Für die Durchführung eines schwarzmagischen Rituals, um verborgene Kräfte für sich verfügbar zu machen und damit noch mächtiger zu werden, benötigt Voldemort eine Jungfrau, die ihm als Opfer dienen soll. Severus Snape wurde von ihm mit der Aufgabe betraut, ihm diese zu beschaffen. Dumbledores Plan, Voldemort eine vermeintliche Jungfrau unterzujubeln, hat unter anderem für Severus Snape unerwartete Konsequenzen...
Die Story basiert auf Band 5 und beginnt in den Weihnachtsferien des 6. Schuljahres. Die Handlungen, die in den Bänden 6 und 7 vorkommen habe ich außer Acht gelassen.
Mir gefällt Severus Snape, so wie er ist, am liebsten, also ganz der JKR-Snape. Deswegen habe ich mich sehr bemüht, unseren Lieblingscharakter nicht OOC werden zu lassen. Obwohl die Handlungen des 6. und 7. Bandes keine Stattfindung haben, basiert die Vielschichtigkeit seines Charakters auf allen Bänden (Always).
DISCLAIMER: Alle aus den HP-Bänden bekannten Personen und Orte gehören JKR. Mir gehört nur die Idee zu dieser Geschichte.
Und nun wünsche ich euch viel Vergnügen beim Lesen!
Lasst mir gerne ein Review da.
Eure Lady Aardvark
Kapitel 1
Die Versammlung
"Sind wir vollzählig? Gut, dann lasst uns bitte beginnen."
Albus Dumbledore, Kopf des Ordens des Phoenix, hatte die Versammlung mit diesen Worten soeben eröffnet. Er blickte mit ungewohnt angespannter Miene über den Rand seiner Halbmondbrille in die kleine Runde und betrachtete die anwesenden Augenpaare allesamt gespannt dreinschauend, in Erwartung den Grund zu erfahren, weshalb sie sich so kurzfristig im Hauptquartier des Phoenixordens am Grimmauldplatz Nummer 12 einzufinden hatten.
Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: "Ich habe euch alle versammelt, um eine Mitteilung von außerordentlicher Wichtigkeit zu verkünden, denn heute erreichte mich eine beunruhigende Information von Severus."
Bei seinen Worten neigte Dumbledore seinen Kopf zu Severus Snape, der an dem massiven, runden Holztisch neben ihm saß.
"Ich will es kurz machen", setzte er fort, „Lord Voldemort hat offenbar eine Möglichkeit gefunden, seine Macht mittels eines schwarzmagischen Rituals immens zu verstärken. Das Einzige was er dazu benötige sei eine Jungfrau."
"Eine was?", schoss es aus Remus Lupin ungleich lauter hervor. Er blickte stirnrunzelnd von Albus Dumbledore zu Severus Snape, der seinen Blick zwar erwiderte, jedoch nicht antwortete.
"Ja, du hast richtig gehört, Remus, eine Jungfrau. Und es ist Severus Aufgabe ihm eine zu beschaffen."
Es ging ein Raunen durch den kleinen Raum, in dem sich der Orden des Phoenix regelmäßig traf.
"Morgen Abend will Voldemort seine Todesser um sich versammeln, um ein scheinbar uraltes Ritual Salazar Slytherins durchzuführen. Eine wahre Jungfrau soll ihm dazu als … nun ja … Opfer dienen. Die erfolgreiche Durchführung dieses Rituals ist das, was wir dringend verhindern müssen."
Nymphadora Tonks blickte angewidert in die Runde. "Erst dieses widerliche Ritual auf dem Friedhof und jetzt das! Woher nimmt der Bastard …"
Dumbledore hob seine Hand und Tonks verstummte augenblicklich. "Jaaah, selbstverständlich sind ihm alle Mittel recht", sagte Dumbledore mit glasigen Augen mehr in seinen Bart hinein. "Offenbar hat er bei seiner Forschung nach alten Schriften Salazars Zauber entdeckt, die selbst mir unbekannt sind. Wie auch immer, liebe Freunde...", setzte er neu an.
"Ich gehe davon aus, du hast bereits einen Plan, Albus?", unterbrach ihn Mad-Eye Moody, sein normales Auge war auf Dumbledore gerichtet, während sein magisches Severus Snape fixierte.
Dumbledore nickte. "Richtig, Alastor, darauf komme ich jetzt zu sprechen. Es ist wohl unser immenses Glück und Vorteil, dass Voldemort die Aufgabe des sagen wir... Beschaffens... Severus übertragen hat. Das ist sehr gut. So können wir entsprechend vorbeugen, wenn wir auch nicht viel Zeit haben. Severus, dein Wort."
Severus Snape, der bis jetzt stumm dem Wortlaut gefolgt war, ergriff nun das Wort und seine tiefe Stimme erfüllte den Raum: "Sollte der Dunkle Lord in dem festen Glauben, eine Jungfrau zu besitzen und sie entsprechend ...verwenden, so liegt die Hoffnung darauf, dass sein Plan scheitern und ihn darüber hinaus schädigen wird, wenn diese in Wahrheit keine ist. Das ist sein Risiko und wahrscheinlich eine gute Chance unsererseits ihn endgültig zu vernichten."
