DISCLAIMER: WELT UND PERSONEN GEHÖREN J. K. ROWLING.
Quidditch (2/2)
Nach dem Treppenstreich war die Stimmung in der Schule etwas lockerer (außer bei den Slytherins). Nach den Vorfällen im November und den Androhungen des Schulbeirates hatte trotz Weihnachten eine gewisse Spannung in der Luft gelegen. Was, wenn wieder eine gefährliche magische Kreatur in Hogwarts auftauchte? Würde der Schulbeirat Dumbledore tatsächlich suspendieren? Und wer würde dann seine Stelle übernehmen? Jeder wusste, dass Dumbledore der beste Schulleiter war, den Hogwarts je gesehen hatte. Man konnte ihn nicht einfach ersetzen.
Doch als die Zeit verstrich, ohne dass etwas passierte, ließ die Spannung nach. Der Alltagstrott kehrte zurück und die düstere Wolkendecke, die seit Dezember den Himmel über Hogwarts bedeckt hatte riss auf. Die Sonne schien, der Schnee schmolz und das Eis auf dem großen See wurde dünner. Der Frühling lag trotz Kälte bereits in der Luft und das nächste Quidditch-Spiel Gryffindor gegen Ravenclaw rückte näher.
Marlene ließ ihre Mannschaft härter denn je trainieren. Mit James, Bell und ihr selbst als Jäger und einem gleichwertigen Ersatz für den älteren Prewitt-Bruder (Sirius schnitt eine Grimasse), hatte Gryffindor sein bestes Quidditch-Team seit Jahren und sie waren fest entschlossen, diese Chance zu nutzen und zu gewinnen, denn es war Marlenes und Gideon Prewitts letztes Jahr in Hogwarts. Nach den Prüfungen würde sie die Schule verlassen und es würde schwierig sein, einen Jäger und einen Treiber auf ihrem Niveau zu finden.
Als Slytherin Ravenclaw mit 70 Punkten Vorsprung schlug, erhöhte Marlene das Quidditch-Training auf vier Tage die Woche, obwohl sie selber für ihren UTZ lernen musste. Mit je mehr Punkten sie die Ravenclaws schlugen, desto besser standen ihre Chancen, den Quidditch-Pokal im letzten Spiel nach den Osterferien gegen die Slytherins zu gewinnen.
Zusätzlich zu dem vielen Training fingen die Lehrer auch noch an, ihr Hausaufgabenpensum zu erhöhen. Prof. Aridus verkündete, ihr Niveau wäre für das einer zweiten Klasse nach wie vor zu niedrig und Prof. McGonagall pflaumte Peter an, er befände sich immer noch auf dem Niveau eines Erstklässlers. Von da an paukte Peter mit Remus in jeder freien Minute Verwandlung und selbst James ließ sich das eine oder andere Mal herab, ihm zu helfen. In erster Linie aber widmeten sich er und Sirius ihrem Animagi-Projekt, was sie aber nicht davon abhielt, im März seinen und Remus' Geburtstag ordentlich zu feiern.
Als das heiß ersehnte Quidditch-Spiel endlich stattfand, herrschte bestes Wetter. Es wehte nur ein schwacher Wind, die Luft war klar und sie hatten die Sonne im Rücken.
„Auf geht's, Leute!", verkündete Marlene McKinnon und marschierte hinaus auf das Feld.
Gryffindor schlug Ravenclaw überragend. Die zahlreichen Trainingsstunden zahlten sich aus. Das Team flog hervorragend und gewann sogar noch höher als Slytherin. Der Jubel war praktisch endlos, als auch den letzten klar wurde, dass dies die Chance war, den Slytherins den Quidditch-Pokal abzunehmen. Remus und Peter besorgten Essen aus der Küche und dem Honigtopf, während James und Sirius sich zusammen mit dem restlichen Quidditch-Team feiern ließen. Die Party dauerte bis tief in die Nacht und wäre wahrscheinlich noch länger gegangen, wenn Prof. McGonagall nicht irgendwann eingeschritten wäre.
Und dann standen plötzlich schon die Osterferien vor der Tür. Als Prof. McGonagall die Liste aushängte, in die sich all jene eintragen konnten, die in den Ferien in Hogwarts bleiben wollten, zog Sirius erstmals ernsthaft in Erwägung, seinen Namen dazuzuschreiben. Er hatte nicht die geringste Lust, in den Grimmauldplatz zurückzukehren. Allein der Gedanke daran ließ schon kalte Wut in ihm aufsteigen.
