Do Over

Kapitel 14

Deck the Halls


Alles lief gut.

So richtig gut.

Als Edward anlässlich Bellas Gedichtelesung nach Port Angeles fuhr, hatte er große Hoffnung, dass sich nach diesem Abend alles noch ein Stück weiter verbessern würde.

Er hatte wieder einmal die Kinder von der Schule und vom Kindergarten abgeholt und für sie und Alice, die kommen und auf sie aufpassen würde, ein frühes Abendessen zubereitet. Bella war direkt nach der Schule nach Port Angeles gefahren, und obwohl die letzte Stunde eigentlich nur eine Art Feier war, musste für die Lesung noch einiges vorbereitet werden.

„Bist du okay, Edward?", fragte Alice, als sie sah, wie er mit seiner Krawatte herumfummelte.

Ein verlegenes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Ich schätze, ich bin ein bisschen nervös."

Alice kam zu ihm herüber, richtete seine Krawatte und strich die Schultern seines Jacketts glatt. „Entspann dich. Es wird alles großartig laufen. Ich weiß, es bedeutet Bella sehr viel, dass du kommen wirst. Und ich habe da so eine Vermutung, dass du nicht länger auf unserer Couch schlafen musst", fügte sie hinzu.

Edward lächelte. „Glaubst du?"

Alice tätschelte ihm leicht die Wange. „Die letzten paar Wochen sind gut gelaufen, oder?"

„Ja", sagte Edward einfach. „Wir hatten eine tolle Zeit."

Und das war wahr. Er und Bella hatten immer mehr Zeit miteinander verbracht, sowohl mit, als auch ohne die Kinder. Nachdem Bella sich so über die Pizza in der Mittagspause gefreut hatte, begann er, ihr regelmäßig ein paar Mal die Woche etwas zum Mittagessen zu bringen. Er tat weiterhin alles, um zu Hause auszuhelfen, und obwohl er immer noch bei Alice und Jasper übernachtete, gab es immer mehr Abende, an denen er mit Bella vor dem Kamin kuschelte. Sie hatten noch nicht wieder Sex gehabt, aber zwischen ihnen wurde es definitiv immer heißer – und langsam bekam er das Gefühl, dass er derjenige war, der sich zurückhalten musste, nicht Bella.

Edward merkte, dass Sex für sie wohl keine große Sache war. Sie waren schließlich seit zehn Jahren verheiratet. Aber für Edward war es zehn Jahre her, seit er das letzte Mal mit Bella geschlafen hatte.

Das erzeugte natürlich jede Menge Druck.

Langsam bemerkte er aber auch Veränderungen bei Bella. Sie lächelte mehr und manchmal ertappte er sie dabei, wie sie leise vor sich hin summte, wenn sie in der Küche arbeitete oder Wäsche wegräumte. Anscheinend gefiel es ihr, auch für ihn kleine Dinge zu tun – zum Beispiel den Stuffed French Toast zuzubereiten, den er so liebte oder einen losen Knopf an seinem Lieblingshemd wieder anzunähen. Er hatte nämlich herausgefunden, dass er den Flanellstoff doch liebte. Er war einfach verdammt angenehm zu tragen.

Er bemerkte auch andere Veränderungen. Manchmal drehte er sich um und sah, dass Bella ihn gerade mit einem heißen Blick anstarrte. Sie errötete dann immer und drehte sich weg, aber Edward konnte die sehnsüchtige Liebkosung ihres Blickes regelrecht spüren. Er hatte sie natürlich auch selbst angestarrt. Bellas Körper rief nach ihm wie nichts anderes auf der Welt ... das war schon immer so gewesen. Und mit jedem Tag, der verging, spürte er die lodernde, heiße Anspannung, und er wusste, dass es bald so weit sein würde.

Heute Nacht.

Er glaubte ... Gott allein wusste, wie sehr er hoffte und betete, dass es heute Nacht so weit sein würde.

