringlich in das Gesicht. Erstaunt sah sie ihn an.

„Ron?" Sie sah sich um und bemerkte wie dunkel es schon war. "Sind wir zu spät für das Abendessen?" Ihre Stimme klang als wäre sie aus tiefem Schlaf gerissen worden.

Ron war sich nicht sicher, was er tun sollte. Die ganze Situation erschien im so irreal.

„Hermine, was hast du da?" Er nahm die Papiere von ihrem Schoß.

Immer noch in einem traumwandlerischen Zustand sah sie zu ihm. „Briefe von Draco."

Wut kochte in ihm auf. Er stand auf und entfernte sich einige Schritte von ihr, dann drehte er sich wieder zu ihr um. „Hattest du nicht gesagt, du hast den Fall ad acta gelegt?" Seine Stimme war ruhig, aber eisig.

"Neue Indizien sind aufgetaucht." Hermine war nun auch aufgestanden. Sie sprach mit ihrer besten Gerichtsstimme.

„Woher kommen denn plötzlich neue Indizien? Verdammt, Hermine, kannst du es nicht einfach sein lassen?"

Sie stand nun sehr gerade. „Andromeda hat mir die Briefe von Draco gebracht und mich gebeten sie zu lesen. Damit ich verstehe, warum sie denkt, dass er frei sein sollte."

Sie hoffte, wenn sie Andromeda erwähnen würde, die so viel durch die Todesser verloren hatte, würde es bei Ron eine Wirkung zeigen. Wenn sie eine gerechte Verhandlung wollte, warum konnte Ron es dann nicht auch einsehen?

"Keiner mit einem Dunklen Mal am Arm sollte frei herumlaufen. Du weißt das! Du von allen solltest das wissen! Verdammt, du bist Muggel-geboren!" Seine Stimme wurde lauter.

"Ich weiß ganz genau, was ich bin. Aber ich weiß genauso gut, wenn wir sie einfach wegsperren, dann sind wir genauso wie sie. Richten ohne zu fragen. Wo ist denn da die Gerechtigkeit?" Sie öffnete und schloss ihre Fäuste.

„Keiner mit dem Mal ist unschuldig! Du weißt, wie sie es bekamen!" Er konnte es nicht glauben. Sie wusste alles über den Zauber des Dunklen Males.

„Sie haben nicht das vollständige Ritual an ihm durchgeführt. Er hat nur das Mal nicht die Verbindung." Ihre Stimme war immer noch harsch, aber sie hatte die Lautstärke gedämpft.

Ron gab ein verachtendes Geräusch von sich. „Ja, klar! Was hat er denn Tantchen noch für Märchen erzählt?"

"Ron, warum gibst du ihm nicht eine Chance? Du weißt dass man ihn unter Veritaserum befragen wird, sobald er vor Gericht steht. Ich möchte ihm doch nur die Möglichkeit geben ein ordentliches Gerichtsurteil für seine Taten zu erhalten. Schau dir doch an, was mit Sirius passiert ist."

„Das ist nicht dein Ernst! Du vergleichst Sirius mit Malfoy? Malfoy hat immer alles gehasst, außer sich selber und seiner reinblütigen Familie! Hast du denn vergessen, was er mit uns gemacht hat? Mit dir?"

„Kannst du denn nicht sehen, dass er da hinein geboren wurde? Er hatte keine Möglichkeit zwischen Gut und Böse zu wählen!"

Ron war kurz davor seine Beherrschung vollends zu verlieren. „Du hast Mitleid mit dem Batsard? Bist du verrückt? Wenn es nach mir ginge kann er in dem Loch verrotten!"

Alle Farbe wich aus Hermines Gesicht. „Das meinst du nicht wirklich!"

„Ich glaube schon! Er würde dich in den nächst besten Kerker werfen oder schlimmeres, wenn sie gewonnen hätten. Warum willst du ihm helfen?"

Ihre Augen füllten sich mit Tränen. „Das ist doch genau das, wovon ich rede. Wir haben gewonnen und deswegen haben wir die Verpflichtung Gerechtigkeit walten zu lassen und nicht Gefühle!"

Er sah sie an, als würde er sie zum ersten Mal wirklich sehen. „Jeder mit einem Dunklen Mal gehört nach Azkaban – ein Leben lang. Das IST Gerechtigkeit!"

