Hallo ihr Lieben,
hier nun das drittletzte Kapitel meiner Geschichte.
Genießt den beginnenden Ausklang der Erzählung und teilt sehr gerne eure Meinung mit mir, ich würde mich freuen.
Herzlichst, eure Lady Aardvark
Kapitel 22
Komm und sieh!
"Severus,... gestatte es mir, dich sehen zu lassen..." Hermione spürte einen Hauch von verletztem Stolz in sich, dass er ihr Angebot so spontan ablehnte.
"Nein!", wiederholte er schroff. Er konnte das nicht. Er wollte das nicht. Er war nicht bereit, seine sichere Komfortzone auf diese Weise zu verlassen, weil er nicht wusste, was darauf folgen würde, wie er darauf reagieren würde. Davor, nicht zu wissen, wozu ihn das Eindringen in ihren Kopf verleiten würden, schreckte er zurück. Er konnte sich hierbei nunmehr nicht mehr selbst vertrauen.
Hermione starrte ihn wegen der Heftigkeit seiner Reaktion verzweifelt an und verfluchte sich für ihre nun folgenden Worte an ihn, die, wie sie wusste, mehr als unfair waren, aber wahrscheinlich wirken würden.
"Das bist du mir schuldig, Severus! Ich lasse dir keine andere Wahl! Tue es, wende Legilimentik an mir an. Und danach, danach kannst du tun und lassen, was du willst."
Severus schluckte schwer. Er drehte sich wieder zu Hermione um und funkelte sie finster an.
"Du willst mich erpressen?", fragte er leise aber mit deutlicher Schärfe in seiner Stimme.
"Nein, das will ich in der Tat nicht, bitte entschuldige, das war unfair." Hermione ging einen Schritt auf Severus zu und nahm seine Hand. Er ließ es geschehen. "Ich gebe zu", begann sie, "dass ich glaube, dass meine Worte nur nicht viel ausrichten würden. Es ist so viel zwischen uns passiert in den letzten Wochen, dem stimmst du doch zu? Ich möchte meinen Frieden damit machen, am liebsten gemeinsam mit dir. Und ich möchte keine Chance vergeuden..." Die letzten Worte kamen nur noch flüsternd aus ihrem Mund und sie brach ab, weil sie nicht wusste, wie sie es ausdrücken sollte ihn endlich wissen zu lassen, wie sehr sie ihn wollte.
Hermione ließ seine Hand wieder los und trat erneut einen Schritt zurück. "Lass es mich dir zeigen, bitte. Und danach tu was du willst", sagte sie mit etwas belegter Stimme. "Schicke mich weg und ich werde dich niemals wieder auf persönlicher Ebene belästigen."
Severus blickte sie ernst an. Mit solch einer Situation hatte er wiederum nicht gerechnet. Schon wieder hatte sie ihn überrumpelt. Die sonst so berechenbare Hermione Granger war gar nicht so berechenbar. Während er noch fieberhaft darüber nachdachte, ob er wirklich sehen wollte, was er gegebenenfalls zu sehen bekommen würde, hatte Hermione sich zurück zu dem grünen Sofa begeben und soeben darauf Platz genommen.
"Ich bin bereit, Severus!", sagte sie mit hocherhobenen Kopf und lehnte sich zurück. Was auch immer jetzt geschah, sie würde seine Entscheidung respektieren.
In diesem Augenblick jedoch gab Severus auf. Wie er sie dort auf seinem Sofa sitzen sah, die großen, brauen Augen auf ihn gerichtet, bereit dafür, ihm ihr Innerstes offenzulegen. Er kannte sie mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass sie es wirklich ernst meinte, dies wirklich wollte. Darüber hinaus hinderte ihn seine eigene Zuneigung zusehends daran, ihr ihren Wunsch erneut zu verwehren und so entschied er also, sich darauf einzulassen.
Severus erhob seinen Zauberstab, richtete ihn direkt auf sie und blickte ihr tief in die Augen: "Na schön, Hermione. LEGILIMENS!"
