21. Dezember: Nicht das Ende der Welt
In der darauffolgenden Woche veranstalteten ihre Großeltern ein großes Essen im Fuchsbau zu Ehren von Lilys Goldener Feder und Dominique, die zum ersten Mal zusammen mit ihrer Mannschaft die Quidditchmeisterschaft gewonnen hatte. Im Jahr davor waren sie zweite geworden, deshalb war die ganze Familie überglücklich, dass es diesmal geklappt hatte. Und das nicht nur, weil keiner von ihnen mehr die Schimpftiraden von Dominique hatte ertragen können. Ursprünglich war die Familienfeier nur geplant gewesen, um Lilys Gewinn der Goldenen Feder zu feiern und vor ein paar Wochen hätte es sie wahrscheinlich gestört, dass sie sich das Rampenlicht schon wieder mit jemandem teilen musste, aber nach dem Desaster mit Howard war sie ehrlich gesagt ganz froh, dass die ganze Aufmerksamkeit nicht nur auf ihr lag. Obwohl Dominique dafür, dass sie sich mit der Meisterschaft einen Kindheitstraum erfüllt hatte, auch nicht sonderlich begeistert dreinschaute.
„Alles in Ordnung?", fragte Lily schließlich, nachdem sie nach dem Essen eine ruhige Minute gefunden hatte, um sich zu Dominique zu gesellen. Ihre Onkel und Tanten genehmigten sich gerade einen Feuerwhiskey im Wohnzimmer, während ihre Geschwister, Cousinen und Cousins sich im Garten verteilt unterhielten und die Kinder im Auge behielten, die begeistert ein paar Gartengnomen hinterherjagten.
„Ja sicher", erwiderte Dominique überrascht. „Warum fragst du?"
Lily zuckte mit den Schultern. „Ich mein ja nur, dafür, dass du endlich die Quidditchmeisterschaft gewonnen hast, wirkst du nicht sonderlich glücklich." Lily konnte sich nicht daran erinnern, dass es einen Moment gegeben hatte, in dem Dominique nicht davon gesprochen hatte, dass sie einmal gewinnen würde. Lily wusste, dass sie geknickt war, weil James in die Nationalmannschaft berufen worden war und Dominique nicht, aber dieser Sieg war dennoch eine wunderbare Leistung und die Krönung ihrer Karriere.
„Das gleiche könnte ich dir sagen", schoss Dominique zurück. „Du hast doch auch ewig von deiner Goldenen Feder geträumt und jetzt, wo du sie endlich hast, gibst du nicht damit an, sondern schaust nur finster drein."
Lily seufzte. Ihre Familie war taktvoll genug, dass sie den Heiratsantrag nicht erwähnte, aber sie hatte trotzdem die ganze Zeit das Gefühl, dass er wie eine dunkle Wolke über allem schwebte. „Du weißt doch, was passiert ist. Jeder Mensch in der Zauberwelt, weiß passiert ist." Schließlich waren die Klatschzeitschriften immer noch voll davon, auch wenn Dominiques Sieg glücklicherweise ein bisschen Aufmerksamkeit davon abgelenkt hatte. „Jedes Mal, wenn ich die Goldene Feder jetzt sehe oder daran denke, erinnert mich das daran, was für Scheiße danach passiert ist."
„Das ist doch bescheuert!", erwiderte Dominique so heftig, dass Lily zusammenzuckte. „Du hast so lange dafür gearbeitet, so viel Zeit investiert, du hast dir das richtig verdient, da solltest du nicht zulassen, dass so ein wichtigtuerischer idiotischer Mann alles kaputt macht! Das ist es wirklich nicht wert! Scheiß Männer!"
„Woah", sagte Lily überrascht und trat einen Schritt zurück. Dominique war zwar bekannt für ihre Wutausbrüche, aber dass sie so unprovoziert anfing zu schimpfen, das war neu. „Ich wusste gar nicht, dass du Howard so hasst."
Dominique verdrehte die Augen. „Ach, Howard! Mit dem hab ich doch keine drei Worte gesprochen! Keine Ahnung von Quidditch! Ich meine Männer im Allgemeinen. Immer müssen sie sich in den Vordergrund drängen und alles kaputt machen und ehe du dich versiehst, stehst du da und sie haben sich in dein Hirn gefressen und versauen alles, selbst wenn sie nicht mal in der Nähe sind." Sie schüttelte den Kopf. „Scheiß Männer, die waren eine wirklich miese Erfindung, wenn du mich fragst. Und dein Howard war wohl auch keine Leuchte, wenn er dir vor allen Leuten einen Antrag macht, ohne dass er weiß, ob du ja sagst und gleichzeitig deinen großen Moment ruiniert. Wenn Dav- ich meine, wenn jemand das bei mir gemacht hätte, ich hätte ihn eigenhändig umgebracht."