Sie sah ihn lange schweigend an. Dann richtete sie sich zu ihrer vollen Größe auf. „Du solltest jetzt zum Abendessen in den Fuchsbau aufbrechen, sonst kommst du zu spät. Bitte entschuldige mich bei deinen Eltern! Ich habe noch eine Menge Arbeit zu erledigen"

Ron wurde sehr blass. „Das war es dann?" Seine Stimme war eisig.

„Ich weiß es nicht, Ron! Ich weiß nur, dass ich dich im Moment nicht um mich haben kann."

Ohne ein weiteres Wort, verließ er den Raum.

-o-

Als sie die kleine Kammer betrat war es wie eine Wiederholung des ersten Besuchs. Er sah aus dem Fenster, vollkommen verloren in den Anblick des Himmels. Heute war er strahlend blau mit hübschen Schäfchenwolken.

"Mr. Malfoy, können wir beginnen?"

Dieses Mal drehte er sich sofort zu ihr um. Wenn das möglich war, sah er noch gehetzter aus als bei ihrem ersten Besuch.

„Wieso bist du zurückgekommen? Um einen zweiten Blick auf die armselige Gestalt, zu werfen? Um eine gute Geschichte zu haben, wenn du mit dem Wiesel-Clan zu Abend isst?"

Eine Welle von Unwohlsein überschwemmte sie. Ungewollt hatte er einen wunden Punkt getroffen Sie liebte das monatliche Familienessen bei den Weasleys. Vielleicht würde sie niemals wieder daran teilhaben... Sie kämpfte die Gefühle zurück.

„Könnten wir die Höflichkeiten überspringen und zum Punkt kommen?"

„Was ist denn der Punkt, Miss Granger?" er zog seine Augenbraue in einer arroganten Wiese hoch, die nur er zustande brachte. Erstaunlich wie er es schaffte überheblich zu wirken, wenn er aussah wie ein Penner.

„Ihre Tante hat mir die Briefe gebracht, die sie ihr geschrieben haben. Nachdem ich sie gelesen habe, denke ich, haben wir eine gute Chance sie aus dem Gefängnis zu holen, sobald wir einen Gerichtstermin haben."

Die Gefühle in seinem Gesicht jagten sich in rascher Folge. Dann bekam er sich wieder in den Griff und sein Gesicht wurde ausdruckslos.

„Was, wenn ich keine Hilfe von einem dreckigen Schalmmblut will?"

"Mr. Malfoy, ich denke, Sie haben nur eine Chance – und die heißt Hilfe von einem dreckigen Schalmmblut annehmen. Kein andere hat Interesse daran sie hier heraus zu holen!"

Er taxierte sie. "So, wenn ich mir von dir helfen lasse – was ist in dem Spiel für dich drin? Warum machst du das?"

Sie überlegte noch, was sie antworten sollte, als sie sich schon sagen hörte „Um den Unterschied zu machen. Ich bin Muggel-geboren, aber ich lasse euch Pack nicht meine Gedanken und Gefühle korrumpieren um alles zu hassen, was reinblütig ist. Ich kann dich nicht ausstehen, aber ich will nicht in einer Welt leben, in der Menschen nach oberflächlichen Beurteilungen gerichtet werden. Das wäre wie eine Welt in der Voldemort gewonnen hätte"

Er sah sie mit einem merkwürdigen Gesichtsausdruck an, eine Mischung aus Respekt und Hass. „Du wirst niemals Dankbarkeit von mir erhalten."

„Das ist mir egal! Ich mache das hier nicht für dich!"

Erstaunt sah sie zu, wie er sich an den Tisch setzte und sie erwartungsvoll ansah. „Wie geht das nun weiter?"

-o-

Er konnte es immer noch nicht fassen. Sie war tatsächlich zurückgekommen. Nach all den Jahren gab es wieder ein Quäntchen Hoffnung. Er hatte fürchterliche Angst die Seifenblase könnte platzen und er würde sich danach noch schlechter fühlen als bisher.

Sie hatte ihm vom Veritaserum erzählt. Er mochte die Idee nicht. Wer würde das auch mögen? Aber es gab keine andere Möglichkeit.

Sie hatte ihm gesagt, sie würden ihn über das Initiationsritual befragen. Und über das Opfer das für den Zauber nötig war.

Sie hatte ihn nichts gefragt. Er wunderte sich warum. Scheinbar reichten ihr die Briefe. Er konnte sich nicht an alles erinnern, was er geschrieben hatte.

