11. Dezember: Im Fuchsbau

Howard war da um einiges nervöser, als Lily ihn in den Fuchsbau mitnahm, um ihre Familie kennen zu lernen. Obwohl sie ihm schon hundertmal versichert hatte, dass er sich keine Sorgen zu machen brauchte. Die meisten Weasleys waren zwar auf einem Haufen, aber auch sehr zerstreut. Mittlerweile kamen so viele Leute zu der Feier, dass ihre Großeltern jedes Jahr ein Festzelt als Erweiterung zum Wohnzimmer im Garten aufstellten. Außerdem kippte Onkel George so ziemlich jedem halbwegs volljährigem einen Schuss Feuerwhiskey in den Punsch, sodass alle auch noch relativ angetrunken waren. Was, je nachdem aus welchem Winkel man das betrachtete, gut oder schlecht sein konnte.

„Mach dir keine Sorgen", sagte Lily ihm zum wiederholten Mal, als sie im verschneiten Garten ihrer Großeltern auftauchten und auf das große Festzelt zusteuerten, das nahtlos an das Wohnzimmer anschloss. „Es sind zwar fast alle auf einmal, aber dafür bist du auch nicht im Mittelpunkt und kannst dich verstecken, wenn du willst, und keinem wird's auffallen. So ist es wirklich besser, als alle einzeln kennen zu lernen."

„Ich weiß wirklich nicht, wie die anderen das geschafft haben, die bei euch eingeheiratet haben", murmelte Howard nervös.

Lily zuckte mit den Schultern. „Die meisten kannten sich schon in Hogwarts, da war man automatisch mit einem Teil befreundet." Ted hatte von der ersten Sekunde an zur Familie gehört, da war seine Beziehung mit Victoire nur eine logische Weiterentwicklung. Scorpius war jahrelang mit Al befreundet und ein gern gesehener Gast im Fuchsbau gewesen. Louis' Frau Annie war Dominiques beste Freundin, die war auch schon oft bei Familienfeiern dabei gewesen, bevor sie mit Louis zusammengekommen war. Mollys Mann Justin war auch jahrelang mit ihr befreundet gewesen und so einem großen Teil der Familie bekannt gewesen. Die Einzige, die nicht mit ihnen zusammen in Hogwarts gewesen war, war Als Frau Tia, und da waren die meisten so froh gewesen, dass Al endlich jemanden gefunden hatte, dass Tia überaus herzlich willkommen geheißen wurde. Lily hoffte, dass es mit Howard ebenso laufen würde.

Wie Lily gehofft und arrangiert hatte, war Rose die Erste, der sie in die Arme liefen. Rose wartete gleich neben dem Eingang vom Zelt. Sie hatte ihren anderthalb Monate alten Sohn Aiden auf dem Arm und lächelte sie müde an. Vorsichtig umarmte sie Lily und Howard zur Begrüßung. „Wie schön, dass ihr beide da seid. Frohe Weihnachten!"

„Frohe Weihnachten!", erwiderte Lily und streckte sofort begierig die Arme aus. „Darf ich?", fragte sie sehnsüchtig. Rose lachte und legte Lily das Baby vorsichtig in die Arme. „Der ist ja schon riesig!", sagte sie fasziniert und lächelte Aiden an, der sofort zurückgrinste und sie dann fast mit seinem Fuß trat. Der Kleine hatte wirklich einen kräftigen Tritt, selbst jetzt noch, als er nicht mehr in Roses Bauch war. Scorpius hatte sich beim Wickeln einmal wohl fast ein blaues Auge geholt. Lily hatte Rose am Tag nach der Geburt besucht und seitdem leider nicht mehr gesehen und war fasziniert, wie anders das Baby mittlerweile aussah, und wie sehr er schon gewachsen war. Bald würde er nach Hogwarts gehen können.

