Kumo ließ sich mehr als genug Zeit zum Wachwerden, da sie die halbe Nacht ihren Manga gelesen hatte, er war wirklich spannend. Jetzt war sie dabei, die letzten Seiten überhaupt zu lesen. Als der Wecker klingelte, zog sie sich an, legte den Manga auf den Stapel und ging nach unten. Auch die anderen Bewohner des Hauses ‚Mond' waren dort versammelt, um gemeinsam ins Schulgebäude zu gehen. Kumo sah sich um, weder Takuma noch Sanae und Kaname Kuran hielten sich dort auf. „Sei´s drum", dachte Kumo sich und trat in das Licht der untergehenden Sonne. Die Schülerinnen und Schüler der Day Class konnte sie schon hören. Yuki und Zero, beide Vertrauensschüler, standen schon am Tor und Yuki winkte ihr zu, während Zero sie so komisch feindlich ansah. Warum eigentlich? Ach ja, er war ja Vampire Hunter. Trotzdem, Feinseligkeit an der Cross Academy! Kopfschüttelnd ging sie zu ihnen. Nachdem sie und die anderen Schülerinnen und Schüler der Night Class durch die tosende Menge Day Class Schüler eskortiert wurden, konnte der erste Schultag für Kumo beginnen – und zwar ohne komische Visionen!
Als der Unterricht zu Ende war, beeilte sich Kumo in ihr Zimmer zu kommen, denn sie wollte Takuma noch den Manga zurückgeben. Obwohl sie ihn lieber behalten hätte… Als sie mit 19 Bänden Manga zu Takumas Zimmer schlurfte, dachte sie über das Gespräch vom gestrigen Abend nach. Hatte sie wirklich versucht, Takuma zu töten? Vor seinem Zimmer angekommen, stoppte sie: Die Tür stand offen und was sie da sah, schockierte sie zutiefst. Sie merkte nicht einmal, dass sie die Mangas fallen ließ. Sie sah mit an, wie Takuma Sanae küsste. Als sie bemerkte, dass sie von den Beiden verdutzt angestarrt wurde, rannte sie in ihr Zimmer und verriegelte die Tür. Sie hatte Takuma und Sanae auf frischer Tat ertappt, aber sie wusste, dass sie das nichts angehen würde. „Oh mann, eine verbotene Liebe, das ist ja sooo spannend! 3", frohlockte Kumo . Dann ließ sie wieder die vernünftige Kumo durchblicken und versprach sich, sie würde nicht die Nase in die Sachen Anderer stecken. Es klopfte. Sanae trat ein. Sie sah ernst aus – wie immer zwar – aber noch einen Tick ernsthafter. Sie fing an zu sprechen: „Ich weiß, du hast etwas gesehen, aber es ist nicht das, wonach es aussieht, ok?" „…ok…?", antwortete Kumo zögernd. Mit einem kurzen Nicken verabschiedete Sanae sich und schloss die Tür hinter sich. Etwas brachte Kumo zum Stocken: Hatte sie die Tür nicht abgeschlossen?! Wie konnte Sanae also hier hereinkommen? Was erwartest du, sie ist eine der gefürchtetsten Reinblüter überhaupt! Bevor sie sich hinlegte und einschlief, dachte sie an Shiki. Sie wollte alles tun, damit Rido seinen Körper verlässt. Wirklich Alles.
Dunkelheit umfing sie. Sie hörte eine Stimme, die ihren Namen rief. Erst ganz schwach, dann immer lauter werdend. Genau in dem Moment, in dem sie Shikis Stimme erkannte, wurde ihr Blick auf ein Häuserdach freigegeben. Da standen Sanae und Takuma, auch Rido Kuran und Ichio, Takumas Großvater. Sie alle lachten. Kumo hatte das Gefühl, sie würden SIE auslachen, aber dann entdeckte sie einen Körper, auf den Rido zeigte. Es war Senri. Er hatte viele große Wunden und in Windeseile breitete sich eine Blutpfütze um ihn aus. Als sie zu ihm rennen wollte, merkte sie, dass sie durch eine ihr unbekannte Macht dort gehalten wurde und plötzlich wollte sie nicht mehr zu ihm hin, sondern von ihm weg laufen, so sehr schmerzte sie der Anblick. Ihre Augen füllten sich mit Tränen und im Traum wie auch in der realen Welt rannen ihr die Tränen über die Wangen. Dann umfing Dunkelheit sie wieder und sie glaubte, zu spüren, wie jemand ihre Tränen wegwischte.
Er saß schon eine ganze Weile dort. Seit sie eingeschlafen war. Er spürte, wie ein Ruck durch sie ging und sie wimmerte. Er war es auch, der ihre Tränen wegwischte. Dann öffnete er das Fenster.
Kumo schreckte hoch. Eine warme Stelle. Neben ihr auf dem Bett war eine warme Stelle und ein Abdruck. Indizien dafür, dass dort jemand gesessen hatte, während sie geschlafen hatte. Sie spürte einen kühlen Luftzug und schaute sich um. Die Vorhänge vor ihrer ‚Ecke' blähten sich auf und sie stand auf, um das Fenster zu schließen. Das Sonnenlicht war grell und sie jammerte: „Das blendeeet!" Als sie mit ihrer Hand ihr Gesicht streifte, zuckte sie zusammen. Sie sah ihre Hand entgeistert an: Sie war nass! Hatte sie im Schlaf geweint? Wahrscheinlich! Sie war zu müde, um nachzudenken und so legte sie sich wieder hin und schlief weiter.
