Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame. alexandra und ist hauptsächlich hier auf fanfiction. net unterwegs.

Autorin: madame. alexandra

Originaltitel: Scar Charting

Scar Charting

Mitten im Krieg hat man nicht so viel Zeit.

Er hätte es vielleicht nicht erwartet, aber seine Worte hallten in ihr nach. Und er hatte Recht – sie hatten keine Zeit; Zeit war eine zu gemeine Sache, die wahllos Tragödien und Kummer verteilte, und da draußen, in der echten Welt, war sie Mangelware. Mitten im Kampf verflog die Zeit – aber hier hatten sie zumindest Zeit, oder eine Illusion davon. Wochen davon.

Wochen bis Bespin, eine Reise in Unterlichtgeschwindigkeit zurück in die Realität, mit der Unausweichlichkeit, die Han darstellte.

Es war Tage her, seit sie davon, ihre Hand entschuldigend über die Narben auf seinem Rücken gleiten zu lassen, dazu übergegangen war, ihre Nägel in zartem Genuss in ihn hineinzugraben, aber es fühlte sich an wie Augenblicke. Sie taumelte vor Schock und schwelgte in der Aufregung, und jedes Mal, wenn sie ihre Beine um seine wand und ihm ihre Hüften entgegenhob, berührte sie diese Narben und malte mit ihren Fingerspitzen darüber, hinterließ Verlangen in den lang verheilten Wunden der Grausamkeit.

Er legte den Kopf zurück, wenn sie das tat, Schauer liefen ihm über den Rücken, seine Lippen teilten sich. An diesem Abend im Badezimmer vor so vielen Tagen hatte sie ihre Wange an seinen Rücken gelegt, und jetzt schlief sie dicht neben ihm zusammengerollt, an seine Brust gedrückt, wenn der Schweiß und das Salz auf ihrer Haut noch nicht getrocknet war. Er war unverfroren in seiner Zuneigung und seiner Nacktheit, aber sie hatte sich einer genaueren Betrachtung bisher entzogen, war in ihrer Intimität immer noch zurückhaltend – bis zu dem Morgen, an dem er sie aufweckte, indem er ihr die Laken wegzog, sie dreist zu Boden trat, sich über sie rollte und sich gekonnt oben hielt, leicht wie eine Feder.

„Han", flüsterte sie schläfrig, während ihre Hände zu ihrer Brust wanderten – eine absurde Geste, sie wusste es; er hatte alles gesehen, in einem Gewirr von Laken, unter Rinnsalen in der Dusche, er hatte mit den Zähnen über ihre Brustwarzen gestreift und seine Lippen zwischen ihre Brüste gedrückt, aber als er sie im Licht ansah, ohne seinen Körper, der ihren bedeckte – hielt sie den Atem an.

„Ich will dich anschauen", murmelte er. „Jetzt bin ich dran."

Er kniete zwischen ihren Beinen, schwebte über ihr, küsste ihren Hals, und zog sich leicht zurück. Mit einer Hand strich er über ihre Schulter und ihr Brustbein hinunter, er ließ sie zu ihrem Bauch gleiten, und dann zu ihrer Hüfte, wo sein Daumen warm über eine dünne, hässliche Narbe strich, die sich über den Knochen schlängelte, verheilt, aber immer noch empfindlich.

Sie drehte den Kopf und schürzte die Lippen; Han beugte sich vor, um die Stelle zu küssen, seine Lippen glitten leicht über die ganze Länge – dann löste er sich von ihr und wandte seine Aufmerksamkeit ihrer anderen Hüfte zu, dieses Mal wanderte seine Hand nach oben – zu ihrem Brustkorb, wo ein gesprenkeltes Durcheinander von Haut entzündlich geblieben war, mittlerweile schmerzlos, aber gereizt, rot und wie ein Bluterguss aussehend; die Überreste eines Nervengifts.

Sie hatte sich gefragt – ob sie ihn jemals ihre Narben berühren lassen würde, ob sie ihm jemals ihre Narben anvertrauen würde.

Han küsste auch diese Stelle, sein Mund verweilte dort, sein Atem war heiß und schwer. Er ließ den Blick über ihre Schultern wandern, küsste ein Brandmal auf ihrem Schlüsselbein, wandte sich ihrem Bauch zu und küsste eine kleine, harmlose Stelle direkt unter ihrem Bauchnabel, wo sie einmal genäht worden war. Er rückte ein Stück von ihr ab, konzentrierte sich auf ihren Oberschenkel, zog seine Hände nach – und berührte sanft den Friedhof einer Verletzung dort, die Stelle, die die Geschichte eines Blasterschusses auf Ord Mantell erzählte – die einzige Narbe, deren Entstehung er beigewohnt hatte.

