Do Over

Epilog 1

Joy to the World


Zwei Jahre später an Heiligabend

"Ich hoffe, es geht ihnen gut", murmelte Bella in Edwards Richtung und blickte aus dem Fenster ihrer New Yorker Wohnung hinab auf die schneebedeckten Straßen. "Vielleicht hätten wir zum Flughafen fahren sollen, um sie abzuholen."

Edward schlang seine Arme um Bellas Hüften - was sich als ziemlich schwierig herausstellte, da sie sich schon im fortgeschrittenen Stadium ihrer Schwangerschaft befand. Er rieb ihr über ihren Bauch und lächelte, da er einen Tritt unter seiner Handfläche spüren konnte.

"Ich habe es ihnen angeboten, aber wir hätten sowieso nicht alle in den Wagen gepasst", antwortete Edward. "Es wird ihnen schon gut gehen. Mach dir nicht so viele Sorgen."

Aber Bella machte sich dennoch Sorgen. Angesichts Bellas Schwangerschaft konnten sie und Edward über die Feiertage nicht zurück nach Forks fliegen, und sie war deswegen so enttäuscht gewesen, da sie ihre Familien nicht sehen konnten. Daraufhin hatte Edward die Möglichkeit genutzt, um seine unverbrauchten Flugmeilen aufzubrauchen, und hatte damit für sie alle Tickets gekauft, damit sie stattdessen nach New York kommen konnten. Bella hatte geweint, als er ihr das erzählt hatte. Natürlich weinte Bella in der letzten Zeit sehr häufig, aber das änderte nichts an der Tatsache, dass sie überwältigt und dankbar war für das, was Edward getan hatte.

Ein Schneesturm verursachte allerdings Probleme. Der Anschlussflug konnte nicht starten und die müde Reisegruppe war gezwungen gewesen, über Nacht in Chicago zu bleiben. Sobald die Rollbahnen wieder frei waren, waren sie wieder in der Luft, aber Bella wusste, dass sie sich nicht beruhigen würde, ehe sie alle sicher gelandet und zusammen waren.

Sie suchte wieder die Straßen ab und Edward drückte ihr einen Kuss auf den Kopf. "Entspann dich. Ich habe gerade nachgesehen, das Flugzeug ist sicher gelandet. Der Mietwagen hat einen Allradantrieb. Sie werden gleich da sein."

Das Telefon klingelte und Edward drückte Bella nochmal sanft, bevor er sie losließ und das Zimmer durchquerte, um abzuheben. Bella beobachtete ihn ängstlich, während er sprach, und Edward lächelte und nickte ihr beruhigend zu.
"Sie sind auf dem Weg", sagte er, sobald er aufgelegt hatte. "Sie haben nur ihr Gepäck ins Hotel gebracht und sollten dann in ein paar Minuten da sein."

Bella nickte dankbar. "Hast du die frischen Handtücher schon ins Gästebad gebracht?", fragte sie nervös.

"Ja. Alles ist fertig", antwortete Edward geduldig. Obwohl es ihnen gefallen hätte, wenn die ganze Familie bei ihnen in der Wohnung geblieben wäre, ging es nicht, da einfach nicht genug Platz war. Zum Glück befand sich nur wenige Blocks weiter ein Hotel, damit sie zumindest ganz in der Nähe wohnen konnten.

Bella streckte sich und drückte mit einem kleinen Stöhnen ihre Hände ins Kreuz.

"Müde?", fragte Edward und stellte sich hinter sie, damit er ihre schmerzenden Muskeln massieren konnte.

"Ein wenig", gab sie zu. "Mein Rücken bringt mich heute beinah um."

"Hmmm ...", murmelte Edward und rieb mit seinen beiden Daumen Kreise auf ihren Rücken. "Vielleicht kannst du ein schönes Bad nehmen, sobald wir alle versorgt haben."

Sie lehnte sich an ihn. "Das hört sich wundervoll an." Das Geräusch der Türklingel unterbrach ihren stillen Moment und Bella streckte sich. "Sie sind da!", rief sie und lief hinüber zur Gegensprechanlage.

"Hallo?"