Ein Mann konnte auch nicht ewig warten.

„Edward?" Alices Stimme riss ihn aus seinen lasziven Gedanken. „Bist du noch da?" Sie lachte und wedelte mit einer Hand vor seinen verträumten Augen hin und her.

Edward grinste und lehnte sich zu der Wange seiner Schwester hinab. „Nicht mehr lange", sagte er gut gelaunt. „Ich muss gehen. Ich will nicht zu spät kommen."

xxx

Er kam etwa eine halbe Stunde zu früh in dem kleinen Restaurant an und musste lächeln, als er den Minivan entdeckte, der in der Nähe des Hintereingangs geparkt war. Er machte sich auf den Weg nach drinnen und suchte nach Bellas vertrautem Gesicht in der Masse. Er war ein wenig überrascht, dass so viele Leute zu dieser Lesung gekommen waren, aber er freute sich auch für Bella. Dies würde dafür sorgen, dass diese Veranstaltung noch großartiger für sie werden würde.

Er entdeckte sie schließlich vorne bei der Bühne mit ein paar Leuten, die vermutlich ihre Klassenkameraden waren. Er winkte ihr, als sie ihn endlich sah, und deutete auf einen Tisch, an den er sich setzen wollte. Er wollte sie nicht unterbrechen oder sie nervös machen, aber Bella lächelte, winkte aufgeregt und hüpfte quasi zu ihm, um ihn zu begrüßen.

„Du hast es geschafft", sagte sie atemlos.

Edward streckte eine Hand aus, um ihr das Haar spielerisch nach hinten zu schieben. „Ich hab dir doch gesagt, das lasse ich mir nicht entgehen."

Bella zögerte kurz, bevor sie ihre Arme um seinen Hals warf. „Danke, dass du gekommen bist." Edward legte seine Arme um ihre Hüfte, zog sie an sich und küsste ihren Hals.

„Gott, ich liebe dich", murmelte er leise.

Bella zog sich zurück, und ihre Augen funkelten. „Ich liebe dich auch." Sie biss sich schüchtern auf die Lippe. „Schau, ich wollte dich das eigentlich erst später fragen, aber warum nicht jetzt gleich?"

Edward griff nach oben und streichelte ihr die Wange. „Was ist denn?"

Bella sah nervös zur Seite. „Ich habe gedacht, vielleicht wäre es für dich an der Zeit, wieder nach Hause zu kommen", sagte sie mit gerötetem Gesicht. „Ich meine ... wenn du das willst."

Ihre Augen starrten den Boden an und Edwards Herz schmolz dahin. „An keinem anderen Ort dieser Welt würde ich lieber sein", antwortete er ihr ehrlich.

Bellas Kopf schoss hoch und ein sonniges Lächeln erstrahlte auf ihrem Gesicht. „Gut", sagte sie, „gut ... das ... das ist ..."

„Gut", sagte Edward mit einem schiefen Grinsen.

Bella lachte. „Ja." Sie sah über die Schulter. „Ich muss mich vorne zu meinen Kollegen setzen, aber anschließend könnten wir etwas essen? Ein bisschen feiern?"

„Das wäre toll", sagte Edward, bevor er sich zu ihr lehnte und sie sanft küsste. Er hätte beabsichtigt, sie sanft und keusch zu küssen, aber Bella hatte anscheinend andere Vorstellungen. Sie strich mit ihren Fingern durch sein Haar und zog ihn näher, als sie den Kuss vertiefte. Edwards Hände schlangen sich um ihre Hüfte, während ihre Zunge seinen Mund erkundete und sich sein Stöhnen mit ihrem eigenen mischte. Als sie ihn schließlich los ließ, waren sie beide außer Atem und erhitzt.

„Ich muss gehen", keuchte sie, bevor sie sich nochmals für einen Kuss zu ihm lehnte.

„Okay", brachte Edward hervor, bevor er sie wieder an sich zog.

