So, bin jetzt auf dem Weg nach Hause. Ab heute bzw. morgen hab ich also auf jeden Fall wieder immer Internet. Damit ist die Gefahr von Verzögerungen etc. aufgehoben. ;)


DISCLAIMER: WELT UND PERSONEN GEHÖREN J. K. ROWLING.


6 Vollmond (Teil 2/2)

Sie hatten sich dafür entschieden, ins Schloss zurückzugehen statt in der Heulenden Hütte zu warten. Remus stützte sich auf Sirius und James lief vorsichtshalber mit dem Tarnumhang voraus, um sie zu warnen, falls Madam Pomfrey ihnen entgegenkam. Aber sie erreichten das Schloss, ohne auch nur einer Menschenseele zu begegnen. Drinnen war es genauso still und leer wie draußen.

„Hallo?", rief James laut. „Wo sind denn bloß alle? Um diese Zeit ist hier doch sonst richtig viel los. Hallo? Hey, wo seid ihr denn alle?"

Aber niemand antwortete. Dann hörten sie plötzlich ein lautes Krachen, gefolgt von einem Schlurfen, als käme etwas Großes, Schweres auf sie zu.

„Was ist das?", quiekte Peter. Seine Frage wurde eine Sekunde später beantwortet. Das Ding, das auf sie zukam, war bestimmt drei Meter groß, hatte einen klobigen Körper und ledrige, violette, behaarte Haut. An seinem Kopf saßen zwei kurze Hörner und es stank infernalisch.

Sirius reagierte als erstes.

„Peter", rief er, „nimm Remus und lauf mit ihm in den Krankenflügel, James und ich halten ihn auf."

„Aber...aber, was ist, wenn da noch mehr von den Dingern sind?", wimmerte Peter.

„Dann schnappst du dir Remus und rennst! Und jetzt verschwinde endlich!", brüllte Sirius. Er hatte seinen Zauberstab gezogen und ihn drohend auf den Angreifer gerichtet. James stand an seiner Seite und verzog angeekelt das Gesicht.

„Ist das ein Troll?", fragte er.

„Ich glaube schon. IMPEDIMENTA!"

Doch der Troll schien den Lähmfluch gar nicht wahrzunehmen. Er grunzte nur einmal und setzte seinen Weg mit unvermittelter Geschwindigkeit vor, eine große Keule hinter sich her schleifend.

„Petrificus totalus!", schrie James. Der Troll wurde nicht einmal langsamer.

„Tarantallegra!"

Der Troll hob seine Keule und ließ sie an der Stelle niedersausen, an der Sirius und James eben noch gestanden hatten.

„Stupor!"

Ein leuchtend roter Strahl schoss aus James' Zauberstab und traf den Troll mitten in die Brust. Für eine Sekunde wurde er langsamer. Dann grunzte er, schüttelte sich und schlurfte seine Keule wild hin- und herschwingend auf James zu. Dieser wich geschickt aus und schleuderte Zauber um Zauber nach dem Troll.

„Stupor! Stupor! STUPOR!"

Doch das schien den Troll eher zu reizen, als ihn aufzuhalten. Er grunzte lauter, schwang seine Keule wilder und trieb James langsam in die Enge.

„Impedimenta!", schrie Sirius verzweifelt. „Stupor! STUPOR!"

Die Keule des Trolls krachte gegen die Wand. James konnte gerade so eben noch ausweichen, aber als der Arm des Trolls zurückschwang, traf er den Gryffindor und schleuderte ihn in eine Ritterrüstung, die laut scheppernd zusammenbrach. Siegesgewiss grunzend schlurfte der Troll auf James zu. Sirius wusste, dass er handeln musste, sofort. Verzweifelt durchforstete er sein Hirn nach einer guten Idee, sah sich nach irgendetwas um, das helfen könnte – da entdeckte er plötzlich Prof. Aridus. Der Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste stand am Ende des Ganges. Erleichtert ließ Sirius den Zauberstab sinken. Doch erst als James „Sirius, tu irgendwas! Egal was!" schrie, wurde ihm bewusst, dass der Lehrer keine Anstalten machte einzugreifen. Und dann war es zu spät. Der Troll hatte James eine schmale Treppe zu einer verschlossenen Tür hinaufgejagt. Es gab keine Fluchtmöglichkeit mehr. NEIN!

