Do Over

Kapitel 16

Baby, It's Cold Outside


Am nächsten Morgen schien die Sonne, die Vögel sangen und das fröhliche Lachen der Kinder lag in der Luft.

Okay, nicht wirklich.

Wir waren schließlich in Forks. Es war bewölkt und es regnete. Die Vögel waren eindeutig abwesend, wahrscheinlich hatten sie sich unter den Büschen versteckt, damit sie trocken blieben. Und was die Kinder betraf, diese stritten gerade darüber, ob Spongebob in ihrer Badewanne überleben könnte oder nicht.

Und Edward? Ja, seine Welt bestand nur aus Sonnenschein und Regenbogen.

„Guten Morgen", sagte er mit einem Grinsen, als er in die Küche kam, schnappte Bella und beugte sie nach hinten, bevor er ihr einen langen Kuss auf die Lippen gab.

„Iiiiiiihhhhhh eklig!", beschwerte Masen sich. Alle Gedanken an Spongebob waren vergessen und er bedeckte seine Augen.

Edward konnte aber sehen, dass er lächelte, also küsste er Bella noch einmal als Zugabe, bevor er sie wieder auf die eigenen Beine stellte. Sie streichelte ihm über die Wange, bevor sie sich wieder zu dem Speck in der Pfanne drehte. Er legte seine Hände leicht an seine Lippen und stützte sein Kinn auf ihrer Schulter ab.

„Hunger?", fragte sie.

„Ich sterbe gleich vor Hunger", brummte er und knabberte an ihrer Wange, bis sie kicherte. Edward gluckste und drückte sie noch einmal an sich, bevor er sie losließ und um die Frühstücksbar herum ging, um sich zu den Kindern zu setzen. Masen hatte immer noch seine Augen mit seinen Händen bedeckt, also zog Edward sie ihm spielerisch weg.

„Alles erledigt", versicherte er seinem Sohn.

„Gut", antwortete Masen und verdrehte dramatisch seine Augen. Edward zerstrubbelte ihm das Haar und lehnte sich zu seiner Tochter, um ihr einen Kuss auf die Wange zu geben.

„Wie geht es dir heute Morgen, meine Hübsche?", fragte er.

Makenna lächelte lieb. „Gut, Daddy."

„Hey, ich hab eine Idee", sagte er, streckte seine Arme aus und zog sie auf seinen Schoß. Er schob ihren Teller voll Rührei und Toast zu ihr, sodass sie weiteressen konnte. „Wie wäre es, wenn ich heute Abend eine Pizza mitbringe und wir spielen den ganzen Abend lang einen Candy Land Companionship Marathon!"

„Ja!" Masen warf seine Faust in die Luft und Makenna hüpfte aufgeregt auf dem Schoß ihres Vaters herum. „Ich werde gewinnen!", rief der kleine Junge.

„Das glaube ich nicht", warnte Edward ihn. „Ich bin sehr gut im Candy Land."

„Daddy?" Makenna legte ihre Hände an Edwards Wangen und drehte das Gesicht ihres Vaters zu sich. „Kann ich rosa sein?"

„Rosa?"

„Der rosane Spieler", erklärte sie.

Edward nickte zwischen ihren Händen. „Sicher, Süße."

Masen wirbelte auf seinem Barhocker herum. „Es gibt keinen rosanen Spieler im Candy Land."

„Oh doch", sagte seine Schwester dickköpfig.

„Nö", sagte er und zog seine Beine hoch, damit er sich schneller drehen konnte. „Nur rot, blau, grün und gelb!"

„Daddy?" Makenna richtete ihre bittenden Augen auf ihn. Er sah hilfesuchend zu Bella, aber sie zuckte einfach die Schultern und rührte die Eier um.

„Äh ..." Edward suchte nach Worten, aber dann kam ihm eine Idee. „Ich bleibe beim Baumarkt stehen und hole ein bisschen Farbe, und dann machen wir einfach eine rosa Spielfigur", sagte er. Seine Brust schwoll an, da seine Tochter ihn voll Ehrfurcht ansah. Sie streckte Masen ihre Zunge raus, aber er bemerkte es gar nicht, weil er immer noch am Barhocker herumwirbelte.

