Kapitel 20

Eine verschlossene Tür


Niemand hatte bemerkt, dass Draco Malfoy bereits vor einigen Minuten die Krankenstation betreten und seitdem stumm der Prozedur beigewohnt hatte. Dracos Nase war blutverkrustet und sein linkes Auge war angeschwollen. Aber es waren nicht Potter und Weasley gewesen, die ihn letztendlich dazu bewogen hatten umzukehren, es war sein Gewissen gewesen und der Wunsch seinen Fehler wieder gutzumachen.

Draco war vor Dumbledore zusammengesackt und kauerte nun vor dessen Knien. Der blaue Schleier hatte Hermione inzwischen verlassen und nun von ihm Besitz ergriffen. Dumbledore ließ es geschehen. Er drückte ermutigend Dracos Hand und dieser schloss dankbar seine Augen und spürte bereits Auswirkungen der Prozedur.

Hermione schreckte hoch. Dunkelheit der Nacht erfüllte den Raum, in dem sie sich befand, und für einen Augenblick fühlte sie sich unangenehm orientierungslos.

Kleine Lichtquellen hier und dort vertrieben etwas von der Dunkelheit, so dass sie ein wenig erkennen konnte. Jetzt wusste sie wieder, wo sie war; sie befand sich noch immer auf der Krankenstation.

Während ihre Augen sich immer besser an die Dunkelheit gewöhnten, suchte Hermione die anderen Betten des Saales ab. Bis auf eines waren alle leer und in diesem lag Draco Malfoy.

Draco Malfoy?

Weshalb war Draco hier?

Dann überkam sie ein unangenehmes Gefühl in ihrer Magengrube und sie schob diese Frage sofort beiseite. Severus war nicht hier! Das konnte bedeuten, dass er überlebt hatte und sich woanders, zum Beispiel in seinen Räumen befand. Oder es konnte bedeuten, dass...

Hermione wurde schlagartig schlecht. Sie sprang auf, rannte zum nächsten Waschbecken, das sie erblickte, und erbrach sich hinein. Nach mehrmaligem Würgen wusste sie, dass nichts mehr kommen würde und spülte ihren Mund hernach mit kaltem Wasser aus.

In diesem Moment erschien Madame Pomfrey im Krankensaal, erblickte sie, und eilte schnellen Schrittes auf sie zu.

"Liebes, ist alles in Ordnung?", fragte sie besorgt und legte Hermione ihre warme Hand auf die Schulter.

"Danke, mir ist nur schlecht geworden", antwortete Hermione mit kratziger Stimme. Sie klammerte sich noch immer vornübergebeugt am Waschbecken fest.

"Komm, Liebes, ich bring dich zurück ins Bett", sagte Madame Pomfrey freundlich aber bestimmt, legte ihren Arm um Hermione, geleitete sie zu ihrem Bett zurück, half ihr hinein und deckte sie liebevoll zu.

Während Madame Pomfrey ihre Stirn befühlte und ihren Puls prüfte, stellte Hermione die Frage, die sie so drängte und vor der sie solch große Angst hatte.

"Madame Pomfrey", begann sie zitternd, "Professor Snape, Severus, ist er, ich meine, er ist doch..." Hermione brach ab.

"Ach, mein liebes Kind", sagte Madame Pomfrey sanft, unterbrach ihre Tätigkeit und setzte sich zu ihr auf die Bettkante.

"Er hat es überstanden", antwortete sie. "Es geht ihm gut."

Hermione versuchte diese gute Nachricht mental zu erfassen, aber es wollte ihr nicht ganz gelingen.

Madame Pomfrey legte das feine Instrument, das sie in der Hand gehalten hatte, behutsam auf dem Betttisch ab und begann die Ereignisse zu schildern, die Hermione nicht mehr mitbekommen hatte: "Es war fast auszuschließen", berichtete sie, "dass es uns mit der Prozedur gelingen würde, Severus Leben zu retten. Denn der Schaden, den dieses verfluchte Messer angerichtet hatte, war so beträchtlich, dass die Übertragung von Lebensenergie eines Gebers nicht ausgereicht hätte, um den Schaden zu heilen."

