Disclaimer: Nichts gehört mir, leider…..

Kapitel 6

„Tante Cissy – Tante Cissy – guck, was Oma mir gegeben hat!" Teddy stürzte, sobald sie das Haus betreten hatte auf sie los. Er zog sie am Arm in Richtung Wohnzimmer.

„Teddy, sage wenigstens erst einmal „Guten Tag!" und lass Tante Cissy in Ruhe ankommen." Man konnte aber in Andromedas Stimme das Lächeln hören, daher zog Teddy seine Großtante weiter bis sie vor einer merkwürdigen Konstruktion im Wohnzimmer angekommen waren.

Auf dem Boden breitete sich ein schwarzes Gebilde aus, das aus flachen Latten und gerundeten Kurven zu bestehen schien. Die Latten hatten weiße Striche in der Mitte und jeweils links und rechts davon metallene Fäden. Als Teddy das ratlose Gesicht seiner Großtante sah, holte er ein Auto hervor. „Das ist eine Carrera Bahn!" Sein Gesicht strahlte. „Und ich kann damit die Autos bewegen - mit Magie!"

Er war vollkommen aus dem Häuschen. Er stellte das Auto auf eine der schwarzen Latten und holte dann ein knubbeliges Etwas und plötzlich surrte das Auto los.

„Guck, Tante Cissy!" Konzentriert, mit der Zungenspitze zwischen den Zähnen, steuerte Teddy das Auto. „Und guck, wenn ich hier zu schnell bin, dann wooooommmm!" Das Auto flog über eine Kurve hinaus und prallte gegen die Wand. „Das ist sooo toll!"

Sie konnte es kaum glauben, wie glücklich das Kind immer war. Immer fröhlich und lachend. Andromeda sagte immer, wie erstaunt sie sei, wie viel Menschen dem Kleinen Liebe schenkten.

Sie selber hatte ihn bei ihrem ersten Besuch nicht einmal anfassen wollen. Sie hatte Andromeda öfter darauf angesprochen ihn untersuchen zu lassen, ob nicht doch etwas von dem Werwolf in ihm sei. Aber Andromeda hatte sich strikt weg geweigert. Keiner würde an ihrem Enkel herumexperimentieren. Er war wie und was er war und damit basta.

Eines Tages hatte der Kleine dann auf Andromedas Schoß gesessen, die Arme nach ihr ausgestreckt und seine Haarfarbe der ihren angepasst. Er hatte so sehr wie Draco in dem Alter ausgesehen, dass sie ihn mit Tränen in den Augen auf den Arm genommen hatte. Seitdem hatte er ihr Herz erobert.

„Hat dein Onkel Harry dir die Bahn gekauft?" – Andromeda, die gerade mit einer Kanne Tee ins Zimmer trat, lachte. „Nein, die hat William damals für Dora gekauft. Aber sie hat nur einmal damit gespielt und das war es dann. Meine Güte, war William damals geknickt!" Sie kicherte. „Und dann, als Dora und Remus mal zum Essen hier waren, hat er das Ding wieder ausgegraben. Remus und er haben bis morgens um drei damit gespielt!"

Narcissa sah wie ein Schatten über Andromedas Gesicht zog. „Wie machst du das bloß?" Erschrocken hielt sie die Hand vor ihren Mund. Es war ein ungeschriebenes Gesetz zwischen den zwei Frauen, dass keine die Vergangenheit ansprach.

Müde sah Andromeda zu ihrer Schwester. Plötzlich sah sie um Jahre gealtert aus. „Setz dich, Cissy!" Sie selber nahm auf dem Sofa Platz und goss ihnen zwei Tassen Tee ein.

Lange Zeit saßen die zwei Frauen still da. Als Narcissa schon glaubte, Andromeda würde nicht mehr sprechen, fragte diese „Vermisst du Lucius?" Erstaunt starrte Narcissa ihre Schwester an.

Sie wusste nicht, was das damit zu tun hatte. „Naja, am Anfang habe ich ihn sehr vermisst. Ich musste alle Entscheidungen alleine treffen und..." und das war auch der Grund gewesen, warum sie eines Tages bei Andromeda aufgetaucht war. Sie hatte niemanden, den sie um Rat fragen konnte. Viele Dinge hatte immer Lucius entschieden. Ihre Bekannten aus der gehobenen Gesellschaft saßen entweder in Azkaban oder mieden sie. Sie hätte sowieso mit keinem über ihre Probleme sprechen können, niemand stand ihr so nahe.

