Disclaimer: »Natürlich gehört mir nichts, was auch nur im Entferntesten mit Harry Potter zu tun hat – ist alles aus J. kreativem Kopf entsprungen. Aber da Ausnahmen die Regel bestätigen, sind jegliche Charaktere und Namen die euch nicht bekannt vorkommen – meins. Ich verdiene auch kein Geld damit, schön wärs, und schreibe nur aus Spaß an der Freude. Blablubb - (:
Reviews: Josh:
Danke dir – ((:
Anmerkung: »Die Sonne ist wieder weg… – ):
Was gut für euch ist, weil ich somit ein neues Kapitel im Gepäck habe, aber schlecht für mich ist, weil ich nicht mehr draußen rumlümmeln kann. Hatte mich schon so an meine Liegematte gewöhnt, hihi. Also, als Vorwarnung zum dritten Kapitel: Es werden neue Begriffe und neue Zauber auftauchen und wahrscheinlich wird das ein bisschen verwirrend sein, aber das wird sich alles später noch erklären.
In dieser Fanfiktion bleibt – hoffentlich – keine Frage ungeklärt. – (:
»DRITTES KAPITEL
The sky is red tonight
We're on the edge tonight
No shooting star to guide us
Eye for an eye, why tear each other apart?
Please tell me why, why do we make it so hard?
Look at us now, we only got ourselves to blame
It's such a shame - Tell me
How many times do we have to fight?
(Only teardrops;Emmelie de Forest)
Im Gesicht von Albus Dumbledore hat die Nacht Spuren hinterlassen.
Dunkle Ringe zeichnen sich unter seinen Augen ab, die sonst so strahlend hinter der halbmondförmigen Brille gefunkelt hatten. Trauer und Reue haben das Blau dunkler gefärbt. Das schlechte Gewissen lastet schwer auf seinen Schultern. Die Fragen kreisen unablässig in seinem Kopf umher und das Gefühl, dass er viel mehr hätte tun müssen, bringt ihn um seinen Schlaf.
Mittlerweile taucht der Morgen die Wipfel des Verbotenen Waldes in warme Pastelltöne und die ersten Sonnenstrahlen bringen den Tau auf den Gräsern zum glitzern. Es ist ein tröstender Anblick. Egal, was für Schrecken die Nacht beherbergt, am nächsten Morgen wird stets die Sonne aufgehen und neue Hoffnung spenden. Doch die gebrochenen Gesichter der jungen Eltern lassen ihn nicht los. Oder die leblose Gestalt des kleinen Harry.
Mit einem tiefen Seufzen setzt Albus die Tasse auf seinen Schreibtisch ab. Zierliche Dampfdrachen klettern auf dem Rand des Porzellans, tanzen mit hohen Tönen durch die Luft und verblassen schließlich. Der vertraute, beruhigende Geruch nach Zitrone durchdringt jeden Winkel seines Turmzimmers, aber die erhoffte Wirkung bleibt aus. Er kann es nicht vergessen. Nicht einmal für wenige Minuten.
Das Gesicht der weinenden Mutter, in deren Augen soviel Schmerz und Verzweiflung stehen. Schreiend umklammert sie den toten Körper ihres Sohnes, dessen leere Augen fast schon vorwurfsvoll zu ihm aufsehen. Daneben, zwar mit trockenen Augen, aber mit der gleichen ohnmächtigen Verzweiflung, der sonst so starke Vater. Seine Arme umschließen die zitternde Gestalt seiner Frau. Und obwohl es niemand zu diesem Zeitpunkt wahrhaben will, weiß es jeder: Mit Harry ist auch ein großer Teil von Lily und ein noch größerer von James gestorben. Aber niemand weiß, wann sie es verkraften werden. Ob sie es verkraften werden.
Zurück bleibt das nagende Gefühl seine ehemaligen Schüler enttäuscht zu haben. Was hat ihn davon abgehalten, sie in die Prophezeiung mit einzubeziehen? Sich als Geheimniswahrer zur Verfügung zu stellen, um sie mit dem Fidelius-Zauber zu schützen? Sie zu beschützen? Eine vage, dunkle Vorahnung. Ein mulmiges Gefühl in seiner Magengegend hat zum Tod eines kleinen Jungen geführt und zeitgleich das Herz zweier liebender Eltern gebrochen. Und die Prophezeiung. Was nützt ihm das Wissen jetzt, wo der Junge, den sie betroffen hat, viel zu früh sein Ende gefunden hat?
