Do Over
Kapitel 6
Home for the Holidays
Sie hielten vor dem Haus von Jasper und Alice an und Edward half Bella, die Kinder aus dem Van zu heben. Er hielt Makennas Hand, als sie zur Eingangstür gingen. Ihm fielen einige Autos in der Auffahrt auf und er fragte sich, wer noch beim Abendessen anwesend sein würde.
„Fröhliche Weihnachten!", rief Alice, als sie die Haustüre aufwarf und auf die Knie fiel, um Makenna und Masen in eine feste Umarmung zu ziehen. „Wie geht es meiner liebsten Lieblingsnichte und meinem liebsten Lieblingsneffen auf der ganzen, weiten Welt?", fragte sie und küsste ihre Wangen.
Masen gluckste. „Tante Alice, wir sind doch deine einzigen Nichten und Neffen", wies er sie darauf hin.
„Tja, aber ihr seid trotzdem meine Lieblinge", sagte sie und drückte die beiden noch einmal. Sie lehnte sich zu Makenna und flüsterte eher laut: „Geh in die Küche. Dort könnten vielleicht ein paar Erdnussbutterkekse auf dich warten."
Die Kinder jubelten und liefen los in Richtung Küche. Bella rief ihnen nach: „Nur einen vor dem Abendessen!" Sie drehte sich zu Alice. „Du verwöhnst sie zu sehr, weißt du", sagte sie und umarmte ihre Schwägerin.
„Das Vorrecht der Lieblingstante", gab Alice zurück und drehte sich zu Edward. „Du siehst besser aus."
Edward lächelte ein wenig. „Fühle mich auch besser."
Alice trat einen Schritt von der Tür zurück. „Tja, kommt mal rein. Mom und Dad sind schon da ... und Charlie hat bereits die Fernbedienung unter Beschlag genommen", fügte sie mit einem Lachen hinzu.
Bella verdrehte die Augen. „Typisch."
„Oh, lass dem Mann die kleine Freude, Bella", antwortete Alice und die beiden verschränkten ihre Ellenbogen miteinander. „Es sind doch die Weihnachtsfeiertage. Lass ihm seinen Spaß."
Edward schlenderte hinter ihnen her, schloss leise die Tür und zog sich den Mantel aus. Er folgte Bellas Beispiel und hing ihn in einen Kleiderschrank vor dem Wohnzimmer, bevor sie in die Küche weitergingen. Jasper rührte etwas am Herd um und hatte eine zerknitterte Schürze um die Hüften gebunden. Edward bemerkte nun erstmals, dass sein Freund einen Ehering trug, genauso wie Alice. Er fragte sich, wie lang sie schon verheiratet waren.
„Hier riecht es traumhaft", sagte Bella, ging zu Jasper und küsste ihn auf die Wange. „Kann ich dir irgendwie helfen?"
Jasper wedelte sie beiseite. „Nein, alles unter Kontrolle. Geh und sag hallo zu Mom und Dad. Rosalie ist auch da", sagte er und schenkte Edward einen warnenden Blick. „Du solltest besser einen Sicherheitsabstand zu ihr einhalten."
Edward zog eine Grimasse. „Ja, sie ist nicht allzu glücklich mit mir." Er sah zu, wie Alice und Bella ins Wohnzimmer gingen. „Sie hat mich heut Morgen fast nicht ins Haus gelassen."
„Tja, du kannst ihr kaum die Schuld dafür geben", meinte Jasper. „Es ist ja nicht das erste Mal, Edward."
Edward seufzte schwer bei der Erinnerung daran, dass er Bella wohl häufig enttäuscht hatte. „Diesmal war es das letzte Mal", sagte er leise.
Jasper musterte ihn einen Augenblick lang. „Anscheinend hast du dich verändert", sagte er. „Ich kann es nicht genau sagen, aber ..." Er schüttelte den Kopf und regulierte die Temperatur der Herdplatte.
„Egal, Rose hat ihren neuen Freund mitgebracht, also wird sie sich anständig benehmen", sagte Jasper, zog den Kartoffelstampfer aus einer Schublade und machte sich über einen Kochtopf voll Kartoffeln her.
„Ihr neuer Freund?", wiederholte Edward. „Wer ist der Glückliche?"
„Emmett McCarty."
Edward verschluckte sich beinah. „Du machst wohl Witze!"
Jasper grinste. „Nö."
„Aber ... sie wird ihn bei lebendigem Leib verspeisen!"
