Tach, Leute! Mal wieder vielen Dank für die ausführlichen Reviews und viel Spaß beim Lesen. :)

Noch eine kleine Ankündigung: Ich bin immer noch im Ausland und in den nächsten zwei Wochen weiß ich nicht, wie's mit dem Internet aussehen wird. Wenn ich also mal früher oder später update, nicht wundern. ;)

Wulfbrain: *lol* Der Kandidat erhält 100 Punkte, deine Einschätzung ist genau richtig. ;) Neben Sirius Black finde ich auch Hermine, Regulus Black und Snape spannend, aber keiner fasziniert mich genug, um über ihn oder sie zu schreiben.

Freut mich übrigens sehr, dass dir das Kapitel so gut gefallen hat. Lily wird ihre Einstellung auch noch überdenken, aber das dauert noch etwas...genau genommen habe ich schon eine ganz bestimmte Szene im Kopf, die allerdings nicht in diesem Schuljahr statt finden wird.

Sanny12: Schön, dass dir die beiden letzten Kapitel insgesamt gefallen haben. :) Dass ich mit dem letzten Satz bezüglich der Quidditch-Auswahl so eine Erwartungshaltung schaffe, die dann nicht erfüllt wird, war mir gar nicht so bewusst, danke für den Hinweis.

Ja, die Unbroken-Reihe kenne ich selbstverständlich. ;) Aber für mich sind sie fast eher eine eigene Welt als das klassische Harry-Potter-Universum, was aber auch nicht negativ gemeint ist, sondern einfach nur eine Feststellung. Es würde mich wirklich mal interessieren, wie Rowling sich die alten reinblütigen Familien vorgestellt hat. Bis auf die Episoden mit den Malfoys gibt es darauf ja kaum Hinweise...


DISCLAIMER: WELT UND PERSONEN GEHÖREN J. K. ROWLING.


Halloween

Die Quidditch-Saison rückte näher und Marlene McKinnon hatte das Training auf drei Tage in der Woche angesetzt. Das gesamte Team war sich einig, dass sie völlig verrückt war, trotzdem kam jeder zum Training. Dass Gryffindor letztes Jahr ausgerechnet gegen Slytherin verloren hatte, ärgerte sie noch immer und so trainierten sie verbissen, obwohl das Wetter immer schlechter wurde.

Es war ein Freitagnachmittag, als James und Sirius vom Quidditchfeld zum Schloss hinüberliefen. Sie waren nass bis auf die Knochen und schlammbespritzt. Es stürmte und regnete so heftig, dass niemand freiwillig das Schloss verließ – bis auf die Slytherin-Mannschaft, die ihr Training ebenfalls heraufgesetzt hatte. Zu seiner Überraschung entdeckte Sirius bei ihnen Regulus. Sein kleiner Bruder schien ebenfalls nicht damit gerechnet zu haben, ihn hier zu treffen; er blieb überrascht stehen, als er Sirius sah. Dann ging er kurz entschlossen zu ihm. Wilkes und Rosier folgten ihm. James war gleichfalls stehen geblieben. Seine Hand tastete nach dem Zauberstab.

„Geh schon mal vor", meinte Sirius. „Ich komme nach."

„Sie sind zu dritt", protestierte James. Sirius schüttelte den Kopf.

„Ich glaube nicht, dass sie Ärger machen. Regulus ist mein Bruder", fügte er hinzu, als James immer noch skeptisch aussah.

„Jaaa und er ist in Slytherin", murmelte dieser, aber er ging. Sirius beobachtete, dass Regulus Wilkes und Rosier ebenfalls wegschickte.

„Sirius", meinte Regulus, als sie alleine waren, „lange nicht gesehen."

Sirius spürte leichte Gewissensbisse. Er hatte mit seinem Bruder seit den Auswahlspielen nicht mehr gesprochen. Regulus war genauso Opfer ihres letzten Streiches geworden wie alle anderen Slytherins. Und Malfoys und Narzissas Worte nagten an ihm.

„Tja, Hogwarts ist groß", gab Sirius lahm zurück. Sie schwiegen einen Augenblick.

„Hat Potter dich eigentlich dazu überredet?", fragte Regulus nach einer Weile und deutete auf Sirius' Quidditch-Ausrüstung. „Bis ich dich bei den Auswahlspielen gesehen habe, wusste ich nicht, dass du als Treiber spielen willst."

Sirius zuckte mit den Schultern.

„Hab ich wohl vergessen zu erwähnen." Wieder Schweigen. „Wie gefällt dir Hogwarts eigentlich?", setzte er nach einer Weile hinzu, um das unangenehme Schweigen zu durchbrechen. Regulus' Augen leuchteten kurz auf, aber seine Erziehung – die Sirius eigentlich auch genossen, die aber bei ihm anscheinend nicht gefruchtet hatte – hielt ihn davon ab, seiner Begeisterung vorbehaltlos Ausdruck zu verleihen.

