Tach, Leute! Vielen Dank für den Review bzw. die Reviews, denn ich werde außerdem auf einen Review für den ersten Teil antworten, weil ich Jen keine PN schreiben kann. Viel Spaß beim Lesen!
...ach ja und eine kleine Sache noch: Ich habe eine minimale Veränderung am ersten Kapitel ("Andromeda") vorgenommen. Es ist absolut nicht handlungsrelevant, aber der Vollständigkeit halber wollte ich es mal sagen.
Wulfbrain: Schön, dass du wieder da bist und natürlich auch schön, dass dir das Kapitel gefallen hat. :) Ja, was wohl in dem Geschenk ist...? ;)
Jen: Hey, wow, schön, dass dir meine Story so gut gefällt. :) Dass jemand sie so gut findet, hätte ich gar nicht gedacht. Und danke für dein Feedback zu besagtem Satz, ich war mir nämlich nicht sicher, ob ich nicht vielleicht schon zu weit vorgreife. Ich hoffe mal, dir gefällt die Fortsetzung hier genauso gut wie der erste Teil. :)
DISCLAIMER: WELT UND PERSONEN GEHÖREN J. K. ROWLING.
Der Erbe der Blacks (2/2)
„Mutter NICHT!"
Doch selbst sein Bruder konnte gegen ihren Zorn nichts ausrichten.
„Geh aus dem Weg, Regulus!"
Ihr Fluch warf Sirius gegen die Wand und presste ihm die Luft aus den Lungen. Er hustete und rang nach Atem.
„Warte doch wenigstens, bis Vater nach Hause kommt!"
„NEIN!"
Die unsichtbaren Peitschenhiebe trafen Sirius bei jedem Wort.
„Er soll dafür bezahlen, was er mir angetan hat! Diese Blamage! Erst Pollux, dann Bellatrix..."
Die Worte verloren ihre Bedeutung und zurück blieb nur noch der Schmerz. Gut gemacht, Cousine, dachte Sirius dumpf, genau wie du es dir gewünscht hast. Dies war Bellatrix' Rache für den Skandal, den er auf ihrer Hochzeit verursacht hatte, aber wenn er ihre Andeutungen richtig verstanden hatte, dann auch dafür, dass er sich mit Schlammblütern abgab und dass er mit James befreundet und selbst ein verdammter Blutsverräter war.
„Schandfleck!", drangen die Worte seiner Mutter in sein Bewusstsein. „Taugenichts! Unwürdiges, nichtsnutziges Balg!"
„WAS GEHT HIER VOR?"
Orion Black war zurückgekehrt. Eine seltsame Erleichterung durchströmte Sirius. Schlagartig hörten die Flüche seiner Mutter auf. Mühsam kam Sirius auf die Beine. Der Raum drehte sich und er lehnte sich an die Wand.
„Walburga, was hat das zu bedeuten?"
„Der Junge ist außer Rand und Band!", kreischte Walburga Black. „Er hat meinen Vater beleidigt und mich vor ihm blamiert und er hat Bellatrix angegriffen! Ich lehre ihn Respekt!"
„Bellatrix ist sicher nicht ganz unschuldig daran. Abgesehen davon, dass sie gar nicht hätte hier sein dürfen. Sie nimmt sich zu viel heraus."
„Sie ist die Tochter meines Bruders! Sie ist hier immer Willkommen!"
„Sie ist Rodolphus' Frau und hätte heute Abend bei den Lestranges bleiben sollen. Wie auch immer", fuhr Orion fort, bevor Walburga widersprechen konnte, „du hast Sirius genug bestraft. Regulus, besorg deiner Mutter einen Beruhigungstrank und kümmere dich um sie."
„Ja, Vater."
„Sirius, geh in dein Zimmer und bleib dort, bis ich dich hole."
Mechanisch stieß Sirius sich von der Wand und schleppte sich zur Treppe.
„Kreacher!", rief Regulus. „Bring einen Beruhigungstrank für Mutter in den Salon und einen Schlaftrunk für Sirius in sein Zimmer."
„Ein Beruhigungstrank für die arme geplagte Herrin und einen Schlaftrunk für den ungezogenen jungen Herrn Sirius, sehr wohl", wiederholte Kreacher.
„Keinen Schlaftrunk für Sirius", korrigierte Orion Black den Befehl seines Sohnes. „Vielleicht lernt er etwas daraus."
