Man konnte sagen, was man wollte, doch Askaban war alles andere als unterhaltsam. Die Abtransporte der Gefangenen sah er nur hin und wieder durch die Gitterstäbe seiner Zelle und erwischte er zufällig einen Blick auf das Gesicht des Gefangenen, so überraschte es ihn keinesfalls, wenn er diesen kannte. Erst vor drei Tagen hatten sie Corey Sumner den Gang hinunter geschleppt - eine Person mehr, die er aus seinem Gedächtnis streichen konnte, jetzt, da er tot war. Ausdruckslos seufzte er einmal und starte dann weiter von seiner Pritsche die Decke aus alten, moosbewachsenen Steinen an.
Sonst erlebte er nicht viel, nicht einmal Frauen waren in diesem Trakt untergebracht und auch in die Zellen der anderen konnte er nicht schauen, lagen sie doch alle auf derselben Seite. Das Rauschen des Meeres hatte ihn zumindest anfangs die Tage hier versüßt, doch inzwischen war es nur noch ein monotones Geräusch im Hintergrund wie das Ticken einer Uhr. Seine Wächter waren schweigsam und ließen sich meist nur blicken, wenn sie ihm das karge Essen unter der Tür hindurch schoben.

Er blinzelte einmal, doch als er die Augen wieder öffnete, starrte er noch immer auf den monotonen Schleier aus grau und grün. Von weit entfernt erklang ein Schrei, doch im Gegensatz zu früher ging er ihm jetzt nicht mehr bis ins Mark. Er zuckte noch nicht einmal zusammen, er lag nur still da und überlegte, worüber er sich hier noch nicht den Kopf zerbrochen hatte. In den letzten... nun ja, wie viel waren es jetzt eigentlich? Zwei Jahre, zehn Jahre? Er hatte nicht den Hauch einer Ahnung.
"Mr. Pucey!" Er runzelte kurz die Stirn, blieb aber ruhig liegen. Es kam in letzter Zeit oft vor, dass die Gefangenen mit ihrem Namen angesprochen wurden und er verstand nicht wieso. Waren die alten Beleidigungen, die die Wächter für sei gehabt hatten, etwa nicht mehr gut genug?
"Mr. Pucey", unterbrach die Stimme erneut seine Gedanken und plötzlich hörte er das nahe Klacken eines Schlosses, das geöffnet wurde. Verwirrt runzelte er die Stirn und erst da, als der den Wächter erkannte, der in seiner Zellentür stand, wurde ihm klar, dass er selbst gemeint war. Wie lang hatte er seinen Namen nicht mehr gehört? Jahre musste es her sein und langsam keimte die Erinnerung an seine alte Identität auf.

"Ja?", murmelte er und setzte sich gerade auf. Misstrauisch beobachtete er den Mann in der Zellentür, groß und muskulös. "Aufstehen", grunzte er ihm entgegen und vorsichtig stellte Adrian sich auf seine Füße. Die Zelle war klein, gerade einmal zwei Meter lang, weswegen der Wächter nur einmal den Arm auszustrecken brauchte und ihn sofort packen und aus der Tür werfen konnte. Mit einem Stöhnen landete er auf dem harten Steinboden und war immer noch zu perlex, um diese Situation zu verstehen.
Grob packte ihn der Wärter wieder und schleifte ihn den Gang hinab. Fassungslos stolperte er hinterher und erhaschte Blicke in die Zellen, an denen er vorbeikam. Schmutzige Gesichter starrten ihm nach und zwischenzeitlich schien es ihm, als kenne er ein paar von ihnen. Doch zu schnell wurde er weitergezogen, hinaus aus dem kalten Gang.
Von Anfang an hatte er sich damit abgefunden, diesen Ort nur noch tot zu verlassen. Oder nicht einmal das, es wurde gemunkelt, dass selbst die verstorbenen Gefangenen nur unter den kalten Mauern des Gefängnisses vergraben wurde. Es hatte ihn nie danach gesehnt, einen Plan zu schmieden, um von hier zu verschwinden. Denn er hatte gewusst, dass es unmöglich war. Also würde er nun sterben. Ein belustigender Gedanken, wenn man bedachte, dass sie ihn nun jahrelang nutzlos hierbehalten hatten, nur um ihn am Ende sowieso wegzuschemißen.

