Disclaimer: »Natürlich gehört mir nichts, was auch nur im Entferntesten mit Harry Potter zu tun hat – ist alles aus J.'s kreativem Kopf entsprungen. Aber da Ausnahmen die Regel bestätigen, sind jegliche Charaktere und Namen die euch nicht bekannt vorkommen – meins. Ich verdiene auch kein Geld damit, schön wär's, und schreibe nur aus Spaß an der Freude. Blablubb - (:
Reviews: Lumos:
Vielen lieben Dank – ((:
Na, jetzt hat sie immerhin ein Kapitel mehr. Und das Problem mit den guten Zeitreise FFs kenn ich nur zu gut.. Mittlerweile bin ich dazu übergegangen Englische zu lesen, aber selbst da gibt es noch zu viele die irgendwie doof werden oder seit Jahren brach. - /:
Ich hoffe aber, dass meine sich nicht da einreihen wird und dass du bis zum Ende Spaß am Lesen hast.
JackDaniels:
Vielen Dank – (:
Mario:
Vielen Dank und hier ist es auch schon – (:
Darüber habe ich nachgedacht, aber die Idee direkt wieder verworfen.
Anmerkung: »Der Sommer rückt in greifbare Nähe – was bedeutet, das ich mich auf zu meinen Eltern machen und erstmal einige Wochen bis Semesterbeginn die Füße hochlegen werde. Ich habe keine Ahnung, ob und wie oft ich mich dann hinter meinen Laptop klemmen werde, deswegen gibt es das nächste Kapitel jetzt schon.
Eine kleine Warnung an dieser Stelle: Ja, es könnte ein wenig verwirrend sein, aber innerhalb der FF wird sich vieles noch selbst erklären. Ich bitte euch daher, nicht direkt Panik zu schieben oder die Seite zu schließen – (:
Abgesehen davon: Viel Spaß und genießt das schöne Wetter ! - °v°
»ZWEITES KAPITEL
Our shoulders bear an awful weight
But still we trudge on just the same
Our colors run then leave a stain
They blacken our once honest name
But how can we argue, tell me
What we are is the sum of 1000 lies
What we know is almost nothing at all
But we are what we are till the day we die
Or till we don't have the strength to go on
(Strength to go on;Rise against)
Es ist wie bei einer Fahrt auf einem Karussell, das mit jeder Runde langsamer wird. Die Umgebung wirbelt in bunten Farben um sie herum, zu schnell um Einzelheiten zu erkennen oder auch nur zu erahnen, die wenigen Geräusche und Stimmen sind kaum mehr als Fetzen aus denen sie nichts heraushören können, selbst wenn sie es wollten. Und erst als die Welt um sie herum mit einem Ruck zum Stehen kommt, lichtet sich der Schleier aus orangefarbenem Sand um sie herum und die Zeit beginnt in ihre eigentliche Richtung zu fließen.
Wenige Minuten zuvor hat er noch den tödlichen Flüchen der Todesser entgegen gesehen, noch immer schlägt sein Herz zu laut in seinen Ohren und der Schwarzhaarige hält den Griff seines Zauberstabes fest umklammert. Minuten...?
Die Sanduhr in ihrer Mitte ist zerborsten. Das Glas ist vollkommen zersprungen, das Holz an den Punkten, wo der Sand es berührt hat, verkohlt und die letzten Sandkörner verflüchtigen sich im Wind. Nur die feingliedrige, goldene Kette um ihren Händen zeugt von der ehemaligen Existenz des Zeitumkehrers. War es tatsächlich nur wenige Minuten her, seit Hermione ihre Wohnung verloren hat? Oder sind es doch Jahre?
Ron streift die goldenen Glieder von seiner Hand, bevor er seinen Zauberstab zurück in die lederne Halterung unter seinem Ärmel schiebt. Aufmerksam blickt er sich um, geübt findet er die markanten Punkte der – unversehrten – Winkelgasse. Die Läden drängen sich dicht an dicht, verwinkelt und windschief ragen die Dächer über den gepflasterten Weg, von dem sich die dunklen Seitenwege hinunter zur Nokturngasse schlängeln. Menschen drängen sich an ihnen vorbei, doch niemand würdigt sie mit mehr als einem kurzen Seitenblick.
