Kapitel 2
Die Bitte
Hermione huschte an ihm vorbei und blieb im mitten im dunklen Zimmer stehen. Severus schloss hinter ihr die Tür, so dass es für einige Sekunden erneut stockdunkel in dem kleinen Raum war und, da der Mond bereits weitergezogen war, man nicht einmal mehr die Hand vor Augen sehen konnte. Mit einem raschen Wink seines Zauberstabes entzündete er zwei auf den Nachttischen stehende Petroleumlampen, danach wandte er sich Hermione zu. „Nun, Miss Granger?"
„Professor Snape, Sir …" Hermione wandte plötzlich ihren Blick von ihm ab. Sie ging tiefer in den kleinen Raum hinein und schaute aus dem Fenster. „Sir, es gibt da ein Problem."
"Ein Problem, Miss Granger?" Severus Augen folgten ihr Richtung Fenster.
Hermione atmete tief ein und aus und drehte sich zu ihm herum. "Es wird mir nicht gelingen, bei dem morgigen Versuch, Voldemort zu stürzen, helfen zu können."
Severus Snape runzelte die Stirn. Was faselte sie da? Für einen kurzen Moment schloss er die Augen und seufzte. Hatte er nicht wieder einmal Recht behalten mit seinen Bedenken damals, sie so früh in den Phoenixorden aufzunehmen? Kann nicht einmal etwas nach Plan laufen? Er war unendlich genervt.
"Miss Granger!" Der genervte Tonfall seiner tiefen Stimme war nicht zu überhören. "Nun, Sie hatten zugestimmt. Wenn sie nicht bereit..."
"Oh, ich bin bereit, Sir!" Hermione drehte sich abrupt zu Severus um. "Und ich will es tun, mehr als alles andere", sagte sie nun etwas lauter. "Ich kann es ehrlich gesagt kaum erwarten, Voldemort endlich kräftig in den Arsch zu treten. Auf diese Gelegenheit warte ich schon seit Monaten."
Severus blickte sie verblüfft an, verkniff sich aber einen beißenden Kommentar.
"Nun, was dann?", fragte er argwöhnisch mit zusammengekniffenen Zähnen.
"Ich bin... sozusagen... nicht in der Lage dazu", setzte Hermione erneut an und Severus konnte trotz des spärlichen Lichtes dunkelrote Flecken erkennen, die sich soeben in ihr Gesicht geschlichen haben.
"Es tut mir äußerst leid, Miss Granger, aber ich kann Ihnen immer noch nicht folgen." In Severus Snape steigerte sich von Sekunde zu Sekunde ein Gefühl von Wut auf.
"Ich bin noch Jungfrau", flüsterte sie kaum hörbar.
Doch Severus hatte sie gehört und schloss kurz die Augen. "Ist das wahr?" In seiner dunklen Stimme lag ein deutlicher Ausdruck von Gefahr.
Hermione nickte und bekam es augenblicklich mit der Angst zu tun.
Mit einem großen Schritt trat Severus dicht an sie heran, neigte seinen Kopf und zischte ihr leise ins Ohr: "Wunderbar, Miss Granger. Somit spiele ich dem dunklen Lord ja gerade die perfekte Kandidatin zu."
"Nicht unbedingt." Hermione rückte ein wenig von ihm ab. Sie versuchte merklich ruhig zu bleiben, konnte das Zittern in ihrer Stimme jedoch nicht ganz unterdrücken.
Auch das überhörte Severus nicht. Auch er trat einen Schritt zurück und betrachtete sie jetzt mit dem höflich interessierten Ausdruck eines Irrenwärters.
"Ich bin sehr interessiert, Miss Granger", sagte er kühl. "Was genau ist also Ihr Plan?"
Hermione atmete tief ein. "Sie, Professor!", sagte sie leise und zwang sich, ihn weiter ruhig anzusehen.
Severus starrte sie aufmerksam an. Er begriff wohl was sie meinen könnte, nahm dies aber nicht wirklich ernst.
"Miss Granger, bitte seien Sie so gut und sprechen in ganzen Sätzen, damit ich verstehen kann, was Sie eigentlich sagen wollen."
Hermione fühlte sich bei seinen spöttischen Worten weit zurückgesetzt in das erste Schuljahr. Sie fühlte sich unsagbar dumm. "Ich bitte Sie, mir zu helfen, uns... dem Orden... zu helfen, in dem Sie, also Sie mich...", stotterte sie.
Sie blickte ihn einige Sekunden stumm an, dann senkte sie den Kopf und fuhr fort: "Ich möchte, dass Sie es tun."
„Das kann wohl nicht Ihr Ernst sein?" Severus schwarze Augen glänzten im schwachen Licht der Petroleumlampen und blickten wütend auf Sie zurück.