Ein bitteres Lachen kam aus seinem Mund und sein Wächter sah ihn misstrauisch an, zog ihn aber durch eine große Holztür hinein in einen kleinen grauen Raum. Dennoch, es waren keine Steine zu sehen, eher wirkte die Tapete an den Wänden sündhaft teuer. Wollten sie ihm noch einmal zeigen, was er verloren hatte? Der Wärter schloss die Tür sofort hinter ihm und Adrian blieb nichts anderes übrig, als sich auf einen kleinen Stuhl zu setzen.
Das Metall war kalt durch den dünnen Stoff der Fetzen, die er noch trug, und vor ihm der Tisch schien so sauber, dass es beinahe unrealistisch wirkte. Erneut ertönte ein langgezogener Schrei durch die Mauern und er erinnerte sich wieder, dass er in Askaban war. Wie schnell er sich doch ablenken ließ, jetzt, da etwas in seinem Leben geschehen sollte. Eine bittere Ironie, dass es nur sein Ende sein musste.
"Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie Mr. Adrian Oreel Pucey sind?" Ein kleiner, gedrungener Mann in einem braunen Anzug betrat den Raum durch eine Tür auf der gegenüberliegenden Seite und abrupt nickte Adrian. "Das tun Sie. Muss ich etwas unterschreiben?", erwiderte er bitter und auf dem Gesicht des anderen Mannes breitete sich ein strahlendes Lachen aus. Er setzte sich Adrian gegenüber auf einen weiteren Stuhl und wischte sich mit einem kleinen Taschentuch über die Glatze, dass er dann eilig verstaute und einige Papiere auf den Tisch legte.

"Wie wunderbar, Sie wissen also bereits von dem Prozedere?" Verwirrt runzelte Adrian die Stirn und verschränkte die Arme auf dem Tisch. "Nun ja, ich gehe davon aus, dass Ihre Unterlagen", er wies mit seinem Kinn auf die Dokumente auf dem Tisch", entweder zu meinem Todesurteil gehören oder Sie sich doch versehentlich im Raum geirrt haben müssen."
Einen Moment starrte der andere ihn verwirrt an, brach dann aber in schallendes Gelächter aus und klopfte einmal mit der Hand auf den Tisch. "Mr Pucey", murmelte er nach einigen Sekunden und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel, "Sie haben einen exzellenten Humor, das muss ich Ihnen lassen. Schade dass man ihn nicht öfter findet, aber nun gut, nach Askaban ist der Esprit der meisten Menschen zerstört." Er seufzte kurz, ehe er aus seine Jackentasche eine Brille zog und sie aufsetzte.
"Zu Ihrem Bedauern - oder nein, halt warten Sie, zu Ihrer Freude muss ich Sie in Ihrer Annahme leider enttäuschen. Das Gegenteil ist der Fall. Sie werden entlassen." Ein entzücktes Lächeln stand auf dem Gesicht des Mannes, doch Adrian starrte ihm nur fassungslos entgegnen. "Könnten sie das noch einmal wiederholen, Mr. ?", murmelte er schnell und starrte auf seine ineinander verkrampften Hände. Wenn es wahr war, was er gerade geglaubt hatte zu hören, dann... Er konnte sich gar nicht vorstellen, was das für ihn bedeuten würde, so groß war das Ausmaß.

