Hier mal ein absolut sinnfreies Kapitel. Hatte ja gar nicht vor, das so ausführlich zu schreiben, aber irgendwie war der Text dann einfach da, also warum nicht auch posten?

Gruß

Der Poltergeist

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Samstag war es dann soweit. Um 10 Uhr stand der erste Unterricht in magischem Schwertkampf an. Tom stand unschlüssig vor seinem Kleiderschrank, nicht sicher, welche Kleidung die richtige ist. Hilfesuchend sah er zu Akkarin hinüber. Dieser zog gerade lederne Hosen an und schlüpfte in weiche Lederstiefel.

„Was soll ich denn für den Unterricht anziehen?"

Akkarin schlug sich mit der Hand vor die Stirn.

„Ach das hab ich ganz vergessen. Ich wollte dir ja noch sagen, dass es für den Schwertkampf spezielle Kleidung gibt, dann hättest du sie schon bestellen können. Aber du kannst auch einfach normale Sportklamotten oder eine Jeans anziehen, heute geht es sicher noch nicht zur Sache."

Tom akzeptierte die Antwort und kramte seine Sportsachen heraus, ein schwarz-grüner Trainingsanzug und bequeme Turnschuhe dazu. Akkarin versicherte ihm nochmals, dass er damit sicher nicht auffallen würde in der ersten Stunde, bevor er sich anzog.

Zusammen schlenderten sie Richtung Sportanlagen. Gut, dass Akkarin wusste, wo sich die Trainingsräume befanden.

„Schade, dass wir im ersten Jahr noch kein eigenes Schwert haben dürfen. Ich hab ein richtig gutes zuhause mit eingebetteten Sockeln zur Verstärkung. Aber ich habe gehört, dass die Trainingsschwerter hier auch nicht allzu schlecht sein sollen. Sie haben zwar keine Extras wie Sockel oder dauerhafte Verzauberungen, aber solange sie einigermaßen ausbalanciert sind, sollten sie ausreichend sein zum Üben."

Tom hatte keine Ahnung, über was der Andere sprach. Er hatte bis vor ein paar Tagen noch nie etwas von magischem Schwertkampf gehört, also ließ er Akkarin einfach weiter über Schwerter und ihre Vorzüge philosophieren und versuchte, sich so viel wie möglich einzuprägen, damit er nachher nicht absolut ohne Vorkenntnisse dastand.

Aber er hätte sich gar nicht so viele Gedanken machen müssen, denn er stellte sehr schnell fest, dass er nicht der einzige Neuling in diesem Sport war. Es hatten sich viele aus seiner Stufe gemeldet und die meisten von ihnen hatten genauso viel Ahnung wie er selbst – nämlich gar keine. Und es stimmte, er fiel in seinem Trainingsanzug wirklich nicht auf, sogar einige der Älteren trugen einfache Sportklamotten. Aber ihm fiel auch auf, dass die Vampire und Werwölfe ausnahmslos Lederkleidung trugen. Die höheren Stufen hatten offensichtlich auch alle ein eigenes Schwert. Zu seiner Enttäuschung entdeckte er auch bald Nathanael in der Menge, zusammen mit Yvi. Er wandte den Blick ab und ignorierte sie, bevor sie zu ihm herübersahen.

Der Lehrer war noch nicht da, also schaute er sich den Trainingsraum genauer an – wobei Raum untertrieben war, Halle würde es eher treffen. Aber sie waren auch an die fünfzig bis sechzig Schüler, der Platz war also durchaus angemessen. An der einen Wand stand ein langes Gestell, auf dem viele Schwerter aufgestellt waren; sie schienen alle dasselbe Design zu haben. Ein blauer Schimmer über dem Gestell verriet Tom, dass wohl eine Barriere darüber lag. An der gegenüberliegenden Wand standen Trainingspuppen aufgereiht.

Akkarin stieß ihn an und lenkte Toms Aufmerksamkeit auf sich.

„Die Lehrer sollen richtig cool sein, hat Cassidian gesagt."

„Die Lehrer?"

Akkarin nickte.

