So, schon bei Kapitel 5 und immer noch im wöchentlichen Rhythmus! Ich hoffe, die Geschichte ist nicht absoluter Müll xD.
R&R
Poltergeist
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Danach geschah alles wie im Zeitraffer. Drei bleiche Gestalten erschienen im Fenster zum Treppenhaus, sprangen herunter und sprinteten auf sie zu. Einer war ein Erwachsener, die anderen beiden Cassidian und Thamos. Der Erwachsene riss schon im Laufen seinen Zauberstab raus und sobald er neben Akkarin auf den Boden fiel, hatte er schon die ersten Diagnosezauber gesprochen. Der Mann blickte zu Cassidian auf und befahl:
„Wir müssen ihn sofort versorgen, zeig mir den Weg zu seinem Zimmer. Thamos, du nimmst den hier."
Damit nickte er zu Tom. Thamos zögerte und zeigte vage auf Yvi und Nathanael.
„Was ist mit denen?"
„Keine Zeit!"
Damit nahm der Mann Akkarin in die Arme und eilte mit Cassidian davon. Thamos kam auf ihn zu und Tom wollte schon protestieren, dass er selbst gehen könnte, aber als er versuchte, aufzustehen, kam er ins Straucheln und wenn der andere ihn nicht aufgefangen hätte, wäre er sehr unsanft gelandet.
Er hatte nicht einmal mehr die Kraft, verbal zu protestieren. Der Vampir nahm ihn hoch und machte sich auf den Weg. Vor Yvi blieb er einen Moment stehen, spuckte auf den Boden. An Nathanael ging er einfach vorbei, sagte mit größtmöglicher Verachtung:
„Erbärmlich."
Leichtfüßig sprang Thamos mit Tom in den Armen auf das hoch gelegene Sims des Fensters und auf dem Weg die Treppe hinunter fielen ihm die Augen zu und die Anspannung ab.
Der Unverzeihliche hatte ihn mehr Kraft und Magie gekostet, als er dachte.
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Tom blinzelte; er streckte sich, einige Wirbel knackten. Er sah alles nur verschwommen, aber er konnte trotzdem erkennen, dass er sich in seinem Bett auf seinem Zimmer befand. Die Vorhänge waren zugezogen, aber er konnte leise Stimmen dahinter vernehmen. Aber die Personen sprachen in einer ihm fremden Sprache und er konnte nicht ein Wort verstehen. Er ließ sich noch ein paar Minuten Zeit, bis sich seine Sicht klärte, dann schlug er den Vorhang zurück und blickte in zwei überraschte Gesichter. Es waren Cassidian und dieser Fremde, der auf dem Dach Akkarin mitnahm.
´Akkarin!´
Er blickte an den beiden vorbei auf das Bett des Anderen. Die Vorhänge waren offen und eine schmale Gestalt lag darauf, zugedeckt bis zum Kinn. Er sah, wie sich die Brust des Vampirs regelmäßig hob und senkte und sank erleichtert zurück in seine Kissen.
Die beiden anderen hatten ihr Gespräch unterbrochen, sobald sie sahen, dass er aufgewacht war. Der fremde Mann kam zu ihm herüber, den Zauberstab gezogen. Als Tom zurückwich, sagte dieser mit ruhiger Stimme.
„Ganz ruhig, es sind nur Diagnosezauber."
Noch immer angespannt ließ Tom die Prozedur über sich ergehen, während er sich den Fremden genauer ansah. Er war groß gewachsen, hatte bleiche Haut, dunkelviolette Augen und hatte lange, glatte, schwarze Haare. Er hatte ein sehr gewöhnliches Gesicht, das einem das Gefühl gab, die Person schon ewig zu kennen. Lange, schlanke Finger hielten den pechschwarzen Zauberstab. Erst als der Mann sichtlich zufrieden nickte, fragte er:
„Wer seid ihr? Wie geht es Akkarin?"
Der Mann schnippte seinen Zauberstab, sein Stuhl schwebte zu ihm herüber. Cassidian folgte mit einem eigenen Stuhl in der Hand.
