Kapitel 6
Am nächsten Morgen kletterte Hermione wie gerädert und viel zu spät aus ihrem Bett. Sie hatte bis zum frühen Morgen über die Ereignisse des gestrigen Tages und der Nacht gegrübelt und war dann endlich in einen kurzen, aber tiefen Schlaf gesunken, in dem sie ein intensiver Traum geplagt hatte; sie war aus Schusseligkeit völlig nackt zu Snapes Unterricht erschienen und hatte Strafpunkte dafür bekommen, dass ihre Brustwarzen dunkelgrün gewesen waren.
Dass heute keine Unterrichtsstunde bei Snape anstand, beruhigte sie nur geringfügig. Es konnte jederzeit passieren, dass sie ihn wegen irgendeiner Sache aufsuchen musste; ein Botengang, eine Gefälligkeit – und sie würde ihn auf jeden Fall bei den Mahlzeiten sehen …
Die Begegnungen im Speisesaal waren von der verabredeten Regel natürlich ausgenommen – sie galt ja allein für Snapes Räumlichkeiten – dennoch würde sie ihm dabei ins Gesicht sehen, seinen Blicken begegnen müssen. Ob er sich auch nur ansatzweise so dämlich dafür vorkam, dass er diese Strafe vorgeschlagen hatte, wie sie sich dafür schalt, darauf eingegangen zu sein? Sie bezweifelte es.
Hermione trat vor den Spiegel und ließ ihr Nachthemd einfach zu Boden gleiten, da sie aufgrund der Tatsache, dass das Frühstück bereits angefangen haben musste, allein im Zimmer war. Ihr Blick wanderte kritisch über ihren jungen Körper. Sie war schon immer froh darüber gewesen, im Vergleich zu ihren Mitschülerinnen eher „durchschnittlich" gebaut zu sein. Sie wollte für ihren Verstand bewundert werden, nicht für die Größe gewisser Attribute. Ihre durchaus vorhandene, aber eben nicht übertriebene Oberweite würde ihr - zumindest theoretisch – erlauben, auf einen BH zu verzichten, ohne dass es gleich obszön aussah. Vorausgesetzt, sie würde sich auf diese Sache überhaupt einlassen!
In ihren Gedanken war sie jeden einzelnen Moment der nächtlichen Begegnung noch einmal durchgegangen. Sie hatte sich mächtigst danebenbenommen, soviel war klar. Die Unterstellung, die sie vorgebracht hatte, war alleine schon ungeheuerlich. Noch schlimmer aber wurde alles natürlich durch die Art und Weise, wie sie Snape zur Rede hatte stellen wollen. Im Grunde war sie wie ein Racheengel in seine Gemächer gestürmt und hatte ihn aufs übelste beleidigt und beschimpft. Im Nachhinein konnte sie nicht fassen, dass sie sich so hatte gehen lassen. Natürlich war sie von den Spielchen um die Hauspunkte, das Snape in der letzten Zeit mit ihr getrieben hatte, aufgebracht und durcheinander gewesen, aber das war die denkbar schlechteste Entschuldigung. Es half nichts; im Grunde hatte sie sich ihm gegenüber so respektlos verhalten, dass er auf einen Schulverweis hätte bestehen können.
Dem stand allein seine Punktepolitik entgegen, die ihr immer harsch und ungerecht erschienen war, bis er ihr gestern erklärt hatte, worum es ihm tatsächlich ging. Ja, seine Gründe waren nachvollziehbar. Hermiones Haarspangen zu kritisieren, hätte jeder andere Schüler als Korinthenkackerei bezeichnet, aber sie hatte erkannt, dass es Snape dabei nicht um die lächerlichen Spangen, sondern eben um die Tatsache gegangen war, wie leichtfertig sie mit etwas so Wichtigem wie der Schulordnung hantierte. Sie konnte sich sogar noch daran erinnern, dass Harry versucht hatte, sie auf die Ergänzung hinzuweisen, aber sie hatte wieder einmal nicht zugehört, weil sie hinter seinem Bemühen die übliche Pottersche Desinformationskrankheit vermutet hatte. Hermione war zu sehr mit ihren Hausaufgaben beschäftigt gewesen, um einen Blick auf das Pergament zu werfen, dass sie lediglich für eine erneute Auflistung der wichtigsten Schulregeln als Erinnerung für die „vergesslicheren" Schüler gehalten hatte.
Snape hatte Recht. Sie konnte extrem arrogant sein, und ja, sie war eine Alles- und Besserwisserin. Es ging nicht um die Spangen; es ging darum, sich der Tatsache zu öffnen, dass sich auch eine Hermione Granger irren konnte. Natürlich war ihr die Erkenntnis nicht neu, aber niemand führte ihr diese immer wieder so konsequent vor Augen wie Snape. Hermione hatte stets vermutet, dass er sie damit nur quälen wollte; seit gestern aber war sie sich dessen nicht mehr sicher. Seine Ausführungen über Respekt und bestimmte andere Werte leuchteten ihr ein, und eigentlich gehörte sie ja zu jenen Schülerinnen, die sich viel lieber an die Regeln hielten, weil man damit einfach auf der sichereren Seite war. Erst ihr Umgang mit Harry und Ron hatte sie derart „verdorben". Natürlich musste man auch lernen, welche Regeln man brechen konnte und welche gebrochen werden mussten, wenn persönliche Freiheiten und noch wichtigere Dinge bedroht waren. Die Geschichte war voller Helden, die sich im richtigen Moment gegen geltendes Recht gestellt hatten und damit Schlimmeres verhindern konnten.