»Flourish und Blotts... Madam Malkins...« Flüstert Hermione neben ihm tonlos, Tränen in den dunkelbraunen Augen, »Oh Merlin, wir haben es geschafft. Wir haben es tatsächlich geschafft! Wir sind in der Vergangenheit«
Und zum ersten Mal seit vielen Jahren verspürt Harry Potter Hoffnung.
Es ist einer dieser späten Herbsttage, die weder warm noch kalt sind. Stattdessen ist der Himmel strahlend blau und die letzten Strahlen der Sonne wärmen die Luft gerade soweit, dass man mit hochgekrempelten Ärmeln und offener Robe durch die Winkelgasse schlendern kann, aber der Wind ist frisch und schmeckt bereits nach dem nahenden Winter. Der Tag nach Halloween birgt stets überraschende Erkenntnisse, das weiß Tom. Im Laufe der Jahre in denen er den Tropfenden Kessel führt, sind solche Tage mit Erlebnissen geprägt, die er auch Jahre später nicht vergessen kann.
In der Zaubererwelt sind außergewöhnliche Dinge nicht ungewöhnlich, schließlich ist das Leben mit Magie schon immer mit Überraschungen verbunden gewesen. Aber auch wenn er sich an viel Schreckliches und auch an viel Gutes erinnern kann, Geschichten die an solch milden Tagen beginnen, sind schon immer besonders Besonders gewesen.
Mit geübten Handbewegungen poliert er die Theke vor ihm, die auch schon einmal bessere Tage erlebt hat. Dunkle Flecke und Verfärbungen zieren das Holz, die eigentliche Maserung ist nur noch an wenigen Stellen zu erkennen. Aber Magie ist wirksamer als jeder Leim. Eine der wenigen, magischen Verbesserungen die er in seinem Lokal vorgenommen hat, ansonsten verzichtet er weitgehend auf Magie. Er ist nicht bequem geworden durch seinen Zauberstab, einfache Aufgaben erledigt er selbst nach Jahren immer noch per Hand.
Er pausiert in seinen Bewegungen und stützt sein Kinn in der anderen Hand, die eingesunkene Gestalt vor sich musternd, »Sag Edgar, wie lange willst du noch hier herum sitzen und dich in deinem Feuerwhiskey ersaufen?«
Auf seine Frage hin hebt der junge Mann seinen Kopf vom Tresen und blickt ihm ahnungslos blinzelnd entgegen. Tiefe Ringe liegen unter seinen Augen, dunkle Haare liegen strähnig an seinem Kopf. Zu oft ist er mit seinen Händen hindurch gefahren. Eine nervöse Geste, die er selbst unter Alkoholeinfluss nicht unterdrücken kann.
Tom kennt ihn schon lange und mittlerweile gehört er genauso zu seinem Mobiliar wie die wackligen, dreibeinigen Tische und die dunklen Nischen. Der Tropfende Kessel ist bei Weitem nicht der Schönste, aber er ist die einzige Verbindung zur Winkelgasse und stets gut besucht. Selbst Muggel sehen ab und zu vorbei, meist zu einem Plausch oder einem Kurzen.
»Lass dich nicht so hängen, Junge.« Murmelt Tom aufmunternd, bevor er die halbvolle Flasche Whiskey und das Glas vom Tresen nimmt.
Kopfschüttelnd wendet er sich ab und greift nach einem sauberen Lappen, um die gewaschenen Gläser zu polieren. Die Geschehnisse der letzten Nacht sind noch zu frisch, als das die aufmunternden Worte von ihm irgendetwas dazu beitragen könnten den Schmerz von Edgar zu lindern. Schuld und Verzweiflung wiegen schwer auf dem Gewissen eines so jungen Menschen und Tom weiß, dass er vermutlich nie wieder so sein wird, wie zuvor.
Eine ernüchternde Erkenntnis.