Hermione schluckte.
"Da haben Sie an die falsche Tür geklopft, Miss Granger", setzte er fort. "Wäre Remus Lupin nicht der geeignetere Kandidat für Sie", fragte Severus spöttisch. "Ich denke, er ist noch wach", fügte er bissig hinzu, trat zur Tür und öffnete sie.
Severus tiefe und ölige Stimme drang ihr bei diesen Worten in Mark und Bein.
"Ich möchte, dass Sie es tun", flüsterte Hermione kaum hörbar.
Severus schloss erneut die Tür, hatte sie mit einem schnellen Schritt erreicht und packte sie nun hart an ihren Armen. "Was bilden Sie sich eigentlich ein? Was glauben Sie eigentlich, alles von mir erwarten zu dürfen? Sie und all die anderen." Er hatte nichts gegen Sex. Er hatte was dagegen, dass man fortwährend Dinge von ihm erwartete.
Severus Stimme wurde lauter und er wurde zunehmend wütender - wütend auf sie, weil sie es gewagt hatte, alles in Gefahr und ihn in diese Situation zu bringen.
Hermione befreite sich aus seinem schmerzhaften Griff und wich von ihm zurück, soweit es in diesem kleinen Raum möglich war.
"Es ist doch leider so, Professor!", Hermiones Stimme hob etwas an. "Was hätte ich denn heute Abend sagen sollen? Ich bin untröstlich, Professor Dumbledore, ich hätte es ja gerne gemacht aber leider hab ich noch nie mit einem Mann geschlafen. Er ist davon ausgegangen, wie alle anderen übrigens auch, dass ich diese Erfahrung längst gemacht habe. Dumbledores Frage, ob ich es kann, war rein formell."
Severus Snape blickte sie kühl an und dachte dabei an das berühmte Potter-Trio. "Sicher dachten das alle, und das auch nicht ganz ohne Grund, nicht wahr, Miss Granger?"
"Naja, Freunde zu haben ist nicht gleich Geschlechtsverkehr zu haben, bei Merlin!" Hermione blickte jetzt wütend zu ihm hinauf. Sie hasste dieses Klischeedenken bei Männern und hätte eigentlich gedacht, dass dieser Mann hier anders denken würde. Sie war erschöpft und hätte am liebsten aufgegeben, wenn da nicht die Dringlichkeit ihres Anliegens laut in ihrem Kopf hämmern würde. Wieder atmete Hermione einmal tief ein und wieder aus.
"Professor Snape, wie Sie eigentlich am besten wissen müssten, haben wir keine Zeit, und die Zahl der entsprechenden Personen ist begrenzt. Außerdem haben wir hier eine sehr gute Chance Voldemort ein für alle Mal das Handwerk zu legen. Hätte ich also heute Abend offen den Antrag an alle stellen sollen, mich zu entjungfern? Hätten wir das per Lotterie entscheiden oder hätte Dumbledore selbst einen passenden Kandidaten für mich auswählen sollen? Sagen Sie's mir, Professor Snape, Sir. Sir!"
Severus Snape legte seinen Kopf in den Nacken, starrte frustriert an die fleckige Decke, dann atmete er einmal tief ein und aus. "Gehen Sie zu jemand anderem, Miss Granger. Ich bin hierfür nicht der richtige", setzte er noch einen weiteren Versuch an. Er war verwirrt und er mochte dieses Gefühl nicht.
"Das sehe ich nicht so", flüsterte sie. "Selbstverständlich kann ich Sie zu nichts zwingen. Wenn Sie dies nicht tun möchten, werde ich zu Remus gehen, was ich jedoch nicht möchte..." Hermione stoppte kurz, bevor sie neu ansetzte: "Ich bitte Sie."
"Nein!", antwortete Severus abrupt und funkelte sie unverhohlen wütend an.
Hermione zuckte zusammen und senkte dann ihren Kopf. "Oh, nun…", sagte sie leise und wandte sich zum Gehen zur Tür.
"Warten Sie!", rief Severus plötzlich und Hermione drehte sich abrupt wieder um.
"Ich bin dennoch neugierig, Miss Granger. Wieso traf Ihre erste Wahl mich?" Die Neugier in Severus Snape nahm gerade Überhand obwohl er wusste, dass er sich mit dieser Frage auch auf ungewisses Terrain begab und er keine Ahnung hatte wie dies enden würde.
Hermine schöpfte Hoffnung und ging wieder auf ihn zu. Dicht vor ihm blieb sie stehen und blickte zu ihm hoch. Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen, streckte eine Hand nach ihm aus und strich ihm sanft eine schwarze Strähne aus seinem Gesicht. Severus zuckte unwillkürlich bei der Berührung zusammen und wich mit entsetztem Blick vor ihr zurück.