Lily runzelte die Stirn. „Hast du auch irgendwelche Männerprobleme?" Sie konnte sich nicht erinnern, dass sie Dominique schon mal mit einem Mann gesehen hatte, was aber auch nicht schwer war, schließlich war sie mit der Schule schon fertig gewesen, als Lily gerade angefangen hatte. Aber sie hatte zu Familien- und Weihnachtsfeiern nie jemanden mitgebracht und Lily konnte sich auch nicht erinnern, dass sie jemals von einer Beziehung gesprochen hätte.
Allerdings … hatte James sich nicht letztes Jahr darüber amüsiert, dass er versucht hatte, Dominique mit einem Ohrläppchenfetischisten zu verkuppeln? Da war doch irgendwas gewesen.
Dominique schüttelte heftig den Kopf. „Nein, nein. Ich meine, ich treffe mich im Moment mit einem Mann aus Annies Mutter-Kind-Gruppe, aber-"
„Mutter-Kind?", unterbrach Lily sie überrascht. „Dann hat er ein Kind?" Als Stiefmutter konnte Lily sich Dominique überhaupt nicht vorstellen. Als Mutter aber auch nicht, um fair zu sein.
„Jaah, aber noch nicht so groß. Seine Frau ist gestorben, deshalb lassen wir es sehr langsam angehen. Und ich weiß sowieso nicht genau, ob das überhaupt was wird." Dominique zuckte mit den Schultern.
„Ja, den Richtigen zu finden ist scheiße", bekräftigte Lily. „Ich hab mir eingeredet, dass Howard das ist, aber als er dann vor mir gekniet hat, konnte ich mir nichts mehr vormachen."
„Mhm", nickte Dominique. „Ich weiß überhaupt nicht, warum man sich die Mühe machen sollte. Beziehungen sind so kompliziert, ständig muss man auf die Gefühle von jemand anderem Rücksicht nehmen. Auch wenn der Sex wirklich fantastisch ist, das ist es doch nicht wert, oder?"
„Naja …", sagte Lily unsicher und musste unwillkürlich an Henry denken und die Nacht, die sie zusammen verbracht hatten. Sie hatten sogar zweimal miteinander geschlafen und der Sex war noch besser gewesen als betrunken im Garten. Aber nachdem Henry erschöpft eingeschlafen war, hatte sie sich bald darauf aus seiner Wohnung geschlichen und war nach Hause appariert. Sie hatten sich an dem Nachmittag zwar gut verstanden und er hatte sie nicht mehr angestarrt wie den Teufel persönlich, und der Sex war wirklich fantastisch gewesen (viel besser noch als mit Howard, und der war schon sehr gut gewesen), aber mehr war da nicht drin. Es war ein zufriedenstellender Abschluss gewesen, sodass sie Henry nicht mehr nur verfluchte, wenn sie an ihn denken musste, aber mehr auch nicht. Wahrscheinlich würde sie ihn sowieso nie wieder sehen.
„Sowas wie den Richtigen gibt es wahrscheinlich sowieso nicht", fuhr Dominique fort. „Nur Leute, die man mehr oder weniger häufig umbringen möchte, wenn man deren Gegenwart ertragen muss."
Lily lachte. „Du bist ja wirklich eine Romantikerin."
Dominique verdrehte die Augen. „Das erledigen schon Vic und Louis für mich. Einer muss doch realistisch bleiben." Und wenn man vom Teufel sprach, rief genau in dem Augenblick Dominiques Zwillingsbruder Louis nach ihr und winkte sie zu sich. Lily schaute ihrer Cousine kopfschüttelnd hinterher und fragte sich, ob Dominique das wirklich glaubte. Es klang eher danach, dass ihr jemand das Herz gebrochen hatte und sie sich jetzt krampfhaft einredete, dass das sowieso nichts zu bedeuten hatte.
Und sie selbst fühlte sich nicht so, obwohl gerade erst eine anderthalb Jahre lange Beziehung vor ihr in Flammen aufgegangen war. Keine Stunde nach Howards Antrag hatte sie mit jemand anderem geschlafen. Jemandem, den sie noch nicht mal gemocht hatte. Sie hatte Howard nie gesagt, dass sie ihn liebte, obwohl er es ihr mehrmals gesagt hatte. Sie hatte es erwidern wollen, aber immer wenn sie es versucht hatte, hatte es sich angefühlt, als ob da eine Blockade in ihrem Kopf war, die die Worte verhindert hatte, deshalb hatte sie nur manchmal „ich dich auch" gesagt und gehofft, dass das reichte. Genauso war es gewesen, als sie überlegt hatte, ob sie mit ihm zusammenziehen wollte. Jedes Mal, wenn sie sich zu der Frage durchgerungen hatte, hatte sie etwas daran gehindert, sie zu stellen. Sie hatte gedacht, dass sie nur mehr Zeit brauchen würde, dass schließlich nicht jeder Liebe auf den ersten Blick erleben konnte, dass ihr Dad Jahre gebraucht hatte, bis er sich in ihre Mum verliebt hatte, und trotzdem waren die beiden jetzt überglücklich zusammen.