Andromeda sah sie eindringlich an. „Nein, Cissy. Vermisst du IHN? Wenn etwas Lustiges passiert oder etwas Trauriges und du es jemanden erzählen möchtest. Wenn du abends nicht einschlafen kannst? Vermisst du ihn dann?"

Narcissa begann mit dem Teelöffel zu spielen. „Wir hatten nie ein gemeinsames Schlafzimmer. Das Haus ist so groß, dass ich meinen eigenen Flügel haben könnte, wenn ich wollte. Und er hat sich nie für meine Erzählungen interessiert. Nein, Andromeda – so vermisse ich ihn nicht!"

Sie hob den Blick und sah, dass Andromeda langsam nickte. „Das habe ich mir gedacht." Dann verfiel sie wieder in Schweigen. Narcissa starrte auf einen Fleck auf der Tischdecke.

Ihre Ehe war von ihren Eltern arrangiert worden. Es hatte sie nicht so schlecht getroffen wie Andromeda. Für Andromeda war die Wahl ihrer Eltern auf Goyle gefallen. Auch noch Jaher später, lief es Narcissa eiskalt den Rücken hinunter beim Gedanken, dass man sie mit diesem Bergtroll hätte verheiraten können. Hätte sie Goyle heiraten sollen, wäre sie auch mit dem erstbesten durchgebrannt. Aber Lucius war gut aussehend, klug und charmant. Zumindest wenn es ihm einen Vorteil brachte. Ihre Ehe war so verlaufen, wie die ihrer Eltern. Aber das hatte sie erwartet. Sie übernahm gesellschaftliche Pflichten, die dem Rang ihres Mannes entsprachen. Sie gab Teegesellschaften, Partys und plante die wichtigen Ereignisse für die ganze Familie ein. Lucius sah sie immer nur abends und nachdem sie ihm den gewünschten Erben geschenkt hatte, auch da nicht mehr all zu regelmäßig. Sie hatten Respekt füreinander, aber darüber hinaus keinerlei Gemeinsamkeiten, außer ihren Sohn.

Lucius fragte sie nie um Rat, er erzählte ihr auch selten etwas. Er hatte ihr auch nur davon erzählt, dass er Voldemort unterstützte, weil plötzlich Auroren vor der Tür gestanden hatten. Das war beim ersten Krieg gewesen. Sie hatte es hingenommen und nicht in Frage gestellt. Sie hatte die Reichweite dieser Entscheidung damals nicht verstanden. Das sollte ihr erst Jahre später klar werden, als ihre gesamte Familie vor dem Zusammenbruch stand.

Sie hatte ihr Leben lang nichts in Frage gestellt. Nicht die Erziehung ihrer Eltern, die sie lehrten, dass das reine Blut der alten Familien sie über alle anderen erhaben machte. Nicht die Entscheidungen ihres Ehemannes, der sie letztendlich in Chaos gestürzt hatte.

Andormedas Ungehorsam gegenüber der elterlichen Wahl hatte sie erschreckt. Ebenso wie Bellatrix Fanatismus sie erschreckt hatte. Sie selber war das geborene Lamm. Sie hatte nie etwas gewagt, nie an etwas geglaubt – sie war immer nur anderen gefolgt und hatte deren Ansichten wiederholt.

Seit der Nacht im Wlad, als sie den Dunklen Lord angelogen hatte, hatte sie angefangen eigene Entscheidungen zu treffen. Sie hatte schon davor angefangen ihre Werte zu hinterfragen. Die Werte, die ihre Familie zerstört hatten, die ihr nur Leid und Schmerz gebracht hatten.

Hätte sie Lucius doch nur früher wiedersprochen! Oder ihren Eltern! Wie hätte ihr Leben sein können...

„Ich war über zwanzig Jahre lang glücklich verheiratet. Als ich mich das letzte Mal von William verabschiedete, liebte ich ihn sogar mehr als an dem Tag als ich ihn heiratete. Wir hatten die letzten Wochen, bevor er in den Untergrund ging versucht jede Minute, jede Sekunde zu genießen, weil es die letzte hätte sein können. Es war wie zweite Flitterwochen. Wir lebten in den Tag hinein und ignorierten alles um uns herum. Als Daedalus uns vor einer Ratia der Schnapper warnte und William gehen musste, brach es mir das Herz. Monatelang habe ich bei jedem Klopfen mit der Hiobsbotschaft gerechnet. Wochenlang diese Unsicherheit, ob er noch lebte. Als Remus mir dann die Nachricht überbrachte, er sei tot, brach meine Welt zusammen. Aber wir hatten auch darüber gesprochen. Er hatte gewusst, wie sehr ich ihn liebte und wie gerne ich mit ihm hatte alt werden wollen. Er hat mir auch gesagt, wieviel ich ihm bedeutet habe." Andromeda holte tief Atem.

