Tach, Leute! :) Wie immer wünsche ich viel Spaß beim Lesen und habe mich sehr über den Review gefreut. ;)

Wulfbrain: Mir gefällt's, dass du die Black magst. ;) Ich versuche auch, sie so darzustellen, dass nicht alles und jeder schlecht ist.

Ja, die Sache mit den Sternen ist wirklich verbreitet. Sie ist aber auch irgendwie so nahe liegend Namen wie Sirius, Orion oder Andromeda.

*lol* m oder f? Was glaubst du denn?^^


DISCLAIMER: WELT UND PERSONEN GEHÖREN J. K. ROWLING.


Abendessen bei Prof. Slughorn (2/2)

Gefühlte zehn Stunden später warf Slughorn endlich einen Blick auf die Uhr.

„Du meine Güte, es ist ja schon halb neun! Unglaublich wie die Zeit vergehen kann... Dann machen Sie sich mal schnell auf den Weg in Ihre Schlafsäle. Miss Evans, wir unterhalten uns morgen nach dem Unterricht über Ihre Entdeckung, ich habe ein Buch, das Sie interessieren könnte. Nun aber los, bevor Sie zu spät auf den Fluren erwischt werden."

Kaum hatte Slughorn die Tür hinter ihnen zu gemacht, strebte Sirius schon zum Gryffindor-Turm, aber er hatte keine zwei Schritte gemacht, da legte Malfoy schon eine Hand auf seine Schulter. Hilfe suchend sah Sirius sich um, aber Lily war sofort ärgerlich davon gerauscht, McKinnon unterhielt sich mit Prewitt und McCormack, während sie davongingen, Bones war schon auf dem Weg zum Hufflepuff-Gemeinschaftsraum und James und Longbottom waren ja schon vor langer Zeit in den Krankenflügel gegangen.

„Komm doch ein paar Meter mit uns mit, Sirius", sagte Malfoy freundlich.

„Es ist gleich 21 Uhr, ich muss in den Gemeinschaftsraum", antwortete Sirius automatisch. Malfoy lächelte.

„Schön zu hören, dass dir die Regeln anscheinend doch nicht so unwichtig sind. Das lässt hoffen."

Malfoys herablassende Art war wie heißes Öl für Sirius' schwelenden Zorn.

„Was willst du, Malfoy?", blaffte er.

„Warum gleich so gereizt, Black?", fragte der Angesprochene gelassen zurück. „Man wird sich doch noch in aller Ruhe unterhalten können."

„Sag endlich, was du willst, damit ich verschwinden kann!", fauchte Sirius.

„Es geht um dich, Sirius", sagte Narzissa. Was für eine Überraschung.

„Ich weiß, du bist es leid, darüber zu sprechen, aber tust du das alles wirklich nur für diesen Jungen? Bist du bereit, so viel aufzugeben?"

„Was tue ich nur für welchen Jungen? Und was bin ich bereit aufzugeben?"

Narzissa machte eine ungeduldige Handbewegung.

„Für diesen Potter-Jungen!", erklärte sie mit leicht gereizter Stimme. „Machst du das alles wirklich nur für diesen Jungen, der sich gerade so kindisch wie nur irgend möglich aufgeführt hat?"

Sirius verdrehte die Augen.

„Ich habe euch das alles schon letztes Jahr gesagt und an meiner Meinung hat sich nichts geändert. Eure scheiß Reinblütigkeit interessiert mich einen Dreck!"

Lestrange griff nach seinem Zauberstab, aber Malfoy hielt ihn zurück.

„Und James hat damit nichts zu tun, also lasst ihn aus dem Spiel!", fügte der Gryffindor hinzu.

„Wer sollte es sonst sein?", fragte Malfoy.

„Willst du etwa enden wie Andromeda?", fauchte Narzissa.

Darum ging es also.

„Lass Andromeda aus dem Spiel!", knurrte Sirius. „Sie hat niemandem was getan. Onkel Cygnus hätte sie nicht verstoßen dürfen!"

„Sie hat ein Schlammblut geheiratet!"

„Na und?", brüllte er. „Dann hat sie eben einen Mugglestämmigen geheiratet. Wen interessiert das schon?"

„Uns", antwortete Malfoy kalt. „Und dich sollte es besser auch interessieren. Potter und Gryffindor sind nicht gut für dich. Die Schlammblüter und Blutsverräter färben auf dich ab."