Alles war gut.


„Ich muss wirklich gehen", sagte Edward. Seine Taten straften seine Worte Lügen, denn er presste Bella gegen die Haustür und hatte seine Lippen an ihren Hals gepresst. Er konnte hören, wie die Kids oben herumliefen und nach ihren Schuhen und Mänteln suchten, und er nützte die Chance, um sich ordentlich von seiner Frau zu verabschieden.

Sich wiederholt zu verabschieden.

„Ja, du solltest definitiv gehen", antwortete Bella atemlos. Ihre Finger glitten in sein Haar und sie zog seinen Kopf wieder hinab zu ihrem.

„Frühes Meeting", flüsterte er ihr in den Mund.

„Uh-huh." Bella vertiefte den Kuss. Ihre Hände fielen hinab zu seinen Hüften und zogen ihn an sie.

Oh Gott ... vielleicht sollte ich mich krank melden?", meinte Edward und strich mit seinem Daumen über ihre Brust. Sogar durch ihren dicken Pullover konnte er spüren, wie sie auf ihn reagierte.

„Mmmm ..."

„Wir könnten den ganzen Tag im Bett verbringen."

„Mommy, Masen sagt, Mädchen sind blöd!" Makennas wütendes Kreischen von der obersten Stufe aus ruinierte die Stimmung effektiv. Dennoch musste Edward angesichts dieser Unterbrechung lächeln. Er zog sich nach einem weiteren schnellen Kuss von Bella zurück, und die zwei Kinder kamen die Treppe herunter.

„Hab ich nicht!", erklärte Masen an seinen Vater gewandt. Offensichtlich hoffte er, dass ein weiterer Mann seine Sichtweise verstehen würde. „Ich sagte, Mädchen machen blöde Sachen", verdeutlichte er.

„Tja, Masen, war das nett von dir, so etwas zu sagen?", fragte Edward.

Masen verschränkte seine Arme vor der Brust. Er fühlte sich mangels männlicher Unterstützung von seinem Vater hintergangen. „Nein", murmelte er.

„Und es stimmt nicht wirklich, oder? Ich meine, manche Mädchen machen manchmal dumme Sachen, aber Jungs doch auch, oder?"

Masen schnaubte vor Verzweiflung. „Ja."

„Glaubst du nicht, dass so eine Meldung vielleicht die Gefühle deiner Schwester verletzen könnten ... oder sogar Mommys Gefühle?", meinte Edward.

Masen blickte schuldbewusst hoch zu seiner Mutter. „Das wollte ich nicht."

„Ich weiß, dass du das nicht wolltest." Edward strich seinem Sohn über den Kopf. „Aber vielleicht solltest du es wieder gutmachen?"

Masen musste schlucken. „Tut mir Leid." Er ging zu seiner Schwester und umarmte sie schnell, dann ging er zu seiner Mutter. Bella fiel auf die Knie, um die Wangen des kleinen Jungen zu küssen.

„Alles verziehen", sagte sie fröhlich. „Also, bist du bereit für die Schule?"

Die Familie verließ zusammen das Haus. Edward konnte von Bella noch einen Kuss ergattern, bevor er in seinen Wagen stieg. Er sah zu, wie Bella und die Kids im Minivan vor ihm fuhren, bis sie links zu Makennas Kindergarten abbogen und er weiter geradeaus zu seiner Zeitung fuhr.

Er fühlte sich in jeder Hinsicht ziemlich gut. Es war zwar alles neu, was es betraf, Ehemann und Vater zu sein, aber anscheinend holte er all das Versäumte schnell auf. Edward pfiff fröhlich durch die Zähne, als er sich vor seinem Büro einparkte, und winkte Shelly auf dem Weg in den kleinen Konferenzraum neben seinem Büro zu, wo er sich jeden Morgen mit seinen Mitarbeitern traf. Nach einem Brainstorming, in dem Ideen für die nächste Ausgabe gesammelt wurden, machten Edward und Ben die grobe Einteilung der Themen und reichten sie Shelly weiter, damit sie diese auf der Tafel niederschreiben konnte.