„Es gefällt mir sehr gut", antwortete er. „Zumindest in Slytherin. Keine Schlammblütern und keine Blutsverräter wie in den anderen Häusern, sondern nur Reinblüter, so wie es sein sollte."

Sirius spürte, wie Ärger in ihm aufstieg. Immer nur Slytherin!

„Wenn du deine Nase auch mal aus deinem Gemeinschaftsraum stecken würdest, dann würde dir auffallen, dass es genug Mugglestämmige gibt, die genauso talentiert sind wie Reinblüter!"

„Mich rumtreiben so wie du?", fragte Regulus kühl. „Mich mit Schlammblütern und Blutsverrätern anfreunden und mich von meiner Familie abwenden? Unsere Werte und Traditionen mit Füßen treten für eine Freundschaft mit einem Blutsverräter? Auf den Familiennamen spucken, nur um ein paar sinnlose Streiche zu spielen? Lestrange einen Liebestrank unterschieben, um zu beweisen, was für ein toller Gryffndor du doch bist?"

Regulus' anfangs kühle Rede war zunehmend hitziger geworden. Der Zorn hatte seine kühle Fassade durchbrochen und ihn in Rage gebracht. Einen Augenblick lang war Sirius sprachlos.

„Ich habe mich nie von unserer Familie abgewandt", widersprach er dann heftig. „Mutter und Vater sind es, die..."

„Du bist der Erbe!", fuhr ihn Regulus an. „Alles, was du tust, fällt auf den Namen Black zurück! Mutter und Vater wissen das und deshalb bestrafen sie dich, damit du dich endlich wie der Erbe verhältst! Du müsstest nur Potter die Freundschaft kündigen, dir Verbündete unter den Slytherins suchen und nichts mehr gegen die Reinblütigkeit sagen, dann würde alles aufhören!"

„James ist aber mein bester Freund und ich scheiße auf die Reinblütigkeit!", fauchte Sirius. „Meinetwegen werd du doch später das Oberhaupt der Blacks, ich habe kein Interesse!"

Er drehte sich um und stapfte wütend davon.

„Ich weiß", rief ihm Regulus hinterher. „Das zeigst du so deutlich, als hättest du Angst, dass es jemand übersehen könnte. Aber ich bin aber nur der Zweitgeborene. Meine Aufgabe ist es, dich zu unterstützen – und das tue ich."

Sirius drehte sich noch einmal um.

„Das heißt, du plapperst alles nach, was Mutter und Vater dir eintrichtern!", höhnte er.

„Vielleicht. Aber immer noch besser, als deine Herkunft zu verleugnen und einem Blutsverräter nach dem Mund zu reden, damit er vergisst, dass du ein Black bist, und vorübergehend freundschaftliche Gefühle empfindet."

Diese letzten Worte trafen Sirius wie einen Schlag in den Magen.

„Du hast doch nicht ernsthaft geglaubt, dass diese Freundschaft von Dauer sein wird, Sirius", sagte Regulus. „Irgendwann wird sich der hehre Potter, Freund aller Schlammblüter und Blutsverräter, erinnern, dass du ein Black bist. Und dann wird er dich fallen lassen. Wenn du dein Erbe bis dahin akzeptiert hast, wirst du das Oberhaupt der mächtigsten Zaubererfamilie Großbritanniens sein. Wenn nicht...nun spätestens dann wird dir nichts anderes übrig bleiben. Je eher du das akzeptierst, desto leichter wird es."

Und Regulus drehte sich um und lief den schlammigen Weg hinunter zum Quidditchfeld.


„Wo bist du so lange gewesen?", fragte James.

„Regulus hat rumgenervt und auf dem Rückweg musste ich noch Prof. Aridus ausweichen."

„Wieso musstest du ihm ausweichen?", fragte Remus. „Hast du wieder was Verbotenes gemacht?"

„Nein, aber wer fünf Minuten Verspätung nächtliches Rumtreiben nennt, der findet bestimmt überall dran was auszusetzen."

„Wenn du dich an die Regeln hältst, kann er dir nichts", meinte Remus. Sirius zuckte mit den Schultern.

„Wer weiß. Ich frag mich, was er draußen will", setzte er leichthin dazu. James grinste.

„Vielleicht will er Hagrid ja seine Pflichten als Wildhüter erläutern. Oder er will den Verbotenen Wald nach gefährlichen Geschöpfe absuchen und sie in ihre Schranken weisen. Gemäß Paragraph X Absatz Y darf der Kappa...", äffte James die Stimme des Lehrers nach.

„Im Verbotenen Wald gibt es keine Kappas", erklärte Remus.