In seinem Leben gibt es zahlreiche Dinge die er bereut und in der diesjährigen Halloween-Nacht sind weitere hinzugekommen. Auch in dem Keller eines so großartigen Zauberers wie Albus Dumbledore gibt es Leichen. Und um jede davon hat er getrauert.
Das zaghafte Klopfen an seinem Fenster reißt ihn abrupt aus seinen trübsinnigen Gedanken. Auf seinem Fenstersims, mit von dem schneidenden Wind zerzaustem Gefieder, sitzt ein zierlicher Waldkauz und klackt ungeduldig mit seinem Schnabel. Die klugen Augen blicken erwartungsvoll zu ihm und als er keine Anstalten macht sich zu erheben, klopft die Eule erneut gegen die Glasscheibe und hebt ihren rechten Fuß. Daran gebunden befindet sich ein zusammengerolltes Stück Pergament.
»Noch mehr schlechte Neuigkeiten.« Mutmaßt Albus, steht aber gehorsam aus seinem roten Ohrensessel und öffnet dem gefiederten Postboten das Fenster. Ungelenk klettert die Eule über die Schwelle und richtet notdürftig ihr zerzaustes Gefieder. Erst dann streckt sie ihm ihr Bein entgegen.
Es ist in der Tat ein schlichtes, zusammengerolltes Stück alten Pergaments, gebunden an das Bein eines durch und durch gewöhnlichen Waldkauzes, aber kaum haben seine Finger das Papier berührt, fängt die Luft um ihn herum an zu flimmern. Magie strömt aus dem Brief, wie Blut aus einer offenen Wunde. Pure, alte und mächtige Magie, wie er sie seit einigen Jahrzehnten nicht mehr erlebt hat.
Ein Praesius-Siegel.
In den Wirren des letzten Krieges waren Botschaften mit einem Siegelzauber keine Seltenheit, aber das Wissen hat sich danach verloren. Während der Nachkriegszeit ist es nicht mehr notwendig gewesen, seine Nachrichten magisch zu verschlüsseln und durch den herrschenden Frieden glaubte auch niemand daran, sie je wieder nutzen zu müssen. Was also brachte den Verfasser dieser Nachricht dazu, auf solche Mittel zurückzugreifen?
»Dein Besitzer muss wahrlich ein bemerkenswert gebildeter und geschickter Zauberer sein, mein gefiederter Freund.« Wendet er sich an den Waldkauz, »Oder ist es gar eine Hexe?«
Anstatt eine Antwort zu geben wackelt die Eule auffordernd mit ihrem Fuß und kratzt sich ausgiebig, als Albus das Band löst und sich wieder an seinen Schreibtisch setzt. Grübeleien werden ihm den Inhalt des Briefes nicht verraten.
Aus den weiten Ärmel seines Umhanges zieht er seinen Zauberstab hervor und berührt mit der Spitze das Zentrum der flimmernden Magiewirbel: »Ich, Albus Percival Wulfric Brian Dumbledore, bin der rechtmäßige Empfänger dieses Briefes und begehre zu erfahren, was er an Informationen für mich beinhaltet.«
Das Flimmern stoppt. Ein mattes, violettes Schimmern überzieht das Pergament vor ihm, bevor es sich entrollt und die farbigen Magiepartikel sich in der Luft verflüchtigen. Er kennt weder die Schrift der eng beschriebenen Zeilen, noch kann er den Namen am Ende des Briefes zuordnen, aber die Dringlichkeit der Botschaft erfasst er augenblicklich. Kaum das er die letzte Zeile überflogen hat, erhebt er sich aus seinem Sessel und durchquert mit wenigen Schritten sein Büro.
Eine Prise Flohpulver genügt, dass sich das prasselnde Feuer seines Kamins in ein helles Grün verwandelt und er gefahrlos in die Flammen steigen kann. »Winkelgasse. Zum Tropfenden Kessel.« Sind seine letzten Worte, ehe ihn das magische Pulver durch den Schlot wirbelt.
