Inhalt: Adventskalender-FF. Lily Luna Potter war es gewöhnt, berühmt zu sein. Sie hätte darauf verzichten können, aber sie hatte sich daran gewöhnt. Und sie war fest entschlossen, sich davon nicht aufhalten zu lassen, ihren Traumberuf beim Tagespropheten zu bekommen und ihre große Liebe zu finden. Das klappte auch ganz gut. Meistens.
Titel: Keep Calm and Carry on
Autor: ChrissiTine
Disclaimer: Alle Potter- und Weasley-Kinder gehören J.K. Rowling, selbst wenn die meisten nur in Interviews erwähnt worden sind. Alle Ehepartner und Freunde der nächsten Generation sind allerdings meine eigenen Erfindungen.
A/N: Die FF gehört in mein 10-kleine-Dinge-Universum, kann aber auch gut separat gelesen werden. Kein Bezug zu The Cursed Child, was ich immer noch nicht gelesen habe und wahrscheinlich auch nie lesen werde.
So, meine treuen Leserinnen und Leser und solche, die vielleicht zum ersten Mal ihren Weg zu meinem jährlichen Adventskalender finden, willkommen! Wie immer habe ich letztes Jahr offengelassen, ob ich wirklich noch einen Adventskalender schreiben werde und wie jedes Jahr habe ich dann doch noch eine Idee gefunden, die in mein Universum und in 24 Kapitel passt. Ich habe (zumindest laut dem Datum, wann ich das Dokument zuletzt bearbeitet habe, was bedeutet, dass dieses Dokument auf zwei neue PCs mit umgezogen ist), 2011 angefangen, die Geschichte von Lily und Henry zu schreiben und dann nach kurzer Zeit wieder aufgehört, weil ich keinen wirklichen Plan hatte für die beiden.
Bei den meisten Kindern aus der neuen Generation hatte ich eine relativ gute Vorstellung, wer sie sind, wenn sie mal erwachsen sind, aber bei Lily hat mir das immer große Probleme bereitet, weshalb sie als Erwachsene in den meisten FFs nur eine Nebenrolle bekommen hat und ihr Mann Henry noch viel weniger Platz bekommen hat, weil ich überhaupt keine Vorstellung hatte, wer er war. Im Adventskalender 2018, 10 kleine Dinge Vol. 2, habe ich dann versucht, endlich mal herauszufinden, wer Henry ist und die groben Ideen, die ich 2011 für ihre Geschichte hatte, zu einem halbwegs konkreten Bild zusammengefasst, mit dem ich dann auch relativ zufrieden war, auch wenn ich nicht davon ausgegangen bin, die angefangene FF von 2011 jemals zu Ende zu bringen.
Aber ihr Leser hättet gerne mehr von Lily und den Potters gelesen und um ehrlich zu sein, war das die letzte größere Idee, die ich in diesem Universum hatte, die ich noch nicht komplett erzählt hatte, also hab ich mir gedacht, warum nicht? Was allerdings nicht das Problem gelöst hat, dass ich mittlerweile eine ganz gute Vorstellung davon hatte, wer Henry war und was ihn bewegt, aber immer noch nicht wusste, wer Lily als Erwachsene ist. Deshalb habe ich nicht direkt bei der Liebesgeschichte von Lily und Henry ansetzen können, sondern musste Lily erstmal erwachsen werden lassen, damit ich weiß, wer sie ist. Deshalb hat es dann erstmal um die 60.000 Worte gedauert, bis Henry und die Überreste meines Dokuments von 2011 hier auftauchen. Und weil ich dieses Mal wirklich nicht sicher bin, ob ich nächstes Jahr noch einmal einen Kalender schreiben werde, kommen auch ein paar andere Leute zu Wort, die ich sonst nur am Rande eingebaut habe.
Nach dem 24.12. wird es noch mindestens ein Bonuskapitel in der FF Momentaufnahmen geben, da ich ursprünglich noch ein oder zwei weitere Sachen in die Geschichte einbauen wollte. Einige Plotpoints hatte ich klar im Kopf für diese FF, das Ende allerdings nicht, weshalb ich nur grob wusste, wie sie eventuell ausgeht. Das Ende hat mich selbst überrascht, aber als ich den letzten Satz geschrieben habe, hat es sich richtig angefühlt, an dem Punkt Schluss zu machen. Eine Sache wollte ich nur auf jeden Fall noch aufklären, weshalb es ganz sicher irgendwann nach Weihnachten noch ein Kapitel geben wird. Mal sehen, wann, vielleicht an Silvester. Oder am 29.12., der Tag, auf den ich Lilys Geburtstag gelegt habe und der auch mein Geburtstag ist.