Wie so vieles in den letzten Jahren ernüchternd war. Er hat bereits den Aufstieg eines Schwarzmagiers erlebt, auf eine Wiederholung mit einem weiteren hätte er in diesem Leben getrost verzichten können – aber das Schicksal der Welt fragt selten nach persönlichen Vorlieben und Wünschen. Und so poliert er weiter seine Gläser, hebt eines davon prüfend gegen das Licht und blickt in regelmäßigen Abständen zur Tür.
Aber es ist nicht Alastor Moody der hindurch tritt, als die massive Uhr neben dem Kamin die Mittagsstunde einläutet, um einen seiner engsten Freunde von dem Alkohol zu erlösen. Er kennt keinen der drei Zauberer, welche stattdessen in dunkle Umhänge gehüllt den Tropfenden Kessel betreten und die Luft um sie herum zum Knistern bringen. Magie umgibt sie wie ein feiner Schleier, kaum sichtbar für das ungeübte Auge. Aber Tom erkennt die Nachwirkungen eines mächtigen Zaubers, wenn sie ihm begegnen und er zweifelt nicht einen Augenblick daran, eben solch mächtigen Zauberern gegenüber zu stehen.
»Morgen Tom.«
Es ist die Stimme eines jungen Mannes, die aus der sicheren Dunkelheit seiner Kapuze zu ihm spricht und welche so gar nicht zu seiner vorherigen Annahme passen möchte. Sie ist tief und klar, ohne Zweifeln die Stimme eines Mannes der es gewohnt ist gehört zu werden, auch ohne laut zu sprechen.
»Guten Morgen, Sir.« Antwortet Tom langsam. Das Glas in seiner Hand findet seinen Platz in den Reihen der anderen hinter dem Tresen, das Tuch den seinen als unordentlicher Haufen daneben, »Was kann ich für Sie tun?«
»Wir brauchen ein Zimmer für diese Nacht. Möglichst abgeschieden von den restlichen Gästen und zusätzlich eine Möglichkeit Albus Dumbledore zu kontaktieren.« Erwidert der Fremde und zeigt auf die zerknitterte Ausgabe des Tagespropheten, die Edgar als behelfsmäßiges Kissen nutzt, »Und eine frische Ausgabe davon.«
»Ich verstehe.«
Tom greift unter die Theke nach der Sammlung kleiner, glänzender Zimmerschlüssel. Jeder von ihnen ist gekennzeichnet mit einer Nummer, eingraviert auf einer runden, farbigen Plakette. 17 steht auf der, die er dem fremden Zauberer zuschiebt. »Treppe hinauf und dann links, das Zimmer befindet sich nach Osten raus. Was Dumbledore angeht werde ich sehen, was ich tun kann.«
Sein Gast nickt und greift nach dem Schlüssel, bevor er ihn in den Tiefen seiner Robe verschwinden lässt und sich an dem Tresen vorbei schiebt. Seine Gefährten folgen ihm lautlos die windschiefe Treppe hinauf.
Einen langen Moment blickt Tom ihnen nach. Dann finden seine Hände wie von selbst das Geschirrtuch und ein frisch gewaschenes Glas zum Polieren. Es war nur ein winziger Moment gewesen, in dem die Kapuze des Fremden beim Vorbeugen zur Seite gerutscht ist und der flackernde Schein des Feuers die Konturen des Gesichtes erhellt hat. Es hat dennoch ausgereicht, damit Tom zumindest einen kurzen Blick darauf erhaschen konnte. Und obwohl es nicht ausgereicht hat um irgendeine Verbindung zu irgendwem herzustellen oder etwaige Ähnlichkeiten zu erkennen, ist ihm doch etwas aufgefallen:
Unter den Fransen einer unordentlichen Frisur hat eindeutig die gezackte Form einer Fluchnarbe hervorgeblitzt.
Zimmer 17 im Osten des Tropfenden Kessel ist kaum größer als eine geräumige Abstellkammer. Der Dielenfußboden ist alt, die dazwischenliegenden Fugen wurden das letzte Mal vor Jahren gefüllt und mittlerweile streiten sich Staub und Fussel um den Platz. Die Decke – vor Jahren einmal weiß gestrichen – ist grau und in den Ecken fast schwarz, verlassene Spinnweben schimmern im Licht der flackernden Kerze, die auf dem wackeligen Schreibtisch steht, der auch schon einmal bessere Tage erlebt hat. Das einzige Fenster ist schief und das angrenzende Badezimmer winziger als sein Zimmer bei den Dursleys.