„Dann trag dich doch ein, Sirius", sagte Remus. „Du würdest noch nicht mal der einzige Zweitklässler sein. Lily Evans fährt auch nicht nach Hause und aus der fünften und siebten Klasse bleiben ebenfalls viele zum Lernen."
„Oder komm mich besuchen", schlug James vor. „Fahr gar nicht erst nach Hause. Was sollen sie denn tun, dich aus unserm Haus zerren?"
Sirius verzichteten darauf, James zu sagen, dass dies durchaus im Bereich des Möglichen lag. Schließlich sammelte Prof. McGonagall die Liste wieder ein, ohne dass Sirius' Name darauf stand.
Am letzten Schultag bekamen sie Formulare ausgehändigt, um ihre zusätzlichen Fächer für das dritte Schuljahr zu wählen.
„Ich glaube, mich würden Arithmantik und alte Runen interessieren", murmelte Remus geistesabwesend auf der Fahrt nach London im Hogwarts-Express. „Was meinst du, Peter?"
Der dickliche Junge schüttelte fast angstvoll den Kopf.
„Das soll total schwer sein. Ich glaube, ich nehme lieber Pflege magischer Geschöpfe."
„Hey, das nehm ich vielleicht auch, Peter", meinte James. „Hm und als zweites vielleicht Wahrsagen... Es gibt irgendwie nur Schrott."
„Vielleicht sollte ich ja Mugglekunde nehmen, nur um zu sehen, wie meine Mutter in die Luft geht", überlegte Sirius düster.
„Pah, das ist doch voll öde", kommentierte James. „Außerdem haben wir Remus. Der kann uns alles über Muggle erzählen, was wir wissen wollen."
Schließlich kreuzte Sirius wie Peter und James Pflege magischer Geschöpfe an, aber statt Wahrsagen wählte er Arithmantik, was auch Remus belegte. Letzterer hatte sich außerdem noch für Pflege magischer Geschöpfe und alte Runen entschieden. Dann fuhr der Hogwarts-Express in Kings Cross ein.
Der Empfang im Grimmauldplatz war kühl. Sirius nahm es gelassen zu Kenntnis, denn ihm stand weder der Sinn nach Moralpredigten noch nach Bestrafungen. Eine überschwängliche Begrüßung hatte er ebenfalls weder erwartet noch gewünscht und so war er vollauf zufrieden, nach dem formalen und wortkargen Abendessen in sein Zimmer flüchten zu können, während Regulus bei Orion und Walburga im Salon blieb.
Kaum hatte er die Tür hinter sich zugeschlagen, da holte er auch schon den Taschenspiegel von seinem Onkel Alphard aus der Tasche.
„James Potter", flüsterte er. Einen Augenblick später erschien James' Gesicht.
„Sirius! Na, alles klar?"
Sirius verzog den Mund zu etwas wie einem Grinsen.
„Hier ist 'ne Stimmung wie in einem Eisfach. Sie lassen mich in Ruhe. Und bei dir?"
James verdrehte die Augen.
„Dad arbeitet mal wieder. Mum sagt, er kommt kaum noch raus aus dem Ministerium. Und... Augenblick." James legte offensichtlich den Spiegel zur Seite, denn sein Gesicht verschwand und Sirius kam in den Genuss, seine Quidditch-Bettdecke aus nächster Nähe studieren zu können. „Mum, ich hab jetzt keinen Hunger...wir haben doch erst gegessen...ja, du kannst es da abstellen." James' Gesicht erschien wieder. „Mum hat Kuchen gebacken und hat mir bestimmt die Hälfte davon hochgebracht. Dabei haben wir eben erst zu Abend gegessen."
Sirius grinste.
„Wenn du den Kuchen nicht haben willst, schick ihn mir. Kreacher mag mich nicht, deshalb versalzt er mein Essen ständig."
Sein Freund grinste zurück.
„Sonst noch irgendwelche Wünsche? Mum würde alles für dich backen. Sie war total begeistert von dir, als du letzten Sommer hier warst."