So, nun aber genug zur Entstehungsgeschichte dieser FF. Ich hoffe, dass es da draußen noch ein paar Leser gibt, die gerne meinen Adventskalender lesen und sich daran erinnern, nachzuschauen, ob ich wieder einen geschrieben habe. Ich hoffe, er gefällt euch und ihr hinterlasst einen Kommentar, darüber freue ich mich immer sehr. Viel Spaß und einen schönen ersten Dezember!
1. Dezember: Ein schönes Gefühl
Es war schon sehr merkwürdig, das jüngste Kind und die einzige Tochter von Harry und Ginny Potter, geborene Weasley, zu sein. Nicht, dass Lily das als kleines Kind groß aufgefallen wäre. Es war normal, wenn Leute stehen blieben und ihre Eltern anstarrten, wenn sie in der Winkelgasse einkaufen waren. Oder dass jemand private Dinge über ihre Eltern wissen wollte. Sie nahm an, dass das eben so war. Besonders, weil es nicht anders lief, wenn sie statt ihrer Eltern mit ihrer Tante Hermine und ihrem Onkel Ron unterwegs war. Die Leute starrten zwar nicht ganz so lange, aber starren taten sie trotzdem. Ihre Eltern und Tante Hermine ignorierten das meistens, aber Onkel Ron war oft ziemlich geschmeichelt, wenn ihn jemand ansprach.
Dass dieses Verhalten nicht die Norm war, verstand Lily erst, als ihre Eltern mit ihr in die Muggelwelt gingen. Als sie noch ganz klein war, hatten sie sich fast nur in der Zauberwelt aufgehalten, weil besonders James' Magie gerne unkontrolliert verrücktspielte und er mit fünf Jahren kein anderes Thema als Quidditch kannte und jeden damit zu Tode nervte. Aber ihr Vater war in der Muggelwelt aufgewachsen und manchmal vermisste er sie und nach einer Weile konnte Lily ganz gut verstehen, warum.
Die Muggelwelt war so viel größer und unterschiedlicher und Lily fand es faszinierend, was für Sachen sich Muggel ausgedacht hatten, um die fehlende Magie zu kompensieren. Deshalb brauchte sie auch einige Besuche, bis ihr auffiel, dass in der Muggelwelt ihre Eltern niemand anstarrte oder nach persönlichen Dingen fragte. In der Muggelwelt waren sie so gut wie unsichtbar, was in der Zauberwelt nie möglich gewesen wäre. Gut, wenn James anfing, sich lächerlich aufzuführen, dann wurden sie auch in der Muggelwelt beachtet, aber keiner von den anderen Leuten starrte sie jemals ehrfürchtig an, die meisten waren nur genervt und verdrehten die Augen. (Was, wenn man Lily fragte, die logischere Reaktion auf ihren großen Bruder war.)
Manchmal gab es natürlich auch Leute, die sie in der Muggelwelt kannten. So wie Dads alte Nachbarin, Mrs Figg, die einen Haufen Katzen hatte und die ihr Dad manchmal mit James, Albus und Lily besuchte. Er lud sie zwar auch immer zu ihnen ein, aber Mrs Figg war eine Squib und war lieber in ihrer gewohnten Umgebung. (Es war aber auch blöd, wenn alle um einen herum zaubern konnten, nur man selber nicht. Lily wusste das dank ihrer Brüder gut genug, die, als sie endlich in Hogwarts waren, andauernd damit angaben, was sie schon alles gelernt hatten und ihre Zauberstäbe in den Ferien überall hin mitschleppten, auch wenn sie Zuhause absolut nutzlos für diese Idioten waren!)
Außerdem gingen Lily und ihre Brüder in eine Muggelgrundschule, weil ihre Eltern keine Zeit hatten, sie Zuhause zu unterrichten und ihr Dad der Meinung war, dass es nicht schaden konnte, wenn sie sich in der Muggelwelt gut auskannten und die Grundlagen waren schließlich für alle gleich. Die Lehrer hielten sie zwar alle für sehr fantasievoll, aber das machte ja nichts.