Das zurückgelassene Pergament auf seinem Schreibtisch beginnt zu glühen. Zuerst an der oberen Ecke, dann an der unteren und schließlich verbrennt es in einer hellen, violetten Stichflamme. Nur die zurückgebliebene Asche zeugt von der Existenz des Briefes. Und der aufgeplusterte, vergessene Waldkauz auf der Fensterbank, der beleidigt mit seinem Schnabel klackt.
Seine Narbe schmerzt.
Nichts, was er nicht gewöhnt ist. Schließlich hat er diese Narbe schon seit er denken kann und als angenehm hat er sie noch nie empfunden. Es gibt Tage, da sind die Schmerzen ertragbar und dann wiederum gibt es Tage, da bemerkt er sie nicht einmal. Aber seit er die Schule vor seinem letzten Jahr abgebrochen hat, ist kein Tag vergangen an dem er die Schmerzen nur mithilfe von Okklumentik eindämmen konnte. Eindämmen. Nicht aufheben. Der ständige, nagende Kopfschmerz ist ein Teil von ihm geworden und im Kampf gegen Voldemort seine stärkste Waffe.
Was machen schon ein paar Schmerzen, wenn er dafür ganze Familien retten konnte? Ganze Dörfer? Es ist ein Preis den er ohne zu Zögern und ohne Reue zahlt. Und schließlich sind die Schmerzen ein untrügerisches Zeichen dafür, dass er immer noch lebt.
Abwesend reibt er sich die kribbelnde Stirn. Im Vergleich zur vorherigen Woche ist es kaum mehr als ein unangenehmes Kribbeln, ähnlich wie ein aufgekratzter Mückenstich. Aber zum ersten Mal seit Jahren ist er nicht froh darüber, nein, es beunruhigt ihn. Theoretisch dürfte er rein gar nichts spüren. Der Verursacher seiner Fluchnarbe befindet sich weit in der Zukunft und wird so niemals wieder existieren können, während der gegenwärtige Voldemort den kleinen Harry gar nicht erst gezeichnet hat.
Trotzdem brennt seine Narbe und Harry kann spüren, wie Voldemorts Gefühle durch ihre Verbindung zu ihm strömen. Noch sind es Fetzen, wie bei einem gestörten Empfang, aber mit jeder verstreichenden Minute werden sie klarer. Wie lange wird es wohl dauern, bis er wieder ein ständiger Gast im Kopf des manischen Schwarzmagiers ist?
Er ist nicht naiv. Natürlich ist ihm bereits vor ihrem Zeitsprung klar gewesen, was für weitreichende Folgen dieser haben wird und das es, sollten sie es überleben, sicherlich kein Zuckerschlecken sein würde. Irgendwelche Komplikationen treten immer auf, egal, was Harry macht. Allerdings hatte er zu diesem Zeitpunkt noch an so etwas ‚Banales' wie das Verschieben des Zeitkontinuums gedacht. Oder irgendwelche anderen Theorien über Paradigmen die Hermione ihm und Ron gehalten hatte, bevor sie gemerkt hat, das ihr eh keiner zuhört und wenn, es keiner versteht.
Keine Verschiebung. Keine Paradigmen. Aber drei tote Babys.