Aber Howards Antrag hatte sie gezwungen, all diese Gefühle und Gedanken geradeheraus zu konfrontieren und letzten Endes hatte sie sich nicht mehr vormachen können, dass sie nur mehr Zeit brauchte. Howard war einfach nicht der Richtige. Leider. Und jetzt stand sie wieder ganz alleine da.
„Ah, Lily, wie gut, dass ich dich erwische." Lily schaute überrascht zu Onkel Percy, der plötzlich vor ihr aufgetaucht war und sie warm anlächelte. „Komm, setzen wir uns kurz." Er zog Lily zu der Hollywoodschaukel, die ihre Großeltern vor einigen Jahren in einer ruhigen Ecke im Garten aufgestellt hatten. „Ich hatte noch gar keine Gelegenheit, dir zu deiner Goldenen Feder zu gratulieren. Du hast sie wirklich verdient."
„Vielen Dank", sagte Lily geschmeichelt und lief leicht rosa an. Onkel Percy hatte immer enorm hohe Ansprüche und niemand aus der Familie hatte jemals das Gefühl, ihnen wirklich gerecht zu werden. Nicht, dass viele von ihnen es versuchten. Aber trotzdem.
„Ich lese deine Artikel immer. Natürlich nicht nur, weil sie von dir sind, meine Arbeit überschneidet sich viel mit deinen Themen und es ist wichtig, auf dem Laufenden zu sein, was die öffentliche Meinung betrifft. Ohne überheblich zu klingen, deine Artikel sind mir immer die liebsten. Ich hoffe nur, dass du die Feder jetzt nicht zum Anlass nimmst, dich auf deinen Lorbeeren auszuruhen, es ist wichtig, auch weiterhin fokussiert seinen Job zu machen."
„Keine Sorge, Onkel Percy, das mach ich." Sie lachte humorlos. „Auch wenn ich nicht sicher bin, wie ernst man mich nach der Geschichte mit Howard noch nimmt." Sie war sich nicht sicher, wie ernst sie die Arbeit anderer nehmen würde, wenn sie ständig mit deren verkorkstem Liebesleben konfrontiert werden würde.
„Oh, da würde ich mir keine Sorgen machen, Lily. Bei mir in der Abteilung gibt es niemanden, der deine Arbeit nicht ernst nimmt, nur weil das mit deinem Freund leider so unschön zu Ende gegangen ist", versicherte Onkel Percy ihr und tätschelte etwas unbeholfen ihre Hand. Er seufzte. „Das wollte ich dir auch noch sagen, es tut mir sehr leid, dass das so miserabel zwischen euch gelaufen ist. Howard kam mir immer wie ein sehr netter, vernünftiger und intelligenter junger Mann vor."
Lily zog die Nase kraus. Das stimmte zwar, klang aber wirklich nicht so toll als Beschreibung. „Jaah, das war er auch. Aber nicht der Richtige, glaube ich. Ich war völlig überrascht, dass er mir den Antrag gemacht hat und wenn der erste Instinkt ist, sofort abzulehnen, dann bedeutet das doch nichts Gutes, oder?"
Onkel Percy verzog das Gesicht. „Nein, wahrscheinlich nicht. Aber mach dir nichts draus, Lily, darüber kommst du auch hinweg und dann wirst du den Richtigen auch noch finden."
„Ach echt?", fragte sie skeptisch. „Manchmal hab ich das Gefühl, dass es den Richtigen gar nicht für mich gibt", gestand sie schließlich. Sie hatte es noch nie laut ausgesprochen, aber was, wenn es stimmte? Sie hatte gehofft, den Richtigen mit Howard endlich gefunden zu haben, aber sie war kläglich gescheitert und hatte zusätzlich auch noch einem wirklich netten Mann das Herz gebrochen, der das wirklich nicht verdient hatte.
„Ja, das Gefühl kenne ich auch", sagte Onkel Percy schließlich etwas wehmütig. Lily sah ihn überrascht an, weil sie eigentlich die üblichen Floskeln erwartet hatte, von wegen sie sei noch viel zu jung, sie solle sich nicht so anstellen. Gerade Onkel Percy schien geradezu prädestiniert dafür zu sein. „Weißt du, es war wirklich nicht einfach, der drittgeborene Weasley zu sein."
„Ach ja?" Sie hatte zwar keine Ahnung, warum Onkel Percy jetzt gerade davon anfing, aber sie liebte die Geschichten ihrer Familie und Onkel Percy gab so selten etwas von sich preis.