„Du solltest mal den Kleinen von Louis sehen", erwiderte Rose augenverdrehend. David, der Sohn von Louis und Annie, war bereits vier Monate alt. Lily hatte auch Annie im Krankenhaus besucht, aber weil sie zu ihrem ältesten Cousin längst kein so enges Verhältnis hatte wie zu Rose (schließlich war Louis die meiste Zeit, in der sie klein gewesen war, in Hogwarts gewesen, und als sie endlich nach Hogwarts gekommen war, hatte er gerade seinen Abschluss gemacht und war direkt danach nach Frankreich verschwunden), hatte sie die Louis, Annie und ihr Baby seitdem nicht mehr gesehen. „Ich meine", fuhr Rose fort, „als Mutter denkt man ja immer, dass die eigenen Kinder die niedlichsten sind, aber der Knirps von den beiden … ich hätte nie gedacht, dass der Veela-Anteil von Tante Fleur da immer noch so durchschlägt."

„Kommt mir bei Dora und Remus gar nicht so vor", erwiderte Lily schulterzuckend. Die Kinder von Ted und Victoire waren schließlich auch zum Teil Veelas.

„Ja, weil die beiden dauernd mit grünen Haaren rumrennen, das macht irgendwie den Effekt kaputt", sagte Rose und wandte sich dann erklärend an Howard. „Ted ist ein Metamorphmagus, weißt du, und seine Kinder haben das geerbt."

Howard nickte. „Ja, das hat mir Lily schon erzählt." Lily hatte sich bemüht, Howard einen groben Überblick über ihre Familie zu geben, aber da das mittlerweile so viele waren, war das etwas schwierig. Naja, er würde das schon schaffen.

Sie wurden von Scorpius unterbrochen, der mit einem vollen Becher Punsch vor ihnen auftauchte. „Rose, da bist du ja. George hat mir das für dich in die Hand gedrückt, ich soll dir das geben, wenn du mit Stillen fertig bist."

Rose lächelte ihn dankbar an und nahm ihm den Becher aus der Hand. Sie nippte daran und schloss dann genießerisch die Augen. Scorpius grinste. „Ich liebe Onkel George."

Er lachte. „Wer liebt ihn heute nicht?" Er wandte sich an Lily und Howard. Er küsste Lily zur Begrüßung auf die Wange und schüttelte dann Howard die Hand. „Du musst Howard sein. Ich bin Scorpius, Roses Mann." Sein Grinsen wurde noch breiter, sofern das überhaupt möglich war. „Ich hab schon so viel von dir gehört."

„Ach ja?", sagte Howard überrascht und schaute zu Lily, die nur ratlos mit den Schultern zuckte, bevor sie Aiden ihren Finger hinhielt, den der sofort mit seiner winzigen Hand umklammerte. Sie hatte Scorpius gegenüber Howard kaum erwähnt, als sie sich im Krankenhaus gesehen hatten. Vielleicht hatte Rose ihm von ihm erzählt?

„Meine Großeltern kennen seit Monaten kein anderes Thema als Howard Corner und das verfluchte Finanzministerium. Du solltest dich geehrt fühlen, es gibt recht wenige Leute, die so einen Zorn bei ihnen hervorrufen können."

Howard seufzte. „Ja, die sind die Schlimmsten. Ich meine, keiner ist wirklich begeistert, dass ich befugt bin, in deren Verließe zu gehen, aber niemand hat sich so darüber aufgeregt und sich so häufig bei meinem Chef beschwert wie sie."

„Ja, das klingt nach ihnen", nickte Scorpius. „Dabei haben sie das ganze Zeug, was ihnen gefährlich werden könnte, schon längst woanders hingeschafft. Frag mich nicht wo, sowas würden die mir nie erzählen."

„Schade", seufzte Howard. „Nicht, dass ich will, dass du deine Großeltern verrätst, das wäre ethisch wahrscheinlich nicht sehr vertretbar", fügte er dann schnell hinzu. „Aber mein Chef wäre bestimmt sehr beeindruckt."