„INCARCERUS!"

Seile schossen aus Sirius' Zauberstab und wickelten sich von oben bis unten um den Troll. Dieser grunzte verwirrt, versuchte, mit seiner Keule zu schlagen, versuchte zu gehen, kämpfte gegen die magischen Seile an, verlor und kippte langsam nach vorne.

„James!", schrie Sirius, aber jemand hatte ihn am Arm gepackt und hinderte ihn daran loszulaufen. Prof. Aridus stand plötzlich neben ihm, den Zauberstab auf den gefesselten Troll gerichtet.

„Sie können einfach unter dem Troll hervorkriechen, Mr. Potter", sagte er, wobei seine weit aufgerissenen Augen seine ruhige Stimme Lügen straften, „ich halte ihn mit einen Schwebezauber fest."

„Uuuh, das stinkt!", hörte man James dumpf sagen. Eine Sekunde später krabbelte er bleich mit zerrissenen Umhängen und das Haar zerzauster denn je, aber gesund und munter unter dem Troll hervor. Anerkennend musterte er das stinkenden Ungeheuer.

„Klasse Idee, Sirius. Aber bitte heb dir deine Rettungsaktionen in Zukunft nicht immer bis zur letzten Sekunde auf."

Sirius grinste erleichtert.

„Wenn du aufhörst, dich in Schwierigkeiten zu bringen."

Plötzlich hörte man schnelle Schritte und wehende Umhänge. Die Lehrer, allen voran Prof. McGonagall, kamen den Flur hinuntergelaufen. Ihr Mund war nur noch ein Strich.

„Potter! Black! Warum sind Sie nicht im Gryffindor-Turm?"


Da Sirius und James sich weigerten zu antworten, brachten Prof. McGonagall und Prof. Aridus sie zu Dumbledore. Das Schulleiterbüro wurde von einem hässlichen Wasserspeier bewacht, der auf das Passwort hin zur Seite sprang und den Eingang zu einer Wendeltreppe freigab, die einen von alleine nach oben fuhr.

Dumbledores Büro selbst war ein großer runder Raum, in dem allerlei seltsame Geräte auf kleinen Tischchen standen. Neben der Tür befand sich ein Käfig, in dem der schönste Vogel hockte, den Sirius je gesehen hatte. Er war etwa so groß wie ein Schwan und scharlachrot mit goldenen Schwanzfedern. Das Zentrum des Raumes bildete ein großer Schreibtisch, hinter dem Prof. Dumbledore saß. In einem Regal standen viele dicke alte Bücher mit dunklen Einbänden und an den Wänden hingen die Portraits ehemaliger Schulleiter. Eines von ihnen, unter dem Phineas Nigellus Black stand, warf Sirius einen abschätzigen Blick zu und sagte: „Mein missratener Ururenkel. Was hat er diesmal angestellt, Dumbledore?"

„Halt die Klappe", murmelte Sirius.

„Halten Sie Ihre Zunge im Zaum, Black!", fuhr Prof. McGonagall ihn scharf an.

„Meine Zunge im Zaum halten?", wiederholte das Portrait empört. „Also, ich muss doch sehr bitten..."

„Nicht Sie, Phineas, Ihr Ururenkel", korrigierte Dumbledore mit ruhiger Stimme. Ernst betrachtete er Sirius und James durch seine halbmondförmigen Brillengläser. Dann sagte er: „Bitte schildern Sie mir, was vorgefallen ist."

„Wir sind von dem Troll überrascht worden, Sir", erklärte James. „Wir haben alle möglichen Zaubersprüche ausprobiert, aber keiner hat richtig funktioniert."