„Ja, zwei. Sie sind…"

Der Vampir wurde unterbrochen, als die Türen geräuschvoll aufschwangen. Ein Mann, etwa Mitte vierzig, und eine Frau, um die zwanzig, traten ein – oder besser gesagt, stürmten herein. Der Mann baute sich vor ihnen auf und seine Erscheinung war imposant. Er war hoch gewachsen, hatte breite Schultern und ein angriffslustiges Blitzen in den grünen Augen. Das fast schulterlange, blonde Haar trug er offen und es fiel ihm verwegen ins Gesicht. Routiniert pustete er die Strähnen zur Seite und zeigte ein breites Lächeln.

„Guten Morgen, Leute! Wie ich sehe, habt ihr alle den Sommer überlebt!"

Er zwinkerte ihnen zu.

„Und ein paar neue sind auch da. Also ich bin Crave und das hier ist Scarlett und wir sind eure Lehrer. Es gibt nicht viel zu sagen, aber ich kann euch versprechen, wenn ihr die ersten paar Stunden überstanden habt, macht es verdammt viel Spaß!"

Tom war sich nicht sicher, was Crave damit meinte, oder ob er es unbedingt wissen wollte.

„Heute werden wir mal mit den Basics anfangen. Für die, die letztes Jahr schon hier waren, könnte es heute ein bisschen langweilig werden, aber da müsst ihr jetzt einfach durch. Wir werden euch als erstes zeigen, wie man ein Schwert richtig hält und danach, was es mit der Magie auf sich hat. Am Ende des heutigen Trainings werden Scarlett und ich gegeneinander antreten und euch zeigen, wie so ein Kampf aussehen kann."

Die Älteren johlten, als Crave den Schaukampf ansagte. Tom hörte die Jungs hinter ihm flüsternd Wetten auf den Sieger abschließen. Bis jetzt hatte Crave anscheinend immer gewonnen, aber letztes Jahr schien es knapp gewesen zu sein. Aber schon sprach Crave weiter und die Jungs verstummten augenblicklich.

„Alle, die kein eigenes Schwert besitzen, holt euch eins!"

Er schnippte seinen Zauberstab Richtung Schwertständer und der Schimmer verschwand. Tom und Akkarin gingen hinüber und nahmen jeder eines. Dort sahen sie auch Sebastian, der ihnen zwar zuwinkte, sich aber an Cassidian hielt. Tom hatte nichts dagegen, er mochte Sebastian zwar, aber trotz seiner Erscheinung war er einfach viel älter als sie und irgendwie passte das nicht so richtig.

„Also, ich zeige euch jetzt erst einmal die Standardstellung und dann ein paar einfache Schritte und Bewegungen, die ihr die Woche über bis nächsten Samstag auch ohne Schwert üben könnt."

Verwundert bemerkte Tom, dass auch die Geübten unter ihnen gewissenhaft alle Übungen mitmachten. Aber er hatte keine Zeit, sich weiter umzuschauen, denn die Schrittabfolgen kosteten ihn seine ganze Aufmerksamkeit. Irgendwie hatte er sich das einfacher vorgestellt und langsam bekam er eine Vorahnung, was Crave mit seiner Aussage vorhin meinte, dass sie die ersten Stunden einfach überstehen müssten.

Schon nach einer Stunde Training taten ihm alle Muskeln und Knochen weh. Am Ende der Unterweisung konnte nicht einmal mehr das Schwert ohne Anstrengung heben. Und wenn er sich so umsah, erging es vielen anderen nicht besser. Erleichtert ließ er auf Craves Befehl das Schwert sinken und setzte sich mit den anderen in einem Halbkreis auf den Boden. Zu seiner Überraschung hatte das Training Akkarin augenscheinlich nicht die geringste Anstrengung gekostet; der Vampir saß da, als wäre er gerade erst gekommen, vollkommen entspannt. Akkarin hatte seinen Blick bemerkt.

„Hey, ich mach die Übungen schon seit ich ein Schwert halten kann. Anfangs war ich auch immer fix und fertig. Aber die Kondition kommt schnell, mach dir keine Sorgen."

Tom konnte nichts mehr entgegnen, denn Crave richtete wieder das Wort an sie.

„So, wie besprochen, kommen wir nun zum magischen Teil des Ganzen. Und diesen wird euch Scarlett jetzt erklären."