Er spürte keinen Widerstand, als er in ihren Kopf eindrang. Im Gegenteil, er war so erwünscht, wie dies nur möglich sein konnte. Ein Gefühl, dass er bis dato nicht gekannt hatte, hatte doch bis jetzt noch nie jemand ihm freiwillig Zugang gewährt. Es war ein schönes Gefühl, warm und willkommen.
Sofort spürte Severus ihr Wesen, ihre Weisheit, ihren Charme, ihren Esprit. Es fühlte sich wunderbar an, wie ein klarer, sonniger Tag, hell und frisch. Ohne es an etwas Bestimmtes ausmachen zu können, verspürte er ein intensives Gefühl der Verbundenheit.
Er ließ sich sogleich von Hermiones Geist anleiten; sie führte ihn zielgerichtet zu der Erinnerung, bei der er offenbar beginnen sollte.
Severus befand sich in der nahen Vergangenheit vor seiner eigenen Türe stehend, abgewiesen und enttäuscht. Er teilte Hermiones Wut und Traurigkeit ob dieser Abwehr und verfolgte in ihrer Erinnerung ihre Gedankengänge, die versuchten zu verstehen, weshalb sie ausgesperrt blieb. Er spürte ihren innigen Wunsch, sich mit ihm auszusprechen und konnte dies gut verstehen. Vor vielen Jahren hatte er sich in einer ähnlichen Situation befunden und wurde selbst schmerzlich zurückgewiesen.
Dann führte sie ihn weiter und eine neue Erinnerung tauchte, wenn auch nur nur sehr kurz, vor seinem geistigen Auge auf. Sie zeigte ihm dem Moment, in der sie sich würgend in ein Waschbecken erbrochen hatte, vor Angst, ihn verloren zu haben. So, wie er dies miterlebte, spürte er gleichermaßen ihre große Erleichterung nach ihrem Gespräch mit Madame Pomfrey, welche ihr versichert hatte, dass es ihm gut ginge.
Die Erinnerung wechselte. Nun betrachtete Severus alles wie durch einen blauen Nebel. Dies musste die gefährliche Prozedur gewesen sein, die ihm das Leben gerettet hatte, Vitalis Incantatem. Er verspürte ihre Vehemenz, ihn retten zu wollen, ohne dabei auf ihr eigenes Leben zu achten und konnte immer noch nicht fassen, dass Dumbledore sich ihm zuliebe auf diesen heiklen Pfad begeben hatte und Hermione ihm wie selbstverständlich gefolgt war. Severus durchlebte sogleich den Augenblick, in dem sie selbst beinahe gestorben wäre, während sie ein zunehmendes Gefühl der Schwere umgeben hatte, begleitet mit dem wunderbaren Empfinden von Frieden und Glück. Selbst hier war er bei ihr gewesen und hatte ihr in ihrer Illusion seine Hand gereicht um sie fort zu holen. Sie hätte sie ergriffen, wenn die Situation sich nicht glücklicherweise anders entwickelt hätte. Wie Dumbledore ihm später berichtet hatte, war dieser Moment wirklich kritisch gewesen und ohne Draco Malfoy hätte sie es vielleicht nicht überlebt, er selbst hätte es keinesfalls.
Dann sah er sich selbst im Schnee liegen, sein Kopf gebettet in ihren Schoß, ihre Tränen feucht auf sein Gesicht tropfend und verspürte ihr großes Angstgefühl um ihn und ihre Verzweiflung, ihn hier zu verlieren, bevor sie eine Chance bekommen hatten.
Erneut erblickte er sich selbst und fühlte ihre Freude darüber, dass er sie auf der Krankenstation hatte besuchen wollen. Direkt im Anschluss wurde er Zeuge ihres unangenehmen Gesprächs mit Ron und Harry und wunderte sich erneut über ihre Beharrlichkeit ihn betreffend. Noch während ihre für ihn unglaublichen Worte, die sie zu den beiden gesagt hatte, wie ein Echo in seinem Kopf nachhallten, führte sie ihn schon weiter.