Jedenfalls brauchte Lily eine ganze Weile, bis sie merkte, dass es auch nicht in der Zauberwelt normal war, dass ihre Eltern ständig angestarrt wurden und anscheinend jeder wusste, wer sie waren. Warum ihr Dad so berühmt war, erfuhr sie aber erst an dem Tag, an dem ein älterer Junge sie aufgeregt fragte, wie es für ihren Dad gewesen war, als er Du-weißt-schon-wen umgebracht hatte. Lily hatte ihn nur mit offenem Mund anstarren können, während ihr fast das neueste Buch von Bella dem Einhorn aus der Hand gefallen wäre, wegen dem sie eigentlich zu Flourish & Blotts gewollt hatte.
Völlig durcheinander hatte sie ihre Mum gefragt, was der Junge gemeint hatte. Ihre Mutter hatte sie schnellstens nach Hause gebracht und als ihr Dad am Abend aus der Arbeit gekommen war, hatten sie ihr lang und breit erklärt, warum Dad berühmt war und was im Krieg passiert war. Es war so viel einfacher gewesen, als ihre Mum ihr ein paar Jahre früher erzählt hatte, dass sie vor der Geburt von James professionelles Quidditch gespielt hatte und die meisten Leute sie deshalb kannten. Das war nur Sport. Da gab es keinen Krieg und Verrat und Folter. Wochenlang hatte sie Albträume gehabt und es hatte Monate gedauert, bis sie ein Buch von Bella dem Einhorn auch nur ansehen konnte, weil es jetzt untrennbar mit dieser ganzen Sache verbunden war. Dafür hatte die diesen Jungen wirklich verabscheut. Wer fragte schon ein kleines Mädchen, wie es für ihren Vater gewesen war, jemand anderen umzubringen? Selbst wenn dieser jemand es vielleicht verdient hatte, sowas machte man einfach nicht!
Und auch wenn ihre großen Brüder sehr oft sehr große Idioten waren, waren sie doch toll, denn so lange sie diese Albträume gehabt hatte, hatten entweder James oder Al jede Nacht bei ihr geschlafen, damit sie nicht allein sein musste.
„Ich fand's auch merkwürdig, als Mum und Dad mir das erste Mal davon erzählt haben", sagte James schulterzuckend, als er das erste Mal bei ihr übernachtete. „Ich meine, er ist Dad, weißt du? Er bringt vielleicht böse Zauberer nach Askaban, aber wenn er und Onkel Ron davon erzählen, klingt das immer sterbenslangweilig, weil Onkel Ron sich nur über den vielen Papierkram beschwert." Das stimmte. So ungefähr einmal im Jahr erzählte Onkel Ron etwas von einer spannenden Verfolgungsjagd, aber jedes Mal, wenn sie sich sahen, regte er sich mindestens zehn Minuten über die Berichte auf, die er ständig verfassen musste. Sie wäre nie auf die Idee gekommen, die Arbeit ihres Dads für gefährlich zu halten, denn so klang sie nie.
„Aber Krieg ist Krieg. Da muss man Sachen machen, die man sonst nie machen würde und Dad hat so wenigstens dafür gesorgt, dass der Krieg aufhört und keiner mehr sterben muss. Das ist doch gut, oder? Und es ist doch cool, dass die Leute zu schätzen wissen, was Dad für sie getan hat, sonst würden sie uns alle doch nie so oft ansprechen, oder?", fuhr James fort.
Da hatte er auch wieder Recht. Aber es war ein Unterschied, wenn jemand danach fragte, was das Lieblingsessen ihres Vaters war oder sich dafür bedankte, dass er im Krieg dessen Familie geholfen hatte, oder ob jemand wissen wollte, wie es war, wenn man jemanden tötete.
„Ich glaube nicht, dass die Leute das so sehen", sagte Al am nächsten Abend, als Lily ihn danach fragte. „Grade andere Kinder. Für die ist das nur eine coole Geschichte und Dad ist ein Held, und weil es nicht ausgedacht, sondern wirklich passiert ist, wollen sie es eben ganz genau wissen. Ich find's auch nicht toll, aber es ist doch viel nerviger, wenn jemand wissen will, was für ein Shampoo Dad benutzt, oder nicht?"
„Jaah, schon", stimmte Lily zögerlich zu. „Aber warum fragen sie dann nicht gleich Dad, er war dabei. Wir haben damit doch gar nichts zu tun."
„Vielleicht haben sie zu viel Angst", erwiderte Al. „Er ist schließlich schon erwachsen und hat es mit dem bösesten Zauberer aufgenommen, den es gibt. Wenn es nicht um Dad ginge, sondern irgendjemand anderen, dann hätte ich wahrscheinlich auch Schiss, den irgendwas zu fragen. Du nicht?"