„Guten Abend, Ladies und Gentlemen." Der Mann, der auf der Bühne vorne sprach, schaffte es endlich, die beiden auseinanderzureißen. Edward grinste, da Bella errötete. Sie drückte seine Hand, bevor sie zu ihrem Platz bei der Bühne zurückkehrte.

„Es ist eine ganz besondere Nacht hier in Rileys Restaurant", fuhr der Mann fort. „Heuer findet zum ersten Mal eine Lesung von Gedichten statt, und von der regen Besucherzahl kann ich sagen, dass dies auch nicht das letzte Mal gewesen sein wird."

Die Leute kicherten ein wenig, bevor er fortfuhr. „Ich würde Ihnen gerne den Mann vorstellen, der all das hier möglich gemacht hat, aber ich weiß, er braucht eigentlich nicht wirklich eine Vorstellung. Bitte heißen Sie mit mir den Bestseller-Autor der New York Times Willkommen, James McKay!"

Lauter Applaus ertönte, als ein großer, dünner Mann mit blondem, zu einem Zopf gebundenen Haar zum Mikrofon schritt. Er nickte in die Menge, offenbar war er die Schmeicheleien gewöhnt. Edward hatte keines seiner Bücher gelesen, aber er wusste, dass McKay ein erfolgreicher Autor war. Natürlich war Bella in Edwards Welt nochmal ein Stück erfolgreicher gewesen.

Nimm das, James McKay, dachte er mit einem kleinen Grinsen.

„Danke", sagte McKay endlich. „Danke für das herzliche Willkommen, und danke für euer Kommen, um diese aufstrebenden Autoren zu unterstützen." Er wedelte mit einer Hand in die Richtung, wo Bella saß, und der Applaus begann erneut.

Der Abend war zum größten Teil unterhaltsam. McKay sagte zu jedem der Schüler etwas, bevor sie auf die Bühne kamen und ihre Arbeit vorlasen. Einiges davon war sehr beeindruckend. Der Rest nicht so sehr.

Edward musste sein Lachen unterdrücken, als ein Mann mittleren Alters namens Tony ein ziemlich bildliches Gedicht vorlas, in dem es um die Vorzüge ging, wenn man eine dicke Frau liebte. Als er dann noch voll Sehnsucht erwähnte, dass sie „wie ein weiches Kissen" wäre und „mehr Spaß von hinten" bieten würde, musste Edward husten, um nicht in Gelächter auszubrechen. Er blickte sich im Raum um und sah, dass es mehreren Leuten so ging wie ihm.

Schließlich war Bella dran.

„Isabella Swan ist ein Rohdiamant", sagte McKay mit einem übertriebenen Blick in Bellas Richtung.

Dieser Blick war beinah ... liebevoll.

Edward versteifte sich, seine Augen verengten sich.

„Sie kam vor einem Monat zu einem Seminar von mir nach Portland, und ich wusste sofort, dass sie eine Gabe besitzt, die man fördern muss, damit sie wie eine Blume erblüht." McKay lächelte Bella an, die unter dem Lob errötete. Edward verkrampfte instinktiv seine Muskeln. Es war wie ein urzeitlicher Instinkt, das zu beschützen, was ihm gehörte.

Er wusste sofort, dass James McKay seine Frau wollte. Er verspürte eine Wut in sich aufsteigen wie noch nie zuvor, und er biss seine Zähne fest zusammen, da er befürchtete, dass ihm sonst noch ein echtes Knurren über die Lippen kommen könnte.

Er wandte seinen Blick von McKay ab und hörte seinem Gerede nicht länger zu. Er sah, dass Bella ihn mit Besorgnis in den Augen beobachtete.

Edward holte tief Luft. Dies war ein wichtiger Moment für Bella, und er würde ihn ihr nicht zerstören. Er zwang sich zu einem ermutigenden Lächeln und begann zu applaudieren, als McKay sie zum Mikrofon bat. Edward kämpfte darum, ruhig zu bleiben, als McKay Bella schnell umarmte, bevor er die Bühne verließ.