"Fröhliche Weihnachten!" Ein Stimmengewirr war über den Lautsprecher zu hören. Dann setzte Charlies Stimme noch nach: "Lass uns rein. Es ist schweinekalt hier draußen!"

Bella lachte und öffnete ihnen die Haustüre. Sie öffnete auch die Wohnungseingangstür, damit sie sehen konnte, wie sie den Gang entlang kamen. Edward stellte sich neben sie und legte seinen Arm über ihre Schultern. "Aufgeregt?", fragte er. Sie sah mit leuchtenden Augen zu ihm hoch und stellte sich auf die Zehenspitzen, damit sie ihm einen schmatzenden Kuss verpassen konnte.

"Das ist das beste Weihnachtsgeschenk aller Zeiten!", sagte sie ihm und drehte sich wieder zum Gang, sobald sie hörte, wie sich die Fahrstuhltüren öffneten.

Dann waren sie da ... und man konnte im ganzen Gang Gelächter hören und "Ich habe euch vermisst", und "Fröhliche Weihnachten", bis sie endlich alle ins Innere kamen.

"Ich hoffe, ihr habt alle Hunger", meinte Bella, sobald sie sich alle gesetzt hatten.

"Wir sind am Verhungern", sagte Carlisle und Charlie gleichzeitig, was neuerliches Gelächter hervorrief.

Edward und Bella hatten ein Buffet mit Snacks und weihnachtlichen Gebäcken aufgebaut, und die Gäste befüllten ihre Teller und nahmen im Wohnzimmer vor dem prasselnden Kaminfeuer und dem hell erleuchteten Weihnachtsbaum Platz.

Edward fiel es schwer zu essen. Stattdessen blickte er sich im Zimmer um und dachte darüber nach, wie sehr sich sein Leben in den vergangenen zwei Jahren verändert hatte.

Zu allererst gab es da Bella. Sein Blick verweilte auf seiner Frau, die mit den Kerzen des Weihnachtsbaumes um die Wette strahlte. Das erinnerte ihn an den Augenblick, an dem er sie zum ersten Mal in New York gesehen hatte, auf dieser Feier im Four Seasons ... Das war, bevor sein Leben solch eine ungewöhnliche Wendung genommen hatte.

Aber sie sah jetzt ebenfalls anders aus. Natürlich war sie immer noch wunderschön, aber als sie Edwards Blick erwiderte, erschien ein ehrliches Lächeln auf ihrem Gesicht und ihm stockte der Atem. Ihm stockte oft der Atem, wenn er sie lächeln sah.

Sie war sein. Und sie war glücklich. Das war alles, das er sich je gewünscht hatte. Seine Augen wanderten hinab zu ihrem Bauch. Tja, das war fast alles, was er sich je gewünscht hatte.

Sie hatten eine Reise wie ein Wirbelwind hinter sich gebracht. Nachdem sie zusammen die Woche in Forks verbracht hatten, wussten sie beide, dass sie keine Zeit mehr verlieren wollten. Er musste wegen seines neuen Jobs nach New York zurückkehren und Bella begann mit ihrer Buchtour, aber sie unterhielten sich jede Nacht, entweder über das Telefon oder über das Internet. Edward musste angesichts dieser interessanten Dates im Web lächeln.

Gott sei Dank gab es Skype.

Am Valentinstag war sie nach New York zurückgekommen und Edward wusste, dass er nicht länger warten konnte. Vor dem Four Seasons sank er auf sein Knie hinab, machte ihr einen Heiratsantrag und schenkte ihr sein Herz und einen funkelnden Diamantring. Sie hatte geweint und gelächelt und ja gesagt. Sechs Monate später fand zur großen Freude ihrer Familien die Hochzeit statt. Tja, jedenfalls zur großen Freude von Edwards Familie. Chief Swan war zurückgehalten gewesen wie immer, obwohl Edward meinte, er würde sich langsam mit seinem Schwiegersohn anfreunden.

Chief Swan erwiderte Edwards nachdenklichen Blick und verengte die Augen.

Okay. Vielleicht freundete er sich doch nicht mit ihm an.

Sogar Bellas reiselustige Mutter Renée hatte es geschafft, die Hochzeit zu besuchen. Sie hatte dafür extra eine kleine Pause von ihrem Lehrauftrag in Korea eingelegt. Sie hatte es zwar nicht geschafft, an Weihnachten zu kommen, aber versprochen, sie im Frühling zu besuchen, wenn das Baby da war.