"Oh, entschuldigen Sie, ich habe mich gar nicht vorgestellt. Foster, mein Name. Aber ja, Sie werden entlassen. Aufgrund", kurz blätterte er in seinen Papieren und wies dann auf einen Absatz" 'guter Führung und magischer Enthaltsamkeit' werden Sie in das EPH aufgenommen." Beinahe stolz überreichte er Adrian das Blatt, der einfach nichtssagend darauf starrte. Er konnte es nicht lesen, konnte sich kaum auf die Worte des Mannes konzentrieren, allein ein Gedanken wirbelte durch seinen Kopf und schlug mit so banaler Wucht zu, dass er kaum mehr sitzen konnte. Ich komme hier raus. Ich komme hier raus. Ich komme hier raus.
"Was ist das EPH?", murmelte er noch immer gedankenverloren und krallte seine Hand unbewusst um das Blatt Papier, das er zwischen den Fingern hielt. Es war sein Brief in die Freiheit. Mr. Foster schmunzelte leicht und reichte ihm eifrig eine kleine Broschüre, die Adrian interessiert in die andere Hand nahm und schnell überflog.
"Das EPH", erklärte Mr. Foster, "ist das Eingliederungsprogramm für Häftlinge. Bestimmte Strafgefangene werden ausgewählt und nach vier Jahren jetzt wieder in die Gesellschaft integriert. Dazu haben Sie einen gewissen Partner zugeteilt bekommen, der Sie auf diesem Weg begleiten wird. Wir verlangen von Ihnen allerdings, dass Sie sich Ihrem Partner gegenüber respektvoll und ordnungsgemäß verhalten. Überlassen Sie ihm alle wichtigen Entscheidungen, denn er ist es letztendlich, der die neue Gesellschaft besser kennt als Sie."

Er lächelte kurz und räusperte sich, doch ehe Adrian ihn unterbrechen konnte, war er bereits fortgefahren: "Vielen dieser Menschen, denen die Häftlinge zugeteilt werden, geht es besser, wenn sie sich besonders im Umgang in der Öffentlichkeit wie ein Paar verhalten, weswegen immer Mann und Frau zusammen gestellt werden. Gehen Sie bitte auch hier auf die Wünsche Ihrer Partnerin ein und respektieren Sie diese."
"Und wer ist sie?" Adrian fiel ihm ins Wort, ehe Mr. Foster etwas sagen konnte. Für einen Moment schien selbst seine Freiheit für ihn ungewiss, es kam ganz auf sie an. Er war sich sicher, dass sie ihn mit einem Fingerschnippen auch zurück nach Askaban schicken konnte. Er musste sich vorbereiten, solange er noch die Zeit dazu hatte.
Ein kleines Lächeln trat auf Mr. Fosters Gesicht und er stand langsam auf und reichte Adrian die restlichen Dokumente. "Das sind Ihre Unterlagen. Ein paar Informationen, Ihr Abstammungsnachweis und eine Kopie der Entlassung. All das werden Sie brauchen", erwiderte er freundlich, drehte sich um und ging auf die Tür zu. Adrian starrte ihm fassungslos hinterher, doch als Mr. Foster die Tür erreichte und gerade hindurch treten wollte, drehte er sich noch einmal um und schmunzelte leise. "Den Namen verrate ich Ihnen nicht, lassen Sie sich überraschen. Aber glauben sie mir, wir geben Sie nur in die besten Hände." Noch einmal zwinkerte er, ehe er die Tür mit einem lauten Ruck hinter sich zuzog.

Adrian starrte ihm nach, minutenlang. Was er gerade gesagt hatte, schien noch immer nicht für ihn begreifbar. War es das, so leicht sollte es also sein? Ein bisschen den guten Bürger spielen und das war es? Ein belustigtes Schnauben entfuhr ihm und kopfschüttelnd starrte er auf die Tür. Das konnte er schaffen, locker sogar. Er war ein guter Schauspieler - exzellent hätte er früher gesagt, doch im Moment war im nicht nach dieser wunderbaren Überheblichkeit, in der er sich sonst brüstete. Der Esprit, von dem Mr. Foster vorhin geredet hatte, fehlte auch ihm für ein paar Sekunden.
"Mr. Pucey?" Er blinzelte verwirrt und bemerkte erst jetzt, dass sich die Tür erneut geöffnet hatte. "Ja?", antwortete er und stand auf, die Papiere fest in der Hand. Ein großer Mann kam auf ihn zu und streckte ihm die Hand entgegen. "Ich bin Mr. Cumwell", erwiderte der Mann energisch und Adrian ergriff die Hand und schüttelte sie kurz. "Wir werden gleich ins Ministerium apparieren. Haben Sie noch irgendwelche Sachen, die Sie mitnehmen wollen oder Menschen, die Sie verabschieden möchten?"