»Schön ist es nicht...« Stellt Hermione nach einer kritischen Musterung fest, »Aber es ist trocken und warm, halbwegs sauber und mit ein paar kleinen, magischen Verbesserungen wird es die wahrscheinlich erholsamste Nacht der letzten Jahre.«
Harry quittiert ihre Bemühungen mit einem halbherzigen Grinsen, »So wie du schnarchst? Wohl kaum.« Die Antwort bekommt der Schwarzhaarige in Form eines undamenhaften Schnaubens und einem von Motten zerfressenen Kopfkissen in seinem Gesicht.
Er fängt es auf, bevor es zu Boden fallen kann. Rau fühlt sich der Bezug an, abgenutzt von den vielen Jahren und die Stickereien an den vier Ecken sind vollkommen ausgebleicht. Es fühlt sich... unwirklich an. Sein Grinsen erstirbt. Nach so vielen Fehlschlägen in den letzten Jahren ist der Erfolg ihres Zeitsprunges umso süßer, doch den bitteren Nachgeschmack seiner Vergangenheit wird er niemals endgültig vergessen können. Weder er, noch Hermione. Und mit Sicherheit niemals Ron.
Sein Blick fällt auf den Rothaarigen. Wie selbstverständlich hat er zuerst das Zimmer und dann das anschließende Badezimmer einer genauen Musterung unterzogen, bevor er sich an das Fenster gelehnt positioniert hat. Der Verlust seiner Familie hat ihn härter werden lassen, verbissener. Und mittlerweile kann sich Harry sein Leben nicht mehr ohne seinen besten Freund an der Seite vorstellen, der ihn wirkungsvoller als jedes magische Schild vor Flüchen und Zauberern gleichermaßen schützt.
»Wir haben den Mist also tatsächlich überlebt.« Setzt Ron an, »Aber was jetzt?«
Im flackernden Licht der Kerze wirkt sein ins Halbdunkel getauchtes Gesicht dank der fehlenden Augenbraue grimmiger und seine blauen Augen wirken kalt und leer, wie ein klarer Morgenhimmel. Harry verlässt sich noch immer blind auf das Vertrauen zwischen ihnen und auch Ron klammert sich an ihre Verbindung wie ein Ertrinkender, obwohl ihre Freundschaft längst zerbrochen ist.
Der Preis für ihr perfektioniertes Zusammenspiel ist hoch gewesen und der Junge-der-lebt wünscht sich noch immer, dass keiner von ihnen ihn hätte zahlen müssen. Aber die Welt fragt nicht nach seinen Wünschen und fair ist sie eh noch nie gewesen.
»Das Wichtigste ist zu verheimlichen wer wir tatsächlich sind, was sich schwierig gestalten wird, wenn wir irgendwie Einfluss auf die Geschehnisse nehmen wollen. Mit ein wenig Glück wird Dumbledore uns dabei helfen können. Mit Pech...« Antwortet Hermione, aber ihre Stimme wird gegen Ende ihres Satzes immer leiser, bis sie schließlich gänzlich verstummt.
»... wird uns Dumbledore kein Wort glauben und wir haben direkt zu Beginn den mächtigsten Zauberer des Jahrhunderts gegen uns.« Beendet Ron ihren Satz schnaubend, »Sollen wir jetzt wieder die Füße still halten, bis wir auch in dieser Sache sicher sein können? Toll. Das wird die Welt auch nicht retten.«
Hermione schweigt. Als einzige hat sie sich auf das altersschwache Bett gesetzt und die Luft schimmert noch immer durch den aufgewirbelten Staub. Auch sie hat einen Preis zahlen müssen und auch, wenn sie mit ihren zerzausten Haaren und in dem weiten Pullover mädchenhaft jung aussieht, sind ihre dunklen, warmen Augen älter als sie eigentlich sein sollten. Ertragen haben sie alle viel, aber manchmal fragt sich Harry, wann der Erste von ihnen unter seinen Erinnerungen zusammenbrechen und ob es jemals tatsächlich vorbei sein wird.
