Disclaimer: »Natürlich gehört mir nichts, was auch nur im Entferntesten mit Harry Potter zu tun hat – ist alles aus J.'s kreativem Kopf entsprungen. Aber da Ausnahmen die Regel bestätigen, sind jegliche Charaktere und Namen die euch nicht bekannt vorkommen – meins. Ich verdiene auch kein Geld damit, schön wärs, und schreibe nur aus Spaß an der Freude. Blablubb - (:

Anmerkung: »Vielen Dank für die beiden Reviews, ich hab mich sehr darüber gefreut - 3

»ERSTES KAPITEL

No, you can tell 'em all now
I don't back up, I don't back down
I don't fold up, and I don't bow
I don't roll over, don't know how
I don't care where the enemies are
Can't be stopped, all I know, Go Hard!
Won't forget how I got this far
And every time, saying...

And these promises broken.

(Lost in the echo;Linkin Park)

»Wir schreiben das Jahr 2000:

Noch immer tobt der Krieg ungebremst. In den letzten Jahren haben wir mehr als die Hälfte unserer Mitstreiter verloren und unsere Zahl fällt jeden weiteren Tag der verstreicht. Während wir Verluste zu melden haben, steigt die Zahl der Todesser weiter an. Die Überfälle auf Muggel häufen sich, mittlerweile durchstreifen Todesser ungehindert sämtliche Teile Englands und es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch der Rest der Welt unter der Kontrolle des dunklen Lords steht. Es ist wie ein Alptraum aus dem wir nicht mehr erwachen können, unsere Möglichkeiten sind erschöpft, unsere Anzahl und die Anzahl von Verbündeten zu gering...

Es wird nicht mehr lange dauern, bis wir uns unsere Niederlage eingestehen müssen. Einige Tage, einige Wochen? Mit Glück vielleicht einige Jahre. Aber sobald unser Hauptquartier fällt, fällt auch die Seite des Lichtes. Es gibt keinen Ort mehr, an dem wir sicher sein können, der Krieg wird uns überall finden. Voldemort ist überall... Die Zerstörung. Der Tod ist überall. Egal, wohin wir gehen, er wird uns finden, wie all die Male davor und die Male danach. Unsere Hoffnung schwindet, wir können uns nicht retten. Nicht mehr. Ich spüre wie das Ende näher kommt und dies wird die letzte Pergamentrolle sein die den Widerstand dokumentiert. Sollte jemand diese Aufzeichnung jemals finden, so möchte ich ihm all die Namen nennen, die Großes in diesem Krieg geleistet haben...«


Noch bevor der grelle Schmerz in seinem Arm explodierte wusste Harry, dass er gebrochen war. Der Fluch hat ihn zwar nur gestreift, doch die dunkle Magie hat ausgereicht um ihm die Haut vom Knochen zu reißen, der mit einem scharfen Knacken bricht und leblos an seinem Körper hinab baumelt. Mit zusammengebissenen Zähnen hetzt er weiter. Adrenalin schießt durch seine Adern – der einzige Grund, weshalb er überhaupt noch in der Lage ist zu laufen –, sein Herz hämmert in seinen Ohren.

Wenn er stehen bleibt, werden sie ihn töten. Das weiß er. Und er weiß auch, das, sollte er stolpern, er es nicht noch einmal schaffen wird sich aufzurappeln und weiter zu laufen.

Über ihm brennt die Luft. Rotgoldende Flammen erleuchten den dunklen Himmel der Nacht und selbst hier, im dichten Wald, weit entfernt von dem entzündeten Dorf, kann er noch immer die Hitze auf seinem Gesicht spüren und die Schreie der Menschen hören. Aber ihm bleibt keine Zeit zum Trauern. Für Reue. Für seinen Selbsthass. Der Krieg ist verloren und von den Möglichkeiten, die ihm jetzt noch bleiben, ist die eine beschissener als die andere.

Keuchend stützt er seinen Rücken gegen den Stamm eines Baumes, um sein Körpergewicht so gut wie möglich von seinen zitternden Beinen zu nehmen, die jede Sekunde unter ihm nachzugeben drohen. Sein Körper verlangt nicht einfach nach Ruhe, er schreit förmlich nach Wochen der Erholung die er ihm nicht geben kann. Wie auch? Es gibt nur noch zwei Dinge, die das Leben eines jeden Zauberers, jeder Hexe und jedes Muggles in London beherrscht: Überleben und versuchen, nicht zu Sterben. Unter der Terrorherrschaft von Voldemort gibt es kein Leben mehr und erst Recht keine Erholung...