Perplex starrte ihn Adrian an und wie auf ein Stichwort ertönte ein lauter Schrei. Mr. Cumwell verzog keine Miene und wartete auf eine Antwort. Er meinte es also wirklich ernst. Innerlich lachte Adrian auf, doch nach außen hin setzte er nur ein kühles Lächeln auf und schüttelte kurz den Kopf. "Nein, habe ich nicht. Ich denke die wenigsten beantworten diese Frage mit ja, oder?", fügte er hinzu und folgte dem zielbewussten Mann, der wieder auf die Tür zulief, aus der er gekommen war. "Keine", erwiderte Mr. Cumwell im Laufen und seine Mundwinkel zogen sich ein Stück nach oben.
Er trat in den nächsten Raum und, ohne zu zögern, folgte Adrian ihm. Sobald er über die Schwelle getreten war, fiel die Tür mit einem lauten Krach ins Schloss, doch Mr. Cumwell blieb erstaunlich ruhig stehen. Der Raum war maximal so groß wie eine Zelle und fensterlos. Weißgetünchte Wände und sonst nichts.

Verwirrt drehte Adrian sich im Kreis. Doch Mr. Cumwells Stimme war klar und sachlich. "Erbitte Erlaubnis zum Apparieren. EPH-Transport 47085, Cumwell." Erstaunt schaute Adrian ihn an, doch der andere strich ausdruckslos sein Sakko glatt. "Wir apparieren seit-an-seit zum Ministerium, wo sich um Sie gekümmert werden wird. Etwas Ordentliches zu essen, ein Bad, das übliche eben." Er zuckte kurz mit den Schultern und Adrian blinzelte. "Und dann?", murmelte er, doch er kannte bereits die Antwort.
"Dann beginnt Ihr neues Leben", erwiderte Mr. Cumwell verschmitzt und wollte gerade dazu ansetzen, noch etwas zu sagen, als eine Stimme aus dem Nichts ertönte. "Erteilt."
Und ehe Adrian wusste, was geschah, legte sich eine Hand um seinen Arm und er wurde in den engen Tunnel gepresst, den er so gar nicht vermisst hatte.

Im Nachhinein musste er sich selbst eingestehen, dass er Askaban besser hätte nutzen können. Das Üben von kultivierten Gesprächen, das in den Kopf Rufen der Essensetiketten oder auch das ganz profane Aufbauen von Muskeln. Er hatte nichts davon vollkommen verloren, doch an letzterem musste er erst wieder arbeiten und den Rest sich in Erinnerung rufen. Was für sinnlose Tätigkeiten.