„Lieber nicht. Sonst ist es zu viel für Chris und ich bekomme gar nichts."
Chris war James' Eule.
„Ich hab dir doch gleich gesagt, du hättest mit nach Godric's Hollow kommen sollen, dann könnten wir jetzt zusammen Quidditch spielen und danach Kuchen essen. Ohne dich ist es total langweilig hier, Sirius."
Sirius' Lächeln verkrampfte sich für einen Augenblick, aber dann erwiderte er gelassen: „Die zwei Wochen wirst du's wohl gerade noch ohne mich und die anderen aushalten."
James wollte gerade eine Antwort zurückgeben, als er aufhorchte.
„Ist was?", wollte Sirius wissen. James strahlte.
„Dad ist gerade nach Hause gekommen. Ich muss runter. Ich sag dir Bescheid, wenn's was Neues gibt, okay?"
Und weg war er. Sirius starrte unglücklich auf den leeren Spiegel und kämpfte gegen das Gefühl der Trostlosigkeit und der Einsamkeit an. James war nicht der einzige, der wünschte, er wäre mit nach Godric's Hollow gegangen. Und dabei war er erst heute Abend mit dem Hogwarts-Express angekommen.
Zu Sirius' allergrößter Überraschung traf zwei Tage später Chris ein mit einem Brief von James, Kuchen von Mrs. Potter und einer Packung Lakritzzauberstäbe und Filibuster-Kracher, die James anscheinend noch heimlich dazu gelegt hatte. Damit du dich nicht langweilst, hatte sein bester Freund dazugeschrieben. Sirius, der die letzten Tage vor allem damit verbracht hatte, in seinem Zimmer zu sitzen, Hausaufgaben zu machen, über ihr Animagi-Projekt zu lesen und allen anderen Familienmitgliedern aus dem Weg zu gehen, grinste. Ganz bestimmt nicht. Die Ferien versprachen interessant zu werden.
Der Hogwarts-Express war schon angefahren und Sirius lief durch den Gang und suchte das Abteil, wo seine Freunde saßen. Er und die anderen Blacks waren zu spät vom Grimmauldplatz aufgebrochen und so war er buchstäblichen im allerletzten Moment eingestiegen.
„Wirklich eine ganz tolle Idee, James. Und wenn er Schwierigkeiten bekommen hat und deshalb nicht aufgetaucht ist?"
Sirius blieb überrascht stehen und lauschte. Es war Remus' Stimme, die laut und wütend aus dem Abteil drang. Das war insofern höchst ungewöhnlich, als dass Remus normalerweise nie die Stimme erhob, sondern ruhig und gelassen blieb.
Sirius stieß die Abteiltür auf.
„Wer ist in Schwierigkeiten?", wollte er wissen.
„Sirius!", rief James. „Da bist du ja endlich!"
„Wir dachten, du vielleicht", antwortete Remus jetzt ruhig und musterte Sirius aufmerksam.
„Weshalb das denn?", fragte er und ließ sich in einen Sitz fallen. James grinste ihm zu.
„Wegen der Filibuster-Knaller, die ich dir geschickt habe."
„Ach deshalb."
Sirius lachte.
„Hast du sie denn benutzt?", erkundigte sich James neugierig.
„Klar. Die ganzen Ferien über und eben gerade, deshalb bin ich auch so spät. Ich hab ein paar zwischen den Umhängen meiner Mutter versteckt und die gingen gerade los, als sie sich vorhin umziehen wollte."
James brüllte vor Lachen. Aber Remus war immer noch nicht zufrieden.
„Und deine Eltern haben das einfach so hingenommen?", wollte er wissen.
„Nein."
Sirius' Stimme klang scharf. Die Warnung war nicht zu überhören.
„Aber das ist egal."
Es ist nichts, mit dem ich nicht umgehen könnte. Nicht nach Weihnachten.
Remus lehnte sich zurück.
„Wenn du das sagst..."
„Und was habt ihr so in den Ferien gemacht?", wechselte Sirius schnell das Thema und warf Remus noch einen warnenden Blick hinterher.
„Nicht so viel", gab James zu. „Dad hat fast die ganze Zeit gearbeitet und Mum..."
Sein Gesicht nahm einen komischen leiderfüllten Ausdruck an.
„Ich fand deine Mutter sehr nett", sagte Remus.