Über seine erste Begegnung mit dem Dunklen Lord vielleicht?

Während Grabbe und Goyle von ihren Vätern in den Ferien zu einem exklusiven Bordell gebracht worden waren, hatte sein Vater eine andere Art von Initiation für ihn geplant. Und er hatte weit mehr von seiner Unschuld verloren als seine zwei Freunde.

Sein Vater hatte ihn Mitten in der Nacht geweckt. Stumm hatte er ihm einen schwarzen umhang in die Hand gedrückt. Er war mit ihm appariert und auf einem Friedhof gelandet. Wie gruftig!

Es waren noch andere da gewesen und endlich hatte er den Dunklen Lord zum ersten Mal gesehen.

Und es war ganz anders als er es sich vorgestellt hatte. Er hatte sich den Dunklen Lord immer als machtvollen Magier vorgestellt. Ähnlich wie Dumbledore, nur mit weniger großväterlichem Gehabe. Jünger, dunkler, mächtiger.

Stattdessen war da dieses…Ding. Magie schien aus jeder Pore dieser Kreatur zu pulsen – zusammen mit Hass und Verachtung. Er war starr vor Schreck. Reine Panik war durch seine Adern geflossen als die roten Augen der Kreatur auf ihn gefallen waren. Und er wusste, dass der Dunkel Lord seine Angst spürte.

"Dein Sohn, Lucius?" Die Stimme war noch grauenvoller als das Aussehen dieses Etwas.

Aber sein Vater hatte sich tief verbeugt. „Ja, mein Lord!"

In diesem Moment hatte Draco gewusst, dass er verflucht war. Es gab keine Möglichkeit, wie er diesen Dämon jemals zufrieden stellen konnte. Sein Schicksal war besiegelt.

In dieser Nacht war er Zeuge geworden, wie fünf neue Todesser aufgenommen wurden.

Um Todesser zu werden musste man ein Opfer dar bringen. Aber nicht irgendeines. Das Band wurde nur stark genug, wenn man das Opfer kannte.

Wenn ein Zauberer tötete, benutzte er „Avada Kedavra". Keine Gewalt, kein Blut - eine saubere Angelegenheit. Aber dieses Ritual war älter, heidnisch. Die Opfer mussten mit der Hand getötet werden. Ein unschuldiges Opfer mit der eigenen Hand zu töten und dessen Blut für einen Dämon zu vergießen, bindet den Täter ein Leben lang.

Es ist eine Sache den ganzen Hass zu bündeln und auf eine Person zu fokussieren – es ist etwas anderes die eigene Hand dazu zu bringen den Dolch zu führen.

Er hatte in dieser Nacht fünf Morde gesehen. Es war wie in einem Schlachthof. Außer dass er nie in einem Schlachthof gewesen war.

Blut war überall. Unglaublich viel Blut. Er war zu sehr damit beschäftigt, das Gesehene zu verarbeiten um sich zu übergeben. Die anderen waren beeindruckt, wie kaltblütig er alles mit ansah. Er war der jüngste Teilnehmer. Sein Vater war so stolz auf ihn gewesen.

Nur war er nicht kaltblütig. Er war wie versteinert vor Schreck.

Sie waren bei Sonnenaufgang wieder zu Hause. Als er alleine in seinem warmen Bett lag, begann er unkontrolliert zu zittern. Ihm war bitterkalt. Er hatte sich stundenlang unter die heiße Dusche gestellt. Seine Hat war danach verbrüht, aber warm wurde ihm nicht.

Vo diesem Tage an, wurde ihm nie wieder richtig warm. In seinem Inneren gab es immer eine kleine Stelle die eisig blieb.

Auf dem Rückweg nach Hogwarts hatten Grabbe und Goyle im Zug von ihren Erlebnissen im Bordell geprahlt. Er hatte nur aus dem Fenster gestarrt. Vor seinen Augen sah er einen einzelnen rubinroten Tropfen im Licht der Fackeln glitzern bevor er ins Gras zu seinen Füßen fiel.

Während des Schuljahres hatte er versucht es zu vergessen. Er hatte es in die hinterste Ecke seines Bewusstseins geschoben und so getan als wäre es nie geschehen.

Dann wurde sein Vater nach dem Fehlschlag im Ministerium verhaftet. Der Dunkle Lord war außer sich vor Wut. Schon in der ersten Nacht nach seiner Rückkehr in den Sommerferien hatte Voldemort ihnen einen Besuch abgestattet.