„Entschuldigt, ich hätte mich natürlich zuerst vorstellen sollen. Ich bin Sebastian und sozusagen das Kindermädchen von Akkarin, dem es übrigens den Umständen entsprechend gut geht. Bis zur vollständigen Genesung wird es noch ein wenig dauern, aber danach ist er so gut wie neu."
„Sein Arm?"
Sebastian lächelte.
„Wie ich sagte, so gut wie neu. Wollt ihr nicht wissen, wie es euch geht?"
Tom blinzelte ihn perplex an; an sich selbst hatte er noch gar nicht gedacht. Er konnte sich nicht daran erinnern, was geschehen war, nachdem Thamos mit ihm die Treppe hinunter ging.
„Wie lange hab ich geschlafen?"
„Zwei volle Tage. Der Unverzeihliche hat euch magisch erschöpft, aber das war zu erwarten bei einem Kind, das einen so mächtigen Zauber wirkt."
Stille legte sich über den Raum. Tom wusste nicht wieso, aber tief in sich fühlte er sich nicht wohl damit, einen Unverzeihlichen gewirkt zu haben. Er hatte es seinen Vater unzählige Male tun sehen und niemals Mitleid oder Abscheu empfunden, aber es selbst zu tun war wie etwas von sich selbst aufzugeben. Er hatte das Gefühl, als wäre seine Seele nun beschmutzt und er konnte nur hoffen, dass dieses Empfinden bald vorüber geht.
Als er auch lange Momente später noch nichts erwiderte, fuhr Sebastian fort.
„Wir müssen euch wirklich danken, Mr. Riddle. Ohne euch hätte dieser Schoßhund der van Helsings Akkarin sicherlich getötet. Ich will mir gar nicht vorstellen, welche Folgen das gehabt hätte. Ich möchte euch auch Lord Cross´ tiefste Dankbarkeit ausrichten. Leider ist es ihm nicht möglich, euch selbst zu danken."
Tom errötete leicht ob des ausgesprochenen Dankes.
„Naja, ich konnte ja schlecht zusehen, wie sie Akkarin hinrichtet."
„Dennoch, wenn ihr es nicht getan hättet, hättet ihr euch viel Ärger erspart. Wir wissen das zu schätzen und werden uns erkenntlich zeigen."
Sebastian und Cassidian standen beide auf und verbeugten sich vor ihm, um ihre Worte zu unterstreichen. Die beiden setzten sich wieder und lächelten ihm wohlwollend zu.
„Aber jetzt solltet ihr euch wieder hinlegen und weiter ausruhen. Nächste Woche fängt der Unterricht für euch wieder an."
´Der Unterricht!´
Tom schoss vom Kissen hoch.
„Der Unterricht!"
Sebastian drückte ihn sanft zurück in die Kissen, zog ihm die Decke bis unters Kinn. Cassidian sagte mit einem Zwinkern:
„Mach dir keine Sorgen. Im Moment haben du und Akkarin einen milden Anflug von Drachenpocken und müsst die Woche das Bett hüten. Sobald ihr gesund genug seid, euch mit Schularbeit zu befassen, werden Sebastian und ich euch helfen, das Versäumte aufzuholen und die Hausaufgaben aufzuarbeiten. Also kannst du dich beruhigt zurücklehnen und dich erholen."
Tom nickte, zufrieden mit den Arrangements und war schon bald wieder eingeschlafen.
Xxx
Es waren nun vier Tage seit jener Nacht vergangen und Tom fühlte sich wieder wie neu. Seine Magie hatte sich erholt und auch Akkarin war auf dem Weg zur Besserung. Er hatte zwar noch keine Möglichkeit gehabt, mehr als ein paar allgemeine Worte zu wechseln, aber zu mehr war der junge Vampir auch nicht imstande. Immer wieder beschwerte sich Cassidian über Akkarin, der schon lange geheilt sein könnte, wenn er doch einfach Blut trinken würde; doch er weigerte sich vehement, was Tom wirklich überraschte und verwirrte. Die Idee eines Vampirs, der menschliches Blut verschmäht, erschien ihm doch etwas weit hergeholt, besonders nach dem Erlebten ein paar Tage zuvor; Tom hatte nicht den Eindruck, dass Akkarin die Idee des Bluttrinkens gänzlich ablehnte. Aber diese Frage und die, die er über die Begegnung mit Nathanael hatte, mussten warten, bis der Andere gesund genug war und er die Chance hatte, mit ihm privat zu sprechen. Abgesehen davon musste er erst mal seinen Vater kontaktieren. Er hatte sich sowieso schon sehr viel Zeit gelassen damit und es immer vor sich hergeschoben.