Die letzte Nacht hatte ihm geholfen seinen Frieden mit diesem Umstand zu schließen, obwohl er immer noch nicht vollkommen die Schuldgefühle abstreifen kann. Oder die Müdigkeit, die der schlaflosen Nacht folgt. Er hat wirklich versucht sich auszuruhen... Aber die sicherste Nacht seit Monaten zu genießen ist schwer, wenn der Körper immer noch auf 'Flucht' gestellt ist und bei dem kleinsten Geräusch hochschreckt. Schritte auf dem Gang vor ihrem Zimmer, das Knarren der Holzdielen, Stimmen unter ihnen, …
Nein, weder er noch Ron haben in dieser Nacht Schlaf gefunden. Hermione ist die Einzige gewesen die sofort in Morpheus Arme gesunken ist, kaum, dass ihr Kopf das Kissen berührt hatte. Ihre regelmäßigen Atemzüge beruhigten seine gespannten Nerven und auch Ron wirkte weniger verkrampft nach der Nacht, wenn auch nicht erholt. Als sich ihre Blicke kreuzen, runzelt der Rothaarige seine Stirn, »Voldemort?«
»Ich kann ihn spüren.« Bestätigt Harry dunkel, »Nicht einmal ansatzweise so stark wie sonst, aber es wird immer deutlicher. Meine Narbe schmerzt immer mehr.«
Das Bett protestiert mit einem altersschwachen Knarren, als Hermione ihre Beine über den Rand schwingt und ihn besorgt mustert. Auffordernd klopft sie neben sich auf die Matratze, »Lass mich sehen.«
»'Mione, wirklich-…«
»Spar dir die Luft.« Unterbricht sie ihn, »Wenn ich für jedes Mal eine Galleone bekommen hätte, wenn du oder Ron behauptet habt, nichts zu haben, könnte ich mittlerweile genauso in Gold schwimmen wie Dagobert Duck.«
Ron blinzelt verwirrt, »Wer ist Dagobert Dack?«
»Dagobert Duck, Ron. Eine reiche Zeichentrickente aus -...«
»Eine was Ente?«
Für einen langen Moment blickt Hermione ihn einfach nur an. Dann schüttelt sie ihren Kopf und spart sich jede weitere Erklärung, die vermutlich eh nur dazu beigetragen hätten die Verwirrung des Rothaarigen noch zu steigern, anstatt sie zu senken. Harry gibt sich nicht einmal Mühe sein Grinsen zu verbergen, bei dem komplett irritierten Gesichtsausdruck von Ron. Allerdings vergeht es ihm schnell wieder, als die Brünette ihn auffordernd anblickt und erneut neben sich klopft.
Mit einem tiefen Seufzen fügt er sich.
Ihre Finger fühlen sich auf seiner erhitzten Stirn kalt an und obwohl sie sich bemüht, vorsichtig zu sein, jagt die fremde Berührung eine neue Welle des Schmerzes durch seine Schläfen. Bei seinem Zusammenzucken lässt sie sofort los und fragt besorgt nach, »Seit wann ist es so schlimm?«
»Die Nacht hat es angefangen. Ich kann ihn spüren, aber die Verbindung fühlt sich irgendwie... falsch an.«
»Das ist eine Avada Kedavra Fluchnarbe, Harry, dass sie sich falsch anfühlt ist nur zu verständlich.« Antwortet Hermione kopfschüttelnd, »Aber eigentlich solltest du sie überhaupt nicht spüren. Dieser Voldemort hat keine Verbindung zu dir.«
Harry verdreht seine Augen, »Das hab ich nicht gemeint. 'Falsch' im Sinne davon, das sie sich anders anfühlt als vorher. Ich kann es schwer beschreiben... Es fühlt sich an, als wäre die Verbindung irgendwie... blockiert... Macht das Sinn?«
»Ich weiß es nicht, Harry.« Gesteht Hermione leise, »Ich weiß es wirklich nicht...«
Damit hatte der Schwarzhaarige schon gerechnet. Über Fluchnarben im Allgemeinen gibt es nur wenige Informationen, dafür entstehen sie zu selten und variieren meist in ihren Wirkungen. Das er der einzige bekannte Träger einer Todesfluchnarbe ist, hilft ihm noch weniger – wobei das auch nicht mehr ganz zutrifft. Schließlich ist der Fluch nicht abgeprallt von dem kleinen Harry und die Zaubererwelt hat keine Ahnung davon, dass so etwas überhaupt möglich ist.
Harry reibt sich über die brennenden Augen. Von dieser ganzen Zeitreise-Nachgrübelei werden seine Kopfschmerzen nur noch schlimmer und zu einem zufrieden stellenden Ergebnis kommt er auch nicht. Für jede Antwort die sie finden, tauchen drei neue Fragen auf.
