Kapitel 4

Vorbereitung


Ohne ihn anzusehen suchte sie auf dem Fußboden ihre Sachen zusammen und begann sich anzuziehen. Keiner von beiden sagte es etwas.

Als Hermione fertig war, war sie unsicher, wie sie sich jetzt ihm gegenüber verhalten sollte. Am besten wie immer, sagte ihr ihre innere Stimme, höflich, distanziert, professionell.

Sie wandte sich ihm zu. „Ich danke Ihnen, Professor Snape, Sir... es war sehr schön... trotz der Umstände..."

Severus Augen funkelten wie schwarze Edelsteine als er sie anblickte, dann nickte er stumm.

Hermione drehte sich um, öffnete die Tür und trat auf den dunklen Flur hinaus.

Am nächsten Tag war Hermione so mit dem beschäftigt was vor ihr lag, dass sie nur wenig an ihr Erlebnis in der gestrigen Nacht denken konnte. So verbrachte sie die meiste Zeit des Tages mit Remus Lupin und Albus Dumbledore, die sie noch einmal mit den wichtigsten Informationen versorgten und ihr Mut spendeten.

Doch ab und zu streifte die Erinnerung der gestrigen Nach ihren Geist und ihr Unterleib zog sich vor Erregung zusammen. Der Sex mit Severus war wirklich gut gewesen und sie hoffte, das dies nicht das letzte Mal gewesen sein würde.

Hermione hatte Dumbledore das Versprechen abgenommen, dass er, falls ihr etwas geschehen sollte, sofort ihre Freunde Harry und Ron informieren sollte.

Als sie vor knapp sechs Monaten gefragt wurde, ob sie noch vor Beendigung ihrer Schulzeit dem Orden des Phoenix beitreten und eine frühzeitige Ausbildung zum Juniorauror beginnen würde, musste sie versprechen, dies geheim zu halten. Besonders Harry und Ron durften nichts davon erfahren, denn sie hätten dies nie akzeptiert ohne ebenfalls in den Orden aufgenommen zu werden und diese Ausbildung zu machen. Doch das Risiko, dass ausgerechnet Harry in Voldemorts Hände geriet, war einfach zu groß. Vor allem nach dem Tod seines Paten Sirius Black sann Harry auf Rache und war dahingehend nach wie vor unberechenbar. Während seiner Schulzeit war Hogwarts der sicherste Ort für ihn.

Und so lebte Hermione nun schon seit beinahe einem halben Jahr mit ihrem Geheimnis. Die Schulferien verbrachte sie nun nicht mehr in Hogwarts; sie erzählte, dass sie mit ihren Eltern auf Reisen ging, aber in Wirklichkeit war sie im Grimmauldplatz Nr. 12, im alten Haus der Blacks, das noch immer als Versammlungsplatz des Phoenixordens diente.


Der Abend nahte. Die Mitglieder des Phoenixordens saßen unruhig in ihrem kleinen Besprechungsraum und warteten auf ihr letztes Mitglied.

Die Tür öffnete sich und Severus stürmte mit wehendem Umhang herein. Hermione hatte ihn den ganzen Tag über nicht gesehen und auch die anderen wussten nicht, wo er gewesen war. Da er aber öfters einfach verschwand und er nicht gerade sehr wortreich auf Fragen antwortete, hatte man irgendwann aufgehört ihn zu fragen.

Mit wehendem Umgang lief Severus um den Tisch herum und setzte sich auf den letzten freien Stuhl. Er und Hermione blickten sich kurz an, dann ergriff Dumbledore das Wort und alle Blicke richteten sich nun auf ihn.

"Wir haben noch ein bisschen Zeit, gehen wir noch einmal alles durch: Severus, Hermione, ihr wisst was ihr zu tun habt? Sobald Voldemort das Zeichen gibt, appariert ihr zu dem Treffpunkt. Von da an muss alles erst einmal nach Voldemorts Plan laufen. Da ihr zu zweit sein werdet, achtet ganz besonders darauf, euch nicht zu verraten. Severus, du wirst Hermione wie eine Gefangene behandeln und Hermione, du muss Severus vertrauen und alles tun, was er oder die anderen dir befehlen. Wir können nicht riskieren, dass Severus dich mit dem Imperius-Fluch belegt. Du musst bei klarem Verstand bleiben, um eventuell noch selbst handeln zu können, wenn die Situation es entsprechen sollte."

Dumbledore hielt kurz inne, dann fuhr er fort: "Severus, sobald dieser Ritus vorbei ist und Voldemort bestenfalls vernichtet, spielst du Hermione den Portschlüssel zu, damit sie so schnell wie möglich zum Hauptquartier zurückkehren kann. Noch lieber wäre es mir allerdings, dass du mit ihr gemeinsam zurückkehren wirst. Alles verstanden?" Severus blickte zu Hermione und beide nickten stumm.

Minerva Mcgonagall, die heute Abend ebenfalls anwesend war, presste ihre Lippen aufeinander und sah, wie alle anderen auch, sehr besorgt aus.

„Albus", sagte sie, „ist es wirklich richtig, was wir hier gleich tun werden? Wir geben Miss Granger direkt in die Hände Voldemorts und der Todesser und wir wissen nicht, was Voldemort vorhat und ob unser Plan klappen wird. Was wenn..."

Doch Dumbledore unterbrach sie. „Minerva", sagte er ruhig, „Severus ist bei ihr. Und falls etwas schief gehen sollte, wird er Hermione da herausbringen und sich selbst."

„Aber..."