„Ja, Trolle sind wie Riesen gegenüber Magie sehr widerstandsfähig", bestätigte Dumbledore. „Was geschah dann?"

„Der Troll ist mit der Keule auf uns losgegangen", erzählte Sirius. „James hat ihn abgelenkt und dann habe ich ihn gefesselt."

„Was die Jungen sagen, stimmt", mischte sich Prof. Aridus ein. „Als ich hinzukam, sah ich Mr. Black gerade einen Incarcerus-Zauber ausführen, sehr beeindruckend für einen Zweitklässler. Ich habe den Troll dann mit einem Schwebezauber in der Luft gehalten, bevor er Mr. Potter erschlagen konnte."

„Hat sich dieser Vorfall tatsächlich so zugetragen?", fragte Prof. Dumbledore. „Sind das alle Einzelheiten?"

„Ja, Sir, das ist alles", antwortete James. Er hat Aridus nicht gesehen, er hat erst seine Stimme gehört, als der Troll beinahe auf ihn gefallen ist.

„Mr. Black, haben Sie noch etwas zu ergänzen?"

Sirius schüttelte den Kopf. Warum sagt Aridus nicht, dass er gezögert hat? Hat er Angst vor den Konsequenzen oder will er es nicht sagen...?

„Nein, Sir..."

Sirius war sich nicht ganz sicher, ob Prof. Dumbledore ihm glaubte, aber der Schulleiter fragte nicht weiter. Stattdessen wandte er sich an den Verteidigungslehrer: „Prof. Aridus, bitte kümmern Sie sich um den Troll. Hagrid ist sicher schon im Schloss und wird Ihnen dabei behilflich sein."

Aridus verschwand. Dumbledore legte die Fingerspitzen aneinander und wandte sich wieder an James und Sirius.

„Jetzt zu Ihnen beiden. Sie haben also Mr. Lupin in der Heulenden Hütte besucht und als Madam Pomfrey nicht kam, um ihn abzuholen, sind Sie misstrauisch geworden und haben ihn ins Schloss gebracht, wo der Troll Sie überrascht hat. Ist das richtig?"

Sirius hörte, wie Prof. McGonagall nach Luft schnappte.

„Sie haben was getan?"

Spätestens ab diesem Zeitpunkt begriffen Sirius und James, dass leugnen zwecklos war.

„Ja, Sir."

„Seien Sie ganz beruhigt, Prof. McGonagall ist wie die meisten Lehrer von Beginn an in Mr. Lupins kleines Geheimnis eingeweiht."

Hat er Prof. Aridus deshalb weggeschickt? Weil er nicht eingeweiht ist?

„Aber es würde mich interessieren, seit wann Sie beide Bescheid wissen."

„Seit letztem Jahr", antwortete James und schob trotzig das Kinn vor. „Aber wir haben es keinem verraten. Und wenn Sie Remus deshalb jetzt von der Schule nehmen wollen..."

Dumbledore lächelte.

„Ich habe keineswegs vor, Mr. Lupin von der Schule zu nehmen. Im Gegenteil, ich bin froh, dass er anscheinend verlässliche Freunde gefunden hat. Das ist fast mehr, als ich erwartet hatte", setzte er mehr an sich selbst gewandt leiser hinzu. „Nein, Mr. Potter, in der Hinsicht können sie unbesorgt sein. Aber ich muss Sie beide ausdrücklich daran erinnern, wie wichtig es ist, dass Mr. Lupins Verfassung ein Geheimnis bleibt. Das bedeutet auch, dass Sie Besuche in der Heulenden Hütte bitte in Zukunft unterlassen. Es ist mir ein Rätsel, wie Sie sich bisher an Vollmond unbemerkt aus dem Schloss schleichen konnten, aber seien Sie versichert, ich werde dafür sorgen, dass dies in Zukunft erheblich schwieriger wird. Haben wir uns verstanden?"

Sirius und James nickten.

„Ja, Sir."