„Ich sag euch, der Kerl ist verrückt nach Regeln", sagte Sirius. „Er hat mich stundenlang die Schuldordnung abschreiben lassen."

Remus schlug den Tagespropheten auf.

„Es gab wieder einen Angriff."

„Was?"

Sirius riss Remus die Zeitung aus der Hand und suchte die Schlagzeile.

Zaubererhaus dem Erdboden gleich gemacht

Ein laute Explosion erschreckte gestern Londons Muggle. Augenzeugen berichten, sie hätten dunkle Gestalten und seltsame Lichter gesehen, dann habe es einen Knall gegeben und das Haus hätte in Trümmern gelegen.

Ich habe normalerweise einen sehr tiefen Schlaf, aber das war so laut, dass ich sofort aufgewacht bin", berichtet Betty Gawrk, eine Nachbarin. „Natürlich habe ich sofort nachgeguckt – aber da war nichts mehr! Ich meine, das Haus war einfach weg bis auf die Trümmer natürlich."

Robert Booz, der auf der Parkbank gegenüber schlief, ergänzt: „Da tauchten so komische Typen aus dem Nichts aus, mit langen Umhängen und spitzen Hüten und Masken und so 'nem Zeug. Sie haben mit so komischen Stöcken rumgewedelt, aus denen Lichter kamen, und dann bumm! – war die Hütte plötzlich nur noch Kleinholz."

Es ist zu vermuten, dass die Todesser im Auftrag von Du-weißt-schon-wem gezielt das Haus zerstörten, das übrigens das einzige Zaubererhaus in der Nachbarschaft war. Was Er-dessen-Namen-nicht-genannt-werden-darf damit bezweckte, ist jedoch weiterhin unklar.

Die Bewohner des Haus, die Familie Jones, waren an diesem Abend glücklicherweise ausgegangen.

„Verdammt!", entfuhr es Sirius. Irgendwie hatte er es völlig vergessen. Über seinem ganzen Ärger über Regulus und seine Eltern und Lestrange und Malfoy hatte er überhaupt nicht mehr an Voldemort und seine Todesser gedacht.

„Es wird immer schlimmer", bemerkte Peter schaudernd. „Jetzt sprengen sie schon Häuser in die Luft. Was wäre gewesen, wenn diese Familie nicht zufällig gerade weg gewesen wäre?"

Sirius überflog noch einmal den Artikel.

„Und kein Wort vom Minister", stellte er fest. „Langsam muss er doch begreifen, dass das mehr als nur ein paar Verrückte sind!"

„Ich schreibe Dad", sagte James. „Vielleicht weiß er ja mehr. Im Tagespropheten steht ja nicht gerade viel."

„Vielleicht steht ja in der nächsten Ausgabe mehr", meinte Remus. „Die Sache war ja erst gestern Nacht, bis morgen haben sie vielleicht Stellungnahmen vom Minister und deinem Dad, James."

„Dann kann er mir die Stellungnahme auch gleich selber schicken", gab James trotzig zurück. Sirius wusste, dass es ihn immer noch ärgerte, dass sein Vater sich weigerte, ihm mehr über seine Arbeit zu erzählen und was momentan im Land vor sich ging. Vielleicht sollte ich froh darüber sein. Wenn James' Vater weiß... Er verdrängte den Gedanken.


Als sie am nächsten Morgen in die Große Halle gingen, herrschte am Slytherin-Tisch ausgelassene Stimmung.

„Was ist denn bei denen los, hat da jemand Geburtstag?", fragte James. In seiner Stimme schwang ein angewiderter Ton mit, so als würde er den Slytherins noch nicht einmal das gönnen.

„Ich glaube nicht", sagte Remus. „Seht mal."

Einige der Slytherins hielten den neusten Tagespropheten in der Hand.

„Jetzt wird endlich mal aufgeräumt unter den Schlammblütern", hörten sie einen Slytherin sagen.

„He, Potter!", rief ein anderer zu ihnen hinüber. „Blutsverräter sind auch bald dran!"

Remus packte James am Umhang, bevor er sich auf den Slytherin stürzen konnte.

„Lass den Idioten, lesen wir erst mal, was im Tagespropheten steht."

Sie setzten sich an den Gryffindor-Tisch.

„Das ist widerlich", sagte Lily Evans gerade. „Diese Leute haben ihnen nichts getan." Sie warf einen angeekelten Blick zum Slytherin-Tisch. „Wie können die sich nur darüber freuen? Malfoy sollte einschreiten, er ist Schulsprecher."

„Pah, Malfoy", stieß Sirius abfällig hervor. „Sein Vater vertritt diese Idioten in Öffentlichkeit. Wenn er nicht selber unter einer der Masken steckt, dann nur, weil er lieber anderen die Drecksarbeit überlässt."