Und trotzdem hatte Snape Recht – ohne Regeln ging es nicht; der gesunde Mittelweg musste gefunden werden, und wenn Snape sich zum Ziel gesetzt hatte, derjenige zu sein, der den Schülern Achtung und Respekt beibrachte, dann war das sicher ein sehr ehrenhaftes Ziel; interessant war dabei nur, dass ihm wohl durchaus klar zu sein schien, wie hoffnungslos sein Unterfangen war. Es stimmte, echten Respekt hatte niemand vor ihm. Lag das nun an ihm selbst oder an der Art und Weise, wie auf Hogwarts rebellisches Verhalten belohnt wurde?
Hermione schüttelte den Kopf. Sie würde sich nicht dazu herablassen, die gleiche Schwarzweiß-Malerei wie Snape zu betreiben. Er hatte Recht, ja, aber man musste die Sache von zwei Seiten sehen. Es hatte ihr nicht nur geschadet, dass sie gelernt hatte, Lücken in Regeln zu suchen, wenn es nötig war.
Wie aber sollte sie nun mit dieser ganzen Geschichte umgehen? Warum reagierte sie darauf mit derart gemischten Gefühlen? Der Gedanke, Snapes Verliese ohne Unterwäsche zu betreten, erschien Hermione zugleich undenkbar und seltsam erregend; ihr war schleierhaft, warum ihr alleine schon die Vorstellung kleine Schauer über den Rücken jagte, diese massiven, kalten Steintreppen hinabzusteigen und dabei zu spüren, wie sich die kühle Luft unter ihrem Rock, zwischen ihren Beinen, einen Weg zu ihrer entblößten Scham suchte …
Hermione ertappte sich plötzlich dabei, dass ihre Brustwarzen hart geworden und ihre Hände wie von selbst zu jener Stelle gewandert waren, die sie sonst nur im Schutze ihrer Bettdecke auf diese Weise berührte. Verdammt, es hätte auch jemand hereinkommen können …
Diese ganze Angelegenheit brachte sie total durcheinander. Es war offensichtlich, dass sie sich von Snapes Gedankenspielerei alles andere als belästigt fühlte, dennoch kam es ihr absurd vor, es tatsächlich zu tun. Er hatte selbst gesagt, dass er nicht die Absicht hatte, sie zu kontrollieren. Egal, was sie tat, er würde nichts zu sehen bekommen, was er nicht jeden Tag zu sehen bekam. Sollte er doch in seiner Phantasie ein paar schmutzigen Gedanken nachgehen, das konnte sie ihm nach dem gestrigen Abend kaum vorwerfen.
Wenn sie darüber nachdachte, was, oder besser, wen sie schon alles in ihren eigenen nächtlichen Streichelaktionen vor Augen gehabt hatte, erschien ihr der Gedanke, dass Snape sich vielleicht einen runterholte, während er an sie dachte, schon fast als … schmeichelhaft. Seltsam, ihr war noch nie bewusst geworden, dass sie möglicherweise auf andere einen derart inspirierenden Einfluss haben könnte; jetzt, hier, vor diesem Spiegel, traf sie diese Erkenntnis wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Natürlich, es musste so sein … war ihr das unangenehm? Sie stellte fest, dass dem nicht so war, im Gegenteil – sie fühlte sich plötzlich ein ganzes Stück begehrenswerter als bei ihrem sonstigen Blick in den Spiegel.
Jetzt reiß´ dich zusammen, Hermione Granger. Sie seufzte, traf eine Entscheidung für die Vernunft und zog sich einen frischen Slip an. Ihrer Phantasie hatte sie an diesem Morgen bereits ausreichend nachgegeben; sollte sich Snape gefälligst um seine eigene kümmern.
Sie griff nach ihrem BH, hielt dann aber plötzlich inne. Ein Gedanke schoss durch ihren Kopf - sie hatte eine Idee.
Breit grinsend warf sie den BH wieder in die Schublade und ließ den weichen Stoff der Bluse über ihre nackte Haut gleiten, dann zog sie den Schulpullover darüber und betrachtete das Ergebnis kritisch. Es war zu erahnen, dass sie nichts drunter trug, vor allem für jemanden, der darauf achtete. Ihre Brüste wirkten runder und natürlicher, und ihre von der Aufregung harten Spitzen zeichneten sich im Moment noch deutlich ab.
Umso besser! Wenn Snape erst bemerkte, dass sie „obenrum" offensichtlich Ernst gemacht hatte, würde ihn die Unsicherheit darüber nicht mehr loslassen, ob sie vielleicht auch auf den Slip verzichtet hatte, oder eben nicht, nur um ihn zu ärgern ... was für eine interessante Vorstellung.
Sie wollen spielen, Professor? Gut, dann spielen wir. Überaus zufrieden mit sich und ihrer Entscheidung zog sie den Rest ihrer Schuluniform an, schnappte sich ihre Bücher und machte sich auf den Weg.
Das würde ein toller Tag werden …