„Wunderbar. Minerva, ich denke, von einer Bestrafung können wir absehen. Freundschaft gehört nicht zu den Dingen, die in Hogwarts geahndet werden."

Prof. McGonagall nickte zustimmend. Das Portrait von Phineas Black hüstelte missbilligend und Sirius meinte so etwas zu hören wie „Freundschaft mit einem Halbblut".

„Dann würde ich sagen, ist es jetzt das Beste, wenn sie in den Gryffindor-Turm gehen", sagte Dumbledore. „Sie haben noch eine Frage, Mr. Potter?"

„Ja, Sir. Wie ist dieser Troll hier reingekommen?"

Wieder legte Dumbledore die Fingerspitzen aneinander und sah James ernst an.

„Das, Mr. Potter, wüsste ich auch gern."


Stunden später saßen sie zusammen in ihrem Schlafsaal mit ein paar Flaschen Butterbier aus Hogsmeade und Keksen von Mrs. Potter. Unten war immer noch eine kleine Party im Gange, aber nachdem Sirius und James, Remus und Peter es eine Weile genossen hatten, sich feiern zu lassen (James und Sirius hatten sich dreimal durch den Gemeinschaftsraum tragen lassen), taten ihnen langsam die Schultern weh, weil so viele Leute meinten, ihnen anerkennend auf die Schulter klopfen zu müssen und das Gewusel um sie herum wurde lästig. Also waren sie nach oben gegangen und der Gemeinschaftsraum feierte ohne seine vier Helden weiter.

Prof. McGonagall hatte nur das Nötigste zu dem Vorfall gesagt, als sie sie in den Gryffindor-Turm gebracht hatte – mit dem Ergebnis, das schon wenige Stunden später die gesamte Schule Bescheid wusste und die tollsten Gerüchte die Runde machten. Manche von ihnen hatten die vier selbst gestreut. Sirius und James erzählten jedem, der es hören wollte, dass Remus heldenhaft mit einer Hellebarde, die er einer Rüstung abgenommen hatte, auf den Troll losgegangen und dabei verletzt worden war. Peter hatte ihn in den Krankenflügel gebracht und Sirius und James hatten gemeinsam den Troll zur Strecke gebracht. Dieser letzte Teil der Geschichte entsprach anfangs weitgehend der Wahrheit, wurde aber, je öfter Sirius und James sie erzählten, immer dramatischer und länger.

„So. Und wie war es nun wirklich?", fragte Remus, als sie endlich alleine waren. Sirius und James erzählten es ihm und Peter, der aufgeregt lauschte.

„Nur ohne diesen An-den-Wänden-Lauf-Trick", ergänzte Sirius zum Schluss, „den hat James erfunden."

„Hast du 'ne Ahnung", brummte dieser. „Da war doch der Troll vor, das konntest du doch gar nicht sehen."

„Und Dumbledore weiß wirklich nicht, wie der Troll hier reingekommen ist?", fragte Remus ungläubig.

„Das hat er gesagt", bestätigte Sirius.

„Seltsam", meinte Remus. „Ich meine, Dumbledore weiß sonst immer alles."

Sirius grinste.

„Naja, fast alles. Ich glaube, er weiß auch nichts von James' Tarnumhang." Dann wurde er ernst. „Und da war noch etwas seltsam."

Und er erzählte, wie Prof. Aridus am Ende des Ganges gestanden hatte, ohne etwas zu tun.

„Bist du dir sicher?", fragte Remus. „Ich meine, du warst aufgeregt, du hattest Angst..."

„Ich hatte keine Angst!"

„James war in Gefahr... Vielleicht hast du dich einfach getäuscht."

„Nein." Sirius schüttelte entschieden den Kopf. „Ich bin mir ganz sicher. Er hat da gestanden und nichts gemacht."

„Vielleicht hatte er einfach Angst", vermutete James.

„Er ist der Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste!"

„Jaaaa, in der Theorie, aber von der Praxis hat er nicht wirklich Ahnung, oder?"