Seufzend lehnte er sich zurück und starrte ungeduldig an die gegenüberliegende Wand. Sechs Stunden hatte die Prozedur gedauert: Er war in einem Waschzimmer gewesen, wo sie ihm mit Seife und diversen Zaubern wieder zu sauberer Haut und weiß blitzenden Zähnen verholfen hatten. Hatte Unmengen an Essen verzehrt, die er nur mit Hilfe einiger Tränke in sich behalten hatte, und hatte sich schließlich neu einkleiden lassen. Weißes Hemd, schwarze Hose. Kein Umhang, keine Jacke. Noch nicht einmal ein Zauberstab. Auf seine Frage, wann er denn einen bekommen würde, hatten sie ihm nicht geantwortet.
Geräuschvoll ließ er die Finger knacksen und schloss die Augen. Zwischen allen Schritten hatte er warten müssen und er hatte die Zeit genutzt, um sich über das klar zu werden, was nun kommen würde. Die Welt stand ihm offen und er musste sie nur richtig nutzen. Er hatte noch nicht gewählt, welche Richtung er einschlagen würde, aber er wusste, dass er weitaus besser dran war, als jeder von ihnen, die da draußen lebten. Er wusste, wo er hinkam, wenn er es nicht schaffen würde, und hatte nun die Chance, von null zu starten.
"Mr. Pucey?" Er öffnete die Augen und eine Frau stand vor ihm, ähnlich klein wie Mr. Foster. "Bitte folgen Sie mir." Er stand auf und eilte ihr hinterher durch einen Gang, während sie eilig einige Dinge auf ein Klemmbrett schrieb. "Sie werden nun entlassen. In drei Tagen wird jemand vom Ministerium bei Ihnen vorbeischauen. Ich muss Sie vorwarnen, jegliche Ihrer Aktivitäten wird überwacht sein. Sollten Sie etwas tun, dass auch nur den Hauch eines Rückfalls erkennen lässt, wandern Sie sofort wieder zurück."
Sie blieb vor einer einfach schlichten Holztür, die den anderen in der Reihe bis auf die Maserung genau glich, stehen und wandte sich zu ihm herum. "Ich wünsche Ihnen viel Glück", fügte sie noch hinzu und stieß dann die Tür auf. Langsam ging er in den kleinen Steinraum, der nur dämmrig beleuchtete war und fühlte sich sofort an Askaban zurückerinnert. Doch als die Tür hinter ihm zuschlug, erkannte er, dass es seine Zelle nicht sein konnte. Dafür waren die Steine zu glatt, die Holzbank zu sauber und das Licht zu warm.

Sein Blick glitt durch den Raum und verharrte auf der Mitte der Bank. Seine Augenbrauen hoben sich ein Stück, doch er starrt die Frau, die dort saß, nur stumm an. Ihre Haare waren länger geworden und sie war ein kleines Stück gewachsen. Auf ihren Lippen lag ein feines Lächeln und als sie sich erhob, erstaunte er, mit welcher Eleganz sie es tat. War es nur eingeübt oder legte sie diese Grazie etwa den ganzen Tag dar? Sie war keine umwerfende Schönheit, doch sie hatte sich gemacht und das überraschte ihn.
Langsam schritt sie auf ihn zu und als sie vor ihm zum Stehen kam, wirkte ihre Haut im Licht beinahe elfenbeinfarben. Sie hob eine Hand und strich ihm damit langsam über die Wange, von der Schläfe bis hinunter zum Kinn. Er wusste nicht, was er sagen sollte, starrte sie einfach nur an und schwankte zwischen Erleichterung und Fassungslosigkeit. Sie als Partnerin zu haben war sowohl gut als auch katastrophal für ihn in Anbetracht ihrer Vergangenheit.

"Ich habe dich besser in Erinnerung, Adrian Pucey", murmelte sie leise und ließ ihr Fingerspitzen an seinem Gesicht verweilen. Ihre Stimme war weich und ein müdes Lächeln schob sich auf sein Gesicht. Sie war so anders, als sie sich gab. Er schaut ihr in die Augen und Erinnerungen schossen in ihm hoch. Er verdrängte sie und antwortete ihr mit der samtweichen Stimme einer Raubkatze: "Ich dich auch, Tracey Davis."

Der Novembermorgen war kalt, als Alicia erneut in das Ministerium stürmte wie vor eine Woche. Inzwischen saß sie in einem neutralen, warm beleuchteten Raum und wartete auf Montague. Ihre Jacke so wie ein Schal und dicke Handschuhe lagen neben ihr, während ihr Zauberstab in ihrer Hand ruhte. Zwar hatten die Mitarbeiter ihr erzählt, dass er keinen bei sich tragen würde, doch sie würde von Anfang an klar machen, wer hier das Sagen hatte.
Fahrig fuhr sie sich durch die Haare und dachte an Katie, die Marcus bereits heute früh abgeholt hatte. Bis jetzt hatten sie noch nicht reden können, doch Alicia nahm sich fest vor, heute noch ein Wort mit ihr zu wechseln. Es wäre unerhört, sollten die beiden Männer bereits jetzt beginnen, ihr Leben so zu bestimmen. Alicia seufzte tief und starrte wieder die Wand gegenüber von ihr an. Keiner hatte sie darauf vorbereitete.