Jasper lachte. „Das dachte ich auch, aber der Kerl kann schon für sich selbst einstehen. Und Rose mag ihn wirklich sehr. Es ist wirklich krank ... sie ist wie Wachs in seinen Händen."
„Wirklich? Rose?", spöttelte Edward.
Jasper fügte etwas Butter zu den Kartoffeln hinzu. „Du musst es mit eigenen Augen sehen." Er gab das Püree in eine Schüssel und stellte sie in den Herd, um alles warm zu halten. Edward beäugte ihn sorgsam.
„Jasper, kann ich dich was fragen?"
„Sicher", sagte er abgelenkt.
„Es wird sich ziemlich seltsam anhören", warnte Edward ihn.
Um Jaspers Augen bildeten sich kleine Fältchen, als er lächelte. Er wischte sich die Hände an einem Geschirrtuch ab und drehte sich um, um seinen Freund anzusehen. „Schieß los."
Edward holte tief Luft. „Warum hat Bella ihr Studium nicht abgeschlossen?"
Jasper sah ihn verwirrt an. „Was?"
„Sag's einfach, okay?", sagte Edward rasch. „Warum hat sie es nicht fertig gemacht?"
Jasper antwortete langsam. „Tja, du weißt, nachdem du bei der Times entlassen wurdest ..."
„Ich wurde entlassen?"
„Was ist los mit dir, Edward?", fragte Jasper vorsichtig.
„Bitte, Jasper, sag es mir einfach."
Jasper starrte Edward einen Moment lang komisch an. „Du warst Reporter für die Seattle Times. Bella hatte noch ungefähr ein Jahr, bis sie ihren Master bekommen hätte, aber du wurdest gefeuert ... Budgetkürzungen."
„Ich bin nie nach New York gegangen", murmelte Edward halb zu sich selbst.
„Nein", antwortete Jasper langsam. Er war noch immer wegen dieser Unterhaltung verwirrt. „Du hast das Praktikum abgelehnt, bevor du Bella geheiratet hast."
Er machte eine Pause, aber Edward nickte nur und deutete ihm fortzufahren.
„Du hast beschlossen, hierher zurückzukommen, um deine eigene Wochenzeitung zu gründen. Bella hatte schon ihr pädagogisches Diplom, weil sie als Vertretungslehrerin gearbeitet hatte, damit sich finanziell alles ausging. Sie bekam einen Job in der Grundschule hier in Forks und du hast mit der Weekly begonnen."
„Also hat sie das Schreiben aufgegeben?", fragte Edward.
„Edward, du weißt doch all das."
„Bitte, Jasper ... bitte", bettelte er.
Jasper seufzte, er war offenbar besorgt, dass sein Freund vielleicht den Verstand verloren hatte. „Sie hat ein paar Kurzgeschichten und Artikel für Zeitschriften veröffentlicht, aber dann wurde sie schwanger mit Masen, also musste sie das aufgeben", sagte er ihm. „Dann kam Makenna nach und du musstest so viel Zeit bei der Zeitung verbringen ... sie hatte keine Zeit, um wieder damit anzufangen."
Edwards Augen richteten sich auf die Türe, als er Bellas Gelächter aus dem Wohnzimmer hörte. „Hasst sie mich deswegen?"
Jasper lachte. „Bella hasst dich wegen gar nichts, Edward."
„Du hättest mich zum Narren halten können."
„Bella liebt dich", sagte Jasper mitfühlend und riss Edwards Aufmerksamkeit wieder an sich. „Aber es war zu viel, als sie hätte ertragen können."
„Was habe ich gemacht?", fragte er. Zuerst dachte Jasper, er sprach mit sich selbst, aber Edward richtete seine fragenden Augen wieder auf ihn. „Sag es mir, Jasper. Was habe ich ihr angetan? Hab ich ... hab ich sie betrogen?" Er konnte sich nicht vorstellen, dass er so etwas gemacht haben könnte, aber wenn er sich Bellas Reaktionen ansah, musste er diese Frage einfach stellen.
Jasper starrte ihn mit offenem Mund an. „Nein! Zumindest nicht mit einer Frau."
„Was soll das heißen?"
„Man kann einen Menschen auf viele Arten betrügen, Edward", meinte er. „Jedes Mal, wenn du deinen Job vor deine Familie gestellt hast ... jedes Mal, wenn du deinen Unmut wegen New York gezeigt hast ... jedes Mal, wenn du ihr hast spüren lassen, dass dein Leben nicht so verläuft wie geplant ..."