„Ich weiß nicht", sagte Lily skeptisch. Dad war doch gar nicht beängstigend. Er war ganz normal. Manchmal vielleicht sogar ein bisschen langweilig, wenn er von seiner Arbeit erzählte. War es nicht besser, gleich zur Quelle zu gehen, anstatt erst einen Umweg über Lily zu machen, die überhaupt nicht dabei gewesen war und bestimmt nicht alles wusste?
„Was ich nur nicht verstehe", fuhr Al fort, „ist, warum sie so belangloses Zeug wissen wollen. Wenn sie nach dem Krieg fragen oder Voldemort oder sowas, dann ist das wenigstens logisch, dafür ist Dad ja bekannt. Aber was nützt ihnen sein Shampoo? Oder sein Lieblingseis?"
„Vielleicht wollen sie es ihm schenken?" Vielleicht wollten die Leute ja nur nett sein und sich bedanken und ihnen fiel nichts besseres ein.
Al schnaubte. „Ach Quatsch! Kannst du dich erinnern, dass ihm schon mal jemand irgendwas geschickt hätte? Und selbst wenn, dann würde er das bestimmt gar nicht annehmen, weil das auch von irgendeinem Todesser mit einem Fluch belegt worden oder vergiftet sein könnte."
Daran hatte Lily noch gar nicht gedacht. Sie wusste zwar, dass ihr Dad gegen böse Zauberer gekämpft hatte, aber dass die immer noch da draußen waren und ihm etwas antun konnten, darauf wäre sie nicht gekommen. In ihrer Vorstellung hatte ihr Dad die schon längst alle besiegt und nach Askaban gebracht, wo sie niemandem etwas tun konnten.
Dieser Gedanke versetzte sie dann so in Panik, dass sie am ganzen Körper anfing zu zittern und Al damit so erschreckte, dass er ihre Eltern zu Hilfe holte. Sie musste ihm wirklich Angst gemacht haben, denn normalerweise ging er immer erst zu James.
Ihre Eltern ließen Lily die nächsten Tage bei ihnen im Bett schlafen. Ihr Dad hielt sie ganz fest im Arm und ihre Mum strich ihr über ihre Haare, bis sie schläfrig war und sich ganz sicher fühlte. In den Armen ihres Dads würde ihr keiner etwas tun können.
„Es tut mir so leid, dass du Angst hast, Lily", sagte ihr Vater traurig. „Vielleicht hätten wir dir noch nicht alles erzählen sollen, aber ich weiß, wie blöd es ist, wenn man immer nur ein bisschen von der Wahrheit erfährt und jemand anders so viel mehr weiß als man selbst."
Lily nickte. Es hatte ihr gereicht, dass dieser Junge im Buchladen sie so kalt erwischt hatte, das wollte sie nicht noch einmal erleben.
„Und du musst auch kein schlechtes Gewissen haben, dass du deshalb schlechte Träume hast", fügte Mum entschieden hinzu. „Deinen Brüdern ging das ganz genauso. James hat zwei Wochen bei uns geschlafen." Lily hatte nur ein paar Tage bei ihren Eltern verbracht, bevor sie sich wieder nach ihren Kuscheltieren gesehnt hatte. Aber sie hatte auch gewusst, dass ihre Brüder ohne zu murren bei ihr bleiben würden. Und sie hatte stark sein wollen, nachdem sie wusste, was ihre Eltern als Kinder alles erlebt hatten. Wenn die das konnten, konnte sie das auch.
„Wirklich?", fragte sie dennoch nach. James war so groß und stark und wenn er mit ihr darüber geredet hatte, war es ihr nicht so vorgekommen, als ob ihn das alles sehr gestört hätte.
„Oh ja. Aber er war auch der erste von euch, dem wir davon erzählt haben", sagte Mum und lächelte leicht. „Mittlerweile haben wir dazu gelernt. Wenn auch nicht genug, wenn du trotzdem davon Albträume bekommen hast."
„Um fair zu sein, Gin, ich glaube, es gibt keinen, der davon keine hat", wandte Dad ein. „Weißt du noch, wie Teddy damals auch bei uns im Bett geschlafen hat?"
„Teddy?", fragte Lily mit großen Augen. Teddy war schon so groß und erwachsen und schon lange in Hogwarts.
„Oh ja. Ich weiß noch genau, ich war damals mit Al schwanger, als dein Dad und Andromeda ihm mehr vom Krieg erzählt hatten und wenn er bei uns war, hat er eine Weile nur hier richtig schlafen können. Es hat ihn gar nicht gestört, dass Al ihn manchmal richtig getreten hat, wenn er meinem Bauch zu nahegekommen ist."