Harry kann sich nicht einmal mehr daran erinnern, wann er das letzte Mal eine Nacht durchgeschlafen hat. Er kann sich nicht einmal mehr daran erinnern, wann er überhaupt das letzte Mal geschlafen hat.

Mit zitternden Fingern greift er an seinem gebrochenen Arm vorbei in seine Hosentasche und umfasst das vertraute, kalte Glas des Spiegels. Neben seinem schlagenden Herzen, seinen keuchendem Atem und dem Wind hört er nichts, der Wald um ihn herum ist still und verlassen. Keine Spur mehr von seinen Verfolgern.

»Hermione?« Suchend blickt er in das trübe Glas. Es dauert einige Sekunden, in dem ihm nur sein eigenes, ausgemergeltes Gesicht entgegen starrt und er atmet erleichtert auf, als es sich in das vertraute Gesicht seiner alten Freundin verwandelt, »Merlin sei Dank, Harry!«

»Wir wurden angegriffen.« Beginnt er übergangslos zu erklären, »Und ich hab' so gut wie gar keine Zeit, ich warte eigentlich nur darauf, dass mich entweder ein Todesser einholt oder mich eins von Hagrids Viechern auffrisst. Ich hab' dein blödes Buch, aber uns bleibt so gut wie keine Zeit mehr.«

Der Junge-der-lebt sackt zwischen den knorrigen Wurzeln des Baumes zusammen, am Ende seiner geistigen und körperlichen Kräfte, während über ihm der Himmel brennt. Er sieht, wie sie erbleicht und die Sorge in ihren braunen Augen tiefer wird, »Kannst du apparieren, Harry?«

»Nein. Aber bleibt mir eine andere Wahl?« Antwortet er müde, »Es wird nicht lange dauern, ehe sie mir folgen. Wahrscheinlich suchen sie bereits den ganzen Wald nach mir ab und Ron habe ich auch aus den Augen verloren.«

»Sie werden ihn nicht kriegen.« Sagt Hermione schlicht und bei der Überzeugung in ihren Worten brennen seine Augen. Nach all der Zeit und nach all den Gräueltaten die sie erlebt haben hat sie noch immer nicht ihren Glauben verloren. Wenn es etwas gibt, was das Goldene Trio noch zusammenhält, dann ist es Hermione. »Sieh zu, dass du in einem Stück hier ankommst. Wir brauchen dich noch.« Fügt sie hinzu.

Harry gibt ein undeutliches Brummen von sich, dann steckt er den Spiegel zurück in seine Hosentasche und greift nach seinem Zauberstab. Das vertraute Stück Holz schmiegt sich warm an seine Handfläche und mit einem leisen Plop verschwindet er, kaum, dass er die Augen geschlossen hat. Zurück bleiben nur die schimmernden Spuren seines Blutes und die knisternden Magiepartikel in der Luft, die langsam in den Himmel hinauf schweben und sich im Dunkeln verflüchtigen.

Als die Gruppe maskierter Todesser durch das Unterholz bricht, ist die Verfolgung des Schwarzhaarigen bereits unmöglich geworden.


In ihrer Wohnung herrscht kollektives Chaos. Die letzten Monate hat Hermione zurückgezogen über vergilbten Pergamentrollen und uralten Büchern gebrütet, vieles liegt offen in ihrem Wohnzimmer verteilt. Zwischen all dem schwebt, gut sichtbar über ihrem Esstisch in einer schimmernden Blase aus Magie, das Ergebnis ihrer Arbeit. An einer goldenen Kette dreht sich ein filigranes Stundenglas, gefüllt mit orange glühendem Sand und umgeben von eingravierten Runen. Und dieses winzige Artefakt wird alles ändern, davon ist Hermione überzeugt.

Immer wieder kehrt ihr Blick zu dem verzauberten Zeitumkehrer zurück, während sie unruhig durch das Wohnzimmer tigert. Der Krieg hat sich in den letzten Wochen drastisch verschlimmert. Die Zerstörung des Widerstandes hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet – Todesser sind höhnische Klatschtanten, wenn es um solche Nachrichten geht – und mittlerweile hat sich jeder aufgegeben. Die, die sich nicht freiwillig unterwerfen werden mit dem Imperius belegt und Muggle wie Vieh zusammengetrieben und geschlachtet.