„Steht was Neues im Tagespropheten?", wollte James wissen. Longbottom reichte ihm ein Exemplar.

„Dein Vater wird auch erwähnt."

James riss ihm die Zeitung aus der Hand und schlug sie auf.

Stimmen zum Angriff in London

Die Motive, die zur Zerstörung des Hauses der Familie Jones in London geführt haben, bleiben weiterhin unklar. Inzwischen äußerten sich jedoch mehrere bekannte Persönlichkeiten zu dem Vorfall.

So wie ich das sehe, ist die Sache klar", erklärte Mr. Malfoy, Mitglied des Zauberergamots. „Von nichts kommt nichts – keinem Zauberer wird einfach das Haus zerstört ohne einen bestimmten Grund. Forschen Sie weiter im Hintergrund der Jones-Familie und Sie werden mit Sicherheit einen Hinweis finden. Mir ist beispielsweise zu Ohren gekommen, dass der Bruder einer der Betroffenen, normalerweise ein kleiner Schreiberling in der Abteilung zur Führung und Aufsicht Magischer Geschöpfe, erst vor knapp zwei Monaten einen neuen Job antreten musste, weil er Geldprobleme hatte. Vielleicht wollten seine Gläubiger einfach das Recht selbst in die Hand nehmen. Wissen Sie, die Jones sind Halbblüter; es wäre nicht das erste Mal, dass zuständige Ämter aus falsch verstandener Nachsicht für solche Leute entscheiden..."

Eine andere Meinung vertritt Mr. Potter, Leiter der Aurorenzentrale: „Auch wenn die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind, ist es naheliegend, dass es sich bei dem Angriff um einen Einschüchterungsversuch handelt. Ich kann nur an die Zauberergesellschaft appellieren, sich gegenseitig zu unterstützen und die mugglestämmigen Hexen und Zauberer als Bereicherung und nicht als Bedrohung zu sehen. Lassen Sie sich nicht von der Reinblut-Propaganda einlullen, sondern unterstützen sie sich gegenseitig bei Angriffen, aber auch im Alltag."

Der Zaubereiminister wollte sich zu dem Vorfall nicht weiter äußern: „Ich bin ein viel beschäftigter Mann, wenden Sie sich für Fragen an meine Mitarbeiter."

Die Jones-Familie ist inzwischen bei Freunden und Verwandten untergekommen.

„Haha, Geldprobleme", höhnte James, nachdem er den Artikel gelesen hatte. „Dad hat Recht, die sollten eingeschüchtert werden, das ist doch klar!"

„Hat dein Vater dir mehr dazu erzählt?", fragte Longbottom. Plötzlich waren alles Blicke auf James gerichtet.

„Leider nicht", musste er zugeben.

„Es ist eine Schande, dass wir hier in Hogwarts sitzen und nichts tun können", meinte Longbottom. „Die magische Gesellschaft sollte sich jetzt gegen Du-weißt-schon-wen wehren, bevor es zu spät ist."

Fast alle Gryffindors nickte zustimmend.

„Vielleicht brauchen wir ja gar nicht Potters Vater, um mehr zu erfahren", sagte da plötzlich jemand. „Warum fragen wir nicht einfach Black?"

Es war einer der älteren Gryffindors, der gegen Sirius als Treiber angetreten war. Alle Augen richteten sich auf ihn und betretene Stille breitete sich am Gryffindor-Tisch aus.

„Na, ist doch wahr! Wenn jemand von uns was weiß, dann ja wohl der Erbe der schwarzmagischsten Familie Großbritanniens. Na los, Black, spuck's aus!"

Doch bevor Sirius reagieren konnte, mischte sich Gideon Prewitt ein: „Halt die Klappe, Sloper. Du bist doch nur neidisch, weil Black als Treiber in der Mannschaft spielt und nicht du."

„Er hat nämlich bei den Auswahlspielen nicht daneben geschlagen", fügte Bell hämisch hinzu.

„Und falls es dir nicht aufgefallen sein sollte, Black ist bei Malfoy und den anderen nicht besonders beliebt", kam ihm ausgerechnet Lily Evans zu Hilfe.

„Er hat Potter einen Blutsverräter genannt", wandte Sloper lahm ein.

„Jaaaaa, vor einem Jahr", gab James mit verächtlicher Stimme zurück, „und jetzt ist er mein bester Freund."

„Und er ist der Beste in Verteidigung gegen die dunklen Künste", piepste Mary McDonald.

„Er ist wirklich besser als du geflogen, Sloper", stärkte Davey Gudgeon Sirius den Rücken. „Ich war dabei."

Meaghan McCormack, die schweigsame Gryffindor-Hüterin, nickte bestätigend.

