Do Over
Kapitel 17
If You Just Believe
Edward versuchte, die Person zu ignorieren, die an seine Tür klopfte, aber es war vergebens. Das leichte Klopfen wurde immer heftiger und verwandelte sich schließlich in ein kräftiges Hämmern.
„Geh doch weg", murmelte er leise von seiner Position am Fußboden aus. Er wiederholte dies einen Moment später ein wenig lauter.
Es klopfte aber weiterhin.
Schließlich zog Edward sich mit einem verärgerten Stöhnen auf die Beine, starrte den Abspannt von Ist das Leben nicht schön? im Fernseher böse an und machte sich auf den Weg zur Tür. Er riss sie auf und war überrascht, als er die Person erblickte, die da vor ihm stand.
„Tanya?"
„Morgen, Edward", sagte die Blondine mit einem breiten Lächeln und betrat sein Zimmer. „Fröhliche Weihnachten!"
„Was?" Er rieb sich mit seinen Händen über das Gesicht und dann durch seine Haare. „Was tust du hier?"
„Ich bin natürlich hier, um dich aufzuwecken", sagte sie und verdrehte dabei die Augen. „Du hast nicht mehr viel Zeit. Gott, hast du in diesen Sachen geschlafen?" Sie lehnte sich zu ihm und verzog die Nase. „Yeah. Eine Dusche wäre definitiv angebracht, aber du musst dich beeilen."
„Wovon sprichst du? Woher wusstest du, wo du mich finden kannst? Was tust du hier?", wiederholte Edward. In seinem Kopf war noch immer alles ein wenig verschwommen.
Tanya stemmte ihre Fäusten in die Hüften und beantwortete seine zweite Frage zuerst. „Dein Freund Michael hat mir gesagt, wo du untergekommen bist. Ich habe ihn gestern Nacht auf dieser Feier getroffen."
„Feier?"
„Im Four Seasons ...?", half sie ihm. „Isabella Swan ...? Du bist wie ein verängstigtes, kleines Mädchen zur Tür hinausgerannt ...? Klingelt da was bei dir?"
Bei der Erwähnung von Geklingle zog Edward die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen. „Du sagtest, Michael hätte dich hierher geschickt?"
„Ja", sagte sie, schnappte sich seinen Arm und zog ihn in Richtung des Schlafzimmers. „Ich habe ihn auf der Feier getroffen und er hat erwähnt, dass er dich kennen gelernt hatte. Als ich das mit dem Kerl herausfand, den du bei Bella gesehen hattest, wusste ich, dass ich sofort zu dir kommen musste."
„Ein Kerl? Wovon zur Hölle sprichst du?" Edward stemmte seine Beine in den flauschigen Teppich. „Was geht hier vor sich?"
„Er ist schwul, Edward."
„Schwul? Wer? Michael?" Edwards Gedanken schwirrten im Kreis herum.
„Nein, nicht Michael." Sie lachte. „Jacob."
Edward rieb sich die Schläfen und versuchte, die Kopfschmerzen einzudämmen, die sich gerade anbahnten. „Wer zur Hölle ist Jacob?"
Tanya wedelte genervt mit den Händen. „Der Kerl, den du gestern Nacht neben Bella gesehen hast. Hörst du mir überhaupt zu?"
„Ich hör dir ja zu. Es ist nur ein wenig schwer, mit dir mitzuhalten."
„Yeah. Das sagt man mir öfter", sagte sie mit einem leichten Stirnrunzeln. „Egal, ich habe sie gestern ein wenig kennengelernt. Sie ist wirklich bezaubernd und so nett! Sie sagte, ich solle sie Bella nennen, ist das nicht süß? Sie hat mir mein Buch signiert – naja, eigentlich ist es dein Buch." Tanya zog den Roman aus ihrer Schultertasche und reichte ihn Edward. Er streckte langsam die Hand aus und nahm ihn entgegen. „Ich habe ihr alles über dich erzählt."
„Du hast was?"
„Sie war wirklich interessiert, Edward", fuhr Tanya mit einer sehr verlockenden Stimme fort. „Sie hat mir immer wieder Fragen über dich gestellt."