„Oh ja. Bill war der Erstgeborene, der coole und charmante, der trotzdem zum Vertrauensschüler und Schulsprecher wurde und Charlie war der allseits beliebte Quidditchspieler, und ich war immer nur der regelbesessene Streber, der allen den Spaß verdarb. Ich wäre so gerne wie Bill gewesen, aber entweder man ist so oder man ist es nicht, imitieren kann man sowas nicht. Und dann kamen noch die Zwillinge, die sich immer über alles lustig gemacht und mir ständig Streiche gespielt und dann so getan haben, als würden sie nicht verstehen, warum ich es nicht lustig fand, in einer Pyramide eingesperrt zu werden." Er verdrehte die Augen. „Merlin, manchmal habe ich es so gehasst, zu dieser Familie zu gehören! Nicht, dass ich sie nicht liebe, das darfst du nicht denken", fügte er dann schnell hinzu, als er bemerkte, dass Lily erstaunt die Augenbrauen gehoben hatte. „Ich hatte es nur satt, dass ich niemals etwas Neues hatte. Immer habe ich die alten Sachen von Bill und Charlie bekommen: Spielzeug, Kleidung, Schulbücher … nichts hat mir alleine gehört. Wir hatten nie Geld, stattdessen haben meine Eltern immer nur mehr Kinder bekommen, die mich auch alle nicht gemocht haben, und wir hatten nie Geld, weil Mum wegen uns allen nie arbeiten konnte und Dad seine Muggel wichtiger waren, als einen vernünftigen Job mit gutem Gehalt und Aufstiegsmöglichkeiten zu haben.
Und ich habe mir geschworen, dass ich nie so sein würde. Niemals. Ich würde nie mehr Kinder haben, als ich mir leisten konnte und ich würde auf keinen Fall in einem Job versauern, der zu wenig zahlt. Deshalb war ich immer schon sehr ehrgeizig in der Schule. Aber du weißt ja selbst, dass eine gute Ausbildung das A und O ist. Quidditch war nie meins, deshalb wollte ich wenigstens so gut sein wie Bill, als Vertrauensschüler und Schulsprecher, und beides habe ich auch erreicht. Natürlich war ich trotzdem der langweiligste Weasley, ich war nicht cool oder lustig oder gut im Quidditch oder das erste Mädchen seit Generationen, aber ich habe meinen Weg gemacht. Und ich hatte etwas, was die anderen nicht hatten, ich hatte eine Freundin."
„Ach ja?", fragte Lily überrascht. Von allen ihren Onkeln hätte sie jetzt nicht unbedingt ihn für den großen Frauenschwarm gehalten.
Onkel Percy nickte stolz. „Oh ja. Charlie hat sich schon immer mehr für Quidditch, magische Wesen und vor allem seine Drachen interessiert und Bill hat mit vielen geflirtet, aber er war eher wie dein Bruder James, würde ich sagen. Er mochte viele, aber keine wirklich. Und die Zwillinge waren immer viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um wirklich ein Mädchen in ihre verschworene Gemeinschaft zu lassen. Aber ich hatte zwei Jahre eine wundervolle Freundin. Penelope Clearwater."
Lily runzelte die Stirn. „Den Namen habe ich noch nie gehört." Die Familie zog sich gern gegenseitig auf, aber der Name Penelope war noch nie gefallen.
„Ja, sie heißt jetzt Penelope Jones und ist die persönliche Assistentin des Ministers", erwiderte Onkel Percy mit einem Hauch von Stolz in der Stimme.
„Ach die!", nickte Lily. Sie hatte mit dem Minister zwar kaum jemals zu tun, aber sie konnte sich erinnern, in seiner Gegenwart eine hübsche Frau mit lockigen Haaren und Brille gesehen zu haben, die seine Assistentin war. Sie konnte sie sich überraschend gut mit Onkel Percy zusammen vorstellen.
„Wir haben uns bei unseren Vertrauensschülerpflichten kennen gelernt. Sie war die Vertrauensschülerin von Ravenclaw." Er lächelte verträumt. „Sie war großartig. Sie nahm ihre Sache so ernst wie ich, sie nahm die Schule so ernst wie ich, wir haben uns wunderbar verstanden. Wenn ich ehrlich bin, in ihrer Gegenwart hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass mich jemand wirklich versteht, weil ich nie den Eindruck hatte, dass meine Familie sich da viel Mühe gegeben hat." Lily schluckte. Das klang zwar sehr romantisch, aber auch wie ein Armutszeugnis für ihre Familie.
Onkel Percy lachte. „Nun ja, du weißt ja, wie dramatisch Teenager sind, nicht wahr? Jedenfalls haben Pen und ich viel zusammen gelernt und wir sind dann sehr schnell zusammengekommen. Warum um den heißen Brei herumreden, wenn man weiß, dass man sich liebt? Natürlich haben wir es zuerst geheim gehalten, weil ich nicht wollte, dass die Zwillinge sich über mich lustig machen." Er schluckte. „Und dann ist sie zusammen mit Hermine dem Basilisken begegnet und wurde versteinert und das war wirklich eine schreckliche Zeit. Ich rede mir immer ein, dass ich deshalb nicht bemerkt habe, dass Ginny buchstäblich von Voldemort besessen war, aber wahrscheinlich war ich einfach nur ein schlechter Bruder. Wir waren alle schlechte Brüder. Vier von uns waren in Hogwarts und kein einziger hat bemerkt, dass sie unsere Hilfe brauchte. Dass sie uns das nicht länger nachgetragen hat …" Er schüttelte den Kopf. „Und ich hab mir da noch viel mehr vorzuwerfen als Ron oder die Zwillinge. Ginny hat gesehen, wie Pen und ich uns geküsst haben und sie hatte zwar versprochen, dass sie nichts sagt, aber ich hatte Angst, dass sie sich nicht daran hält, deshalb habe ich sie aktiv daran gehindert, um Hilfe zu bitten." Er erschauderte. „Wahrscheinlich hat sie es vergessen, wie so vieles aus dem Jahr. Merlin, sie war noch so jung und wir haben sie alle im Stich gelassen, weil wir alle unser eigenes Leben hatten und zu egoistisch waren." Er schluckte schwer und atmete dann tief durch.