„Ich bin stolz, ein Gryffindor zu sein", stieß Sirius zwischen den Zähnen hervor.

„Genau da liegt das Problem."

„Sirius, denk darüber nach", versuchte Narzissa es noch einmal im Guten. „Vater hatte keine Wahl. Andromeda hat unsere Familie verraten. Es ist ihm nicht leicht gefallen. Kündige Potter die Freundschaft und erinnere dich daran, wem deine Loyalität wirklich gehört."

„Du würdest es nicht bereuen, Black", fuhr Malfoy fort. „Regulus steht in Slytherin nach wie vor zu dir. Der Rückweg wird für dich immer offen sein. Der Erbe der Blacks ist in unseren Reihen immer willkommen."

Regulus glaubt diesen ganzen Scheiß.

„Ich warne euch, lasst bloß Regulus in Ruhe!"

„Sonst was, Black?", meldete sich erstmals Lestrange zu Wort. „Dein Bruder ist wenigstens ein wahrer Black und Slytherin!"

„Wenn wir uns um ihn kümmern, dann nur, weil du ihn im Stich gelassen hast", sagte Malfoy. Sirius spürte, wie ihm kalt wurde.

„Ich habe Regulus nie im Stich gelassen."

„Wer hat ihn am ersten Tag im Hogwarts-Express begleitet?", fragte Narzissa. „Wer hat ihm Hogwarts gezeigt? Wer hat ihn mit anderen Leuten bekannt gemacht? Das waren wir, weil du nicht da warst! Selbst als Gryffindor hättest du das tun können! Du stellst Gryffindor vor deine Familie!"

„Er hätte bei mir sitzen können, wenn er gewollt hätte", antwortete Sirius lahm.

„Bei Schlammblütern und Blutsverrätern..." Malfoys Stimme machte deutlich, was von dieser Alternative zu halten war. „So viel ist dir also dein Bruder wert..."

Nicht Schlammblüter und Blutsverräter, sondern meine Freunde, hätte Sirius am liebsten geschrien, doch er schwieg. Es machte keinen Sinn. Sie würden ohnehin nicht auf ihn hören.

„Kommt, wir gehen", sagte Malfoy. Seine Stimme triefte nur so vor Verachtung. Er legte einen Arm um Narzissa und zog sie sanft mit sich.

„Lestrange, Rosier..."

Rosier folgte ihnen auf der Stelle, Lestrange zögerte – dann hatte er plötzlich seinen Zauberstab in der Hand.

„Impedimenta", sagte er. Der zweite Fluch traf Sirius wie ein Schlag ins Gesicht und schleuderte ihn gegen die Wand, wo er hilflos liegen blieb. Sein Kopf dröhnte, vor seinen Augen flimmerten Sterne.

„Für das, was du auf Bellatrix' und Rodolphus' Hochzeit getan hast, Blutsverräter!", knurrte er. Dann ging er. Sirius schäumte vor Wut, am liebsten wäre er Lestrange nachgelaufen und hätte ihn verhext, bis er nur noch kriechen konnte, aber er war gezwungen, liegen zu bleiben. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis der Lähmfluch endlich nachließ und er aufstehen und zum Gryffindor-Turm gehen konnte.

„Mr. Black, können Sie mir sagen, wie spät es ist?", fragte jemand. Sirius drehte sich um und sah Prof. Aridus.

„Halb neun", antwortete er und wollte weitergehen.

„Fünf Minuten nach neun", korrigierte Prof. Aridus. „Warum sind Sie nicht in Ihrem Gemeinschaftsraum?"

Sirius schwieg.

„Zehn Punkte Abzug für Gryffindor und Strafarbeit für nächtliches Herumtreiben", sagte Prof. Aridus.

„Nächtliches Herumtreiben?", wiederholte Sirius ungläubig. „Ich bin gerade mal fünf Minuten zu spät dran!"

„Die Schulregeln schreiben vor, dass die Schüler zwischen 21 und sieben Uhr in ihren Gemeinschaftsräumen zu sein haben. Um diese Zeit haben Sie nichts in den Gängen zu suchen, um fünf nach neun so wenig wie um Mitternacht. Kommen Sie morgen um 18 Uhr in mein Büro."

„Aber da ist Quidditch-Training!", entfuhr es Sirius.