Er atmete leise aus und beugte sich vor, um seine Stirn dagegen zu drücken. Er blieb gebeugt sitzen, als würde er beten, dann küsste er auch diese Narbe, seine Lippen verweilten kurz – prägten sie sich ein. Langsam setzte er sich auf, berührte ihr Knie und hob es an, wobei sein Blick auf eine verblasste, grausame Narbe an ihrem Schienbein fiel – er berührte sie, seine Finger bewegten sich so demonstrativ darüber – dann hob er ihr Bein an und küsste ihr Schienbein.

Er strich mit den Händen über ihre Beine, drückte sie sanft, und zog sie dann an sich, wobei er ihre Beine um seine Taille legte.

„Schätzchen", murmelte er, während er sich über sie beugte und seine Brust an ihren Bauch drückte. Mit dem Daumen berührte er ihr Kinn und küsste erneut die Stelle an ihrem Schlüsselbein. Er gab ihre eigenen Worte an sie zurück –

„Tut es weh?"

Die eine an ihrem Brustkorb, wo sie ihr das Nervengift injiziert hatten; die tat weh. Sie war rau und schmerzte oder pochte manchmal. Der Rest – nicht. Sie waren sozusagen verheilt, aber dennoch murmelte sie –

„Ja."

Han schob seine Arme unter ihre Schultern, seine Stirn an ihre gelegt. Er fragte nicht danach, nicht wie sie so kühn nach seinen gefragt hatte. Und das musste er auch nicht; er kannte den Ursprung einer Narbe, er hatte eine Vermutung, wo die anderen herkamen – Gefangenschaft war blutig. Er verstand das Unausgesprochene, als sie ja sagte; nein, sie taten nicht weh, so wie sie einst wehgetan hatten, aber ja, sie würden für immer wehtun.

Er prägte sie sich ein, berührte sie, so wie sie seine berührt hatte. Er konnte den Schmerz nicht auslöschen, aber wenn er diese alten Wunden mit seiner Zuwendung desinfizieren könnte, sie zu seinen machen könnte, wäre sie vielleicht nicht so unsicher; sie würde vielleicht nicht zurückschrecken, wenn die Laken unordentlich waren, sie würde vielleicht nicht erröten, wenn er ihren Anblick in sich aufnehmen wollte wie Whisky.

„Nicht ganz das, was du dir erträumt hast", bemerkte Leia mit brennenden Augen – sie hasste diese Male; sie hatte sich nie an sie gewöhnt; sie waren gewaltsame, grausame körperliche Zeichen emotionaler Zerstörung, jede Narbe erzählte von einem Horror, den sie in sich eingeschlossen hatte – Alderaan, das Verhör, imperiale Kadetten.

Han brummte ablehnend.

„Besser", knurrte er. „Leia", sagte er und hob den Kopf, um sie zu küssen, „ich habe noch nie einen Körper gesehen, der so", er brach ab und atmete langsam ein, „…exquisit gewesen wäre."

Überrascht fing Leia an zu kichern, ein Geräusch, das die Stille durchbrach, weich und schockiert. Sie drückte das Gesicht in ein Kissen und Han grinste sanft.

„Was ist so lustig?"

„Exquisit?", wiederholte sie.

„Ja, das ist ein schönes Wort", gab Han zurück. „Eine unerträgliche Prinzessin hat es mir beigebracht. Du weißt, ich bin ein netter Mann."

Leia schloss die Augen.

„Han", seufzte sie.

Er wusste nicht, ob es eine Frage war oder der Beginn eines Monologs, also erwiderte er nichts. Sie sagte nichts mehr, und er löste sich von ihr, um sich aufzusetzen. Erneut berührte er ihren Oberschenkel, die Narbe, dann berührte er zart ihre Seite, seine Handfläche bedeckte den Flickenteppich zerstörter Haut. Sein Blick wanderte hungrig über sie, brannte sie in seine Erinnerung ein; ihre Haut war eine Karte des Widerstands, seiner Hand anvertraut.

Er ließ seine Hand von ihrer Hüfte zu ihrem Nabel gleiten, biss sich auf die Lippe und rutschte dann aus der Koje, wobei er sie mit sich zog. Er kniete zwischen ihren Beinen, sein Blick wanderte zurück zu der Blasternarbe, die unter seinem Schutz aufgeblüht war, und er lehnte sich gegen ihr Bein, fuhr besitzergreifend mit der Zunge darüber, sengte ein Versprechen in ihre Haut – niemals wieder.

Er hasste es, dass sie nicht wollte, dass er diese Narben sah, berührte; er wollte sie sich einprägen, jeden Teil von ihr lieben. Er wusste, dass es möglich war, zu heilen – die verblassenden Wunden auf seinem Rücken sagten es ihm, und sie hatte sie so liebevoll berührt.

Leia streckte die Hand nach ihm aus, schob sie in seine Haare und schloss die Augen.

Exquisit, dachte sie, ihn diese ausgefransten Teile von ihr berühren zu lassen – ihn ihren Körper kartographieren zu lassen wie die Sterne.