Sie zeigte Severus jetzt ihr Gespräch mit Albus Dumbledore und offenbarte ihm die Wege ihrer Gedankengänge, die sie zu ihrer Entscheidung bewogen hatten, keine ihrer Erinnerungen fortnehmen zu lassen. Das beeindruckte ihn sehr.
Wieder erblickte er sein eigenes Gesicht, kurz bevor sie nach Malfoys Folter und seiner eigenen Gewalt an ihr in seinen Armen bewusstlos geworden war. Er sah sein eigenes Antlitz, das bekümmert auf sie hinabschaute und fühlte in ihrer Erinnerung trotz allem nur Vertrauen und tiefe Zuneigung. Er verstand nicht, wie dies möglich sein konnte. Sie konnte nichts von alldem wissen, was Dumbledore seit vielen Jahren wusste, dessen war er sich sicher. Er verstand nicht, woher sie diese große Zuversicht ihm gegenüber hernahm.
Dann spürte Severus plötzlich Widerstand. Sie wollte nicht, dass er an dieser Stelle weiterging. Er aber war stärker und wollte auch das nun Folgende miterleben und so übernahm er für einen Moment die Kontrolle über ihren Geist.
Schließlich gab sie ihren Widerstand auf und ließ ihn weiterziehen und daher erlebte er aus ihrer Wahrnehmung ebenfalls die Vergewaltigung und teilte somit alles, was sie während dieser Momente durchlitten hatte.
Er erkannte bestürzt, dass sie im Grunde alles mitbekommen hatte, was nach ihrer Entführung geschehen war, wenn sie auch körperlich nicht mehr imstande gewesen war, dies zu zeigen, und welch große Angst sie verspürt hatte, um ihr Leben und um seines.
Hermione übernahm nun wieder sanft die Kontrolle und führte ihn gezielt weiter. Sie befanden sich nun in dem Buchladen in Hogsmeade, wo Severus erneut ihrer Zuversicht ihm gegenüber begegnete, als sie ihren Zauberstab in seine Hand gelegt hatte und ihm überallhin gefolgt wäre.
Es war ihr offenbar sehr wichtig ihm zu zeigen, dass sie ihm immer vertraut hatte. Dass sie verstand, weshalb die Dinge so geschehen mussten und warum er so handeln musste. Sie hatte ihm die ganze Zeit über vertraut und ihm wurde gewahr, dass sie in eben jenem Moment in dem Buchladen seinen eigenen Schmerz ganz deutlich in seinem Blick erkannt hatte und entschlossen war, den Kampf gegen Voldemort fortzusetzen, wie es auch enden möge, jedoch an seiner Seite.
Hermione beendete diese Erinnerung und nahm ihn weiter mit in die Vergangenheit und so verfolgte Severus ein weiteres Gespräch, welches im Hauptquartier zwischen ihr und Remus Lupin stattgefunden hatte, zu welchem Remus sie genötigt hatte, nachdem er selbst fortgegangen war.
Anschließend führte sie ihn zu ihrem nächtlichen Besuch bei ihm und offenbarte, wie geborgen sie sich bei ihm gefühlt hatte, als er sie gehalten hatte nachdem er sie aus einem Albtraum befreit hatte und er die restliche Nacht nicht mehr von ihrer Seite gewichen war.
Nun teilte Hermione mit ihm den Augenblick, als sie gemeinsam mit ihm, sein fester Griff um ihren Arm, in das steinerne Gewölbe appariert waren, und nahm ihre immense Angst wahr, die sie verspürt hatte, während der Höhne, der Folter und im Anschluss der Durchführung des Rituals in all seinen grausamen Facetten. Aber auch hier verspürte er neben ihrer großen Angst um ihr Leben und ihrer wie von selbst aufkommenden Zweifel dennoch das Vertrauen in ihm und dass er sie gewiss retten würde, wenn ihm dies möglich war.
Es war schrecklich für Severus, dieselben Situationen, die er selbst als beinahe unerträglich empfunden hatte, erneut aus ihrer Wahrnehmung heraus zu durchleben. Aber im gleichen Augenblick wurde ihm auch bewusst, dass sie Recht gehabt hatte mit ihrer Aussage, ihren Frieden mit dem Erlebten machen zu möchten. Dies mit ihm zu teilen war klug von ihr gewesen und er war nun froh darüber, dass er sich darauf eingelassen hatte.