»Ich weiß nicht ob Dumbledore uns helfen kann. Ich weiß nicht einmal ob ich dem Dumbledore in dieser Zeit vertrauen kann, wo doch sein Alter Ego in vielerlei Hinsicht versagt hat...« Sagt Harry schließlich, »Es ist so viel schief gegangen in unserer Zeit, so viel hätten wir verhindern können, wenn wir das gewusst hätten, was wir jetzt wissen. Und ich will verdammt sein, wenn ich diese Chance verstreichen lasse, nur weil ich das Gelingen unserer Mission von einem Mann abhängig mache. Wenn Dumbledore uns nicht helfen kann – dann helfen wir uns eben selbst.«
Er blickt sowohl Hermione als auch Ron lange in die Augen, »Ihr seid das einzige an Familie was mir geblieben ist. Und auch, wenn ich es nicht geschafft habe meine Eltern oder meine Freunde zu retten, ich werde nicht zulassen, dass ich euch auch noch verliere. Ich werde diese verdammte Prophezeiung endlich erfüllen.«
»Dann wirst du unsere Hilfe bitter nötig haben.« Erwidert Ron trocken, aber in seinem Blick liegt die gleiche Entschlossenheit, die auch Harry in seinem Inneren brodeln spürt, »Weil ohne mich hast du niemanden, der dich aus der Scheiße zieht und ohne Hermione haben wir niemanden, der uns danach wieder zusammenflickt.«
»Diese Aufgabe kann man ja auch niemanden sonst zumuten, bei euch zwei Chaoten.« In ihren Augen stehen die Tränen, aber Hermiones Lächeln ist ehrlich und Harry spürt, wie sein Herz sich bei dem Anblick der Beiden erwärmt.
Was auch immer sie in dieser Zeit erwartet, zusammen würden sie es schon irgendwie durchstehen. Davon ist das Goldene Trio überzeugt. Und als das zaghafte Klopfen an der Tür das Eintreffen von Tom ankündigt, hat sich die Stimmung in Zimmer 17 bereits gebessert.
»Sir, ich bringe Ihnen Abendessen, die gewünschte Ausgabe des Tagespropheten und meine treue Eule.« Tönt es dumpf von der anderen Seite und wie zu Bestätigung folgt das Schuhen des erwähnten Tieres, »Möchten Sie, das ich das Tablett stehen lasse und Shazu zu Ihnen ans Fenster schicke?«
»Er lernt schnell, das muss man ihm ja lassen.« Brummt Ron halblaut.
Harry wirft ihm einen tadelnden Blick zu, den der Rothaarige nur mit einem beiläufigen Schulterzucken quittiert. Dann erst geht er die wenigen Schritte zur Tür und hebt seine Stimme, »Das wäre sehr freundlich von Ihnen. Vielen Dank, Tom.«
Er muss höchstens eine Minute warten, bevor die Schritte von Tom verklungen sind und er gefahrlos die Tür öffnen kann. Dahinter, wie angekündigt, befindet sich ein rechteckiges Tablett welches schwer beladen mit Tellern unterschiedlicher Köstlichkeiten ist. Allein der Geruch des dampfenden Bratens lässt ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen. Das frisch gekochte Essen des Tropfenden Kessels lässt sich schwer mit dem gepökelten Fleisch und dem Dosenfraß vergleichen, von dem er die letzten Monate gelebt hat.
Neben dem Tablett, säuberlich zusammengerollt, liegt die Ausgabe des Tagespropheten. Und bei diesem Anblick schwindet die Freude aufs Essen und macht einem unguten Gefühl in seiner Magengegend Platz. Zu dieser Zeit befindet sich Voldemort auf dem Höhepunkt seiner Macht und Harry graut es vor dem, was er in der Zeitung finden wird.