„Also nur einen Beruhigungstrank für Mutter", stellte Regulus fest. „Geh, Kreacher."
Der Hauself verbeugte sich und verschwand.
Als Sirius endlich oben in seinem Zimmer im dritten Stock ankam, fühlte er sich völlig erschöpft. Er warf sich aufs Bett und hätte gern geschlafen, aber die Nachwirkungen der Flüche ließen ihm keine Ruhe. Um sich abzulenken beschloss er, einen Brief an James zu schreiben, aber ihm fiel nichts ein, was er seinem Freund hätte erzählen können. Hi, James, mein Großvater hat mich einen Verräter genannt, Bellatrix und ich haben uns duelliert und meine Mutter hat mich verhext, bis ich nicht mehr stehen konnte. Und wie war der Heilig Abend bei dir? Sirius. Haha.
Plötzlich klopfte es.
„Sirius, ich bin's, Regulus!"
Einen Augenblick lang überlegte Sirius, ob er seinen Bruder zum Teufel schicken sollte, aber dann knurrte er: „Komm rein."
Regulus kam herein und Sirius bemerkte mit einer gewissen bitteren Befriedigung, dass er schuldbewusst aussah.
„Was willst du?", fragte er grob.
„Ich konnte nichts tun, Sirius, ich hab's versucht..."
„Ja, ich hab's gehört: Mutter nicht", äffte er die Stimme seines Bruders nach, „warte wenigstens, bis Vater nach Hause kommt..."
„Hör auf, dich über mich lustig zu machen!" Regulus' Stimme klang nicht mehr schuldbewusst, sondern wütend. „Du bist doch selbst Schuld! Warum kannst du dich einfach nicht beherrschen? Es war doch offensichtlich, dass Bellatrix dich nur provozieren wollte. Weißt du überhaupt, wie dein Benehmen Mutter getroffen hat?"
„Mutter soll meinetwegen in der Hölle schmoren!"
„Sie leidet unter dem, was du tust."
„Ich leide auch unter dem, was sie tut!"
„Sie würde dich nicht bestrafen, wenn..."
„Ich warne dich, Regulus, fang nicht schon wieder damit an!"
Sein Bruder warf ihm einen spöttischen Blick.
„Mit Drohungen würde ich mich an deiner Stelle erst mal zurückhalten. Du kannst ja kaum stehen." Er warf Sirius eine bauchige Flasche zu. „Hier, gegen die Schmerzen. Wenn du klug bist, erwähnst du es Mutter und Vater gegenüber nicht."
Es war der 27. Dezember 1972, 23:59 Uhr und nur noch 20 Sekunden bis Mitternacht. Sirius starrte auf seinen Wecker und zählte die Sekunden. Als es null Uhr schlug, stand er auf, ging ans Fenster und schob die schweren Samtvorhänge zur Seite. Es war eine dunkle Nacht. Der blasse Halbmond schimmerte undeutlich durch die Wolken und dicke Schneeflocken fielen langsam und lautlos vom Himmel. Seltsam enttäuscht ließ Sirius den Vorhang wieder fallen. Was hast du erwartet, dass Schlag zwölf drei Eulen in dein Zimmer fliegen? Wenn überhaupt welche kommen.
Weihnachten war gerade erst vorbei, aber Sirius erschien es, als wäre eine halbe Ewigkeit vergangen, seit sie mit dem Hogwarts-Express in Kings Cross eingefahren waren und sich voneinander verabschiedet hatten. Er hatte sein Zimmer in den letzten Tagen kaum verlassen, teils, weil es ihm sein Vater verboten hatte, teils, weil er auch keinen Grund hatte, es zu tun. Regulus hatte ihn mit dem Nötigsten versorgt und seine wenigen illegalen Ausflüge ignoriert.
Je länger Sirius eingesperrt war, desto schwerer fiel es ihm zu glauben, dass es in Hogwarts ein anderes, unbeschwertes Leben gab. Umso verzweifelter wartete er auf er ein Lebenszeichen seiner drei Freunde. Er war vor zwei Minuten 13 Jahre alt geworden und er bemerkte erst jetzt an dem seltsamen Kloß in seiner Kehle und dem Knoten in seiner Brust, wie sehr er zu diesem Anlass auf Post gehofft hatte.