Er würde sich später um diesen Typen kümmern.

„Danke, James", sagte Bella leise und räusperte sich nervös. „Und danke euch allen, dass ihr gekommen seid. Dieses Gedicht heißt Das Licht und ich ... ich habe es für Edward geschrieben."

Edward zwinkerte überrascht und setzte sich auf seinem Stuhl gerader hin. Alle Gedanken an McKay waren vergessen, als Bella ihren Zettel aufklappte und zu lesen begann.

Unsere Liebe begann vor langer Zeit ... Sonnenstrahlen verwoben sich Schicht für Schicht

Alles war hell und neu und voll warmem, rosigen Licht

Wir lachten in der Hitze unserer Leidenschaft und unseres Lächelns

Zwei wurden eins ...

Zusammen gelebt ...

Zusammen geliebt.

Ihre Augen blickten kurz hoch, um seinen Blick einzufangen, und ein kleines Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Edward lächelte zurück, er war ganz fasziniert von ihr.

Aber allzu bald verdunkelte sich das Licht ... wir waren nur mehr unserer Schatten gewahr

Aus Dunkelheit erbaute sich eine Wand zwischen uns, vor Gleichgültigkeit und Nachlässigkeit starr

Und wir waren verloren.

Zwei wurden wieder zwei ...

Lebten getrennt ...

Und liebten?

Nein ... sie liebten nicht.

Waren nur getrennt.

Edward spürte einen Kloß im Hals, und er hörte, dass Bellas Stimme auch ein wenig zitterte, obwohl sie ihren Blick weiterhin starr auf ihren Zettel gerichtet hatte. Ihre Finger umklammerten den Zettel förmlich und sie musste tief Luft holen, bevor sie weiterlesen konnte.

Und doch ...

Die Wand, die Dunkelheit, war nicht undurchdringlich.

Ein Lichtstrahl schimmerte hindurch ... warm und glühend und rosig.

Das Licht zertrümmerte die Steine, zermahlte sie zu Staub.

Bis es nur noch die Intensität der hellen, heißen Strahlen blieb,

die auf meiner Haut glitzerten ... und in meinen Augen funkelten.

Sie blickte hoch, Tränen liefen ihr übers Gesicht und sie sah Edward in die Augen. Er war überrascht, als er merkte, dass seine Wangen ebenfalls nass waren. Sie lächelte triumphierend, als sie die letzte Zeile vorlas.

Und dieses Licht warst du.


Bella trat von der Bühne und wurde neben dem tosenden Applaus von ihren Klassenkameraden umarmt. Edward klatschte ebenfalls, als er sich ihr näherte. Er ignorierte die Menge, sein Blick war nur auf Bella gerichtet. Er blieb vor ihr stehen, streckte zögernd die Hand aus, dann zog er sie an sich.

„Mein Gott, Bella, das war unglaublich", murmelte er voll Ehrfurcht.

„Es hat dir wirklich gefallen?", fragte sie.

Edward ließ sie los, sodass er ihr in die Augen blicken konnte. „Es war wunderschön", sagte er aufrichtig. „Wirklich, Bella, es hat mir sehr gut gefallen."

„Hab ich dir doch gesagt", sagte James McKay mit einem breiten Grinsen und legte seinen Arm um Bellas schultern. Sie zuckte mit den Schultern herum, da sein Arm für sie unangenehm war, bis sein Arm wieder nach unten fiel. McKay hatte dies anscheinend nicht bemerkt und steckte seine Hand stattdessen in seine Hosentasche. „Du hast echtes Talent, Bella", sagte er. „Wenn du ein Manuskript hast, werde ich für dich ein Treffen mit meinem Verleger arrangieren."

„Wirklich?" Bellas Augen weiteten sich.