„Das hätten Sie sich früher überlegen müssen. Morgen um 18 Uhr in meinem Büro. Und jetzt gehen Sie besser schnell in Ihren Gemeinschaftsraum. Ich schreibe Ihnen eine Notiz, das Sie Ihre Strafe bereits bei mir erhalten haben für den Fall, dass Sie einem anderen Lehrer über den Weg laufen."

Fast berstend vor Zorn stapfte Sirius die Treppen zum Gryffindor-Turm hinauf.

„Ringelschwanz!", schnauzte er die fette Dame an. Hastig schwang das Portrait zur Seite. Im Gemeinschaftsraum traf Sirius James, Remus und Peter, die auch nicht besonders glücklich aussahen. James' Gesicht hellte sich auf, als er Sirius entdeckte.

„Sirius!", rief er. „Wie war's? Diese verdammten Slytherins, die hätten..."

„Was hast du mit deinem Auge gemacht?", unterbrach Remus James' Redefluss.

„Was zur Hölle sollte das vorhin, Black?", erklang eine zornige Stimme, bevor Sirius auch nur ein Wort sagen konnte. Lily Evans stand vor ihnen, die Hände in die Hüften gestützt und mit Zornesblitzen in den grünen Augen.

„Du und Potter, ihr habt euch nicht wie zwölf, sondern wie zwei aufgeführt! Kindische Idioten! Warum könnt ihr euch nicht einmal benehmen, warum müsst ihr alles mit euren Kindereien kaputt machen? Und warum bist du so spät dran? Prof. Slughorn hat uns um halb neun gehen lassen, wir andern sind schon lange hier! Und was hast du mit deinem Auge gemacht?"

„Verpiss dich, Evans!", fuhr Sirius sie an.

„Ignorier sie einfach, Sirius", sagte James, „mir hat sie vorhin das Gleiche erzählt. Die hängt doch auch immer mit Schniefelus rum. Wer freiwillig mit diesem Schleimbeutel rumhängt, kann ja auch nicht ganz dicht sein."

„Nenn ihn nicht so!", fuhr Lily ihn an. „Ihr beide macht mich krank! Slytherin und Gryffindor, das sind doch nur zwei Schulhäuser, mehr nicht!"

„Irrtum!", fauchte James zurück. „In Slytherin sind die ganzen Reinblutfanatiker und Schwarzmagier! Wenn's nach denen ginge, wärst du gar nicht hier, Evans!"

„Die Welt teilt sich nicht nur in gute Gryffindors und böse Slytherins", gab Lily, jetzt ebenso ärgerlich wie James, zurück. „Blacks eigener Bruder ist doch in Slytherin und er..."

Die Erwähnung von Regulus brachte das Fass zum Überlaufen.

„Du hast keine Ahnung, Evans, überhaupt keine!" Sirius hatte den Zauberstab gezogen, ohne dass er es bemerkt hatte, und hielt ihn ihr nun unter die Nase. „Hau ab und lass mich in Ruhe, wenn du weißt, was gut für dich ist!"

„Zauberstab weg, Black, sofort!", durchschnitt Marlene McKinnons Stimme die knisternde Spannung. Sirius ignorierte sie.

„Reiß dich zusammen, Black, oder du kannst das nächste Quidditch-Spiel vergessen und obendrein Sätze schreiben!"

Das Blut pochte in Sirius' Ohren, aber schließlich senkte er den Zauberstab.

„Gut. Evans, du hast in vielem Recht, aber von den alten Zaubererfamilien hast du tatsächlich keine Ahnung. Am besten sprichst du Black nicht mehr darauf an."

Lily wurde rot, aber sie widersprach nicht.

„Black, du solltest besser lernen, dich zu beherrschen, sonst fliegst du schneller von der Schule als du 'Quidditch' sagen kannst."

Sirius antwortete nicht. Remus stand auf. Er sah müde aus.

„Kommt", sagte er, „wir gehen in den Schlafsaal."

„Warum denn?", fragte James. „Ich bin noch lange nicht müde. Sirius..."

„Ich denke, das ist eine gute Idee", bemerkte Marlene mit schneidender Stimme und warf ihm einen vielsagenden Blick zu. James murmelte missmutig etwas vor sich hin und packte seine Sachen zusammen. Sirius folgte seinen Freunden wie betäubt. Er war immer noch wütend, aber sein Zorn verrauchte langsam und hinterließ nichts als Leere.