Und dann wechselte die Erinnerung und Hermione entsann sich ganz intensiv und bildhaft an die Nacht vor dem Ritual, so als würde sie diese Erinnerung immer wieder vor ihr geistiges Auge holen, um sie festigen zu wollen. Sie erinnerte sich leidenschaftlich an ihre Vereinigung mit ihm und ließ ihn ohne Scheu an ihren Gefühlen teilhaben, die sie dabei empfunden hatte. So durchlebte er ihre Lust, ihre Erregung, welche sie unter seinen Händen genossen hatte. Er fühlte ihre Hingabe und ihren Wunsch nach mehr. Nach viel mehr. Severus wurde gewahr, welche Vorlieben tief in ihrem Inneren verborgen waren und spürte augenblicklich wie währenddessen sein Glied erneut hart wurde. Sie passten gut zusammen.
Er wäre gerne bei dieser Erinnerung geblieben, doch Hermione führte ihn sanft weiter.
Und so bewegte er sich gemeinsam mit ihr immer weiter durch ihre Vergangenheit. Die Erinnerungen, die sie nun mit ihm teilte, riss sie nur noch kurz an und dennoch zeigten sie ihm ein deutliches Bild ihrer Absicht.
Severus sprang immer weiter zurück. Die Abstände zwischen den einzelnen Begebenheiten wurden nun größer.
So ließ sie ihn einmal daran teilhaben, wie sie sich des Nachts heimlich die Hand in den erregten Schoß schob, um leise seufzend zum Höhepunkt zu kommen, während sie an ihn dachte.
Und immer wieder erblicke er sich selbst, durch ihre wachen Augen beobachtet. Er begriff jetzt, wie er von ihr über die letzten Jahre wahrgenommen wurde, was sie an ihm gar bewunderte und wie sie nicht nur seinen Körper, sondern sein ganzes Wesen begehrte. Er erkannte, welche Wünsche und Ziele sie für ihr Leben hatte und wurde sich bewusst, dass diese den seinen gar nicht so unähnlich waren.
Wissen wollend, wann es hiermit angefangen hatte, ging er eigenständig noch weiter zurück und Hermione ließ ihn gewähren. Dabei streifte er die vielen Momente, in denen er still von ihr beobachtet wurde, während er selbst fortwährend unwirsch zu ihr gewesen war.
Dann hatte er offenbar den Zeitpunkt erreicht, als die ersten zarten Gefühle für ihn gekeimt waren. Dies hatte bereits im dritten Schuljahr begonnen, kurz nach den Ereignissen mit Sirius Black in der Heulenden Hütte. Ab diesem Moment schien sie ihn, ohne es anfangs selbst bemerkt zu haben, anders als vorher wahrgenommen zu haben. Und dies war über die Jahre zu einer großen Sympathie gewachsen und mehr. Bis zum heutigen Tag.
Severus bewegte sich noch weiter zurück. Fairerweise wollte er auch wissen, wie sie ihn davor erlebt hatte, als sie ihm mit Sicherheit noch nicht wohlgesonnen gewesen war. Auch dies ließ Hermione zu.
Auf diesem Wege entdeckte er dann etwas, was ihn immens überraschte, womit er überhaupt nicht gerechnet hatte, und ihn seinen Zugriff auf ihren Geist abrupt abbrechen ließ.
Severus ließ seinen Zauberstab sinken, zog seine Stirn ein wenig kraus und schüttelte leicht den Kopf.
Auch Hermione war irritiert. Was hatte Severus gerade gesehen? Zuletzt war er so schnell vorangegangen. Sie meinte sich im ersten Schuljahr gesehen zu haben. Irgendein Ereignis bei einem Quidditschspiel...?
Severus sah sie erst erstaunt an, dann brach er in lautes Lachen aus.
Nächstes Kapitel 23: Gefunden
