Disclaimer: Nichts gehört mir, leider…..

Kapitel 5.

"Hermine?" Ron war in ihr Wohnzimmer appariert. Er war sich nicht wirklich sicher, ob sie ihn sehen wollte. Die Verabredung zu der Wohltätigkeitsgala hatten sie vor Wochen vereinbart. Verabredung? Sie hatten eigentlich nie Verabredungen gehabt. Sie waren einfach überall hin zusammen gegangen.

Seit ihrem Streit hatte er immer wieder gewünscht, er hätte den letzten Schritt gemacht und sie wären zusammen gezogen. Er hatte sich damals eine Wohnung gesucht, als Hermine zurück nach Hogwarts gegangen war und er George mit dem Laden geholfen hatte.

Als Hermine dann in Stonehenge ihr Studium begonnen hatte, hatte sie sich in Fußnähe eine Wohnung gesucht. Damit sie bis spät Nachts in der Bibliothek lernen konnte. Er hatte dann sein Aurorentraining begonnen und viele Nachtschichten gehabt. Trotz all dieser Überlegungen hatte es nie auch nur einen Tag gegeben an dem sie sich nicht gesehen hätten.

Er hatte seit Jahren keine Nacht mehr in seiner Wohnung verbracht. Das hatte sich die letzten Tage geändert. Er hatte nicht gewusst, ob er bei ihr willkommen war. Hätten sie zusammen gewohnt, dann hätten sie sich sehen müssen. Dann wäre das Problem sicher schon aus der Welt.

Sie kam aus der Küche. Erstaunt betrachtete er ihre Jogginghose und sein altes Sweatshirt das sie trug. Sie wollte also auf die Gala verzichten, weil sie ihn immer noch nicht ertrug?

„Wieso bist du nicht umgezogen? Ich meine, auch wenn du nicht mit mir hingehen möchtest..." Mit großen Augen unterbrach sie ihn. „Nein, das ist es nicht!" Verstört sah er sie an. „Und wieso hast du dich noch nicht in deine neue Abendrobe geworfen?" Sie starrte auf ihr besockten Füße. „Ich bin gebeten worden nicht zu erscheinen." – „Was? Wieso?"

Mit einem Seufzer lies sie sich auf das Sofa fallen. „Die Leute würden eventuell nicht so viel Spenden, wenn ich anwesend bin. Mein Ruf in der Presse ist nicht mehr so gut wie er einmal war. Mein Erscheinen könnte Leute verärgern."

Ron öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Sein Gesicht lief rot an und er begann zu fluchen. „Was zum Teufel...die ganze Organisation war deine Idee. Was meinen die eigentlich damit, du könntest Leute verärgern? Sind die verrückt geworden? Die können dich nicht wieder ausladen...du bist eine der Gründerinnen dieser verdammten..." – „Ron, bitte..."

Er fasste ihren Arm und mit einem plopp verschwanden sie, um Sekunden später in Harrys und Ginnys Küche wieder auf zu tauchen.

„Harry!" Sie hörten eine Tür im oberen Stockwerk zuschlagen. Einige Sekunden später betrat Harry die Küche, Ginny im Gefolge.

Beide starten das Paar in ihrer Küche an. Hermine starrte peinlichst berührt in ihrer bequemsten Kleidung auf ihre Füße, während Ron in seinem besten Abendanzug ersichtlich wütend neben ihr stand.

Ginny und Harry tauschten einen kurzen Blick. Seitdem Ron alleine auf dem Familienessen aufgetaucht war, war allen klar, dass etwas bei den beiden nicht stimmte. Hermine arbeitete viel, hatte sich aber immer für die Familienessen Zeit genommen. Ron war allen Fragen äußerst übel gelaunt ausgewichen.