„Okay, es reicht", sagte Edward verstimmt. „Sag mir, was hier los ist. Sofort", befahl er ihr. Er sah Tanyas geweitete Augen und fügte freundlicherweise noch ein „Bitte", hinzu.
Tanya grummelte ein wenig. „Es ist ganz einfach, Edward. Bella ist nicht mit diesem Kerl namens Jacob zusammen. Er ist bloß ein Freund, der sie zu solchen Events begleitet, damit sie nicht allein hingehen muss. Sie ist einsam, Edward. Sie vermisst dich."
„Das hat sie gesagt?"
„Gott, Männer sind solche Trottel!", rief Tanya und schlug ihm leicht auf die Schulter. „Natürlich hat sie das nicht wirklich gesagt, aber es war ziemlich eindeutig. Ich konnte es in ihrem Gesicht sehen, wann auch immer ich deinen Namen erwähnt hatte."
Edward ließ sich auf das Sofa fallen und griff nach oben, um seine Hände in sein Haar zu krallen. „Was soll ich machen?", fragte er schließlich. In seinem Kopf drehte sich noch immer alles.
Sie hatte Michael getroffen, und das bedeutete, dass es ihn wirklich gab.
Und das bedeutete auch, dass es sein anderes Leben wirklich gab. Oder?
Oder vielleicht ... vielleicht war das eine Lektion ... eine Warnung.
„Sie hat im Four Seasons übernachtet, aber sie hat mir erzählt, dass sie heute Vormittag ihren Flieger erwischen muss", erzählte Tanya ihm. „Sie fliegt nach Hause, um Weihnachten mit ihrer Familie zu verbringen. Jetzt ist deine Chance gekommen, sie zu erwischen, bevor sie wegfliegt."
Bella war hier ... im hier und jetzt.
Vielleicht war es noch nicht zu spät.
Bei Edwards verwirrtem Blick verengte Tanya ihre Augen zu schmalen Schlitzen. „Es ist zehn Jahre her. Hast du denn gar nichts gelernt, Edward?", fragte sie leise.
Bei diesen Worten versteifte sich Edward. Es war noch nicht alles verloren. In diesem Leben hatte er noch immer eine Chance ... aber er musste sie auch nutzen. Er konnte sie nicht ungenutzt verstreichen lassen.
„Du hast nicht mehr viel Zeit", fügte sie hinzu. „Wofür entscheidest du dich, Edward?"
Dieses Mal werde ich nicht weglaufen.
Edward sprang auf die Beine. „Habe ich noch Zeit für eine Dusche?"
Tanya lächelte fröhlich. „Ja, aber beeil dich. Zum Rasieren bleibt keine Zeit mehr. Der Drei-Tage-Bart sieht aber sowieso sexy aus." Sie schob ihn ins Badezimmer und schloss die Tür hinter ihm. „Und mach, dass deine Haare zerwühlt aussehen", rief sie durch die Tür. „Die Frauen lieben das."
„Ich hab keine Ahnung, wovon du sprichst", rief er zurück und trat unter den heißen Wasserstrahl.
Edward glaubte, er hätte gehört, wie sie auf der anderen Seite der Tür etwas Abschätziges über Männer murmelte, aber er war sich nicht ganz sicher. Er beeilte sich unter der Dusche, trat heraus, wischte mit seinem Handtuch den beschlagenen Spiegel frei und rubbelte sich danach mit seinem Handtuch das Haar trocken. Er runzelte wegen dem feuchten, verwuschelten Haar die Stirn und fuhr sich schnell mit der Hand hindurch.
Zerwühltes Haar? Er strich sich ein paar Haarsträhnen nach hinten, aber sie sprangen sofort wieder in ihre vorige Position zurück, wild und unkontrollierbar.
„Edward, beeil dich!", rief Tanya ungeduldig. Edward betrachtete sich ein letztes Mal im Spiegel, zuckte mit den Achseln und lief mit einem Handtuch um die Hüften geschlungen in das Schlafzimmer.
