Hallo zusammen!
Es hat etwas gedauert, (Sirisa ging es nicht sonderlich gut) aber hier habt ihr ein neues Kapitel. Lieber Gruß von Sirisa an alle.
Alikema
9. Misstrauen und Eifersucht
„Hauselfen sind doch praktisch!", dachte Hermine als sie ergeben einen großen Korb mit Schmutzwäsche vor den Kamin schob.
Früher hatte sie selber gewaschen. Der Blitzblank-und Bügelzauber, den sie natürlich beherrschte, machte die Wäsche zwar sauber und ordentlich, konnte den Geruch der frischen Luft jedoch nicht ersetzen. Nur wenn die Wäsche an der Sonne getrocknet wurde, trug sie den angenehmen Duft der umliegenden Ländereien in den Fasern.
Im letzten Drittel ihrer Schwangerschaft hatte sie diese Arbeit dann doch den Elfen übertragen.
Statt selber die schweren frischgewaschenen Kleidungsstücke auf Leinen hieven zu müssen, konnte sie nun entspannt am Kamin sitzen bleiben und ein Buch lesen.
Severus hatte sich wie immer in den letzten Monaten in sein Labor verkrochen, wo er abwechselnd in sein Weinglas oder das Feuer unter seinem Lieblingskessel stierte.
Hermine hatte keine Lust ihn dort aufzusuchen.
Ihre Gespräche, so sie denn noch stattfanden, ließen Tiefgang und Geist vermissen, beschäftigten sich mit den Trivialitäten des Alltages und dem Klatsch in Hogwarts.
Früher hatte sie ihm auch gern einfach nur staunend und still zugeschaut, wenn er tief in seiner Wissenschaft versunken, angetrieben durch seinen Forschergeist die unglaublichsten Ergebnisse zustande gebracht hatte. Triumphierend pflegte er ihr dann einen neuen Trank vors Gesicht zu halten. In diesen Momenten strahlte sein Gesicht vor Stolz und in seinen Augen tanzten Sterne. Seit Ginas Tod war dies anders geworden. Wenn er noch Zutaten in die Hand nahm, dann nur um sie ohne nachzudenken alten Rezepten folgend lieblos in den Kessel zu schmeißen, grad so, als pansche ein altes Weib vor sich hin.
Hermine hatte ihre Konsequenzen gezogen als sie feststellen musste, dass sie aus der Lektüre der alten Bücher mehr lernen konnte, als aus der Beobachtung eines frustrierten Tränkemeisters.
Dennoch nahm sie wehmütig seinen Winterumhang vom Kleiderhaken. Früher hatten sie auch so manchen stundenlangen Spaziergang gemacht.
Einsamkeit überkam Hermine. Ihr geliebter Mann war nur wenige Meter von ihr entfernt, einzig durch zwei Mauern von ihr getrennt.
Durch die Türen hätte sie gehen können, aber die Barrieren zu seinem Herzen erschienen ihr momentan nicht zu überwinden.
Aufseufzend presste sie ihr Gesicht in Severus Umhang, atmete den Geruch nach Kräutern ein. Bevor sie den Umhang in den Korb zu der anderen Schmutzwäsche legte, griff sie flüchtig in die Taschen, ob er nicht zufällig wieder einen vertrockneten Schlupfwurm vom Ufer des Sees mitgebracht und vergessen hatte. In der linken Tasche fand sie den abgestoßenen Schwanz eines Ringelsalamanders, in der Rechten nur eine zusammengeknüllte Papiertüte. Hermine hatte schon ausgeholt um diese ins Feuer zu schmeißen, als etwas in ihr sie innehalten ließ.
Ein kleiner Funken Misstrauen, ein leiser Zweifel gepaart mit ihrer typischen Neugierde und sie zog das Papier auseinander. „Connys Backstube" las sie da.
Hermine wurde schwindelig. Lag es an ihrem durch die Schwangerschaft gebeutelten Kreislauf oder lag es an der jähen Erkenntnis, dass Severus bei Conny gewesen sein musste.
Bislang hatte er sein Verhältnis zu ihr nie aufgeklärt, Hermine im Ungewissen gelassen und ihre mädchenhafte Eifersucht stets charmant wegzulachen verstanden.
Doch er hatte immer beteuert, er hätte keine Geheimnisse vor ihr, er würde ihr nichts verschweigen, was ihrer beider Leben anginge. Warum hatte er ihr verschwiegen, dass er Conny gesehen hatte? Was wollte er von ihr? Dass es ihm nur um die dummen Hoggiklümpchen dabei ging, das konnte er seiner Großmutter erzählen, aber nicht ihr, Hermine, seiner Frau!
Mit plötzlich eiskalt gewordenen Händen schmiss Hermine Snapes Umhang auf den Wäschekorb. Sie zitterte. Die Temperatur in den Räumen schien binnen Sekunden um mehrere Grade gefallen zu sein. Was wenn er sie mit dieser Conny betrog? Severus war so abweisend und arrogant in den letzten Wochen gewesen. Ihre Unpässlichkeiten hatte er stets mit einem säuerlichen Heben seiner Augenbrauen kommentiert und es dann auf sich beruhen lassen.