Frühling. Im Frühling würden sie den Kaufvertrag für ihr neues Haus abschließen. Ja, Edward verließ Manhatten, um in die Vorstadt zu ziehen.

Er hatte sogar schon ein paar Flanellhemden gekauft.

Bella und er würden die Stadt vermissen, aber sie waren beide überein gekommen, dass es so besser für die Kinder sein würde. Tja, besser für das Kind, vorläufig, aber Edward hatte Hoffnung, dass es bald mehr werden würde. Sie beide hatten diese Hoffnung.

Bella konnte natürlich überall schreiben und sie hatte beschlossen, die Reisen und Buchtouren einzustellen, sobald das Baby da war. Das war ein Vorteil ihres Erfolgs - sie musste nicht länger Werbung für sich machen. Ihre Bücher verkauften sich ganz von allein.

Besonders ihr allerneuestes Buch. Es hieß Second Chances und war sofort in die New York Times Bestsellerliste eingestiegen und dort zwölf Wochen lang geblieben.

Edward hatte Recht gehabt ... die Leute liebten es, wenn es ein Happy End gab.

Was seinen Job betraf, so genoss Edward es, näher zu seinem Zuhause zu sein Sobald sie umgezogen waren, müsste er zwar in die Stadt pendeln und immer noch zeitweise reisen müssen, aber er wusste, dass alles so funktionieren würde.

Erst vor kurzem hatte er begriffen, dass er und Bella jetzt besser mit den Herausforderungen des gemeinsamen Zusammenlebens klar kamen als vor all diesen Jahren. Sie hatten im letzten Jahrzehnt, in dem sie von einander getrennt waren, beide die Möglichkeit gehabt, zu reifen - sowohl beruflich als auch die Persönlichkeit betreffend.

Stattdessen schätzten sie einander nun mehr denn je zuvor, da sie sich endlich wieder gefunden hatten.

Edwards Blick zog weiter zu seiner Schwester, die neben Jasper Hale saß. Der Anblick der beiden zusammen brachte ihn zum Lächeln. Edward und Bella hatten bei ihrer Hochzeit dafür gesorgt, dass die beiden neben einander saßen. Sie hatten sehr wenig Unterstützung dabei gebraucht, herauszufinden, dass sie für einander bestimmt waren.

Sie hatten vor, im kommenden Sommer zu heiraten.

Was Rosalie betraf, so war es schon ein wenig schwieriger gewesen, sie zu überzeugen, Emmett McCarty eine Chance zu geben. Aber davon war heute keine Spur mehr zu erkennen. Edward lächelte, weil sie so verträumt zu Emmett hoch blickte, der gerade eine Geschichte über das Hotel erzählte, in dem sie in Chicago übernachtet hatten. Er und Rose wohnten nun schon seit vier Monaten zusammen und waren anscheinend unglaublich glücklich.

Edwards Blick landete als nächstes auf seinen Eltern, und er suchte nach den richtigen Worten, mit denen er beschreiben konnte, wie sehr sie sich darüber freuten, bald Großeltern zu werden. Aufgeregt war zu ruhig. Ekstatisch kam dem schon näher, aber reichte immer noch nicht ganz aus. Er und Bella hatten beschlossen, so rasch wie möglich mit der Gründung einer Familie zu beginnen, und seine Eltern waren die ersten Menschen gewesen, denen sie es erzählt hatten, dass sie schwanger war. Er wusste, dass sie oft zu Besuch kommen würden, sobald das Baby einmal da war, obwohl sie auf der anderen Seite des Landes lebten.

Im Augenwinkel sah er, dass Bella zusammenzuckte. Er rutschte am Sofa näher zu ihr und streckte die Hand aus, um ihr den Rücken zu reiben.

"Alles okay, Baby?", fragte er und lehnte sich näher zu ihr, um ihr ins Ohr zu flüstern.

Bella nickte. "Ja. Nur müde. Ich schätze, das war zu viel Aufregung", antwortete sie mit einem schwachen Lächeln.

