Hallo zusammen!
Hier ist das letzte Kapitel, dass Sirisa gepostet hatte. Ich freue mich Euch mitzuteilen, dass es bald weitergehen wird. Ich übermittel selbstverständlich eure Reviews und stelle Sirisas Antworten hier ein.
Nochmal zur Klarstellung: Diese Geschichte ist nicht von mir sondern von Sirisa, die aus persönlichen Gründen nicht weiterschreiben wollte, nun aber doch den ganz Treuen von Euch den Ausgang der Geschichte nicht vorenthalten will.
Wer sich jedoch an ihr rasantes Schreibtempo vom letzten Jahr erinnert und auf tägliche Fortsetzungen hofft, den muß ich leider enttäuschen. Es gibt Dinge in Sirisas Leben die momentan Priorität haben und das ist gut so!!!!!!!!!
Ich wünsche ihr alles Glück der Welt und sie möge mir verzeihen, dass ich an dieser Stelle eine Passage aus ihrem persönlichen Nachwort zum zweiten Teil zitiere:
Ihr Lieben!!!!!!!
Hört nicht auf zu träumen und zu hoffen!!!!!!
Liebe Sirisa, bitte höre auf Deine eigenen Worte und erlaube Dir selber das Träumen wieder!!!!!!!!
Deine Alikema
5. Auferstehung
An dem Tag, als Ginas Sarg mit der fliegenden Kutsche nach Gambia überführt worden war, da brannte die Sonne so heiß vom afrikanischen Himmel, dass selbst die Eingeborenen ihre Hütten zum Schutz vor der sengenden Hitze aufgesucht hatten.
Deshalb verschwendete Waida keine Zeit mit aufwendigen Begräbniszeremonien, sondern überantwortete Ginas Körper der kühlen Erde eines tiefen Grabes, nahe dem Dorf wo sie gelebt hatte.
Abgedeckt von einer schlichten Granitplatte, umgeben von schattenspendenden Dornenbüschen fand sie ihre letzte Ruhestätte im Schoße des Landes, das ihr seinerzeit Asyl, Obdach und inneren Frieden gewährt hatte.
Ein metallisches Geräusch , verursacht durch eine Spitzhacke die auf den Zinksarg stieß, entlockte Waida einen kleinen aber besorgten Schrei und etwas ungehalten zog sie den jungen Totengräber am Oberarm aus dem fast gänzlich ausgehobenen Grab, ließ es sich nicht nehmen selber in die Grube zu steigen um vorsichtig mit den bloßen Händen den Sarg von den letzten harten und trockenen Erdbrocken zu befreien.
Ungeduldig befahl sie, Stricke an den Griffen zu befestigen und verfolgte mit besorgt zusammengezogenen Augenbrauen, wie ihre Handlanger dann umsichtig den Sarg aus dem Grab hoben. Rasch brachten ihn vier starke Männer in Waidas Hütte. Das wenige Mobiliar das sie besaß hatte sie kurzerhand nach draußen geschoben. Für ihr Vorhaben brauchte sie Platz, viel Platz, denn das Ritual, welches sie durchzuführen gedachte, konnte nur gelingen, wenn neben ihr noch sechs weitere Voodoopriester anwesend sein würden.
Doch zuvor musste sie sich vergewissern, dass sie mit ihrer Vermutung richtig gelegen hatte und sie Ginas Leichnam unversehrt und unverwest vorfinden würde.
Der Voodoozauber des schwarzen Kontinents ist in vielerlei Hinsicht machtvoller, als das Zauberstabgeschwenke der europäischen Magier. Diese können zwar mit einem Fingerschnipps einen Elefanten fliegen lassen, aus einer Katze einen Teekessel machen und umgekehrt, doch an der Unumstößlichkeit des Todes, da können selbst sie nichts ändern.
Die Voodoopriester hingeben fingen dort an, wo die europäischen Zauberer aufhörten. Wenn sie auch nicht die absolute Macht über Leben und Tod hatten, so vermochten sie doch das eine oder andere Geschick in Bahnen zu lenken, die dann der Ewigkeit die Zeit abtrotzten.