Seufzend klemmt er sich den Tagespropheten unter den Arm und greift dann beherzt nach dem Essen. Solchen düsteren Gedanken konnte er auch noch mit vollen Magen nachhängen.
»Kinder, ich habe gekocht.« Verkündet er also vollmundig, die Tür hinter sich mit seinem Fuß zustoßend, »Was heißt, ich esse und ihr bekommt hinterher die Krümel.«
Als Reaktion fliegt ihm erneut das bestickte Kissen um die Ohren.
Harrys Gesicht hat die gleiche, aschgraue Farbe angenommen wie die Wand. Hinter seiner Brille zittern die grünen Pupillen seiner aufgerissenen Augen, seine aufeinander gepressten Lippen sind nur noch ein blutleerer Strich. Fassungslos überfliegt er noch einmal den Artikel des Tagespropheten, jedes Wort hallt in seinem ansonsten komplett leeren Kopf wieder. Und noch einmal. Die schwarzen Buchstaben verschwimmen vor seinen Augen. Ein weiteres Mal. Seine Hände verkrampfen sich um die Zeitschrift.
»Harry?«
Hermiones Stimme klingt dumpf in seinen Ohren, wie durch Watte, und es dauert einige Sekunden bis er die Besorgnis in ihr registriert hat. Dann zwingt er sich zur Ruhe, presst die neutrale und aussichtslose Maske des Jungen-der-lebt auf sein Gesicht und atmet tief durch. Als er aufblickt, hat die Brünette bereits die wenigen Schritte Entfernung zwischen ihnen überbrückt und hat sich neben ihn auf das Bett gesetzt, »Harry? Was ist los?«
»Ich bin tot.« Antwortet er mit einem humorlosen Lachen, »Merlin... Ich bin tot! Dieses Mal hat er es tatsächlich geschafft.«
»Ich weiß nicht, Kumpel, für mich siehst du ziemlich lebendig aus.« Kommentiert Ron in der gleichen Tonlage, während seine Augenbraue in Richtung Haaransatz wandert, »Is' allerdings auch schon 'ne Weile her, seit ich das letzte Mal einen Geist gesehen hab'. Kann mich also irren.«
Hermione wirft ihm einen genervten Blick zu.
Ron verschränkt brummend die Arme vor seiner Brust, »Was denn? Er hat angefangen.«
»Nicht ich bin tot.« Korrigiert Harry und faltet den Tagespropheten auf der Titelseite zusammen, »Harry Potter ist tot.« Bevor der Rothaarige erneut zu einer sarkastischen Antwort ansetzen kann, beschwört Harry die Buchstaben des Artikels mit einem Schwenk seines Zauberstabes in die Luft vor ihnen.
Und Ron schließt seinen Mund.
»Tragödie in Godrics Hollow...« beginnt Hermione stockend vorzulesen, »Für die junge Familie Potter endet die Halloween-Nacht in diesem Jahr mit einem unvorstellbaren Entsetzen. Nach der Rückkehr von einer feucht-fröhlichen Party bei Freunden in ihr Zuhause, entdecken die erst kürzlich Vermählten die leblosen Körper der beiden Auroren, welche von Millicent Bagnold persönlich zum Bewachen des Anwesens ausgewählt worden, und schließlich im Kinderbett die Leiche ihres Sohnes, ...« Überrascht keucht sie auf, »Harry James Potter!«
Wieder spürt Harry die kalte Ohnmacht nach sich greifen. Zwei Jahrzehnte lang hat er verzweifelt darum gekämpft zu leben, während rings um ihn herum Menschen an seiner statt starben und jetzt, hier bei seiner zweiten Chance in der Vergangenheit starb er bereits als Kind? Jetzt, wo er endlich dafür hätte sorgen können, dass zumindest sein zweites Ich eine Kindheit im Kreise einer liebenden Familie verbringen würde. Jetzt, wo er das Wissen und die Mittel besaß, Voldemort endgültig zu vernichten.
Klein Harry ist gestorben, bevor er überhaupt leben konnte.