„Absolut", sagte er und legte seine Hände auf ihre Schultern, womit er Edward offensichtlich ausgrenzte. Edward stand dicht an ihrer Seite und hatte die Hände zu Fäusten geballt. „Ich glaube an dich, Bella", sagte McKay und drückte leicht ihre Schultern. Edwards Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen, als er die Bewegungen der Finger dieses Typen sah. Er wollte Bella diesen Augenblick wirklich nicht zerstören, aber er Kerl hatte soeben die Grenze überschritten.

„Danke, James", sagte Bella leise, bevor sie sich neben Edward stellte und ihren Arm um seine Hüfte legte. McKays Arme fielen wieder einmal nach unten und Edward musste ein selbstgefälliges Grinsen unterdrücken.

„Das ist mein Mann, Edward", sagte Bella. „Edward, darf ich dir James McKay vorstellen?"

„Ah, der berühmte Edward", sagte McKay mit einem wissenden Grinsen. „Hast sie beinah losgelassen, nicht wahr?", kicherte er, aber Edward erkannte das Blitzen in seinen Augen. Das Blitzen der Herausforderung. Das Blitzen als Warnung.

Beinah ist hier wohl das Schlüsselwort", sagte Edward spitz, während er dem Mann die Hand schüttelte. Er hatte seinen eigenen, warnenden Ausdruck in den Augen.

„Tja, ich muss mich unter die Menge mischen", sagte McKay und ignorierte die Herausforderung. „Bella, wirst du noch für ein paar Drinks hierbleiben?"

Sie schüttelte den Kopf. „Nein, Edward und ich werden etwas essen und dann nach Hause fahren. Wir müssen morgen früh los."

McKay nickte. „Nun gut. Wir bleiben in Kontakt", sagte er und drehte sich um, um zur Bar zu gehen.

„Dieser Kerl ist ein Arschloch", murmelte Edward, ohne nachzudenken.

„Edward." Bella verdrehte die Augen. „Er hat mir sehr geholfen."

„Da bin ich mir sicher."

„Was soll das heißen?"

Edward holte tief Luft. Er wollte dies jetzt wirklich nicht näher erörtern. „Nichts. Bestellen wir uns einfach etwas zu essen."

„Nein, tu das nicht, Edward", meinte Bella und zog ihn zu einem abgeschiedenen Tisch. „Wenn dich etwas stört, müssen wir darüber reden."

Edward beäugte sie sorgfältig. „Ich will nur nicht hier streiten."

„Wir müssen nicht streiten", meinte sie. „Wir können uns einfach darüber unterhalten."

Edward gluckste humorlos. „Da bin ich mir nicht ganz sicher."

Bella lächelte. „Versuchen wir es."

Edward überlegte es sich einen Moment lang, dann sagte er langsam: „Es geht um McKay. Der Typ denkt an mehr als nur an dein Schreibtalent."

Bella zwinkerte überrascht. „Das meinst du nicht ernst."

„Ich habe gesehen, wie er dich anstarrte, Bella. Er ist definitiv interessiert."

Bella errötete und ihre Stimme zitterte ein wenig. „Das ist ziemlich beleidigend, Edward."

„Beleidigend?" Das war definitiv nicht die Antwort, die Edward erwartet hätte. „Wie kann das beleidigend sein?"

Bella schaute ihn böse an. „Dass du denkst, James McKay könnte nur Interesse für meinen Körper haben. Dass er auf keinen Fall wirklich glaubt, ich wäre eine talentierte Schriftstellerin."

„Das habe ich doch nicht gesagt." Edward kämpfte um Beherrschung, damit er mit seiner Stimme leise blieb. „Du bist eine talentierte Schriftstellerin. Aber das ist nicht der Grund, warum er dich ständig anfassen will."

„Um Himmels Willen, Edward", stöhnte Bella. „Er ist doch nur freundlich."

„So nennt man es heutzutage?"

„Edward!"