Das Medaillon hatte schon mehrmals bläulich geglüht, ein Zeichen dafür, dass sein Vater mit ihm sprechen wollte. Aber an den ersten drei Tagen konnte er wegen seiner magischen Erschöpfung keinen Stillezauber wirken und auch nicht das Bett verlassen und gestern hatte er es einfach verdrängt. Er wusste ja schon, was kommen würde, besonders wenn sein Vater die letzten Geschehnisse erfahren würde. Er könnte natürlich lügen, aber das wäre futil, da sein Vater ihm schon an der Nasenspitze ansah, wenn etwas nicht in Ordnung war.
Also blieb ihm nichts anderes übrig, als Rede und Antwort zu stehen.
Tom nahm das Medaillon aus der Nachttischschublade und hängte es sich um. Da Cassidian und Sebastian noch immer das Zimmer okkupierten, beschloss er, in den Gemeinschaftsraum auf ihrer Etage zu gehen, den einzigen Raum außer seinem eigenen, in den zu gehen er die Erlaubnis hatte. Dort würde ihn niemand außer den anderen Vampiren behelligen, die natürlich über die Geschehnisse im Bilde waren. Die anderen Schüler der Etage mieden diesen Raum eben wegen den Vampiren.
Er schlüpfte in seine Schuhe und zog einen schwarzen Pullover über. Im Vorbeigehen informierte er die beiden Vampire über sein Vorhaben.
„Ich gehe für eine Weile in den Gemeinschaftsraum. Und nein, ich werde nirgendwo anders hingehen."
Die beiden nickten ihm zu und mit einem kurzen Blick auf seinen schlafenden und immer noch einbandagierten Zimmergenossen verließ er den Raum. Draußen auf dem Gang wandte er sich nach rechts und ging den Flur hinunter. Links und rechts waren die Zimmer der anderen Vampire und am Ende der Gemeinschaftsraum. Tom betrat den Raum und wurde sofort freundlich von den Anwesenden begrüßt.
Die Zwillinge und ihr Bruder waren da und saßen zusammen mit Tian an einem Tisch. Milena – die Mädchen kamen üblicherweise ins Jungenwohnheim, um ihre Nachmittage zu verbringen und ihre Hausaufgaben zu erledigen - saß zusammen mit Thamos am Fenster und diskutierte mit ihm über ein Buch. Sogar die beiden traten ihm nun mit einer gewissen Akzeptanz entgegen.
Tom grüßte zurück und begab sich zu einem abgelegenen Alkoven, weg aus dem Sichtfeld der Anderen und wirkte einen Stillezauber über die Nische, in der er es sich nun gemütlich machte.
Er atmete tief durch und öffnete das Amulett, presste den Daumen auf die glatte, kühle Fläche. Es dauerte keine zehn Sekunden, bis das Gesicht seines Vaters erschien und Tom war etwas erschrocken über seine Erscheinung. Die Haare unordentlich, die sonst so lebendigen blauen Augen müde, dunkel umrandet, die Haut fahl.
„Junge, endlich! Noch ein Tag länger und ich wäre höchstpersönlich in diese vermaledeite Schule gekommen und hätte dich geholt!"
„Dad…"
„TOM LUCIAN RIDDLE! WAS HAST DU DIR DABEI GEDACHT? DACHTEST DU WIRKLICH, ICH WÜRDE NICHT HERAUSFINDEN, WER DEIN NEUER FREUND IST? UND DANN DIESER ANGRIFF VOR VIER TAGEN! WENN NUR DIE HÄLFTE DAVON WAHR IST, BIST DU WIRKLICH IN SCHWIERIGKEITEN, FREUNDCHEN!"