In seiner Mittagspause saß er verträumt an seinem Schreibtisch und suchte im Internet nach Ideen für den Valentinstag. Nichts zu aufwendiges – das hatte er bereits verinnerlicht – aber er wollte definitiv, dass dies ein besonderer Valentinstag für Bella wird. Er hatte noch ein paar Wochen Zeit, aber Edward war aufgeregt und wollte dies nicht bis zur letzten Minute aufschieben.

Sie könnten vielleicht in The Lodge zu Abend essen. Das Essen dort war wirklich ziemlich gut ... und dann vielleicht die Küste entlang fahren und den Wellen zusehen, wie sie auf den Strand trafen.

Oder vielleicht ein Picknick? Sie könnten zur First Beach fahren – oder vielleicht auf diese Lichtung, auf der sie als Teenager immer gewesen waren. Edward lächelte, als er sich daran erinnerte, wie er Bella das erste Mal geküsst hatte. Sie waren mit einigen Freunden aus der Schule abgehauen, tranken gemeinsam auf der Lichtung eine Flasche Apfelwein und kuschelten sich unter schweren Decken an einander. Er hatte sich zu ihr gedreht und ihr mit einem Arm seine Hälfte der Decke angeboten. Als sie es sich neben ihm gemütlich gemacht hatte, konnte er nicht widerstehen, lehne sich zu ihr und küsste sie sanft.

Sie lächelte zu ihm hoch und in dem Moment wusste er, dass sein Herz ihr gehörte.

Die Lichtung war definitiv eine gute Idee. Aber diesmal kein Apfelwein. Er konnte sich eine halbwegs anständige Flasche Schampus leisten – und vielleicht auch ein Zelt und einen Heizstrahler, damit sie es warm hatten? Er musste sich das noch genauer überlegen.

Leider hatte er am restlichen Nachmittag viel zu tun, sodass er keine Zeit hatte, sich nähere Details zu überlegen. Er erinnerte sich daran, eine Pizza zu bestellen, bevor er das Büro verließ. Bella traf sich nach der Schule noch zu einer Besprechung mit einigen Eltern, und bis sie die Kinder geholt und nach Hause gebracht hatte, wollte er schon den Tisch gedeckt und das Spiel vorbereitet haben.

Er wollte gerade zur Tür hinaus gehen, als Shelly einen kreischender Anruf entgegen nahm. Sie drehte die Lautstärke zurück, hörte aufmerksam zu und machte ein paar Notizen.

„Hört sich an, als wäre in der Divison Street ein schwerer Unfall passiert", sagte sie. „Ich kann Alex anrufen, damit er rüber fährt."

Edward schüttelte den Kopf. Autounfälle standen normalerweise nicht in der Weekly, einfach weil es keine Neuigkeiten mehr wären, bis die Zeitung in Druck ging. Trotzdem konnte er das nicht ignorieren. „Nicht notwendig", antwortete er. „Ich muss auf dem Heimweg sowieso dort vorbei. Ich seh' mal nach, was los ist."

„Bist du dir sicher?"

„Ja, ist kein Problem", versicherte Edward ihr. „Ich spreche mit den Cops und mache ein paar Fotos. Wenn es etwas Großes ist, rufe ich Alex selbst an."

Er kontrollierte seine Tasche zwei Mal, um sicher zu gehen, dass er das Tonbandgerät und die Kamera dabei hatte, dann stieg er in seinen Wagen und fuhr zum Unfallort. Der Verkehr wurde kurz vorher aufgehalten. Er sah die flackernden Lichter der Polizeiautos, aber sonst nichts in dem düsteren Licht. Edward parkte seinen Wagen an der Bordsteinkante und näherte sich dem uniformierten Deputy, der an der Straßensperre stand. Als er ihn gerade grüßen wollte, klingelte sein Handy.

Er kannte die Nummer des Anrufers nicht, öffnete aber sein Handy. „Entschuldigung", sagte er zu dem Deputy, bevor er ranging.

„Hallo?"

„Edward, hier ist Charlie."

Edward war überrascht, dass sein Schwiegervater anrief, und zögerte kurz, bevor er ihm antwortete. „Hi, Charlie. Wie geht es dir?"