Andächtig löste Waida nacheinander die sechs Sargschrauben und bei jeder Umdrehung die ihre feisten Hände ausführten, wünschte sie sich, dass sie Ginas Körper in dem Zustand vorfinden würde, der ihren Plan gelingen ließe.
Als auf ihr Geheiß hin der Deckel des Totenschreins von ihren Helfern entfernt wurde, da schloss selbst die mächtige Waida für einen Moment die Augen vor der unumstößlichen Wahrheit.
Nur ihre Nasenflügel bebten, zogen witternd und bang die Luft ein in Erwartung des süßlich beißendenden Verwesungsgeruches.
Doch nur der milde Duft der Wasserpflanzenblüten, herübergetragen von dem sanften Wind des sich neigenden Tages, kredenzte ihren Sinnen einen angenehmen Reiz und ließ sie ihre Augen wieder öffnen.
Ein puppenhaftes Gesicht, umgeben von Wogen aus blonden Locken, die in herrlich goldenem Kontrast zu den Laken aus schwarzem Totensamt standen, leuchtete ihr sacht entgegen.
Trotz ihres Alters und ihrer Erfahrung, machte Waidas Herz einige schnellere Schläge und freudige Erregung ließ sie die Tür ihrer Hütte aufstoßen und das halbe Dutzend der gänzlich in weiß gekleideten Männer hereinbitten.
Vierzehn Hände griffen nun nach Ginas Leichnam, hoben ihn aus ihrer Ruhestätte und legten ihn auf den blanken Lehmboden ab.
Mit einem scharfen Messer zerschnitt Waida Ginas Totengewand und zog die Stofffetzen von dem Körper, dessen nackte Haut in der ersten Dunkelheit der hereinbrechenden Nacht wie Elfenbein schimmerte.
Gina war einem Zauber und einem Gift erlegen, dass seinen Ursprung und seine Kraft aus der Essenz des Lebens hatte und nur Blut konnte sie ins Leben zurückholen, und wirklich sehr viel davon.
Dieses Mal jedoch würde kein Tier sein Blut opfern und mit seinem Leben für ein Ritual bezahlen müssen.
Waida hatte sich entschlossen, sich selber an die Grenze der Schattenwelt zu begeben um Ginas Geist in Empfang zu nehmen und in ihren Körper zurückzugeleiten.
Doch dazu musste sie sehr nah an die Schwelle treten, die zu überschreiten sie sich doch fürchtete.
Mit eben jenem scharfen Messer schnitt sie mit schnellem geübten Griff die Pulsader ihres linken Armes vom Handgelenk in Richtung Unterarm auf, tunlichst dabei bedacht nicht Sehnen und Muskulatur mehr zu verletzen als unbedingt nötig, was angesichts ihrer Leibesfülle und der üppigen Fettschicht, die ihre Knochen ummantelte, kein einfaches Unterfangen war.
Doch rot und heiß quoll in rhythmischen Stößen dann ihr Blut aus der langen Wunde, benetzte Ginas Körper, zeichnete eine nasse Spur des Lebens und des Todes auf ihre Haut, begleitet von stereotypen Gesängen der umstehenden Schergen.
Waida vergoss ihr Blut minutenlang, bis ihr schwarz wurde vor Augen und ihr mächtiger Körper taumelnd von zwei Priestern gestützt werden musste, die bei dem offensichtlichen Anzeichen ihre Schwäche mit sanftem Druck ihre Wunde zu schließen vermochten.
Unwirsch stieß sie jedoch ihre Helfer beiseite, denn das Ritual musste fortgesetzt werden noch bevor ihr vergossenes Blut wieder kalt wurde. Begleitet von leisem Gemurmel und Gesängen, vollführten ihre Hände die magischen Bewegungen auf Ginas Haut, die ihr heißes Blut in ihre Poren rieben, ihren elfenbeinfarbenen Körper mit der Farbe des Lebens zeichneten.
Nach und nach verschwanden Waidas Hände unter Ginas Haut, schienen eins zu werden mit ihrem Körper.
Auf Waidas Zeichen hin, ritzten sich auch die Umstehenden die Haut auf und zollten dem Ritual ebenfalls mit einigen Bluttropfen Tribut.
