Disclaimer: Nichts gehört mir, leider…..

Kapitel 7

Zwei der Wachen, die ihn aus Azkaban überführt hatten, führten ihn nun in den Gerichtssaal. Wie ein Amphitheater – würden sie ihn später den Löwen vorwerfen? Nein, die saßen heutzutage auf der Zuschauertribüne.

Ein kurzer Blick in die Runde, sagte ihm, dass der Saal berstend voll war. Er war Granger dankbar, dass sie darauf bestanden hatte, dass man ihm am Morgen der Verhandlung den Bart abnahm und Duschen ließ. Der Bart hatte die Wache nur einen knappen Wink mit dem Zauberstab gekostet. Danach hatte man ihn in eine Dusche geführt. Die Wache hatte ihn stets im Auge behalten. Was hätte er machen sollen? Sich unter dem Wasserstrahl ertränken? Danach hatte er frische Kleidung vorgefunden. So sauber und ordentlich hatte er sich seit Jahren nicht gefühlt. Aber auch nicht so verletzlich.

In der Mitte des Runds stand ein hoher Stuhl. Neben dem Stuhl stand Granger in ihrer offiziellen Robe. Sie starrte ihm ausdruckslos entgegen. Sobald er saß, schossen Ketten hervor, die ihn an den Händen und Füßen banden.

Granger hatte ihn darauf vorvereitet. Sie hatte ihm auch erzählt, dass sie versucht hatte, die Verhandlung unter Ausschluß der Öffentlichkeit zu halten. Aber Kingsley Shacklebolt, der Minister persönlich hatte auf einer öffentlichen Verhandlung bestanden. Außerdem würde der Minister den Vorsitz übernehmen. So würden alle Vorwürfe zum Schweigen gebracht. Sie hatte in kühlem Ton erzählt, dass der letzte Artikel im Tagespropheten eine haarsträubende Geschichte gebracht hatte, in der man ihr vorgeworfen hatte, dass sie sich hatte kaufen lassen. Gegen eine Million hätte sie sich bereit erklärt Dracos Fall zu übernehmen.

Er hatte sie nur ungläubig angestarrt. „Unser Vermögen wurde konfisziert!". „Das weiß ich, aber es gehen Gerüchte, dass ihr Vater Geld beseite geschafft hätte. Muggel-Konten in der Schweiz oder ähnliches."

Ein sauertöpfisch aussehender Mann trat auf ihn zu. Er befragt ihn nach seinen Personlien. Dann fragte er ihn, ob er freiwillig das Veritaserum zu sich nehmen würde. Nachdem Draco seine Zustimmung gegeben hatte, wurde ein Glas gebracht. Die Fessel um seine rechte Hand lockerte sich spürbar. Als er das Glas in die Hand nahm, sah er aus den Augenwinkeln, dass sich alle versammelten wie eine Person nach vorne beugten. Er trank das Glas in einem Zug leer.

Shacklebolt sprach nun zum ersten Mal. „Miss Granger, fangen sie mit der Befragung an. Wenn danach noch Fragen offen sind, werden wir das Verhör fortsetzen."

Hermine trat vor. Sie hatte mit ihm die Reihenfolge durchgesprochen. Sie würde mit seiner ersten Begegnung mit Voldemort anfangen, dann zur Entstehung des Mals übergehen, zum Überfall auf Hogwarts, der zum Tod des Schulleiters führte und dann seine Rolle in der Schlacht durchsprechen.

Er konzentrierte sich auf sie, versuchte zu vergessen, dass andere im Raum waren. Trotzdem hörte er manchmal Ausrufe aus dem Publikum. Er konnte nichts schönreden und wollte es aber auch nicht. Die Leute hatten sich sowieso eine Meinung über ihn gebildet – es konnte nicht schlimmer werden. Es war ihm egal.

Am Ende drehte sich Granger um. „Ich bin mit der Befragung zu Ende." Draco sah zu Shacklebolt. Dieser fuhr sich mit der Hand über die Stirn. „Wir machen eine Pause von 30 Minuten und dann werden wir noch einige weitere Fragen haben."

Er wurde wieder hinausgeführt. Granger begleitete ihn in eine kleine Kammer, zusammen mit der obligatorischen Wache. „Möchten Sie etwas Essen oder Trinken? Die Toilette benutzen?" Er setzte sich auf einen der Stühle, vergrub sein Gesicht in den Händen und schüttelte den Kopf. „Ich...würde gerne alleine sein..." Die vielen Menschen machten ihm Angst. Er hatte in den letzten fünf Jahren immer nur ein oder zwei Personen auf einmal gesehen. Heute war er von vier Wachen hergebracht worden. Er hatte einen Portschlüssel benutzt – echte Magie gespürt und dann die vielen Menschen im Saal. Er brauchte einfach einen Moment Ruhe.