Tom nahm nun zum ersten Mal die junge Frau bewusst war, als hätte er eben erst bemerkt, dass sie da ist. Ungleich Crave hatte sie langes, dunkelbraunes Haar, das zu einem Zopf geflochten über ihre Schulter hing. Sie trug ebenfalls lederne, schwarze Hosen, dazu aber ein schwarzes, ärmelloses Top. Ihre Augen blitzten in demselben Grün wie die von Crave. Ihr Schwert hing an ihrem Gürtel, es glänzte silbern und war mit vielen, verschiedenen Runen verziert, der Griff mit einem Lederstreifen umwickelt. Sie war sehr sportlich und mit der richtigen Kleidung konnte sie durchaus als Mann durchgehen. Doch als sie sprach, überraschte sie mit einer melodischen Stimme.

„Wie mein Vater schon sagte, ich heiße Scarlett und bin für den magischen Teil zuständig. Ich werde euch heute die Grundverzauberungen für den Schwertkampf erklären. Es gibt vier Verzauberungen, die ihr auf jeden Fall beherrschen solltet. Zuerst ist da die Feuerverzauberung."

Scarlett tippte mit ihrem Zauberstab auf die Schwertklinge und diese begann, rötlich zu glühen.

„Hiermit verstärkt ihr den Schaden, den ihr mit der Klinge zufügen könnt. Natürlich kann sie nun auch Brandverletzungen zufügen. Der Nachteil ist, dass die Klinge dadurch an Haltbarkeit verliert. Das Gegenteil davon ist Eis."

Wieder tippte sie die Klinge an und nun leuchtete sie blau.

„So erhöht sich die Haltbarkeit und das Gewicht eures Schwertes, was dann einen Vorteil bietet, wenn ihr größtmöglichen Schaden zufügen wollt. Der Nachteil ist, dass ihr dadurch auch langsamer werdet. Dann haben wir die Blitzverzauberung."

Dieses Mal verzichtete Scarlett auf den Zauberstab und überzog die Klinge mit einem Schnipsen ihrer Finger. Gelbes Licht zuckte um den blanken Stahl.

„Hiermit blendet ihr den Gegner und könnt ihn mit einem gut platzierten Treffer sogar paralysieren. Aber wenn ihr die Konzentration verliert, könnt ihr euch mit dieser Verzauberung auch selbst außer Gefecht setzen. Und hier das Gegenteil von der Blitzverzauberung, Schatten.

Sie schnipste wieder und die Klinge war von dunklen Schatten umhüllt. Sie schwang das Schwert und die Klinge schien immer wieder für ein paar Momente zu verschwinden, um dann wieder aufzutauchen.

„Wie ihr seht, verschwindet das Schwert für ein paar Momente, was den Gegner immens verwirrt und es euch erleichtert, Treffer zu landen. Der Nachteil ist, dass man selbst leicht den Überblick verlieren kann und sich selbst verletzt."

Sie zog ihr Top ein wenig hoch und zeigte eine lange Narbe knapp über der Hüfte; der ein oder andere schauderte.

„Mit diesen vier Grundverzauberungen werdet ihr, die Anfänger, beginnen zu arbeiten. Die Älteren werden sich weiter im echten Kampf üben und weitere kombinierte Techniken, Verzauberungen und Inschriften lernen. Und wie jedes Jahr sind die Theoriestunden zum Thema Inschriften Pflicht! Wer nicht kommt, darf auch nicht mehr mittrainieren und muss zuschauen!"

Viele stöhnten, aber Scarlett ließ keine Widerrede zu. Sie wandte sich an ihren Vater.

„Ich habe für heute alles gesagt, was es zu sagen gibt. Lass uns anfangen!"

Sie richtete das Schwert auf ihn, winkte ihm mit der freien Hand auffordernd zu. Crave lachte nur und zog sein eigenes Schwert. Es war komplett schwarz und die Runen leuchteten rot. Unter dem Griff prangte ein schön geschnittener Rubin in einem Sockel.

„Scythe. Eines der legendären Schwerter!"

Akkarin war ganz aufgeregt und lehnte sich noch etwas mehr nach vorne, um alles genau zu sehen.