„Ja, und Vicky und die Zwillinge, Molly und Lucy, und Rose und Hugo hatten auch alle Albträume", fügte Dad hinzu. Lily starrte ihn ungläubig an. Wirklich alle? Sogar die vorlaute und immer mutige Dominique und die besonnene Molly und die wahnsinnig logische Rose? Hugo wunderte sie nicht, er hatte ihr selbst davon erzählt. Deshalb fühlte sie sich auch nicht schlecht deswegen. Wenn ihr bester Freund genauso große Probleme hatte, dann war das in Ordnung. Auch wenn sie sich wünschte, dass es anders war, denn sie hatte die Nase voll, davon zu träumen, wie ihr Dad jemanden ohne Nase tötete oder Neville eine Schlange zerteilte oder ihr Onkel George ein Ohr verlor. Sie wollte wieder von Bella dem Einhorn träumen und Feen und Elfen und ihrer Mum, die sie fest auf ihrem Besen hielt und mit ihr durch die Luft sauste. Sie wollte wieder Spaß an ihren Träumen haben und keine Angst davor, einzuschlafen.
„Ich glaube nicht, dass man überhaupt keine Albträume haben kann, wenn man sowas hört", sagte ihre Mum schließlich tröstend und küsste sie sanft auf die Stirn. „Dein Dad und ich haben heute noch manchmal Albträume über die Zeit von damals."
„Wirklich?", fragte Lily schockiert. Teddy war schon groß, aber ihre Eltern waren richtig erwachsen. Sie waren ihre Eltern. Erwachsene hatten doch vor gar nichts Angst. So gehörte sich das!
„Natürlich", versicherte ihr Dad ihr. „Das ist ganz normal. Wenn man solche Sachen erlebt hat, dann muss das Gehirn das erst richtig verarbeiten und dazu sind auch unsere Träume da. Manchmal hab ich das Gefühl, dass ich in einigen Schuljahren in Hogwarts nur Albträume gehabt habe. Frag deinen Onkel Ron, ich hab ihn oft genug in der Nacht aufgeweckt. Deine Mum auch."
Ihre Mum lächelte ihn liebevoll an und strich ihm über die Wange. „Ich dich aber auch. Aber mit der Zeit wird das auch wieder besser werden, Lily, das verspreche ich dir. Und du musst ja nicht allein damit fertig werden. Du hast uns und James und Al und wir werden dich immer beschützen."
„Und wenn welche von den Todessern sich rächen wollen?", fragte Lily noch nicht ganz überzeugt. Der Krieg war vorbei, aber diese Leute waren noch nicht alle weg. Oder?
„Da würde ich mir keine Sorgen machen, Lily", sagte ihr Dad zuversichtlich. „Der Krieg ist schon lange her. Die wirklich schlimmen Leute sind im Krieg gestorben und die meisten, die übrig geblieben sind, sind Feiglinge, die sich ohne Voldemort nicht trauen würden, irgendetwas zu versuchen. Und die meisten sind sowieso im Gefängnis. Du kannst also ganz beruhigt sein."
„Na gut", sagte Lily bereitwillig. Später, als sie älter war, und über dieses Gespräch nachdachte, dachte sie manchmal, dass sie zu naiv gewesen war und sich zu leicht hatte abspeisen lassen. Ganz so einfach, wie ihr Dad das beschrieben hatte, war es natürlich nicht. Aber im Großen und Ganzen hatte er Recht gehabt und kein Todesser hatte ihrer Familie jemals wieder wirklich etwas angetan. Und als kleines Mädchen hatte es ihr gereicht zu wissen, dass ihr Dad alles im Griff hatte.
Es hatte natürlich trotzdem eine ganze Weile gedauert, bis sie wieder gut schlafen konnte und von Bella dem Einhorn träumte. Aber mit der Zeit wurde es wieder besser und weder James noch Al hatten sich jemals darüber beschwert, dass sie bei ihr geblieben waren, bis sie sich wieder richtig sicher fühlte. Daran musste sie sich später immer erinnern, wenn sie einmal richtig sauer war auf ihre Brüder. Auch wenn sie sich manchmal wie totale Idioten aufführten, hatten sie sie doch wirklich lieb und würden immer für sie da sein, wenn sie sie jemals brauchte. Und das war ein schönes Gefühl. Vielleicht das Schönste, was bei dieser ganzen schrecklichen Geschichte herausgekommen war.
TBC…