„Ich komme kurz vor Ende der Pause wieder. Aber die Wache muss bleiben. Es tut mir leid." Er hörte wie sich ihre Schritte entfernten und sich die Tür öffnete und schloß. Sobald sie verschwunden war, kam er sich verlassen vor. Er wußte nicht wie das Spiel gespielt wurde. Er wußte nicht mehr, wie man sich vor anderen Menschen verhielt. Er wollte aber auch nicht mehr alleine sein. Er war so lange alleine gewesen.

Tränen brannten in seinen Augen.

Als sie wieder erschien, saß er noch genauso da und versuchte sich in den Griff zu bekommen. „Es wird Zeit." Als er keine Anstalten machte, sich zu bewegen, trat sie an ihn heran. „Wir müssen wieder!" Sie beugte sich über ihn. Er konnte ihr Parfüm riechen. Er konnte sich nicht bewegen, er konnte da nicht noch einmal raus. Sie hockte sich vor ihn und hielt ihn an den Schultern. „Mr. Malfoy...Draco, alles in Ordnung?" Er hob sein Gesicht und sah ihr in die Augen. „Ich kann das nicht noch mal! Bitte, ich..." Sie sah alamiert aus. Sie blickte zur Wache auf. „Könnten sie uns bitte ein Glas Wasser besorgen? Danke!"

Dann sah sie ihn wieder an. „Draco, es läuft alles prima. Es kann nicht mehr lange dauern. Aber wir müssen da jetzt wieder raus! Wenn wir nicht wieder gehen, denken sie ich habe nicht alles wichtige gefragt und halten dich für schuldig! Draco, du kannst das!"

Die Wache hielt das Glas zwischen ihre Gesichter. Hermine sah angenervt zur Wache auf. „Danke, auch!" Sie nahm das Glas und hielt es Draco hin. „Trink! Das Veritaserum trocknet den Körper aus. Dann geht es dir bestimmt besser!"

Er nahm das Glas in seine zitternden Hände und trank langsam. Als er fertig war, zog Hermine ihn an den Schulter nach oben. Er spürte wie ihr Griff kurz fester wurde, dann ließ sie ihn los. „Du kannst das!" Aufmunternd lächelte sie ihn an.

Wie eine Marionette folgt er ihr nach draußen. Er wurde wieder festgeschnallt. Man brachte ihm ein neues Glas Veritaserum, dass er wieder ohne Umstände trank.

Shacklebolt begann persönlich mit seinen Fragen. „Mister Malfoy, haben sie jemals ein magisches Wesen getötet? Zauberer, Hexe, Elfe und dergleichen?" – „Nein." Ein Raunen ging durch die Zuschauer. „Haben sie weitere Aufgaben von Voldemort erhalten?" – „Nein, nachdem Dumbledore tot war, wurde ich nicht mehr beachtet."

„Haben Sie an den Übergriffen auf Muggel, Muggelgeborene oder andere magische Wesen teilgenommen?" – „Nein, die Übergriffe waren für das Fußvolk. Die Elite der Todesser, zu der ich zählte, hat diese Übergriffe höchstens geplant, aber nie daran teilgenommen." – „Haben Sie solche Übergriffe geplant?" – „Nein, ich war nicht wichtig genug zum Planen."

Shacklebolt sah sich um. „Haben andere noch Fragen?" Er nickte jemanden zu, Draco konzentrierte sich wieder auf einen Fleck vor ihm auf den Boden. „Während der Schlacht um Hogwarts hast du öfter versucht, uns zu behindern. Wieso?" Erstaunt hob er den Kopf. Potter? Seit wann, durfte er in einem Gericht Fragen stellen? Oh, ja, der Held durfte sicher alles. Er sah gut aus, nicht so gehetzt wie das letzte Mal als er ihn getroffen hatte. Kein Wunder!

Er schluckte. „Ich glaubte nicht daran, dass irgendjemand und schon gar nicht du, Potter, den Dunklen Lord zur Strecke bringen könnte! Ich mag vieles sein, aber dumm bin ich sicher nicht. Er war viel machtvoller als irgendjemand sonst. Und ich habe leider in dir nie diese Art von Macht gesehen."

Zu seinem Erstaunen brach Potter in lautes Lachen aus.

Die Fragen danach, waren alle eine Abwandlung der ersten: hatte er getötet.

„Minister Shacklebolt?" Eine Stimme aus der hinteren Reihe erhob sich. „Auror Weasley. Bitte stellen Sie ihre Frage."

Durfte denn wirklich jeder Fragen stellen? Am Ende kam noch Pansy an die Reihe.

„Wenn Sie frei gelassen werden, was wird ihre Haltung gegenüber Muggeln, Muggel-geborenen und anderen magischen Wesen sein? Wesen, die sie bisher verachtet haben?"

Der Tag war anstrengend gewesen und sein Hirn fühlte sich an, als wäre es aufgebläht. Und ihm fiel wirklich keine Antwort mehr ein. Er wollte zurück in seine Zelle, alleine sein und nie wieder Fragen beantworten müssen.

„Ich habe genug reinblütige Zauberer gesehen, die unaussprechliche Dinge taten, dass ich selbst Werwölfen gegenüber keine all zu großen Vorbehalte mehr aufbringe.