Madame Pomfrey seufzte kurz auf, dann fuhr sie fort: "Wir hätten dich beinahe verloren, Hermione. Professor Dumbledore war gerade im Begriff, den Vorgang noch rechtzeitig abzubrechen, als sich der junge Malfoy eigenständig in die Prozedur hineinbegab. So etwas hatte es zuvor noch nicht gegeben. Diese Prozedur ist äußerst heikel und deswegen nur selten verwandt und daher wusste man auch nicht, ob sich mehrere Geber die Last teilen können."

Hermione blickte sie fragend an.

Madame Pomfrey lächelte. "Sie können es, Liebes." Sie neigte ihren Kopf zu Draco Malfoy, der blass in seinem Krankenbett lag.

Hermione runzelte die Stirn. "Bedeutet das, dass ohne Draco, Severus..." Sie konnte es nicht aussprechen.

Madame Pomfrey verstand jedoch ihre Frage und nickte. "Ja, das bedeutet es. Ohne den jungen Malfoy wäre Severus nun nicht mehr unter uns." Madame Pomfreys Kopf neigte sich zu Dracos Bett. "Er hat mehr abgegeben, als du, Liebes. Aber auch er wird sich wieder erholen. Was danach mit ihm geschieht...? Nun ja, das werden andere entscheiden."

Hermione folgte ihrem Blick. Sie wusste, dass irgend etwas Draco zur Umkehr gezwungen haben musste, und sie wusste, dass er für seine Tat zur Rechenschaft gezogen werden würde, in welcher Form auch immer. Aber Draco hatte Severus Leben gerettet und sein eigenes dafür riskiert. Ohne ihn wäre Severus jetzt tot. Sicher würde man dies bei der Entscheidung berücksichtigen. Allerdings hatte Draco sie selbst jedoch töten wollen und ohne ihn wäre Serverus auch nicht in dieser Lage gewesen. Hermione spürte aufkommende Wut in sich. 'Sollen sie ihn doch verurteilen und nach Askaban bringen!', dachte sie böse und erschrak noch im selben Augenblick über ihre radikalen Gedanken.

"Ihr macht alle ganz schön was mit", sagte Madame Pomfrey ernst. Sie hatte sich erneut Hermione zugewandt. "Aber das sollte ja jetzt endgültig vorbei sein!"

"Madame Pomfrey", fragte Hermione. "Wo befindet sich Severus jetzt?"

"Oh, er erholt sich in seinen privaten Räumlichkeiten. Ich denke, er fühlte sich genesen genug, um nicht weiter in meiner Obhut bleiben zu müssen. Er hat ja auch seine eigenen Mittel, um sich selbst helfen zu können." Sie gluckste, wirkte aber auch etwas gekränkt.

Hermione dankte Madame Pomfrey und bat darum noch ein wenig schlafen zu dürfen. In Wahrheit wollte sie die Ruhe der restlichen Nacht zum Nachdenken nutzen.


In der darauffolgenden Nacht schritt Hermione, wieder vollständig erholt, auf leisen Sohlen durch das Schloss, verborgen unter Harrys Tarnumhang, den sie sich hierfür von ihm ausgeliehen hatte.

Er gab ihn ihr ohne Widerworte, wofür Hermione sehr dankbar war. Niemand sollte sie von ihrem Vorhaben abhalten können. Vor allem Filch wollte sie nicht in die Arme laufen.

Zuvor hatte Hermione noch erfahren, was nach Dracos Angriff geschehen war. Nachdem Severus von Dumbledore und Hermione in Schloss gebracht wurde, hatten Remus zusammen mit Tonks, Hagrid und einigen anderen Ordensmitgliedern und Lehrern dafür gesorgt, dass die Feierlichkeiten weitergeführt wurden. Niemand, der nicht unmittelbar daran beteiligt gewesen war, wusste insofern, was geschehen war und erlebte ein wunderbares Fest, welches sich erst in den frühen Morgenstunden auflöste. Die Menge, die Hermione um sich herum meinte wahrgenommen zu haben, hatte tatsächlich nur aus einer Handvoll Schüler bestanden, die nach dem Vorfall angewiesen worden waren, bis zum Ende der Nacht Stillschweigen über die Geschehnisse des Angriffs zu bewahren. Und das hatte auch funktioniert.