Hogwarts ist nur noch eine Ruine, nur die starken Schutzzauber über das Schloss und dessen Ländereien zeugen von Zeiten, in denen es noch als sicherster Ort der Welt galt. Harry hat Recht, das weiß Hermione, aber es ist eine bittere Erkenntnis.

Ihre Gedanken werden durch das Auftauchen von Harry – »Endlich!« – unterbrochen, der mit kalkweißem Gesicht auf ihrer Couch zusammensackt. Die Erleichterung ihn in einem Stück zu sehen schlägt schnell in Entsetzen um bei seinem Anblick. Mit einem Wink ihres Zauberstabes befreit sie ihr Sofa von ihrer Forschung, sich neben den schwer atmenden Harry kniend.

»Bellatrix...« Presst er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, »Die Frau ist wahnsinnig. Ich habe keine Ahnung wie ich es lebend daraus geschafft habe. Die kennt Flüche, an deren Existenz ich bisher nicht einmal glauben wollte...«

Hermione schnaubt ungläubig: »Die Frau ist die linke Hand Voldemorts, er hat sie persönlich nach ihrer jahrelangen Haft aus Askaban abgeholt, wie eine überstolze Mutter ihr Kind aus der Vorschule. Und da wunderst du dich über ihren Fluchschatz?«

Ihre Augen gleiten über den geschundenen Körper von Harry und seine zahlreichen Wunden. Aufgeschürfte Haut, Blut quillt durch den Stoff seiner Kleidung und an seinem linken Arm hinab, dessen klaffende Wunde den Knochen enthüllt. Verdorbene Magie haftet an ihm wie Gestank und die Haut, welche solche Flüche aufgerissen haben, verfärbt sich in schillernde, ungesunde Farben. »Dein Arm ist hinüber, darum müssen wir uns kümmern, bevor wir überhaupt darüber nachdenken können zu springen.« Stellt sie fest, »Der Rest sieht mir nach oberflächlichen Schürfwunden und Prellungen aus. Bis auf die Fluchwunden... Ich werde dir gleich eine Tinktur dagegen holen. Hast du sonst noch irgendwelche Schmerzen?«

Ihr Griff ist überraschend fest als sie nach Harrys Arm greift und ihren Zauberstab auf den Knochen richtet, »Episkey

»Ich fühle mich, als hätte sich Grawpy auf mich gesetzt...« Antwortet Harry heiser, nachdem sein Knochen mit einem hässlichen Knacken wieder zusammengewachsen ist. Die Taubheit in seinen Gliedern lässt nach, jetzt, wo er zumindest vorläufig in Sicherheit ist und das Adrenalin abklingt. Mit ihrem Schwinden kehren die Schmerzen mit solch einer Intensität zurück, das Sterne vor seinen Augen tanzen und sein Magen rebelliert.

Hermione legt eine kühle Hand auf seine Stirn und zwingt ihn in eine liegende Position, »Bleib so, ich hole das Diptam Konzentrat. Es wird deine restlichen Wunden schließen.«

»Dafür haben wir keine Zeit!« Protestiert Harry schwach, »Sobald die Todesser wissen, wohin ich appariert bin- ...«

»...werden wir schon lange weg sein.« Führt sie seinen Satz zu Ende und erhebt sich aus der knienden Position, »So wie du aussiehst wirst du den Sprung nicht überleben und Ron ist auch noch nicht wieder hier. Du bist ein Wrack, Harry, jetzt hör endlich auf den Helden zu spielen und leg dich hin

Bevor er erneut widersprechen kann ist sie bereits aus dem Zimmer gestürmt. Schnaubend bleibt der Schwarzhaarige zurück. Was bleibt ihm auch anderes übrig? Jeder seiner Bewegungen schmerzt, selbst so eine banale wie das Heben seiner Hand. Er fühlt sich wie ein einziger, blauer Fleck und der Raum dreht sich, sobald er auch nur seinen Kopf versucht zu heben. Widerwillig muss er sich eingestehen, dass er in seinem momentanen Zustand den praktischen Nutzen einer toten Katze hat.

Er hasst es, wenn sie Recht hat.

Es dauert nur wenige Minuten bis Hermione wieder neben ihm sitzt und triumphierend eine Phiole mit giftgrünem Inhalt schwenkt. Harry kennt es bereits zur Genüge. Im Laufe seines Lebens hat er bereits die eine oder andere unglückliche Begegnungen mit Wesen und Zauberern hinter sich, die ihn lieber tot als lebendig sehen wollten und mit der Zeit hat er Diptam schätzen gelernt. Routiniert schält ihn Hermione aus seiner Robe und es dauert nur wenige Sekunden, da hat er mehr Ähnlichkeit mit einem mit Moos bewachsenen Stein als mit einem Menschen.