„Dann beeindruckst du ihn eben mit deiner guten Arbeit", sagte Rose nach einem weiteren Schluck aus ihrem Becher und runzelte die Stirn. „Da hat George aber sehr gespart mit dem Feuerwhiskey."

„Du hast neun Monate keinen Alkohol getrunken", erinnerte Scorpius sie. „Er wollte dich wahrscheinlich nicht überfordern. Aber wenn du dich beschweren willst, er versteckt sich gerade vor deiner Großmutter, ich glaube, er ist bei Percy und Audrey."

Rose verzog das Gesicht. „Ich weiß nicht, ob sich Schlafentzug so gut mit Onkel Percys Kesselbodendicke verträgt." Einen Moment später gab es einen lauten Knall und dann rief eine hohe Stimme sehr laut „MUMMY!" Rose zuckte zusammen, seufzte und eilte in die Richtung, aus der ihre Tochter nach ihr gerufen hatte. Scorpius schaute seiner Frau besorgt hinterher, zuckte aber letztendlich mit den Schultern.

„Soll ich Aiden nehmen? Andromeda ist vor fünf Minuten gekommen und würde ihn gerne sehen."

Lily drückte das Baby unwillkürlich fester an sich. „Aber ich hab ihn doch gerade erst bekommen. Das ist nicht fair!"

„Du kannst ihn nächste Woche gerne den ganzen Tag haben, wenn du so scharf auf ihn bist", erwiderte Scorpius und nahm ihr seinen Sohn wieder ab. Er nickte den beiden zum Abschied zu und verschwand dann mit Aiden im Getümmel. Lily reckte sich, um einen Blick auf Teds Großmutter zu erhaschen, die sie schon ewig nicht gesehen hatte, aber der riesige Weihnachtsbaum versperrte ihr die Sicht. Dafür tauchten hinter ihr Al und Tia mit roten Gesichtern auf.

„Lily!", rief Al begeistert und umarmte seine kleine Schwester. „Sind wir schon die Letzten? Wir haben gar nicht auf die Uhr geschaut und waren ganz geschockt, dass es schon so spät ist."

Lily zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, wir sind gerade erst gekommen." Bei der Weihnachtsfeier gab es keine festen Zeiten, sie fing irgendwann am Nachmittag an und ging bis spät in die Nacht. Jeder kam so, wie er Zeit hatte, was ganz praktisch war, jetzt, wo alle von ihnen berufstätig waren und einige schon kleine Kinder hatten, die irgendwann ins Bett mussten, und zwar am besten vor Mitternacht.

„Ah, du musst Howard sein", sagte Al immer noch breit grinsend und umarmte auch ihn ohne viel Federlesen. Lily schaute ihren Bruder überrascht an.

„Er hat von einem Kollegen eine Flasche Elfenschnaps geschenkt bekommen und wir haben wahrscheinlich ein bisschen zu viel getrunken", erklärte Tia kichernd und küsste Howard dann zur Begrüßung auf die Wange. „Ich bin Lilys Schwägerin, freut mich, dich kennen zu lernen."

„Ich hab schon so viel von dir gehört", fuhr Al fort, als ob er sie gar nicht wahrgenommen hatte. „Erst letzte Woche. Du sollst ein nichtsnutziger, erbsenzählender, kleinlicher, egomanischer, respektloser, machtbesessener Besserwisser sein, der in keinster Weise offen für ein bisschen konstruktive Kritik ist."

„Wie bitte?!", rief Lily empört und starrte ihren Bruder mit offenem Mund an. So hatte sie Howard noch nie beschrieben. Wollte Al ihre Beziehung etwa sabotieren? Sie hätte gedacht, dass er aus der Sache mit McLaggen gelernt hatte.

Aber zu ihrer Überraschung lachte Howard nur. „Ach, dann haben sich die Malfoys auch bei dir über mich beschwert?"