Crave ließ das Schwert locker in der Hand rotieren und nahm eine defensive Stellung ein.

„Dann komm doch."

Er hatte noch nicht ganz zu Ende gesprochen, als Scarlett schon auf ihn zuflog und in der Bewegung ihr Schwert mit Eis überzog. Sie holte in der Bewegung weit aus und schlug präzise auf den Punkt mit aller Wucht zu. Zuerst sah es so aus, als würde Crave entgegen aller Vernunft blocken, aber dann entschied er anders und wich aus. Es war sehr knapp und er hatte es nur seinen langjährig trainierten Reflexen zu verdanken, dass er unbeschadet davon kam. Noch im Zurückweichen glühte sein Schwert auf und er stach zu. Die Klinge zerfetzte den Stoff von Scarletts Top aber ihre Haut blieb unverletzt.

Scarlett überraschte ihren Vater mit einem Tritt vor die Brust und stieß ihn zurück. Schon schwang sie das Schwert abermals, aber dieses Mal blockte Crave mit einem Grinsen.

„Dieses Mal willst du es also dreckig, huh?"

Und damit drückte er ihr Schwert hoch und rempelte sie mit der Schulter um. Doch statt auf den Boden zu fallen rollte sich die Frau geschickt nach hinten ab und stand wieder auf beiden Beinen.

Schlagabtausch folgte Schlagabtausch, die Luft vibrierte nur so vor Magie. Tom kam es vor, als hätten sie erst ein paar Momente lang gekämpft, aber die Schweißflecken auf der Kleidung der Beiden sprachen eine andere Sprache. Scarlett ging in eine offensive Stellung.

„Ich werde das jetzt beenden!"

Sie fuhr ihre Klinge mit der Hand ab und eine Spur aus Feuer und Blitzen folgte ihr. Sie schwang ihr Schwert, ein Blitz schoss auf den überraschten Crave zu und traf ihn. Er schien paralysiert, als Scarlett weit ausholend auf ihn zustürmte. Wie bei ihrer ersten Attacke schlug sie mit voller Kraft zu, aber das Schwert bewegte sich nun um ein vielfaches schneller, durchschnitt regelrecht die Luft – und Crave.

Craves Abbild flimmerte noch einen Moment, löste sich dann auf und im selben Moment erschien er hinter Scarlett, sein Schwert und er selbst in Schatten gehüllt. Mit einem Grinsen zog er Scarlett mit seinem freien Arm an sich und legte sein Schwert an ihre Kehle. Hinter Tom stöhnten einige der Jungs, die vorher für Scarlett gewettet hatten, enttäuscht auf.

„Game over."

Scarlett ließ zum Zeichen ihrer Niederlage ihr Schwert sinken und hob die freie Hand. Mit ruhiger Stimme sagte sie:

„Das war unfair. Du hast nur wegen deinem Schwert gewonnen."

Crave lachte nun und ließ sie los.

„Gewonnen ist gewonnen. Man muss seine Möglichkeiten ausnutzen, besonders wenn man Spezialfähigkeiten zur Hand hatd. Aber dieses Mal warst du echt nah dran, zu gewinnen."

Er zwinkerte ihr zu. Mit einem Lächeln wandte er sich an die Zuschauer.

„Nun habt ihr gesehen, was alles möglich ist. Und das war noch lange nicht alles! Wenn ihr eine Disziplin sucht, in der ihr kreativ sein könnt, körperlich wie auch geistig und magisch, dann seid ihr hier richtig. Wenn euch das zu anstrengend erscheint, dann seid ihr nun entlassen."

Crave gab den Schülern die Gelegenheit, den Trainingsraum zu verlassen und ein Mädchen, zusammen mit zwei Jungen, verließ tatsächlich den Raum. Crave nickte und fuhr fort.

„Alle anderen erwarte ich nächsten Samstag um dieselbe Zeit wieder hier. Übt die Schritte, die ihr heute gelernt habt und dann werden wir nächste Woche ans Eingemachte gehen! Schönes Wochenende euch noch!"

Damit verbeugte sich Crave und auch Scarlett, die immer noch ein wenig schmollte. Sie winkten ihnen noch zu, als sie den Raum verließen.