Toms Vater musste Luft holen und er nutzte die Chance, sagte leise:
„Dad, ich konnte doch nicht wissen, wer er ist und was die Konsequenzen sein werden!"
„ERZÄHL MIR JETZT NICHT, DASS DU EINEN VAMPIR, EINE GANZE GRUPPE VAMPIRE, NICHT ERKENNST, WENN SIE VOR DIR STEHEN! DASS DAS ÄRGER MIT SICH BRINGT, SOLLTE SOGAR DIR KLAR SEIN!"
„Aber Akkarin und die anderen sind echt in Ordnung und du wolltest doch schon immer in Kontakt mit den Vampiren…"
„VERSUCH JETZT BLOSS NICHT, MIR ZU ERZÄHLEN, DASS DU ES FÜR MICH GETAN HAST!"
„Nein… aber… ich…"
„UND DANN EINEN UNVERZEIHLICHEN?! AUF DEM DACH DEINER SCHULE?! BIST DU WAHNSINNIG?! WIESO MISCHT DU DICH IN DINGE EIN, DIE DICH NICHTS ANGEHEN UND BRINGST DICH IN LEBENSGEFAHR FÜR JEMANDEN, DEN DU NOCH KEINE WOCHE KENNST?!"
Die Augen seines Vaters hatten nun von einem kühlen blau in ein stechendes rot gewechselt und Tom war wirklich froh, weit weg von ihm zu sein; das endete nie gut.
„Aber ich konnte doch nicht einfach zuschauen, Dad!"
„DU KONNTEST NICHT ZUSCHAUEN? SOLL ICH DICH DAFÜR NOCH LOBEN?"
Jetzt war es an Tom, wütend zu werden.
„Ich habe ihm geholfen, weil er mein Freund ist und weil er in Lebensgefahr war. Ja, Dad, du solltest mich loben!"
Und dann war es so weit, sein Vater sah ihn perplex an; Tom hatte seinen Vater sprachlos gemacht. Sein Herz klopfte wie verrückt. Die Reaktionen seines Vaters waren immer so unvorhersehbar.
Tom war erleichtert, als sein Vater sich mit der Hand über das Gesicht fuhr und seufzte. Mittlerweile erkannte er die kleinen und großen Gesten und was sie bedeuteten. Und das hieß, dass ihn sein Vater zwar für einen hoffnungslosen Idioten hielt, aber trotzdem lieb hatte; und dass sein schlimmster Ärger verraucht war.
„Junge, was soll ich mit dir tun? Ich schick dich auf eine Schule weit weg von Britannien, damit du dort in Ruhe und in Sicherheit lernen kannst und du hast nichts Besseres zu tun, als dich mit dem ersten Vampir anzufreunden, der dir über den Weg läuft."
Der Ältere schüttelte den Kopf, seine Augen nun wieder ihrer gewohnten Farbe, fuhr dann fort.
„Weißt du überhaupt, mit wem genau du dich da eingelassen hast?"
Tom sah ihn verständnislos an. Natürlich wusste er, wer Akkarin war. Ein reinblütiger Vampir, offensichtlich im Clinch mit der Familie van Helsing und mit ihm im selben Jahrgang.
„Ja, ich denke schon."
„Nein, ich denke nicht, dass du es weißt."
„Ähh…"
Tom hatte zwar ein paar Gesprächsfetzen in dieser einen Nacht mitbekommen, aber nicht genug, um sich einen Reim darauf zu machen.
„Akkarin Meraxes Cross ist der Sohn von Nefarian Abraxas Cross, dem Anführer der Vampire und Schlüsselfigur in einer Rebellion, die sich nun schon seit einem Jahrzehnt dahinzieht und gerade in den letzten drei Jahren mehr oder weniger zu einem Krieg eskalierte. Und der Junge, der euch angegriffen hat, Nathanael van Helsing, stammt aus dem gegnerischen Lager, fünftältester Sohn von Rafael van Helsing, Enkel des berühmten Gabriel van Helsing."
Der Junge blickte seinen Vater mit großen Augen an.