„Edward, es ist nicht leicht, das zu sagen ... es gab ... es gab einen Unfall." Charlies Stimme zitterte ein wenig und verwirrte Edward nur noch mehr.

„Ja ... ich weiß. Ich bin schon da, um einen Artikel für die Zeitung zu schreiben."

Er hörte, wie Charlie sich räusperte, bevor er fortfuhr. „Nein. Du verstehst nicht, Junge. Es ist Bella."

Edward kamen Charlies Worte wie ein Schlag in den Magen vor. Es ist Bella. Er meinte doch wohl nicht ...

„Was?", fragte er. Das Wort war kaum laut genug, um es zu verstehen.

Charlie schniefte und Edward merkte, dass der Mann weinte. „Es ist Bella, Edward. Sie wurde verletzt."

„Oh Gott ... nein ...", murmelte Edward. Panik begann sich in seinem Körper auszubreiten. „Ist sie in Ordnung? Wo sind die Kinder?" Er begann, an der Straßensperre vorbei zu laufen und ignorierte den Deputy, der ihn aufhalten wollte. „Charlie, ist sie in Ordnung?" Er begann, auf das Blaulicht zuzulaufen. Als er den verbeulten Haufen Metall sah, der einmal sein Minivan gewesen war, entwich ein gequälter Schrei seiner Kehle.

„Edward ... Edward!" Er hörte, dass Charlie nach ihm rief, und drückte das Handy fest an sein Ohr. „Den Kindern geht es gut, aber Bella ..." Seine Stimme brach. „Ich bin jetzt hier bei ihr im Krankenhaus. Du musst herkommen, Edward."

Er drehte sich um, um zu seinem Wagen zurückzulaufen, aber eine starke Hand ergriff ihn am Ellenbogen. Er drehte sich um und sah, wie Emmett McCarty voll Mitgefühl in den Augen auf ihn hinab blickte.

„Ich bin gerade vorbeigefahren und habe gesehen, was passiert ist", erklärte er. „Ich bringe dich ins Krankenhaus, Edward. Du solltest jetzt nicht fahren."

Edward konnte nicht antworten. Er nickte nur ungeschickt und folgte Emmett zu seinem Truck. Es war nicht weit bis zum Krankenhaus und Emmett schaffte es in Rekordzeit. Er blieb vor dem Eingang zur Notaufnahme stehen und Edward sprang hinaus, noch bevor der Wagen komplett stehen geblieben war. Er lief durch die Tür und sah Charlie sofort, der neben dem Empfangstresen stand.

„Wie geht es ihr?", fragte er panisch.

Charlie schüttelte den Kopf. „Ich weiß es nicht. Die Ärzte sind jetzt bei ihr."

„Was ist mit den Kindern?"

„Ihnen geht es gut", antwortete er. „Ich war gerade bei ihnen. Sie sind ziemlich aufgewühlt, aber es wird ihnen bald wieder gut gehen. Nur ein paar Schnitte und Kratzer. Komm schon, ich bringe dich zu ihnen."

Er führte Edward durch eine Tür hindurch in den Untersuchungsbereich, und Edward atmete vor Erleichterung seufzend aus, sobald er Masen und Makenna erblickte, die auf Sesseln saßen und an ihren Lollipops lutschten. Masen hatte einen Verband an der Stirn und Makennas rechte Hand war in Gaze gewickelt, aber sonst sahen sie unverletzt aus. Er lief zu ihnen und zog sie beide in eine feste Umarmung.

„Geht es euch beiden gut?", fragte er, strich mit seinen Händen über ihre Köpfe und kämpfte gegen die Tränen an.

„Wir hatten einen Unfall, Daddy", antwortete Masen matt.

Edward zog sich zurück, ließ aber seine Arme um seine Kinder geschlungen. Er war nicht fähig, sie loszulassen. „Ich weiß, Kumpel. Es tut mir so Leid, dass das passiert ist."

„Wo ist Mommy?", fragte Makenna leise.

Edward musste schlucken. „Die Ärzte kümmern sich jetzt gerade um sie. Ich bin mir sicher, dass wir sie bald wieder sehen."