Edward hielt seine Hand hoch. „Ich hab verstanden."
Jasper schaltete den Herd ab und sie standen einen Moment lang in Stille da. „Verrätst du mir, was das alles sollte?", fragte er.
Edward rieb sich mit den Händen über das Gesicht. „Ich bin mir nicht ganz sicher", gab er zu. „Ich weiß nur, dass ich alles wieder gerade biegen muss. Ich ... ich brauche sie, Jasper."
„Da hast du wohl Recht", gluckste er.
„Also was soll ich tun? Wie kann ich das wieder hinbiegen?"
Jasper lächelte seinen Freund traurig an. „Ich habe keine großen Worte der Weisheit für dich, Mann", sagte er. „Ich fürchte, das musst du allein rausfinden."
Edward nickte. Langsam begann er das auch zu glauben.
„Hier, nimm das", sagte Jasper und reichte Edward einen Korb voll Gebäck. „Es ist Essenszeit."
Edward half Jasper, das Essen auf den Esstisch zu tragen, aber er wurde von einer vertrauten Person im Nebenzimmer abgelenkt. Er stellte den Korb hin und ging ins Wohnzimmer.
„Edward!" Seine Mutter Esme kam auf ihn zu und schloss ihn in eine feste Umarmung. „Fröhliche Weihnachten!"
Zu seiner Überraschung musste Edward einen Kloß in seinem Hals hinunterschlucken. Wie lang war es her, dass er das letzte Mal seine Mutter umarmt hatte? Ein Jahr? Das war, bevor er diesen Auftrag in Afghanistan bekommen hatte. Gott, das war fast zwei Jahre her.
„Fröhliche Weihnachten, Mom", brachte er schließlich hervor, bevor er sich umdrehte und seinen Vater umarmte. Er lächelte wegen dem vertrauten Geruch nach Pfeifenrauch und dem Aftershave seines Vaters. „Gut, dich zu sehen, Dad."
„Gleichfalls, Sohn." Carlisle Cullen zog sich zurück und klopfte ihm auf die Schulter. „Wie läuft's bei der Zeitung?"
„Ähm ... gut ... gut, glaube ich", stotterte Edward.
„Ich habe die Denkschrift über das Altersheim gelesen", sagte er mit einem stolzen Lächeln. „Das war ein tolles Stück Arbeit."
Edward lächelte. Er konnte immer darauf zählen, dass seine Eltern stolz auf ihn waren, egal was er getan hatte. „Danke. Äh ... Jasper sagte, es ist Essenszeit", kündigte er an und versuchte, die Aufmerksamkeit von ihm wegzulenken. Er war sich vollauf bewusst, dass Bella ihn von der anderen Seite des Zimmers aus beobachtete, wo sie neben Rosalie und einem riesigen Mann, Emmett McCarty, stand. Edward erinnerte sich an ihn als den Star des Football-Teams der Forks High, und er dachte, er hätte ein Stipendium für die UCLA bekommen.
„Hey, Emmett", sagte er und streckte seine Hand aus. „Schön, dich wieder mal zu sehen."
Emmett schüttelte seine Hand mit einem bellenden Lachen und schlug ihm herzhaft auf den Rücken. „Du sagst das, als würden wir uns nicht alle paar Tage mal sehen, Mann!"
„Oh." Edward lachte nervös und versuchte, seinen Fehltritt zu kaschieren. „Tja, trotzdem ist es schön, dich zu sehen ... weißt du ... als ... irgendwie als Teil der Familie." Er blickte bezeichnenderweise zu Rosalie und Emmett lachte wieder. Zu seiner Überraschung schaute Rosalie ihn nicht böse an. Eigentlich bemerkte sie ihn anscheinend gar nicht. Ihr ziemlich verträumter Blick war einzig und allein auf Emmett gerichtet.
„Tja, danke, Mann", antwortete Emmett mit einem Grinsen. „Also, nun lasst uns kräftig reinhaun. Ich bin am Verhungern!" Er zog Rosalie in seinen Arm und drückte ihr einen beiläufigen Kuss auf den Kopf, während die ganze Gruppe sich ins Speisezimmer begab. Rosalie glühte förmlich unter Emmetts Aufmerksamkeiten und Edward musste kämpfen, um nicht laut loszulachen.
Anscheinend war die Tigerdame endlich gebändigt worden.