Severus blickte in die schockiert aussehenden Gesichter der offensichtlich überforderten Ordensmitglieder, seufzte und fuhr fort: "Wir wissen nicht, was er genau geplant hat oder wie dieser Ritus ablaufen wird. Der Dunkle Lord hat uns nicht über den exakten Ablauf informiert. Alles, was wir wirklich wissen ist, dass eine echte Jungfrau unbedingt erforderlich sei. Selbst mir hat er nur unwesentlich mehr mitgeteilt."
"Was also ist genau unser Plan?", fragte Mad-Eye.
"Ihm eine scheinbare Jungfrau unterzujubeln. Eigentlich eine einfache Aufgabe, wenn da nicht..." Dumbledore, der das Wort aufgegriffen hatte, blickte zu Severus und dann besorgt in die Runde.
"Wenn da nicht auch das Risiko auf unserer Seite wäre", fuhr Severus fort.
"Das wie aussieht?", fragte Remus und kniff die Augen skeptisch zusammen.
"Sie könnte von den Flüchen, oder was der Dunkle Lord auch immer zu tun gedenkt, erheblichen Schaden nehmen, im schlimmsten Fall sogar sterben. Sobald sein Versuch bestenfalls misslungen ist, habe ich nur wenig Zeit, sie ins Hauptquartier zurückzubringen. Ich habe an dem Ort, an dem der Dunkle Lord sich derzeit mit seinen Todessern trifft, einen Portschlüssel für Notfälle versteckt. Mit diesem kann sie dann zurück gelangen, sollte es mir selbst nicht gelingen."
"Und wer ist sie?", fragte Emmeline Vance, eine stämmige Hexe deren ebenfalls skeptischer Blick nun auf Dumbledore gerichtet war.
"Dazu kommen wir jetzt, Emmeline", erwiderte Dumbledore. „Wir werden niemanden zu dieser Aufgabe zwingen. Ich akzeptiere ausschließlich eine freiwillige Meldung. Jedoch muss ich sagen, dass wir leider nur eine begrenzte Auswahl haben."
"Wir haben überhaupt keine Auswahl, Albus", meldete sich Tonks erneut zu Wort. Tonks hatte rote Flecken im Gesicht und ihre Haarfarbe hatte sich während der letzten fünf Minuten bereits dreimal verändert. "Zählen wir doch einmal alle in Frage kommenden Hexen in unserem Kreis auf: Da wäre Emmeline, Emmeline ist zu alt - nichts für ungut, Emmy, Hestia ebenfalls, Molly... nun ja... fällt ebenfalls weg. Bleiben nur noch Hermione und ich. Und ich bin bei den Todessern kein unbeschriebenes Blatt mehr. Sollte Severus also mich mitbringen, wittern sie die Falle sofort."
Remus räusperte sich laut und blickte Dumbledore finster an. Dieser fing seinen Blick auf und nickte.
"Danke Tonks, besser hätte ich es nicht ausdrücken können." Dumbledore seufzte kurz, bevor er sich wieder an die ganze Gruppe wandte: "Tonks hat recht, uns bleibt nur Hermione."
Ausnahmslos alle in der Runde blickten nun auf ein dunkelhaariges Mädchen, das zwischen Tonks und Remus saß und sich noch gar nicht geäußert hatte: Hermione Granger.
"Hermione ist viel zu jung...", spie Remus aus, stockte aber sofort und schluckte. Er hatte den Nagel damit genau auf den Kopf getroffen.
"Richtig, Remus. Jung genug, um glaubhaft wirken zu können, außerdem sind Hermiones Eltern Muggel", fügte Dumbledore hinzu. "Sie wäre als sogenanntes Schlammblut darüber hinaus in der Tat die perfekte Kandidatin."
Über den Rand seiner Halbmondbrille musterte Dumbledore Hermione erneut einige Sekunden stumm: Er konnte Hermiones Mentor sehr gut verstehen. Sie war wirklich noch sehr jung. 17 Jahre zwar und damit volljährig, hinzukommend die Zeit, die sie während ihres dritten Schuljahres durch den Zeitumkehrer um Monate älter gemacht hatte und sie damit ihre biologische Volljährigkeit bereits vor ihrem 17. Geburtstag erreicht hatte.
Hermione hatte, ohne das Wissen ihrer Freunde, Harry und Ron, im Sommer nach den Ereignissen in der Mysteriumsabteilung im Zaubereiministerium, bei denen Sirus Black ums Leben gekommen war, die Ausbildung zur Junioraurorin begonnen. Die Not der Situation und ihr bereits jetzt vorhandenes umfangreiches Wissen machten sie schon jetzt zu einem wertvollen Mitglied des Phoenixordens. Nur, und das beunruhigte Dumbledore ungemein, hatte Hermione seit den letzten Vorfällen noch keinerlei praktische Erfahrungen in diesem Rahmen sammeln können. Zwar hatte Remus sie seitdem sehr gut unterwiesen, doch er war sich nicht sicher, ob sie diese, ihre erste, Aufgabe, auch erfolgreich würde bewältigen können – so schnell, so früh.