Hermine sank stöhnend auf die Couch im Erker. und nahm nur aus den Augenwinkeln war, dass ein Hauself den Wäschekorb blitzschnell durch den Kamin zog.
Ihre kleine Welt wankte und schlitterte nun schon eine ganze Weile, doch nun fühlte sie sich wie auf einer glitschigen Rampe, die von Minute zu Minute steiler wurde.
Verzweifelt suchte sie nach einer vernünftigen Erklärung, vielleicht war das alles ja ganz harmlos. Was wäre besser? Severus eine Szene machen, ihm die zusammengeknüllte Papiertüte an den Kopf zu werfen in Kombination mit wilden Vermutungen und Unterstellungen, oder den Mund zu halten und die weitere Entwicklung abzuwarten?
Hermine schreckte durch das Öffnen der Labortür aus ihren Gedanken. Severus schritt durch seine Bibliothek, verharrte an einem Regal und zog ein Buch heraus, schlug im Stehen eine Seite auf und schien angelegentlich zu lesen.
Hermines Faust ballte sich um die Hoggiklümpchentüte, ihr Herz raste in ihrer Brust.
„Nun?"
Ohne Hermine auch nur einen Blick zu schenken, blätterte Severus eine Seite um.
„Was nun?"
Hermine hoffte, dass ihr Mann nicht die Winzigkeit ihres Zitterns aus ihrer Stimme herauszuhören vermochte.
Severus schlug das Buch zu, stellte es sorgfältig ins Regal zurück und sah Hermine erstmalig richtig an.
Sie hatte die Arme über ihrem Bauch verschränkt, als gelte es das ungeborene Leben in ihr vor Snape zu schützen.
Severus schritt durch die Bibliothek und kam zum Erker, dabei sah er Hermine prüfend in die Augen. Sie hielt seinem Blick stand.
„Wenn ich dich ohne ein Buch in der Hand antreffe, so sagt mir das, dass dein in der Regel wacher Geist sich mit anderen Dingen beschäftig, für die es momentan kein Lehrbuch zu geben scheint. Du gehörst nicht zu den Menschen, die Kurzweil darin finden aus dem Fenster zu starren!"
Er stütze die Hände auf der Sessellehne auf und beugte sich etwas herab. Das Zucken um seinen linken Mundwinkel simulierte ein Lächeln.
Hermine löste die Verschränkung ihrer Arme und griff langsam aber mit Nachdruck zu dem Bücherstapel auf dem Tisch, nahm wahllos ein Buch, schlug es auf ohne dabei den Blick von Severus zu lassen. Dann hob sie das aufgeschlagene Buch immer höher, bis dass es wie ein Schild zwischen ihnen stand.
Severus bewegte sich nicht, sondern fixierte das Buch vor Hermines Gesicht, als könne er es mit seinem Blick durchbohren um in Hermines Geist einzudringen.
Er war bereit für eine Diskussion gewesen, doch Hermine wies ihn zurück und in seine Schranken. Wie unglaublich.
Er haderte einen Moment mit sich, war versucht sich umzudrehen und in sein Labor zurückkehren. Doch dann entschied er anders. Er wollte diese kalte Atmosphäre hier nicht, er erlaubte nicht, dass sich seine Frau ihm verschloss, wie sie es nun gerade überdeutlich demonstrierte.
Langsam gab er seine abwartende Position auf und ging um den Tisch herum, setzte sich neben Hermine, die stur ihr Gesicht hinter dem Buch versteckte. Es hatte Zeiten in ihrer Beziehung gegeben, wo sie allein durch ein schärferes Wort von Severus sofort nachgegeben hatte. Sie vertrug keine Disharmonie und wollte niemals weniger, als von ihm geliebt zu werden. Seit ihrer Trennung vor wenigen Monaten hatte ihr Selbstbewusstsein jedoch zugenommen. Sie verbat sich den blinden Kadavergehorsam, den sie ihrem Mann gegenüber bislang gelebt hatte. Dennoch schlug ihr Herz nun bis an den Hals, als ihr klar wurde, dass eine Auseinandersetzung nun unvermeidlich und unaufschiebbar war.
Sie wehrte sich nicht, als Snape ihr behutsam jedoch energisch das Buch mit der Linken aus der Hand nahm, und zeitgleich seine Rechte zärtlich Hermines Kinn umfasste um sie damit zu zwingen, seinen Blick zu erwidern.
Er registrierte Hermines trotzig vorgeschobene Unterlippe mit einem inneren Lächeln. Dieses kleine Zeichen ihrer Aufsässigkeit haftete an ihr, seit sie mit wild ruderndem Zeigefinger seinen Kerker in der ersten Klasse betreten hatte.
Sanft fuhr sein Daumen über ihren Mund, eine sinnliche Geste, mit der er Hermine seit ihrem fürchterlichen Streit nicht mehr bedacht hatte.
„Nun?"