„Aber das ist doch normal", sagte Lily verständnisvoll. Ihre Mutter hatte oft genug von diesem Jahr erzählt, sobald Lily älter war und nachgefragt hatte, und sie hatte nie geklungen, als ob sie es auch nur einem ihrer Brüder übelnahm, dass sie nichts bemerkt hatten.
„Ich habe mich sehr bemüht, dass keiner etwas mitkriegt", hatte ihre Mutter schulterzuckend gesagt. „Dafür hatte ich ja das Tagebuch, damit ich alle meine Gefühle da reinschreiben kann und keiner sonst etwas weiß. Außerdem, wie hätten sie schon darauf kommen sollen, dass ich durch ein Tagebuch von Voldemort besessen bin und dadurch die Kammer des Schreckens geöffnet habe? Das ist doch absurd!"
Onkel Percy seufzte. „Vielleicht, vielleicht auch nicht. Wir haben uns im Laufe der Zeit sehr viel verzeihen müssen. Aber deine Mum war schon immer eine sehr starke Frau." Lily nickte stolz. Ja, das war sie. „Jedenfalls, am Ende des Jahres hat Ginny Pen und mich dann doch auffliegen lassen, aber das war dann auch egal. Pen hätte durch den Basilisken sterben können und ist nur durch Hermines Intelligenz davongekommen, da hat es uns dann auch nichts mehr ausgemacht, dass wir Fred und George für Monate neues Material geliefert haben. Immerhin hatte ich eine Freundin und die beiden nicht.
Und ich dachte wirklich, dass sie die Richtige ist. Wir haben so gut zueinander gepasst, wir haben uns gut verstanden, wir hatten die gleichen Ziele. Wir wollten beide im Ministerium Karriere machen. Wir haben nach dem Abschluss kurz überlegt, zusammenzuziehen, aber wir hatten Angst, dass wir uns vielleicht zu sehr ablenken könnten, deshalb bin ich erstmal Zuhause geblieben, um Geld zu sparen. Während der Ferien hat mich der Krach der anderen in den Wahnsinn getrieben, wenn ich für meinen Chef irgendwelche Berichte verfassen sollte, aber als sie wieder in Hogwarts waren, waren nur noch Mum, Dad und ich übrig und ich kann dir sagen, so ruhig habe ich den Fuchsbau noch nie erlebt. Und Mum hat sich gefreut, nicht den größten Teil des Jahres alleine zu sein, auch wenn ich meistens nur zum Essen zuhause war."
„Und was ist dann schiefgelaufen? Mit Penelope und dir?" Etwas musste schließlich schiefgelaufen sein, sonst wäre er jetzt nicht mit Tante Audrey verheiratet.
Er seufzte noch tiefer als vorher. „Was wird schon schiefgelaufen sein? Voldemort natürlich! Du hast sicher gehört, dass ich für einige Jahre mit der Familie zerstritten war."
Lily nickte. Das war zwar ein Thema, über das niemand gerne sprach und um das die meisten einen großen Bogen machten, deshalb hatte Lily auch immer instinktiv nicht weiter nachgehakt, aber zumindest wusste sie, dass Onkel Percy sich während des Kriegs ein paar Jahre geweigert hatte, mit seiner Familie zu sprechen.
„Du musst verstehen, es hat damals ein Riesenchaos geherrscht. Eigentlich waren alle darauf eingestellt, zu feiern, weil das Trimagische Turnier zu Ende war und dann ist Harry plötzlich mit dem toten Cedric Diggory aufgetaucht und hat behauptet, dass Voldemort wieder da ist, etwas, was wir alle für unmöglich gehalten haben. Und er hatte keinen Beweis, da war nur der tote Diggory, aber der hätte durch alles getötet worden sein können, und dann gab es noch einen ausgebrochenen Todesser, aber der war schon von Dementoren geküsst worden, bevor er eine Aussage zu Protokoll hatte geben können und um ehrlich zu sein, habe ich bis heute nicht ganz verstanden, wie das alles miteinander zusammengehangen hat." Er zuckte mit den Schultern.