„Sie haben Hermine ausgeladen!" Ron stampfte nun auf und ab. „Diese arroganten Idioten! Wie können Sie Hermine nur ausladen – sie hat diesen verdammten Laden mit ins Leben gerufen!" Ginny hatte sich neben Hermine gestellt und schaute diese nun fragend an. „Sie haben mich ausgeladen, weil in den letzten Tagen zu viel in der Zeitung stand. Seit bekannt wurde dass ich an dem Fall Malfoy arbeite, ist die Hölle los gewesen. Daher hielten Agda und Amalie es für besser wenn ich nicht erscheine."

Ginny hatte nun den gleichen Gesichtsausdruck wie ihr Bruder. „Haben sie das vorher mit dir besprochen? Mit mir hat keiner gesprochen! Wie können diese arroganten Puten nur...Das kann doch alles nicht wahr sein!"

Ginny, Harry und Hermine hatten die Organisation für die Opfer der Todesser vor einigen Jahren ins Leben gerufen. Seit dem aber alle drei viel zu tun hatten, hatten sie zwei Frauen engagiert, die sich um die meiste Arbeit kümmerten.

„Eine solche Entscheidung können die zwei nicht alleine treffen!" Auch Harry begann nun wütend zu werden. Ron warf sich auf einen der Stühle. „Ich werde jedenfalls nicht hingehen." Hermine konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Als wenn das ein Opfer für dich ist." Ron grinste kurz zurück.

Ginny entging der kurze Blick der beiden nicht und sie war froh, dass die zwei eine so feste Basis für ihre Beziehung hatten. Ein paar Stürme würden sie wohl überstehen.

„Ich werde auch nicht gehen." Entschied sie. Harry stand da und sah alle verwirrt an. „Natürlich wird keiner hingehen." Sagte er entschieden.

Ginny begann zu Grinsen. „Nein, mein Schatz – du wirst hingehen und mich entschuldigen. Ich habe bei meinem letzten Spiel einige Verletzungen erlitten, die ich auskurieren muss. Und dann wirst du deine hübsche Rede halten und dich ebenfalls entschuldigen. So werden trotzdem Spenden eingehen. Und wenn du gehst, komm' doch auf dem Rückweg bei „El Gato" vorbei. Da wirst du nämlich Hermine, Ron und mich beim Abendessen finden und danach werden wir noch ins „Ocean's" gehen und ein wenig feiern. Und wir werden sicherstellen, das morgen haufenweise Fotos von uns in der Zeitung sind."

Ron und Harry spiegelten ihr Grinsen. Hermine zog die Brauen zusammen. „Aber schadet das nicht der Organisation? Wir haben sie schließlich zusammen gegründet..."

Ginny grinste sie kämpferisch an „Du sagst doch immer, wir haben für eine Welt gekämpft, in der man ohne Vorurteile bewertet werden soll. Also: willst du dich nun der Meinung der gehobenen Gesellschaft beugen – ohne dass sich jemand die Mühe macht, zu hinterfragen, was du eigentlich machst. Irgendwelchen Dummköpfen recht geben die alles glauben was im Propheten steht? Du tust nichts unrechtes. Wir stehen alle hinter dir und wir werden das auch zum Ausdruck bringen!" Ginny klatschte in die Hände. „Wunderbar! Harry! Gib' uns doch noch mal deine Rede. Das werden wir auch noch reinpacken."

Während Harry sich fertig anzog, bastelten Ginny und Hermine noch an seiner Rede. Mit einem Gesicht, als hätte er Bauchschmerzen verschwand Harry einige Minuten später im Flohnetz.

-o-

Sie apparierten nach einem wieder Erwarten schönen Abend in ihre Diele. Harry hatte von der Gala berichtet. Im „Oceans" hatten sie dann viel Aufsehen erregt. Harry und Ginny waren kein all zu glamouröses Paar. Sie bevorzugten ein ruhiges Privatleben. Daher gerieten alle Fotografen immer aus dem Häuschen wenn die zwei dann doch in der Öffentlichkeit auftraten.