„Nein, spiel das nicht runter, Bella", sagte Edward durch zusammengebissene Zähne. „Ich ziehe das nicht ins Lächerliche. Der Typ will dich und er hat deutlich gezeigt, dass er sich um dich bemühen wird."

„Wem hat er es deutlich gezeigt?", fragte Bella verwirrt.

„Mir."

Sie starrte Edward an, als ob ihm ein zweiter Kopf gewachsen wäre. „Wovon in aller Welt sprichst du bitte?"

„Du hast doch auch diese hast-sie-beinah-losgelassen-Metapher gehört", meinte er.

„Wirklich, Edward? Darum geht es also?", sagte Bella und schnappte nach Luft. „Glaubst du nicht, dass du vielleicht ein klitzekleines bisschen überreagierst?"

„Du brauchst mich nicht zu verspotten, Bella." Edward stand abrupt auf. „Schau, ich denke nicht, dass das hier der richtige Ort für diese Unterhaltung ist. Lass uns einfach gehen. Wir können auch zu Hause darüber sprechen."

Bella versteifte sich ein wenig. „Was, wenn ich noch nicht gehen will?"

Edward Schultern sackten nach unten. „Tja, so viel dazu, dass wir das ohne zu streiten klären könnten", murmelte er.

Bella stieß daraufhin schwer die Luft aus. „Es tut mir Leid. Es ist meine Schuld. Du wolltest nicht darüber reden und ich hab dich quasi dazu gezwungen."

„Ich habe dir aber auch nicht wirklich entgegengesprochen", gab Edward zu. „Der Kerl geht mir gewaltig wo hin."

Bella lachte ein wenig. „Schau, ich glaube noch immer, dass du überreagierst ..." Sie hielt ihre Hand hoch, als Edward den Mund öffnete, um ihr zu widersprechen, „... aber ich bin bereit, dir zuzuhören. Aber du hast Recht, das hier ist nicht der richtige Ort dafür. Was hältst du davon, wenn ich noch ein bisschen hier bleibe, mich von meinen Klassenkameraden verabschiede und etwas zum Essen mitbringe. Du kannst nach Hause fahren und Alice ablösen, und wenn ich nach Hause komme, können wir essen und uns wirklich unterhalten." Sie betonte dieses Wort und brachte Edward zum Lächeln.

„Hört sich gut an", sagte Edward, bevor er sich zu ihr beugte und sie küsste ... zuerst ganz sanft, aber als er sah, dass McKay in ihre Richtung blickte, konnte er nicht widerstehen und intensivierte den Kuss ein wenig. Er ließ Bella erstaunt und atemlos zurück und ging mit Schwung in seinem Schritt zurück zu seinem Wagen.

Er war schon fast in Forks, als sein Handy läutete.

Er erkannte die Nummer und hob schnell ab. „Bella?"

„Edward ... äh ... etwas ist passiert."

„Was ist denn? Geht's dir gut?" Er stellte den Wagen schnell am Straßenrand ab. „Stimmt etwas nicht mit deinem Wagen?"

„Nein, mit dem Wagen ist alles in Ordnung", antwortete sie. „Mir geht's gut ... es ist nur ..."

„Bella, was ist denn los?"

„Merk dir das, mir geht es gut", sagte sie wieder ernst. „Und Edward, bitte sag nicht ‚ich hab's dir ja gesagt'", fügte sie hinzu.

„Bella, was zur Hölle geht hier vor sich? Du machst mir Angst", sagte er außer sich.

„Ich bin in der Notaufnahme", sagte sie mit einem schweren Seufzen. „Mir geht es gut, aber ich glaube, ich habe mir die Hand gebrochen."

Edward wendete schnell seinen Wagen und trat das Gaspedal auf dem Highway durch, bevor er fragte: „Wie in aller Welt hast du dir die Hand gebrochen?"

Bella zögerte kurz, bevor sie wieder seufzte und antwortete: „Ich hab James McKay mit der Faust ins Gesicht geschlagen."