"Ich lasse dir ein Bad ein und dann bringe ich dich ins Bett", sagte er leise. "Die Familie wird das verstehen."

Bella nickte wieder, stellte ihren Teller auf den Kaffeetisch und ließ sich von Edward hoch helfen.

"Alles okay?", fragte Carlisle besorgt.

Edward lächelte und fuhr fort, Bellas schmerzenden Rücken zu reiben. "Ja. Das Baby sagt Bella bloß, dass sie sich etwas ausruhen soll."

"Edward?" Bellas zittrige Stimme erregte seine Aufmerksamkeit.

"Ja, Baby?"

"Ich glaube nicht, dass ich mich ausruhen muss", sagte sie zögerlich.

"Aber du hast gesagt, du wärst müde."

"Äh ... ja ..."

"Bella, was stimmt denn nicht?"

"Ähm ... ich glaube, es ist so weit."

"Was ist so weit?"

"Es ist so weit."

Edward starrte sie einen Moment lang ausdruckslos an. "Scheiße", sagte er schließlich. Sein Herz begann, laut in seiner Brust zu klopfen. "Bist du dir sicher? Ist es nicht noch zu früh?"

"Äh", sagte Bella nervös. Sie klammerte sich an seinen Arm und ihr Gesicht verzog sich vor Schmerz. "Angesichts der Tatsache, dass ich glaube, dass meine Fruchtblase gerade geplatzt ist ... Ja, ich bin mir ziemlich sicher."

"Scheiße!", rief Edward wieder. "Scheiße!"

"Das hast du schon mal gesagt", meinte Bella mit einem leichten Grinsen, das sich schnell wieder zu einer Grimasse verzog.

In diesem Moment brach das Chaos aus.

"Was sollen wir tun?"

"Bella, vielleicht solltest du dich hinsetzen."

"Wir müssen ins Krankenhaus."

"Scheiße!"

"Okay, jetzt ist mal jeder ruhig!" In Esmes leiser Stimme lag ein autoritärer Unterton und plötzlich war jeder still. Sie drehte sich zu Edward. "Hat Bella eine Tasche gepackt?"

Edward nickte verwirrt.

"Okay, geh los und hol sie." Sie drehte sich zu ihrem Mann. "Du. Hol Edwards Wagen. Emmett, du holst den Mietwagen. Alice, hilf Bella in ein paar trockene Sachen, aber beeil dich."

Alice griff vesorgt nach Bellas Arm und führte sie ins Schlafzimmer. Bella rief über ihre Schulter: "Die Nummer des Arztes ist im Handy eingespeichert, könnte ihn bitte jemand anrufen?"

Rose bekam diese Aufgabe zugeteilt, und innerhalb weniger Minuten waren Edward, Bella, Alice und Esme in Edwards Wagen Richtung Krankenhaus unterwegs. Der Rest der Gruppe folgte ihnen im Mietwagen.

"Oh Gott, Edward, das tut weh!", stöhnte Bella am Rücksitz, wo Esme ihr die Hand hielt und ihr das Haar aus dem Gesicht zurückstrich.

"Ich weiß, Baby", sagte Edward und kämpfte darum, die Panik aus seiner Stimme zu verbannen. Er raste die vereisten Straßen entlang. "Konzentriere dich auf deine Atmung ... so wie im Unterricht, erinnerst du dich noch?" Er atmete mit Bella mit und betete, dass sie alle heil im Krankenhaus ankommen würden.

Er blieb vor der Notaufnahme stehen und Edward bekam einen kleinen, verstörenden Flashback. Er erinnerte sich, wie es gewesen war, als er das letzte Mal in eine Notaufnahme gekommen war. Aber ein Blick in Bellas Gesicht sorgte dafür, dass er diese Erinnerung wieder verdrängte.

Sie brauchte ihn. Er würde sie nicht im Stich lassen. Er nahm ihre Hand und eine Schwester half Bella in einen Rollstuhl. "Es wird alles gut, Baby", murmelte er, drückte ihr einen Kuss auf die Stirn und nahm ihre Hand. Du schaffst das. Ich werde die ganze Zeit über bei dir sein."