Meine Mutter und Tante werden mir sicher helfen meine Vorurteile zu überwinden."

Dann übernahm wieder Shacklebolt. „Nun wissen wir, was sie getan oder nicht getan haben. Was mich noch interessieren würde ist, ob sie etwas bereuen?"

Wieder ging ein Ruck durch die Menge. Alle beugten sich vor. Dracos Kehle schnürte sich zu. Er fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. Schweiß brach ihm aus.

Bereuen? Was sollte er bereuen? „Mister Malfoy?"

Hektisch sah er auf. Öffnete den Mund, schloss ihn wieder. Er musste etwas sagen und er konnte nicht lügen.

„Bereuen? Sagen Sie mir, was ich bereuen soll. Ich habe auf die falschen Leute gehört – das bereue ich. Aber die falschen Leute waren meine Eltern. Wird man nicht dazu erzogen, seinen Eltern zu gehorchen?

Soll ich bereuen, dass ich nicht mehr vertrauen in Potter gehabt habe? Ich habe das Ungeheuer gesehen, dass er besiegt hat. Ich habe seine Macht am eigenen Leib gespürt.

Ich bereue, dass ich nicht stärker bin. Das ich immer nur versucht habe aus der Sache mit heiler Haut davon zu kommen. Aber ich wollte leben und hätte ich nur einen falschen Schritt gemacht wäre ich tot gewesen."

Er machte eine kurze Pause und Shacklebolt drehte sich schon um. „Nach Jahren in Azkaban, wäre ich allerdings lieber tot gewesen!"

Shacklebolt sah ihn lange an, nickte dann. „Noch Fragen? Keine? Gut – wir ziehen uns zu Beratung zurück."

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Er konnte es noch gar nicht fassen. Sie hatten ihn tatsächlich frei gesprochen. Nach seinen letzten beiden Antworten hatte er damit nicht mehr gerechnet.

Er hatte eine kleine Ewigkeit alleine mit der Wache in der Kammer gesessen. Man hatte ihm etwas zu Essen gebracht. Die meiste Zeit hatte er sich in seine eigene Welt zurückgezogen und aus dem Fenster gestarrt. Der Himmel war einfach nur blau gewesen – ohne Wolken. Manchmal flog eine Taube vorbei oder eine Boteneule.

Als man ihn holte und dann das Urteil verlas hatte er alles wie aus weiter Ferne wahrgenommen. Die Fesseln waren verschwunden und seine Mutter war auf ihn zugestürmt und hatte ihn umarmt.

Erschrocken war er zurückgewichen. Er war körperlichen Kontakt nicht mehr gewöhnt – schon gar nicht wenn er so plötzlich kam. Als er den verletzten Ausdruck seiner Mutter gesehen hatte, hatte er sie fest an sich gedrückt.

Granger hatte ihre Sachen zusammen gepackt und sah aus, als wollte sie ohne ein weiteres Wort verschwinden. Er hatte Weasley am Rande der Zuschauerplätze gesehen, wie er auf sie wartete.

„Miss Granger!" Sie hatte sich erstaunt umgedreht. Er hatte sich von seiner Mutter losgemacht und war ein paar Schritte auf sie zugelaufen. „Ich …. Ich wollte…" Sie starrte ihn an. „Sie müssen sich nicht bedanken. Wie gesagt, ich habe das nicht für sie getan!" Damit hatte sie sich umgedreht und war gegangen.

Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie so reagieren würde. Es hatte ihm einen Stich versetzt. So einfach würde sich alles nicht ändern.

„Draco, lass uns gehen! Andromeda wartet – du musst unbedingt Teddy kennen lernen!" Seine Mutter zog ihn mit sich zu ihrer Schwester. Erschrocken starrte er Andromeda an. Sie sah genauso aus wie Bellatrix. Nein, nicht genauso. Sie hatte Lachfältchen und keinen irren Ausdruck in den Augen.

„Schön dich persönlich kennen zu lernen, Draco." Sie hielt ihm die Hand hin. An der anderen Hand hielt sie einen kleinen Jungen, der ihn neugierig anstarrte.

Ihr Händedruck war fest. Er fühlte sich gut an. „Und das hier ist Teddy. Molly hat ihn gerade gebracht, als sie hörte, dass die Verhandlung beendet sei."

„Du bist aber dürr. Hast du nicht genug zu essen bekommen? Warst du krank? Ich war auch mal krank und da habe ich alles wieder rausgekotzt. Da haben alle nachher gesagt, ich sei so dürr und müsste viel essen! Magst du Kuchen? Ich mag am liebsten Schokoladenkuchen! Oma kann einen ganz tollen backen. Den macht sie sicher mal für dich. Vielleicht zu deinem Geburtstag. Wann hast du denn Geburtstag? Ich habe.." Lachend hielt Andromeda ihm den Mund zu. „Teddy, überfall ihn nicht so! Ihr könnt sicher später noch Freundschaft schließen!"

Narcissa nahm lächelnd Dracos Hand „Lasst uns endlich nach Hause gehen!"

- Ende -