„Das hat alles Onkel Lucius herausgefunden?"
„Vieles wusste ich schon, nur habe ich nicht gleich den Zusammenhang zwischen dem Jungen und seinem Vater gesehen, weil mir ein gewisser Jemand verschwiegen hat, dass sein neuer Freund ein Vampir ist."
Tom hatte wenigstens den Anstand, betreten dreinzublicken, aber die Ausführungen des Mannes hatten Toms Interesse geweckt und er musste einfach fragen.
„Und um was geht es bei dieser Rebellion?"
Sein Vater schien einen Moment zu überlegen, strich sich über das Kinn.
„Das ist gar nicht so einfach zu erklären, denn die Ziele und Beweggründe der einzelnen Fraktionen sind sehr unterschiedlich. Ganz grob gesagt wollten die Vampire anfangs einfach nur Akzeptanz gegenüber ihrer Rasse und Anerkennung als solche und nicht als Krankheit; ihre Gegner sehen Vampirismus als Krankheit und wollen diese ausrotten und die Welt davon befreien. Da sich dieser Konflikt jetzt aber schon über Jahre hinweg zieht, kamen natürlich persönliche Fehden und Beweggründe dazu und das Ganze ist in einen offenen Kampf zwischen Vampiren und Menschen ausgeartet."
Tom nickte; leider war die Erklärung sehr trivial. Er würde auf jeden Fall ein wenig nachforschen müssen, vielleicht sogar vorsichtig bei Akkarin nachfragen. Sein Vater schien seine Gedanken zu lesen.
„Tom, ich erwarte von dir, dass du dich da raushältst. Ein Krieg ist kein Kinderspiel, das solltest gerade du wissen."
Der Junge erinnerte sich an den Tag, an dem er seinem Vater und Severus heimlich in das Verlies gefolgt war. Er war damals sieben Jahre alt und wusste genau, dass er dort nichts zu suchen hatte. Und an diesem Tag hatte er erfahren, warum.
Flashback
Tom schlich die dunkle Treppe hinunter, mit jedem Schritt wurde die Luft kälter. Mit einer Hand strich er an der glitschigen, feuchten Wand entlang, um sich orientieren zu können. Vom Fuß der Treppe drang zwar ein blasser Lichtschimmer vor, wurde aber von der Dunkelheit fast gänzlich verschluckt. Fixiert auf das fahle Licht arbeitete sich Tom Schritt für Schritt vor. Er hielt inne, als er die kalte Stimme seines Vaters vernahm; er konnte nichts verstehen, das Echo verzerrte die Stimme grotesk. Aber dennoch konnte er leicht erkennen, dass sein Vater wütend war. Ein Schauer jagte ihm über den Rücken, aber die Neugier siegte über die Angst und er schob sich ein paar Treppenstufen weiter hinunter. Unten angelangt schlüpfte er hinter eine der vielen Säulen des Gewölbes und sah sich vorsichtig um.
Die Wände waren mit Zellen gesäumt, die mit rostigen Gitterstäben sowie von dem Gang in der Mitte als auch voneinander abgetrennt waren. Die Zelle neben ihm war zum Glück leer; fauliges Stroh lag auf dem Boden, sonst nichts; kein Bett, kein Fenster, keine Latrine. In einer Ecke meinte er, eine undefinierbare Masse ausmachen zu können, aber je genauer er hinsah desto klarer wurde ihm, dass er eigentlich gar nicht wissen mochte, was es ist oder irgendwann einmal war; die weißlichen Teile sahen verdächtig nach Knochen aus. Erst jetzt nahm er den Gestank bewusst wahr.
Eine Zelle weiter lag ein Schatten auf dem Boden. Das Weiß in den Augen stand in einem krassen Kontrast zum sonst dreckigen, eingefallenen Gesicht. Tom erstarrte, als er sah, dass die Augen auf ihn fixiert waren. Er hielt still und beobachtete die Gestalt einige Augenblicke, erst dann fiel ihm der leere Blick auf, die stumpfen Pupillen. Er entspannte sich, atmete die angehaltene Luft aus – und konnte gerade noch einen Schrei unterdrücken, als sich die gebrochene Gestalt plötzlich in Krämpfen wand, den Mund weit aufgerissen zu einem lautlosen Schrei. Die Person, ob Frau oder Mann war nicht erkennbar, hatte weder Zunge noch Zähne. Angewidert wandte er sich ab, einen bitteren Geschmack im Mund.