„Vielleicht könnte einer von euch einfach mal erklären, was überhaupt passiert ist", sagte Remus, als sie endlich alleine waren.

„Slughorns Abendessen war tödlich öde, also haben Sirius und ich gesagt, dass ich Bauchschmerzen habe, aber als Sirius mich in den Krankenflügel bringen sollte, haben sich die Slytherins eingemischt und Longbottom musste gehen. Ich hab ihn überredet, nicht in den Krankenflügel, sondern in den Gryffindor-Turm zu gehen, und dann haben wir im Gemeinschaftsraum gesessen und auf Sirius gewartet."

„Ja, ja, den Teil kenne ich", antwortete Remus genervt. „Was ist dann passiert?"

„Nichts weiter", knurrte Sirius. „Ich war bis zum Schluss bei Slughorns Party und auf dem Rückweg hat mich Prof. Aridus aufgehalten, deshalb bin ich später gekommen."

„Und was wollte Prof. Aridus von dir?", fragte Remus. „Und was ist mit deinem Auge passiert?"

„Nichts. Ich gehe schlafen."

„Wir haben heute noch Astronomie."

Sirius zog die Vorhänge seines Himmelbetts zu.

„Sirius..."

Aber heute wollte Sirius nicht einmal mehr James sehen. Er hörte, wie Remus und James leise miteinander diskutierten, dann sagte James: „Wir sagen Prof. Sinistra, dass du krank bist."

Kurze Zeit später war es still. Sirius starrte in die Dunkelheit.


„Wo gehst du hin?", fragte James. „Wir haben Quidditch-Training."

„Ich nicht", antwortete Sirius düster. „Strafarbeit bei Prof. Aridus."

„Wofür das denn?", fragte James verdutzt. „Hast du ihm gesagt, dass sein Unterricht langweilig ist?"

Sirius schnitt eine Grimasse.

„Er hat mich fünf Minuten nach neun außerhalb des Gemeinschaftsraums erwischt und es 'nächtliches Rumtreiben' genannt."

James tippte sich an die Stirn.

„Der spinnt doch."

„Wem sagst du das."

„Ich sag's McKinnon. Oh Mann und das, wo sie gerade eh nicht so gut auf dich zu sprechen ist seit der Sache mit Evans."

„Ich weiß."

Sirius weigerte sich, auf James' unausgesprochene Frage zu antworten. Er hatte keinem seiner Freunde von dem Gespräch mit den Slytherins und Lestranges Angriff erzählt.

„James", hörte er sich plötzlich sagen, „wir brauchen einen Plan."

Sein bester Freund warf ihm einen fragenden Blick zu.

„Die Slytherins brauchen mal wieder eine Abreibung."

James grinste.

„Alles klar. Hast du jemand Bestimmtes im Auge?"

Sirius' Gesichtsausdruck wurde grimmig.

„Lestrange. Und zwar so, dass er für den Rest seines Lebens vor Wut platzt, wenn er sich daran erinnert."


Die Strafarbeit bei Prof. Aridus stellte sich als noch öder als sein Unterricht heraus. Er ließ Sirius die gesamte Schulordnung abschreiben und den Sinn jeder einzelnen Regel erläutern. Vor allem letzteres erwies sich als ein großes Problem – die meisten Regeln hielt Sirius schlicht und ergreifend für völlig sinnlos und Prof. Aridus gab sich leider nicht damit zufrieden, dass man keine jaulenden Jojos benutzen dürfe, weil jemand ihr Heulen mit dem eines Wolfes verwechseln und einen Herzinfarkt bekommen konnte, obwohl Sirius gerade diese Ausführung für sehr gelungen gehalten hatte.

Der Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste saß neben Sirius an seinem Schreibtisch und schrieb einen langen Brief an irgendeine Mary Jones in London. Von Zeit zur Zeit begutachtete er jedoch Sirius' Aufsatz, strich die Hälfte durch und ließ ihn noch einmal von vorne anfangen.

Als er Sirius um Mitternacht endlich entließ, hatte dieser das Gefühl, die Schuldordnung nicht nur einmal, sondern gleich fünfmal abgeschrieben zu haben. Gähnend und mit einem schmerzhaften Krampf in seiner Schreibhand machte er sich auf den Weg zum Gryffindor-Turm.