Hermine war nervös und wusste nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollte. Ron war den ganzen Abend unterhaltsam gewesen, hatte Anekdoten erzählt und sogar in dem Club mit ihr getanzt. Ansonsten war er auf Distanz geblieben.

Erwartungsvoll sah sie ihn an. Er schien sich genauso unbehaglich zu fühlen. „Wie wäre es mit einer Tasse heißen Kakao?" entschlossen, zog sie ihren Mantel aus und ging vor in ihre Küche.

„Wir sollten reden!"

Hermine stand wie erstarrt vor dem Herd. Eine Tasse in ihrer Hand. Ein eisiger Klumpen befand sich plötzlich in ihrem Magen. Sie stellte die Tasse betont vorsichtig ab und drehte sich um.

Ron stand immer noch in seiner Jacke in der Tür zur Küche. „Gut. Dann reden wir." Ihre Stimme klang etwas aggressiv. Sie wollte nicht reden. Sie wollte nicht hören, dass es so nicht weiter ging. Sie wollte dass es so war wie vor fünf Tagen. Sie wollte von ihm in den Arm genommen werden und die Welt vergessen.

Ron zog langsam seine Jacke aus, legte sie über eine Stuhllehne und setzte sich an den Küchentisch. Hermine konnte sich nicht bewegen. Sie starrte auf einen Knopf an seiner Jacke. Er war dunkelblau und ein Faden hatte sich gelöst. Sie begann mechanisch ihren Ring zu drehen. Ihr Hirn war leer und gleichzeitig voll wirrer Gedanken. Das war das Ende. Er würde ihr sagen, dass er das alles nicht mehr mit machen konnte. Ihr Ehrgeiz und Arbeitswut und ihre Rechthaberische Art gingen ihm schon lange auf die Nerven und daher hatte er sich entschlossen...

„Ich…es tut mir leid!" Seine Stimme klang unsagbar traurig. So sollte sie klingen, wenn man eine Freundschaft und langjährige Beziehung beendete – für immer.

„Ich weiß, dass ich mich scheinbar wie alle anderen verhalten habe. Aber Hermine, du musst mir glauben…ich…" seine Stimme verlor sich im Wust ihrer eigenen Gedanken. Sie versuchte sich zu konzentrieren. Es war wichtig, dass sie hörte was er sagte.

„Ich glaube an das, was du tust! Ich kann es nur einfach nicht ertragen, dass es Malfoy ist." Er stützte seinen Kopf auf die Hände und starrte auf die Tischplatte.

Während sie versuchte sich auf das zu konzentrieren, was er sagte, liefen ihre Gedanken auf Hochtouren.

„Wir hätten früher darüber reden sollen." – Darüber dass wir nie zusammen gepasst haben. Konzentrier' dich! –

„Ich habe so viel einfach nicht…ich habe es einfach weg gepackt…" – Dass ich ihm immer ein Gefühl gebe, dass er unzulänglich ist, weil ich alles besser weiß. Konzentrier' dich! -

„ich…" – kann es nicht mehr mit dir ertragen! Oh, bitte nicht! Bitte, bitte…–

Frustriert atmete er aus. Dann begann er noch einmal. „Damals…Malfoy war uns immer im Weg." Hermine schreckte aus ihren Gedanken. Malfoy? Was hatte der damit zu tun?

„Er hat alles schwieriger gemacht. Aber das hätte ich ihm sicher verziehen." Trotzig sah er zu Hermine. „Ich kann auch sehen, dass er mit seiner Familie keine große Wahl hatte!" Dann starrte er wieder auf die Tischplatte.

„Aber ich kann die Schreie einfach nicht vergessen…und er stand einfach nur dabei und hat zugesehen…ich dachte, er wäre nur ein Idiot. Aber wie kann man denn ein menschliches Wesen sein und zusehen, wie jemand den man über Jahre kennt vor Schmerzen schreit? Und einfach nichts tun?" Seine Stimme versiegte und Hermine sah wie Tränen auf die Tischplatte tropften.