Immerhin hatte er noch Onkel Alphards Geschenk. Er hatte das kleine unscheinbare Päckchen schon mehrmals hervorgeholt, aber noch nicht ausgepackt. Aber heute war sein Geburtstag. Sirius durchtrennte die Schnur und zerriss erwartungsvoll das Papier. Zum Vorschein kamen zwei kleine quadratische Spiegel. Sirius konnte nichts Besonderes an ihnen entdecken. Er nahm einen von ihnen in die Hand und untersuchte ihn genau, aber an dem Spiegel war absolut nichts Auffälliges. Er sah in das Glas, aber konnte nicht mehr erkennen als sein eigenen Gesicht. Onkel Alphard hatte ihm stinknormale Taschenspiegel geschenkt. Die Enttäuschung war so groß, dass Sirius sich fühlte, als hätte man ihm einen Schlag in die Magengrube verpasst. Erst Andromeda und jetzt auch noch Onkel Alphard. Dann erst entdeckte er den Zettel, der auf das Bett gefallen war, als er das Papier zerrissen hatte.
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Sirius! Dies sind Zweiwegespiegel. Gib das Gegenstück einem Freund und wenn ihr euch unterhalten wollt, sagt einfach den Namen des anderen.
Genieß dein Leben so lange du kannst, bevor du dich mit dieser debilen Familie herumschlagen musst.
Alphard
„Wow!", flüsterte Sirius, während er an all die Möglichkeiten dachte, die diese Spiegel eröffnen würden. Das Gegenstück würde natürlich James bekommen. Ob Alphard daran gedacht hatte? Er wickelte die Spiegel wieder ein und verstaute sie sorgfältig zwischen seinen Hogwarts-Sachen, wo auch schon Alphards Weihnachtsgeschenk, Flüche und Gegenflüche, stand.
Einen Augenblick später pochte es an der Scheibe. Mit einem Satz war Sirius am Fenster und riss es auf. Remus' Eule Romulus flog hinein und ließ ein Paket auf sein Bett fallen. Sirius spürte, wie sich der Knoten in seiner Brust auflöste und einem warmen Gefühl wich.
Noch bevor Sirius das Papier aufgerissen hatte, wusste er schon, dass es ein Buch sein würde. Innerlich verdrehte Sirius die Augen; Remus verschenkte anscheinend nichts anderes als Bücher und Schokolade, aber zumindest schien dieses Buch hier dem Titel nach (Praktische Defensive Magie und ihr Einsatz gegen die dunklen Künste Band eins) recht nützlich zu sein. Bei dem Buch lag außerdem ein rechteckiges Kästchen, das einen Gegenstand mit zwei Löchern enthielt, durch die man seine Finger stecken konnte. Etwas Vergleichbares hatte Sirius noch nie gesehen. Neugierig las er, was Remus ihm geschrieben hatte.
Hallo, Sirius,
alles Gute zu deinem 13. Geburtstag. Ich hoffe, du hattest schöne Weihnachtstage. (Sirius schnitt eine Grimasse.) Hoffentlich bist du nicht allzu sehr enttäuscht, dass ich dir ein Buch schenke (Bücher können sehr nützlich sein, ich hoffe, du und James begreift das irgendwann mal), aber so oft wie du dich in Schwierigkeiten bringst, dachte ich, es würde nicht schaden. (Wer weiß, wann in diesem verrückten Schuljahr der nächste Troll auftaucht.)
Die Kassette stammt von meiner Mutter. (Sirius runzelte die Stirn. Was war eine Kassette?) Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, dass du die ganzen Bands nicht kennst, von denen ich dir an Halloween erzählt habe, und hat deshalb ein paar Songs für dich aufgenommen. Von AC/DC ist auch etwas dabei.
Wir sehen uns im Hogwarts-Express.
Remus
Sirius öffnete noch einmal das rechteckige Kästchen und holte das Ding mit den zwei Löchern heraus, bei dem es sich vermutlich um diese Kassette handelte. Aber wo sollte da die Musik herkommen? Er holte seinen Zauberstab hervor und tippte das komische Gerät an, aber nichts geschah. Dann probierte er ein paar Zauber, aber keiner funktionierte. Etwas enttäuscht legte Sirius die Kassette zur Seite.
Inzwischen hatte Romulus Gesellschaft von Peters Kauz erhalten, der eher ein Käuzchen war.
Hallo, Sirius, schrieb Peter.
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Ich wusste erst nicht so recht, was ich dir schenken soll, aber James hat mir verraten, dass sein Geschenk etwas mit Quidditch zutun hat, und da dachte ich, du könntest mein Geschenk vielleicht ganz gut gebrauchen.