Ein gezischtes Wort ließ ihn aufhorchen – Parsel. Er bewegte sich um die Säule herum, um einen Blick auf die Szene zu erhaschen.
„Los! Rede!"
Severus stand hinter einem knienden Mann, hatte dessen Kopf am Haar zurückgerissen und hielt ihm den Zauberstab an die Kehle. Sein Vater stand vor dem Mann, groß, gefährlich und ganz der Dunkle Lord, der er war, den Zauberstab in der Hand, die Augen rot blitzend.
Tom hatte nie verstanden, warum die Gefolgsleute seines Vaters ihn mit Dunkler Lord ansprachen und ihm manchmal sogar ängstlich entgegen traten – doch heute würde er es erfahren.
„Ah, Mr. Fitzgerald. Ich hatte wirklich gehofft, dass ein paar Tage in diesem… Etablissement… sie davon überzeugen würden, ein wenig zu kooperieren."
Der Mann riss sich von Severus´ Hand los, schoss hoch und spuckte Voldemort ins Gesicht. Ein Tritt in die Kniekehlen beförderte ihn wieder auf den Boden. Schwarze Schlingen schossen aus Severus´ Zauberstab hervor und fesselten den Mann.
„Verzeiht, mein Lord."
Statt zu antworten, trat Voldemort dem Mann brutal vor die Brust, lachte kalt, als dieser mit dem Gesicht auf dem Boden aufschlug, einen Zahn und Blut ausspuckte. Voldemort ging in die Hocke, packte Fitzgerald grob am Kinn, zwang ihn, zu ihm aufzusehen. Er sah ihm fest in die Augen und knurrte:
„Ich frage nun ein letztes Mal! Wo… sind… die… Potters?!"
Fitzgeralds Augen verengten sich zu Schlitzen, sein Gesicht zu einer Grimasse verzogen.
„Da hilft dir auch dein Legilimens nichts mehr, Dumbledore ist viel zu mächtig für dich. Dir werde ich niemals irgendwas verraten, Abschaum!"
„Wir werden sehen…"
Es war zwar nur ein Flüstern, doch hallte die Stimme seines Vaters kristallklar durch das Gewölbe und ging Tom durch Mark und Bein. Voldemort ließ den Mann los und richtete sich auf, den Blick auf den am Boden liegenden fixiert. Mit einem gefühlslosen Grinsen rollte er seinen Zauberstab zwischen den Fingern, offensichtlich die Angst des Anderen genießend. Der Mann lag am Boden, zitternd. Tom konnte Schweißperlen auf seiner Stirn sehen.
Tom hatte keine Ahnung, was folgen würde. Hätte er es gewusst, wäre er niemals in den Keller gefolgt. Dessen war er sich sicher.
Sein Vater richtete seinen Zauberstab auf den Mann und ein einzelnes Wort schnitt durch die unheilschwangere Stille:
„Crucio."
Nur Sekunden später erfüllten Schmerzensschreie den Keller, der Mann warf sich hin und her, seine Gliedmaßen zuckten unkontrolliert, die Augen rollten nach hinten, Speichel floss aus seinem Mund. Noch schlimmer war für Tom der Anblick seines Vaters – wie er da stand, emotionslos und mit einer Routine, die vermuten ließ, dass das alltäglich für ihn war. Voldemort zuckte nicht ein einziges Mal, als der Mann um sein Leben schrie. Auch Severus schien größtenteils unberührt, nur seine Augen zuckten hin und her, weg von dem Gefangenen und wieder zurück.
Nach schier endlosen Sekunden hob Voldemort seinen Zauberstab, entließ den Mann aus dem Fluch. Dieser hatte zwar aufgehört zu schreien, aber sein Körper, seine Nerven zuckten noch immer, Speichel und Blut klebte an seinem Kinn.