Al nickte. „Ich weiß gar nicht, wie die überhaupt mein Büro gefunden haben. Solche Sachen gehören absolut nicht in meinen Zuständigkeitsbereich." Er erschauderte. „Aber Merlin, können die fluchen! Das hat Scorp nie erwähnt. Mann, bin ich froh, dass seine Eltern nicht so blöd sind wie seine Großeltern." Er schlug Howard auf die Schulter. „Bei Onkel Bill haben sie sich auch über dich beschwert, der hat gesagt, du musst wohl was richtig machen, wenn du diese Reaktion hervorrufen kannst."

„Hoffentlich", sagte Howard zufrieden.

„Jedenfalls, wisst ihr, wo Onkel George ist?"

„Warte lieber eine Weile, der versteckt sich gerade vor Grandma bei Onkel Percy."

Al nickte. „Danke für den Tipp. Dann schauen wir mal, ob wir Scorp und Rose finden können, ich hab Aiden schon zwei Wochen nicht gesehen." Er nahm Tia an der Hand und zog sie mit sich in die Menge. Tia winkte ihnen zum Abschied zu und Lily rief ihnen „Bei Andromeda" hinterher, worauf hin Al lautstark „Danke!" zurückbrüllte.

„Was hab ich dir gesagt?", sagte Lily strahlend zu Howard. „Gar nicht so schwer, oder? Meine Familie ist sehr umgänglich."

„Eher ein wenig chaotisch, oder?", erwiderte Howard, nahm ihre Hand und küsste sie auf den Handrücken.

Lily zuckte mit den Schultern. „Ich dachte, das versteht sich von selbst."

Und so ging es die nächsten Stunden weiter. Nach und nach fand Lily Zeit, Howard den meisten Familienmitglieder vorzustellen. Diejenigen, die kleine Kinder hatten, lächelten ihm nur müde zu und waren gleich darauf damit beschäftigt, wieder den kleinen Quälgeistern hinterherzujagen. (Rose hatte Recht, Louis' Sohn David sah wirklich verdammt gut aus für ein Baby. Der würde sicher später mal einen Haufen Herzen brechen, genau wie sein Dad.) Onkel Ron kriegte sich gar nicht mehr ein, als er erfuhr, dass Howard der Sohn von Michael Corner war, aber wenigstens lachte er nur darüber und verhielt sich nicht so unmöglich wie damals bei ihrer Mutter.

Ihre Großmutter umarmte Howard herzlich und entschuldigte sich, dass sie nicht die Zeit gefunden hatte, auch ihm einen Pullover zu stricken, aber Lily hatte ihr erst vor zwei Wochen gesagt, dass sie ihn mitbringen würde und da war sie vollauf damit beschäftigt gewesen, welche für die neuesten Familienmitglieder zu machen. Ihre Eltern schüttelten ihm freundlich die Hand und ihre Mum erkundigte sich danach, wie es seinem Vater ging. Lily wusste, dass Howard sehr nervös gewesen war, ihre Eltern kennen zu lernen, konnte das aber kaum nachvollziehen. Auch wenn ihr Dad der Harry Potter war, war er doch eigentlich ein sehr umgänglicher Mensch. Wenn, dann musste man sich vor ihrer Mum in Acht nehmen. Aber beide hatten keinen Grund, Howard nicht zu mögen und verhielten sich auch so. Nach einer kurzen Unterhaltung wurden ihre Eltern dann von Ron und Hermine in ein Gespräch verwickelt und Howard atmete erleichtert durch.

Dominique versuchte mit ihm über Quidditch zu sprechen, aber Howard war kein großer Fan, also gab sie nach zwei Minuten kopfschüttelnd auf und suchte nach Annie und Louis. Onkel Percy hingegen unterhielt sich geschlagene zwanzig Minuten mit ihm über Howards Arbeit und lobte ihn für die gute Umsetzung der Reformen. (Dafür waren ihm fast alle dankbar, da sie so ein wenig Ruhe von Percy hatten.)