Harry und Ron indessen hatten, nachdem Harry Ron bei seiner Rückkehr nach Draußen abgepasst hatte, sogleich Dracos Verfolgung aufgenommen.

Es war ihnen beinahe lächerlich erschienen, wie leicht es für sie gewesen war, Draco im Verbotenen Wald aufzuspüren. Obwohl Draco sich nicht gewehrt hatte, hatte dieser ordentlich Prügel von Harry und Ron bezogen, weil er es gewagt hatte, ihre Freundin anzugreifen und sie tatsächlich töten wollte.

Draco hatte sich freiwillig von beiden ins Schloss zurückführen lassen. Als sie jedoch in die Nähe des Krankenflügels gelangt waren, hatte er sich losgerissen und war ihnen erneut entkommen.

Harry und Ron hatten daraufhin überall nach ihm gesucht, ihn letzten Endes aber nicht gefunden; auf der Krankenstation jedoch hätten sie ihn nie vermutet.

Über Dracos Erscheinen und seine darauffolgende Handlung hatte Hermione sodann aus den Erzählungen von Madame Pomfrey berichtet; Dumbledore selbst hatte sie seit dem nicht mehr gesehen.

Sie alle wussten darüber nichts weiter zu sagen.

Hermoine hatte inzwischen die schwere, dunkle Holztür zu Severus privaten Räumen erreicht. Es war erst kurz nach 22:00 Uhr und sie war immens aufgeregt, endlich mit ihm unter vier Augen sprechen zu können. Dass er aller Voraussicht nach noch wach sein würde, wusste sie aus den vielen Gesprächen im Hauptquartier, in der Severus das eine und andere Mal erwähnte, niemals vor der Mitternachtsstunde schlafen zu gehen.

Sie schlüpfte aus dem Tarnumgang und legte ihn auf ihrem Arm ab, dann klopfte sie zaghaft an seine Tür. Als nach einiger Zeit keine Antwort kam, klopfte sie erneut, dieses mal etwas fester.

Als sie wiederum weder eine Antwort erhielt, noch die Tür geöffnet wurde, lehnte Hermione ihre Stirn an das dunkle Holz und schloss die Augen. "Bitte öffne mir doch", flüsterte sie.

Hermione klopfte ein weiteres Mal, nichts geschah. Sie wusste, er war da drin. Sie war sich sicher, er war noch wach. Sie war sich ziemlich sicher, dass er sie hörte. Und sie war bitter enttäuscht darüber, dass er sie nicht hineinließ.

Offenbar wollte er nicht mit ihr sprechen.

Mit der ganzen Faust schlug Hermione gegen die Tür. "Verdammt, Severus!"

Hermione wurde wütend. Damit hatte sie nicht gerechnet. Sie hatte noch nicht gewusst, wie sie das Gespräch beginnen oder es ablaufen würde, aber sie war sich sicher gewesen, an seiner Tür keine Hürde vorzufinden.

Aus Respekt vor ihm, verzichtete Hermione auf magische Versuche, die Tür zu öffnen. Diese würden ohnehin mit ziemlicher Sicherheit scheitern.

Stattdessen beschwor sie einen Patronus hervor. Als ihr kleiner Otter leuchtend vor ihr in der Luft tänzelte überlegte sie noch, welche Botschaft sie Severus schicken sollte.

"Severus, ich möchte bitte mit dir sprechen", sagte sie ihren Zauberstab auf ihren Patronus gerichtet und dirigierte ihn sodann durch die Tür.

Falls er sie tatsächlich nicht gehört haben sollte, was sie doch bezweifelte, diese Botschaft würde er bekommen.

Die Minuten vergingen.

Sie erhielt keine Antwort.

Die Tür blieb verschlossen.

Hermione drehte sich um, lehnte sich mit ihrem Rücken an Severus Tür und sank langsam daran nieder.

Bitter enttäuscht und wütend wie sie war, rannen dicke Tränen über ihre Wangen.