Sirius hatte gehofft, möglichst schnell zur Tat schreiten zu können. Sein Zorn auf die Slytherins loderte noch hell, aber vorerst mussten sie bis nach dem Wochenende warten. Für so einen Plan brauchten sie Remus, hatte James gesagt. So ein Plan erfordere Raffinesse und Remus war es, der ihren Streichen normalerweise den letzten Schliff verpasste und ihnen Subtilität verlieh. Allerdings war am Samstag Vollmond und so war der Werwolf am Freitag und am Sonntag nicht gerade zu Streichen aufgelegt.

Sirius verbrachte das Wochenende größtenteils damit, ruhelos auf- und abzugehen oder vor sich hin zu brüten. Der Zorn nagte an ihm und es wurde nicht gerade dadurch besser, dass am Montagmorgen der Familienkauz der Blacks am Gryffindor-Tisch landete und einen Brief von seinen Eltern brachte.

Sirius, dir ist hoffentlich bewusst, dass wir von deinen Strafarbeiten in Kenntnis gesetzt werden. Wir haben dir in den Ferien deutlich gesagt, dass wir dieses Benehmen nicht länger dulden werden. Du wirst die Konsequenzen zu spüren bekommen – für diese zwei Strafarbeiten und für jeden weiteren Regelverstoß, von dem wir erfahren.

Orion und Walburga Black

Sirius zerriss das Pergament in viele kleine Fetzen und ließ sie danach in Flammen aufgehen.

„Sie schreiben, ich soll mich benehmen", erklärte er auf den fragenden Blick der andern hin. „Die können mich mal."

„Hast du keine Angst, dass sie dich bestrafen?", fragte Peter schüchtern. Sirius dachte an Bellatrix' Hochzeit und fing an zu lachen.


Ihr Plan beinhaltete mehrere Punkte, die längere Vorbereitung erforderten, aber richtig perfekt wurde er erst, als Peter die Küche entdeckte. Es war mehr oder weniger ein Zufall, aber irgendwie schien Peter eine besondere Begabung für solche Zufälle zu haben. Auf ihre Fragen hin wurde er rot, fing an zu stottern und irgendetwas von einem Portrait zu murmeln. Sirius und James interessierten sich auch nicht weiter für die genauen Umstände, so lange Peter nur bereit war, ihnen den Eingang zeigen, was er gerne tat.

„Einfach nur genial", stellte James fest, als sie die Taschen voller Leckereien in den Gemeinschaftsraum zurückkehrten.

Es war in der zweiten Oktoberwoche, als die ersten Slytherins anfingen, sich irgendwie komisch zu benehmen. Als Wilkes die Große Halle verlassen wollte, lief er ständig gegen die Wand, bis Rosier ihn am Arm packte und durch die große Flügeltür zerrte. Avery bekam eine Strafarbeit von Prof. McGonagall, weil er noch nicht mal in der Lage war, die elementarsten Regeln der Verwandlung wiederzugeben.

Innerhalb weniger Tage machten sich die Symptome bei praktisch allen Slytherins bemerkbar. Narzissa klammerte sich verzweifelt an Malfoy, um nicht gegen jeden Türrahmen in Hogwarts zu laufen, während der Schulsprecher versuchte, sich zu erinnern, was er eigentlich gerade vorgehabt hatte. Beim Quidditch-Training flog Wilkes zuverlässig immer genau dahin, wo der Quaffel nicht war, während Rosier mit dem roten Ball überhaupt nichts mehr anzufangen wusste.

Die Schüler der anderen Häuser beobachteten die Slytherins aus sicherer Entfernung, denn es hieß, ihr Verhalten sei Ausdruck einer ansteckenden Krankheit – niemand ahnte, dass James, Sirius, Remus und Peter dieses Gerücht ausgestreut hatten. In der allgemeinen Verwirrung fiel kaum auf, dass Lestrange sich noch seltsamer benahm als alle anderen. Er saß still auf seinem Platz, den Blick mit einem verklärten Ausdruck ins Leere gerichtet und gelegentlich vor sich hin murmelnd – bis er plötzlich explodierte.

„Sag nie wieder etwas gegen die Gryffindors!", hörte man ihn durch die Große Halle brüllen, während er seinem bedauernswerten Opfer seinen Zauberstab unter die Nase hielt. „Sie ist doch auch eine Gryffindor!"

Sirius, James, Remus und Peter hielten vor Spannung den Atem an.

„Wer sie?", fragte der völlig verblüffte Slytherin. „Drehst du jetzt total durch?"