Ich wünsche dir noch schöne Ferien!
Peter
Neugierig öffnete Sirius Peters längliches Geschenk. Es enthielt einen neuen Treiberschläger dessen Griff mit rotgoldenen Bändern umwickelt war. Probeweise schwang er ihn durch die Luft. Sirius lächelte. Es fühlte sich gut an.
Inzwischen hatte auch James' Eule den Weg in sein Zimmer gefunden. Von Peters Andeutungen neugierig gemacht, öffnete Sirius zuerst das Paket, bevor er den Brief las. Er fand ein Buch und eine große Portion von Mrs. Potters Keksen. Einen Augenblick lang wunderte sich Sirius, wie ausgerechnet James dazu kam, ihm ein Buch zu schenken, dann fiel sein Blick auf den Titel: Klatscher klatschen: Verteidigungsstrategien im Quidditch. Sirius grinste. Vermutlich war dies die einzige Art von Buch, die nicht vor James sicher war. Als nächstes las er den Brief, der überraschenderweise der längste war – normalerweise war James außerordentlich schreibfaul.
Hi, Sirius!
Herzlichen Glückwunsch und alles Gute zum Geburtstag, Kumpel! Ich hoffe, dein Geschenk ist rechtzeitig angekommen, Mum musste nämlich extra noch mal Kekse backen, weil Dad und ich alle aufgegessen haben.
Wie war Weihnachten bei dir? Was hast du für Geschenke gekriegt? Dad hat mir ein Buch über Quidditch-Strategien geschenkt. In Hogwarts müssen wir unbedingt die Faultierrolle und den Wronski-Bluff ausprobieren. Von Mum hab ich ein dickes Buch über Verwandlung gekriegt – ich weiß nicht, was sie sich dabei gedacht hat.
Hier ist es gerade etwas langweilig... Dad hat nur an Weihnachten freimachen können und ist jetzt fast die ganze Zeit im Ministerium und Mum hat gerade viel mit ihrem Sitz im Schulbeirat zu tun. Stell dir vor, sie wollen Dumbledore absetzen! Ich hab Mum heimlich belauscht, als sie sich mit Longbottoms Vater per Flohpulver unterhalten hat. Abraxas Malfoy, dieses schwarzmagische Arschloch, setzt alle unter Druck, damit dem Antrag zugestimmt wird. Mum sagt, wenn sie Crouch überzeugen, dann haben sie genug Stimmen und er wird wahrscheinlich gegen Dumbledore stimmen, wenn noch mal was passiert.. Ich glaube, da ist irgendwas faul. Wenn Schniefelus nicht gelogen hat und er die Wichtel wirklich nicht freigelassen hat und es die gleiche Person war wie die, die den Troll reingelassen hat, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis eine neue Bestie in Hogwarts eindringt.
Dein Vater sitzt doch auch im Schulbeirat und er steht bestimmt auf Malfoys Seite. Kannst du ihn vielleicht ein bisschen aushorchen? Ich versuche das Gleiche mit Mum, aber ich glaube, sie weiß auch nicht mehr als ich.
Bis bald!
James
PS: Grüße von Mum und Dad.
PPS: Lass dich von diesen schwarzmagischen Idioten nicht unterkriegen!
Sirius starrte auf das Papier. Er war sich relativ sicher, dass James mit seiner Vermutung Recht hatte. Er selbst hatte schon ähnliches gedacht. Doch wer sollte Dumbledore absetzen wollen? Sicher, er hatte sich mit seiner Art nicht nur Freunde gemacht. Unter den reinblütigen konservativen Familien war er wegen seiner mugglefreundlichen Einstellung sogar extrem unbeliebt, aber bislang hatte das keine der reinblütigen Familien genug gestört, um ihren Ruf und ihre gesellschaftliche Stellung zu riskieren und Dumbledore stürzen. Aber wenn es ihnen gar nicht um Hogwarts geht...? Wenn es ihnen um viel mehr geht... Plötzlich erinnerte sich Sirius daran, was Bellatrix ihm neben vielen anderen Dingen am Heilig Abend an den Kopf geworfen hatte: „Bald wird es niemanden mehr geben, der sich gegen den dunklen Lord stellt, und dann werden alle Schlammblüter und Blutsverräter bezahlen!" Sie hatte gelächelt. „Vielleicht fangen wir ja mit den Potters an..."