„Es ist mir egal, dass er angeblich der besseres Treiber ist!", fauchte Sloper, der wohl nicht mit so viel Widerstand gerechnet hatte. „Es geht mir darum, dass er nicht vertrauenswürdig ist! Er ist der Erbe der Blacks! Er könnte ein Spion sein!"

„Der Sprechende Hut hat ihn nach Gryffindor geschickt", hielt Longbottom dagegen.

„Du redest Schwachsinn, Sloper", sagte Remus zu. „Sirius ist mein Freund und ich vertraue ihm."

„Und ich auch!", pflichtete Peter ihm bei.

„Aber...", versuchte Sloper ein letztes Mal zu widersprechen.

„Black ist ein Gryffindor und jetzt Schluss mit der Debatte!", unterbrach Marlene ihn und beendete die Diskussion. Die Gryffindors wandten sich wieder ihrem Frühstück zu und kurze Zeit später unterhielten sie sich wie immer untereinander als wäre nichts gewesen. Aber Sirius fühlte sich so gut wie schon lange nicht mehr. Es waren nicht nur James, Remus und Peter gewesen, die zu ihm gehalten hatten, sondern praktisch das ganze Haus. Ich bin ein Gryffindor.


„Warum sollen wir Remus noch mal dieses Buch mitbringen?", fragte Sirius, während James auf der Suche nach besagtem Buch die Regalreihen der Bibliothek abging.

„Weil Remus was für Zaubertränke nachlesen will, weil er findet, dass seine Noten in dem Fach nicht gut genug sind", antwortete Peter eifrig. Sirius verdrehte die Augen.

„Ich weiß, Peter, das war eine rhetorische Frage, weil es nämlich total bescheuert ist, für Zaubertränke was nachzulesen. Wen interessiert es schon, dass Remus in einem einzigen Fach mal kein Ohnegleichen, sondern nur ein Erwartungen übertroffen hat?"

„Remus sagt..."

„Das war auch eine rhetorische Frage, Peter..."

„Ich hab's!", rief James. „Lasst uns verschwinden, so viele Bücher auf einmal erinnern mich an Hausaufgaben."

Es war Sonntagabend und Vollmond. Remus war schon verschwunden und James, Sirius und Peter hatten versprochen, ihm ein Buch über Zaubertränke aus der Bibliothek mitzubringen. Als sie auf den Gang traten, stieß James Sirius an.

„Schau mal, Schniefelus."

Der Slytherin trat völlig in ein Buch vertieft aus der Bibliothek. Über Sirius' Gesicht huschte ein böses Grinsen.

„He, Schniefelus!", rief er. Snape fuhr herum, ließ das Buch fallen und griff nach seinem Zauberstab, aber es war schon zu spät.

„Impedimenta", sagte Sirius lässig. Snape wurde nach hinten geschleudert und blieb hilflos liegen. Danke, Lestrange.

„Nicht schlecht", kommentierte James. Er hob Snapes Buch auf.

„Na, was liest du denn schönes, Schniefelus?" Er wartete Snapes Antwort nicht ab. „Zaubertränke für Fortgeschrittene", las er laut vor. „Bevor du Zaubertränke für Fortgeschrittene braust, solltest du vielleicht lieber mal lernen, wie man sich die Haare wäscht, Schniefelus."

Sirius und Peter lachten.

„Hast du gehört, Schniefelus?", fragte Sirius. „Das Buch ist noch nichts für dich."

Er packte das Zaubertränke-Buch, zerriss den Einband und zerfetzte mehrere Seiten.

„Nein!", schrie Snape, als lose Blätter durch die Luft flatterten. Er versuchte aufzustehen, aber der Lähmfluch hielt ihn unerbittlich fest. James lachte und Peter stimmte ein.

„Tja, Schniefelus, das Buch wirst du wohl ersetzen müssen. So ein Pech aber auch..." Er warf einen Blick auf den zerstörten Einband. „Wie viel hat das wohl gekostet? Zehn Galleonen?"

Sirius kicherte und warf einen abschätzigen Blick auf Snapes Roben.

„So wie der aussieht, muss er mindestens ein Jahr sparen, um zehn Galleonen zusammenzukriegen."

„Dann hat er ja Glück, dass ich heute gute Laune habe", meinte James höhnisch. Er holte ein paar silberne Sickel aus seinem Umhang und warf sie Snape vor die Füße.

„Hier, Schniefelus, dann kannst du dir auch gleich eine Flasche Shampoo kaufen."

Lachend gingen sie davon.

„Blutsverräter!", schrie Snape hinter ihnen her. „Ihr seid auch noch dran! Und euer kranker Schlammblutfreund erst recht!"

James drehte sich um.

„Wasch dir den Mund, Schniefelus. Ratzeputz!"

Snape würgte und spuckte Lauge und rosa Seifenblasen. Sirius lachte.