Wenige Tropfen des Konzentrats reichen aus, dass sich die Pflanze wie ein feines, weiches Spinnennetz über seine Wunden ausbreitet und diese verschließen.

Sie mustert ihn kritisch, »Wo noch?«

»Nirgendwo.« Antwortet er, prüfend seine Arme bewegend. Um seinen Linken rankt sich der Diptam wie eine Bandage und er spürt, wie seine Haut mit einem prickelnden Gefühl nachwächst. Zurück bleibt nur juckender, grüner Schorf und er verzieht das Gesicht, wagt es aber nicht, sich laut zu beschweren.

Hermione folgt jeder seiner Bewegungen, bevor sie zufrieden nickt und ihm eine weitere Phiole in die Hand drückt, »Stärkungstrank.«

»Hermione, bitte, deine Fürsorge in allen Ehren, aber wir haben später noch genug Zeit um mich aufzupäppeln…« Fängt Harry protestierend an, setzt aber bei dem mahnenden Blick der Brünetten gehorsam die Phiole an seine Lippen und kippt den Inhalt in einem Zug hinunter. Er spürt die vertraute Wärme in seiner Kehle, die sich durch seinen gesamten Körper ausbreitet und ein weiches, träges Gefühl zurücklässt. Ganz so, als hätte er die letzten Stunden wohlig schlafend verbracht.

Und als die Müdigkeit von ihm abklingt, spürt er das Kratzen an seinem Bewusstsein und sein Blick verdunkelt sich. Der Hass der Todesserin flammt in seinen Gedanken auf, ihre Ungeduld ist so deutlich, dass er sie fast greifen kann. Es kostet ihn seine letzten Magiereserven um einen mentalen Schild schützend um seine Sinne zu ziehen.

»Sie suchen mich.« Sagt er tonlos.

Für einige Momente erwidert Hermione nichts. Dann fährt sie sich mit einer fahrigen Geste durch die ungebändigten Locken: »Ich weiß. Aber ich kann dir nicht einmal sagen, was mir lieber ist. Von Todessern in dieser trostlosen Zeit zerfetzt zu werden und endlich Ruhe zu finden, oder beim Versuch in die Vergangenheit zu springen von der Gegenwart zerrissen zu werden. Und selbst wenn wir das überleben werden wir weiter kämpfen müssen. Egal, was es sein wird, es ist beides nicht berauschend.«

Harry schweigt.

Er hasst es, wenn sie Recht hat.


Zu Beginn des 18. Jahrhundert erlies die damalige Zaubereiministerin Artemesia Lufkin ein Gesetz, das die Benutzung jeglicher magischer Artefakte zur Überwindung des Raum-Zeit-Kontinuums unter Strafe verbat. Einzig die Nutzung eines Zeitumkehrers unter strikter Einhaltung der vorgeschriebenen Regelungen der Mysteriumsabteilung wurde geduldet, solange Zeitumkehrer weder in das Geschehen in der Vergangenheit eingreifen, noch von sich selbst oder jemand anderem gesehen werden.

Das, was Hermione in den letzten Monaten erschaffen hat, verstößt gegen eben dieses Gesetz und ständen die Dinge anders, würden sie dafür alle Urlaub in Askaban machen. Ein beklemmender Gedanke, befindet Ron und legt seinen Kopf zurück auf die Lehne des Sofas, die Decke über sich anstarrend.

Seine verbrannte linke Gesichtshälfte pocht unangenehm unter dem Netz aus Diptam und bisher hatte er sich noch nicht dazu überwinden können, die Kristallphiole auszutrinken. Er ist kein Fan von Zaubertränken, allein bei der Zutatenliste von den meisten wird ihm schlecht.

»Ronald Weasley, wenn du den Stärkungstrank nicht innerhalb der nächsten zwei Minuten ausgetrunken hast, dann – möge Merlin mein Zeuge sein – werde ich dich dazu zwingen!« Dröhnt die warnende Stimme von Hermione aus dem Nebenraum.

Neben ihm zuckt Harry zeitgleich mit ihm zusammen und es ist mehr ein Reflex, als eine tatsächlich durchdachte Handlung, als sie einander ansehen und in den grünen Augen seines Freundes Sympathie schimmert. Es ist nicht mehr wie früher zwischen ihnen, aber Momente wie diese zeigen Harry, das es vielleicht noch nicht zu spät für ihre Freundschaft ist. Irgendwo, tief vergraben unter all dem Schmerz und der Bitterkeit, steckt noch immer der Junge, der ihm vor acht Jahren strahlend seinen ersten Schokofrosch gegeben hat.