„Also nochmal… Wo sind sie?"
Der Mann spuckte wieder in die Richtung seines Vaters, die Mischung aus Speichel und Blut landete knapp vor seinen Stiefeln.
Fitzgerald hatte den Mund noch nicht ganz geschlossen, da zuckte er schon unter dem nächsten Cruciatus.
Tom wurde schlecht und mit jedem Fluch, der gewirkt wurde, wurde es schlimmer. Zuerst dachte er, der Cruciatus ist das Schlimmste, das er jemals gesehen hatte, aber als der Mann immer noch nicht bereit war, den Aufenthaltsort dieser Potters preis zu geben, wurde sein Vater immer „kreativer". Der Mann war inzwischen nur noch ein nacktes, zusammengekauertes Etwas und Tom fragte sich, warum dieser nicht einfach redete. Damals dachte er noch, dass ihn sein Vater dann sicher in Ruhe lassen würde. Ein weiterer Fluch zog wieder seine Aufmerksamkeit auf die Szene.
„Deglubo"
Tom würgte, als ihm die Galle hochkam. Sogar Severus stolperte ein paar Schritte zurück, hielt sich die Hand vor den Mund. Sein Vater hielt den Zauberstab fest auf den Mann gerichtet, dessen Haut sich langsam in langen, blutigen Streifen abschälte. Dieser hatte sich inzwischen heiser geschrien, röchelte nur noch erbärmlich. Rohes Fleisch zeigte sich am ganzen Körper, Blut floss in feinen Strömen und sammelte sich in einer Lache. Doch damit nicht genug.
Voldemort brachte die Spitze seines Zauberstabs zum Glühen und setzte sie auf der Brust Fitzgeralds auf. Dieser hatte nicht einmal mehr die Kraft, zurückzuweichen. Nur ein schwaches Wimmern war zu vernehmen. Langsam und ohne Mitleid fuhr die glühende Spitze über das Brustbein zum Schlüsselbein hinauf, dann über den Hals, eine schwarze Spur verbrannten Fleisches hinterlassend. Am Kehlkopf angekommen, stoppte Voldemort, erhöhte den Druck. Rauch stieg auf und damit der Geruch verbrannten Fleisches. Der Gestank ließ Tom auf die Knie fallen.
Ein spitzer Schrei, dann Gurgeln, dann nichts. Die Spitze hatte sich durch Muskeln und Gewebe gefressen. Tom übergab sich geräuschvoll.
Zwei Köpfe schossen herum, beide Augenpaare, stechend rot und unendlich schwarz, fixierten ihn. Ein Gesicht wutverzerrt, das andere erschrocken, schuldbewusst.
„Severus!"
Sein Vater nickte in die Richtung seines Sohnes, wandte sich dann wieder dem Gefangenen zu, der nun regungslos am Boden lag. Mit wenigen Schritten war Severus bei Tom, legte einen Arm um seine Schultern, half ihm hoch. Sein Vater stand mit dem Rücken zu ihnen, aber Tom musste sein Gesicht nicht sehen um zu wissen, wie wütend er war. Seine Nackenhaare stellen sich auf, als sein Vater zischte:
„Bring ihn her. Er soll genau sehen, wie Ungehorsam bestraft wird."
Tom wollte nicht, er sträubte sich mit aller Macht gegen seinen Patenonkel, doch es half nichts. Auch das geflüsterte „Tut mir leid." Von Severus machte es nicht besser. Schon stand er neben seinem Vater, die Hände des Zaubertrankmeisters fest auf seinen Schultern, ihn weniger festhaltend, als aufrecht haltend. Seine Knie hatten ihm schon lange den Dienst versagt. Sein Vater sagte:
„Sieh genau hin."
Es war Parsel. Severus hinter ihm versteifte sich, wie die meisten Zauberer, wenn sie die Sprache der Schlangen hörten.
„Sieh genau hin und lerne deine Lektion. Widersetze dich niemals wieder meinen Anweisungen!"
Tom wollte wegschauen, aber seine Augen gehorchten ihm nicht mehr. Er verinnerlichte das ganze grausame, groteske Bild, das sich ihm bot. Das Bild eines misshandelten Menschen, der kurz vor dem Tode stand. Erst jetzt konnte er ganz und gar erfassen und verstehen, was er eben mit angesehen hatte.