Das Abendessen war eine laute Angelegenheit. Edward beobachtete zum größten Teil nur. Er hörte aufmerksam zu und erfuhr eine Menge. Zum Beispiel, dass Emmett Mechaniker war und eine eigene Werkstatt besaß, die nur wenige Straßen von Edwards Arbeitsplatz entfernt lag. Sein Vater arbeitete immer noch im Krankenhaus – er war der Chefarzt – und unterrichtete auch ein wenig. Seine Mutter arbeitete auf freiwilliger Basis für die Altenbetreuung und die Betreuung der Waisenkinder in der Stadt. Charlie Swan war stoisch wie immer und sprach nur ab und an, um jemanden um die Kartoffeln zu bitten. Seine Augen wurden aber weicher, wenn er seine Enkelkinder betrachtete, und Edward konnte sagen, dass sie ebenfalls verrückt nach ihm waren. Edward war sich noch immer nicht komplett im Klaren, was Jasper und Alice machten. Anscheinend betrieben sie irgendein Online-Geschäft mit Kunstgegenständen, aber es lief augenscheinlich ganz gut.
Edward nahm die Energie, die am Tisch herrschte, in sich auf, aß in Stille und sagte nur etwas, wenn er direkt gefragt wurde. Er lachte mit den anderen allerdings mit und freute sich an den Interaktionen dieser Menschen, die nun seine Familie waren.
Es war fast perfekt.
Außer die Tatsache, dass er die Anspannung spüren konnte, die neben ihm von Bella ausging ... Sie zuckte immer leicht zusammen, wenn ihr Arm versehentlich seinen streifte. Ihr Schmerz und ihre Verletztheit waren beinahe greifbar, und er fragte sich, warum niemand sonst im Zimmer es spüren konnte.
Oder vielleicht konnten sie es ja doch spüren. Vielleicht kaschierten sie es genauso wie er und versuchten, aus dieser unangenehmen Situation das Beste zu machen ... und seinen Kinder ein schönes Weihnachtsfest zu bieten.
Alice schnitt schließlich den Kürbiskuchen an und Edward blickte sich am Tisch um. Er lächelte Alice und Jasper an, die sich spaßhalber darum stritten, wie viel Schlagsahne auf jedes Stück Kuchen kommen sollte ... Rosalie und Emmett, die die Köpfe zusammengesteckt hatten und leise miteinander sprachen, während sie seinen Arm drückte ... Charlie, der sich erhitzt mit Masen darüber unterhielt, wer der beste Superheld war, Batman oder Superman. Am anderen Ende des Tisches lächelten seine Eltern Makenna an, während Esme ein wenig Kartoffelpüree vom Kinn seiner Tochter wischte. Und dann war da natürlich noch Bella.
Immer Bella.
Seine Gedanken kehrten zu der schwierigen Beziehung mit dieser Frau zurück, die nun seine Ehefrau war. Sein Lächeln verschwand.
Was sollte er nur tun?
Er sah hoch zu Alice, die ihm ein Stück Kuchen anbot, und reichte es Bella weiter. Seine Hand zitterte ein wenig, als sie ihm den Teller abnahm, aber sie kostete nichts.
Wie konnte er das wieder hinbiegen?
Jasper hatte ihm erzählt, dass er andere Sachen – alles, so wie es sich anhörte – vor Bella stellte. Er nahm an, er musste sich Stück für Stück aus dem Chaos, in das er sich gebracht hatte, wieder befreien. Er blickte sie aus dem Augenwinkel an, während sie in ihrem Kuchen herumstocherte.
Er musste ihr zeigen, dass sie ihm wichtig war ... dass sie ihm das Wichtigste auf der Welt war.
Er musste ihr Herz für sich gewinnen ... romantisch sein ... sie verführen. Bei diesem Gedanken spürte er, wie es in seiner Hose eng wurde, und er zog wegen dieser unangebrachten Reaktion eine Grimasse.
Offenbar musste das noch warten. Er konnte nicht bestreiten, dass er Bella begehrte. Er wollte sie so sehr. Ihr so nahe zu sein, war eine absolute Qual ... der Geruch ihres Haares ... die Wärme ihres Körpers.
Aber er durfte das jetzt auf keinen Fall vergeigen.
Er hatte sie bereits verloren, und er musste erst den Schmerz in ihrem Herzen mildern, bevor er überhaupt darüber nachdenken konnte, ihren Körper für sich zu haben.
Er betete nur, dass es nicht bereits zu spät war.