Tanya war in der Zwischenzeit, als er unter der Dusche gestanden war, offenbar seine Garderobe durchgegangen. Ein komplettes Outfit lag auf dem Bett – Unterwäsche, Socken, Jeans und ein weißes Baumwollhemd.
„Wie ich sehe, fühlst du dich hier ganz wie zu Hause", rief er in das andere Zimmer und zog rasch das Hemd an.
„Zieh dich einfach nur an, Edward. Dafür haben wir jetzt keine Zeit", warf sie ihm zurück.
Edward warf sich in die Klamotten, zog sich rasch seine abgetragenen Lieblingsstiefel an und schnappte sich seinen dicken Mantel aus dem Schrank.
„Du bist heute viel aufdringlicher als das, woran ich mich von gestern Nacht noch erinnern kann", kommentierte er, während er den Mantel überzog und nach seiner alten Ledertasche griff, in die er Bellas Buch steckte.
Tanya zuckte mit den Schultern. „Das ist einfach Teil meines Zaubers. Nun komm schon, lass uns endlich gehen", befahl sie ihm.
Sie eilten zum Fahrstuhl und Tanya drückte den Knopf für die Tiefgarage. „Ich bin mit meinem Wagen hier", erklärte sie ihm. „Ich wollte nicht auf ein Taxi warten." Sie sah auf die Uhr. „Wir sollten es gerade noch schaffen."
Die Türen des Fahrstuhls öffneten sich und sie liefen durch die Parkgarage. Edward blieb einen Schritt hinter Tanya, die sich zwischen den parkenden Autos hindurch schlängelte. Er musste ein Lachen unterdrücken, da sie neben einem riesigen, knallrosa Lincoln stehen blieb.
„Hey", sagte sie verteidigend, „verarsch den Wagen nicht. Er ist ein Klassiker."
„Ich habe kein Wort gesagt", antwortete Edward und hielt die Hände vor sich hoch. „Kannst du dieses Ding in New York überhaupt fahren?"
Tanya streichelte das Dach das Wagens liebevoll, bevor sie die Tür entsperrte.
„Wenn die Leute dieses Baby kommen sehen, gehen sie automatisch aus dem Weg", meinte sie.
„Das wette ich."
Tanya lenkte den monströsen Wagen kinderleicht. Sie fuhr mühelos aus der Garage und reihte sich in den Verkehr ein. Edward war überrascht zu sehen, dass sie Recht hatte. Die Leute machten ihr tatsächlich Platz.
„Warum machst du das?", fragte er leise, als sie ein Taxi überholte, sich vorne wieder schnell einreihte und das genervte Hupen hinter sich ignorierte.
„Er war mir zu langsam", antwortete sie abwesend.
„Nein", sagte Edward mit einem Lachen. „Ich meine, warum hilfst du mir? Wir kennen uns doch kaum."
„Oh, das." Tanya lächelte breit. „Ich schätze, ich steh einfach auf die wahre Liebe."
Sie bog um die Ecke und stellte den Wagen an der Bordsteinkante vor dem Four Seasons ab.
„Okay, du bist dran", sagte sie fröhlich, wohingegen Edwards Bauch gerade Purzelbäume schlug. „Geh und schnapp dir dein Mädchen, Edward."
Er griff nach dem Türgriff und trat hinaus auf den Gehsteig. Er guckte nochmals nach drinnen, bevor er die Tür wieder schloss.
„Egal, was passiert, danke, Tanya", sagte er.
Sie wedelte mit der Hand. „Lass sie bloß nicht wieder gehen, okay?"
Edward nickte und schloss die Tür. Er drehte sich um und ging raschen Schrittes auf den Eingang des Hotels zu. Er hörte, wie Tanya den Motor des Lincolns aufheulen ließ, und dann war sie weg.
Er war auf sich allein gestellt. Wo sollte er anfangen? Seine Gedanken wirbelte im Kreis herum. Er kämpfte sich durch ein paar Menschen hindurch, die gerade durch die Eingangstür kamen. Würde ihm der Herr am Empfang überhaupt sagen, in welchem Zimmer Bella sich befand? Edward würde hartnäckig sein müssen. Verdammt, er würde sogar so lang in der Lobby warten, bis sie herunter kam, wenn es denn sein musste.