„Aber der damalige Minister, Fudge, hat darauf bestanden, dass Harry und Dumbledore lügen und nur Unruhe in unser Leben bringen wollen. Dass Dumbledore die Macht an sich reißen will mit dieser Geschichte fand zwar sogar ich etwas weit hergeholt, weil Dumbledore in Hogwarts immer sehr zufrieden gewirkt hat, und Harry hat eigentlich nie wie jemand gewirkt, der sich sowas ausdenken würde, aber … Unterschätze nie, wie gut Menschen darin sind, sich selbst zu belügen, wenn sie etwas nicht glauben wollen. Und dass Voldemort wirklich zurück sein sollte … das war wirklich unglaublich. Und Fudge hat damals sehr energisch klar gemacht, wenn man seinen Job behalten will, dann soll man sich bloß nicht gegen ihn stellen. Dad hat sich damals sehr bedeckt gehalten, aber hinter vorgehaltener Hand haben natürlich alle gewusst, dass er auf Harrys Seite steht. Von mir hat man das gleiche gedacht, aber anders als Dad war ich noch nicht lange im Ministerium und ich wollte unbedingt Karriere machen, deshalb habe ich gesagt, was von mir erwartet wurde und es lange genug wiederholt, bis ich es wirklich geglaubt habe.
Dann musste ich natürlich ausziehen, aber zu dem Zeitpunkt habe ich mich sowieso nicht mehr wohl zuhause gefühlt. Ich habe Pen vorgeschlagen, zusammen zu ziehen, aber sie wollte nicht. Sie hat Fudge nicht geglaubt und sie hat seine Methoden nicht gutgeheißen und sie hat sich geweigert, das Spiel mitzuspielen." Er schluckte. „Sie war so viel mutiger als ich. Aber sie war auch ein Halbblut, musst du wissen. Wie Harrys Mutter war auch ihre Mutter eine Muggelgeborene und sie konnte auf eine ganz andere Weise als ich verstehen, was Voldemorts Rückkehr für sie und ihre Familie bedeutete. Wir haben uns schrecklich gestritten damals, weil ich meiner Familie nicht geglaubt und mich auf die Seite von Fudge gestellt habe und dann hat sie mich abserviert. Völlig zurecht, aus heutiger Sicht, aber damals hat mich das nur noch mehr darin bestätigt, dass ich Recht hatte. Klingt vielleicht merkwürdig, aber … ich musste einfach Recht haben, sonst hätte ich völlig umsonst alle Menschen verstoßen, die ich liebe.
Und dann, als Voldemort sich schließlich öffentlich gezeigt hat und klar war, dass Harry nicht gelogen und Fudge uns wertvolle Zeit gekostet hat … ich hätte gleich zurückkommen und mich entschuldigen sollen, aber … ich war noch nie gut darin, über meinen eigenen Schatten zu springen. Das werde ich immer bereuen." Mittlerweile standen Tränen in seinen Augen, aber er schien sie gar nicht zu bemerken. Lily schluckte.
„Ich kam gerade noch rechtzeitig zur letzten Schlacht. Das Jahr, in dem Harry auf der Flucht war und Voldemort offen die Macht übernommen hatte, Merlin, es war so schrecklich im Ministerium. Alle, die nicht seine Gefolgsleute waren oder seine Vision geteilt haben, haben sich so bedeckt wie möglich gehalten, weil wir ganz genau wussten, wenn wir gehen, dann treten nur noch brutalere Menschen an unsere Stelle. Aber es war auch so viel schwerer, wieder Kontakt zu meiner Familie zu bekommen, obwohl ich es mittlerweile wirklich wollte. Aber jedes Gespräch zwischen Dad und mir wäre im Ministerium beobachtet worden und der Fuchsbau war durch einen Geheimniswahrer geschützt und ich konnte nicht mehr einfach so vorbeikommen.
„Aber als dann klar war, dass es zur direkten Konfrontation kommt … ich kam gerade noch rechtzeitig, um mich bei meiner Familie zu entschuldigen und keine Stunde später ist Fred … er ist …" Onkel Percy schniefte. „Ich werde es nie vergessen. Einen Moment war er da und hat gelacht – über einen Witz von mir gelacht, er hat noch nie über einen Witz von mir gelacht – und einen Moment später war er einfach nicht mehr da. Sein Körper war da, aber Fred war weg. Einfach weg. Und ich habe zwei Jahre lang nicht mit ihm gesprochen, weil ich ein sturer Bock war, der seine Karriere über seine Familie gestellt und Sachen mitgetragen hat, bei denen mir heute schlecht wird."
Lily umarmte ihn. Hätte sie nicht gespürt, wie ihre Schulter langsam nass wurde, hätte sie gar nicht mitgekriegt, dass er angefangen hatte zu weinen. Nach ein paar Momenten atmete er tief durch und löste sich dann wieder von ihr. Er holte ein Taschentuch heraus, wischte sich über die Augen und schnäuzte dann lautstark.
„Aber ich wollte ja eigentlich über Pen reden, nicht wahr? Sie ist nur so in alles andere verwickelt, dass es schwer ist, sie zu trennen." Er räusperte sich. „Nun gut, nach Kriegsende habe ich natürlich sehr viel Zeit mit meiner Familie verbracht, und vor allem George. Er ohne Fred … du kannst dir gar nicht vorstellen, wie merkwürdig das ist. Als sich die Wogen dann etwas gelegt haben, habe ich schließlich auch versucht, Pen zu kontaktieren, um mich zu entschuldigen. Das wollte ich schon früher, aber sie ist irgendwann wohlweißlich mit ihrer Familie untergetaucht und hat eine Weile gebraucht, bis sie sich wieder in die Zauberwelt getraut hat.