„Marlene McKinnon", seufzte Lestrange. Sirius und James brüllten vor Lachen und die gesamte Große Halle bis auf die Slytherins mit ihnen.

„Sag ihr doch, was du empfindest, Lestrange!", schrie Sirius und wie auf Kommando stand Lestrange auf, schritt zum Gryffindor-Tisch und ließ sich vor Marlene auf die Knie fallen.

„Marlene, ich kann nicht mehr essen, ich kann nicht mehr schlafen; ich kann nur noch an dich denken. Immer wenn ich deine strahlenden Augen sehe, deine glänzenden Haare, deinen wunderschönen Mund, dann...ich kann einfach nur noch an dich denken, Marlene. Ich liebe dich, wie ich nie einen anderen Menschen geliebt habe, und ich bitte dich inständig, meine Liebe zu erwidern..."

Marlene McKinnon starrte Lestrange fassungslos an, als wäre er eine besonders eklige, schleimige Schnecke.

„Marlene!", flehte dieser und machte Anstalten, nach ihrer Hand zu greifen, um sie zu küssen. Malfoy stand auf um einzugreifen, vergaß aber auf halbem Wege, was er eigentlich hatte tun wollen, und blieb verwirrt stehen. Sirius lachte so sehr, dass er halb auf dem Tisch lag, und James hatte Tränen in den Augen. Leider entschlossen sich die Lehrer, kaum minder perplex als die Schüler, in diesem Augenblick zu handeln. Prof. Slughorn und Prof. McGonagall kamen zum Gryffindor-Tisch, legten Lestrange die Hände auf die Schultern und führten ihn mit freundlichen Worten hinaus.

„Das", sagte Sirius, nachdem er endlich wieder zu Atem kam, „werde ich in meinem ganzen Leben nie vergessen. Zu schade, dass wir nicht dabei sind, wenn Lestrange wieder zu sich kommt."

„Nun", James grinste verschlagen, „das ließe sich ja vielleicht einrichten..."

„Vergesst es", sagte Remus, „wir haben jetzt Unterricht."

„Och, Remus, das ist einer der besten Momente meines Lebens und du denkst an Unterricht?"

„Was glaubst du, was Prof. McGonagall denkt, wenn ihr zwei nicht auftaucht?", gab Remus nüchtern zurück.

„Sag ihr, dass wir krank sind."

„Jaaaa, das glaubt sie bestimmt..."

Sie diskutierten noch eine Weile, aber letztendlich setzte Remus seinen Willen durch und sie gingen zusammen zu Verwandlung. Normalerweise begann Prof. McGonagall ihren Unterricht damit, dass sie die Hausaufgaben einsammelte und ein paar Fragen zum Unterrichtsstoff der letzten Stunde stellte. Nicht so jedoch heute.

„Sie haben alle mitbekommen, was in der Großen Halle vorgefallen ist", sagte sie ernst. „Und die meisten von ihnen haben vermutlich gelacht und fanden das Ganze unheimlich komisch."

Plötzlich fiel Sirius auf, wie schmal ihr Mund war. Auf einmal war er froh, dass er auf Remus gehört hatte.

„Lestrange stand offensichtlich unter dem Einfluss eines Liebestranks, der ihm eine sehr starke Zuneigung für Miss McKinnon vorgaukelte." Sie machte ein Pause. „Liebestränke sind in Hogwarts verboten. Ihre Herstellung wird hier nicht gelehrt und zwar aus gutem Grund. Man spielt nicht mit der Liebe und den Gefühlen anderer. Was Lestrange angetan wurde, ist etwas Furchtbares. Für die Verantwortlichen hoffe ich nur, dass sie diese Tat aus Unwissenheit und nicht aus Grausamkeit begangen haben und sich jetzt der vollen Tragweite ihrer Handlung bewusst sind. Ich möchte so etwas in Hogwarts nie wieder sehen."

Streng ruhte ihr Blick auf jedem einzelnen von ihnen. Sirius hatte das Gefühl, als würde sie besonders James und ihn angucken. Und wenn schon. Sie kann nichts beweisen. Und Lestrange hat es verdient! Er hatte nicht besonders viel Mitleid mit dem Slytherin. Und auch James machte kein wirklich betroffenes Gesicht. Im Gegenteil, als Prof. McGonagall sich dem Unterricht widmete, tauschten sie ein triumphierendes Grinsen aus. Sie hatten gewonnen.