„Minerva", wiederholte Dumbledore sanft. „Ich verstehe Ihre Besorgnis vollkommen und ich teile sie auch. Aber ich vertraue Severus und seien wir einmal ganz ehrlich, wir haben schon andere gefährliche Situationen überstanden und hier haben wir sogar einen guten Vorteil in der Hand."

Professor Mcgonagall presste wieder ihre Lippen zu einem dünnen Strich aufeinander und sah Hermione mit feuchten Augen an.

„Gibt es denn keinen Plan B?", fragte Emmeline Vance. „Ich meine, wir können doch nicht alles auf diese eine Karte setzen oder?"

„Nein, Emmie, den gibt es leider nicht und ja, wir müssen alles auf diese eine Karte setzen", antworte ihr Dumbledore. „Wir haben im Moment keine bessere Chance", fügte er noch hinzu.

Tonks nickte bei diesen Worten gedankenversunken; sie dachte aber auch an den Kampf im Ministerium zurück, bei dem Sirius ums Leben kam.

Ein kurzes, unangenehmes Schweigen ging durch den Raum. Sie alle wollten nicht noch ein Mitglied verlieren.

"Wir werden alles daransetzen, dich da lebend rauszuholen", sagte Dumbledore jetzt direkt an Hermione gewandt. „Und vorbeugend dafür müssen wir dich jetzt noch ein wenig Immunisieren. Hermione, komm bitte."

Hermione schob ihren Stuhl zurück und stand auf. Sie traf sich mit Dumbledore, der sich ebenfalls von seinem Platz erhoben hatte, in der Mitte des Raumes.

„Wir wissen alle", sprach Dumbledore an alle gewandt, während er einen Arm um Hermiones Schultern legte, „dass Voldemort niemandem vollkommen vertraut. Dieses eingeschränkte Vertrauen kann für uns gefährlich werden. Deswegen muss ich Hermione mit einigen Schutzzaubern stärken und ihr vor allem ihre oberflächliche Jungfräulichkeit wiedergeben. Denn Voldemort wird sie mit Sicherheit testen.

Durch Hermione lief ein Zittern und Dumbledore drehte sie zu sich herum und legte ihr beruhigend seine Hände auf ihre Schultern.

„Diese Zauber sind für andere nicht erkennbar. Du wirst keine Scherzen verspüren, du musst nur so tun als ob, und dabei glaubwürdig sein. Schaffst du das?"

Hermione nickte.

„Gut. Hermione, ich werde dich jetzt mit dem Obtego-Zauber belegen, einem mächtigen Schutzzauber, dann mit dem Antidotum-Zauber, der dein Leben retten wird, wenn du Gifte nehmen musst – dieser Zauber ist glücklicherweise nur wenigen bekannt. Außerdem noch mit dem Condoleo-Zauber, der den dir zugefügten Schmerz in ein angenehmes Kribbeln verwandeln wird. Diesen Zauber wendet auch Severus an sich selbst an und schon die Hexen und Zauberer vor Hunderten von Jahren nutzen unter anderem diesen Zauber, wenn sie gefoltert oder auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Und zuletzt werde ich mit dem Virgo-Zauber deine Jungfräulichkeit wieder herstellen. Dieser Zauber bewirkt, dass du alle dahingehenden Tests ohne Zweifel bestehen wirst. Es ist ein Blend-Zauber."

Hermione folgte gebannt Dumbledores Worten, als er einen Zauberspruch nach dem andern über sie sprach.

"Gut, wir sind fertig, Hermione", lächelte Dumbledore sie an und Hermione ging zu ihrem Platz zurück und setzte sich. Severus' finsterer Blick folgte ihr und blieb einen Moment auf ihr haften.

„Nun zu uns." Mit diesen Worten wandte sich Dumbledore an den Rest der Ordensmitglieder. "Für uns heißt es warten. Wir müssen jedoch alles für Hermiones und Severus Rückkehr vorbereiten und auf alle Eventualitäten gefasst sein. Remus?"

Remus Lupin, der mit argwöhnischem Blick dem schwarzen Augenpaar von Severus gefolgt war, wandte seinen Blick von ihm ab und blickte nun Dumbledore erwartend an.

"Remus, begib dich bitte nach Hogwarts, hole Poppy und informiere sie über alles. Sie wird uns nur allzu gern behilflich sein. Am besten brichst du sofort auf. Wir wissen nicht wann Hermione und Severus zurückkehren werden."

Remus erhob sich von seinem Stuhl. "Severus, viel Glück. Hermione..., ich weiß, du schaffst das. Wir sehen uns später", sagte er und drückte ihre Schulter. Dann schritt er an ihnen vorbei und verließ das Hauptquartier, um Madam Pomfrey zu holen.

Nachdem Remus den Orden verlassen hatte, sagte eine Weile sagte niemand etwas; alle warteten auf das Zeichen Voldemorts, mit dem er seine Todesser rief.

Severus zuckte plötzlich kurz zusammen und seine rechte Hand griff krampfhaft zu seinem linken Arm.

"Es ist soweit", zischte er. "Wir müssen los!"

Hermione erhob sich. Sie hatte ihre Hände fest zusammengepresst in der Hoffnung, niemand würde ihr Zittern bemerken. Sie wollte zuversichtlich sein, hatte aber plötzlich schreckliche Angst.

Severus hatte sich ebenfalls erhoben und ergriff nun reserviert und fest Hermiones linken Arm.

Sie blickte vertrauensvoll zu ihm auf und Severus verharrte einen kurzen Moment in ihren großen braunen Augen, bevor er seinen Blick von ihr abwandte.

Mit einem lauten Knall waren beide appariert.


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Nächstes Kapitel 5: Das Ritual