Mit ein paar Schritten war sie bei ihm und ging vor ihm in die Hocke. Sie legte einen Arm um ihn und zog ihn heftig an sich. „Oh, Ron!" Er klammerte sich an sie wie ein Ertrinkender. Er wurde von heftigen Schluchzern geschüttelt.

Als sie bei Bill und Fleur untergekommen waren, damals kurz nachdem es passiert war, hatten sie darüber gesprochen. Aber sie hatten immer nur über ihre Gefühle gesprochen, nie darüber, wie es ihm ergangen war.

Als er sich etwas beruhigt hatte, begann er zu erzählen. Wie verzweifelt er gewesen war, als er weg geführt wurde. Wie namenlos das Grauen war, als er sie hatte Schreien hören. Er hatte das all die Jahre weg geschoben, für nicht wichtig gehalten.

Es war ja vorbei und würde nie wieder passieren. Trotzdem war das Gefühl geblieben, versagt zu haben. Der Hass auf die Malfoys, auf jeden der es miterlebt hatte und nichts getan hatte. Hermine hörte schweigend zu. Hielt ihn eng umschlungen. Die Qualen, die Ron noch einmal durchlitt schnitten ihr ins Herz.

Irgendwann saßen sie erschöpft auf dem Küchenboden. Ausgelaugt von den Emotionen die sie durchlebt hatten. Aneinander geschmiegt genossen sie einfach die Nähe des anderen.

Hermine wollte die gerade erst wieder gefundene Harmonie nicht zerstören, trotzdem musste sie noch etwas klären.

Sie nahm ihren Kopf von Rons Schulter und legte die Hand an seine Wange. „Er hat nicht zugesehen. Er hat sich umgedreht. Aber er wusste, was er sehen würde. Er hat gesehen, wie Voldemort seine Mutter unter dem Cruciatusfluch hielt, während seine eigene Tante ihn mit einem Bann belegt hatte, so dass er zusehen musste. Das war das Druckmittel. Ron, ich will nicht sagen, dass ich ihm vergebe, was er getan hat– aber ich weiß nicht, ob ich nicht ähnlich gehandelt hätte unter dem Druck, dass man meine Mutter vor meinen Augen langsam und qualvoll töten würde."

Ron schloss die Augen. Er hatte so viele Jahre damit verbracht, Malfoy zu hassen. Und nun tat es fast weh, dass dieser Hass sich aufgelöst hatte.

Er wusste, dass es immer mehrere Möglichkeiten gab und dass Malfoy die schlechteste gewählt hatte. Er begriff dies nun nicht nur mit seinem Verstand, sondern konnte nun auch zulassen, dass er es auf anderen Ebenen begriff. Er konnte nun Mitleid zulassen.

„Ich werde es nicht mögen, aber ich werde dir auch keine Steine in den Weg legen. Wenn du es tun musst, dann tue es. Und wenn sich herausstellt, dass er unter den Umständen relativ unschuldig ist, dann muss ich akzeptieren, dass er wieder auf den gleiche Straßen wandeln wird wie unsereins:"

Hermine wusste wie viel es Ron gekostet hatte. Und sie war stolz auf ihn. Sie presste sich an ihn und flüsterte aus tiefsten Herzen. „Ich liebe dich! Ich will dich nie verlieren!" Als Antwort drückte er sie fest an sich. „Ich liebe dich auch! Und du wirst mich nicht verlieren!"

Nach einigen Momenten der Stille, begann er wieder zu sprechen. „Hermine, ich weiß, vielleicht ist das jetzt ein schlechter Moment, aber meinst du nicht auch, es wäre an der Zeit, dass wir eine gemeinsame Wohnung suchen?" Erstaunt sah Hermine auf. „Wie kommst du denn jetzt darauf?"

Er sah ihr ernst in die Augen. „Weißt du, wenn wir das nächste Mal streiten, möchte ich mich abends versöhnen!" Hermine lachte in seine Brust. „Gerne."