Immer schneller und hektischer wurden die Bewegungen der Priesterin, immer lauter und beschwörender ihr Singsang, bis sie plötzlich und unvermittelt ihre Hände aus dem Körper löste und euphorisch in die Höhe hielt. Gelber Eiter und grüne Gallenflüssigkeit klebte an ihrer dunklen Haut, doch Waidas breites Gesicht strahlte und ihre Zähne blitzen mit dem Weiß ihrer Augen zusammen in glücklicher Harmonie, denn der Mensch zu ihren Füßen hatte begonnen zu zittern.
Es war ein erstes Vibrieren der Muskeln, ausgelöst durch die Nerven, durch die ein schwacher elektrischer Strom floss und die Zellen zwang, ihre Arbeit wieder aufzunehmen.
Wie eine Kettenreaktion, einem mikroskopischen Feuerwerk gleich, sendeten sämtliche Reizleitungsorgane Informationen an ein Gehirn, das zwar unversehrt aber dennoch tot gewesen war und nun die Augen im Gegenzug mit Lichtblitzen beschoss, bis diese sich reflexartig öffneten, erstaunt und doch noch blind, da vom Licht der Fackeln geblendet.
Ginas Körper war starr, doch langsam spürte Waida die wiederkehrende Wärme unter ihren Händen, als sie ihr liebevoll das Haar aus der Stirn strich. Ihr Herz hatte wieder begonnen zu schlagen und pumpte schwerfällig die zähen Flüssigkeiten durch die Adern. In dem ersten verzweifelten Versuch Luft in ihre Lungen zu bekommen krümmte sich Gina auf dem kargen Lager langsam zusammen, als müsse sie ihre Muskeln für eine gewaltige Kraftanstrengung spannen. Ihr erster Atemzug entlockte dem ausgedörrten Mund einen kehligen Schrei, der in qualvollem Gurgeln wieder erstarb.
Unkontrolliert wirbelte ihr Kopf von rechts nach links und wieder zurück. Dabei begann Sie gelbliche Schaumflocken auszuhusten, die sich aus dem angestauten Sekret in ihren Bronchien gebildet hatten.
Mit jedem Atemzug schien sie an Leben und Kraft zuzunehmen aber ihre Muskeln bescherten ihr abscheuliche Schmerzen, die sie, obschon noch benommen, sehr deutlich fühlte.
Wie zur Abwehr ruderten ihre Arme und Beine durch die Luft und veranlassten Waida, die Extremitäten ihres Mündels fest zu umklammern und sie daran zu hindern, sich wie eine Schlange über den Boden zu winden.
Ihre Bewegungen wurden nur kurzfristig von dem qualvollen Erbrechen ihres Mageninhaltes gestoppt, der aus geronnenem Blut und Fetzen abgestorbenen Gewebes bestand.
Schnell glänzte Ginas Gesicht vor kaltem Schweiß doch war es zu diesem Zeitpunkt noch für niemanden ersichtlich, ob auch ihr Geist wirklich mit dem Leben in ihren Körper zurückgekehrt war.
Ihre Augen stierten noch blicklos in die Flammen der Fackeln, zeigten kein Erkennen als Waida ihr Gesicht nah an das ihrige brachte.
Wieder und wieder schüttelte sich Gina in Muskelkrämpfen, bäumte sich minutenlang in Höllenqualen auf, die ihr ihre wiederbelebten Zellen bescherten.
Nach einer schier endlosen Stunde wurde endlich ihre Atmung ruhiger. Der Duft von Weihrauch und anderen entzündeten Harzen füllte friedvoll die Hütte und umnebelte die Voodoopriester und die blonde Frau, die noch nackt und von den Anstrengungen ihrer Auferstehung gezeichnet völlig erschöpft am Boden lag.
Das erste heisere Wispern, dass von allen ersehnt und doch so plötzlich über ihre trockenen Lippen kam, ließ die Umstehenden erschauern.
„Bin ich zurück?" hauchte Gina.
Über Waidas rundes Gesicht liefen Tränen der Freude und der Rührung.
„Mais oui, meine Kleine, Du bist zurück!"
TBC!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