„Sie ist nicht aufgewacht", flüsterte Masen. Er drehte sein Gesicht weg, damit seine Schwester ihn nicht weinen sah. „Ich hab versucht, sie aufzuwecken, aber sie wollte nicht aufwachen."

„Ist schon gut. Du hast das toll gemacht", antwortete er. „Ich bin so froh, dass es euch beiden gut geht." Er umarmte seine Kinder noch einmal.

„Ich habe Esme und Carlisle angerufen", sagte Charlie leise. „Sie sollten jede Minute hier sein. Ich kann mit den Kindern hinaus ins Wartezimmer, dann kannst du zu Bella."

Edward nickte und dankte ihm. Er umarmte noch einmal seine Kinder, bevor Charlie sie hinaus brachte. Er blieb an der Türe stehen, um mit einer Schwester zu sprechen, und diese nickte und ging rasch hinüber zu Edward.

„Mr. Cullen? Ich kann Sie jetzt zu Ihrer Frau bringen."

Edward nickte wieder. Er war zu sehr erstarrt, um zu sprechen. Sie sollten jetzt gerade ihre Pizza essen. Sie sollten Candy Land spielen. Er sollte für Makenna eine rosa Spielfigur machen.

Stattdessen ging er einen sterilen Gang entlang, der nach Desinfektionsmittel roch, und konnte weder denken, noch sprechen.

Alles, was er tun konnte, war zu beten.

„Nimm sie nicht mit", flüsterte er leise immer und immer wieder. „Bitte, nimm sie nicht mit."

„Sie ist hier drinnen", sagte die Schwester leise und voll Mitleid in den Augen. „Sie haben nicht viel Zeit, bevor sie für die Operation vorbereitet wird."

Edward lief durch die Tür. Ein paar Ärzte und Schwestern standen um seine Frau herum, die blass auf einem Krankenbett lag und so klein aussah. Feine Schnitte waren auf ihrer rechten Gesichtshälfte zu sehen, und auf ihrem rechten Arm konnte er oberhalb der Schiene ebenfalls ähnliche Schnitte erkennen.

„Bella?", krächzte Edward und zog die Aufmerksamkeit aller Anwesenden im Zimmer auf sich. Aller Anwesenden, außer Bella, deren Augen geschlossen blieben. Ihre Brust hob und senkte sich ein wenig, wenn sie atmete.

„Mr. Cullen? Ich bin Dr. Matthews." Ein großer Afroamerikaner im Arztkittel kam um das Bett herum auf ihn zu.

„Wie geht es Bella?", fragte Edward.

Dr. Matthews runzelte ein wenig die Stirn. „Sie hat ein paar gebrochene Knochen – ihr Bein und ein paar Rippen ... aber ich befürchte, sie hat sich auch innere Verletzungen zugezogen. Wir müssen sie so bald wie möglich operieren, damit wir uns darum kümmern können."

„Operieren?" Edward konnte seine Augen von Bellas ruhigem Gesicht nicht abwenden.

„Es tut mir Leid. Ich weiß, das ist sehr viel auf einmal", fuhr Dr. Matthews fort, „aber uns bleibt wirklich nicht viel Zeit. Wir brauchen Ihr Einverständnis für die Operation, Sir." Er reichte Edward ein Klemmbrett, der stumpf auf den Zettel starrte, bevor er den Kugelschreiber entgegen nahm und unterschrieb.

„Kann ich zu ihr sprechen?", fragte er.

„Sie hat das Bewusstsein noch nicht wieder erlangt, aber Sie können es versuchen", antwortete der Arzt. „Wir geben Ihnen eine Minute, dann fürchte ich, müssen wir sie in den OP bringen." Er deutete seinen Kollegen, dass sie alle das Zimmer verlassen sollten, und sie alle gingen hinaus. Edward blieb am Fußende des Bettes zurück und er blickte seine Frau durch einen Tränenschleier hindurch an. Langsam näherte er sich von der rechten Seite und nahm ihre unverletzte Hand in seine. Er streichelte über die zarte Haut, küsste sie sanft und legte sie an seine Wange.

„Bella?", flüsterte er. „Bella, verlass mich nicht."