Vor diesem Termin hatte ihr Leben noch aus dem Stress als Reporterin und der unbestimmbaren Beziehung zu Oliver bestanden. Zwar waren sie nicht zusammen, keinesfalls, aber dennoch musste selbst Alicia zugeben, dass da irgendetwas war, was viel zu schwer einzugrenzen war. Ein anderes mal, stellte sie im Kopf klar und schob das Problem ganz schnell in die hinterste Ecke ihres Kopfes. Jetzt hatte sie erst einmal wichtigeres zu tun.
Im selben Moment sprang die Tür auf und ein große schwarze Silhouette betrat den Raum, die vom Flurlicht dahinter angestrahlt wurde. Keine Sekunde später flog die Tür aber wieder ins Schloss und Alicia konnte in das glattrasierte, ausdruckslose Gesicht von Graham Montague schauen. Seine Augen lagen in tiefen Höhlen und seine ganze Statur schien in sich zusammengeschrumpft zu sein. Nutzlos hingen seine Arme an den Seiten herab und seine Hände hielten nur ein paar Stücke Papier fest umklammert.

Als er sie erkannte, weiteten sich seine Augen leicht und ein spöttisches Grinsen legte sich auf Alicias Gesicht. "Na, Montague? Ähnlich überrascht wie ich? Ich hab hier nicht sonderlich Lust drauf, also stell ich zu Anfang mal ein paar Dinge klar: Ich habe das Sagen und den Zauberstab. Solltest du auch nur im geringsten versuchen, dich mir zu widersetzen, werde ich das ganze wohl mit letzterem lösen müssen. Halte dich an die Regeln und alles ist gut, mehr verlange ich gar nicht."
Er nickte stumm und streckte ihr dann plötzlich eine Hand entgegen. "Wir kennen uns ja aber ich würde gerne noch einmal anfangen: Ich bin Graham, dein neuer Partner", erklärte er neutral und beobachtete sie stumm.
Misstrauisch sah sie ihm entgegen, konnte aber nicht anders, als zumindest den Hauch von Mitleid für ihn zu empfinden. Er wirkte beinahe wieder wie ein kleiner Junge. Seufzend ergriff sie seine Hand, und schüttelte sie kurz. "Alicia, wie du weißt. Deine neue Partnerin", erwiderte sie und drehte sich dann herum zu der Bank, wo sie ihre Sachen zusammenklaubte. "Wir gehen jetzt erst mal zu mir nach Hause... zu uns nach Hause", korrigierte sie stockend und konnte sich ein Naserümpfen nicht verkneifen. "In drei Tagen kommt jemand vorbei, bis dahin würde ich sagen gehst du erst mal nicht vor dir Tür. Ich muss allerdings arbeiten, deswegen zeig ich dir gleich mal, wo alles steht. Aber ich sag dir eins", sie drehte sich um und hielt ihm den Zauberstab unter das Kinn, "sollte ich auch nur bemerken, dass du irgendetwas Falsches tust, landest du wieder in Askaban."

Sie hob noch einmal kurz die Augenbrauen und drehte sich dann wortlos um. Stumm schritt sie durch den Raum auf eine andere Tür zu und riss diese auf. Gerade wollte sie hindurch treten, als sie bemerkte, dass er ihr nicht folgte. Verwirrt drehte sie sich um und schaute ihn auffordernd an. "Kommst du oder willst du warten, bis die Dementoren dich holen?", fragte sie und er musste müde lächeln, höchstwahrscheinlich wegen des bekannten Kinderspruchs. Einmal zuckte er noch mit den Achseln, dann schritt er zu ihr und steckte im Laufen die zusammengefalteten Papiere in die hintere Hosentasche. "Wir können", murmelte er und Alicia verdrehte die Augen. Wenn sie nun wegen dieser sinnlosen Verzögerung schon wieder in einer Schlange an den Kaminen enden würde, würde sie direkt mal nachfragen, ob man ihn nicht auch für so etwas zurück nach Askaban schicken konnte.