„Läuft doch ganz gut, oder?", fragte Hugo grinsend und reichte Lily einen von den Punschbechern, die Onkel George frisiert hatte. Hugo hatte Howard vor ein paar Wochen kennen gelernt, als er bei Lily vorbeigeschaut hatte, während Howard dagewesen war. Die beiden hatten sich ganz gut verstanden, da sie als Kinder beide die gleichen Muggelcomics gelesen hatten.

„Ja, eigentlich schon", nickte Lily. „Ich war mir nicht hundert Prozent sicher, ob das wirklich die richtige Taktik war, ihn so ins kalte Wasser zu werfen-"

„Aber so lernt er alle schon mal kennen und beim nächsten Treffen wissen alle, wer er ist", warf Hugo ein. Das war das Argument, mit dem er sie überzeugt hatte. „Außerdem bricht es ganz schnell das Eis, wenn man diese Meute erstmal besoffen erlebt hat."

Lily schaute zu Tante Fleur, die auf die umstehenden Leute wild gestikulierend auf Französisch einredete, dem nur ihre Kinder folgen konnten. Es musste aber sehr lustig sein, denn die drei lagen vor Lachen praktisch auf dem Boden. James, Onkel Bill und ihr Großvater hatten währenddessen ein altes Trinklied angestimmt und Dora lief mit einer Schweineschnauze als Nase, Schweineohren und einem Ringelschwänzchen durch die Gegend und quiekte jedem ins Ohr.

„Ja, da hast du wohl Recht", sagte sie und hoffte, dass Howard keine allzu schlechte Meinung von ihrer Familie hatte.

„Ach was", sagte Howard, nachdem er sich endlich von Onkel Percy losgeeist hatte und mit ihr auf einem der zahlreichen Sofas platzgenommen hatte, die für die Feiern immer herbeigezaubert wurden. Dora, mittlerweile ohne Schweinekörperteile, lag neben ihnen und war erschöpft eingeschlafen. Lily strich ihr manchmal durch die Haare und Dora kuschelte sich noch ein bisschen enger an sie. „Die Potters und Weasleys werden überall immer so ehrfurchtsvoll behandelt, da ist es wirklich schön, wenn einem die Illusion genommen wird und man sieht, dass ihr wirklich normale Menschen seid."

„Wie man nach all den Jahren in Hogwarts mit uns immer noch Illusionen haben kann, ist mir ein Rätsel", sagte Lily ratlos. Es war schließlich nicht so, als ob sie sich in Hogwarts damals groß anders verhalten hatten.

„Du vergisst, dass man, wenn man nicht in Gryffindor war, nur eine sehr abgeschwächte Version von euch mitbekommen hat. Ganz besonders, wenn man nicht im selben Jahr war wie einer von euch", wandte Howard ein.

„Aber Joseph war doch mit Rose zusammen!", erwiderte Lily. Der hätte doch wirklich wissen müssen, wie sie waren.

„Eben", sagte Howard. „Du hättest mal hören sollen, wie er damals von ihr gesprochen hat. Manchmal klang sie wie eine Göttin."

„Wirklich?", sagte Lily überrascht. „Aber das war doch nichts Ernstes mit den beiden." Rose hatte immer steif und fest behauptet, dass Joseph nur eine gute Ablenkung von den ZAGs war, aber auch nicht mehr.

„Für sie vielleicht nicht, aber für ihn ganz bestimmt. Ich glaube, er hat damals sehr gehofft, dass doch noch mehr daraus werden würde, aber er wollte sich vor ihr keine Blöße geben, als sie Schluss gemacht hat."

„Oh je", sagte Lily mit belegter Stimme und warf einen Blick auf Rose und Scorpius, die sich angeregt mit Andromeda und Roses Eltern unterhielten. Rose wiegte nebenher einen schlafenden Aiden in den Armen, während Onkel Ron Diana auf seinem Schoß herumhopsen ließ.