Bella nickte und atmete tief ein. Edward wandte sich an die Krankenschwester. "Wir sind schon vorgemerkt", sagte er ihr. "Dr. Jenkins ist auf dem Weg."

Die nächsten paar Minuten waren gespickt von Krankenschwestern und Maschinen und Atmen und Stöhnen. Als der Arzt hereinkam und Bella rasch untersucht hatte, kündigte er an, dass es an der Zeit war, sich in den Kreissaal zu begeben. Edwards Herz setzte kurz aus, bevor es wie verrückt weiter schlug.

"Es ist so weit, Bella", flüsterte Edward, während sie den Gang entlang geschoben wurde. "Er wird bald kommen."

"Edward, ich habe Angst."

"Ich weiß, Baby. Ich habe auch Angst", gab er zu. "Halte meine Hand. Du schaffst das. Es ist bald vorbei."

Edward sah in Bellas Augen und der Arzt sagte: "Jetzt, Bella. Pressen!"

Er hielt ihre Hand und sie biss die Zähne zusammen. Sie schrie immer und immer wieder auf und kämpfte darum, ein neues Leben zur Welt zu bringen.

"Und jetzt aufhören, Bella. Pressen Sie mal eine Minute lang nicht", sagte der Arzt. Bellas wandte ihren schmerzverzerrten Blick Edward zu.

"Du hast es fast geschafft, Baby", ermutigte er sie und küsste ihre Hand. "Ich liebe dich so sehr."

"Ich liebe dich auch", sagte sie schwach.

Die strenge Stimme des Arztes unterbrach die beiden wieder. "Okay, Bella. Einmal noch, dann sollten wir es geschafft haben. Stark bei der nächsten Wehe pressen, damit wir diesen kleinen Kerl hier begrüßen können, okay?"

Edward hielt ihre Hand und sie presste. Er konnte sie aber nicht länger ansehen. Stattdessen wanderte sein Blick in Richtung des Arztes ... zu seinen Händen, die sich zwischen den Beinen seiner Frau befanden ... und zu dem Wunder, das er gerade mit eigenen Augen mitansehen durfte.

In der einen Sekunde waren die Hände des Arztes leer. Und in der nächsten Sekunde lag dort eine kleine Gestalt, die seine Arme und Beine bewegte.

"Oh mein Gott", hauchte Edward. "Er ist da."

"Es ist ein Junge", kündigte Dr. Jenkins an.

"Geht es ihm gut?", fragte Bella und stütze sich auf ihren Ellbogen ab, damit sie ihren Sohn sehen konnte.

"Er ist perfekt", versicherte ihr der Arzt.

Eine Schwester reinigte den kleinen Jungen ein wenig, bevor sie ihn schnell in ein Tuch wickelte und ihn seiner Mutter reichte.

"Oh!", rief Bella. "Er ist so hübsch!"

Edward gluckste. "Jungs sind nicht hübsch, Bella", korrigierte er sie. Allerdings musste er seine eigenen Tränen zurückblinzeln, während er auf das schlafende Kind hinab blickte.

"Tja, er ist aber hübsch", sagte Bella dickköpfig. Ihr liefen selbst die Tränen über die Wangen. "Er ist wunderschön."

Edward lehnte sich hinab, um sie zu küssen. "Ja, das stimmt", sagte er.

Sie starrten beide ihren neugeborenen Sohn an und bemerkten nicht einmal die Schwestern, die im Kreissaal arbeiteten, oder dass sie danach endlich gingen und ihnen ein wenig Privatsphäre gewährten.

"Danke", sagte Edward leise zu Bella. "Ich kann gar nicht ..."

Edward kam nie dazu, den Satz zu Ende zu sprechen, denn in diesem Moment öffnete sein Sohn seine Augen. Wie die Augen aller Neugeborenen waren sie irgendwie grau, aber Edward wusste augenblicklich, dass sie einmal braun sein würden.

Dunkelbraun, so wie die Augen seiner Mutter.

"Was ist los?", fragte Bella.

"Er ... er ist es." Edwards Stimme war voll Erstaunen. Sein Sohn sah zu ihm hoch und Edward konnte es nicht erklären, aber er kannte ihn. Er erkannte ihn wieder.

"Er?", wiederholte Bella. "Du meinst nicht etwa ... das kann nicht sein ..."