„Genial, James!"

Sie gingen den Gang hinunter.

„Glaubt ja nicht, dass ihr damit durchkommt!", hörten sie Snapes halb erstickte Stimme hinter sich. „Ich weiß von dem Vergesslichkeitstrank und dem Verwirrungselexier!"

Jeder in Hogwarts weiß davon, Schniefelus", belehrte ihn James. „Es war schließlich nicht zu übersehen."

Ein triumphierendes Grinsen glitt über Snapes Gesicht, dessen Wirkung durch die Seifenlauge jedoch etwas beeinträchtigt wurde.

„Aber ich habe die Zaubertränke aus dem Kürbissaft isoliert. Ich kann es beweisen."

„Die beiden Tränke könnte jeder in den Kürbissaft geschüttet haben", gab James herablassend zurück, aber Sirius bemerkte eine Spur von Unsicherheit. Snape hörte sie auch.

„Und wenn wir die Hauselfen fragen, wer als letztes in der Küche war...?"

Der Lähmfluch ließ nach. Doch ehe Snape handeln konnte, rief Sirius: „Expelliarmus!"

Und der Zauberstab flog dem Slytherin aus der Hand. Sirius fing ihn auf und warf ihn eine Treppe hinunter.

„Lasst uns gehen..."

Ein paar Sekunden später hörten sie Lilys Stimme.

„Oh nein, Sev, was ist passiert?"

Schnell bogen sie um die nächste Ecke, bevor das rothaarige Mädchen sie zu Gesicht bekam. Es war schon fast 21 Uhr, daher gingen sie auf direktem Wege zum Gryffindor-Turm, wo sie sich im Gemeinschaftsraum behaglich in die besten Sessel direkt am Kamin setzten.

„Aaaah", sagte Sirius und streckte sich genüsslich, während draußen ein Sturm heulte, „so lässt es sich leben..."

„Was tust du da?", fragte James plötzlich.

„Wie, ich?", fragte Sirius verdutzt zurück.

„Nein, Peter."

„Ich lese", antwortete Peter und wurde rot.

„Du kannst lesen?", fragte Sirius spöttisch.

„Seit wann interessierst du dich für Bücher?", wollte James wissen. Peters Stimme klang beleidigt, als er antwortete.

„Das ist ein Buch über Werwölfe. Ihr habt vielleicht vergessen, dass wir Remus helfen wollten, aber ich nicht."

Einen Moment lang herrschte betretenes Schweigen.

„Natürlich haben wir das nicht vergessen", sagte James schließlich, aber das Schuldbewusstsein in seiner Stimme strafte ihn Lügen.

„Erst waren die Quidditch-Auswahl-Spiele, dann Slughorns Abendessen, danach unser Streich und zum Schluss der Angriff", fasste Peter die letzten Monate zusammen. „Immer war irgendwas anderes. Über Remus haben wir gar nicht mehr gesprochen."

Auf einmal fühlte Sirius sich schuldig, ein Umstand, der äußerst ungewohnt für ihn war. Remus ist dein Freund und er leidet jeden Monat. Und du hast ihn vergessen, nur weil ein paar Slytherins Mist erzählt haben.

„Du hast Recht, Peter", gab er zu. (Das war auch ungewohnt.) „Steht in dem Buch denn irgendwas Nützliches? Hast du schon was rausgefunden?"

Peter, vor dem Sirius eben gerade zum ersten Mal fast so etwas wie Respekt empfunden hatte, schrumpfte zusammen.

„Nicht wirklich", gab er zu. „Und ich glaube, in dem Buch steht auch nichts Interessantes..."

„Bestien in Menschengestalt: Werwölfe – wie man sie erkennt und zur Strecke bringt", las James. Er warf Peter einen zweifelnden Blick zu.

„Du hast nicht wirklich geglaubt, in dem Buch was zu finden, oder?"

„Naja..." Peter schien noch weiter zu schrumpfen. „Irgendwo musste ich ja anfangen..."

„Also, dass du lesen kannst, hast du jetzt bewiesen, Peter", sagte Sirius kopfschüttelnd, „aber vielleicht solltest du danach noch da drüber nachdenken, was du gelesen hast."

„He, Potter!", rief plötzlich jemand durch den Gemeinschaftsraum. „Ich glaube, hier ist eine Eule für dich angekommen."

„Sehr gut, Post von meinem Vater", freute sich James. Er nahm die Eule in Empfang und öffnete den Brief.