"Sie halten nicht sehr viel von sich, nicht wahr?", fragte Hermione leise.
Severus antwortete nicht.
"Sie haben ja keine Ahnung", sagte sie sanft und trat wieder näher an ihn heran. Trotz seiner für sie sehr verletzenden Reaktion auf ihr Anliegen, hatte sie das starke Bedürfnis ihn zu berühren, ihm über sein Gesicht zu streicheln, über seine markanten Konturen, mit ihrer Fingerspitze die steile Furche auf seiner Stirn zu berühren und ihre Finger durch sein schwarzes Haar gleiten lassen.
Doch sie tat es nicht.
Sie versuchte das Zittern in ihrer Stimme zu unterdrücken als sie leise sagte: „Ich finde Sie sehr attraktiv, Professor."
"Remus Lupin ist attraktiv, Miss Granger!", polterte es verärgert aus ihm heraus.
Hermione lächelte. "Remus Lupin hat ein hübsches Gesicht, ja, das ist wahr. Aber Sie, Professor, Sie finde ich wirklich ...schön, und, ich muss gestehen, ich fühle mich schon länger zu Ihnen hingezogen."
Sie trat einen Schritt zurück, als Severus nicht antwortete und sie nur weiter verblüfft anstarrte. Er war zu keiner Regung fähig. Auf eine Situation dieser Art war er emotional nicht vorbereitet gewesen und sie überforderte ihn, was ihn zunehmend störte. Wenn er jetzt klar denken könnte würde er sich wünschen, lieber dem Dunklen Lord gegenüber zu stehen als Hermione Granger. Das war zumindest gewohntes Terrain.
Hermione war bis aufs äußerste angespannt und zitterte nun am ganzen Körper. Sie spürte, wie ihr Gryffindor-Mut sie bald wieder verlassen wollte und entschied sich jetzt alles auf eine Karte zu setzen. Ihm fest in die Augen blickend, begann sie ihre Kleidung abzulegen. Sie streifte ihren Umhang ab und ließ ihn lautlos zu Boden gleiten. Dann zog sie sich ihr weites Hemd über den Kopf und ließ es ebenfalls achtlos zu Boden fallen.
Gebannt sah Severus ihr dabei zu, wie sie nun nacheinander ihre Hose und den letzten Rest ihrer Kleidung bis auf den leichten, weißen Slip auszog. Sie stand jetzt fast unbedeckt vor ihm und ihre weite Kleidung konnte ihren zierlichen Körper nun nicht mehr verstecken. Severus blickte zu Seite.
"Ich... Sie…", stotterte Hermione und brach ab, ihr fehlten die richtigen Worte. Als sie an seine Tür geklopft hatte, hatte sie sich mutiger gefühlt - nicht so verloren. Eigentlich war sie sich ihrer Sache ziemlich sicher gewesen, doch jetzt, wo sie so vor ihm stand, schämte sie sich.
Severus blickte sie wieder direkt an.
"Sie wollen das wirklich, oder?", fragte er ruhig.
„Ja", sagte Hermione und versuchte ein Lächeln, doch es wollte ihr nicht gelingen.
Er dachte kurz nach. Er hatte schon viele abscheuliche Dinge tun müssen, die in diese Richtung gingen. Aber hier war nun jemand, der sich freiwillig dafür hergab. Er konnte es nicht glauben. Aber offenbar wollte sie es wirklich und unter dem Imperius stand sie auch nicht. Wenn die Situation eine andere wäre, nicht so dringend, nicht so gefährlich, nicht so unausweichlich, würde er sie wieder wegschicken. Sie war eine Schülerin, das widerte ihn an. Und für seinen persönlichen Geschmack war sie eigentlich viel zu jung. Aber hier war er nun… und diese Situation… und sie, beinahe vollständig nackt…
Severus unterdrückte das aufkommende Unwohlsein ob dieser neuen Situation und redete sich ein, dass er – wie immer – alles tun müsse, um den dunklen Lord endlich zu vernichten. Dieses Gefühl kannte er, war ihm vertraut, damit konnte er umgehen.
„Haben Sie bestimmte Vorstellungen?" Seine tiefe Stimme klang rauer als beabsichtigt, doch er wünschte sich nicht, dass er anders geklungen hätte als er sah, wie Hermione bei seinen Worten kurz zusammenzuckte. Sie hatte es verdient.
Hermione hatte sich dies in ihrer offenbar naiven Vorstellung eigentlich alles ganz anders vorgestellt, aber jetzt war sie nun einmal hier und musste da durch.
Nächstes Kapitel 3: Geben und Nehmen