Edward drehte sich zu ihr, in seinen Augen sammelten sich wieder die Tränen. "Ja. Ich weiß nicht, wie das möglich sein kann, aber er ist es."

Bella blickte auf ihren Sohn hinab und drehte ihn ein wenig in ihren Armen, sodass sie ihm ins Gesicht blicken konnte.

"Hallo Masen", sagte sie. Ihre eigene Stimme brach vor lauter Emotion. "Es ist so schön, dich endlich kennenzulernen. Ich habe so viel von dir gehört, mein Süßer."

"Masen", hauchte Edward. Sein Herz konnte es noch gar nicht begreifen, dass der Sohn, von dem er dachte, er hätte ihn zurückgelassen ... dass der Sohn, an dem er langsam gezweifelt hatte, ob es ihn jemals gegeben hatte, hier direkt vor ihm lag. "Ich habe dich vermisst, Kumpel." Er berührte die Hand des kleinen Jungen, und Masen griff mit seiner kleine Faust um Edwards Finger. Edward grinste durch seine Tränen hindurch und war sich plötzlich sicher, dass er sich in einigen Jahren in einem ähnlichen Zimmer wie diesem befinden würde, um ein kleines Mädchen mit wirrem, roten Haar und genauso grünen Augen wie den seinen zu begrüßen.

"Mrs. Cullen?" Eine Krankenschwester betrat zögerlich das Zimmer. "Ihre Familie fragt an, ob sie das Baby sehen dürfen. Ist es in Ordnung, wenn ich sie herein bitte?"

Bella lächelte erfreut. "Ja natürlich. Er muss seine Familie kennenlernen."

Sie kamen mit lachenden und tränenüberströmten Gesichtern herein und reichten den kleinen Masen von Tante zu Onkel zu Großvater und schließlich zu einer sehr besitzergreifenden Großmutter. Sie begrüßten ihn auf dieser Welt mit Blumen und Ballons und einem riesen Teddybären aus dem Geschenkeladen hier im Krankenhaus. Und bevor sie in den frühen Morgenstunden gingen, um versuchen, ein wenig wohl verdiensten Schlaf zu bekommen, verabschiedeten sie sich alle mit einer sanften Berührung oder einem Küsschen auf die Wange des kleinen Masen.

Alle würden diesen Jungen lieben.

Als es wieder stiller im Zimmer wurde, schlief Bella ein wenig ein und Edward nahm seinen Sohn hoch. Er ging mit ihm zum Fenster, von wo aus er die Stadt überblicken konnte.

"Wir werden solch einen Spaß haben", versprach Edward ihm. "Ich schwöre dir, dass du auf mich zählen kannst. Ich werde dich nie im Stich lassen."

Edward war vielen Dingen dankbar, aber eines davon war, dass er in diesem Leben noch die Manschettenknöpfe seines Großvaters besaß. Er hatte nicht großartig an die Erbstücke gedacht, als er vor zwei Jahren impulsiv mit Bella ins Flugzeug gestiegen war. Nicht, dass er es nicht wieder tun würde, aber er war froh, dass er sich an die Wertgegenstände erinnerte, sobald sie gelandet waren. Er hatte schnell im Hotel angerufen und sein Besitz wurde sichergestellt, bis er nach New York zurückkehrte - inklusive der kleinen Schachtel, die er immer ganz unten in seinem Kleidersack aufbewahrte. Eines Tages würde er die Manschettenknöpfe Masen weiterreichen, gemeinsam mit der alten Taschenuhr ... und einem ganz bestimmten, silbernen Glöckchen.

Masen bewegte sich und spitzte seinen Mund, und Edward drehte sich um, damit er Bella aufwecken konnte.

Sie öffnete ihre verschlafenen Augen und streckte ihre Arme aus, damit sie das Baby nehmen konnte, und legte es an ihre Brust.

Edward stand mit den Händen in seinen Taschen vergraben da und sah zu, wie seine Frau seinen neugeborenen Sohn stillte. Er griff nach der kleinen silbernen Glocke, die er an seinem Schlüsselbund befestigt hatte und die ihn täglich daran erinnerte, welch Wendung sich in seinem Leben zugetragen hatte ... und dass die Liebe es wert ist, für sie zu kämpfen ...