„Und ich hatte meine Tochter und Remus...und das Baby!" Tränen rannen über ihre Wangen. Fahrig strich sie sie weg. „Als man mir nach der Schlacht die Nachricht überbrachte, dass die zwei auch...der Kleine hat doch nur noch mich! Er braucht jemanden, der für ihn stark ist! Und dann kam Harry und erzählte mir etwas Unglaubliches. Er hatte Remus gesehen – nicht seinen Geist, sondern...keine Ahnung, jedenfalls...es geht ihnen gut und sie sind glücklich. William wartet also auf mich! Sie erwarten, dass ihr kleiner Sohn und Enkel glücklich ist. Und William würde mit mir böse sein, wenn ich mich nicht zusammen reiße und das schöne im Leben sehen kann!"

Erstaunt hatte Narcissa zugehört. Nun lächelte Andromeda sie an „Siehst du, Narcissa: ich habe immer nach meinem Herzen gelebt. Das hat mir das größte Glück, aber auch das größte Leid gebracht. Trotzdem würde ich es nicht ändern wollen. Du hast dein Herz nicht gehört und daher ist dir viel Leid erspart geblieben. Aber, sei mir nicht böse, auch viel Glück verloren gegangen. Ich sehe, wie sehr du deinen Sohn liebst und daher möchte ich dir helfen. Damit du auch einmal das Glück spürst, dass ich in solchem Überfluss mein Leben lang hatte."

Narcissa starrte trübsinnig auf die Tischplatte. Sie war nie mutig gewesen. Sie hätte sich nie gegen ihre Eltern stellen können. Und sie hatte nie jemanden gefunden, der für sie das bedeutet hätte, was Andromeda in William gesehen hatte. Ihr Leben war nicht schlecht gewesen, aber es hätte einen anderen Wert haben können.

Andromeda legte die Hand auf ihren Arm. „Cissy, ich sehe, dass du nicht über deinen Schatten springen kannst. Und doch sehe ich auch, wie du deine Vorurteile langsam überwindest. Ich weiß, dass du nicht so hart bist. Du hast einen weichen Kern. Ich sehe jeden Tag mehr von der alten Cissy, mit der ich im Garten auf die Bäume geklettert bin, bis Mutter uns tadelte. Glaube mir, wir kriegen unser Leben wieder in den Griff!"

Narcissa verstand noch immer nicht, wie ihre Schwester ihr so leicht verzeihen konnte. Sie hatte so ein großes Herz. Mit Tränen in den Augen, lächelte sie ihre Schwester an. „Danke!"

-o-

Er lag auf der Pritsche und starrte die Decke an. Seine Mutter war gekommen. Er hatte sie seit Jahren nicht mehr so glücklich gesehen. Wenn es nicht so unpassend wäre, hätte er gesagt sie sei vollkommen aus dem Häuschen gewesen. Aber eine Malfoy war nicht aus dem Häuschen, sie grinste nicht und schon gar nicht klatschte sie aus Freude in die Hände. Aber seine Mutter hatte sich sehr verändert. Sei es nun wegen Andromeda oder weil sein Vater nicht da war. Sie war irgendwie wärmer.

Während der endlosen Stunden des Nichtstuns hatte er sich in seine Erinnerungen vergraben. Er wusste wie pathetisch das war. Aber hier war es egal. Er konnte träumen und sich ein schönes Leben ausdenken und keiner würde ihn dabei ertappen. Es interessierte sowieso keinen, was er machte.

Eine seiner liebsten Erinnerungen waren Ferien, die er mit seiner Mutter in Frankreich am Meer verbracht hatte. Sie waren alleine gefahren, weil sein Vater in letzter Minute wegen der Geschäfte zu Hause bleiben musste.

Sie waren barfuss am Meer gelaufen und hatten Muscheln gesammelt. Sie hatte ihn umarmt und viel gelacht. Sie war so vollkommen anders als zu Hause. Er wusste, dass es Schwäche bedeutete zu viel Gefühl zu zeigen. Trotzdem hatte er alles wie ein Schwamm aufgesogen.