Ich weiß nicht, was ich erwartet habe. Meine Familie hat mich mit offenen Armen empfangen, als ich mich schließlich entschuldigt habe, und ich hatte gehofft, dass das mit Pen ähnlich laufen würde. Schließlich haben wir uns doch immer gut verstanden. Wir haben uns geliebt. Wir haben Zukunftspläne geschmiedet. Wir wollten uns ein paar Jahre Zeit geben, um unsere Karrieren zu etablieren und dann wollten wir selbstverständlich heiraten. Ich war davon überzeugt, dass sie die Richtige ist- Ich hatte gehofft … aber sie hat mir die Tür vor der Nase zugeknallt und als ich nicht verschwinden wollte, hat sie mich so beschimpft wie noch nie. Ich hatte ihr sehr wehgetan und sie war nicht verpflichtet, mir zu verzeihen und als krönenden Abschluss hat sie mir gesagt, dass sie einen neuen Freund hat und mich nie wiedersehen will."
Onkel Percy atmete tief durch und schwieg. Lily schluckte. Was sollte sie dazu sagen? Und hatte er etwa erwartet, dass diese tieftraurige Geschichte sie irgendwie aufmunterte? Oder wollte er ihr damit nur sagen, dass er nachvollziehen konnte, wie miserabel man sich manchmal fühlte? Aber dass Lily Howards Antrag abgelehnt hatte war mit allem, was er erlebt hatte, nun wirklich nicht zu vergleichen.
„Jedenfalls war ich danach überzeugt davon, dass ich für den Rest meines Lebens allein bleiben würde. Ich hatte die perfekte Frau und ich hab sie vertrieben und bis ich endlich den Kopf aus meinem Arsch gezogen und das gemerkt habe, war es zu spät. Aber vielleicht war es besser so, denn so konnte ich mich darauf konzentrieren, George zu helfen und meine Familie wieder kennen zu lernen und das habe ich sehr gebraucht. Ich weiß, die andern haben mir alle verziehen, dass ich sie im Stich gelassen habe, aber ich werde mir das nie verzeihen können."
Lily konnte sehen, wie weitere Tränen seine Wangen herunterliefen, aber dieses Mal machte er keine Anstalten, sie wegzuwischen. Wer weiß, ob er sie überhaupt bemerkte. Lily nahm seine Hand und drückte sie aufmunternd. Ihr fehlten die Worte.
„Jedenfalls, was ich dir eigentlich sagen wollte, als ich angefangen habe. Es ging mir damals nicht wie dir, aber zumindest ähnlich. Anstatt zu glauben, dass ich nie die Richtige finden würde, dachte ich, ich hatte sie schon gefunden und durch meine Schuld verloren. Und dann ist mir eines Tages, einfach so, Audrey über den Weg gelaufen. Sie hat dir die Geschichte erzählt, oder? Die nigerianische Delegation wollte zu McDonalds und der Tarnzauber hat nicht funktioniert, deshalb standen wir plötzlich vor Audrey, die das alles so viel besser aufgenommen hat als ich je erwartet hätte. Wir waren in vielen Sachen grundverschieden, aber bei anderen auch wieder sehr ähnlich und es hat einfach gefunkt. Und natürlich ist es schwierig, weil sie eine Muggel ist, aber wir haben es nie zu einem unüberwindbaren Hindernis werden lassen. Ich kann dir gar nicht sagen, wie dankbar ich bin, dass sie zu stur für den Tarnzauber bei der Ministeriumstelefonzelle war. Sonst wären wir uns vielleicht nie begegnet. Sie ist wirklich die Richtige."
„Und Penelope war es nicht?"
Onkel Percy zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Vielleicht gibt es mehrere Richtige. Ich bin immer noch überzeugt, dass Pen und ich hätten glücklich werden können, aber so, wie wir uns weiterentwickelt haben, wurde das irgendwann unmöglich. Und Audrey … ich glaube nicht, dass sie mich sehr gemocht hätte, wenn sie mich früher kennen gelernt hätte. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich sie als erfolglose Schauspielerin längst nicht so ernst genommen hätte wie als bodenständige Postbeamtin."
„Das ist aber ganz schön kleinkariert von dir."
„Das mag sein, aber ich kenne mich gut genug, dass ich wahrscheinlich genauso gedacht hätte, wenn ich ihr drei oder vier Jahre eher über den Weg gelaufen wäre. Jetzt schau mich nicht so an, Lily, du hast doch genau das gleiche gedacht."