Eine winzige, kaum wahrnehmbare Verschiebung im Magiegefüge des Tropfenden Kessels lässt ihn inne halten. Es ist so fein, dass er es beinahe nicht bemerkt hätte, aber so erkennt er die Signatur von Flohpulver sofort. Ein kurzes Aufflackern, bevor es erlischt und wieder ihre ursprüngliche Form annimmt. Zurück bleiben die Schutzzauber des Tropfenden Kessels und die unverkennbare, tief vertraute Magieresonanz seines Mentors.
»Er ist hier.«
Es ist ohne jeglichen Zweifel Albus Dumbledore. Das hagere, gutmütige Gesicht, in denen die klaren, blauen Augen über den Rand der halbmondförmigen Lesebrille bis tief in die Seele der Menschen blicken. Die hüftlangen, silbrigweiß schimmernden Haare und der gleichfarbige, lange Bart, am unteren Ende zusammengebunden mit einer goldenen Kordel. Gekleidet in den bunten Zaubererroben und dem bodenlangen Mantel wirkt der ältere Zauberer ganz so, wie ihn Harry in Erinnerung hat.
Aber beim genauen Hinsehen entdeckt er die feinen Unterschiede.
Die Nase, obwohl gekrümmt und unterhalb der Augen einmal gebrochen, ist längst nicht so schief wie er sie aus seiner Zeit kennt. Die tiefen, fast schon kraterartigen Sorgenfalten fehlen vollkommen, stattdessen ist das Gesicht so gerunzelt, wie man es bei seinem Alter auch erwartet. Nicht übermäßig, weniger... gebrochen. Aber die Augen sind dunkler und in ihnen steht nicht die vertraute Wärme bei seinem Anblick, nein, sie sind kühl und berechnend. Dieser Dumbledore traut ihm nicht, genauso wenig wie Harry ihm traut.
Mit dem Schlenker seines Zauberstabes verschließt der Schwarzhaarige die Zimmertür. Er sieht es nicht, aber er kann spüren, das Dumbledore nach seinem eigenen Zauberstab greift und ihn in den langen Ärmeln seiner Robe verborgen bereithält. Trotzdem beunruhigt es ihn nicht. Zum einen, weil er darauf vertraut, das Dumbledore ihn nicht angreifen wird solange er keinen direkten Angriff vollzieht und zum anderen, weil Ron in seinem Rücken ebenfalls seinen Zauberstab umfasst. Das sein Herz dennoch schneller schlägt, liegt an dem bevorstehenden Gespräch und der damit verbundenen Ungewissheit...
Drei verwobene Bannzauber später legt Harry seinen Stab gut sichtbar auf den Schreibtisch. Dumbledore, der während der gesamten Zeit nichts gesagt, aber jede seiner Bewegungen aufmerksam verfolgt hat, behält seinen zwar am Körper, jedoch nicht mehr in der Hand.
»Sie sind ein bemerkenswert begabter Zauberer, Harry. Und ausgesprochen vorsichtig.« Beginnt Dumbledore das Gespräch, ohne sich mit einer Begrüßung aufzuhalten, »Ich nehme an, das Praesius-Siegel entstammt Ihrem Stab?«
Ein kurzes Grinsen huscht über Harrys Lippen, »In der Tat, Sir.«
Einladend zeigt er auf den beschworenen, rubinroten Ohrensessel gegenüber dem Bett. Harry selbst setzt sich neben Hermione auf die Matratze, während Ron sich wie ein stiller Wächter neben ihnen postiert. Wenn Dumbledore Bedenken während des Sessels hat, zeigt er es nicht, wie selbstverständlich lässt er sich in die weichen Polster sinken.
»Ich würde es eher als 'Paranoid' bezeichnen, Direktor.« Korrigiert die Brünette, »Wobei es sicherlich auch dazu beigetragen hat, das wir hier sitzen und mit Ihnen sprechen können.«
»Vorsicht ist die Mutter allen Porzellans, junge Dame, obwohl ich zugegebenermaßen erstaunt bin. Sowohl über das Siegel am Brief, als auch über euch.« Räumt der Ältere mit einem Kopfnicken ein, bevor seine Augen sich schärfen und er jeden von ihnen sorgsam mustert, »Du bist mir vollkommen fremd. Aber sowohl dein schwarzhaariger Freund, als auch der rothaarige, sommersprossige junge Mann dort weisen eine alarmierende Ähnlichkeit mit mir bekannten Zauberern auf.«
Die Spannung im Zimmer 17 ist angespannt.