"Albus hat Recht", pflichtete Mad-Eye ihm in seiner typischen pragmatischen Art bei. "Hermione ist als ein Mitglied des Ordens nicht bekannt. Wir haben keine andere Wahl und im Grunde großes Glück, sie zu haben."
Dumbledores grübelnder Blick lag bei Mad-Eyes Worten noch immer auf Hermiones Gesicht.
"Nun, Hermione, du weißt sicher was ich dich nun fragen möchte", fuhr er sanft an sie gewandt fort.
Hermione fühlte, dass ihr Gehirn diese Situation noch nicht ganz erfasst hatte, als ob es sie schützen wolle. Eine für sie extrem unangenehme Situation, war sie es doch gewohnt sofort alles und immer zu erfassen.
Sie blickte in die Runde, von einem zum anderen. Sie nahm die besorgten Gesichter ihrer Kameraden und Freunde im Orden des Phoenix war. Dann fiel ihr Blick zuletzt auf Severus Snape und blieb dort eine Sekunde länger hängen. Sein Ausdruck war, anders als bei den anderen, nicht besorgt, sondern, wie sie feststellte, eher besorgniserregend.
Hermione, schluckte schwer und wandte ihren Blick wieder Dumbledore zu. Dann nickte nie.
"Gut, dann mache ich es kurz und schmerzlos: Hermione, kannst, und vor allem, willst du es tun?"
Hermiones dunkelbraune Augen funkelten. Sie nickte Dumbledore zu. "Natürlich, Sir!"
"Danke, Hermione. Gut, es ist also beschlossen. Morgen früh werden wir das exakte Vorgehen erörtern."
Severus Snape kehrte nach der Versammlung nicht nach Hogwarts zurück. Er aß mit den anderen im Hauptquartier zu Abend und zog sich dann in das ihm zugewiesene Schlafzimmer zurück.
In seinem winzigen Zimmer hatte er sich sofort auf das schmale Bett gelegt und starrte nun an die dunkle, fleckige Decke. Vor seinem Fenster waren keine Straßenlaternen installiert, die Licht ins Zimmer hätten bringen können, und vom aufgehenden Mond drang nur ein schwacher Schein durchs Fenster.
In seinen Gedanken ging Severus die Besprechung noch einmal durch. Er musste zugeben, dass er, wie die meisten anderen auch, Miss Granger im Grunde noch für viel zu jung hielt. Sie hatte seit Beginn ihrer Ausbildung noch keine weiteren Erfahrungen machen können. Und doch lagen darin genau die Vorteile, die Miss Granger bot: sie war glaubwürdig. Er hatte bereits an sie gedacht in dem Augenblick, als der Dunkle Lord ihn mit der Aufgabe betraut hatte.
Severus Kopf schmerzte und mit Daumen und Zeigefinger kniff er fest seine Nasenwurzel.
Ihr Tod wäre für den Orden ein großer Verlust, das musste er zugeben. Nicht ohne Grund hatte man bei einer Schülerin eine Ausnahme solchen Ausmaßes gemacht. Er hoffte nur, dass es Morgen nicht so weit kommen würde. Sie waren nur sehr wenige und konnten niemanden entbehren, nicht einmal Mundungus.
Grimmig schob Severus diesen Gedanken beiseite und schloss müde seine Augen.
Er war schon fast eingenickt, da holte ihn ein Klopfen aus dem Halbschlaf. Langsam richtete Severus sich auf und horchte.
klopf klopf
Also doch keine Einbildung. Mit einem Ächzen erhob Severus sich aus seinem Bett, trat mit zwei schnellen Schritten zur Tür und öffnete sie mit einem festen Ruck.
Vor ihm, auf dem dunklen Flur vor seiner Tür stehend, hatte Hermione Granger ihre Hand erhoben, offenbar um erneut anzuklopfen.
"Miss Granger?"
"Professor Snape, Sir, guten Abend", sagte sie leise und für geschulte Ohren mit erkennbarem Zittern in der Stimme. „Darf ich Sie sprechen, bitte?"
Severus musterte sie kurz, dann trat er zur Seite und schubste die Tür weiter auf.
Hermione huschte an ihm vorbei und blieb im mitten im dunklen Zimmer stehen. Severus schloss hinter ihr die Tür, so dass es für einige Sekunden erneut stockdunkel in dem kleinen Raum war und, da der Mond bereits weitergezogen war, man nicht einmal mehr die Hand vor Augen sehen konnte. Mit einem raschen Wink seines Zauberstabes entzündete er zwei auf den Nachttischen stehende Petroleumlampen, danach wandte er sich Hermione zu. „Nun, Miss Granger?"
„Professor Snape, Sir …" Hermione wandte plötzlich ihren Blick von ihm ab. Sie ging tiefer in den kleinen Raum hinein und schaute aus dem Fenster. „Sir, es gibt da ein Problem."
Nächstes Kapitel 2: Die Bitte