„Jaaaa, du hast sie ja auch nur zwei Tage erlebt", gab James zurück. „Zu mir ist sie ständig so."
„Sie kann gut Kuchen backen, viel besser als meine Mum", meinte Peter.
„Ja und jedes Mal muss ich probieren", sagte James düster und sah dabei so unglücklich aus, dass Sirius laut lachen musste.
Die Osterferien waren dieses Jahr recht spät gewesen und so stand das letzte und entscheidende Quidditch-Spiel Gryffindor gegen Slytherin schon fast unmittelbar vor der Tür, als sie nach Hogwarts zurückkehrten. Marlene bestand darauf, dass sie jeden Tag nach dem Essen trainierten. Danach fielen James und Sirius meistens völlig erledigt ins Bett und wenn sie Remus und Peter glaubten, dann träumten sie danach auch noch vom Training.
Die Slytherins trainierten nicht minder hart. Fast immer wenn man aus dem Fenster blickte, sah man sieben Personen in grünen oder roten Umhängen über das Quidditch-Feld jagen. Auch auf den Gängen machte sich das kommende Spiel bemerkbar. Alle Quiddtich-Spieler gingen nur noch mit gezogenem Zauberstab durch die Flure für den Fall, dass ihnen ein Fluch aufgehalst wurde. Sirius und James hatten Wilkes und Rosier aufs Korn genommen und lauerten ihnen in der Nähe der Verliese auf.
„He, Schwarzmagier!", rief James und feuerte einen Fluch auf Wilkes ab, während Sirius Rosier anvisierte. Doch die beiden Slytherins waren nicht umsonst im Quidditch-Team. Gedankenschnell riss Rosier seinen Zauberstab hoch und blockte den Fluch ab, während Wilkes sich zur Seite abrollte.
„Expelliarmus!", reagierte Rosier.
„Petrificus totalus!", brüllte Wilkes, während er wieder auf die Beine kam. Synchron wichen Sirius und James aus.
„Impedimenta!", rief Sirius, während James es bei Wilkes mit einem Wabbelbeinfluch versuchte. Rosier blockte ab.
„Furunkulus!", schickte er ihm gleich den nächsten Fluch hinterher. Diesmal fand Rosier keine Zeit zum Ausweichen. Er sprang zur Seite und schwang seinerseits den Zauberstab.
„Tarantallegra!"
Darauf hatte Sirius gewartet.
„Protego!"
Das war ein Defensivzauber aus dem Buch, das Remus ihm geschenkt hatte, und Sirius hatte ihn schon länger mal ausprobieren wollen.
Rosiers Fluch prallte von seinem Schild ab und fiel auf ihn zurück. Sofort fingen seine Beine an, ein flottes Tänzchen hinzulegen.
„Nicht schlecht!", rief James und feuerte einen Lähmflluch auf Wilkes ab, den er in die Defensive gedrängt hatte.
„Everte statum!"
Der Fluch riss Sirius von den Füßen. Er konnte sich gerade noch zur Seite rollen, bevor Rosier nächster Fluch in den Boden einschlug, wo er eben noch gelegen hatte. Das kriegst du zurück. Noch am Boden brüllte er: „Stupor!"
Der Slytherin brachte sich mit einem Hechtsprung vor dem roten Strahl in Sicherheit.
„Jetzt mach ich dich fertig!"
„Nicht reden, sondern kämpfen, Black!"
„Relaschio! Petrificus totalus! Expelliarmus! Impedimenta!"
Der Lähmfluch kam durch. Plötzlich kämpfte Rosier gegen unsichtbare Fesseln.
„Na, wie fühlt sich das an?", wollte Sirius mit einem hämischen Grinsen wissen. „Furunkulus."
Er schnippte lässig mit dem Zauberstab in Rosiers Richtung. Sofort war sein Gesicht von roten Furunkeln bedeckt.
„Steht dir gut, Rosier."
Der Slytherin wurde so rot vor Zorn, dass man beinahe nicht mehr die Furunkel erkennen konnte.
„Das wirst du noch bereuen, Black!"
„Ach ja? Falls du es noch nicht bemerkt hast: Du bist gerade im Nachteil. Densaugeo!"
Und Rosiers Schneidezähne fingen an, rasant zu wachsen.