Hallo, James,

ich weiß, das wirst du nicht hören wollen, aber tatsächlich kann ich dir nicht viel mehr berichten als im Tagespropheten steht. Vermutlich lest ihr vier regelmäßig Zeitung und habt schon selbst bemerkt, dass die Angriffe in letzter Zeit etwas zurückgegangen sind. Im Gegensatz zum Minister denke ich aber nicht, dass sie einfach aufhören werden. Ich glaube eher, es ist die Ruhe vor dem Sturm. Leider habe ich keine Ahnung, welche Art von Sturm das sein könnte. Ihr müsst euch aber keine Sorgen machen. In Hogwarts seid ihr vollkommen sicher.

Ich wünsche euch ein schönes Halloween.

Dad

PS: Deine Mutter schickt dir morgen ein paar Kekse.

„Naja, wenigstens schreibt er nicht mehr, dass mich das Leben außerhalb von Hogwarts nichts angeht", versuchte James tapfer das Positive an dem mageren Brief zu sehen.

„Und deine Mutter schickt dir Kekse", setzte Sirius zufrieden hinzu. „Am besten schreibst du ihr morgen gleich, dass wir Nachschub brauchen."

Aber James war mit seinen Gedanken schon gar nicht mehr dem Brief.

„Ich wette, Schniefelus weiß etwas", sagte er. Sirius zuckte mit den Schultern.

„Und wenn schon. Er kann nichts beweisen."

„Es gefällt mir trotzdem nicht."

Sirius' Gesicht nahm einen gehässigen Ausdruck an.

„Dann sollten wir ihn vielleicht an seinen Platz erinnern."


An Halloween war die Große Halle wie üblich prächtig geschmückt. Tausend echte Fledermäuse flatterten in großen Schwärmen unter der Decke und kleine und große Kürbisse beleuchteten die Tische, die sich unter dem Festessen bogen. Nur auf die Spinnennetze hatte man dieses Jahr verzichtet. Letztes Halloween hatten sich gleich mehrere Schüler in ihnen verfangen, als Sirius, James, Remus und Peter die Große Halle mit Filibuster-Feuerwerkskörpern und Springenden Knollen aufgemischt hatten. Dafür hatte Prof. Dumbledore eine Newcomer-Band namens Satan's Beats gebucht, was vor allem bei Hogwarts' Schülerinnen auf große Zustimmung stieß.

Sirius, James, Remus und Peter gehörten zu den letzten, die die Große Halle betraten. Peter hatte seinen Hut nicht finden können und nun waren sie spät dran. Mit ihnen betraten Hagrid und Prof. Aridus die Große Halle. Der Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste trug einen sehr langen und wallenden Umhang, der wohl festlich wirken sollte, aber an seiner korrekten Erscheinung nur einigermaßen lächerlich aussah. Er beachtete die vier nicht weiter, aber Hagrid zwinkerte Sirius und James zu.

„Hallo, Jungs. Habt euch ja dieses Jahr noch gar nich bei mir blicken lassen."

„Wir hatten viel zu tun", erklärte James.

„Den Slytherins Liebestränke unterschieben, nich wahr? Hab gehört, Lestrange soll Prof. Sprout fast zum Weinen gebracht ham."

James und Sirius grinsten.

„Es hat Marlene McKinnon seine Liebe gestanden und sich vollkommen lächerlich gemacht. Es war genial. Du hast was verpasst, Hagrid."

„Ihr könnt ja ma bei mir vorbeikommen und alles erzähln, wenn ihr ma in der Nähe seid", schlug Hagrid vor. „Ihr seid doch öfter draußen unterwegs, ihr Rumtreiber."

„Machen wir."

Sie hatten den Gryffindor-Tisch erreicht und suchten sich vier freie Plätze, während Hagrid zum Lehrertisch ging.

„Ah, ich habe Riesenhunger", verkündete James und schaufelte sich einen Berg seines Lieblingsessens auf den Teller.

„Hmm, ich auch", stimmte Sirius zu und häufte sich ebenfalls den Teller voll.

„Ich bin ja gespannt auf diese Band", sagte Remus.

„Was interessiert dich denn die Band?", meinte James abfällig. „Das ist doch nur was für die Mädchen."

„Zu Hause haben wir eine Menge Muggle-Musik von meiner Mutter", erklärte Remus, „aber fast gar nichts von meinem Vater. Ich würde einfach gern wissen, was Zauberer so hören."

„Muggle-Musik?", fragte Sirius neugierig. „Was hören die denn so?"

„Öhm...Deep Purple, Led Zeppelin, Pink Floyd, AC/DC...", zählte Remus einigermaßen überrascht von Sirius' Interesse auf.

„Ey-szie-die-szie", wiederholte Sirius. „Komischer Name. Sind die gut?"

„Manche finden sie gut."

„Hmmm, Nachtisch", stellte James fest, den das ganze Gerede über Musik völlig kalt ließ.

„Satan's Beats kenne ich auch nicht", sagte Sirius zu Remus. „Aber die Crushing Bones sind jetzt ganz groß im Kommen."