Zurück bleiben die gebrochenen Eltern und mit dem zweiten Zaubererkrieg am Horizont bleibt keine Zeit die Scherben aufzusammeln und das blutende Loch in ihren Herzen zu füllen. Harry weiß es, auch ohne es erlebt zu haben. Er hat hilflos zugesehen wie Ron auseinander gefallen ist, wie die Verbitterung sich Stück für Stück das geholt hat, was vor Jahren einmal sein bester Freund gewesen ist. Seit dem Tod seiner Tochter hat die Dunkelheit Rons Augen nie verlassen – mittlerweile ist das ehemalige Hellgrau fast Schwarz.
Er wendet den Blick ab, als Ron ihn bemerkt. Das ist kein Thema für diesen Abend, das weiß Harry, sie haben andere Dinge um die sie sich Gedanken machen müssen. Wobei es nur Hermione ist, welche unruhig das Zimmer auf und ab tigert, die Stirn in nachdenkliche Falten gelegt.
»Das Blut der Unschuldigen säumt die Ufer der Styx – denn während das Original lebt, kann das Abbild nicht existieren... « Murmelt sie leise, bevor ihr die Farbe aus dem Gesicht weicht, »Oh nein! Ich hab' es für abergläubischen Quatsch gehalten, und mich nicht weiter darum gekümmert, aber jetzt macht alles Sinn!«
»Für dich vielleicht.« Unterbricht Ron sie, »Ich verstehe gar nichts mehr.«
»Das Buch was ihr in Hogwarts gefunden habt, über Zeitreisen, erinnert ihr euch?« Redet Hermione weiter, ohne wirklich auf den Einwurf zu achten, »Ich habe nach einer Möglichkeit gesucht den Sand zu stabilisieren und habe die anderen Kapitel nur kurz überflogen, wenn überhaupt. Aber es ist anscheinend nicht alles Aberglaube gewesen. Zeitreisen sind nicht so selten, wie die Welt glaubt.«
»Aber...?«
Sie wirft ihm einen missbilligenden Blick zu, »Denk doch wenigstens einmal mit, Ronald! Wenn Zeitreisen schon passiert sind und sich keiner mehr erinnert, dann gibt es dafür nur eine mögliche Erklärung!«
Ahnungsloses Schweigen.
»Durch das Zurückreisen in die Vergangenheit stirbt das jüngere Ebenbild des Zeitreisenden. Das heißt, es entsteht gar keine Parallelwelt oder ein Paradoxon.« Erklärt Hermione wie selbstverständlich, »Weil wir aus der Zukunft jetzt hier in der Vergangenheit sind und nicht zweimal existieren können, verhindert das Zeitkontinuum unsere Geburt oder, wie in Harrys Fall, tötet das Original! Das ist faszinierend!«
Ron sieht nicht wirklich überzeugt aus und auch Harry zweifelt an der Theorie der Braunhaarigen. »Das heißt, ich habe mich quasi selbst umgebracht?« Fragt er irritiert nach, »Das macht doch keinen Sinn...«
»Weil du genauso wenig mitdenkst wie Ron! Harry James Potter kann nur einmal existieren, genauso wie Ronald Bilius Weasley nur einmal existieren kann und es gibt auch nur eine Hermione Jane Granger.« Fährt Hermione ungeduldig fort, »Wahrscheinlich haben wir überlebt weil wir älter und reifer sind. In der Natur regiert das Gesetz des Stärkeren, wieso sollte es bei der Magie anders sein? Natürlich gibt es keinerlei Belege dafür, bis auf das Zitat, es sind also reine Spekulationen, aber wenn es stimmt... Dann wurde in der Vergangenheit... Platz für uns geschafft. Versteht ihr?«
»Allerdings.« Brummt Harry düster, »Ich habe mich selbst umgebracht.«
Ron gibt einen Laut von sich, der irgendetwas zwischen ungläubiges Schnauben und belustigtes Grunzen darstellt, »Jetzt tu' mal nicht so überrascht, irgendwann musste es ja mal so kommen! Dein Lebensstil schreit ja geradezu danach, dass dir Karma endlich mal in die Fresse schlägt.«
»Ronald Weasley!«
Das entlockt Harry zumindest ein halbes Grinsen.