»Noch eine Minute!«

Seufzend entkorkt er die Phiole und wirft Harry einen fragenden Blick zu, »Es schmeckt furchtbar, richtig?«

»Wie eingeschlafene Füße.« Bestätigt Harry, »Und noch schlimmer.«

Mit einem Seufzen setzt Ron die Phiole an seine Lippen und kippt den Inhalt hinunter. Er hat kaum geschluckt, da bereut er es schon und den pelzigen Geschmack in seinen Mund wird er die nächsten Stunden nicht mehr loswerden. Aber die Wärme in seinem Inneren entschädigt ihn, zumindest ein wenig, und auch das Pochen in seinem Gesicht lässt nach. Erleichtert atmet er auf.

Schritte kündigen die Rückkehr von Hermione an. Das Buch schwebt mittig geöffnet vor ihr, während sie mit beiden Händen ihre Haare am Hinterkopf mit einer Spange befestigt und ihr Mund bewegt sich lautlos beim Überfliegen des Textes. Zeitreisen – Früher und Heute steht in silbernen Buchstaben auf dem pechschwarzen Einband, für das er seine Augenbraue geopfert hat.

Sie wirft ihm einen prüfenden Blick zu und ist erst dann zufrieden, als er Augen rollend die leere Phiole hochhält. Als ob er das Risiko eingehen würde, von ihr ins nächste Jahrhundert gehext zu werden..

»Der Sand bereitet mir Sorgen.« Sagt sie und klappt das Buch zu, »Er ist zu instabil. Ich habe einige andere Runen zusätzlich einfügen müssen und das wird ihn entweder noch während des Sprunges oder spätestens danach komplett zerstören. Ich hatte nicht die Zeit nach einer Möglichkeit zu suchen um ihn zu stabilisieren und auch hier finde ich nichts Brauchbares. Wenn es schief geht, landen wir nicht in der Zeit, in der wir eigentlich landen wollen.«

»Es wird nicht schief gehen.« Antwortet Harry zuversichtlich. Mit einem Ächzen kämpft er sich aus den weichen Kissen der Couch hoch und stützt seine Arme stattdessen auf seinen Knien ab, »Es darf nichts schief gehen.«

»Ich habe noch eine zweite Augenbraue die sich sicherlich gerne für uns opfern wird.« Fügt Ron mit dem geisterhaften Anflug eines Lächelns hinzu, das allerdings genauso schnell wieder verschwindet, wie es aufgetaucht ist. Es fällt ihm schwer leichtfertig zu antworten und ohne schlechtes Gewissen zu lächeln. Sich einmal nicht schlecht und frustriert zu fühlen. Schließlich gibt es diese Möglichkeit nicht mehr für seine Familie. Für seine Frau. Und erst Recht nicht für seine Tochter.

Mit welchem Recht also soll er das Leben noch genießen? In den wenigen Momenten, in denen er nicht um sein eigenes oder das Leben seiner beiden besten Freunde kämpft. Um das, was ihm noch geblieben ist..

Harry würdigt seinen Versuch mit einem schiefen Grinsen: »Siehst du, Hermione, jetzt kann es gar nicht schiefgehen. Wir haben schon ähnlich bescheuerte Ideen gehabt und irgendwie sind wir immer lebend aus der Sache herausgekommen." Wir. Zumindest wir.

Er muss es nicht aussprechen, die anderen beiden hören es auch so. Den Schmerz in seinen Worten, getarnt durch seine lockere Stimme und das Grinsen. Hermione kennt diesen Ausdruck in seinen Augen schon zur Genüge, sie lässt sich nicht durch seine Maske täuschen und Ron kennt es von sich selbst. Aber sie wissen es beide besser, als den Schwarzhaarigen darauf anzusprechen.

Hermione gibt sich einen Ruck und greift mit zitternden Fingern nach der goldenen Kette. Die blaue Blase um sie herum zerplatzt bei ihrer Berührung und ein helles Surren dringt durch die Luft, hervorgerufen durch den sich nun frei drehenden Sand.