„Mittlerweile ist er darüber hinweg, keine Sorge. Ich glaube, er hat sich ziemlich schnell damit abgefunden, dass Rose nie so für ihn empfinden würde wie für Scorpius, als er die beiden zusammen gesehen hat. Und dann hat er sich ja mit Stuart getröstet und der hat ihm noch viel mehr das Herz gebrochen, als er nach China gegangen ist."

„Aber jetzt ist er doch ganz zufrieden, oder?" Zumindest hatten Joseph und Anna so ausgesehen, als Lily sie das eine Mal zusammen erlebt hatte.

„Ja, ich glaube schon. Aber mit seinem Herz ist er etwas vorsichtiger geworden. Kann man ihm auch nicht verübeln, finde ich, da kann man ganz schön auf die Nase fallen."

„Bist du auch schon mal auf die Nase gefallen?", fragte Lily und erinnerte sich an McLaggen und Pedro und auch den Quidditch spielenden Andy, dem der Sport wichtiger gewesen war als sie.

„Ja, einmal in Hogwarts. Sie hat sich auch in einen anderen verliebt." Howard seufzte wehmütig. Dann schüttelte er den Kopf, lächelte Lily an und küsste sie flüchtig auf den Mund. „Aber was einen nicht umbringt, macht einen stärker, oder?"

„Ja, wahrscheinlich schon", nickte Lily und zuckte zusammen, als plötzlich Onkel George vor ihnen auftauchte und Howard mahnend anschaute.

„Was habe ich da gerade beobachtet? Wer bist du, dass du meine kleine süße liebe niedliche unschuldige Lieblingsnichte Lily so angrabschst?!"

„Hey!", rief Lucy vom anderen Eck des Wohnzimmers empört zu ihnen hinüber.

„Okay, eine meiner Lieblingsnichten", verbesserte Onkel George sich hastig. „Besser?"

„Etwas!", rief Molly zurück.

„Aber sehr dünnes Eis, Onkel George!", warnte Victoire grinsend.

Lily lachte. „Das ist mein Freund Howard."

Onkel George nickte mit einem etwas glasigen Blick. „Ach ja, ach ja. Da war was, richtig. Hugo hat das erwähnt." Er beäugte Howard so kritisch, dass der nervös schluckte und plötzlich stocksteif neben ihr saß. Dabei war er mittlerweile so entspannt gewesen! „Du kommst mir bekannt vor. Hast du dich mal bei mir im Laden beworben?"

Howard schüttelte den Kopf. „Nein, bestimmt nicht."

„Wirklich nicht?", fragte Onkel George stirnrunzelnd. „Ich hätte schwören können, da war irgendwas mit Scherzartikeln. Bist du sicher?"

„Sein Dad ist Michael Corner, falls das was hilft", warf Lily ein. Sie hatte im Laufe des Abends schon festgestellt, dass Howards Vater bei ihren Onkeln einen größeren Eindruck hinterlassen hatte, als er gedacht hatte.

Onkel George nickte heftig. „Ja richtig! Wow, du bist deinem Dad ja wie aus dem Gesicht geschnitten! Und jetzt erinnere ich mich, Ron hat damals andauernd versucht, Fred und mich dazu zu bringen, ihm irgendwelche ungetesteten Scherzartikel zu geben. Weiß der Teufel, was er hatte. Aber Ronnie war schon immer sehr … speziell, was die Damen in seinem Leben anging. Sei froh, dass Hermine und Rose ihn schon so gut gezähmt haben, sonst hätte er wahrscheinlich eine ganz andere Meinung, wenn es um das Liebesleben seiner kleinen Patentochter geht."

Howard starrte George nur ungläubig an, während Lily grinsen musste. Dann war Howards Dad ja doch nicht so paranoid gewesen, wie sie gedacht hatte.

TBC …