Und dass an jedem Tag Wunder passieren konnten.


Außerhalb des Zimmers Nummer 665 im Lenox Hill Hospital standen ein blonder Mann und eine blonde Frau gemeinsam am Gang und beobachteten mit einem Lächeln in den Gesichtern durch die Glasscheibe, was sich im Inneren des kleinen Krankenzimmers abspielte. Die Leute, die vorbei gingen, wichen ihnen von einer unsichtbaren Macht getrieben aus, obwohl sie die beiden nicht wirklich sehen konnten.

Sie hätten sie sehr wohl sehen können, wenn sie nur genau geschaut hätten. Aber die Leute sahen so selten wirklich hin.

"Masen?", fragte Tanya und drehte sich zu dem Mann um, der neben ihr stand. "Hast du das getan?"

Michael zuckte die Schultern. "Das ist nicht Teil meines Job-Profils", sagte er einfach.

Tanya lächelte und wandte ihre Aufmerksamkeit wieder dem Zimmer zu, aus dem ein Lachen ertönte. Edward hatte sich auf die Bettkante gesetzt, spielte mit den Fingern seines Sohnes und lächelte Bella an.

"Ich bin froh, dass wir zurückgekehrt sind", murmelte sie leise. "Es ist so schön zu sehen, dass alles gut ausgegangen ist."

"Ja", antwortete Michael. "An diesen beiden ist etwas ganz besonderes, nicht wahr?" Er beobachtete sie kurz, bevor er mit dem Kopf in Richtung Ausgang deutete. "Komm schon. Es ist Zeit zu gehen."

Tanya drehte sich um und begann, den Gang entlang zu laufen, aber nicht, ohne noch einen letzten Blick auf die glückliche Familie zu werfen.

"Das hast du gut gemacht", meinte Michael auf dem Weg zum Treppenhaus.

Tanyas Blick zuckte zu ihm. "Danke", sagte sie mit einem breiten Lächeln und streckte ihren Arm aus, um sich bei seinem Ellenbogen unterzuhaken. "Bedeutet das, dass ich bald meinen eigenen Auftrag bekomme?"

Michael verdrehte die Augen. "Hast du es schon satt, mit mir zusammenzuarbeiten?"

"Nein, darum geht es nicht", sagte sie spielerisch und umarmte seinen Arm, während sie auf die Straßen New Yorks hinaustraten. "Es ist nur ... nach all dem Training, das ich schon absolviert habe, wäre es schön zu wissen, dass jemand Vertrauen in meine Fähigkeiten hat ... dass ich eine Chance bekomme, um meine Flügel auszubreiten, sozusagen."

Michael lachte und atmete in der knisternden Winterluft tief ein. "Als ob ich das noch nie zuvor gehört hätte", sagte er. "Du weißt, es ist nicht meine Entscheidung. Ich bin mir sicher, dass du deine Chance bekommen wirst, wenn es an der Zeit ist. Hab noch ein wenig Geduld."

"Als ob ich das noch nie zuvor gehört hätte", murmelte Tanya.

"Schau", sagte Michael leise und lenkte Tanyas Gedanken in eine andere Richtung. Sie wandte sich dem Horizont zu, wo das erste Licht des Morgengrauens über der Skyline zu sehen war. "Egal, wie oft ich das sehe, es raubt mir jedes Mal den Atem", fügte er hinzu.

Sie standen still inmitten der belebten Straßen der Stadt und ignorierten die Menschen und die Autos. Ihre Augen waren auf den Himmel gerichtet. Sie beobachteten, wie sich die Farben änderten und vermischten - rosa und orange und gelb - und wie schließlich der Himmel blassblau wurde und den neuen Tag ankündigte.

Sie dachten an die kleine Familie, die sie im Krankenhaus zurückgelassen hatten, und daran, wie sie ein neues gemeinsames Leben begannen.

Michael holte tief Luft. "Perfekt", sagte er, beugte sich hinab und drückte Tanya einen Kuss auf den Kopf. "Fröhliche Weihnachten, Tanya."

Sie lächelte sonnig hoch zu ihm.

"Fröhliche Weihnachten, Daddy."