„Haha, nette Kombination!", bemerkte James lachend. Er hatte Wilkes entwaffnet und verhexte den Slytherin mit seinem eigenen Zauberstab. Dieser spuckte Gift und Galle.
„Blutsverräter! Schlammblutfreund! Dafür wirst du bezahlen! Wenn der dunkle Lord erst die Macht übernimmt..."
„So lange Dumbledore da ist, wird sich Voldemort..."
„Sag seinen Namen nicht!"
„...nie aus seinem stinkenden Rattenloch trauen", unterbrach James ihn kühl.
„Aber vielleicht ist Dumbledore ja bald nicht mehr da. Was sagst du dann, Blutsverräter?"
Sirius und James tauschten einen raschen Blick aus.
„Dumbledore ist der größte Zauberer der Welt. Voldemort ist nur ein stinkender Feigling!", forderte James den Slytherin heraus. „Wenn er so großartig ist, warum sieht man dann nichts von ihm? In Wahrheit macht er sich nämlich in die Hosen vor Angst!"
Rosier versuchte verzweifelt, Wilkes zum Schweigen zu bringen, aber Sirius schaltete ihn mit einer Ganzkörperklammer aus.
„Der dunkle Lord fürchtet nichts und niemanden! Es gibt einen Plan und bald wird sich ihm niemand mehr in den Weg stellen!"
Plötzlich hörte man Stimmen, die sich unterhielten, und näher kommende Schritte.
„Verschwinden wir, James", meinte Sirius. Und mit einem Grinsen setzte er hinzu: „Schließlich haben wir erreicht, was wir wollten."
Sie richteten ihre Zauberstäbe auf Wilkes: „Petrificus totalus. Furunkulus. Densaugeo."
„Mal sehen, ob ihr die Furunkel bis zum Quidditch-Spiel los seid."
„Ihr könnt ja versuchen, den Quaffel mit den Zähnen zu fangen."
Lachend gingen sie davon.
„So etwas könnt ihr nicht machen."
„Ach komm, Remus, jetzt sei kein Spielverderber. Sie hatten es verdient."
„Verdient? Weshalb? Weil sie Slytherins sind?"
„Ganz genau. Willst du denn gar nicht hören, was wir rausgefunden haben?"
Remus verdrehte die Augen.
„Haben sie etwa vor, den Quaffel zu verhexen?"
„Es geht nicht um Quidditch", mischte sich Sirius ein. „Sondern um Voldemort."
Peter zuckte zusammen.
„Sag seinen Namen nicht", bat er. Remus legte sein Buch zur Seite.
„Was ist mit ihm?", wollte er wissen. Und Sirius und James erzählten von Wilkes' Drohung. Remus hörte ihnen nachdenklich zu.
„Aber ihr habt Malfoy wochenlang beschattet", wandte er ein, als sie geendet hatten. „Er hat absolut nichts Verdächtiges gemacht."
„Nicht vor unseren Augen", präzisierte Sirius. „Aber wer weiß, was er im Gemeinschaftsraum der Slytherins erzählt."
„Wilkes könnte auch einfach nur geblufft haben. Habt ihr mal daran gedacht?"
Sirius schüttelte den Kopf.
„Unwahrscheinlich. Rosier hat versucht, ihn daran zu hindern, was zu sagen. Das hätte er nicht getan, wenn es nicht wichtig gewesen wäre."
„Trotzdem bringt uns das nicht weiter", erklärte Remus. „Wir wissen nicht, wie der Plan aussieht und wer der Verräter ist."
„Wir könnten uns einen Slytherin schnappen und ihn dazu bringen, die Wahrheit zu sagen", schlug James vor. Remus warf ihm einen scharfen Blick zu.
„Willst du etwa die gleichen Methoden anwenden wie die Todesser? Drohen, einschüchtern, erpressen?"
„Es sind Slytherins!", hielt James dagegen. Remus schüttelte entschlossen den Kopf.
„Nein."
„Warum fragen wir nicht einfach Sirius' Bruder?", schlug da plötzlich Peter vor.
„Er ist nur ein Erstklässler", knurrte Sirius. „Er weiß nichts."
„Er ist doch auch ein Black", beharrte Peter. „Und ich habe gesehen, dass er viel mit Rosier macht."