Wieso ließ er sie nicht herein?

Hermione versuchte mit der Logik ihres Verstandes der Ursache auf den Grund zu gehen.

Madame Pomfrey sagte, es ginge ihm gut. Hätte er geschlafen, hätte spätestens der Patronus ihn erreicht. Das funktioniert immer.

Wieso wies er sie also ab?

Sie kam zu demselben Schluss, wie am Anfang: Offenbar wollte er nicht mit ihr sprechen.

Aber warum?

Was wusste sie eigentlich über ihn, über die Person Severus Snape, außer das, was jeder in Hogwarts von ihm wusste. Im Grunde erschreckend wenig. Insofern konnte sie nur seine Worte und Handlungen interpretieren.

Hermiones Gedanken durchliefen die letzten Tage und Wochen. Wie hatte sich Severus ihr gegenüber eigentlich genau verhalten? Miteinander sprechen konnten sie ja bislang nicht.

In der Nacht vor dem Ritual, als sie mit ihm geschlafen hatte, hatte er dies nicht freiwillig und nur der Notwendigkeit wegen getan. Das hatte er ihr gegenüber ziemlich deutlich gemacht.

ABER: er hätte sie auch wegschicken können. Hermione war sich sicher, Remus hätte mit ihr geschlafen. Und Severus war sich dessen sicher auch bewusst. Also hatte er es doch irgendwie gewollt. Und es war wirklich schön gewesen. Seine Worte zu ihr waren hart und barsch gewesen, so als würde er ihr lediglich einen Gefallen tun, aber seine sinnlichen Berührungen und seine intensiven Küsse zeugten von anderem Interesse. Irgendwie glaubte sie diesen mehr als seinen Worten. Obwohl er sie danach quasi sofort hinaus komplementiert hatte.

Und dann seine Augen. Diese unglaublich dunklen und ausdrucksstarken Augen, aus denen sie meinte alles herauslesen zu können. Es war ihr beinahe so vorgekommen, als könne sie durch sie bis auf den Grund seiner Seele blicken.

Oder hatte sie sich das nur eingebildet? Hatte sie vielleicht ihm ihre eigenen Wünsche übergestülpt? Ihre eigenen Vorstellungen von ihm lediglich auf ihn projiziert? Das wäre möglich.

In der Nacht nach dem Ritual, als sie ihn bat, bei ihm bleiben zu dürfen, hätte er selbstverständlich ausschließlich aus Höflichkeit und allgemeiner Führsorge heraus ihr Gesellschaft leisten und sie trösten können.

Was erwartete sie eigentlich? Das alles war ja erst geschehen, kurz nachdem sie mit ihm geschlafen hatte. Sie selbst schwärmte ja bereits seit Jahren für ihn. Er hingegen hatte sie vorher noch nicht einmal großartig wahrgenommen. Immerhin war er recht freundlich zu ihr gewesen, für seine Verhältnisse.

Aber danach? Hermione war sich sicher, dass sie in Hogsmeade ganz genau gespürt hatte, wie sein Daumen über ihren Handrücken gestrichen hatte. Das hätte er nicht tun müssen. Um ihr Mut zu machen, hätte er ihre Hand auch einfach kurz drücken können. Oder hätte sie auch einfach erneut am Arm packen können, wie am Abend des Rituals. Dass er nicht gesprochen hatte, verstand sie durchaus. Und dann sein Ausdruck, mit dem er sie angesehen hatte. Dieser Schmerz und diese tiefe Traurigkeit. Hatte sie sich das auch nur eingebildet?

Sie war doch so klug und objektiv. Konnte es sein, dass ihre Gefühle für Severus ihren Verstand verklärten? Sie war sich dessen nicht mehr sicher.

Denn Gefühle hatte sie für ihn. Zwar mag ihre Schwärmerei sie schon länger begleiten, doch ab der Nacht vor dem Ritual, hatte sie, das musste sie zugeben, sich wirklich heftig in ihn verliebt. Die Vorstellung, dass sie nie wieder seine Lippen schmecken würde, jetzt nachdem sie sie gekostet hatte, ließ Hermione kurz verzweifelt aufschluchzen.