Er beobachtete sie genau. „Bitte verlass mich nicht."

Bellas Lider flatterten und ihre Hand zuckte in seiner. Er sah voll Staunen, dass sich ihre Augen langsam öffneten und unfokussiert herumsahen, bevor sie zwinkerte und ihn ansah.

„Edward?"

Edward lächelte und lehnte sich vor, um sanft ihre Stirn zu küssen. „Hey Baby."

Sie begann zu lächeln, zuckte aber vor Schmerz zusammen. „Ich liebe es, wenn du mich Baby nennst."

Edward gluckste. „Ich weiß."

„Was ist passiert?"

„Es gab einen Unfall. Gott, Bella, ich dachte, ich hätte dich verloren."

„Unfall?" Bellas Augen wurden groß. „Die Kinder?"

„Ihnen geht es gut", versicherte er ihnen. „Sie können es kaum erwarten, dich wieder zu sehen."

Bella entspannte sich in den Kissen und schloss erleichtert ihre Augen. „Gott sei Dank."

Edward küsste wieder ihre Hand. „Ich liebe dich so sehr, Bella."

„Ich liebe di..." Bellas Stimme verklang und ein lautes, kreischendes Geräusch ertönte plötzlich von einer der Maschinen.

„Bella?"

Sie öffnete ihre Augen nicht mehr. Die Ärzte und Schwestern liefen wieder herein und schoben ihn kurzerhand aus dem Weg.

„Wir können nicht länger warten", sagte Dr. Matthews eilig. „Wir bringen sie jetzt in den OP!"

„Was passiert hier? Bella?" Edward beobachtete die hektischen Bewegungen des medizinischen Personals. Panik und Furcht drehten sich in seinem Bauch wieder zu einem Knoten zusammen.

„Eins ... zwei ... drei ...", zählte Dr. Matthews, um Bellas zarten Körper auf eine fahrbare Krankentrage zu legen. Ihren Infusionsbeutel legten sie ihr auf die Brust. Sie fuhren mit ihr auf den Korridor hinaus.

„Es tut mir Leid, Mr. Cullen, wir müssen jetzt los", sagte der Arzt und lief an ihm vorbei den Gang hinab. „Ich versuche, Sie über ihren Zustand so bald wie möglich auf dem Laufenden zu halten." Sie schoben Bella durch eine Doppeltür und eine Schwester, die in seiner Nähe stand, schnappte seinen Arm.

„Bella! Ich liebe dich!", rief er ihr nach. Sein Herz hämmerte in seiner Brust und sein Atem schien stehen zu bleiben. Der Gedanke daran, dass Bella hinter dieser Tür verschwinden und niemals wiederkommen könnte ... der Gedanke daran, sie für immer zu verlieren ... dies hielt seine Brust umklammert wie ein Schraubstock. Er drehte sich zu der Schwester, die neben ihm stand. Er merkte nicht, dass ihm die Tränen über die Wangen liefen.

„Es tut mir Leid, Sie können nicht mit hinein", sagte sie mitfühlend. „Sie müssen wieder ins Wartezimmer gehen." Bei seinem ausdruckslosen Gesicht drehte sie ihn herum und führte ihn zurück in den Wartebereich. Er zwinkerte, bekam aber von seiner Umgebung nichts mit. Esme und Carlisle spielten mit den Kindern an einem niedrigen Tisch in der Ecke. Jasper und Alice und Rosalie und Emmett unterhielten sich leise am anderen Ende des Raumes und tranken den grässlichen Automatenkaffee.

Charlie saß stoisch und still bei der Tür. Sein Rücken war steif, aber seine Kiefer arbeiteten in einer malmenden Bewegung. Er kämpfte um seine Selbstbeherrschung. Sie alle sahen hoffnungsvoll auf, als er in den Warteraum kam.

„Sie haben sie in den OP gebracht", sagte er kurzerhand. Er ging hinüber zu seinen Kindern und zog sie auf seinen Schoß. Er hielt sie fest und vergrub seine Nase in Makennas Haar.

„Daddy?" Masen sah zu ihm hoch. „Wird Mommy wieder gesund?"