Seine Tante war mit ihm erschienen und hatte über das Elend ihrer Schwester gelacht.

"Dein Vater hat versagt. Daher wirst du seinen Platz unter meinen Gefolgsleuten einnehmen. Eine wichtige Aufgabe wartet auf dich. Du wirst nicht versagen!"

Er hatte vor dieser Kreatur gestanden und den Hass gespürt, den sie verströmte. Er hatte keine Ahnung gehabt, was ihn erwarten würde, sollte er versagen. Er wusste nur, dass er zum Zeitpunkt seines Versagens besser tot wäre. Alles wäre besser als eine Strafe von diesem Dämonen zu erhalten.

Seine Mutter hatte sich vor diesem Dämon auf die Knie geworfen und um Gnade gefleht.

Als wenn dieses Ding gewusst hätte, was Gnade bedeutete.

"Still, Frau!" Er hatte es nur einmal gesagt und als seine Mutter in ihrem Leid seine Worte nicht wahrnahm, hatte er nur kurz mit seinen Zauberstab gezuckt.

Sie hatte unter grausamen Schmerzen geschrieen. „Nein!" Draco hatte versucht zu ihr zu rennen, aber seine Tante hatte ihn mit einem Fluch gebannt. Er konnte nur zusehen, wie seine Mutter sich in ihren Schmerzen wand. Das irre Lachen seiner Tante in den Ohren.

Als es endlich nach einer endlosen Ewigkeit vorbei war, hatte das Ding sich zu ihm umgedreht. „Sieh' was passiert wenn du mir nicht gehorchst!" Dann war es verschwunden.

Einige Tage später war er von seiner Tante geweckt worden. Wieder Mitten in der Nacht und wieder war es zu einem Friedhof gegangen.

Dieses Mal war eine große Menge versammelt. Es gab Todesser mit Robe und Maske, aber auch andere Magier und Hexen. Seine Tante hatte ihn zur ersten Reihe geführt. Sie trug keine Maske. Ehrfurchtsvoll waren alle vor ihr zurückgewichen.

Irgendwann war dann der Dunkle Lord erschienen. Die Schlange an seiner Seite, wie ein treuer Hund. Die Menge war in lauten Jubel ausgebrochen. Mit einem kurzen Nicken seines Kopfes hatte er sie verstummen lassen und dann hatte er begonnen zu reden. Seine Stimme klang schaurig, aber bannte alle Zuhörer.

„Ich heiße euch willkommen! Willkommen in der Stunde, in der wir Geschichte schreiben!" Die Menge klatschte.

„Ab heute werden wir nicht mehr klein beigeben! Ab heute werden wir uns nehmen, was uns zusteht! Heute bricht eine neue Ära an!"

Draco spürte das Kribbeln in ihm. Die Worte berauschten ihn ebenso wie alle anderen. Fast vergaß er wir grauenvoll diese Kreatur doch war.

„Schlammblüter, Blutsverräter und Bastarde werden ab heute auf den Platz in der Weltordnung verwiesen, auf den sie gehören: als niedere Kreaturen, die uns dienen dürfen!"

Jubel brandete durch die Menge.

„Wir sind die wahren Herrscher! Wir, reinblütige Magier werden die Welt in neuem Glanz erschaffen!"

Die Masse brodelte.

„Wir werden uns nicht mehr verstecken!" Mit einem leisen Zischen verschwanden die Masken der Todesser. Draco erkannte nun Väter seiner Schulkameraden und Geschäftspartner seines Vaters.

„Unsere Gegner werden wir wie Kakerlaken unter unseren Stiefeln zermalmen!"

Jubel und Hochrufe wurden immer lauter. Trotzdem übertönte der Dunkle Lord die Menge. „Folgt mir in eine bessere Zukunft! Folgt mir und herrscht über die Welt!"

Um Draco herum brodelte die Menge. Die Augen der umstehenden glitzerten in einem fanatischen Feuer. Auf einen Wink des Dunklen Lords hin, bewegten seine Todesser sich durch die Menge. Sie schienen sich gezielt Gruppen zu suchen.

Erstaunt sah Draco wie eine dieser Gruppen nach der anderen verschwand. Seine Tante zischelte nur verächtlich „Dummer Pöbel!" und führte ihn am Arm direkt vor den dunklen Lord.