Er würde schon einen Weg finden.
Er straffte seine Schultern, öffnete die Glastüre und hielt sie einer Menschengruppe auf, die gerade herauskam. Die Höflichkeit gewann doch über die Ungeduld.
Und dann sah er sie.
Sie lief nur wenige Zentimeter von ihm entfernt an ihm vorbei, zog einen Koffer hinter sich nach und hatte ihre Aufmerksamkeit voll auf ihr Telefonat gerichtet.
„Nein, ich verlasse das Hotel gerade", sagte sie und der Duft ihres Parfums drang in seine Nase. Es roch anders, als er es in Erinnerung hatte, aber doch irgendwie einzigartig nach Bella.
War es erst wenige Stunden her gewesen, seit sie zusammen im Bett gelegen und in die Dunkelheit hinein geflüstert hatten? Und noch weniger, seit er ihre Hand gehalten und ihr seine Liebe gestanden hatte?
Edward konnte kaum atmen. Sein Herz verkrampfte sich in seiner Brust, als ob es nicht weiterhin das Blut durch seinen Körper pumpen wollte. Er konnte kaum glauben, dass sie da vor ihm war – gesund und lebendig – und beinah nah genug, um sie zu berühren, wenn er nur die Hand ausstrecken würde.
„Ja, ich werde mich darum kümmern müssen, wenn ich in Forks bin", sagte sie, während sie sich einem schwarzen Wagen näherte, der an der Bordsteinkante parkte. Sie nahm Edward hinter sich nicht wahr. „Ja ... ja, ich rufe dich an, wenn ich gelandet bin ... okay ... okay! Gott, gönn mir doch eine Pause, Jessica, es ist Weihnachten!" Bella reichte dem Fahrer ihren Koffer und drehte sich wieder zurück zum Hotel.
„Ja, ja, ich verspreche dir ..." Ihre Worte endeten abrupt und ihre Augen weiteten sich, als sie endlich Edward bemerkte, der nur wenige Meter entfernt stand.
Er ging einen Schritt auf sie zu. „Bella."
Ihr Mund öffnete und schloss sich ein paar Mal, aber kein Wort entkam ihren Lippen. Schließlich zwinkerte sie und schüttelte ein wenig den Kopf. Edward konnte hören, wie die Person am anderen Ende der Leitung schnell vor sich hin plapperte.
„Jess, ich ruf dich zurück", sagte Bella leise und legte auf, ohne eine Antwort abzuwarten.
Sie standen einen Augenblick lang da und starrten einander bloß an. Bella räusperte sich schließlich. „Edward. Es ... schon lang nicht mehr gesehen."
Edward leckte sich über die Lippen und machte einen weiteren Schritt auf sie zu. „Viel zu lang."
„Wie geht es dir?", fragte sie und tat ganz unbekümmert, aber Edward erkannte den zarten Rotton ihrer Wangen und dass sie sich auf die Lippe biss wieder. Sie war nervös.
„Ehrlich? Nicht gut, Bella. Es geht mir schon sehr lange nicht gut", gab er zu.
„Es tut mir Leid, das zu hören", sagte sie und ihre Stimme brach ein wenig. „Edward, was tust du hier?"
„Ich war auf der Suche nach dir."
„Nach mir? Warum?" Ihr Kopf hob sich ein wenig und Edward sah in ihren Augen die Wut aufblitzen. „Es ist zehn Jahre her, Edward. Warum suchst du mich jetzt?"
Edward holte tief Luft.
Und los.
Jetzt oder nie.
„Ich vermisse dich", sagte er ihr und trat einen weiteren Schritt auf sie zu. „Ich liebe dich."
Sie starrte ihn geschockt an und er machte sich ihre Sprachlosigkeit zunutze. „Ich weiß, ich habe eine Zeitlang gebraucht, um mir über alles klar zu werden", fuhr er schnell fort. Nun stand er ihr nah genug, um sie zu berühren. Er tat es aber nicht. Er wollte ihr keine Angst einjagen. Stattdessen musterte er ihr Gesicht, betrachtete die vertraute Kurve ihrer Wange ... den leichten Rosa-Ton ihrer Haut in der kalten Luft ... wie ihr Haar in der eisigen Brise wehte.