Harrys Puls rast unter seiner Haut und mit dem Adrenalin in seinem Blut könnte er halb London in die Luft sprengen. Mit tiefen Atemzügen zwingt er sich zur Ruhe und als der Blick des älteren Zauberers wieder auf ihm liegt, hat er sich wieder vollkommen unter Kontrolle. Und so bestätigt er die unausgesprochen zwischen ihnen hängende Frage, »James Potter und Arthur Weasley.«
»Richtig. Mr Potter ist Ihnen wie aus dem Gesicht geschnitten.« Nickt Dumbledore, »Sind Sie verwandt?«
»Wir sind verwandt. Aber ich befürchte, dass es kompliziert werden wird, es Ihnen glaubhaft zu vermitteln.« Harry lacht humorlos. Selbst für ihn ist es schwer, das genaue Ausmaß zu erfassen und er ist einer der Zeitreisenden. Würde er an Dumbledores Stelle eine solche Geschichte erzählt bekommen... Vermutlich würde er den Erzählenden direkt ins St. Mungos hexen.
Hermiones Hand greift nach der seinen.
Es liegt der Anflug eines Lächeln um Dumbledores Mundwinkel, »Sie erzählen mir, weshalb Sie meine Hilfe benötigen und ich entscheide hinterher, ob ich sie Ihnen gewähre.«
»Klingt fair.« Antwortet Hermione lächelnd und greift nach ihrem eigenen Zauberstab. Mit einem Schwenk ihres Handgelenkes verdunkelt sie das Zimmer und projiziert ein sich drehendes Abbild des Zeitumkehrers in dessen Mitte. Es ist stark vergrößert und die zierliche Sanduhr mit dem orange glühenden Sand ist klar zu erkennen. Ob es nun Einbildung ist oder nicht, aber selbst die eingravierten Runen in den hölzernen Ringen scheinen rot zu glühen.
»Das, was sie hier sehen ist der Zeitspringer. Es ist die modifizierte Version eines Zeitumkehrers und beinhaltet die gleiche Kernmagie, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied. Jedes der Sandkörner in der Sanduhr ist magisch aufgeladen, entweder mit einem positiven oder negativen Energiepol. Durch die Nutzung beider Pole reagieren die Sandkörner miteinander, sobald man die Runen an der Fassung durch einen Schwung zum rotieren bringt.« Erklärt Hermione mit ruhiger Stimme, »Dadurch ist es theoretisch möglich, anstatt Stunden ganze Jahre zurückzureisen. Solange, bis die Sanduhr unter dem Druck zersplittert.«
Ein weiterer Schwenk ihres Zauberstabes lässt das Bild wieder verschwinden. Stattdessen greift sie in den an ihrem Gürtel befestigten Beutel und fördert eine bauchige Phiole mit den übrig gebliebenen Teilen der Sanduhr zu Tage. Die Splitter des Holzes sind kaum größer als ein Daumennagel und an beiden Enden rußig schwarz, die Scherben des Glassplitter an der einen Seite stark geschmolzen und die Glieder der goldenen Kette aufgeplatzt.
»Wir haben diese Theorie bestätigt.«
»In dem ihr aus der Zukunft zurück in die Vergangenheit gereist seit, mithilfe dieses magischen, kleinen Geräts?« Wiederholt Dumbledore langsam. Ein Anflug des bekannten Funkelns tritt in seine Augen, bei dem Anblick des durchsichtigen Glases. Bedächtig dreht er es vor seinem Gesicht, bevor er es der Brünetten zurückgibt.
»Ich weiß, es klingt unglaubwürdig und zu fantastisch um wahr zu sein. Aber für uns gibt es jetzt kein Zurück mehr. Nicht nur, weil der Zeitspringer zerstört ist…« Fährt Hermione fort, »… durch unsere Ankunft sind wir jetzt ein Teil dieser Zeit und unweigerlich daran gebunden. Mit allen Folgen, die unsere Reise mit sich bringt.«
Das Funkeln erlischt.