Edward starrte einen Moment lang auf seinen Sohn hinab. Der Nebel, der seine Gedanken eingehüllt hatte, verschwand endlich wieder.

Scheiße! Worauf wartete er noch?

Er stellte seine Kinder sanft auf die Beine, bevor er abrupt aufstand. „Ich bin gleich wieder zurück", sagte er, eilte hinaus auf den Gang und durchsuchte seine Hosentaschen. Er musste einen abgeschiedenen Ort finden.

Man konnte schließlich nicht überall dafür sorgen, dass ein Engel auftauchte.

Er öffnete ein paar geschlossene Türen und stieß schließlich auf ein freies Krankenzimmer. Er nahm die silberne Glocke heraus, bimmelte wild damit herum und wartete.

„Hallo Edward."

Er wirbelte herum und sah, dass Michael direkt hinter ihm stand.

„Du musst sie retten", sagte Edward ohne Einleitung.

Michael sah ihn trübsinnig an. „Es tut mir Leid. Das liegt nicht in meiner Macht."

„Was meinst du?", fauchte Edward ihn zornig an. „Du sagtest, die Glocke wäre für Notfälle da. Und das hier ist ein verdammter Notfall! Rette meine Frau."

„Das kann ich nicht, Edward."

„Du willst es nur nicht.

„Ich kann nicht", wiederholte Michael traurig. „Glaub mir, wenn ich es könnte, würde ich es tun."

Ernüchtert ließ sich Edward auf das Bett fallen. „Wird sie sterben?", fragte er mit zitternder Stimme.

Michael sagte nichts, aber Edward konnte die Antwort seinen Augen ablesen.

„Wann?", fragte er. „Heute?"

Michael schüttelte den Kopf. „Nein, nicht heute ... nicht morgen ... aber bald. Ich kann dir den genauen Zeitpunkt nicht nennen. Das darf ich nicht."

„Also all das ... war es für nichts? Ich habe Bella gefunden, nur um sie wieder zu verlieren?"

„Es tut mir Leid, Edward."

„Es tut dir Leid", murrte er sarkastisch. „Was für ein Engel bist du überhaupt?"

Michael lächelte traurig. „Ich kann aber etwas anderes für dich tun."

„Was?"

„Ich kann dich zurückschicken."

„Zurück?", wiederholte Edward. „Zurück nach New York?"

Michael nickte. „Du kannst in diese Welt zurück. Ich kann dafür sorgen, dass du vergisst, dass das hier je passiert ist. Keine Schmerzen mehr ... keine Trauer. Du könntest dein altes Leben wieder zurückerlangen."

Edward starrte ihn ungläubig an. „Was wird aus meinen Kindern?"

Michael zuckte leicht mit den Schultern. „Du wirst dich nicht mehr an sie erinnern. Ich meine, du glaubst ja nicht einmal, dass sie real sind, oder?"

Tat er das?

Er dachte daran, wie er Masen beigebracht hatte, auf dem Fahrrad zu fahren, und wie er gelernt hatte, Makennas Baby-Puppe richtig zu halten. Er dachte daran zurück, wie sie zusammen Pfannkuchen gegessen hatten und am Strand herumgelaufen waren.

Er dachte an die Umarmungen und Küsse und Gute-Nacht-Rituale.

Gute Nacht und träum was Schönes.

Und er dachte an Bella ... wie es war, mit ihr zu leben, sie zu lieben, mit ihr zu streiten und sich wieder zu versöhnen. Er dachte daran, wie sie zusammen Pizza gegessen und gelacht hatten ... wie sie Liebe gemacht und ein gemeinsames Leben aufgebaut hatten.

Ja, es war real.

Er glaubte das mit seinem ganzen Herzen.

„Du musst dich jetzt entscheiden, Edward", sagte Michael. „Es tut mir Leid, aber es muss jetzt sein."

Edward überlegte kein zweites Mal, bevor er einfach „Nein" sagte.

„Nein?"

„Nein." Edward stand auf und straffte seine Schultern. „Wenn Bella aus dem OP kommt, wird sie mich brauchen. Sollte sie ..." Er räusperte sich und schluckte schwer. „Wenn ihre Zeit gekommen ist, will ich nicht, dass sie Angst hat. Ich will bei ihr sein. Die Kinder ... die Kinder werden mich brauchen, um dies zu überwinden. Ich muss für sie da sein."