»Harry dürfte sich noch an das Gefühl erinnern mit einem Zeitumkehrer zu reisen, ich denke, es sollte sich so ähnlich anfühlen.« Beginnt sie langsam, »Für dich Ron... Es ist ein bisschen wie Apparieren. Dein Körper fühlt sich an wie durch einen Schlauch gepresst und dir wird schwindelig, eventuell sogar übel.«

Ron schneidet eine Grimasse, »Wundervolle Aussichten.«

Hermione ignoriert ihn. »Ich erspare euch jetzt die Einzelheiten und – kein Grund so erleichtert aufzuatmen, Ron – komme direkt zum wichtigen Teil. Sobald wir an dem Punkt in der Vergangenheit angekommen sind, wird es die Gegenwart, wie wir sie kennen, nicht mehr für uns geben. Durch unseren Sprung spaltet sich die Zeitlinie der Vergangenheit ab und wir haben die Möglichkeit, Dinge zum Besseren zu wandeln. Allerdings...« Sie stockt einen Moment, ihr Blick fällt auf die flammend roten Haare von Ron, »... bin ich mir nicht ganz sicher wie wir unsere Identität verschleiern können.«

»Darüber denken wir nach, sollten wir den Mist hier überleben.«

»Dein Wort in Merlins Ohren, Ron.« Murmelt die Brünette seufzend. Dann winkt sie ihre beiden Freunde zu sich in die Mitte des Wohnzimmers, die Hände ausgestreckt zwischen ihnen. Mit einem Wink ihres Zauberstabes verlängert sie die goldene Kette und schlingt sie um die drei Handgelenke. »Egal was passiert, ihr dürft keinesfalls aus der Kette rutschen! Haltet euch notfalls einander fest und-...« Der Rest ihrer Erklärung geht in dem krachenden Splittern der Haustür unter.

Sie verschwendet keine Zeit und schnipst mit ihren Fingern gegen die mit Runen verzierten Ringe des Stundenglases. Das Surren in ihren Ohren wird lauter und das Glas der Sanduhr im Inneren knackt bedrohlich, einzelne Sandkörner strömen nach draußen. Die Luft schmeckt augenblicklich nach Wüste.

Harrys Griff um seinen Zauberstab festigt sich, als er spürt, wie die schützende Magie um die Wohnung sich verflüchtigt und auch Ron neben ihm blickt mit kalten Augen umher. Die Runen der Uhr beginnen zu pulsieren, Hitze strömt über die Glieder der Kette durch ihre Hände in ihre Körper und dann brechen auch schon die ersten Todesser durch die verschlossene Wohnzimmertür. Sie müssen sich nicht absprechen.

Ron ist der Erste, der reagiert: »Expelliarmus!«

Die bloße Kraft hinter dem Entwaffnungszauber reißt die Todesser von den Füßen. Lautlos prallen sie gegen die Wand, bewusstlos in sich zusammensackend. Ron macht sich nicht die Mühe, die Zauberstäbe aufzufangen, mit einem Wink seines eigenen Stabes lässt er die magischen Holzstäbe der Schwarzmagier zerbersten.

Aber für jeden Todesser den er außer Gefecht setzt, stürmen zwei weitere durch die Tür ins Wohnzimmer, die mit wirbelnden Zauberstäben Flüche in ihre Richtung feuern. Harry hat keine Zeit nachzudenken, aber sein Körper reagiert auch ohne sein Zutun. Seine Hand vollführt die komplexen Zauberstabbewegungen in einem rasenden Tempo, Blitze in sämtlichen Farben schießen den Todessern entgegen. Es ist mehr ein Reflex als bewusstes Handeln, als er aus den Augenwinkeln die grüne Farbe des Todesfluches bemerkt und mit einer Handbewegung die Couch von Hermione zwischen Fluch und Ron fliegen lässt. Das Möbelstück zersplittert unter dem Aufprall.

Und dann beginnt die Sanduhr in ihrer Mitte zu erstrahlen. Ein helles, warmes Licht das flimmert wie ein alter Fernseher, durchzogen von den orangenen Körnern des Sandes. Die Konturen der Wohnung beginnen flackernd zu verblassen. Ganz langsam, fast schon widerwillig, beginnt die Zeit sich zurückzudrehen. Zuerst stockend, dann mit jeder verstreichenden Sekunde flüssiger. Schneller, sicherer. Die Farben verlaufen ineinander, tanzen um sie herum. Wie durch einen Sandsturm erkennen sie die Schemen von Häusern, Gebäuden, von Straßen und sie hören Stimmen, spüren die vertraute Wärme der Magie...

Dann kommt die Zeit mit einem harten Ruck zum Stehen.