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Beim Mittagessen hatten die Vampire und Tom kein anderes Thema als den Kampf zwischen Crave und Scarlett. Es war wirklich spektakulär mitanzusehen und obwohl es Toms Lieblingsessen gab, nahm er gar nicht allzu viel davon wahr, so begeistert war er von der für ihn neuen Sportart. Und hätte er zwischen Mittagessen und dem Sportkurs Zeit gehabt, hätte er sofort die angemessene Kleidung dafür bestellt.

Aber gleich nach dem Mittag ging es ab zum Sportplatz, wo sich etwa 35 Schüler versammelt hatten. Von den Vampiren waren sonst noch Cassidian, Thamos, die Zwillinge Aridian und Sirian und Tian da, dazu Cameron und neun seiner Freunde. Der Rest setzte sich aus Schülern und Schülerinnen aller Altersstufen zusammen. Tom war überrascht, als er ihren Zaubertranklehrer den Weg entlang kommen sah. Er trug ebenfalls Sportkleidung, also war Francis Carter offensichtlich ihr Lehrer für diesen Kurs. Er hatte einen schwarz-weißen Ball unter den Arm geklemmt.

„Hallo Jungs und Mädels! Ihr kennt mich ja alle schon und ich auch die meisten von euch, also können wir die Vorstellungsrunde auslassen. Schön, dass sich dieses Jahr wieder so viele eingetragen haben. In diesem Kurs werden wir verschiedene Sportarten aus der Muggelwelt kennenlernen und ausüben. Hauptsächlich werden wir uns auf Teamsportarten konzentrieren, so bekommt jeder die Möglichkeit, mitzumachen. Jegliche Anwendung von Magie ist in diesem Kurs natürlich verboten."

Professor Carter machte eine kurze Pause, damit sich die Schüler das Gesagte einprägen konnten, dann fuhr er fort.

„Und ja, ich weiß, wir haben Vampire und Werwölfe unter uns, die den anderen unter Umständen körperlich überlegen sind. Aber wie jedes Jahr werde ich natürlich darauf achten, dass die Teams fair aufgeteilt sind und gleiche Chancen haben."

Tom blickte zu den Werwölfen hinüber und Cameron winkte.

„Also dann fangen wir mal mit einem leichten Aufwärmtraining an und danach spielen wir Fußball. Ich erkläre grob die Regeln, während wir uns aufwärmen und dann legen wir einfach mal los. Und los geht's!"

Tom hätte es ja nicht geglaubt, aber der Kurs machte ihm echt Spaß. Es war zwar ungewohnt und auch anstrengend, keine Magie zu benutzen, aber Spielen war noch nie so unterhaltsam und fordernd wie dieses Fußball. Anfangs war er noch froh, überhaupt den Ball zu treffen, aber nach und nach wurde er immer sicherer. Am Ende des dreistündigen Kurses hatte er das Gefühl, das Spiel verstanden zu haben und einigermaßen mit den Geübteren mithalten zu können. Tom empfand es als sehr entspannend, sich einfach nur ein bisschen zu bewegen ohne jeglichen Leistungsdruck. Auch die Vampire wirkten so locker wie sonst noch nie. Sie unterhielten sich sogar mit den anderen Schülern, egal ob magisches Wesen oder nicht. Die Arroganz, die sie normalerweise zeigten, war hier auf dem Platz nicht existent. Er bemerkte nicht, wie ein Mädchen an ihn herantrat, als er die Vampire bei ihrer Interaktion mit anderen beobachtete.

„Schade, dass sie sonst so verschlossen sind. Ich frag mich, wie du das aushältst."

Tom wandte sich überrascht um. Ein Mädchen, vielleicht zweite oder dritte Stufe, stand knapp hinter ihm und lächelte ihm freundlich zu. Sie war recht hübsch und war Tom auf Anhieb sympathisch. Sie hatte ihn ein wenig überrumpelt, daher zuckte er nur mit den Schultern.

„Hier kann man ganz normal mit ihnen reden, aber ich würde mich nicht trauen, in der großen Halle zu euch hinüber zu gehen. Wahrscheinlich würden sie mich einfach ignorieren."

Nun musste Tom lächeln.