Ohne Umschweife begann dieser zu sprechen. „Dein Vater hat versagt. Du wirst ihn ersetzen. Du sollst wissen, dass deine Einweihungszeremonie anders sein wird."

Draco war in Panik ausgebrochen. Schweiß rann ihm in die Augen. Was würden sie von ihm verlangen? Mit dem Zucken seines Zauberstabes verschwand Dracos Ärmel. Der Dunkle Lord berührte mit dem Stab seinen Oberarm und zischelte etwas. Heißer Schmerz strömte von der Spitze des Stabes in Dracos Arm und durch seinen ganzen Körper. Als er seine Augen wieder öffnen konnte, sah er den Schädel mit der Schlangenzunge auf seinem Arm.

"Ich werde dir eine Aufgabe geben. Du wirst einen meiner Feinde jagen und stellen. Sein Blut wird deine Initiation besiegeln und das Mal komplettieren." Er starrte Draco in die Augen. Wie das Kaninchen vor der Schlange, war Draco wie erstarrt. Erstarrt vor dem seelenlosen Abgrund der sich hinter den roten Schlitzen auftat.

„Entweder wir nehmen das Blut meines Feindes oder das deiner Mutter um den Zauber zu beenden!"

Diese Nacht verfolgte ihn in seinen Träumen, Die Worte waren in sein Hirn graviert worden, wie das Mal in seine Haut. Sie verfolgten ihn an jedem Tag, in jeder Stunde.

Am nächsten Tag hatte er im Tagespropheten einen Bericht über Überfälle auf mehrere Muggeldörfer gefunden. Und weiter hinten unter Vermischtem auch etwas über einen Kampf mit einer Zentaurenherde. Bei allen Vorfällen hatte es Tote gegeben, aber da es sich nicht um Magier oder Hexen gehandelt hatte und das Ministerium scheinbar versuchte die Vorfälle herunter zu spielen, wurden die Überfälle nicht weiter verfolgt.

In der Muggelzeitung, die sein Vater wegen der Börsennachrichten abboniert hatte, fand er einen größeren Artikel. Es wurde von einer okkulten Sekte berichtet, die nachdem fünf Menschen auf einem Friedhof in einem satanischen Ritual getötet worden waren, das Trinkwasser der Umgebung vergiftet hatten. In mehreren Gemeinden hatte es insgesamt 53 Tote gegeben. Im Propheten war von zehn die Rede gewesen.

Im war es kalt über den Rücken gelaufen. So einfach war es für die Todesser. Keiner stellte sich ihnen in den Weg. Wer hätte sich auch diesem Monstrum entgegen stellen können? Dumbledore etwa? Der alte schwachsinnige Tattergeis? Potter? Was für ein Witz! Jetzt glaubte er noch weniger die Geschichte, dass Potter eine Begegnung mit ihm überlebt haben sollte!

Er hatte das Ziel seiner Aufgabe einige Tage später genannt bekommen. Wie konnte er jemals diese Aufgabe zur Zufriedenheit des Dunklen Lords erfüllen? Wie konnte er nur zu hoffen wagen? Die schiere Monstrosität der Aufgabe ließ ihn fast verzweifeln. Aber er durfte nicht versagen! Sein Leben war ein einziger Alptraum geworden.

Natürlich wusste er, dass es eine Strafe für das Versagen seines Vaters war. Keiner erwartete ernsthaft, dass er erfolgreich sein würde.

Nach außen hin zeigte er eine arrogante Fassade: der Dunkle Lord hatte ihn erwählt! Der Dunkle Lord hatte Vertrauen in ihn! Würde er ihn sonst für eine so wichtige Aufgabe auserwählt haben?

Als er den Schrank bei Borgin und Burkes gefunden hatte, hatte er etwas Hoffnung geschöpft. Ein Plan hatte sich geformt. Jetzt musste er nur das Gegenstück reparieren. Allerdings hätte er nie gedacht, dass die Reparatur der schwierigste Teil des Plans war.

Er hatte im Zug zur Schule mit dem Mal auf seinem Arm. Erst recht nachdem dieser Idiot Slughorn ihn nicht in sein Abteil gebeten hatte.

Dann hatte er die Schuhe von Potter im Gepäcknetz gesehen. Seine ganze Frustration und jahrelang aufgestauter Hass brachen sich Bahn. Es hatte sich gut angefühlt diesem angeberischen Idioten in die Visage zu treten. Das Geräusch seiner brechenden Nase war unglaublich befriedigend. In diesem Moment hatte er sich machtvoll gefühlt. Fast gut genug um daran zu glauben, dass er den Wünschen des Dunklen Lords entsprechen könnte.