Er hatte gedacht, sie hätte dies nur gesagt, um ihn zu reizen – was ihr ja auch gelungen war – aber falls sie nun gemeint hatte, dass sich Voldemort niemand mehr in den Weg stellen könnte, weil Dumbledore, der ja als der mächtigste Zauberer dieser Zeit galt, beseitigt war und wenn die Potters danach wirklich Ziele waren... Die mächtigste Familie unter den Blutsverrätern, extrem beliebt, Mr. Potter Auror und Leiter der Aurorenzentrale, Mrs. Potter Schulbeirätin und sozial engagiert... Wenn es so einen Plan gibt, werde ich es herausfinden, James. Und sie stoppen.
Sirius wusste, dass er vorsichtig sein musste, wenn er etwas herausfinden wollte, ohne erwischt zu werden. Unter anderen Umständen, wenn er wie Regulus gewesen wäre, in Slytherin und der Erbe, der er sein sollte, hätte er vermutlich einfach nur fragen müssen. Vielleicht noch nicht mal das. Aber so wie die Dinge lagen, würde ihm niemand eine Frage beantworten, sondern vielmehr die Wahrheit vor ihm verstecken.
Den Versuch, seine Eltern zu belauschen, gab er schnell auf. Falls es einen Plan gab und sie von ihm wusste, sprachen sie nicht darüber oder taten es so, dass er keine Chance hatte, etwas davon mitzubekommen.
Regulus zu fragen, traute sich Sirius nicht. Zu sehr fürchtete er, dass Regulus ihn verraten könnte – dabei hätte er seinem Bruder vor einem Jahr noch bedenkenlos vertraut.
Also schritt Sirius zum Äußersten: Er spionierte seinem Vater hinterher. Orion Black schloss sein Arbeitszimmer nie ab. Er vertraute darauf – und das bislang zurecht –, dass kein Familienmitglied die Unverfrorenheit besaß, das Zimmer ohne seine ausdrückliche Einladung zu betreten. Noch nicht einmal Walburga Black hätte es gewagt, unangemeldet einzudringen. Und Sirius, der vor allem in das Arbeitszimmer zitiert wurde, um sich eine Strafpredigt abzuholen oder eine andere Strafe entgegenzunehmen, hätte nicht im Traum daran gedacht, dass er das Zimmer einmal freiwillig betreten würde. Allerdings hätte er auch nie gedacht, dass er jemals seinem Vater hinterher sponieren würde.
Als Sirius klein gewesen war, hatte er immer genauso werden wollen wie sein Vater: groß, stark, stolz, ehrfurchtgebietend, aber auch sympathisch, humorvoll, charmant – und gerecht. Orion Black hatte nie im Zorn zugeschlagen oder seinen Zauberstab benutzt. Und wenn sie für ihre Tat gebüßt hatten, hatte er sie nie wieder erwähnt. Er verlange von ihnen nur, was er auch stets von sich selbst verlangt habe, hatte er stets gesagt und sich an diesen Leitspruch gehalten. (Mit dem, was Orion Black von sich selbst verlangte, hatte Sirius allerdings zunehmend Probleme bekommen.)
Früher, vor Hogwarts, als ihr Vater sie noch selbst unterrichtet hatte, hatte er nur selten überprüft, ob sie die von ihm gestellten Aufgaben tatsächlich erledigt hatten. Vielmehr hatte er sich auf ihr Wort verlassen und tatsächlich hatten sie immer ehrlich geantwortet und waren stolz gewesen, sein Vertrauen zu genießen. Genauso wie Orion Black damals davon ausgegangen war, dass sie ihm von sich aus von einer Verfehlung berichten würden, genauso ging er jetzt davon aus, dass niemand von ihnen in sein Arbeitszimmer eindringen würde.
Sirius wählte den Zeitpunkt sorgfältig. Als er sich daran machte, seine Plan in die Tat umzusetzen, war niemand zu Hause: Seine Mutter war bei Tante Druella zum Tee eingeladen, Regulus war bei Rosier und sein Vater ging seinen Geschäften nach. Trotzdem zögerte Sirius, als er an der Tür zum Arbeitszimmer stand. Was er vorhatte war mehr als einfacher Ungehorsam; es war ein absolutes Tabu, ein Vertrauensbruch. Aber dann rief er sich ins Gedächtnis, weshalb er diesen Plan geschmiedet hatte. Denk an James und seine Eltern, denk an Remus und seine Muggle-Mutter! Sirius drückte die Klinke hinunter.