„So schlimm sind sie doch gar nicht und sie würden dich sicher nicht einfach ignorieren, zumindest nicht aus Arroganz. Sie sind einfach misstrauisch wegen der Vorurteile, mit denen sie zu kämpfen haben."

Das war zumindest Toms eigene Einschätzung, warum die Vampire lieber unter sich blieben. Sie bildeten aus Selbstschutz eine Gruppe, nicht wie die Werwölfe aus Instinkt. Daher war es schwer, in die Gruppe aufgenommen zu werden, aber wenn man sich einmal das Vertrauen verdient hatte, so wie er in jener Nacht, behandelten sie einen ganz normal.

„Hm, so habe ich das noch gar nicht gesehen. Da könntest du Recht haben. Ich heiße übrigens Lessa."

Sie hielt ihm die Hand hin und zeigte ihm ein strahlendes Lächeln; er nahm sie zögerlich und spürte Wärme in seinen Wangen aufsteigen, als er ihre Hand schüttelte.

„Ich heiße Tom, schön dich kennenzulernen."

Bevor sie sich aber weiter unterhalten konnten, wurden sie beide wieder ins Spiel eingewechselt. Tom hatte nicht mehr die Gelegenheit, sich nochmals mit Lessa zu unterhalten; sehr zu seiner Enttäuschung. Aber vielleicht würde er sie ja auf den Gängen oder beim Essen wiedersehen und vielleicht hatte er ja die Gelegenheit, sie anzusprechen.

Seine Gedankengänge wurden jäh unterbrochen, als Tian ihm auf die Schulter klopfte.

„Hey Tom, gut gespielt fürs erste Mal!"

Tom grinste. Der Kurs war für heute zu Ende und seiner Meinung nach hatte er sich gar nicht mal so schlecht angestellt.

„War es denn so offensichtlich?"

„Du hast an den ersten drei Bällen vorbeigekickt, also ja?"

Tian lachte und Tom fiel mit ein. Akkarin, der in der anderen Mannschaft gespielt hatte, kam dazu.

„Hey und wie hat es dir gefallen?"

„Richtig gut, das macht echt Spaß! Aber du hast das doch schon vorher gespielt oder?"

„Ja, zuhause. Cassidian hat mir vor ein paar Jahren einen Ball geschenkt und immer, wenn er mit seinem Bruder vorbei kam, haben wir eine Runde gespielt. Oder ich hab allein ein bisschen gekickt. Ist ganz gut zum Zeitvertreib."

Der Vampir zuckte grinsend mit den Schultern.

„Wer war übrigens das Mädchen vorhin?"

„Das war Lessa aus meiner Klasse. Die ist ganz nett, aber bisschen schüchtern. Hätte nicht gedacht, dass die mal jemanden von sich aus anspricht."

Kam Tian Tom zuvor.

„Was wollte sie eigentlich von dir?"

Tom hatte schon mit dieser Frage gerechnet und sich eine Antwort zurechtgelegt.

„Sie wollte nur wissen, ob mir der Kurs bis jetzt gefällt und dann hat sie sich noch vorgestellt."

„Und dabei bist du ganz rot geworden! Wie süß!"

Spottete Akkarin.

„Und du wirst noch eine ganze Weile rot bleiben!"

Tom klatschte Akkarin mit der flachen Hand leicht auf den sonnenverbrannten Nacken und lachte zusammen mit Tian über den jammernden Vampir. Erst als sie sich beruhigt hatten, fragte Tian den Jüngeren.

„Warum nimmst du keine Sonnencreme? So ein Sonnenbrand tut doch weh…"

„Sonnen… was?"

Akkarin sah ihn verwirrt an und auch Tom wusste nicht genau, von was Tian sprach.

„Sonnencreme. Das ist eine Erfindung der Muggel und wenn du dich damit eincremst, bekommst du keinen Sonnenbrand mehr. Hat dir das denn keiner gesagt? Wir alle benutzen Sonnencreme."

Die beiden Jungs sahen ihn immer noch verwirrt an. Tian bezeigte ihnen, ihm zu folgen.

„Na dann kommt mal mit, ich hab noch eine Tube über. Sie sollte für eine ganze Weile reichen."