»Folgen?« Dumbledores Stirn ist nachdenklich gerunzelt, »Eine Zeitreise geht stets einher mit Folgen, junge Dame. Die Frage ist nur, wie weitreichend diese sein werden und ob es den Gebrauch einer solchen Magie rechtfertigt.« Als Hermione zu einer Antwort ansetzen will, hebt er abwehrend die Hände, »Was auch immer der Auslöser für ihre Reise gewesen sein mag, es stet mir nicht zu ihn zu hinterfragen. Je weniger ich über die Zukunft weiß, desto besser.«
»Das heißt, Sie glauben uns? Einfach so?« Mischt sich Ron ungläubig ein und in seiner Stimme schwingt deutlich sein Misstrauen. Harry kann es nachvollziehen. Er hat mit mehr Widerstand gerechnet, mit mehr Fragen und dem Verlangen von Beweisen. Einfach mit mehr Misstrauen ihnen gegenüber.
Dumbledores Mundwinkel zucken verdächtig, als er sich dem Rothaarigen zuwendet, »Ihre Freundin belügt mich nicht, junger Mann. Das bedeutet entweder, dass sie die Wahrheit sagt oder aber, sie selbst ist davon überzeugt, die Wahrheit zu erzählen. In beiden Fällen benötigt ihr meine Hilfe.«
»Mit anderen Worten, Sie halten uns für bescheuert?«
»Nein.« Antwortet der Ältere gutmütig, »Bestenfalls für ein wenig verwirrt.«
Bevor Ron zu einer beleidigten Antwort ansetzen kann, wirft Harry ihm einen beschwörenden Blick zu. Und so begnügt sich der Rothaarige mit einem Zähneknirschen, bevor er die Arme vor seiner Brust verschränkt und auf einem Punkt an der gegenüberliegenden Wand starrt. Anscheinend ist die entwaffnende Schlagfertigkeit von Dumbledore etwas, was er sich bereits in jungen Jahren angeeignet hat und nichts, was mit dem Alter aufgetreten ist. Der vertraute Charakterzug macht es etwas leichter, Dumbledore als Dumbledore anzuerkennen und nicht als jüngeres Double.
»Die Zukunft, so wie wir sie kennen, wird nicht eintreten.« Knüpft Harry nahtlos an das Gespräch an, »Wir sind aus einem ganz bestimmten Grund hier, Direktor.«
Dieses Mal ist er es, der die Hände hebt als Dumbledore mit einer missbilligenden Mine zur Antwort ansetzen will: »Ich weiß. Zeitreisende, ob nun gewollt oder ungewollt, dürfen niemals in das Geschehen der Vergangenheit eingreifen, da sich sonst die Zukunft verändern würde und die freigesetzte Magie das Raum-Zeit-Kontinuum auseinander reißt. Oder durch die Veränderung meine Geburt verhindert wird und ich verschwinde, oder ich sterbe und stecke in einer Zeitschleife fest. Oder, oder…«
Müde schüttelt Harry seinen Kopf, »Die Folgen sind bereits eingetreten, Direktor. Und wenn es noch weitere geben wird, ist das auch egal, es ist alles besser als das, was in der Zukunft auf Sie warten würde.«
Für einen Moment herrscht Stille in dem kleinen Zimmer. Dann seufzt Dumbledore tief, ehe er sich vorbeugt und seine Arme auf seine Knie abstützt. Seine Stimme ist ruhig und die Worte bedacht gewählt, als er zu Sprechen beginnt, »Die Zukunft ist eine schwere Bürde, für jeden einzelnen von uns. Ich kann nur mutmaßen, was ihr in euren jungen Jahren bereits durchmachen musstet, um zu solch einem folgeschweren Entschluss zu gelangen, aber nichts rechtfertigt den Versuch, die Zukunft zu verändern.«
»Wir kommen aus dem Jahr 2000, kurz nach der Jahrtausendwende. Voldemort und seine Anhänger haben alles zerstört, was sich ihnen in den Weg gestellt hat.« Entgegnet Hermione tonlos, »Der Krieg ist verloren.«
Die darauf folgende Stille ist ohrenbetäubend.