Und sein Vater hatte dies alles angerichtet – Tränen formten sich in seinen Augen, suchten sich ihren Weg über seine bleichen Wangen, er zitterte am ganzen Körper.
Er sah nicht, wie sein Vater den Zauberstab wieder auf die Gestalt am Boden richtete, doch die nächsten Worte verfolgten ihn noch lange.
„Avada Kedavra!"
Das gleißende, grüne Licht würde er niemals vergessen können.
Xxx
Mit einem leichten Schaudern schüttelte Tom die Erinnerung ab, verbannte sie zurück in den dunkelsten, hintersten Winkel seines Gedächtnisses.
„Trotz der Informationen über Mr. Cross erwarte ich von dir, absolute Geheimhaltung über dich selbst zu bewahren; und natürlich über mich. Auch wenn du denkst, dass ihr gewisse Gemeinsamkeiten habt, kann ich das Risiko, das von Mr. Cross und seinem Vater ausgeht, noch nicht voll einschätzen. Halte dich bedeckt und im Hintergrund. Und mit Flüchen um sich zu werfen zählt da nicht dazu!"
Tom errötete leicht.
„Ja Sir."
Der Dunkle Lord lächelte seinem Sohn zu.
„Und damit wir uns verstehen – wenn du dich noch ein einziges Mal in solche Gefahr begibst, werde ich schneller hier sein und dich holen, als du dein Medaillon herausholen kannst, um mir deine Dummheiten zu erklären. Und ich hätte dann noch eine Kopie der Erinnerung…"
Die Aussicht auf eine Bestrafung schickte ihm unwillkürlich Schauer über den Rücken. Folgsam tippte er sich mit seinem Zauberstab an die Schläfe und zog einen feinen, silbernen Strang hervor. Vorsichtig ließ er die Erinnerung in den Spiegel tropfen, dessen Bild daraufhin silbrig verschwamm. Es wurde erst wieder klar, als sein Vater die Erinnerung abzog und in eine Phiole füllte.
„Sehr gut. Und das nächste Mal, wenn dein Medaillon glüht und du nicht reagierst, hast du hoffentlich einen verdammt guten Grund, Tom."
„Ja, Sir."
„Und…"
Sein Vater wurde unterbrochen, als es im Hintergrund laut an die Tür klopfte.
„Tom, ich muss aufhören. Pass auf dich auf, mein Junge und wenn es Probleme gibt, kontaktiere mich. Ich werde ein paar Gefolgsleute in der Nähe postieren, die innerhalb weniger Minuten da sein können. Nein, keine Widerrede!
Also mach´s gut, hab dich lieb!"
„Bye, Dad. Hab dich auch lieb!"
Dann war der Spiegel blank und er sah nur seine eigene Reflexion. Er kicherte leise in sich hinein; schon paradox, wie sein Vater, der Dunkle Lord, Personifizierung des Bösen, Überbringer der Dunkelheit, seinem Sohn sagte, dass er ihn lieb hat. Wenn das ein Außenstehender hören würde, würde dieser wohl entweder schnell an einem Herzinfarkt sterben, oder langsam an einem Lachkrampf.
Aber auch wenn Tom ab und an darüber lachte, wie sich das Verhalten seines Vaters im Umgang mit ihm änderte, wusste er es auch zu schätzen. Es war etwas, das er nur mit seinem Vater teilte. Nur wenige handverlesene Freunde wussten überhaupt, dass der Dunkle Lord einen Sohn hatte und dass er diesen mehr als alles andere liebte. Tom konnte diese Leute fast an einer Hand abzählen; sein Patenonkel Severus Snape, die Malfoy´s – Lucius, Narcissa und Draco - und die Lestrange´s – Rodolphus, Rabastan und Bellatrix.
Erleichtert, dass das Gespräch relativ glimpflich ausgegangen war, ließ er das Amulett zurück unter sein Shirt gleiten und gesellte sich zu Tian und den drei Brüdern.