„Was nicht bedeutet, dass sie ihm die geheimen Pläne ihrer Todesser-Eltern mitteilen. Er weiß nichts, kapiert?"
Zumindest hoffe ich das für dich, Reg.
„Du hast es gehört, Peter", mischte sich James ein. „Regulus ist kein Thema mehr."
Peter schwieg beleidigt.
„Die Frage ist", wandte sich James wieder an alle, „was tun wir jetzt?"
„Erst mal gewinnen wir das Quidditch-Spiel", erklärte Sirius. „Und dann stellen wir den Verräter."
Am Samstag, als das Quidditch-Spiel stattfand, herrschten anfangs optimale Bedingungen. Der Himmel war von einer dünnen Wolkendecke überzogen, sodass die Sonne nicht blendete, und es wehte nur ein schwacher Wind.
„So, Leute!", fing Marlene an. „Wir haben hart trainiert. Wir sind das bessere Team. Und deshalb werden wir auch gewinnen! Gehen wir raus und machen sie platt!"
Der Anblick der Zuschauertribünen draußen war überwältigend. Drei Blocks trugen durchgehend rotgold. Nur ein Viertel der Schüler war in silbergrün gekommen. Die Menge jubelte, als die Gryffindors auf das Feld marschierten und das Team winkte zurück.
„Ich will von allen ein faires Spiel sehen!", verkündete Madam Hooch streng und warf beiden Mannschaften scharfe Blicke zu. Das letzte Spiel zwischen Gryffindor und Slytherin war eher eine Aneinanderreihung von Fouls gewesen.
„Besteigt eure Besen."
Sirius stieg auf seinen Nimbus und stieß sich vom Boden ab, als Madam Hoochs Pfiff über das Feld gellte. Er raste hinter den Jägern her und schlug einen Klatscher weg von Marlene auf einen Slytherin-Jäger. Dieser wich aus und jagte den Gryffindors hinterher, Marlene passte den Quaffel zu James, welcher auf die Torringe zuschoss. Einer der Slytherin-Treiber attackierte ihn, aber James wich mit der Faultierrolle aus und Sirius schoss den Klatscher über ihn hinweg auf die herannahenden Slytherin-Jäger, die gleichzeitig von Prewitt bedrängt wurden. Sie stoben auseinander und James hatte freie Bahn. Er holte aus und warf den Quaffel durch einen der Torringe.
„Und Potter trifft!", verkündete der Stadionsprecher. „Zehn zu null für Gryffindor!"
Die Menge jubelte. James reckte die Faust in die Luft. Und das Spiel ging weiter.
Nach fünf Minuten gab es das erste Foul. Ein Slytherin-Treiber, Macnair, gab vor, Prewitt mit dem Klatscher verwechselt zu haben, als sie um denselben gekämpft hatten. Prewitt blutete heftig aus der Nase, aber natürlich ging das Spiel weiter. Gryffindor bekam einen Freistoß zugesprochen, den James in ein Tor verwandelte. 50 zu null.
Doch jetzt gab es kein Halten mehr. Sie hatten es auf Prewitt abgesehen. Eine Viertelstunde später waren seine Augen zugeschwollen, er blutete nicht nur aus seiner Nase, sondern auch am Schädel und er hing mehr auf seinem Besen als er saß. 70 zu 30.
Sirius ging zum Gegenangriff über. Den nächsten Klatscher verfehlte er absichtlich und hieb seinen Schläger stattdessen Macnair ins Gesicht. Der bullige Slytherin grunzte überrascht und kippte vom Besen, als Sirius ihm die Nase brach. Madam Hooch schrie vor Wut und sprach den Slytherins Freistöße zu, aber wenigstens waren die Voraussetzungen jetzt wieder gleich. 80 zu 40.
Als Wilkes und Rosier ihn in die Zange nahmen, war sich Sirius sicher, das nächste Ziel zu sein. Doch sie rempelte ihn nur an und trennten ihn vom Rest des Teams.
„Wir machen euch fertig, Black", zischte Rosier. „Als nächstes ist dein Blutsverräterfreund dran."
Sirius stellte mit Befriedigung fest, dass beide noch blassrote Flecken im Gesicht hatten.