Michael neigte seinen Kopf zur Seite und beäugte ihn vorsichtig. „Es wird nicht leicht sein, Edward."

Edward nickte. „Das weiß ich. Aber ich kann sie nicht aufgeben. Sie brauchen mich und diesmal werde ich nicht davonlaufen."

Ein strahlendes Lächeln breitete sich auf Michaels Gesicht aus. „Exzellent, Edward. Gut gemacht."

Plötzlich wurden die Lampen an der Decke heller, bis der ganze Raum von einem blendenden Licht ausgefüllt wurde.

„Was passiert hier?", fragte Edward. Dann wusste er es plötzlich.

„Nein!", rief er.

„Du hast das wirklich gut gemacht, Edward ... besser, als ich es erwartet hätte, um ehrlich zu sein", sagte Michael stolz. Seine Gesichtszüge waren immer schwerer in dem hellen Licht auszumachen. Edward kniff die Augen zusammen und schirmte sie mit einer Hand ab.

„Nein!", sagte er wieder. „Das kannst du nicht machen."

„Vergiss nicht, was du alles gelernt hast, Edward", ermahnte Michael ihn, bevor das Licht in Edwards Augen explodierte und er momentan überhaupt nichts mehr sah.

Er musste ein paar Mal fest zwinkern und versuchte, die Tür zu erkennen, die auf den Gang führte. Er musste zurück zu seiner Familie.

„Bella!", schrie er laut.

Im nächsten Augenblick saß er plötzlich voll bekleidet im Bett seines Hotelzimmers.

„Nein!", rief er und sah sich ungläubig im Zimmer um. „Michael, du Mistkerl, schick mich wieder zurück!", schrie er und suchte in seinen Hosentaschen nach der Glocke. Er fand sie nicht, also riss er die Laken hoch, schüttelte sie kräftig aus und warf sie dann zur Seite. Er ließ sich auf den Boden fallen und suchte den Boden unter dem Bett mit seiner Hand ab.

„Schick mich wieder zurück, Michael!", rief er.

Die Glocke war fort. Michael war fort. Seine Familie war fort. Edward ließ sich schwer atmend auf die nackte Matratze fallen. Nach einem Augenblick kamen Stimmen aus dem anderen Zimmer und ergatterten seine Aufmerksamkeit. Er verließ das Schlafzimmer und betrat das kleine Wohnzimmer, wo er merkte, dass der Fernseher an war und wieder Ist das Leben nicht schön? gespielt wurde.

„Wunderbar", murmelte er, setzte sich mit dem Rücken an das Sofa gelehnt auf den Boden und hielt den Kopf in seinen Händen. „Bella", stöhnte er. „Gott, warum?"

Die Menschen im Fernsehen begannen, Auld Lang Syne zu singen, und George Bailey hielt die kleine Zuzu mit einem riesen Lächeln im Gesicht in seinen Armen. Ein Glöckchen bimmelte am Weihnachtsbaum und Zuzu deutete fröhlich in diese Richtung.

Sieh, Daddy", sagte das kleine Mädchen, „die Lehrerin sagt, jedes Mal, wenn ein Glöckchen klingelt, bekommt ein Engel seine Flügel."

„Ja, toll, die Lehrerin hat vergessen zu erwähnen, dass Engel Scheiße sind!", rief Edward gen Himmel und hoffte, dass Michael ihn hörte. Er sah wieder auf den Fernseher und kämpfte gegen seine Tränen an, da das Mädchen ihn so sehr an seine eigene Tochter erinnerte.

Ohne auf die Welt um ihn herum zu achten, rollte Edward sich auf dem Boden zusammen und betrauerte das Leben, das er verloren hatte.

Er betrauerte das Leben, das er offenbar nie gehabt hatte.


Edward suhlte sich ziemlich genau dreiundzwanzig Komma vier Sekunden lang in seinem Elend.

Dann ertönte ein lautes und sehr beharrliches Klopfen an der Türe.