Er hatte am Unterricht teilgenommen, Quidditch gespielt und sogar einige Stunden mit Pansy verbracht, aber seine Gedanken waren immer nur auf ein Ziel gerichtet.

Die fehlgeschlagenen Versuche ließen das Monster ungeduldig werden und er hatte Draco ein Datum gesetzt. Der Druck wurde immer größer.

Er hatte den Vielsafttrank in der Toilette der Maulenden Myrtel gebraut. Es schien der sicherste Ort zu sein. Er hatte seinen Charme eingesetzt. Sie bewunderte ihn. Sie schmeichelte ihm. Und er erzählte ihr von seinen Sorgen. Wer würde schon Myrtel zuhören?

Merlin, wie erbärmlich das alles war! Er hatte keine richtigen Freunde und die einzige Person mit der er reden konnte war ein totes hässliches Mädchen.

An einem der Tage an denen Voldemort seinen Bericht hatte haben wollen, hatte Potter ihn gefunden. Diese Tage kosteten Draco alle Kraft und er hatte es gerade bis zu Myrtels Toilette geschafft, bevor er zusammengebrochen war. Und da kam Potter reinspaziert. Bevor er überhaupt wusste, was er tat war er schon halb durch den Todesfluch. Aber er war zu langsam und Potter hatte ihn aufgeschlitzt.

Der strahlende Held der guten Seite hatte nicht mit der Wimper gezuckt, als er ihm den tödlichen Fluch entgegen geschleudert hatte.

Von einer Sekunde zur anderen hatte er fürchterliche Schmerzen gespürt und dann war alles um ihn herum zurück getreten. Die Schmerzen waren verschwunden und zum ersten Mal seit Monaten war ihm warm und er fühlte sich entspannt. Er spürte, wie das Blut aus ihm floss und mit ihm sein Leben und er wünschte sich, dass es hier und jetzt zu Ende gehen würde.

Aber er wurde gerettet und wieder zusammengeflickt und mit etwas Glück hatte er dann auch den Weg für die Todesser nach Hogwarts vorbereitet.

Seine eigentliche Aufgabe stellte sich aber dann als unlösbar heraus. Er war der Versager, für den ihn alle hielten. Er war nicht fähig gewesen den alten Mann zu töten. Er war immer gut zu ihm gewesen. Mit keinem Wort hatte er die Ereignisse im Ministerium ihm gegenüber erwähnt. Er hatte ihn nicht schlechter behandelt als zuvor. Dumbledore musste gewusst haben, dass er der anderen Seite beigetreten war.

Im Gegenteil hatte er ihm dort oben auf dem Astronomieturm angeboten die Seiten zu wechseln. Hatte ihm einen kurzen Moment glauben machend, dass er es in sich hatte, gegen den Dunklen Lord und die Todesser antreten zu können.

Aber er hatte den Dunklen Lord gesehen. Er wusste wozu er fähig war. Dumbledore und sein zusammengewürfelter Haufen an Idealisten konnten dem nichts entgegensetzen.

Und dann hatte Snape ihn einfach getötet. So einfach war das!

Der Dunkle Lord war so erfreut über den Tod seines langjährigen Erzfeindes, dass er über das Verfehlen von Draco kein Wort verlor. Sein Vater wurde befreit und das Mal blieb einfach nur ein hässliches Tattoo – nicht mehr.

Oft hatte er sich gewünscht, er wäre in der Schlacht ums Leben gekommen. Tod erschien ihm immer noch besseres Schicksal, als hier zu sitzen. Als einzige Gesellschaft seine eigenen Gedanken und die Gewissheit versagt zu haben.

Wenn er aber ehrlich zu sich war, dann wusste er, dass er nicht einfach in den Tod gegangen wäre. Er hing an seinem erbärmlichen Leben.

Und nun würde er wieder eine Chance bekommen. Und aus Angst hier in diesem Loch zu verrotten, würde er sie ergreifen. Er wünschte sich er hätte mehr Rückgrat. Alle würden seine erbärmliche Geschichte hören. Und er würde auch diese Erniedrigung schlucken, nur um hier heraus zu kommen und weiter zu leben. Er war kein Held.