Dieses Mal kleidete er das eine Wort in seine samtene, tiefe Stimme, wohlwissend um die Wirkung, die diese auf Hermine hatte. Diese jedoch schwieg noch verstockt, nagte auf ihrer Unterlippe und versuchte verzweifelt, seinem Blick zu entkommen.
Snape nahm unterdessen ihre Hand in seine Linke und entließ sie einen Moment aus seinen Augen, indem er auf ihre Faust herabsah und diese streichelte.
„Was ist mit dir, Du bist eiskalt!"
Besorgt fühlte er ihre Stirn.
„Ist dir nicht gut?"
Hermine zog ihren Kopf ablehnend zurück.
„Erstaunlich, dass dir das einmal auffällt!"
Snape nahm auch noch ihre andere Hand in seine.
Hermines Faust hielt immer noch die zusammengeknüllte Papiertüte umklammert.
„Was hast Du da?" Mit sanfter Gewalt löste Snape ihre Finger und betrachtete den Papierball mit offenkundigem Erstaunen.
„Hermine, sollte dies der Grund für deinen Unmut sein?"
Spöttisch strich er die Tüte glatt und hielt sie seiner Frau hin.
„Du hast natürlich Recht, ich sollte nicht soviel von diesem süßen Zeug knabbern, wohlmöglich nehme ich sonst noch deine Formen an!"
Versöhnlich streichelte er über Hermines prallen Bauch, obschon er sich dieser Spitze sehr wohl bewusst gewesen war. Amüsiert nahm er ihren empörten Schnaufer war und ließ nicht zu, dass sie sich aus ihrer halb liegenden, halb sitzenden Position erhob um sich von seinen Armen zu befreien.
„Was suchst Du bei dieser Conny?" fauchte Hermine aufgebracht und schmiss ihre Vorsätze sich nichts anmerken zu lassen über Bord.
„Die weltbesten Hoggiklümpchen, oder was dachtest du?", entgegnete Snape harmlos.
„Denkst Du ich vergnüge mich mit blutjungen Bäckerinnen während meine eigene hochschwangere Frau zuhause auf mich wartet?"
In seiner Stimme lag soviel Entrüstung, dass Hermine sich wegen ihres Misstrauens schämte.
„Aber du bist so... so abwesend, so abweisend. Du lässt mich nicht mehr an deinen Gedanken teilhaben, du beachtest mich kaum...!" Ihre Stimme brach ab und Hermine verfluchte den verdammten Kloß in ihrem Hals.
Als ihr Mann sie nun erneut in seine Arme zog, konnte sie sich nicht mehr wehren und erlag ihrer eigenen übermächtigen Sehnsucht nach seiner Wärme.
Stumm hielt er sie eine Weile fest, streichelte ihren Rücken und Hermine hoffte, dass er die Tränen nicht bemerkte, die sie lautlos an seiner Schulter weinte.
„Es gehen mir momentan sehr viele Dinge im Kopf herum, meine Liebe!", begann Snape nachdenklich.
„Ich kann mir augenblicklich noch kein Leben vorstellen, in dem ich nur Ehemann und Vater bin!"
Hermine versuchte sich erneut aus seinen Armen zu befreien, dieses Mal wehrte sie sich heftiger gegen Severus Umarmung und gegen ihre Emotionen.
„Dann sollten wir die Konsequenzen ziehen und uns endgültig trennen!" Ihre Stimme war heiser, ihre Augen in Erwartung seiner Antwort angstvoll aufgerissen.
Snape ließ wie unter einem elektrischen Schlag von ihr ab.
„Willst Du das?", fragte er sie vorwurfsvoll und sah wie ein gescholtenes Kind auf seine Hände herab.
Hermine zögerte mit ihrer Antwort, dann entgegnete sie fest: „Ich will mit keinem Mann zusammenleben, der mich nicht liebt und mich anlügt!"
Snape reichte ihr seine Hand. „Das brauchst Du nicht, mein Engel, aber ich brauche noch etwas Zeit um mich an den Gedanken zu gewöhnen. Habe nur etwas Geduld mit mir."
Zögernd legte Hermine ihre Hand in seine. „Du hast alle Zeit der Welt, aber bitte, sei ehrlich zu mir!", und nach einer kurzen Pause fügte sie noch leise hinzu: „Ich habe dich bereits einmal verloren und ich weiß nicht, ob ich es ein zweites Mal durchstehe. Bitte spiele nicht mit mir...mit uns!"
„Hermine, ich schwöre dir, du hast keinerlei Veranlassung für solche Befürchtungen. Vertraue mir einfach!" Und nach einer kleinen Pause fügte er noch ein zaghaftes „Bitte" hinzu und sah dabei so verloren aus, dass Hermine ihn spontan umarmte und ihr Gesicht an seinen Hals drückte.
„Ich liebe dich, Severus, ich liebe dich so sehr...!"
Sich ganz in seiner Umarmung verlierend entging ihr sein selbstgefälliger Blick, mit dem er auf ihren kastanienbraunen Lockenkopf herab sah.
tbc