„Es tut mir Leid, dass ich so lang gebraucht habe", fuhr er fort, „aber wenn du mir noch eine Chance gibst, dann schwöre ich dir, werde ich es wieder gut machen, Bella."
Sie sah weg. Der Wind blies ihr das Haar aus dem Gesicht. Edward starrte sie an, er konnte einfach nicht wegsehen. Er fürchtete fast, dass wenn er den Blick abwandte, sie plötzlich verschwinden würde.
„Du hast mich echt verletzt", sagte sie dumpf.
„Ich weiß", antwortete er sanft. „Ich weiß, das habe ich, und es tut mir so Leid. Das war der größte Fehler meines Lebens. Aber jemand hat mir vor kurzem gesagt, dass es bei einer zweiten Chance nicht darum geht, Fehler wieder gut zu machen, sondern daraus zu lernen.
Und ich habe daraus gelernt, Bella. Ich habe gelernt, was es heißt, jemanden wirklich zu lieben." Sie drehte sich zu ihm zurück und er betete inständig, dass der Inhalt bei ihr ankam. „Ich habe gelernt, dass es nicht nur um romantische Gesten und große Worte geht", sagte er bedeutungsvoll. „Es geht darum ... die Wäsche zu machen ... die Rechnungen zu bezahlen. Es geht darum, eine Familie zu gründen und da zu sein, wenn du deine Kinder abends ins Bett bringen musst. Es geht tagein tagaus darum, zusammen zu leben ... in den guten und in den schlechten Zeiten.
Eine lange Zeit über habe ich bereut, was zwischen uns passiert ist. Aber ich war so erstarrt von all dem, das damals geschehen ist, dass ich die Möglichkeiten im hier und jetzt nicht mehr gesehen habe. Ich war so sehr damit beschäftigt, an das zu denken, was hätte sein können, dass ich nicht mehr gesehen habe, was noch werden kann."
„Edward, es ist zehn Jahre her", sagte Bella wieder und verschränkte die Arme vor ihrer Brust. „Sicher, ich war damals sehr verletzt ... ich war eigentlich sehr lange verletzt, aber ich bin darüber hinweg gekommen. Ich habe mich weiterentwickelt."
„Hast du das?", fragte er und lehnte sich zu ihr. Seine Augen suchten in den ihren nach der Wahrheit. „Weil wenn dem wirklich so ist, werde ich gehen. Wenn du mir sagen kannst, dass es wirklich vorbei ist ... dass du keinerlei Gefühle mehr für mich hast ... dass es keine Chance mehr für uns gibt, dann gehe ich, Bella, und ich werde dich nie mehr belästigen. Aber wenn es eine Chance gibt", sagte er sanft, „wenn es eine Möglichkeit gibt, dass wir hier etwas Neues aufbauen könnten ... jetzt ... dann wende dich bitte nicht ab. Ich werde für uns kämpfen, Bella. Ich werde tun, was auch immer nötig ist, nur damit du mir noch eine Chance gibst ... damit du uns eine Chance gibst. Wir könnten ein unglaubliches Leben führen, Bella. Ich habe es gesehen. Ich habe gesehen, was wir zusammen sein könnten, wenn wir wirklich versuchen, dass es klappt, und das ist wundervoll. Du würdest es nicht glauben ... wie wundervoll das ist." Er streckte seine Hand aus und nahm ihre eiskalten Finger in die seinen. „Nur einen Anfang ... das ist alles, worum ich dich bitte. Wir könnten gemeinsam frühstücken ... oder eine Tasse Kaffee trinken ... was auch immer du möchtest."
Bella öffnete den Mund, um ihm zu antworten, wurde allerdings von ihrem Fahrer unterbrochen, der auf der anderen Seite des Wagens stand. „Entschuldigung, Miss Swan", sagte er leise und erntete einen bösen Blick von Edward, den er ignorierte. „Es tut mir Leid, Sie zu unterbrechen, aber wir müssen jetzt los, wenn Sie rechtzeitig zum Flughafen wollen."