„Seid ihr in zwei Doxy-Nester gelaufen oder was habt ihr mit euren Gesichtern gemacht?", fragte er hämisch. Wilkes rammte ihn, sodass er ein paar Meter absackte.
„Du bist als nächstes dran, Black!"
100 zu 60.
James war ein hervorragender Flieger. Den meisten Attacken der Slytherins, die sich jetzt wie angekündigt auf ihn konzentrierten, konnte er entgehen. Aber natürlich kam er seltener dazu, Tore zu schießen, wenn er fast ununterbrochen von zwei Klatscher, dem verbliebenen Slytherin-Treiber selbst und auch den Slytherin-Jägern attackiert wurde. Zudem frischte der Wind auf, die anfangs dünne Wolkendicke zog sich verdächtig zu und kurze Zeit später fielen die ersten Tropfen. Die Chancen auf einen schnellen Schnatz-Fang sanken rapide. 110 zu 80.
„Auszeit!"
Marlene bedeutete ihnen wild gestikulierend zusammenzukommen. Inzwischen war der Wind ein ausgewachsener Sturm, der Zurufe unmöglich machte.
„Was geht hier vor?", donnerte sie, als sie alle am Spielfeldrand im Matsch landeten. „Potter, wo warst du, als wir dich für die Porskoff-Täuschung gebraucht haben? Und Black, wenn du noch einen Slytherin-Spieler verprügelst, dann schmeiß ich dich persönlich vom Feld. Ist das klar?"
Sie musste schreien, um sich durch den Sturmwind verständlich zu machen.
„Das würd ich an deiner Stelle nicht tun, dann hast du nämlich keinen Treiber mehr. Prewitt ist hinüber."
Marlene warf Gideon Prewitt einen prüfenden Blick.
„Sofort in den Krankenflügel!", entschied sie. An den Sucher gewandt fuhr sie fort: „Wir brauchen einen schnellen Fang. Wir müssen dieses Spiel beenden."
Der Sucher nickte.
„Und dich brauch ich an den Torringen, Potter. Kriegst du das hin?"
„Die Slytherins haben's auf ihn abgesehen", erklärte Sirius schreiend.
„Verstehe. Das nächste Mal sagst du was, Potter, klar? Black, du schirmst Potter vor den Slytherins ab. Wir brauchen Tore. Aber ich will keine Fouls sehen! Los geht's, ich will dieses verdammt Spiel gewinnen!"
110 zu 90.
Madam Hooch pfiff und das Spiel ging weiter. Sirius stieß sich vom Boden ab und schlug mit aller Kraft den Klatscher weg, der sofort auf ihn zuflog, und die verzauberte Eisenkugel visierte Rosier an, der gerade in Quaffelbesitz war. Dieser konnte dem Klatscher gerade noch ausweichen und warf dem Quaffel Wilkes zu. Marlene war schneller, fing ihn ab und jagte auf das Tor zu. James folgte ihr, Sirius hinterher. Sofort schossen die Slytherin-Jäger und ihr Treiber auf sie zu. Sie warf den Quaffel zu James, der seinerseits zum Angriff überging. Er täuschte an – und versenkte den Quaffel im Torring daneben. Falls auf der Tribüne jemand jubelte, war es durch den Sturm weder zu hören noch durch den Regen zu sehen.
Dann war Slytherin im Ballbesitz. James und Sirius rasten in die andere Richtung, aber die Slytherins, durch keinen Treiber am Torschuss gehindert, hatten leichtes Spiel. Punkt für Slytherin, dafür hatte Gryffindor wieder den Quaffel. Sirius rammte Rosier, der es auf James abgesehen hatte, und sah aus den Augenwinkeln, wie sein Freund auf die gegnerischen Ringe zujagte. Tor. Slytherin im Ballbesitz. Sirius attackierte Wilkes mit einem Klatscher und hinderte Rosier am Wurf. Marlene fing den Quaffel auf, passte ihn James zu, dieser warf ihn zu ihrem dritten Jäger, raste weiter nach vorne, wich einem Klatscher aus, fing den Quaffel wieder und versenkte ihn in den Torringen. Sirius ballte triumphierend die Faust. Marlenes Strategie ging auf. 150 zu 100.
Zumindest bis die Slytherins ihre Taktik änderten.
„Auf Wiedersehen, Blutsverräter."
Und dann raste die Erde auf ihn zu.