„Und wenn er einfach nicht eingreifen wollte?"

„Aber er hat doch später eingegriffen, oder?", warf Remus ein. „Er hat doch den Schwebezauber gesprochen, sodass der Troll James nicht erschlagen hat."

„Wie du siehst, lebe ich noch", bestätigte James.

„Ja, aber..."

„Das hätte er doch nicht getan, wenn er euch hätte im Stich lassen wollen. Dann hätte er sich auch nicht so offen in den Gang gestellt, wo du ihn sehen konnte."

„Ja, schon, aber..."

„Noch mal zurück zu diesem Troll", sagte James, der anscheinend langsam die Geduld verlor. „Wo kam der her? Gibt es Trolle im Verbotenen Wald?"

Ratloses Schweigen.

„Keine Ahnung", sagte Sirius schließlich. „Warum fragen wir nicht einfach Hagrid? Er hat uns doch eh zum Tee eingeladen."

„Gute Idee", meinte James. „Aber ich ess keinen von seinen Keksen!"


Sie besuchten Hagrid am nächsten Tag nach der Schule.

„Kommt rein, Jungs", begrüßte er sie freundlich. „Und die anderen Helden habt ihr auch mitgebracht?"

„Ja, das sind Remus und Peter", erklärte James.

„Ach, du bist Remus, der mit der Hellebarde auf den Troll losgegangen is? Hattest wohl deinen Zauberstab vergessen, hm?"

Remus wirkte einen Augenblick lang erschrocken, aber als Hagrid ihm zuzwinkerte, entspannte er sich.

„Ja, hatte ich wohl. Ziemlich blöde."

„Na, dann setzt euch ma, ihr Rumtreiber."

Er machte Tee und bot ihnen Sirupbonbons an. James griff sofort zu, dankbar dafür, dass es diesmal keine Felsenkekse gab.

„Dann erzählt ma, Jungs", forderte Hagrid sie auf, nachdem er sich mit einer gewaltigen Tasse Tee zu ihnen gesetzt hatte. Sirius und James ließen sich nicht lumpen und boten ihre bislang längste, dramatischste, detailreichste und farbenprächtigste Darbietung.

„James ist also der Keule ausgewichen..."

„Und noch im Fallen habe ich einen Schockzauber abgfeuert..."

„Und der Troll ist ganz wütend geworden und hat rumgetrampelt und seine Keule geschwungen..."

„Aber wir haben uns nicht erwischen lassen..."

„James hat den Troll abgelenkt..."

„Und ich habe ihn mit Flüchen bearbeitet..."

Ich habe auch Flüche abgefeuert..."

„Und als der Troll dann geschwächt war, habe ich ihn gefesselt..."

„Und ich habe ihn mit einem Schwebezauber dabei festgehalten."

Hagrid gluckste.

„Ich dachte, Prof. Aridus hat den Schwebezauber gesprochen."

„Jaaaaa", sagte James, „jaaaaa, Prof. Aridus kam später dazu, aber eigentlich wären wir auch ohne ihn mit dem Troll fertig geworden..."

„Und zwar mit links", fügte Sirius hinzu. Remus verdrehte die Augen.

„Ja sicher, ihr großen Helden..."

Hagrid gab ein glucksendes Lachen von sich.

„Hagrid, weißt du, wie der Troll reingekommen ist?", fragte Sirius. Hagrid schüttelte den Kopf.

„Nee. Hätt eigentlich nich passiern dürfen. 's gibt Abwehrzauber gegen Trolle."

„Kann er aus dem Verbotenen Wald gekommen sein?", fragte James. Wieder schüttelte Hagrid den Kopf.

„Nee. Die sin' viel zu dumm, um den Weg aus dem Wald zu finden. Außerdem leben im Verbotenen Wald nur Waldtrolle und das im Schloss war ein Flusstroll. Die gibt's hier nich."

„Dann muss das jemand geplant haben. Jemand muss den Troll ins Schloss gelassen haben", murmelte Remus.