Lily lachte. „Okay, ja, hab ich." Eine Schauspielerin wäre viel zu unseriös für Onkel Percy gewesen, ganz besonders, wenn ihre Karriere noch so unsicher war. Dazu war Onkel Percy viel zu besessen von seiner eigenen Karriere gewesen. Auch wenn sie jetzt sehr viel besser verstehen konnte, warum.
„Ich nehm's dir nicht übel. Audrey und ich wissen genau, wo wir stehen. Und wir hatten Glück, wir sind uns zum perfekten Zeitpunkt über den Weg gelaufen. Und ich bin mir sicher, dass es da draußen auch jemanden für dich gibt, Lily, dem du irgendwann begegnen wirst, wenn es passt. Wenn du bereit bist und wenn er bereit ist. Oder es ist wie bei deinen Eltern, wo Ginny auf Harry gewartet hat, bis ihm auch ein Licht aufgeht. Oder Ron und Hermine, die in der Schule wie zwei Magneten waren, die man ständig umdreht. Mal haben sie sich abgestoßen und dann haben sie sich angezogen und irgendwann waren sie erwachsen genug, dass sie sich für eine Seite entschieden haben. Die meisten von uns hatten Glück und haben die richtige Person recht früh gefunden, aber eine Garantie ist das auch nicht. Ich war schon sechsundzwanzig, als ich Audrey schließlich begegnet bin. Und auch wenn du vielleicht glaubst, dass das, was du gerade erlebt hast, das Ende der Welt ist, ich hab schon mehrere davon erlebt und das gehört sicher nicht dazu."
Lily schniefte. Sie war keine zwölf mehr, sowas war schon lange nicht mehr das Ende der Welt. Aber scheiße hatte es sich trotzdem angefühlt. Und das Schlimmste war, dass es zumindest die ganze Britische Zauberwelt mitgekriegt hatte und auch jetzt, fast einen Monat später, immer noch darauf herumritt und es die nächsten Jahrzehnte bestimmt sehr gerne zur Sprache bringen würde. Wenn sie seinen Antrag privat abgelehnt hätte, nur sie beide, dann hätte sie sich gleich erklären können und dann wäre das alles niemals so sehr aus dem Ruder gelaufen.
„Das wird schon noch, Lily. Und trotz allem sollte das nicht deinen Erfolg schmälern. Die Goldene Feder ist eine große Leistung und darauf kannst du zurecht stolz sein, Howard hin oder her. Lass nicht zu, dass dir das alles versaut."
„Er hat's ja nicht böse gemeint", verteidigte Lily ihn halbherzig. Er hatte ja nicht vorhersehen können, dass sein Antrag so schieflaufen würde. Aber er hätte wenigstens genug Weitsicht haben können, zu erkennen, dass das absolut nicht der richtige Zeitpunkt und vor allem der richtige Ort für einen Antrag war. Und das würde sie ihm wahrscheinlich immer übelnehmen. Aber er nahm ihr übel, dass sie vor aller Augen abgelehnt, kurz darauf mit einem anderen geschlafen und ihn anscheinend nie wirklich geliebt hatte. Im Schnitt hatte sie es noch sehr viel besser getroffen als er.
„Nein, aber offensichtlich auch nicht gut durchdacht. Das hätte ich ehrlich gesagt nicht von ihm erwartet, er war doch immer so ein bedächtiger Mensch."
„Machen nicht alle manchmal was verrücktes, Onkel Percy?", wandte Lily ein. Einer wildfremden Muggel einfach so von der Zauberwelt zu erzählen und hinterher mit ihr auf eine Modenshow zu gehen war bestimmt nichts, was seine Familie jemals für möglich gehalten hätte.
„Ja, da hast du auch Recht", erwiderte Onkel Percy lächelnd. „Ach Lily, es tut mir Leid. Eigentlich wollte ich dir nur kurz gratulieren und dich ein wenig aufheitern, ich hatte gar nicht vor, dir meine Lebensgeschichte zu erzählen", sagte er geknickt.
„Schon in Ordnung", erwiderte Lily leichthin. „Du weißt, dass ich solche Geschichten gern höre. Das erklärt immer so vieles."
Er seufzte wehmütig. „Ja, das tut es wohl." Er atmete tief durch. „Nun ja, wie dem auch sei. Herzlichen Glückwunsch und Kopf hoch. Ich glaube, Mum hat noch etwas von dem Dessert in der Küche, wenn du als Ehrengast noch etwas davon abstauben möchtest."
Lily nickte lachend. „Das musst du mir nicht zweimal sagen", sagte sie und eilte Richtung Küche. Wer wollte kein Dessert haben, ganz besonders, wenn es ihre Großmutter gemacht hatte?
TBC …
A/N: Hier überschneidet sich Lilys Geschichte zeitlich ein wenig mit Dominiques Geschichte aus „Feels Like Home", falls ihr gerne wissen möchtet, warum Dominique so miese Laune hat und auf alle Männer schimpft. Ganz genau fällt das in die Zeit der Kapitel 15-18, aber wenn ihr genaueres wissen wollt, wäre es wahrscheinlich besser, zur Sicherheit die ganze FF zu lesen. ;)