„Hast du Schallplatten von ihnen?", fragte Remus und schob seinen leeren Teller zurück. Sirius sah seinen Freund verwirrt an.

„Was sind Schallplatten?"

Bevor Remus antworten konnte, rief Peter aufgeregt: „Sie fangen gleich an!"

Tatsächlich waren das schmutzige Geschirr und die Reste des Festessens verschwunden und vorne, wo normalerweise Dumbledores Rednerpult stand, machte sich die Band fertig. Sie trugen dunkle Kleider und Umhänge aus Drachenleder und um den Hals schwere Ketten. Doch Remus und Sirius sollten zumindest an diesem Abend nichts mehr von den Satan's Beats hören, denn gerade als der Gitarrist seine Hände auf die Saiten legte, brach die Hölle aus.

Erst hörte man nur ein schrilles Summen und Schnattern, dann schrie jemand auf und im nächsten Augenblick war es, als wäre ein Wirbelsturm in die Große Halle gefahren. Kürbisse wurden umgestoßen und flogen durch die Luft, Tischdecken gingen in Flammen auf, Glas splitterte und die Fledermäuse flohen fiepsend unter die magische Decke. Schüler schrien und rannten durcheinander, die Lehrer waren aufgesprungen, aber offensichtlich ratlos. Die magisch verstärkte Stimme des Sängers brachte die Große Halle zum Erzittern, als ihn etwas an den Ohren packte und in die Luft hob. Sirius spürte, wie etwas seinen Stuhl unter ihm wegzog und seinen Umhang packte. Er fuhr herum und nahm aus den Augenwinkeln gerade noch zwei kleine, blaue Schemen wahr, die schrill gackernd davon sausten. Ein Kürbis flog auf ihn zu. Sirius duckte sich und er traf stattdessen Remus und zwar so fest, dass er zerplatzte und Remus benommen umhertaumelte. Peter lief seinem Zauberstab hinterher, Snape wurde kopfüber durch die Luft getragen und Lily kämpfte gegen irgendetwas, das in ihren Haaren saß.

Plötzlich donnerte Prof. Dumbledores Stimme durch die Große Halle.

„IMMOBILUS!"

Im nächsten Augenblick herrschte Totenstille – abgesehen vom Heulen des Sängers von Satan's Beats. Kleine, blaue Männchen schwebten durch die Luft. Es gab einen dumpfen Knall, als Snape zu Boden fiel.

„Das sind ja nur Wichtel!", rief jemand. Dann spürte Sirius plötzlich, wie die gesamte Halle ihn und James anstarrte.

„Was ist denn?", wollte er wissen. „Was starrt ihr denn alle so?"

„Jetzt tu mal nicht so, Black."

„Wir waren's nicht", sagte James, „ehrlich!"

„Natürlich nicht, Potter."

Niemand glaubte ihnen.


Sie waren oben im Gryffindor-Turm in ihrem Schlafsaal und James lief rastlos auf und ab.

„Das gibt's doch nicht", rief er, „wir waren's doch wirklich nicht! Warum glaubt uns denn keiner?"

„Hm, lass uns mal überlegen", sagte Remus sarkastisch. „Wer hat Lestrange den Liebestrank untergeschoben und den Slytherins Verwirrungselexier und Vergesslichkeitstrank in den Kürbissaft gemischt? Wer verhext zum Spaß immer andere Leute? Wer hat letztes Jahr zu Halloween die Große Halle aufgemischt?"

„Ja, aber wir waren's doch wirklich nicht!", rief James mit seltsam hilfloser Stimme, als könne er es überhaupt nicht fassen, für etwas verdächtigt zu werden, womit er nichts zu tun hatte.

„Aber wer war es dann?", fragte Sirius.

„Vielleicht will euch ja jemand Konkurrenz als Unruhestifter in Hogwarts machen", schlug Remus vor.

„Dann wird er sich jetzt aber ganz schön ärgern, schließlich denken alle, dass James und ich es waren."

„Oder jemand will, dass alle denken, dass ihr es ward, damit ihr in Schwierigkeiten kommt."

„Schniefelus", sagte James sofort. „Ich wette, er war das."

„Ich weiß nicht", meinte Remus. „Das ist nicht seine Art. Außerdem haben ihn die Wichtel auch erwischt."

„Trotzdem", beharrte James. „Er ist sicher immer noch sauer wegen seinem ollen Buch."

„Und er weiß von dem Vergesslichkeitstrank und dem Verwirrungselexier", ergänzte Sirius.

„Warum ist er dann nicht einfach zu einem Lehrer gegangen?"

„Woher soll ich das denn wissen?", fragte James unwirsch. „Frag doch Schniefelus."

„Das zahlen wir ihm heim", sagte Sirius.

„Worauf du dich verlassen kannst."