Bella nickte und drehte sich zurück zu Edward. „Es tut mir Leid, ich muss los", sagte sie leise. „Ich fliege nach Hause, um Weihnachten zu feiern."
Edward hielt ihre Hand ein wenig fester. „Okay ... ja, ich verstehe", sagte er und fügte hoffnungsvoll hinzu: „Wann kommst du zurück? Kann ich dich dann sehen?"
„Nein." Sie schüttelte den Kopf und Edwards Herz sackte tiefer. „Nein, ich meine, ich komme nicht nach New York zurück ... zumindest nicht in der näheren Zukunft", meinte sie. „Ich bleibe bis Neujahr in Forks und dann beginne ich meine Buchtour."
„Oh." Edward konnte seine Enttäuschung nicht verbergen.
„Außer ...", begann sie zögerlich, „ich meine ... ich nehme an, wenn du das willst ... könntest du ... mitkommen?"
Eine neue Hoffnung wuchs in Edwards Herzen. „Nach Forks?"
„Ja." Bella zuckte mit den Schultern. „Ich weiß, wahrscheinlich bist du hier beschäftigt ..."
„Nein ... nein, ich bin nicht beschäftigt", sagte Edward schnell. „Ich beginne erst im neuen Jahr meinem neuen Job."
„Aber du hast kein Gepäck. Ich nehme an, du könntest mit einem späteren Flug nachkommen", schlug sie vor.
„Nein", sagte Edward streng. Bei ihrem überraschten Gesichtsausdruck musste er sanft lächeln. „Jetzt, da ich dich gefunden habe, lasse ich dich nicht mehr aus den Augen. Ich kann mir in Forks neue Kleidung kaufen. Die haben dort tolle Flanell-Sachen."
Bella lachte. „Flanell? Das passt ja gar nicht zu deinem Stil."
„Du wärst überrascht", sagte er mit einem Grinsen.
Bella blickte zu ihm hoch und der Fahrer öffnete die Tür des Wagens. „Was ist mit dir passiert, Edward?"
„Das ist eine lange Geschichte", sagte er ihr und seufzte tief auf.
„Sir?" Der Fahrer streckte Edward seine Hand entgegen. „Ich glaube, das haben Sie fallen lassen."
Edward streckte seine Hand aus und der Mann reichte ihm einen kleinen, metallenen Gegenstand. Edward starrte diesen Gegenstand einen Moment lang geschockt an.
Es war eine silberne Glocke.
„Woher haben Sie die?", fragte er.
„Der Fahrer zuckte mit den Schultern. „Sie ist Ihnen aus der Tasche gefallen."
Edward nahm das Glöckchen zwischen seine Finger und klingelte es leicht. Sie bimmelte ein wenig und Edward hielt den Atem an. Er suchte mit seinem Blick die Umgebung ab.
Nichts passierte.
„Edward? Kommst du nun?", fragte Bella, die bereits im Inneren des Wagens war. Edward blickte auf sie hinab und er musste lächeln, da er endlich merkte, welches Geschenk er hier bekommen hatte. Eine zweite Chance ... ein Neuanfang. Er steckte die Glocke in die Hosentasche seiner Jeans und glitt auf den Platz neben ihr.
Als der Fahrer sich in den Verkehr einreihte, drehte Bella sich zu ihm. „Also, diese lange Geschichte ...", begann sie.
Edward grinste. „Oh, die ist ziemlich unglaublich", sagte er. „Es geht um Engel und Wunder ... und um ganz ehrlich zu sein", sagte er verschwörerisch, „könnte sie sich gut als Buch machen."
Bella machte es sich auf ihrem Platz bequemer. „Tja, hört sich ganz so an, als sollte ich mir diese Geschichte besser genau anhören."
Also erzählte er sie ihr.