Jedes Jahr am ersten September hat er am Bahnsteig gestanden und die anderen beobachtet. Wie Mütter ihre Söhne umarmten und küssten. Wie Väter ihnen auf die Schulter schlugen, letzte Aufmunterungen ausgesprochen wurden. Seine Eltern hatten ihm die Hand gereicht, ihm alles Gute gewünscht und waren verschwunden.

Beim ersten Mal hatte er Tränen in den Augen. Da hatte er den Haufen rothaariger Kinder und Erwachsener gesehen. Sie schimpften und lachten übereinander, aber trotzdem konnte man die Liebe zu einander deutlich erkennen. Er hasste sie! Sie waren schwach!

Das Prinzip der Liebe war im Hause Malfoy nicht hoch angesehen. Im Gegenteil, es war eine Schwäche, die es zu vermeiden galt.

Die Wahrheit war damals schon, dass er schwach war und nur von Neid zerfressen. Sein Vater war immer distanziert zu ihm. Er war der Sohn, den ein Malfoy benötigte um den Namen weiter zu geben. Aber er hatte ihm nie Wärme entgegen gebracht.

Er hatte seine Frau auch nicht besser behandelt. Draco wusste, dass seine Großeltern die Ehe arrangiert hatten. Seine eigenen Eltern hatten nicht viel in dieser Sache zu sagen. Die Reinblütigkeit konnte nur durch gezielte Hochzeiten weiter bestehen.

Sein Vater hatte auch schon für ihn einige Kandidatinnen ausgesucht gehabt. Vielleicht hatte er ja doch Glück im Unglück. Wenn er sich an seine Mutter erinnerte, wenn sie an der Seite seines Vaters zu einer gesellschaftlichen Veranstaltung ging, hatte sie ebenso hoffnungslose Blicke gehabt, wie seine Mitgefangenen.

Jetzt war seine Mutter frei. Sie hatte erzählt, wie es sein würde, wenn er wieder zu Hause wäre.

Zu Hause….es hörte sich merkwürdig an. Dieses große Haus mit den ganzen verstaubten Antiquitäten war kein Heim und sicher kein zu Hause zu dem er zurückkehren wollte. Trotzdem wäre alles besser als hier. Aber wie würde es sein? Er hatte die Schule nicht beendet. Er hatte nie daran gedacht einen Beruf zu erlernen. Er hatte immer gedacht, sein Vater würde ihn in die Familiengeschäfte einweisen.

Wie wäre es wieder täglich etwas zu tun zu haben? Der Gedanke an ein Leben außerhalb dieser Mauern war erschreckend.

Sie hatte ihm von den Problemen erzählt, die „Miss Granger" bekommen hatte, weil sie seinen Fall übernommen hatte.Was hieß es heute ein Malfoy zu sein? War er ein Geächteter der Gesellschaft? Sein Mutter hatte ihm geschrieben, dass sie kaum noch ausging. Sie besuchte fast nur noch ihre Schwester. Keine der alten Bekannten wollte sie noch sehen. Wie würde er aufgenommen?

„Draco, du solltest dankbar sein! Sie tut so viel für uns! Und sie hat es nicht einfach!"

Dankbarkeit? Auch etwas das im Wörterbuch der Malfoys nicht vorkam.

„Mutter, sie ist ein...eine Muggelgeborene..." Seine Mutter sah ihn ernsthaft an. „Draco, die Welt da draußen hat sich verändert! Es ist egal, ob sie von Muggel abstammt! Selbst wenn viele nicht an die neue Weltordnung glauben, in der Muggelgeborene, Zwerge und Elfen gleichberechtigt mit Zauberern sind, muss man sich mit seiner Meinung zurück halten."

Sie hatte seine Hand ergriffen. „Draco, es ... ich bin auch mit all diesen Dingen aufgewachsen und habe sie an dich weiter gegeben. Dein Vater hat danach gelebt. Aber... ich sehe, wie viel glücklicher Andromeda war. Draco, folge deinem Herzen. Ich weiß, dass du nicht so kalt bist wie dein Vater. Du kannst das alles noch ändern Jetzt hast du eine neue Chance! Bitte, nutze sie!"

Tränen waren ihr die Wangen hinab gelaufen. Ja, er wollte diese Chance nutzen – er war nur vollkommen verwirrt. Was würde auf ihn zukommen? Und wenn das Verfahren doch negativ ausging? All die Hoffnungen und alles wieder um sonst?

Er hatte seine Mutter stumm in die Arme genommen. Es musste einfach alles wieder gut werden.