2. Mein Tag

Morgens halb neun in New York. Ein ganz normaler Arbeitstag beginnt. Nun gut, zumindest beginnt er mit Arbeit, enden sollte er aber sicherlich nicht damit.

Mein morgendliches Ritual läuft eigentlich immer gleich ab. Wenn ich allein Zuhause bin, geht mein erster Gang zur Haustür um meine Tageszeitung zu bekommen. So unglaublich das auch klingen mag, ich habe fünf verschiedene Zeitungen und das aus Überzeugung.

Mit den Zeitungen unterm Arm geht es dann in die Küche. Zur Verwunderung vieler Leute, bin ich nicht der typische Kaffeetrinker. Ich habe nichts gegen eine gute Tasse Kaffee. Im Büro ist er mein Hauptgetränk, aber Zuhause bevorzuge ich eine heiße Tasse Tee.

Nein, ich bin kein Brite, schätze aber trotzdem den guten alten 'Earl Grey'.

Nachdem die morgendliche Lesestunde hinter mich gebracht ist, geht's ins Bad. Dauerzeiten von einer bis ein einhalb Stunden können durchaus vorkommen. Man will ja schließlich gut und gepflegt aussehen. Von nichts kommt nichts. Auch wenn es sich bei mir um Kleinigkeiten handelt.

Mein Weg zur Arbeit wechselt sich nach meiner Laune. Entweder lasse ich mich in meiner Hauseigenen Limo fahren oder ich fahre selber in meinem Porsche. Porsche ist meine Marke. Es gibt kein Auto, welches mich mehr anspricht. Allein die aerodynamische Form fasziniert mich. Aber ich schweife ab, zurück zum Thema.

Sobald ich das Gebäude betrete, stehe ich auch schon im Rampenlicht. Von allen Seiten hört man ein "Guten Morgen, Mr. Huntzberger!" oder auch ein "Guten Morgen, Logan!".

Das Wichtigste in einem Betrieb, ist das Klima. Wenn sich alle gut verstehen, ist auch die Produktivität dementsprechend hoch. Dies ist wiederum eine Auffassung, die mein Vater nicht teilt. Er ist der harte und düstere Vorgesetzte. Sein Motto ist: Zucht und Haltung.

Aber auch wenn das jetzt übermäßig Diktatorisch klingen mag, ist er eigentlich nur halb so schlimm. Zumindest zu seinen Mitarbeitern. Familienmitglieder werden anders behandelt.

Wenn ich den Fahrstuhl im 30. Stock verlasse, bin ich auch schon in meinem kleinen persönlichen Reich angekommen. 'Hier bin ich König. Hier kann ich herrschen.'

Naja, auf jeden Fall sollte ich das.

Meine weniger attraktive, aber nicht minder sympathische, Sekretärin, Doris, steht üblicherweise schon mit einem Kaffee und den Terminen für den Tag bereit. Als ich in der Firma angefangen habe, hatte ich mir meine Sekretärin, bzw. Sekretärinnen selber ausgesucht. Aber nach der zehnten hat mein Vater mir eine verpasst. Die liebe Doris. Ihm war meine Sprunghaftigkeit wohl nicht besonders angenehm. Doch jetzt mal ehrlich. Was soll ich denn machen, wenn die jeweilige Sekretärin nach dem dritten Abendessen und anschließendem Besuch in meinem Penthause, meint wir hätten eine Beziehung? Was soll denn dann ein Mann machen? Eine platonische Arbeitsmoral ist in so einem Fall wohl nicht mehr gewährleistet, also muss man sich nach einer neuen umsehen.

Naja, Schwamm drüber! Die liebe Doris, in einem Alter von mindestens 50 Jahren, blond gefärbte kurze Dauerwelle, mit einer Größe von vielleicht gerade mal 1,55m und einem Modestile der ironischer Weise ohne weiteres mit dem von Doris Days jungen Jahren mithalten könnte, ist sehr fürsorglich und bemutternd. Wenn ich im Büro bin, mangelt es mir an nichts. So sollte es ja auch sein.

Die erste Amtshandlung findet dann in dem morgendlichem Meeting statt. Eine Sammlung der möglichen Storys wird durchgeführt und nach etwa 30 Minuten ist der ganze Spaß auch schon wieder vorbei.

Danach folgt langweiliger Papierkram, wobei es sich ja heute nur noch um Computerkram handelt. Später geht es dann zum Mittagessen. Dieses verbinde ich gerne mit Geschäftsessen. So hat man zwei Sachen auf einmal hinter sich gebracht. Der Chef ist satt und die Kunden zufrieden. Außerdem gehöre ich zu den Leuten, die absolut ungern allein essen.

Um drei Uhr findet dann das, für mich, letzte Meeting statt. Da muss dann noch mal richtig Druck gemacht werden, damit auch alles pünktlich heraus geht.

Wenn diese letzte Amtshandlung getan ist, ist mein vier- bis fünfstündiger Arbeitstag auch schon erledigt und ich kann mich den schönen Dingen des Lebens widmen.

Dies wiederum beginne ich öfters im Countryclub mit einer Partie Golf oder Tennis. Manchmal treffe ich mich aber auch mit Freunden zu einem auspowernden Basketballspiel, weniger elitär, aber mindestens genauso spaßig. Wenn ich allerdings unter Zeitmangel stehe, muss ein kurzer Durchgang im Fitnessstudio reichen.

Nach den sportlichen Aktivitäten, geht's dann erst mal nach Hause, wo dann entschieden wird, ob ich Lust auf ein Date hätte oder einfach nur mit den Jungs in den Pub gehe. Wobei Pub und Frauen nicht unbedingt unabhängig von einander sein müssen.

Die Jungs sind, wie schon zu Studentenzeiten, Colin und Finn. Colin ist der exzentrische, egoistische, reiche Snob. Finn ist auch exzentrisch, aber nicht egoistisch. Viele die ihn kennen gelernt haben, konnten nicht verstehen, wie er es auf eine Universität wie Yale geschafft hat. Ich allerdings auch nicht!

Beide sind, wie ich, Junggesellen, wobei sie auf der Suche nach der richtigen Frau für sich sind. Ich würde das mal so sagen: Auch ein dummes Huhn, findet mal ein Ei.

Damit will ich sie selbstverständlich nicht hinter den Scheffel stellen. Sie sind meine besten Freunde und wir haben schon so manchen Wahnsinn durchlebt, aber ihre Suche nach der Richtigen, kann ich nicht nachvollziehen. Warum diese Freiheit aufgeben? Im Leben eines Mannes gibt es nichts wertvolleres, als die Freiheit. Viele Ehemänner würden mir da Recht geben.

Den Tag, bzw. den Abend oder die Nacht, lasse ich dann immer Zuhause, mit einem Scotch, ausklingen.

Ein Mann, sein Scotch und die Ruhe in seinen eigenen vier Wänden. Was kann man mehr wollen?