Sie kamen am Flughafen an und warteten im VIP-Bereich, und Bella hörte Edward aufmerksam zu, während er ihr seine Geschichte erzählte ... Er machte nur eine Pause, als sie das Gepäck einchecken oder sie ihre Tickets vorweisen mussten, als es Zeit war, an Bord der Maschine zu gehen. Edward hatte es geschafft, mit einem älteren Mann Platz zu tauschen, sodass er neben Bella sitzen konnte, und sobald die Maschine gestartete war, fragte sie ihn ungeduldig: „Und was ist dann passiert?"
Er erzählte ihr die Geschichte, ohne auch nur ein einziges der verrückten Details wegzulassen. Bella unterbrach ihn manchmal, um eine kurze Frage zu stellen.
„Wie alt war Makenna?"
„Alice und Jasper waren verheiratet?"
„Wirklich? Rosalie und Emmett McCarty?"
Edward beantwortete geduldig all ihre Fragen, und irgendwo über Salt Lake City beendete er sein bemerkenswertes Märchen. Er erzählte Bella alles bis zu dem Moment, in dem er in seinem Hotelzimmer erwacht war.
„Du hast Recht", sagte sie mit einem Seufzen und lehnte sich in ihrem Sitz zurück. „Was für eine Geschichte." Sie sah ihn gedankenverloren an. „Also war das alles ein Traum?"
Edward schüttelte langsam den Kopf. „Nein. Nein, ich glaube nicht. Ich weiß nicht wie, aber irgendwie war das alles echt ... zumindest für mich."
„Also ... was ist mit allen passiert?", fragte sie. „Sind sie immer noch irgendwo ... da draußen?"
Edward zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht mit Sicherheit", antwortete er. „Ich glaube, vielleicht waren sie alle Teil einer ... Möglichlichkeit. Was wäre gewesen ... was hätte sein können ... wenn die Dinge damals zwischen uns anders gelaufen wären."
„Das ist irgendwie traurig", überlegte sie. „Es ist, als hätten sie geopfert werden müssen, nur damit wir diese Chance bekommen."
„Ist das nicht bei jeder Entscheidung der Fall?", fragte Edward.
„Ich glaube schon."
„Du nimmst das anscheinend unheimlich gut auf", sagte er verwundert. „Glaubst du nicht, ich wäre verrückt?"
Bella lachte. „Verrückt? Definitiv."
Edward grinste. „Tja, du bist diejenige, die diesen verrückten Typen eingeladen hat", stellte er fest.
„Das ist wahr", gab sie zu, „aber zu meiner Verteidigung muss ich sagen, das war, bevor du mir erzählt hast, was passiert ist."
Edward wurde wieder ernst. „Also ... was denkst du wirklich?"
Bella lächelte ihn sanft an. „Ich glaube, etwas ist gestern Nacht wirklich mit dir passiert", sagte sie. „Ob es nun ein Traum war oder ein magischer Ausflug in ein alternatives Leben ... wer weiß das schon mit Sicherheit? ‚Es gibt mehr Dinge im Himmel und auf der Erde ...'"
„ ‚... als eure Schulweisheit sich träumt'", beendete Edward das Zitat aus Hamlet.
„Ja", grinste Bella. „Es gibt so viele Rätsel dort draußen, Edward. Und das macht das Leben erst aufregend, nicht wahr?"
Edward lächelte, nahm ihre Hand hoch und hob sie an seine Lippen. „Danke."
„Wofür?"
„Dafür, dass du mich nicht für verrückt hältst."
„Ich bin einfach nur froh, dass du da bist", sagte Bella leise.
„Ich auch."
Sie saßen eine Weile lang still da. Beide sahen aus dem Fenster auf die vorüberziehenden Wolken und waren in ihren Gedanken verloren.
„Es muss einfach echt gewesen sein", sagte Edward nach einem Augenblick. Als er Bellas fragenden Blick sah, fuhr er fort. „Tanya sagte, sie hätte Michael getroffen ... also konnte ich ihn mir nicht bloß eingebildet haben, oder?"
„Wer ist Tanya?"
„Du hast sie gestern auf der Feier getroffen", sagte Edward. „Du hast dich mit ihr über mich unterhalten."