Vielleicht wollte er sie deshalb nicht hineinlassen? Er wusste um ihre Schwärmerei und es war ihm peinlich. Er sah in ihr wahrscheinlich nur ein kleines Mädchen, lediglich eine Schülern, nicht wirklich ernst zu nehmen. Er würde ihr zukünftig bestimmt nicht aus dem Weg gehen, dazu war er einfach zu professionell. Aber er wollte sie vielleicht nicht in seinen privaten Räumen haben.

Diese Gedanken taten Hermione sehr weh.

Und dann erinnerte sie sich an den Moment, als sie nach der Vergewaltigung noch für einen kurzem Moment bei Bewusstsein gewesen war.

Sie wusste, er hatte sie noch vor Ort versorgt. Aber er hatte sie darüber hinaus in seinen Armen gehalten, sie festgehalten. Auch das hätte er nicht tun müssen.

Oder war es die Vergewaltigung? War das der Grund für die verschlossene Tür? Konnte er damit einfach nicht umgehen? Konnte er sich selbst nicht verzeihen?

'Scheiß auf die Vergewaltigung!', dachte sie hart. Das war schlimm gewesen, aber es war doch klar, dass er sie hierdurch vor viel Schlimmeren bewahrt hatte. Glaubte er vielleicht, sie könne ihm nicht verzeihen? Es könne doch nicht sein, dass dies die Ursache dafür war, dass... sie konnte den Gedanken nicht weiter ausführen, sie wollte dies einfach nicht glauben.

Hermiones Gedanken überschlugen sich beinahe.

Sie hatte ihn doch nach all dem auf der Krankenstation gesehen. Sie war sich sicher, dass er ihretwegen gekommen war und nicht, um ggf. eine Arznei oder ähnliches zu besorgen. Das hätte er ohne Weiteres tun können, daran hätte ihn niemand gehindert.

Nein, er war abrupt stehen geblieben, als er bemerkt hatte, dass sie bereits Besuch von Ron und Harry hatte. Er hätte ohne Probleme mit ihr sprechen können, war aber wortlos umgekehrt. Daraus schloss Hermione, dass er nur mit ihr alleine hätte sprechen wollen und ein Gefühl von Hoffnung erfüllte sie.

Dann verstand sie aber umso mehr nicht, warum er sich nicht einfach jetzt mit ihr aussprach. Weshalb seine Tür verschlossen blieb.

Das passte alles nicht zusammen.

Und wieso war Severus nicht beim Fest gewesen? Sicher, er war anscheinend im Begriff gewesen, nachzukommen, immerhin hatte er ja zu dem Zeitpunkt das Schloss verlassen, just in dem Moment, als sie von Draco angegriffen wurde.

Und auch hier: Er hätte Draco nach der Entwaffnung ohne Weiteres einfach schocken können. Aber Severus hatte sich entschieden, das Messer mit seinem Körper abzufangen. Hermione befürchete, dass das nicht aus Versehen in der Hitze des Gefechts geschehen war. Severus war im Kampf geübt und bekannt für seinen kühlen Kopf und scharfen Verstand.

Der einzig logische Grund für seine Tat kann insofern nur gewesen sein, dass er seinen eigenen Tod herausgefordert hatte.

War das möglich?

Hermiones Gedanken kreisten und wollten der Antwort nicht auf den Grund kommen.

Offenbar wollte er nicht mit ihr sprechen.

Noch immer kauerte sie auf dem steinernen Boden vor Severus Tür. Hier unten in den Kerkern war es kalt und sie fror. Außerdem hatte sie Durst. Aber nichts davon brachte sie dazu, aufzustehen und fortzugehen. Trotz ihrer frustrierenden, ergebnislosen Überlegungen war sie entschlossen: Sie würde hier nicht weggehen. Sie musste mit ihm sprechen. Irgendwann würde er rauskommen. Und er könne ihr dann direkt ins Gesicht sagen, dass er kein Interesse an ihr hat. Und ob Filch sie hier unten entdecken sollte, war ihr inzwischen scheißegal.

Hermiones Hinterkopf lehnte an der Tür, irgendwann fiel er zur Seite weg.


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