„Das sagt Dumbledore auch. Nun macht euch ma keine Sorgen", fügte Hagrid hinzu, als er ihre nachdenklichen Gesichter sah. „Dumbledore wird das Rätsel schon lösen. Großartiger Mann, Dumbledore, großartiger Mann."

Aber als sie am nächsten Tag den Tagespropheten aufschlugen, erlebten sie eine böse Überraschung:

Erneut Sicherheitspanne in Hogwarts

Nachdem Albus Dumbledore schon Anfang November negativ in die Schlagzeilen kam, weil er zuließ, dass Wichtel die Große Halle in Hogwarts verwüsteten und Schüler sowie die Newcomer-Band Satan's Beats angriffen und verletzten, gibt es nun erneut Ärger. Am Morgen des 21. Novembers gelang es einem Flusstroll, in das Schloss einzudringen und Schüler und Lehrer in Angst und Schrecken zu versetzen. Glücklicherweise konnte das Ungeheuer aufgehalten werden, bevor jemand ernsthaft verletzt wurde.

Der Schulbeirat, allen voran Abraxas Malfoy, äußerte sich sehr nachdenklich: „Das ist dieses Jahr schon die zweite Panne innerhalb von kürzester Zeit. Wie kann man seine Kinder vertrauensvoll nach Hogwarts schicken, wenn man um ihre Sicherheit fürchten muss? Wie kann ein Lehrer die Schule leiten, der noch nicht einmal die Sicherheit seiner Schüler gewährleisten kann?"

Der Schulbeirat kündigt weitere Untersuchungen an. Sollten sich ein weiterer Vorfall ereignen, ist eine Suspendierung Dumbledores nicht ausgeschlossen.

Kurze Zeit später trafen die Briefe der Eltern ein. Zu Sirius' Überraschung flog der schwarze Kauz der Blacks nicht zu Regulus, sondern landete neben ihm am Gryffindor-Tisch.

Sirius, schrieben seine Eltern,

wir haben von der Sache mit dem Troll gehört. Wir hoffen, dass du und Regulus unverletzt seid. Falls einem von euch etwas geschehen ist, erwarten wir sofort eine Eule; der Verantwortliche wird dafür zur Rechenschaft gezogen.

Wir erwarten dich und Regulus an Weihnachten zu Hause.

Orion und Walburga Black

Sirius warf einen Blick hinüber zum Slytherin-Tisch. Regulus saß mit missmutigem Gesicht zwischen Rosier und Snape und machte abgesehen von seiner Laune einen gesunden Eindruck. Nach dem Kampf mit dem Troll habe ich nicht einmal an ihn gedacht oder ihn gefragt, was er mir unbedingt erzählen wollte.

Nach dem Essen ließ er James, Remus und Peter vorgehen und fing Regulus vor der Großen Halle ab.

„Hey, Reg! Post von zu Hause."

Regulus schenkte dem Brief nur einen flüchtigen Blick.

„Es geht mir gut."

Einen Augenblick lang herrschte Schweigen. Dann fragte Sirius: „Was ist denn an dem Morgen überhaupt genau passiert? Ich hab nur die Hälfte mitbekommen."

„Keine Ahnung", gab Regulus kurz angebunden zurück. „Ich war nicht in der Großen Halle, ich hab verschlafen."

„Du hast verschlafen?", wiederholte Sirius ungläubig. „Du verschläfst doch nie!"

„An dem Tag offensichtlich schon", gab sein Bruder bissig zurück. „Und wie fühlt man sich so als großer Held, Sirius? Hast Potter und Pettigrew und dem Schlammblut den Arsch gerettet, hab ich gehört."

„James und ich haben zusammen..." Sirius stockte. „Was ist los mit dir, Reg?"

Regulus war normalerweise gelassen und kühl, es war Sirius, der aggressiv und hitzig reagierte.

„Nichts!", fauchte Regulus und ließ Sirius stehen. Dieser sah ihm verblüfft hinterher.