Bellas Augenbrauen zogen sich verwirrt zusammen. „Ich habe gestern Nacht mit niemandem über dich gesprochen."
„Na klar hast du das." Edward dachte, dass Bella das vielleicht vergessen hatte, da sie so viele Leute auf der Feier getroffen hatte. „Ein großes Mädchen? Blond? Ein riesen Fan von dir?"
Bella zuckte die Schultern und Edward griff unter seinen Sitz und suchte nach seiner Tasche. „Du hast das Buch für sie signiert", sagte er, nahm es heraus und öffnete es. Er blätterte ein paar Mal auf der Suche nach dem Autogramm um. „Ich verstehe das nicht", murmelte er, während er das Buch durchsuchte. Er klappte es mit einem Knall zusammen, nachdem seine Suche nichts ergeben hatte. „Sie sagte, sie hätte mit dir gesprochen. Sie hat mich überzeugt, nach dir zu suchen. Sie wusste alles über diesen Kerl namens Jacob, und sie sagte, dass du mich vermissen würdest."
„Ich habe dich ja auch vermisst", sagte Bella mit einem kleinen Lächeln.
Edward drückte ihre Hand. „Aber woher wusste sie das, wenn sie nie mit dir gesprochen hatte?"
Sie starrten einander einen Augenblick lang an.
„Du glaubst nicht etwa ...", begann Bella. „Vielleicht hat Michael nicht allein gearbeitet?"
„Vielleicht", antwortete Edward. „Oder vielleicht habe ich sie mir beide bloß eingebildet."
„Das glaubst du nicht wirklich."
Edward zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Ich weiß gar nichts, außer das, was passiert war ... was auch immer das war, hatte mich zu diesem Moment hin geführt ... ich schulde den beiden etwas."
Bella lächelte ihn an. „Ich schätze, dann schulde ich ihnen auch etwas."
Edward legte seinen Arm um ihre Schultern und zog sie dicht an sich. „Ich weiß, wir können nicht einfach dort weitermachen, wo wir damals aufgehört haben, Bella", sagte er leise. „Wir müssen einiges aufholen ... und einiges über uns lernen."
„Wir haben jede Menge Zeit", antwortete sie. Sie hob seine andere Hand hoch und spielte ein wenig mit seinen Fingern. „Ich frage mich, wie sie ausging", murmelte Bella nach einer Weile.
„Was?"
„Die Geschichte", sagte sie und drehte sich wieder mit einem Lächeln zu ihm um. Ihre Augen funkelten. „Das würde sich wirklich gut als Buch machen, aber das Ende fehlt noch."
„Tja, ich würde sagen, das liegt an dir", antwortete Edward.
Bella tippte sich gedankenverloren an die Lippe. „Es kann nicht enden, wenn sie beide hoch in der Luft sind", überlegte sie. „Ich meine, das lässt noch so viele Enden offen."
Edward grinste. „Du hast Recht." Er lehnte sich näher zu ihr und betrachtete ihre Lippen. „Vielleicht lehnt er sich zu ihr, verspricht, sie für immer zu lieben, und küsst sie dann leidenschaftlich."
Bella kämpfte gegen ihr Grinsen an und verzog die Nase. „Das ist doch irgendwie klischeehaft, glaubst du nicht auch?" Allerdings errötete sie. Der sanfte Rotton enttarnte sie.
Er streckte eine Hand aus, legte sie an ihr Gesicht und genoss das Gefühl ihrer warmen Haut. Er strich mit seinem Daumen über ihre Wange. „Klischees sind nicht ohne Grund Klischees", meinte er. Seine Lippen waren nur noch wenige Millimeter von ihren entfernt. „Ich würde das aber lieber als Klassiker bezeichnen ... um die Mengen zufrieden zu stellen."
„Meinst du?", fragte Bella atemlos. Sie leckte sich über die Lippen und lehnte sich ein wenig in seine Hand.
„Oh ja ... definitiv", murmelte Edward. Er konnte sie beinahe schon schmecken. „Jedem gefällt ein Happy End."
Und dann küsste er sie.
Und Bella kam es überhaupt nicht wie ein Klischee vor.
